Stachelschwein-Verwandte

Haus- Meerschweinchen

Hausmeerschweinchen im Zoo Landau Hausmeerschweinchen im Zoo Landau
© Sandra Honigs, Aquazoo

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Familie: Meerschweinchen (Caviidae)
Unterfamilie: Eigentliche Meerschweinchen (Caviinae)

Hausmeerschweinchen

Cavia porcellus • The Guinea Pig • Le cochon d'Inde

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Rosetten-Meerschweinchen (Cavia porcellus) im Tierpark Cottbus © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Kurzhaar-Meerschweinchen (Cavia porcellus) im Tierpark Gotha © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Gemeinschaftshaltung von Hausmeerschweinchen (Cavia porcellus)und Hauskaninchen (Oryctolagus cuniculus f. dom.) im Tierpark Eilenburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Anlage für Hausmerschweinchen im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Meerschweinchen vom Spieß in Ekuador. Quelle www.alpaca.silverblog.com

 

 

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Das "Indianische Künele" aus Conrad Gessners Thierbuch, 1563

 

 

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Drei Meerschweinchen von Hans Hug KLUBER als Vorlage für GESSNERS Historia animalium

 

 

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Das Hausmeerschweinchen ist nicht nur ein beliebtes Heim- und vielfach verwendetes Labortier, sondern wird auch in den allermeisten Zoos und Tierparks gehalten, vielfach als Schau- und mit Einschränkungen Streicheltier in Kinderzoos, aber auch zu Futterzwecken hinter den Kulissen.

Körperbau und Körperfunktionen

Hausmeerschweinchen unterscheiden sich von der Wildform hauptsächlich dadurch, dass sie größer werden - Männchen erreichen ein Gewicht von 600-1'300(-1'400) g, Weibchen von 1'200 g - und dass es verschiedene Felltypen und die unterschiedlichsten Farbschläge gibt. Darüber hinaus ist ihr ist Körper gedrungener und rundlicher und ihre Schnauze stumpfer, die Ohren sind größer, oft als Hängeohren ausgebildet, und die Hinterbeine sind kürzer. Die Augenfarbe ist variabel. Oft tritt Polydaktylie auf. Hinsichtlich Fellstruktur kann man vier Haupttypen unterscheiden: Nebst den häufigen, kurzhaarigen  Glatthaarmeerschweinchen gibt es Rosettenmeerschweinchen, bei denen die ebenfalls kurzen Haare in Wirbeln vom Körper abstehen und Angorameerschweinchen, im Prinzip langhaarige Rosettenmeerschweinchen, sowie Nacktmeerschweinchen. Sowohl von den Kurzhaar- wie  den Langhaarmeerscheinchen gibt es zahlreiche Varianten, die zum Teil als Rassen rein gezüchtet werden, ferner wurden bis 4 kg schwere Riesenmeerschweinchen gezüchtet [4].

Domestikation und Bedeutung für den Menschen

Diese Haustierform ist vermutlich ein Abkömmling des Tschudi-Meerschweinchens (Cavia tschudii), das vor ungefähr 4'000 bis 7'000 Jahren im Andenraum (Bolivien, Ekuador, Peru) domestiziert wurde. Ursprünglich - und in den Andenstaaten heute noch - ein Fleischlieferant, hat das Meerschweinchen als Heim- und Versuchstier weltweite Verbreitung gefunden.

Haltung

Viele Zoos halten Hausmeerschweinchen im Kinderzoo oder nehmen welche auf, die von Privatpersonen nicht mehr gehalten werden können. Sie werden aber auch hinter den Kulissen gezüchtet, um als Futter für Kleinraubtiere, Greifvögel und Reptilien zu dienen.

Haltung in europäischen Zoos: Hausmeerschweinchen werden in weit über 600 zoologischen Einrichtungen gehalten. Meistens wird nicht auf die Rasse geachtet, neben diesen Feld- Wald und Wiesenmeerschweinchen werden aber auch rund 16 Rassen rein gezüchtet. Für Details siehe Zootierliste.

Über den Einzug des Meerschweinchens nach Europa weiß Altvater BREHM (1883a): "So viel wir wissen, ist das Thierchen bald nach der Entdeckung Amerikas, im sechszehnten Jahrhundert also, und zwar durch die Holländer zu uns gebracht worden. Geßner kennt es bereits. »Das Indianisch Känele (Kaninchen) oder Seuwle«, sagt sein Uebersetzer in dem im Jahre 1583 erschienenen Thierbuche, »ist bey kurzen jaren auß dem neüwerfundnen land in vnsern teil deß erdtreichs gebracht worden, jetz gantz gemein: dann es ist ein überaus fruchtbar thier, dieweyl es acht oder neun Junge in einer burt harfür gebiert ..."

Der Zürcher Stadtarzt Conrad GESSNER (1516-1565) hatte tatsächlich von seinem Augsburger Berufskollegen Johannes Henricus MUNZINGER zwei lebende Meerschweinchen bekommen und wurde so zum ersten eidgenössischen Meerschweinchenhalter. Er hat die Tiere beobachtet und als Cuniculus indus beschrieben, in der deutschen Übersetzung allerdings nicht als "Känele", wie BREHM meint, sondern als "Künele" (das Kaninchen heißt auf Alemannisch "Küngel"). Dabei ist ihm ein Beobachtungsfehler unterlaufen, denn er schreibt, sie hätten "vornen sechs finger / hinden fünff", währenddem die Mereschweinchenartigen tatsächlich vorne nur vier Finger und hinten nur drei Zehen hat.

Vom Basler Maler Hans Hug KLUBER (1535/36-1578) gibt es eine zeitgenössische Abbildung von drei Meerschweinchen, die sehr realistisch ist, wenn man davon absieht, dass auch hier die Tiere zu viele Zehen haben, was darauf hindeutet, dass Polydaktxylie bei Meerschweinchen kein neues Phänomen ist.

Nach Säugetiergutachten 2014 findet keine Anwendung aus Hausmeerschweinchen.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) verbietet die Haltung von Einzeltieren und schreibt für 2 Tiere eine Mindestfläche von 5'000 cm², für jedes weitere Adulttier von 2'000 cm² vor, für Jungtiere unter 700 g ab dem 3. Tier von 1'000 cm² zusätzlich vor. Anhang 3 enthält abweichende Angaben für als Versuchstiere gehaltene bzw. gezüchtete Meerschweinchen, die im Zoo allenfalls für die Haltung von Futtertieren herangezogen werden können.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) sind Hausmeerschweinchen paarweise oder in Gruppen, jedoch nicht zusammen mit Kaninchen, zu halten. Die Käfiggröße für 1 bis 2 Tiere muss mindestens 100 x 60 x 50 cm (Länge x Breite x Höhe), die Grundfläche für jedes weitere erwachsene Tier mindestens 2'000 cm² betragen. Den Tieren sind eine Schlafhöhle und erhöhte Liegeflächen anzubieten.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Hausmeerschweinchen wurde im Rahmen der binären Nomenklatur erstmals 1758 von Carl von LINNÉ als "Mus porcellus" beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Cavia wurde 1766 vom Berliner Naturforscher Peter Simon PALLAS, den Katharina die Große als Professor nach Petersburg berufen hatte, eingeführt. Im Sinne der BOHLKEN-Nomenklatur wurde das Hausmeerschweinchen als Cavia aperea f. porcellus bezeichnet. Mittlerweile wird allerdings davon ausgegangen, dass Cavia aperea nicht die wilde Ahnform ist, sondern mutmaßlich Cavea tschudii. In Anbetracht der Unsicherheiten wird hier die Bezeichnung "Cavia porcellus" verwendet.

"Guinea Pig", die englische Bezeichnung für das Meerschweinchen bezog sich ursprünglich wohl auf Pinselohrschweine, die von westafrikanischen Sklaven nach Brasilien mitgebracht wurden, sich dort aber nicht halten konnten (MOHR, 1960).

In vielen Gegenden Süd- und Mittelamerikas werden die Meerschweinchen mit Namen wie "cuy", "cuye", "cuyi", "cuyo", "cuilo" oder "cuis" bezeichnet. Diese leiten sich von dem aus der Quechua-Sprache stammenden, Namen "quwi" ab, der onomatopoetisch auf das Pfeifen der Meerschweinchen Bezug nimmt.

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. LEU, U.B. & RUOSS, M. (Hrsg. 2016)
  3. MOHR, E. (1960)
  4. SCHWEINCHENWELT

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Gelesen 1154 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 27 Juni 2019 15:17
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx