Hörnchen-Verwandte

Gartenschläfer

Gartenschläfer (Eliomys quercinus) im Tierpark Goldau Gartenschläfer (Eliomys quercinus) im Tierpark Goldau
© NTP Goldau

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Bilche (Gliridae)
Unterfamilie: Leithiinae

D NT 650

Gartenschläfer

Eliomys quercinus • The Garden Dormouse • Le lérot

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Gartenschläfer (Eliomys quercinus) im Natur- und Tierpark Goldau © NTP Goldau

 

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Gartenschläfers (Eliomys quercinus)

 

 

 

 

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Gartenschläfer (Eliomys quercinus)als Motiv auf ukrainischer 10-Hrywnja-Silbermünze

 

 

 

 

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Gartenschläfer (Eliomys quercinus) als Motiv auf litauischer 42-Cent-Briefmarke, 2017

 

 

 

 

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Gartenschläfer (Eliomys quercinus) als Motiv auf finnischer 90+10-penniä-Sonderbriefmarke, 1982.

 

 

 

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Als potenziell gefährdetes Element der einheimischen Fauna, das in Deutschland als eine nationale Verantwortungsart innerhalb der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesregierung eingestuft ist, sowie als Winterschläfer ist der Gartenschläfer von zoopädagogischem Interesse. Allerdings kann er nur in einem Nachttierhaus vernünftig präsentiert werden, was die Zahl der potenziellen Haltung stark einschränkt.

Körperbau und Körperfunktionen

Gartenschläfer erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 110-170 (97-182) mm, eine Schwanzlänge von 90-130 (80-180) mm und ein Gewicht von 45-120(-200) g. Mit 17-25 mm sind die Ohren etwas kürzer als beim Wüstenschläfer. Das Fell ist oberseits grau bis rotbraun, unterseits weißlich. Rund um die großen schwarzen Augen bis unterhalb der hellen Ohren zieht sich eine schwarzbraune Maske. Der unterseits weiße Schwanz ist im körpernahen Drittel kurz behaart, gegen das Ende hat er eine Quaste. Er hat mehrere Sollbruchstellen, die dem Tier zugute kommen, wenn es ein Feind am Schwanz packt. Am Ende eines verkürzten Schwanzes kann sich eine neue Quaste bilden [1; 3; 4].

Verbreitung

Europa: Früher von Portugal bis zur asiatisch-europäischen Grenze am Ural. Die osteuropäischen Vorkommen sind heute allerdings stark zurück gegangen und zersplittert. Die Hauptvorkommen befinden sich nun in Westeuropa und auf einigen Mittelmeerinseln: Andorra, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Luxemburg, Moldawien, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ukraine, Weißrussland. Möglicherweise ausgestorben in Litauen [2; 4].

Lebensraum und Lebensweise

Anders als sein Name vermuten lässt, lebt der Gartenschläfer keineswegs hauptsächlich in der Nähe des Menschen, sondern ist sehr flexibel in der Wahl seiner Lebensräume: ausgedehnte Nadelwälder, Misch- und Laubwälder, Auengebiete, Felsklüfte, Karstlandschaften und Dünen gehören ebenso zu seinen Biotopen, wie Äcker, Obstgärten und Weinbergkulturen. Er tritt von Küstenregionen bis zu Höhenlagen von 2’100 m in Mitteleuropa und 2'500 m in Südeuropa auf. Gartenschläfer überwintern in Baumhöhlen, Felsspalten, Gebäuden etc., wo sie sich oft zu Gruppen von 30-40 Tieren zusammenfinden. Sie machen einen eher kurzen Winterschlaf, den sie bei geeigneten Temperaturen unterbrechen [5; 6].

Gartenschläfer sind Allesfresser, die sich überwiegend von animalischer Kost ernähren. Dies schließt Insekten, Spinnen, Asseln, Tausendfüßer, Schnecken, Regenwürmer, Echsen, junge Vögel, Spitzmäuse und Mäuse ein. Daneben fressen sie auch Samen, Nüsse, Beeren, Obst, Grünzeug und Lebensmittel wie Speck, Fett oder Butter [1; 4; 8].

Nach heftigen Kämpfen unter den Männchen erfolgt die Paarung im Mai. Nach einer Tragzeit von 24-30 Tagen werden in einem sorgfältig vorbereiteten, warm ausgekleideten Kugelnest 4-7(-9) nackte, blinde und taube Junge geboren. Eventuell kann es im Herbst zu einer zweiten Geburt kommen, namentlich im Süden des Artareals [1; 4].

Gefährdung und Schutz

Die Bestände des Gartenschläfers sind in den letzten 20 - 30 Jahren stark zurück gegangen und er ist wahrscheinlich in 50% seines früheren Verbreitungsgebiets verschwunden. Da man außerdem die Gründe für diesen Rückgang nicht kennt, wurde die Art ab 1996 als gefährdet, seit 2008 noch als potenziell gefährdet angesehen (Rote Liste: NEAR THREATENED) [2].

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt. Die Art ist nach Anhang III des Berner Übereinkommens über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume geschützt, d.h. jegliche Nutzung ist so zu regeln, dass die Populationen in ihrem Bestand nicht gefährdet werden.

Bedeutung für den Menschen

Als Kulturfolger kommt der Gartenschläfer in Bergbauernhöfen und Alphütten sowie in Dörfern und selbst größeren Städten vor, wo er auch ganzjährig bewohnte Gebäude besiedelt. In Mainz hat man Gartenschläfer gar im 17. Geschoß eines 22-stöckigen Hochhauses gefunden. In den Häusern sollen sie sich gelegentlich an Lebensmittelvorräten gütlich tun [1; 5; 6].

Haltung

WEIGL gibt als Höchstalter 5 Jahre und 6 Monate an, erreicht von einem im Londoner Regent's Park Zoo gehaltenen Weibchen [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa einem Dutzend Zoos gehalten, von denen sich über die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für zwei Gartenschläfer ein Gehege mit einer Fläche von 1 m² bei einer Höhe von 1 m vorhanden sein und für jedes weitere Tier 0.5 m² Fläche zusätzlich.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) enthält keine Mindestanforderungen für die Haltung von Schläfern.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für die Haltung von Schläfern ein mit Unterschlupfkästen, Versteckmöglichkeiten und Äste ausgestattetes Gehege mit einer Grundfäche von 1 m² vorgeschrieben. Die Haltung hat paarweise oder in Gruppen zu erfolgen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Gartenschläfer wurde 1766 durch Carl von LINNÉ unter der Bezeichnung "Mus quercinus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der Gattungsname Eliomys wurde 1840 vom Münchner Zoologieprofessor Johann Andreas WAGNER eingeführt [8].

Literatur und Internetquellen

  1. BAUMANN, F. (1949)
  2. BERTOLINO, S. et al. (2008). Eliomys quercinus. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T7618A12835766. http://www.iucnredlist.org/details/7618/0. Downloaded on 20 May 2018.
  3. GLOMB, K. (2012)
  4. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  5. HAUSSER, J. et al. (Hrsg., 1995)
  6. VATERLAUS, C. (1995)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 1081 mal Letzte Änderung am Montag, 15 April 2019 13:31
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