Mäuse-Verwandte

Hamster

Feldhamster, im Zoo Heidelberg Feldhamster, im Zoo Heidelberg
zur Verfügung gestellt von Klaus Wünnemann, Zoo Heidelberg

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Hamster (Cricetinae)

D LC 650

Feldhamster

Cricetus cricetus • The Common Hamster • Le hamster d'Europe

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Feldhamster (Cricetus cricetus) im Zoo Heidelberg © zur Verfügung gestellt von Klaus Wünnemann

 

 

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Approximative Verbreitung des Feldhamsters (Cricetus cricetus)

 

 

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Feldhamster (Cricetus cricetus) im Opel-Zoo Kronberg © Archiv Opel-Zoo

 

 

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Feldhamster (Cricetus cricetus) im Zoo Heidelberg © zur Verfügung gestellt von Klaus Wünnemann

 

 

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Junge Feldhamster in der zuchtstation des Zoo Heidelberg © Lisa Heimann, Zoo Heidelberg

 

 

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Feldhamster (Cricetus cricetus) in Auswilderungsprojekt © Ulrich Weinhold / Zoo Heidelberg

 

 

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Feldhamster (Cricetus cricetus) im Unterirdischen Zoo des Zoo Osnabrück © Zoo Osnabrück (Pressefoto)

 

 

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Feldhamster (Cricetus cricetus) im Naurzum-Naturschutzgebiet, Kasachstan © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Schwarze Feldhamster (Cricetus cricetus) im Heimattiergarten Bierer Berg, Schönebeck © Elias Neideck

 

 

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Vom einst in Mitteleuropa weit verbreiteten und häufigen Feldhamster haben nur kleine Restbestände die Auswirkungen der modernen Landwirtschaft überlebt. Die Haltung der Art wäre aus zoopädagogischen Gründen interessant, vielfach aber nicht realisierbar, weil es sich bei den Hamstern um überwiegend dämmerungsaktive Tiere handelt, die sich während der Öffnungszeiten des Zoos in ihre Baue zurückziehen. Von den relativ wenigen Zoos, welche die Art zeigen, engagieren sich einige in Wiederansiedlungsprojekten.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Kopf-Rumpflänge von 181-255 mm, einer Schwanzlänge von 31-59 mm und einem saisonal variablen Gewicht von 150-600(-1'000) g. ist der Feldhamster der größte Vertreter der Unterfamilie. Er ist auffallen bunt gefärbt, oberseits rotbraun mit weißen Flecken, weißen Pfoten und am Bauch, anders als bei den meisten anderen Säugetieren, schwarz. Im Thüringerbecken gibt es eine melanistische Form, bei der Schnauze, Ohren und Pfoten weiß sind and alles Andere schwarz [1; 5].

Verbreitung

Grasländer und Kulturlandschaften Eurasiens: Belgien, Bulgarien, China, Deutschland, Frankreich, Georgien, Kasachstan, Kroatien, Niederlande, Polen, Rumänien, Russland, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Österreich, Ukraine, Ungarn, Weißrussland [3].

Lebensraum und Lebensweise

Feldhamster besiedeln natürlicherweise besonnte Grasländer im Flachland. In Mitteleuropa sind sie auf Kulturland ausgewichen und auch an Feldrainen, Gräben, in Gärten und menschlichen Siedlungen anzutreffen. Sie sind Einzelgänger. Nach neueren Forschungen sind sie weniger nachtaktiv als zuvor angenommen. Die Tiere ernähren sich von Getreide und anderen Samen, wovon sie bis zu 30 kg als Wintervorrat in ihre Baue eintragen, Kräutern und Früchten. Sie fangen und fressen auch Insekten, Schnecken, Mäuse und Eidechsen. Sie wohnen in meist komplexen, bis 2 m tiefen Bauen mit bis zu 12 Eingängen, Vorratskammern, einer Nestkammer und Latrinen, die sie öfter mal wechseln. Sie sind Winterschläfer, die ihren Schlaf in Abständen von 5-154 tagen unterbrechen, um zu fressen. Pro Jahr bringt ein Weibchen meist 2 Würfe, die jeweils 4-10 (18) Junge umfassen. Diese werden mit etwa 5 Wochen von der Mutter verlassen und werden mit etwa 3 Monaten geschlechtsreif. [1; 2; 5; 9].

Gefährdung und Schutz

Obwohl die Bestände abnehmen, gilt die Art aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 weltweit noch nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), ist aber regional bedroht und gebietsweise ausgestorben, z.B. in Luxemburg.

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt. Der Feldhamster fällt unter Anhang IV der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) und ist eine streng geschützte Tierart nach Anhang II des Berner Übereinkommens.

Zoogestützte Artenschutz-Projekte: Heute ist der Feldhamster regional vom Aussterben bedroht und soll manchenorts wieder angesiedelt werden. Der Zoo Heidelberg hat deshalb eine Feldhamsterzucht aufgebaut, die im Jahr 2007 144 Jungtiere, im Jahr 2008 160 Jungtiere erbrachte. Einzelne Tiere wurden an andere Zoos abgegeben, Hauptzweck der Zucht ist aber, Hamster für ein 2002 initiiertes Wiederansiedlungsprogramm der Stadt Mannheim zur Verfügung zu stellen, das als Kompensation für den Verlust von Hamsterlebensraum durch den Bau von Sportanlagen etc. durchzuführen ist. Damit soll eine der beiden letzten Feldhamsterpopulationen Baden-Württembergs gerettet werden. Die Wiederansiedlung begann 2007 mit 46 Tieren und wurde 2008 mit 65 weiteren Tieren fortgesetzt. Die Zahl der freigelassenen Tiere wird weiter erhöht werden, da stets mit Verlusten, namentlich durch den Fuchs, zu rechnen ist. Im ersten Jahr wurden 17 im Ansiedlungsgebiet geborene Jungtiere festgestellt. 2008 konnten bei den regelmässig durchgeführten Kontrollfängen 41 Junghamster mit Lebendfallen gefangen werden. 2017 wurde das Feldhamster-Zentrum im Heidelberger Zoo erweitert, sodass unter verbesserten Haltungsbedingungen auch in den kommenden Jahren jährlich etwa 170 Tiere zur Verfügung gestellt werden können [4; 8; PM Zoo Heidelberg].

2018 wurde im Opel-Zoo Kronberg eine auf Initiative und mit Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde des Hochtaunuskreises und in Kooperation mit dem hessischen Umweltministerium geführte Auffang- und Zuchtstation für Feldhamster eröffnet. Ziel ist es, Feldhamster für die Auswilderung zu züchten und bei Bedarf wilde Hamster aufzunehmen. Im Schauraum können sich Besucher über die Ökologie und das Verhalten der Feldhamster sowie deren Bedrohungsstatus informieren und Hamster in selbstgegrabenen Bauen beobachten.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Bis in die siebziger Jahre waren Feldhamster ebenso verbreitete wie unerwünschte Ackerbewohner. Man betrachtete sie als schlimme Schädlinge und bekämpfte sie – staatlich subventioniert – mit Gaspatronen, Schlagfallen und anderem Tötungsgerät. Jährlich wurden so Millionen Tiere erlegt. In der ehemaligen DDR war die Gewinnung hochwertiger Hamsterpelze lange Zeit ein einträglicher Wirtschaftsfaktor [8].

Kulturelle Bedeutung: Der Name "Hamster" geht auf das althochdeutsche "hamastro" zurück, was soviel wie "Kornwurm", also Getreideschädling, bedeutet. Bereits im Mittelhochdeutschen hatte sich der "Hamster" (Hampster) als Artname etabliert [4]. Schon früh hat dieser Getreidesammler und Winterschläfer wissenschaftliches Interesse geweckt: Bereits 1774 verfasste der Arzt und Naturforscher Friedrich Gabriel SULZER aus Gotha, den "Versuch einer Naturgeschichte", d.h. der ersten Monographie über diese Tierart [3]. "Hamstern" ist zum Synonym für das Anlegen von Vorräten geworden, davon abgeleitet wurde der "Hamsterkauf", d.h. der Kauf von Dingen mit dem Zweck, sie zu horten. Der Hamster kommt gelegentlich auch in der Fabel vor:

Lessing: Der Hamster und die Ameise

Haltung

WEIGL gibt als Altersrekord für einen im Rotterdamer Zoo gehaltenen weiblichen Feldhamster 3 Jahre und 5 Monate an [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 15 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll 1-2 erwachsenen Feldhamstern ein Gehege von mindestens 2 m³ Grundfläche zur Verfügung gestellt werden. Für jedes weitere Adulttier soll die Fläche um 0.4 m² erhöht werden, was angesichts der Unverträglichkeit dieser territorialen Einzelgänger sicher nicht gut gehen kann...

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) enthält keine spezifischen Vorschriften für Feldhamster.

Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) regelt nur Zwerg- und Goldhamster.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Feldhamster wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter dem Namen "Mus cricetus" erstmals im Rahmen der binären Nomenklatur wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Cricetus wurde von dem sorbischen Zoologen Nathanael Gottfried LESKE aus Muskau 1779 eingeführt. Cricetus ist eine monotypische Gattung [9].

Literatur und Internetquellen

  1. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  2. FRITZSCHE, P. (2016)
  3. KRYŠTUFEK, B. et al. (2016). Cricetus cricetus (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T5529A115073669. http://www.iucnredlist.org/details/5529/0. Downloaded on 21 May 2018.
  4. RUMER, B. (2016)
  5. SCHEIDT, U. (2016)
  6. SULZER, F.G. (1774)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WEINHOLD, U. & KAYSER, A. (2006)
  9. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 480 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 22 Mai 2019 17:22
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx