Gibbons und Menschenaffen

Orangutan

Sumatra-Orang-Mann (Pongo (pygmaeus) abelii) im Zoo Leipzig Sumatra-Orang-Mann (Pongo (pygmaeus) abelii) im Zoo Leipzig
© Zoo Leipzig

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder Schmalnasenaffen (Catarrhini)
Familie: Menschenaffen (Pongidae / Hominidae)
Tribus: Orangs (Pongini)

D CR 650

Orangutan

Pongo pygmaeus / abelii • The Orang-Utan • L'orang-outan

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Borneo-Orang-Frau (Pongo p. pygmaeus) im Krefelder Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung der Orangutans. Blau: abelii; Rot: pygmaeus

 

 

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Borneo-Orang-Mann (Pongo p. pygmaeus) im Zoo Krefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Sumatra-Orang-Mann (Pongo p. abelii) im Zoo Leipzig © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Sumatra-Orang-Weibchen "Elsi" (Pongo p. abelii) im Alter von 59 Jahren in der ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen © ZOOM Gelsenkirchen (Pressefoto)

 

 

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Sumatra-Orang-Frau im Tierpark Hellabrunn © Günter Schmidt / TP Hellabrunn (Pressefoto)

 

 

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Sumatra-Orang-Mutter (Pongo p. abelii) mit halbwüchsigem Jungtier in Hagenbecks Tierpark © Tierpark Hagenbeck (Pressefoto)

 

 

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Borneo-Orang-Mann (Pongo p. pygmaeus) mit Hauskatze im Zoo La Plata, Argentinien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Sumatra-Orangs (Pongo p. abelii) im Zoo Basel © Torben Weber / Zoo Basel (Pressefoto)

 

 

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Fixpunkt Schlafnest: Sumatra-Orang (Pongo p. abelii) in Hängematte im Tierpark Hagenbeck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Sumatra-Orang-Weibchen (Pongo p. abelii) mit Zwilligen im Tierpark Hellabrunn © Marc Müller / TP Hellabrunn

 

 

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Sumatra-Orangs (Pongo p. abelii) im Zoo Neunkirchen © Zoo Neunkirchen (Pressefoto)

 

 

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Junger Sumatra-Orang (Pongo p. abelii) im Zoo Heidelberg © Heidrun Knigge / Zoo Heidelberg (Pressefoto)

 

 

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Halbwüchsiger Borneo-Orang (Pongo p. pygmaeus) als Beifahrer auf dem Motorrad im Korat-Zoo, Nakhon Ratchsima, Thailand © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Wohlgenährte Borneo-Orang-Frau (Pongo p. pygmaeus) im Taman Safari Indonesia, Prigen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Aufzucht verwaister oder verstoßener Menschenaffen im Taman Safari Indonesia, Bogor © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Borneo-Orang (Pongo p. pygmaeus) im Allwetterzoo Münster © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Sumatra-Orang-Weibchen (Pongo p. abelii) im Zoo Melbourne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

Briefmarke Orang Utan
DDR-Briefmarke 10 Pf. mit Orangutan-Motiv - Zoo Dresden

 

 

Weitere Bilder auf BioLib

Wegen illegaler Bejagung, illegalem Fang und kontinuierlicher Vernichtung ihres Lebensraums sieht die Zukunft für die von der IUCN als vom Aussterben bedroht eingestuften Orangutans düster aus. Die Zoos haben deshalb ein internationales Zuchtbuch und regionale Zuchtprogramme eingerichtet. Bestehende Probleme, etwa hinsichtlich baulicher Infrastruktur, die einer langfristigen Erhaltung des relativ großen Zoobestands entgegenstehen, werden gegenwärtig angegangen.

Körperbau und Körperfunktionen

Orangutans unterscheiden sich von allen anderen Menschenaffen durch ihr rost- bis kastanienbraunes Fell. Ihr Kopf weist eine hohe, gerundete Schädelpartie, eine vorspringende Schnauze, schwach ausgeprägte Überaugenwülste, kleine, eng beisammen stehende Augen, kleine Ohren und bei beiden Geschlechtern einen mehr oder weniger stark ausgebildeten Bart auf. Ein Hals ist nicht erkennbar. Die Arme sind auf Schwinghangeln ausgerichtet und daher lang, kräftig und mit langen, schmalen Händen versehen, deren kurze Daumen nahe am Handgelenk wurzeln. Die Beine sind relativ kürzer als bei anderen Menschenaffen. Es besteht ein starker Geschlechtsdimorphismus: Die Männer haben als Muskelansatzstellen an ihrem Schädel Sagittal- und Nuchalkämme, stärker ausgebildete Eckzähne und einen großen Kehlsack, der als Resonanzkörper und Luftreservoir beim Singen dient. Sie erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 96-99 cm, eine Standhöhe bis 160 cm und ein Gewicht von etwa 60-90 kg, die Weibchen eine Kopf-Rumpflänge von 68-85 cm, eine Standhöhe bis 130 cm und ein Gewicht von etwa 30-50 kg. Eine weitere Besonderheit der Männer sind die durch Einlagerung von subkutanem Fett gebildeten Backenwülste, die aber nicht bei allen Individuen ausgebildet sind. Bei Borneo-Orangs sind diese abstehend und nahezu unbehaart, bei Sumatra-Orangs flach am Kopf anliegend und mit kurzen weißen Haaren bedeckt. Backenwülster entwickeln ein sehr langes, mantelartiges Haarkleid [5; 6; 31].

Verbreitung

Südostasien: In Indonesien auf Sumatra (Provinzen Aceh, Nord- und Westsumatra) und Borneo (Kalimantan), in Malysia auf Borneo (Bundesstaaten  Sabah und Sarawak). Keine rezenten Vorkommen in Brunei [1; 22; 26].

Lebensraum und Lebensweise

Orangutans besiedeln primäre und selektiv eingeschlagene Tiefland-Regenwälder, Sekundärwälder, Sumpfwälder und Wälder der submontanen und montanen Stufe bis auf eine Höhe von 1'500 m. Am häufigsten sind sie aber in Höhenlagen unterhalb von 500 m und in möglichst wenig beeinträchtigten Wäldern. Sie sind tagaktiv und überwiegend baumlebend [13; 23].

Die Tiere leben weitgehend einzeln bzw. als kleine Mutterfamilien. Gelegentlich schließen sich auch zwei Weibchen für eine Weile zusammen. Erwachsene Männer mit Backenwülsten haben Streifgebiete, die sich mit jenen von 3-4 Weibchen überlappen. Gegenüber anderen Backenwülstern verhalten sie sich territorial. Männer ohne Backenwülste werden meist toleriert. Die Nahrung besteht überwiegend aus Früchten, wenn diese knapp sind, werden vermehrt Blätter, Schoße, Epiphyten, Rinde, Samen, Blüten und Kräuter, in geringem Umfang auch Wirbellose, vor allem Ameisen, Termiten und Käfer gefressen und selten kleinere Wirbeltiere wie z.B. Plumploris gefangen [5; 6; 31].

Orangutans haben unterschiedliche Paarungsstrategien. Männer mit Backenwülsten sitzen in ihrem Revier, singen laut und warten bis die Weibchen zu ihnen kommen. Backenwulstlose Männer dagegen suchen Weibchen für kurze sexuelle Kontakte auf. Geburten können während des ganzen Jahrs erfolgen. Nach einer Tragzeit von rund 240 (223-261) Tagen wird normalerweise ein einzelnes Junges geboren, das mit 2.5 bis 7 Jahren entwöhnt wird. Die Weibchen gebären meist erst im Alter von 15 Jahren zum ersten Mal. Die Geburtsabstände betragen 6 bis 9 Jahre [5; 31].

Gefährdung und Schutz

Der Lebensraumverlust ist dramatisch und der Fang von Jungtieren für den illegalen nationalen und regionalen Handel ist immer noch umfangreich. Der Sumatra-Orang gilt daher seit 2000, der Borneo-Orang seit 2016 als vom Aussterben bedroht (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED). In der Natur leben heute noch etwa 6'600 Sumatra-Orangs. Die höchste Dichte kommt in den Tripa-Torfsumpfwäldern an der Westküste von Aceh vor. In den letzten Jahren sind dort aber 80% des Waldes gerodet worden, um Palmöl-Plantagen einzurichten. Andererseits konnte durch die Ansiedlung konfiszierter Tiere im Bukit Tigapuluh National Park ein neuer Bestand von etwa 70 Tieren begründet werden, was die Verluste in Tripa natürlich nicht aufwiegt. Vom Borneo-Orang gibt es noch etwa 40-60'000 Tiere, die Gebiete von etwa der doppelten Fläche der Schweiz besiedeln. Davon leben etwa 11'000 in Sabah, wovon 62 % außerhalb geschützter Wälder [1; 22; 26].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Zoogestützte Artenschutzprojekte (Beispiele):

  • Die Artenschutzstiftung des Karlsruher Zoos, der auch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für den Orangutan koordiniert, unterstützt die Kobus- Auffang- und Aufzuchtstation in Ost-Borneo des des Niederländers Willie Smits, der schon über 600 konfiszierte Orangs aufgepäppelt und wiederausgewildert hat. mehr ... 
  • Der Zoo Zürich unterstützt den Betrieb der Auffangstation in Batu Mbelin in der Region des Gunung Leuser Nationalparks, wo verwaiste, konfiszierte oder verletzte Orangutans aufgenommen werden und nach ihrer Rehabilitierung wieder in den Regenwald des Jantho Naturreservates freigelassen werden. mehr...

Bedeutung für den Menschen

Orangutans werden für die Gewinnung von Fleisch oder zur Vermeidung von Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen illegal abgeschossen, in Kalimantan mehrere 1'000 Individuen pro Jahr. Dabei anfallende Jungtiere, gemäß Schutzorganisationen jährlich über 1'000, werden als Heimtiere gehalten, national gehandelt oder illegal ausgeführt [1; 26]. Die Tiere landen nicht nur in privaten Haushalten, sondern müssen z.B. in Thailand für Box-Veranstaltungen herhalten. Mittlerweile spielt "Orang Watching" in Nationalparks oder Schutzstationen eine gewisse Rolle für den Tourismus. Es gibt rund ein Dutzen Destinationen, die als "Best places to see orangutans" vermarktet werden.

Von 1977-2017 registrierten Indonesien und Malaysia bei der Ausfuhr nebst Wissenschaftsmaterial 4 lebende Wildfänge des Sumatra und 22 des Borneo-Orangs. Im selben Zeitraum wurden weltweit 407 Nachzuchttiere des Borneo- und 78 des Sumatra-Orangs über internationale Grenzen verschoben, wichtigstes Ausfuhrland für beide war Deutschland mit 63 bzw. 26 Stück [11].

Haltung

Es gibt ein Internationales Zuchtbuch, das am Como Park Zoo in St. Paul (Minnesota) geführt wird. Dieses umfasst 316 lebende Sumatra-Orangs in 78 Einrichtungen und 598 lebende Borneo-Orangs in 124 Einrichtungen [IZY 52, Daten bis Dezember 2016].

In verschiedenen Zoos werden Orangutans zusammen mit Zwergottern oder mit anderen Primaten, namentlich Gibbons, Makaken oder Languren gehalten, was sich als Mittel zur Umweltanreicherung bewährt hat [33].

Als Höchstalter gibt WEIGL für mehrere Tiere 52-59 Jahre an [29].

Haltung in europäischen Zoos: Orangutans werden in rund 80 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Das seit 1990 bestehende Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) wird vom Zoo Karlsruhe koordiniert. In den Zoos wurden die Orangs ursprünglich ohne Rücksicht auf ihre Herkunft zusammengehalten, was zu zahlreichen Borneo-Sumatra-Mischlingen führte. 1991 beschloss das EEP-Komitee, je eine reine Borneo- bzw. Sumatrapopulation zu erhalten. Die vorhandenen Unterart-Mischlinge wurden sterilisiert und so von der Zucht ausgeschlossen. Am 1.1.2018 wurden im Rahmen des EEP 346 (137.209) Orangs gehalten. Davon waren rund 51% Borneo- und 44" Sumatra-Orangs. Mischlinge machten noch 5.2 % des europäischen Bestands aus, Wildfänge 4.9 %. Dass im Jahr 2004 der Borneo-Orang in neue Unterarten aufgeteilt werden sollte, war natürlich nicht vorauszusehen, somit gibt es in den Zoos heute einen „Borneo-Einheits-Orang“ [5].

Wie Orangutans gehalten werden (Beispiele):

Forschung im Zoo: Orangutans sind sehr beliebt als Gegenstand von Forschungsarbeiten oder forschendem Lernen. Bei manchen Arbeiten geht es um die Erweiterung unseres Grundlagenwissens z.B. über Sozialverhalten, Dominanzstrukturen, Paarbildung, Aufzucht, Chronobiologie, kognitive Prozesse oder die Entwicklung von gestischer Kommunikation [10; 12; 15; 17; 18; 19; 20; 24; 32]. Andere Arbeiten, etwa über Raumnutzung, Auswirkung von Gehegewechsel und Änderung der Gruppenzusammensetzung auf den Hormonhaushalt, Vergesellschaftung mit anderen Arten, haltungsbedingten Einflüssen auf Verhalten und Stresssituation, Auswirkugen von Enrichment-Maßnahmen, Vergleich unterschiedlicher Haltungsformen, DNA-Typisierung von Kotproben; veterinärmedizische Aspekte, Informations- und Bildungsangebote zum Artenschutz [2; 3; 4; 8; 9; 13; 16; 21; 23; 25; 27; 28; 30; 34] dienen der Verbesserung der Haltung.

Mindestanforderungen an Gehege: Dass in die nachfolgenden Mindestanforderungen nicht sonderlich viel Sachverstand eingeflossen ist, ist insofern wenig erheblich, als alle Tier in Europa Teil des EEP sind und es für diese Haltungsempfehlungen gibt, die gute Orientierungshilfen bieten [5].

Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung von bis zu 4 verträglichen Tieren ein Außen- und zwei Innengehege gefordert. Das Außengehege soll eine Fläche von 120 m², die Innengehege zusammen von 160 m² aufweisen bei einer Höhe von jeweils 6 m. Für jedes weitere Tier werden außen und innen je 25 m² Fläche mehr gefordert. Dies ist eine Erhöhung des Raumangebots auf gegen das Fünffache gegenüber dem Gutachten’96, für die es keine Begründung gibt. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos hielten eine Erhöhung ebenfalls für angezeigt, allerdings nur auf je 50 m² außen und innen für 2 Tiere und für jedes weitere Tier 10 m²zusätzlich, dies bei einer Raumhöhe von 6 m außen und 4 m innen.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 3 erwachsene Orangs ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 35 m² bei 4 m Höhe und für jedes weitere Tier je 8 m² Fläche zusätzlich vor.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise, als Familien- oder Männchengruppe erfolgen und es ist für bis zu 5 Adulttieren ein Außengehege mit einer Grundfläche von 300 m² sowie ein Innengehege von 150 m² bei einer Höhe von jeweils 6 m erforderlich. Für jedes weitere Tier sind die Flächen außen um 30, innen um 15 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Orangutan wurde 1760 von Carl von LINNÉ unter dem Namen "Simia pygmaeus" anhand eines Exemplars aus Kalimantan erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der heute gültige Gattungsname Pongo wurde 1799 vom französischen Naturforscher Graf Bernard-Germain-Étienne de LACÉPÈDE verliehen. 1827 beschrieb der französische Arzt und Naturforscher René Primevère LESSON den Sumatra-Orang als Pongo abelii. Dieser wurde in der Folge als Unterart von Pongo pygmaeus eingestuft, denn biologisch gesehen bilden die Orangs eine einzige Art, weil sich Tiere aller Populationen problemlos kreuzen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben, und ihre Nachkommen voll fruchtbar sind. Die Phylogenetiker haben aber mittlerweile 3-5 Arten daraus gemacht. Die Zoos differenzieren lediglich zwischen Borneo- und Sumatra-Orangs [1; 5; 26; 28].

Primatologen sind Weltmeister im Beschreiben neuer Tierarten. Aufgrund genetischer Analysen befördern sie bisher als Unterarten akzeptierte Taxa in den Rang von Arten und spalten so eine bestehende Art jeweils in mehrere neue auf, die sie eventuell wiederum in neue Unterarten unterteilen. So erging es auch dem Orangutan: Seine beiden früheren Unterarten, der Sumatra- (Pongo pygmaeus abelii) und der Borneo-Orang (Pongo p. pygmaeus) wurden zu vollen Arten erhoben und der Borneo-Orang wurde in drei Unterarten aufgeteilt:

P. p. pygmaeus aus Nordwest-Borneo
P. p. wurmbii aus Zentral-Borneo
P. p. morio aus Nordost-Borneo.

Was dem Borneo Orang recht ist, muss dem Sumatra-Orang billig sein. Daher wurde 2017 aus einer isolierten Population im Süden Sumatras gar eine eigene Art gemacht [21]. Die morphologischen Unterschiede zu abelii wurden an einem einzigen (!) toten Exemplar festgemacht. Würde man beim Menschen dieselben Kriterien anlegen, gäbe es zahlreiche Menschenarten und –unterarten. Nur würde, wer immer dies täte, als Rassist verfemt. Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind allerdings den Orangs selbst nicht geläufig: wenn sie die Möglichkeit haben, verpaaren sie sich fröhlich über Art- und Unterartgrenzen hinweg und zeugen fruchtbare Nachkommen...

Literatur und Internetquellen

  1. ANCRENAZ, M.et al. (2016). Pongo pygmaeus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T17975A17966347. http://www.iucnredlist.org/details/17975/0. Downloaded on 15 May 2018.
  2. BAUERMEISTER, B. (1999)
  3. BAUMGARTNER, G. (2010)
  4. BEHRINGER, V. (2011)
  5. BEMMENT, N. (ed. 2018)
  6. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  7. BREHM, A. E. (1882-1887)
  8. BRÜCKNER, J. (2014)
  9. BUCKEN, S. M. & GÜRTLER, W.-D. (2013)
  10. CASPARI, S. (2015)
  11. CITES TRADE DATA BASE
  12. CLASSEN, D. (2011) 
  13. GÜTTNER, C. (2010)
  14. HESS, J. (1996)
  15. HOLTKÖTTER, M. (1989) 
  16. IMMEL, U-D. (1999)
  17. KRAUSE, F. (2008)
  18. LAMETER, K.A. (2015)
  19. LAMPE, J. (2009)
  20. MANTEL, E.-M. (2008)
  21. NAPIERSKI, S. (2011)
  22. NOWAK, M.G. (2017). Pongo tapanuliensis. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T120588639A120588662. http://www.iucnredlist.org/details/120588639/0. Downloaded on 15 May 2018.
  23. SCHILLING, S. (2016)
  24. SCHNEIDER, C. (2012)
  25. SCHREINER, C. (2011)  
  26. SINGLETON, I. et al. (2017). Pongo abelii. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T121097935A115575085. http://www.iucnredlist.org/details/121097935/0. Downloaded on 15 May 2018.
  27. STRAKE, M. (2014)
  28. THOMAS, C. (2002)
  29. WEIGL, R. (2005)
  30. WEISS, M. (2010)
  31. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  32. WILKENLOH, U. (1974)
  33. ZIEGLER, T. (2002)
  34. ZIMMERMANNM N. (2011)

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Gelesen 1168 mal Letzte Änderung am Freitag, 18 Januar 2019 16:59
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