Hyänen, Schleichkatzen, Mangusten

Ichneumon

Ichneumon (Herpestes ichneumon) im Wildkatzenzentrum FELIDAE, Barnim Ichneumon (Herpestes ichneumon) im Wildkatzenzentrum FELIDAE, Barnim
© Klaus Rudloff, Berlin

smiley happy  Neue Tierart

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
Familie: Mangusten (Herpestidae)

D LC 650

Ichneumon

Herpestes ichneumon • The Egyptian Mongoose • La mangouste ichneumon

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Ichneumon im Wildkatzenzentrum FELIDAE, Barnim © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Ichneumons (Herpestes ichneumon)

 

 

 

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Ichneumon (Herpestes ichneumon) im Wildkatzenzentrum FELIDAE, Barnim © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Ichneumon (Herpestes ichneumon) im Wildkatzenzentrum FELIDAE, Barnim © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Ichneumon. "Viverra Ichneumon Linn." = Herpestes ichneumon. Tafel CXV B. aus SCHREBER (1776) "Die Säugthiere in Abbildungen nach der Natur". Gemeinfrei.

 

 

 

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Die altägyptische Göttin Wadjet in Gestalt eines Ichneumons. Walter Art Museum, Baltimore. Gemeinfrei

 

 

 

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Der (oder das) Ichneumon ist eine nicht gefährdete, in Afrika weit verbreitete Art, deren Areal sich auch bis Kleinasien und auf die Iberische Halbinsel erstreckt. Wegen der kulturellen Bedeutung, die er im Alten Ägypten erfuhr, bietet er Stoff für die Zoopädagogik. Er wurde aber in europäischen Zoos nie häufig gezeigt oder gezüchtet, oft handelte es sich um aus Privathaltungen übernommene Tiere.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Ichneumon erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 43-61 cm, eine Schulterhöhe von 19-25 cm, eine Schwanzlänge von 43-61 cm und ein Gewicht von 2.2-4.1 kg. Männchen sind etwas größer und schwerer als Weibchen. Die Iris ist rotbraun, der Nasenspiegel dunkelbraun. Die Ohren sind kurz und abgerundet. An jedem Fuß befinden sich 5 Zehen. Das gelbgraue gesprenkelte Fell ist recht lang, Grannenhaare können bis 80 mm erreichen. Die einzelnen Grannenhaare sind geringelt, wodurch das Fell meliert wirkt. Die Beine und Schwanzspitze sind schwarzbraun [2; 5; 6; 8].

Verbreitung

Afrika: Ägypten, Algerien, Angola, Äthiopien, Benin, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Kongo, Kongo Dem., Liberia, Libyen, Malawi, Mali, Marokko, Mauretanien, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, Sambia, Senegal, Sierra Leone, Simbabwe, Somalia, Südafrika, Sudan, Südsudan, Tansania, Togo, Tschad, Tunesien, Uganda, West-Sahara, Zentralafrikanische Republik. Vorkommen unsicher in Dschibuti und Swasiland.
Asien: Israel, Jordanien, Libanon, Palästina, Syrien, Türkei
Europa: Portugal, Spanien

Lebensraum und Lebensweise

Der Ichneumon ist ein meist solitär, allenfalls paarweise oder in Mutterfamilien lebender Bodenbewohner. Er ist überwiegend tagaktiv und bevorzugt flache, offene Lebensräume in Wassernähe vom Meeresspiegel bis auf eine Höhe von 3'000 m. Wälder, ausgenommen Uferwälder werden gemieden. Im Mittelmeerraum haben die Tiere Streifgebiete von etwa 300 ha, in Südafrika wurden 30-45 ha ermittelt. Das Nahrungsspektrum umfasst Ratten, Mäuse und andere Kleinsäuger bis und mit Wildkaninchen und Klippschliefer, Schlangen (einschließlich Puffottern), Echsen und gelegentlich Schildkröten, Amphibien und Wirbellose aller Art, ferner Vogeleier, Früchte und andere Pflanzenteile sowie Aas und Siedlungsabfälle. [1; 2; 3; 5; 8].

Nach einer Tragzeit von 60-88 Tagen werden in der Regel 1-4 Junge geboren, die mit 4-8 Wochen entwöhnt werden. Ein Weibchen hat meistens nur einen Wurf pro Jahr [2; 8].

Gefährdung und Schutz

Der Ichneumon hat eine enorm weite Verbreitung und einen großen Bestand, der in Afrika als stabil angesehen wird und auf der Iberischen Halbinsel zunimmt. Er wird daher seit 1996, letztmals überprüft 2016, nicht als gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [3].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Auf der Iberischen Halbinsel wird der Ichneumon bejagt, gebietsweise auch als Konkurrent für die Niederwildjagd gesehen und deshalb mit Fallen gefangen oder vergiftet. In Nordafrika wird er dagegen als Schlangenvernichter geschätzt [1].

Kulturelle Bedeutung: Der Ichneumon hatte im antiken Ägypten große kulturelle Bedeutung. Erste bildliche Darstellungen finden sich bereits aus der Zeit des Alten Reichs (2800-2150 v. Chr.), aber die höchste Verehrung erfuhr er in der Spätzeit unter der Herrschaft der Ptolemäer (323-30 v. Chr.). Er galt als Tier des Gottes Atum, das fähig war, seine Größe zu verändern, die Apophisschlange zu besiegen und damit dem Sonnenschiff seine Weiterfahrt zu ermöglichen. Er war auch ein Tier der Göttin Uto und wurde oft in sitzender Position mit Sonnenscheibe und Schlange auf dem Haupt dargestellt [3; 4].

Haltung

Im Zoo können Ichneumons ein Alter von gut 12 Jahren erreichen [7].

Haltung in europäischen Zoos:
 Die Art wird in nur ganz wenigen Einrichtungen gehalten. In der Regel handelt es sich um die Nominatform, in Zoos auf der Iberischen Halbinsel um die dort vorkommende Unterart H. i. widdringtoni. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt kein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) und kein Zuchtbuch (ESB) für diese Art.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 liegt der Flächenbedarf für 2 verträgliche Tiere bei 12 m². Dieser Raum ist in zwei verbindbare Einzelgehege zu unterteilen. Bei dauernder Einzelhaltung sollen mindestens 10 m² angeboten werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2020) schreibt für 1-2 Tiere Außen- oder Innengehege mit einer Grundfläche von 20 m² vor, für jedes weitere Adulttier kommen außen 5, innen 3 m² dazu. In der Vorgänger-Verordnung waren nur 12 m² für 1-2 Tiere und zusätzlich 4 m² für jedes weitere vorgeschrieben. Für die Erhöhung gab es weder eine Begründung noch einen Anlass. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) fordert für das Außengehege 16 m² pro Paar, und für jedes weitere Tier zusätzlich 1.6 m², ferner ein Innengehege von 8 m² pro Paar und für jedes weitere Tier zusätzlich 0.8 m², wobei der Zugang zum Außengehege ganzjährig zu gewährleisten ist.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Ichneumon wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Viverra ichneumon" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Herpestes wurde 1811 von dem in Berlin tätigen Zoologen Johann Karl Wilhelm ILLIGER im Rahmen seines Werks "Prodromus Systematis Mammalium et Avium" eingeführt. In der Literatur werden 11 Unterarten angegeben, deren Status aber überprüft werden müsste [4; 8; 9].

Literatur und Internetquellen

  1. DO LINH SAN, E., MADDOCK, A.H., GAUBERT, P. & PALOMARES, F. (2016). Herpestes ichneumon. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T41613A45207211. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-1.RLTS.T41613A45207211.en . Downloaded on 29 November 2020.
  2. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. HINTON, H. E. & DUNN, A. M. S. (1967)
  5. MILLS, G & HES, L. (1999)
  6. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  9. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 290 mal Letzte Änderung am Sonntag, 29 November 2020 14:06
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx