Kagu, Sonnenralle, Seriemas, Trappen

Rotfußseriema

Seriema (Cariama cristata) im Vogelpark Olching Seriema (Cariama cristata) im Vogelpark Olching
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Kranichvögel (GRUIFORMES)
Unterordnung: Kranichverwandte (GRUES)
Familie: Seriemas (Cariamidae)

D LC 650

Rotfußseriema

Cariama cristata • The Red-legged, or Crested, Seriema • Le cariama huppé

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Rotfußseriema (Cariama cristata) im Vogelpark Olching © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung der Rotfußseriema (Cariama cristata)

 

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Rotfußseriema (Cariama cristata) im Vogelpark Marlow © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Rotfußseriema (Cariama cristata) mit Küken im ErlebnisZoo Hannover, wo es 2021 erstmals zur Nachzucht kam © Zoo Hannover (Pressefoto)

 

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Rotfußseriema (Cariama cristata) im Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky, Wien

 

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Rotfußseriema (Cariama cristata) beim Sonnenbaden im Tiergarten Schönbrunn © Barbara Feldmann, Wien

 

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Rotfußseriema (Cariama cristata), Vorführung des Fangverhaltens mittel einer Schlangenreplik im Parc des Oiseaux, Villars-les-Dombes © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Brütende Rotfußseriema (Cariama cristata) im Tierpark Cottbus © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Junge Rotfußseriema (Cariama cristata) im Zoo Bojnice © Klaus Rudloff, Berlin

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Die Rotfußseriema ist ein eigenartiger bodenlebender Vogel, der als Verwandter der „Terrorvögel“, deren letzte Vertreter vor 18'000 Jahren ausstarben und die zu ihrer Zeit die Spitzenprädatoren der neotropischen Vogelwelt waren, von zoopädagogischem Interesse ist. Sie wird daher recht häufig in europäischen Zoos gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Rotfußseriemas erreichen eine Gesamtlänge von 90 (75-100) cm, eine Standhöhe von 85 und ein Gewicht von etwa 1.5 kg. Die Iris ist blassgelb, das unbefiederte Feld um das Auge hellblau, Schnabel, Beine und Füße sind orangerot. Auffällig sind die Federborsten auf der Stirn. Das Gefieder ist zur Hauptsache gräulich gelbbraun mit dunkler Wellenzeichnung. Der Schwanz weist eine schwarze Binde auf. Die Weibchen unterscheiden sich von den  Männchen durch das kürzere Nackengefieder und den mehr gelbgrauen Grundton ihrer Färbung. Jungvögel gleichen den Weibchen [2; 3; 4; 5].

Verbreitung

Tropisches bis gemäßigtes Südamerika: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay, Uruguay [1].

Lebensraum und Lebensweise

Die Rotfußseriema besiedelt offene Waldgebiete und Savannen, die auch mit Sträuchern und hohen Seggen bestanden sind, ferner Dornbusch und Weideland. Ihre Nahrung besteht aus Arthropoden, Echsen, Schlangen, Nagern und anderen Kleinsäugern, Jungvögeln und Vogeleiern. Sie nehmen aber auch Mais, Wildfrüchte und Baumharz zu sich. Das eher kleine Nest wird in niedriger Höhe auf Bäumen aus Zweigen gebaut und mit Blättern ausgekleidet. Das Gelege besteht aus 2(-3) grünlichweißen Eiern mit großen braunen und grauen Flecken. Gebrütet wird von beiden Eltern, hauptsächlich aber von der Henne. Die Brutzeit dauert 24-30 Tage. Die Küken verlassen im Alter von 2 Wochen das Nest und sind mit etwa 4 Wochen flugfähig. Sie werden von den Elter geführt bis sie erwachsen sind [2; 3; 4].

Wenn die Sonne vom Himmel brennt, werfen sich die Seriemas im Tiergarten Schönbrunn zum Sonnen auf den Boden, legen sich regungslos auf den Rücken und spreizen alle Federn von sich, um möglichst viele Sonnenstrahlen aufzufangen. Die Art, wie diese südamerikanischen Vögel die warmen Sonnenstrahlen auf ihrem Federkleid genießen, sorgt unter Zoobesuchern für Aufregung, Verschwindet die Sonne jedoch hinter den Wolken oder die Seriemas haben genug vom Sonnenbad, stehen die tot geglaubten Vögel wieder auf ihren langen Beinen [6].

Gefährdung und Schutz

Die Rotfußseriema hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet und stabile Bestände. Ihre Gesamtpopulation wurde noch nicht bestimmt, sie wird aber als ziemlich häufig beschrieben und ihr Bestand scheint stabil zu sein. Deshalb wurde die Art als nicht gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel wird nicht durch CITES geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Rotfußseriema wird gebietsweise zur Fleischgewinnung gejagt oder für den internationalen Tierhandel gefangen [1]. Das Fleisch wird als "weiß und wohlschmeckend wie Hühnerfleisch" beschrieben. Da sich Jungvögel leicht zähmen lassen, werden sie bisweilen ausgehorstet und auf Gehöften aufgezogen. Als Erwachsene dominieren sie das übrige Hausgeflügel, verhalten sich diesem gegenüber aber in der Regel friedlich. Da die Seriema auch viele Schlangen, Eidechsen und dergleichen vertilgt, ist sie, wie BREHM schreibt, "in den Augen der Brasilianer ... ein allgemein geachtetes Thier, und das Gesetz verbietet, sie zu tödten." [5].

Haltung

Rotfußseriemas sollten paarweise in großen, bepflanzten Volieren mit Aufbaummöglichkeiten, kleinem Wasserbecken und heizbarem Schutzraum oder Innenvoliere gehalten werden. Sie werden gelegentlich in Vorführungen eingesetzt, namentlich um zu demonstrieren, wie sie Schlangen töten, wozu heute Repliken aus Gummi eingesetzt werden. Von einer Vergesellschaftung mit anderen Vögeln wird wegen hoher Aggressivität, speziell während der Brutzeit, abgeraten. Das Höchstalter im Zoo wird mit 31 Jahren angegeben [3].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 110 Zoos gezeigt, von denen sich etwa 20 im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Wie Rotfußseriemas gehalten werden (Beispiele):

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Seriemas.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Rotfußseriema wurde 1766 von Carl von LINNÉ als "Palamedea cristata" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Cariama wurde 1760 von dem französischen Zoologen Mathurin Jacques BRISSON eingeführt. Es handelt sich um eine monotypische Gattung. Auf Deutsch werden die Vögel bisweilen "Schlangenstörche" genannt [2].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Cariama cristata. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22692205A93341300. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22692205A93341300.en . Downloaded on 28 September 2019.
  2. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  3. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. BREHM, A. E. (1882-1887)
  6. TIERGARTEN SCHÖNBRUNN - Pressemitteilung vom 21.07.2010

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