Stachelschwein-Verwandte

Degu

Degu(Octodon degus)  in der Wilhelma Stuttgart Degu(Octodon degus) in der Wilhelma Stuttgart
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Familie: Trugratten (Octodontidae)

D LC 650

Degu

Octodon degus • The Degu • Le dègue du Chili

110 026 002 002 octodon degu worms PD1
Degu (Octodon degus) im Tiergarten Worms © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

110 026 002 002 octodon degu map
Verbreitung des Degus (Octodon degu)

 

 

110 026 002 002 octodon degu hof PD1
Degus (Octodon degus) im Zoologischen Garten Hof © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

110 026 002 002 octodon degu TPB KR1
Degu (Octodon degus)im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

110 026 002 002 octodon degu goerlitz KR1
Degus (Octodon degus) im Naturschutz-Tierpark Görlitz © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

110 026 002 002 octodon degu stuttgart1
Degus (Octodon degus) in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 


PM 2014 02 20 S degu wilhelma
Degus (Octodon degus) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Der in seiner Heimat nicht gefährdete Degu ist ein chilenischer Endemit, der zu den Trugratten gehört. Als tagaktive, lebhafte und umgängliche Tiere sind Degus in Zoos wie in Privathand gleichermaßen beliebt.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Degu erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 17-21 cm, eine Schwanzlänge von 8-14 cm und ein Gewicht von 200-300 g. Er hat relativ große Augen, die seitlich am Kopf sitzen und einen Blickwinkel von beinahe 360º ermöglich, was für die Feindvermeidung ein Vorteil ist. Andererseits ist durch diese Anordnung der Augen das räumliche Sehvermögen stark eingeschränkt. Gehör-, Geschmacks- und Gleichgewichtssinn sind gut ausgebildet. Besonders wichtig für das Erkennen von Artgenossen und die räumliche Orientierung ist bei dieser sozialen Art mit Gruppenterritorien der Geruchssinn zu dem auch das Jacobsonsche Organ beiträgt. Nebst den Tasthaaren (Vibrissen) an der Schnauze haben Degus verteilt über die ganze Körperoberseite weitere Tasthaare, die bei der Bewegung in engen Gängen hilfreich sind. Der Schwanz endet in einer dunklen Quaste und weist eine weitere Besonderheit auf: Seine Haut reißt leicht ein und löst sich vom Knochen, wenn beispielsweise ein Raubtier den Degu am Schwanz packt. Der gehäutete Teil fällt später ab oder wird abgenagt, jedenfalls wächst er – anders als bei Eidechsen - nicht mehr nach [1; 4].

Verbreitung

Südliches Südamerika: Nordhälfte von Chile, an den Westhängen der Anden bis ca. 1200 m Höhe [2].

Lebensraum und Lebensweise

Degus bewohnen die niederschlagsarmen Andenregionen bis in Höhen von 1'200 Metern und leben als soziale Tiere meist in kleinen Gruppen und Familienverbänden zusammen. Bei Gefahr warnen sie die anderen durch Pfiffe; wollen sie ihre Ruhe, quieken sie; nähert sich ein aufdringlicher Artgenosse und will das Futter streitig machen, wird er mit den krallenbewehrten Vorderpfoten abgewehrt. Die Paarungszeit der Degus fällt auf den chilenischen Frühling, also auf September und Oktober, die vier bis sechs Jungtiere werden 90 Tage nach der Zeugung geboren. Als Nestflüchter sind die Kleinen voll behaart und laufen von Anfang an mit offenen Augen durch die Welt. Mitunter werden sie nicht nur von ihrer leiblichen Mutter, sondern auch von anderen Weibchen im Verband gesäugt. Doch schon nach vier bis sechs Wochen ist Schluss mit der Milchversorgung, die Jungen werden entwöhnt (1; 2; 4; PM Wilhelma Stuttgart, 20.02.2014).

Gefährdung und Schutz

Es gibt keine Informationen über Bestandsgröße und –entwicklung des Degus. Das Verbreitungsgebiet ist aber relativ groß und die Art wurde daher im Rahmen einer Beurteilung im Jahr 2016 als nicht-gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [2].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Degus sind seit Ende der 1980er-Jahre bei uns als Heimtiere beliebt. In ihrer Heimat Chile gelten sie dagegen als Schädlinge und Landplage, weil sie in den Feldern der Bauern tiefe und weit verzweigte Erdbauten anlegen und sich an Saatgut und Nutzpflanzen bedienen. Wie alt Degus in der Natur werden, ist unklar (PM Wilhelma Stuttgart, 20.02.2014).

Haltung

WEIGL gibt als Altersrekord 14 Jahre an, erreicht von in den USA gehaltenen männlichen Tier [3].

Die Art wird in etwa 170 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL ist für 2-3 Tiere ein Gehege mit einer Grundfläche von 0.5 m² und einer Höhe von 1 m erforderlich. Für jedes weitere Tier sei die Fläche um 0.1 m² zu erweitern. Die Tiere können in Außen- oder Innengehegen gehalten werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 5 Degus ein Gehege mit einer Grundfläche von 0.5 m² und einer Höhe von 70 cm vor. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 0.2 m² zu erweitern.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) sind Degus paarweise oder in Gruppen zu halten. Ein Gehege für ein Paar muss eine Grundfläche von 0.5m² und eine Höhe von 1 m aufweisen Für jedes weitere adulte Tier sind 20% der Bodenfläche hinzuzurechnen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Degu wurde 1782 vom italienischen Jesuitenpater und Naturforscher Giovanni Ignazio MOLINA als "Sciurus degus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Octodon wurde 1832 von dem englischen Zoologen, Arzt und Schriftsteller Edward Turner BENNETT eingeführt. Die Gattung umfasst vier Arten [4].

Literatur und Internetquelle

  1. GUMNIOR, S. (2005)
  2. ROACH, N. (2016). Octodon degus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T15088A78321302. http://www.iucnredlist.org/details/15088/0. Downloaded on 22 May 2018.
  3. WEIGL, R. (2005)
  4. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

Zurück zu Übersicht Hasen und Nagetiere

Weiter zu Gundi (Ctenodactylus gundi)

Gelesen 2645 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 05 Juni 2019 15:41
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx