Gibbons und Menschenaffen

Orangutan

Sumatra-Orang-Mann im Zoo Leipzig Sumatra-Orang-Mann im Zoo Leipzig
© Zoo Leipzig

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder  Schmalnasenaffen  (Catarrhini)
Familie: Menschenaffen (Pongidae / Hominidae)
Tribus: Orangs (Pongini)

D CR 650

Orangutan

Pongo pygmaeus / abelii • The Orang-Utan • L'orang-outan

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Borneo-Orang-Frau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Gefährdung und Schutz: Der Lebensraumverlust ist dramatisch und der Fang von Jungtieren für den illegalen nationalen und regionalen Handel ist immer noch umfangreich. Der Sumatra-Orang gilt daher seit 2000, der Borneo-Orang seit 2016 als vom Aussterben bedroht (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED) [1; 23].

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

Verbreitung: In Indonesien auf Sumatra (Provinzen Aceh und Norsumatra) und  Borneo (Kalimantan), in Malysia auf Borneo (Bundesstaaten  Sabah und Sarawak). 106-009-004-001 pongo abelii pyg map
Verbreitung der Orangutans. Blau: abelii; Rot: pygmaeus
Keine rezenten Vorkommen in Brunei [1; 19; 23].

Fixpunkt Schlafnest: Orang in Hängematte im Tierpark Hagenbeck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Fixpunkt Schlafnest: Orang in Hängematte im Tierpark Hagenbeck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Haltung in europäischen Zoos: Orang Utans werden in rund 80 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP, seit 1990) wird vom Zoo Karlsruhe koordiniert (CB).

Borneo-Orang-Mann (Pongo p. pygmaeus) im Zoo Krefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Borneo-Orang-Mann (Pongo p. pygmaeus) im Zoo Krefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Wie Orang-Utans gehalten werden (Beispiele):

Pongo-Land im Zoo Leipzig
ZoORANGerie - Dschungelanlage für Orang-Utans im Allwetterzoo Münster
Orang-Utan-Haus im Tierpark Hagenbeck

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Sumatra-Orang-Weibchen "Elsi" (Pongo p. abelii) im ZOOM Gelsenkirchen © ZOOM Gelsenkirchen (Pressefoto)
In verschiedenen Zoos werden Orang-Utans zusammen mit Zwergottern oder anderen Primaten, namentlich Gibbons oder Languren gehalten, was sich als Mittel zur Umweltanreicherung bewährt hat [7].

Zoogestützte Artenschutzprojekte (Beispiele):

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Sumatra-Orang-Weibchen (Pongo p. abelii) mit Zwilligen im Tierpark Hellabrunn © Marc Müller / TP Hellabrunn
Die Artenschutzstiftung des Karlsruher Zoos, der auch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für den Orang Utan koordiniert, unterstützt die Kobus- Auffang- und Aufzuchtstation in Ost-Borneo des des Niederländers Willie Smits, der schon über 600 konfiszierte Orangs aufgepäppelt und wiederausgewildert hat. mehr ... 

Der Zoo Zürich unterstützt den Betrieb der Auffangstation in Batu Mbelin in der Region des Gunung Leuser Nationalparks, wo verwaiste, konfiszierte oder verletzte Orang-Utans aufgenommen werden und nach ihrer Rehabilitierung wieder in den Regenwald des Jantho Naturreservates freigelassen werden. mehr...

Taxonomie und Nomenklatur: Biologisch gesehen sind die Orangs eine Art, weil sich Tiere aller Populationen problemlos kreuzen, wenn sie die Möglichkeit dazuj haben, und ihre Nachkommen voll fruchtbar sind. Die Phylogenetiker haben mittlerweile 3-5 Arten daraus gemacht. Die Zoos differenzieren lediglich zwischen Borneo- und Sumatra-Orangs.

Primatologen sind Weltmeister im Beschreiben neuer Tierarten. Aufgrund genetischer Analysen befördern sie bisher alSumatra-Orangs im Zoo Neunkirchen - Photo Zoo Neunkirchen
Sumatra-Orangs im Zoo Neunkirchen - Photo Zoo Neunkirchen
s Unterarten akzeptierte Taxa in den Rang von Arten und spalten so eine bestehende Art jeweils in mehrere neue auf, die sie eventuell wiederum in neue Unterarten unterteilen.

So erging es auch dem Orang-Utan: Früher als eine Art betrachtet wurden seine beiden Unterarten, der Sumatra- (Pongo pygmaeus abelii) und der Borneo-Orang (Pongo p. pygmaeus) zu vollen Arten erhoben und der Borneo-Orang wurde in drei Unterarten aufgeteilt:

P. p. pygmaeus aus Nordwest-Borneo
P. p. wurmbii aus Zentral-Borneo
P. p. morio aus Nordost-Borneo.

Sumatra-Orang-Mann (Pongo p. abelii) im Zoo Leipzig © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Sumatra-Orang-Mann (Pongo p. abelii) im Zoo Leipzig © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Was dem Borneo Orang recht ist, muss dem Sumatra-Orang billig sein. Daher wurde 2017 aus einer isolierten Population im Süden Sumatras gar eine eigene Art gemacht [19]. Würde man beim Menschen dieselben Kriterien anlegen, gäbe es zahlreiche Menschenarten und –unterarten. Nur würde, wer immer dies täte, als Rassist verfemt. Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind allerdings den Orangs selbst nicht geläufig: wenn sie die Möglichkeit haben, verpaaren sie sich fröhlich über Art- und Unterartgrenzen hinweg und zeugen fruchtbare Nachkommen.

Im Zoo wurden die Orangs ursprünglich ohne Rücksicht auf ihre Herkunft zusammengehalten, was zu zahlreichen Borneo-Sumatra-MischlingenPM 2013-04-30 orang jahe0 guenterSchmidt TPHellabrunn
Sumatra-Orang-Frau im Tierpark Hellabrunn - Pressefoto TP Hellabrunn
führte. 1991 beschloss das EEP-Komitee, je eine reine Borneo- bzw. Sumatrapopulation zu erhalten. Die vorhandenen Unterart-Mischlinge wurden sterilisiert und so von der Zucht ausgeschlossen.

Am 1.1.2016 machten Mischlinge noch etwa 6.0 % des europäischen Bestandes aus. Dass im Jahr 2004 der Borneo-Orang in neue Unterarten aufgeteilt werden sollte, war natürlich nicht vorauszusehen, somit gibt es in den Zoos heute einen „Borneo-Einheits-Orang“.

DDR-Briefmarke Zoo Dresden
DDR-Briefmarke Zoo Dresden
In der Natur leben heute noch etwa 6'600 Sumatra-Orangs, die höchst bedroht sind. Die höchste Dichte kommt in den Tripa-Torfsumpfwäldern an der Westküste von Aceh vor. In den letzten Jahren sind dort aber 80% des Waldes gerodet worden, um Palmöl-Plantagen einzurichten. Andererseits konnte durch die Ansiedlung konfiszierter Tiere im Bukit Tigapuluh National Park ein neuer Bestand von etwa 70 Tieren begründet werden, was die Verluste in Tripa natürlich nicht aufwiegt. Vom Borneo-Orang gibt es noch etwa 40-60'000 Tiere, die Gebiete von etwa der doppelten Fläche der Schweiz besiedeln. Davon leben etwa 11'000 in Sabah, wovon 62 % außerhalb geschützter Wälder.

Literatur:

  1. ANCRENAZ, M.et al. (2016). Pongo pygmaeus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T17975A17966347. http://www.iucnredlist.org/details/17975/0. Downloaded on 15 May 2018.
  2. BAUERMEISTER, B. (1999)
  3. BAUMGARTNER, G. (2010)
  4. BEHRINGER, V. (2011)
  5. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  6. BRÜCKNER, J. (2014)
  7. BUCKEN, S. M. & GÜRTLER, W.-D. (2013)
  8. CASPARI, S. (2015)
  9. CLASSEN, D. (2011) 
  10. GÜTTNER, C. (2010)
  11. HESS, J. (1996)
  12. HOLTKÖTTER, M. (1989) 
  13. IMMEL, U-D. (1999)
  14. KRAUSE, F. (2008)
  15. LAMETER, K.A. (2015)
  16. LAMPE, J. (2009)
  17. MANTEL, E.-M. (2008)
  18. NAPIERSKI, S. (2011)
  19. NOWAK, M.G. (2017). Pongo tapanuliensis. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T120588639A120588662. http://www.iucnredlist.org/details/120588639/0. Downloaded on 15 May 2018.
  20. SCHILLING, S. (2016)
  21. SCHNEIDER, C. (2012)
  22. SCHREINER, C. (2011)  
  23. SINGLETON, I. et al. (2017). Pongo abelii. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T121097935A115575085. http://www.iucnredlist.org/details/121097935/0. Downloaded on 15 May 2018.
  24. STRAKE, M. (2014)
  25. THOMAS, C. (2002)
  26. WEISS, M. (2010)
  27. WILKENLOH, U. (1974)
  28. ZIMMERMANNM N. (2011)

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Gelesen 541 mal Letzte Änderung am Sonntag, 29 Juli 2018 14:34
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