Kapuzinerartige Neuweltaffen

Brauner Klammeraffe

Brauner oder Goldstirnklammeraffe (Ateles hybridus) mit Jungtier Brauner oder Goldstirnklammeraffe (Ateles hybridus) mit Jungtier
© Wilhelma (Pressefoto)

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Neuwelt- oder Breitnasenaffen (Platyrrhini)
Familie: Klammerschwanzaffen (Atelidae)
Unterfamilie: Klammer- und Wollaffen (Atelinae)

D CR 650

Brauner Klammeraffe

Ateles hybridus • The Variegated, or Brown, Spider Monkey • L'atèle varié

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Brauner Klammeraffe (Ateles hybridus) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

 

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Approximative Verbreitung von Braunem (Ateles hybridus - violett), Weißstirn (A. belzebuth), Braunkopf- (A. fusciceps) und Schwarzem (A. paniscus) Klammeraffen

 

 

 

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Junger Brauner Klammeraffe (Ateles hybridus) in der Wilhekma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

 

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Brauner Klammeraffe (Ateles hybridus) mit Jungtier in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

 

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Brauner Klammeraffe (Ateles hybridus) mit Jungtier in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

 

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Brauner Klammeraffe (Ateles hybridus) im ZooPark Erfurt © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Brauner Klammeraffe (Ateles hybridus) im ZooPark Erfurt © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Brauner Klammeraffe (Ateles hybridus) im ZooPark Erfurt © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Klammeraffen sind wegen ihrer Größe und Gestalt, ihrer Art sich fortzubewegen und ihres Sozialverhaltens Primaten, die zoopädagogische viel hergeben und beim allgemeinen Zoopublikum sehr populär sind. Zudem sind alle Arten in einer höheren Gefährdungskategorie der Roten Liste aufgeführt. Der Braune Klammeraffe ist somit ein idealer Botschafter für den Schutz seines bedrohten Lebensraums in Südamerika. Er wird allerdings in Europa nicht häufig gehalten, weil er sich die verfügbaren Tierplätze mit fünf weiteren Klammeraffenarten teilen muss.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Name "Klammeraffe" nimmt Bezug auf den Klammerschwanz, dessen untere Spitze von einer nackten Hautleiste bedeckt ist. Damit können Klammeraffen Dinge herumtragen und wie eine fünfte Hand beim Klettern einsetzen – sie können sich daran sogar allein festhalten und haben alle vier Hände und Füße frei um ihre Nahrung zu pflücken. Als Parallelentwicklung zu den afrikanischen Guerezas ist ihr Daumen stark reduziert. Die Klitoris der Weibchen ist penisartig verlängert, währenddem Penis und Scrotum der Männchen klein und unauffällig sind. Klammeraffen sind große Vertreter der Neuweltaffen. Maße und Gewichte der im Mittel etwas größeren und schwereren Männchen und der Weibchen überlappen sich weitgehend. Für den Braunen Klammeraffen werden Kopf-Rumpf-Längen von 45-50 cm, Schwanzlängen von 74-81 cm und Gewichte von 7.5 bis 10.5 kg angegeben. Sein Fell ist auf der Körperoberseite und am Kopf braun, Bauch und Innenseiten der Gliedmaßen sind grau. An der Stirn befindet sich ein weißer, dreieckiger Fleck. [2; 5].

Verbreitung

Tropisches Südamerika: Kolumbien, Venezuela [3].

Lebensraum und Lebensweise

Der Braune Klammeraffe besiedelt immergrüne Regenwälder des Tieflands und der Hügelzone bis auf eine Höhe von 700 m, teilweise laubabwerfende Wälder und Galeriewälder. Die Tiere sind tagaktive Baumbewohner, die sich meist in der oberen Kronenschicht des Waldes aufhalten und nur selten in den Unterwuchs gehen. Sie bewegen sich häufiger hangelnd vorwärts als laufend. Ihre Nahrung besteht aus Früchten, Blättern, Blüten, Samen, vermoderndem Holz und Erde, die sie aus Bauten von Baumtermiten herausholen. Sie leben in kleinen, gemischtgeschlechtlichen Gruppen. Die Männchen können gegenüber Brüll- und Kapuzineraffen sehr aggressiv sein [2; 3; 5].

Gefährdung und Schutz

Während der letzten 45 Jahre hat der Bestand um wenigstens 80 % abgenommen. Eine weitere Abnahme ist vorauszusehen. Die Art wird daher als vom Aussterben bedroht eingestuft, obwohl sie in Schutzgebieten z. T. noch häufig ist (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED) [3].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Braune Klammeraffen werden gebietsweise zur Gewinnung von Fleisch für den Eigenbedarf gejagt. Zudem werden ihre Knochen in der Volksmedizin gegen Malaria verwendet [3]. Von 1977 bis 2017 wurden bei der Ausfuhr nur etwas Wissenschaftsmaterial aus Kolumbien registriert. Im selben Zeitraum wurde unter der Bezeichnung "hybridus" nur ein einziges lebendes Nachzuchttier aus den USA nach Dänemark abgegeben. Es ist allerdings möglich, dass sich unter den 38 registrierten Ateles bezebuth auch hybridus-Exemplare befunden haben [1].

Haltung

WEIGL gibt als ältestes Tier einen Wildfang an, der nach einer Haltung von 34 Jahren und 11 Monaten im Twycross Zoo im Alter von etwa 37 Jahren gestorben war [4].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 20 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Fünftel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung von bis zu 5 erwachsenen Tieren ein Außen- und ein Innengehege von je 30 m² / 105 m³ gefordert und für jedes zusätzliche Adulttier jeweils 3 m² / 10.5 m³ mehr. Dies ist eine Erhöhung des Raumangebots um mehr als das Doppelte gegenüber dem Gutachten’96, das 16 m² / 48 m³ vorsah. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos hielten eine Erhöhung des Platzangebots ebenfalls für angebracht schlugen aber im Differenzprotokoll vor, dass für 5 Tiere außen 30 m² / 120 m³ und innen 25 m² / 75 m³ angeboten werden sollten.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 5 Klammeraffen ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 15 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 3 m² Fläche zusätzlich vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen und es sind für 5 Adulttiere ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 30 m² bei 3 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier sind die Flächen um 3 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Braune Klammeraffe wurde erstmals 1829 von dem französischen Zoologen Isidore GEOFFROY SAINT-HILAIRE unter seinem heute noch (bzw. wieder) gültigen Namen beschrieben. Bis vor wenigen Jahren wurde er als Unterart von Ateles belzebuth oder von Ateles geoffroyi angesehen. In letzter Zeit hat sich aber die Ansicht durchgesetzt, dass es sich um eine eigenständige Art handle, wobei jetzt darum gestritten wird, ob sie monotypisch sei oder zwei Unterarten habe. Obwohl ihr Stirnfleck nicht goldfarben, sondern weiß ist, wird die Art im Zoo oft als "Goldstirnklammeraffe" bezeichnet [2; 3; 5].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES TRADE DATA BASE
  2. SCHRÖPEL, M. (2010)
  3. URBANI, B. et al. 2008. Ateles hybridus. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T39961A10280054. http://www.iucnredlist.org/details/39961/0. Downloaded on 18 May 2018.
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 4050 mal Letzte Änderung am Sonntag, 12 April 2020 15:26
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx