Hunde

Wolf

Skandinavischer Wolf ( Canis lupus lupus) Im Tierpark Berlin Skandinavischer Wolf ( Canis lupus lupus) Im Tierpark Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Hunde (Canidae)

D LC 650

Wolf

Canis lupus • The Wolf • Le loup

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Europäischer Wolf (Canis lupus lupus) im Tierpark Thale © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Heutige und ehemalige (hellrot) Verbreitung des Wolfs (Canis lupus)

 

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Eurasischer Wolf (Canis lupus lupus) im Zoo Wingst © Rüdiger Wandrey, ehemals Zoo Wingst

 

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Heulende Kanadische Timberwölfe (Canis lupus occidentalis) im Zoo Hannover © Zoo Hannover (Pressefoto)

 

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Europäische Wölfe (Canis lupus lupus) im Wild- und Wanderpark Silz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Europäischer Wolf (Canis lupus lupus) im JuraParc Mont d'Orzeires, Vallorbe © Peter Dollinger Zoo Office Bern

 

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Europäischer Wolf (Canis lupus lupus) im Wildpark Springe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Iberischer Wolf (Canis lupus signatus), bis 2013 im Tiergarten Nürnberg © Thomas Eckert

 

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Kanadischer Timberwolf (Canis lupus occidentalis, schwarze Phase) im Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kanadische Timberwölfin (Canis lupus occidentalis) mit Welpen, ehemals im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kanadische Timberwölfin (Canis lupus occidentalis) im Zoo Mülhausen im Elsass © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kanadische Timberwölfin (Canis lupus occidentalis) mit Welpen im ZOOM Gelsenkirchen © ZOOM Gelsenkirchen (Pressefoto)

 

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Turukhan-Wolf (Canis lupus albus) im Toronto-Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Polarwölfe (Canis lupus "arctos") im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc / Tiergarten Schönbrunn

 

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Polarwolfwelpen (Canis lupus "arctos") im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc / Tiergarten Schönbrunn

 

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Polarwölfe (Canis lupus subsp.) im Tierpark Petersberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Polarwölfe (Canis lupus subsp.) in der Alten Fasanerie Hanau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Wolfsjagd mit Trojka, M. Müller, München, 1886. www.billerantik.de

 

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Territorien der Wolfsrudel in Sachsen, 2014, nach http://www.wolfsregion-lausitz.de

 

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"Der Wolff ist ein räubig, schäflich, fresig Thier", das "im Winter gar viel gevangen" wird, Aus Conrad GESNERs Thierbuch, Ausgabe 1645

 

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Albin Brunner, der vermeintliche Schütze, posiert im Herbst 1947 mit dem toten "Untier" auf den Schultern für die Presse

 

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In der Nacht auf den 23.08.2013 tötete ein Wolf 14 Schafe auf einer umzäunten Wiese in Münster VS. (SonntagsBlick). Zur Entschärfung des Schafhalter-Wolf-Konflikts förderte zooschweiz ein Herdenschutzprojekt.

 

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Namentlich seitens der Schafhalter und der Bergregionen wurde eine - letztlich erfolgreiche - Lockerung des Wolfsschutzes gefordert. Cartoon: http://www.gigergraphics.ch, Leuk

 

Rotkaeppchen goldau
Bären-Wolfsanlage im Tierpark Goldau: Darstelung des Märchens vom Rotkäppchen

 

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Rotkäppchen und der Wolf als Motiv auf einer Briefmarke, Deutschland

 

Wappen Wolfratshausen
Das Wappen von Wolfrathshausen

 

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Wolfshut (Aconitum napellus), Bären-Wolfsanlage im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Briefmarke mit Wolfsmotiv, Weissrussland

 

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Briefmarke mit Wolfsmotiv, Estland

 

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Gemeinschaftshaltung von Wolf und Braunbär im Zoo Eberswalde © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Weitere Bilder bei BioLib

Der Wolf ist nicht nur der Stammvater des Haushunds und hat eine enorme kulturelle Bedeutung überall, wo er vorkam, sondern ist wohl seit seiner Rückkehr nach Mitteleuropa auch die Tierart, die die Gemüter am meisten bewegt und am meisten polarisiert. Den Zoos kommt in diesem Kontext eine wichtige Rolle zu, indem sie objektiv über den Wolf informieren, falsche Behauptungen ins rechte Licht rücken und, wo möglich, bei der Schadensminderung vermittelnd tätig sind.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Wolf ist der größte noch lebende Vertreter der Hundeartigen. Er erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 100-130(-170) cm, eine Schulterhöhe von 70-100 cm, eine Schwanzlänge von 50-75 cm und im Extremfall ein Gewicht von 80 kg. Rüden sind größer und schwerer als Wölfinnen. Zudem spielt die Bergmannsche Regel: Tiere aus dem Norden des Artareals sind größer und schwerer als solche aus mediterranen bis tropischen Klimazonen. Die Färbung ist ausgesprochen variabel, sie reicht von reinweiß bis schwarz. In Mitteleuropa sind die Tiere in der Regel grau bis lohfarben mit schwärzlichen Beimischungen. Die Unterseite und die untere Gesichtshälfte sind heller und die Schwanzspitze ist schwarz [6; 23].

Verbreitung

Paläarktis: Afghanistan, Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Bhutan, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, China, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Grönland, Indien, Irak, Iran, Israel, Italien, Jemen, Jordanien, Kanada, Kasachstan, Republik Korea, Volksrepublik Korea, Kirgistan, Kroatien, Lettland, Libyen, Litauen, ehem. Jug. Rep. Mazedonien, Mexiko, Moldawien, Mongolei, Montenegro, Myanmar, Nepal, Norwegen, Oman, Pakistan, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Saudi Arabien, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, Syrien, Tadschikistan, Tschechien, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Ungarn, Usbekistan, Vereinigte Arabische Emirate, Vereinigte Staaten, Weißrussland.

Ausgestorben in Österreich (gelegentlich Einzeltiere, aber noch kein Standwild), Belgien, Großbritannien, Irland, Japan, Liechtenstein, Luxemburg, Niederlande [12].

Lebensraum und Lebensweise

Der Wolf ist eine ausgesprochen euryöke Art, die sämtliche Ökozonen mit Ausnahme der immerfeuchten Tropen besiedelt und in den unterschiedlichsten Habitaten vom Tiefland bis auf 3'000 m Höhe vorkommt. Er ist dämmerungs- und nachtaktiv, in schwach besiedelten Gebieten auch tagaktiv,  und lebt meist paarweise oder in hierarchisch organisierten Familiengruppen bestehend aus dem Elterpaar, den Jungen und den Jungtieren des Vorjahres, die sich im Winter zu größeren Gruppen zusammenschließen können. Die Tiere besetzen ein Territorium von 75-2'500 km², das olfaktorisch und durch Heulen markiert wird. Sie jagen Huftiere, kleinere Säugetiere, Vögel, Reptilien Frösche und Insekten, fressen Aas und Früchte und suchen auf Abfallhalden und in Städten Speisereste. Pro Tag benötigen sie 1-2 kg Fleisch. Nach einer Tragzeit von 61-63(-65) Tagen werden 4-7 (1-11) zunächst blinde und taube Junge geboren, die 300-560 g schwer sind und 8-10 Wochen lang gesäugt werden und ab der 3. Lebenswoche feste, von den Erwachsenen ausgewürgte Nahrung zu sich nehmen. Die Jungen sind mit 2 Jahren ausgewachsen und geschlechtsreif [2; 6; 23].]

Gefährdung und Schutz

Wegen seiner weiten Verbreitung gilt der Wolf aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 als nicht-gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), obwohl er in Teilen seines ehemaligen Verbreitungsgebiets ausgestorben ist [12] .

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt. Die Wolfspopulationen von Afghanistan, Bhutan, Burma, Indien, Nepal und Pakistan sind in CITES-Anhang I aufgeführt. Geschützte Tierart im Rahmen des Berner Übereinkommens und demzufolge mit Ausnahme definierter Populationen streng geschützte Art nach Anhang II und IV der FFH-Richtlinie, 92/43/EWG. Diese Schutzmassnahmen haben dazu geführt, dass sich der Wolf heute wieder ausbreitet.

Ausrottung und Rückkehr in Europa

In Deutschland starb die permanente Wolfspopulation auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik um 1850 aus. Dies war das Ergebnis einer Jahrhunderte langen, staatlich geförderten Verfolgung. So hatte z.B. 1662 Herzog Gustaf Adolph zu Mecklenburg ein Schreiben zur Ausrottung der Wölfe erlassen, worin er für jeden abgelieferten Wolfskopf einen Reichstaler und für jeden jungen Wolf einen halben Reichstaler Prämie in Aussicht stellte. In der Folge kamen allein in Mecklenburg jährlich etwa 1000 Wölfe zur Strecke bis die Population ausgerottet war [26]. 1865/66 verübte ein Wolfsrudel im Odenwald "einige Mordthaten an Hunden und Schafen" und richtete "außerordentlich großen Schaden an, indem sie in die Hürden einbrachen, die Schafe in großen Mengen niederrissen und zersprengten". 1865 wurde "bei Sillingen ein kleines Exemplar von 32 Pfund getödtet". Nachdem nicht nur die Regierung, sondern auch der Fürst von LEININGEN "wegen der Beschädigung seines Wildparks" Abschussprämien ausgesetzt hatten, wurde der "hauptsächlichste Missethäter", ein 78 Pfund schwerer Rüde, vom früheren Forstgehülfen KRAFT aus Stümpfelbrunn am 11. März 1866 angeschossen und am folgenden Tag im Rahmen einer Treibjagd vom Rathschreiber und Wirth DIEMER aus Schöllbrunn erlegt [16]. Der allerletzte Abschuss ereignete sich 27. Februar 1904 bei Hoyerswerda, als dort auf einer Treibjagd der "Tiger von Sabrodt" erlegt wurde. Der Schütze wurde mit einer Prämie von 100 RM belohnt. Der zu Lebzeiten 41 kg schwere Rüde ist heute als Präparat im Naturkundemuseum von Hoyerswerda zu besichtigen. Die Freiwillige Feuerwehr Sabrodt (Gemeinde Elsterheide) hat in Anlehnung an den "Tiger von Sabrodt" den Wolf als Wappentier erkoren.

Nach dem 2. Weltkrieg wanderten immer wieder Wölfe aus Polen ein, bis 1990 wurden in der Bundesrepublik 9 und in der DDR 13 erlegt, zumeist junge Rüden. Nach Unterschutzstellung konnte sich in der Lausitz ein festes Vorkommen bilden. 1996 wurde auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz in der Muskauer Heide der erste Wolf gesichtet. 1998 kam ein zweiter dazu, und im Jahr 2000 wurden die ersten vier Welpen geboren. Danach kam es jährlich zu Geburten und die Jungwölfe wanderten jeweils im Alter von zwei Jahren ab. Im Winter 2008/09 gab es im sächsischen Teil der Lausitz fünf Rudel, im brandenburgischen Teil ein Paar. 2014 war die Zahl der Wolfsrudeln in Sachsen auf 12 gestiegen, ein weiteres hielt sich hauptsächlich in Sachsen-Anhalt auf. Im Mittel besetzte ein Rudel ein Territorium von ungefähr 300 km². Einzelne Wölfe wurden auch in anderen Bundesländern festgestellt.Insgesamt  wurden im Wolfsjahr 2017/2018, 60 Rudel, 13 Paare und 3 territoriale Einzeltiere nachgewiesen [25]. Der Naturschutz-Tierpark Görlitz kam 2007 in die Lage, einen aufgefundenen Jungwolf aufzunehmen. Er engagiert sich auch in seiner Öffentlichkeitsarbeiten zugunsten des Wolfes.

In der Schweiz war der Wolf, trotz intensiver Verfolgung, bis ins 17. Jahrhundert allgemein verbreitet. Mit dem Aufkommen effektiverer Schusswaffen konnte er sich nur noch in den Alpen und im Jura halten. Die letzten Abschüsse erfolgten 1684 im Kanton Zürich, 1695 in Appenzell, 1707 in Zug, 1712 in Schaffhausen, 1731 in Schwyz, 1793 in Glarus, 1808 im Aargau, 1834 in Obwalden, 1837 in Freiburg, 1842 in der Waadt, 1845 in Neuenburg, 1853 in Uri und 1865 in Luzern. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 vermehrten sich die Wölfe im Jura stark und wurden in Neuenburg, dem Berner und Solothurner Jura und im Baselbiet gespürt und erfolglos bejagt. Im Tessin waren von 1852-59 im Verzasca- und Maggiatal noch 53 Wölfe erlegt worden. Auch im Bündner Misox waren Wölfe Mitte des 19. Jahrhunderts noch rudelweise vorhanden. Der letzte Schweizer Wolf der ursprünglichen Population fiel 1872 bei Irana am Monte Ceneri im Kanton Tessin [2].

Nach dem Zweiten Weltkrieg trat im Kanton Wallis ein "Untier" auf. In der Presse war die Rede von einem Luchs, einer Pantherfamilie, die in Turin aus einem Zirkus entkommen sein soll, oder gar einem "Tibetanischen Tiger". Die Sache begann damit, dass am 26. April 1946 auf einem Bauernhof bei Pfyn 13 Schafe mit aufgerissenen Hälsen gefunden worden waren. Ein verdächtiger Hund wurde erschossen, aber die Verluste an Kleinvieh und Kälbern hörten nicht auf. Die Walliser Polizei schaltete sich ein. Es wurden Treibjagden organisiert, eine Wahrsagerin und ein Pendler konsultiert, und der Zoologische Garten Basel musste auf Ersuchen des Eidgenössischen Oberforstinspektorats Fussabdrücke seines Mähnenlöwen "Bobby" zu Vergleichszwecken liefern. Da das Monster nicht geortet werden konnte, versicherte sich die Walliser Polizei der Dienste eines Dompteurs namens Fernando, der behauptete, den Panther mit eigenen Augen gesehen zu haben. Fernando wollte das Monster lebend fangen, um es anschließend zur Schau stellen zu können. Er stellte zu diesem Zweck Fallen auf, die er mit einer geheimnisvollen Flüssigkeit bestrich, welche angeblich jedes Raubtier aus einer Distanz von zwei Kilometern unfehlbar anziehen würde. Allerdings ohne Erfolg. Das Rätsel löste sich am 27. November 1947, als sich der Jäger Albin BRUNNER mit einem erlegten Wolf meldete, um die ausgesetzte Abschussprämie von 500 Franken zu kassieren. Die wahre Geschichte war allerdings, dass der Wolf nicht von Albin, sondern von seinem Onkel Marinus BRUNNER erlegt worden war, der, ohne im Besitz eines Jagdpatents zu sein, bei Eischoll einen Luderplatz für Füchse eingerichtet und dort zufällig den Wolf geschossen hatte. Um einer Bestrafung wegen Wilderei zu entgehen, schob er seinen Neffen vor. Diesem fiel somit die Ehre zu, das Untier erlegt zu haben, und Marinus kassierte die Abschussprämie. Im Herbst 1948 war der Wolf von Eischoll ausgestopft und wurde – begleitet von der Schweizerischen Filmwochenschau – ins Naturhistorische Museum Sitten überführt [9; 13], wo nach Meinung mancher Walliser alle Wölfe hingehören. Am 9. September 1954 wurde im bündnerischen Puschlav ein weiterer aus Italien zugewanderter Wolf erlegt, ferner 1978 und 1991 bei Lenz und im Solothurner Mittelland je einer, bei denen es sich aber um ausgesetzte oder entkommene Tiere aus Privathaltungen gehandelt haben dürfte [8].

In Italien war der Wolf bis auf einen kleinen Restbestand in den Abruzzen zusammengeschmolzen. Nach Unterschutzstellung wuchs die Population, dehnte sich im Apennin aus und erreichte schliesslich die Alpi Marittime, von wo aus sie sich nach Frankreich und der Schweiz ausdehnte. Im Sommer 2016 lebten etwa 40 Wölfe in einem Gebiet, das den Alpen- und Voralpenraum der Kantone Wallis, Tessin, Graubünden, Waadt, Freiburg und Bern umfasste. 2012 gab es am bündnerischen Calanda-Gebirgsstock erstmals Nachwuchs. Im Mai 2013 wurde erstmals wieder ein Wolf im Neuenburger Jura nachgewiesen (PM Staatskanzlei Neuenburg). Ab 2014 wanderten Wölfe bis in die Gegend von Zürich, den Bodensee und ins österreichische Vorarlberg. 2015 bildete sich in der Valle Morobbia im Tessin ein zweites Rudel. Im Frühjahr 2018 waren es zwei Rudel, 1 Paar und 3 potentielle Paare, bestand der schweizerische Wolfsbestand aus über 40 Tieren und waren seit 1998 insgesamt 26 Wölfe nachweislich zu Tode gekommen. Davon waren 10 legal und 2 irrtümlich geschossen und 6 gewildert worden [10].

Da in den Schweizer Bergregionen während des Sommers rund eine Viertelmillion Schafe weiden - in der Regel ohne Hirten und Hütehunde - war und ist hier der Mensch-Wolf-Konflikt besonders ausgeprägt. Mehrere Wölfe wurden illegal oder, nachdem sie eine bestimmte Zahl Haustiere gerissen hatten, mit Genehmigung abgeschossen. Der Verein zooschweiz engagierte sich deshalb in einem Wolfsschutzprojekt und nutzte die Europäische Raubtierkampagne der EAZA (2009) einen "Theater mit Wölfen"-Wettbewerb auszuschreiben.

Die Wiederbesiedlung in Österreich ist weniger weit fortgeschritten. Es wandern aber immer wieder einzelne Wölfe aus Slowenien nach Kärnten und der Steiermark ein und werden gelegentlich auch in anderen Bundesländern gesichtet.

In Schweden, wo der Wolf um 1960 praktisch ausgerottet war, wurde er 1966 geschützt. Heute gibt es wieder eine Population von rund 260 Tieren. Um den Bestand temporär auf einer Höhe von 210 Tieren zu stabilisieren, wurde ab 2010 der Abschuss von 27 Tieren / Jahr beschlossen [4].

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Sofern nicht besondere Schutzmaßnahmen getroffen werden, können Wölfe erheblich Schäden beim Weidevieh, insbesondere bei Schafen, verursachen. In Ländern mit großen Wolfbeständen spielt die Jagd eine gewisse wirtschaftliche Rolle. Von 2001-2017 wurden z.B. aus Kanada nebst anderen Teilen und Erzeugnissen 42'135 Felle und 2'397 "bodies" zur Ausfuhr genehmigt. Weltweit wurden 7'180 Jagdtrophäen ausgeführt, davon 5'787 aus Kanada, 454 aus Russland und 269 aus der Mongolei, ferner 116 lebende Wildfänge. Im selben Zeitraum wurden weltweit 1'035 Nachzuchttiere international verschoben [5].

Kulturelle Bedeutung: Im Griechenland des 2. Jahrtausends vor Christus wurde Zeus als Wolf verehrt [19]. Der Arkadierkönig LYKAON soll von Zeus in einen Wolf verwandelt worden sein.

Der germanische Gott Wotan, der Odin der Nordgermanen, war als Toten- und Schlachtengott von zwei Raben und zwei Wölfen begleitet, wenn er im Sturmwind auf seinem Hengst „Sleipnir“ mit den Seelen der Gefallenen unterwegs war. Wotan galt auch als Gott der Runenweisheit und der Heilkunde und selber dem Schicksal unterworfen, wird er beim Weltuntergang vom „Fenriswolf“ verschlungen [26].

Auch als Held von Kinderliedern, Gedichten, Fabeln, Sagen und Märchen ist der Wolf von grosser kultureller Bedeutung. Oft tritt er dabei in Kombination mit Fuchs oder Bär auf.

Äsop: Der Wolf und der Kranich
Jean de Lafontaine: Le loup et l'agneau (mit deutscher Übersetzung)

Märchen der Gebrüder Grimm:
Der Wolf und die sieben jungen Geißlein
Rotkäppchen
Der Fuchs und die Frau Gevatterin
Der Wolf und der Fuchs
Der Zaunkönig und der Bär        
Der Wolf und der Mensch
Die zwei Brüder

Wilhelm Busch: Die Teilung (aus: Zu guter Letzt)

Im Tierepos "Reineke Fuchs" ist er der Ankläger, der dem König der Tiere des Fuchses Missetaten vorträgt.

Viele Flur- und Ortsnamen verweisen auf den Wolf, so in der Schweiz: Wolfgang, Wolfhalden, Wolfhausen, Wolfisberg, Wölflinswil und Wolfwil. In Deutschland und Österreich gibt es zahlreiche Orte, Schlösser, Burgen und Berge mit der Bezeichnung "Wolfsberg". Bekannte deutsche "Wolfs-Städte", die auch den Wolf im Wappen führen, sind Wolfsburg und Wolfratshausen, daneben gibt es 34466 Wolfhagen, 38300 Wolfenbüttel, 55578 Wolfsheim, 67752 Wolfstein, 72649 Wolfschlugen, 77709 Wolfach, 85395 Wolfersdorf, 86709 Wolferstadt, 87787 Wolfertschwenden, 88364 Wolfegg, 93195 Wolfsegg, 98704 Wolfsberg, 99713 Wolferschwenda und 06542 Wolferstedt.

Meister Isegrimm stand auch zahlreichen Pflanzenarten Gevatter: so für Wolfsmilch (Wolfsmilchgewächse; Euphorbiaceae; Euphorbia spp.), Wolfsschwertel (Hermodactylus (Iris) tuberosus), Wolfstrapp (u.a. Ufer-Wolfstrapp; Lycopus europaeus), Wolfsbast (Gemeiner Seidelbast; Daphne mezereum), Wolfsbeere (Vierblättrige Einbeere; Paris quadrifolia), Wolfsbohne (Gelbe Lupine; Lupinus luteus), Wolfskirsche (Tollkirsche; Atropa belladonna), Wolfshut (Blauer Eisenhut; Aconitum napellus), Wolfskraut (Osterluzei; Aristolochia sipho), Wolfskraut oder Wolfszahn (Stinkende Nieswurz, Helleborus foetidus), Wolfsranken oder Wolfsholz (=Gemeine Waldrebe, Clematis vitalba), Wolfsgras (= Behaarte Hainsimse, Luzula pilosa), Wolfsklauen (Gewöhnlicher Waldbärlapp, Lycopodium annotinum), Wolfsschweif (auch Bärenschweif, Löwenschwanz, Leonurus cardiaca), Wolfsblume, Wolfstod oder Wolferlei (Arnica montana), Wolfskamm (Wilde Karde, Dipsacus fullonum), Wolfsschote (Bärenschote, Süsser Tragant, Astragalus glycyphyllos), Wolfsdistel (Silberdistel, Carlina acaulis).

Der Werwolf, einem Fabelwesen, das tagsüber menschliche Gestalt hat, sich in Vollmondnächten aber in einen blutrünstigen Wolf verwandeln kann, begegnen wir nicht nur in Horrorfilmen sondern auch in den skurrilen Galgenliedern von Christian Morgenstern:

Der Werwolf

Bis zur Aufklärung wurden Werwölfe als real angesehen. In Europa wurden mehrere hundert Prozesse geführt gegen Personen, die beschuldigt wurden, sich in Werwölfe verwandelt, auf Wölfen geritten oder Wölfe "gebannt" und für ihre kriminellen Zwecke verwendet zu haben. Viele dieser Prozesse, deren letzte um 1720-25 in Österreich stattfanden, endeten mit dem Tod der Beschuldigten.

Auch Menschen mit übermäßiger Körperbehaarung, insbesondere an sonst unbehaarten Stellen (Hypertrichose), wurden als Wolfsmenschen bezeichnet und als Werwölfe verfolgt oder auf Jahrmärkten oder im Zirkus zur Schau gestellt.

Haltung

Im Zoo können Wölfe ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen [21]. Eine Gemeinschaftshaltung mit Braunbären ist möglich, sofern große Gehege mit Abtrennmöglichkeiten vorhanden sind, sie wird z.B. in Eberswalde in Goldau oder in Poing praktiziert.

Haltung in europäischen Zoos: Der Wolf ist in Europa in über 400 Haltungen zu sehen, von denen sich über ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Er ist damit die mit Abstand am häufigsten gehaltene Canidenart. Für Details siehe Zootierliste.

Für den Iberischen Wolf (Canis lupus signatus) gibt es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das vom Zoo Bacelona koordiniert wird.

Wie Wölfe gehalten werden (Beispiele):
Himalaya-Anlage im Zoo Zürich ZOOLEX Gallery
Braunbären und Wölfe im Zoo Schwerin ZOOLEX Gallery

Forschung im Zoo: Der Wolf ist immer wieder Gegenstand von Forschungsarbeiten zu unterschiedlichen Themen, die entweder unser Grundlagenwissen erweitern oder darauf abzielen, die Haltungsbedingungen zu optimieren [1; 3; 11; 13; 15; 18; 19; 22].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein Gehege für ein Paar mindestens eine Fläche von 300 m² aufweisen. Für jedes weitere erwachsene Tier kommen 20 m² zur Basisfläche dazu. Bei Haltung auf gewachsenen Böden ist die Fläche zu verdreifachen.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für ein Paar ein Gehege vor, dessen Grundfläche 400 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 20 m² zur Basisflächen dazu. Es müssen individuelle Boxen mit einer Fläche von je 4 m² und Abtrennmöglichkeiten vorhanden sein. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) sind für ein Paar 800 m² erforderlich, für jedes weitere Adulttier 80 m² mehr.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Wolf wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter seinem heute noch gültigen Namen beschrieben. 2005 wurde die Zahl der Unterarten mit 37 angegeben. 2009 wurden davon noch 11 anerkannt [23; 24].

Literatur und Internetquellen  

  1. AMBROSCH, J. (2009)
  2. BAUMANN, F. (1949)
  3. BOGUSCH, C. (2002)
  4. CHAPRON, G. (2010)
  5. CITES TRADE STATISTICS
  6. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  7. GRUPPE WOLF SCHWEIZ
  8. HAUSSER, J. et al. (Hrsg., 1995)
  9. HEDIGER, H. (1951)
  10. KORA
  11. MARKOWSKI, S. (2013)
  12. MECH, L.D. & BOITANI, L. (IUCN SSC Wolf Specialist Group). (2010). Canis lupus. The IUCN Red List of Threatened Species 2010: e.T3746A10049204. http://www.iucnredlist.org/details/3746/0. Downloaded on 20 June 2018.   
  13. MEICHTRY, W. (2010)
  14. MÖSLINGER, H. (2009)
  15. MUNDIGER, C. (2008)
  16. PAGENSTECHER, H. A. (1866)
  17. PULST, J. (2009) 
  18. SCHÜRMER, C. (2011)
  19. SOMMER, C. (1990)
  20. VOLMAR, F. A. (1940)
  21. WEIGL, R. (2005)
  22. WIESE, C. (2014)
  23. WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)
  24. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  25. WOLFSREGION LAUSITZ
  26. ZESSIN, W. (2004)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx