Gespenstschrecken (Phasmatodea)

Gespenstschrecken - Phasmatidae

Dorngespenstschrecken (Eurycantha calcarata) im Zoo-Aquarium Berlin Dorngespenstschrecken (Eurycantha calcarata) im Zoo-Aquarium Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Stamm: Gliedertiere (ARTHROPODA)
Unterstamm: Sechsfüßer (HEXAPODA)
Klasse: Insekten (INSECTA)
Unterklasse: Fluginsekten (PTERYGOTA)
Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
Unterordnung: Verophasmatodea
Teilordnung: Anareolatae
Familie: Phasmatidae
Unterfamilie: Cladomorphinae

D NT 650

Wandelnde Bohne, Costa Rica-Stabschrecke

Diapherodes gigantea • The Costa Rica Stick InsectLe phasme géant des Caraïbes

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Wandelnde Bohne (Diapherodes gigantea) im Kölner Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

I diapherodes gigamtea dragus
Wandelnde Bohne (Diapherodes gigantea) © Drägüs - Own work, veröffentlicht unter CC BY-SA 3.0-Lizenz auf commons.wikimedia.org

 

Verbreitung 

Mittelamerika und auf einigen Karibischen Inseln

Biologie

Die meist hellgrün, selten dunkelbraun gefärbten Weibchen der Wandelnden Bohne werden etwa 17 cm lang, die Männchen sind mit nur 10 cm deutlich kleiner und bräunlich gefärbt. Die Weibchen haben rudimentäre Flügel und sind daher flugunfähig, bei den Männchen sind die Flügel gut entwickelt [2].

Kurz nach der Paarung schleudert das Weibchen die Eier einzeln weg. Nach 4-6 Monaten schlüpfen die Nymphen, nach weiteren 4-6 Monaten sind sie erwachsen und leben dann nochmals 6-12 Monate [2].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in der Roten Liste der IUCN nicht aufgeführt.

Der internationale Handel ist artenschutzrechtlich nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Als Großinsekten sind die Wandelnden Bohnen für Terrarianer interessant und befinden sich regelmäßig im Heimtierhandel, wo Nymphen für ca. 1 €, Erwachsene für 5-10 € angeboten werden [Online-Inserate 2018].

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1789 von dem von dem aus Tübingen stammenden Arzt und Naturwissenschafter Johann Friedrich GMELIN als "Manis gigantea" beschrieben. Später wurde sie in die 1835 neu  geschaffene Gattung Diapherodes überführt. Gegenwärtig sind zwei Unterarten anerkannt [1].

Literatur und Internetquellen

  1. CATALOGUE OF LIFE
  2. ESCH, A. (2013)

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Unterfamilie: Clitumnidae

D NB 650

Braune Riesenastschrecke

Pharnacia = Tirachoidea bicepsThe Giant Brown Stick Insect • Le phasme bâton géant brun

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Braune Riesenastschrecke (PHarnacia (=Tirachoidea) biceps) im Zoo Schmiding © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Braune Riesenastschrecke (Pharnacia (= Tirachoidea) biceps). Bild http://pouleetphasme.e-monsite.com/

 

 

Verbreitung 

Südostasien: Indonesien (Java, Sumatra), Malaysia (Halbinsel), Vietnam [1]

Biologie

Die flügellosen, aber mit kräftigen Beinen (daher wohl die Artbezeichnung "biceps") ausgestatteten Weibchen der Braunen Riesenastschrecke werden 16-20 cm lang, die flugfähigen Männchen sind mit 14-16 cm deutlich kleiner. Beide Geschlechter sind braun gefärbt, gelegentlich mit einem grünen Schimmer oder mit Fleckenzeichnung [2].

Nach der Paarung schleudert das Weibchen die Eier einzeln weg. Nach 4-7 Monaten schlüpfen die schon recht großen Nymphen, nach weiteren 6-7 Monaten sind sie erwachsen und leben dann nochmals 6-9 Monate [2].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in der Roten Liste der IUCN nicht aufgeführt.

Der internationale Handel ist artenschutzrechtlich nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wie andere große Phasmiden auch ist die Braune Riesenastschrecke bei Terrarianern beliebt und regelmäßig im Heimtierhandel anzutreffen. Eier werden z.B. für 0.25 € / Stück, Erwachsene Tiere für 10 € angeboten (Online-Inserate 2018).

Taxonomie und Nomenklatur

Die Braune Riesenastschrecke wurde 1908 von dem österreichischen Entomologen Josef REDTENBACHER als "Pharnacia biceps" beschrieben. Dieser Name wurde bis in die jüngste Zeit - und wird immer noch - benutzt, obwohl die Art seit 2008 in der 1893 von dem in Wien tätigen Berner Naturforscher Karl Friedrich BRUNNER-VON WATTENWYL geschaffenen Gattung Tirachoidea figuriert [1].

Literatur und Internetquellen

  1. CATALOGUE OF LIFE
  2. ESCH, A. (2013)
  3. Text

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Unterfamilie: Eurycanthinae

D NB 650

Dorngespenstschrecke

Eurycantha calcarata • The Giant Spiny Stick Insect• Le phasme cuir de Nouvelle-Guinée

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Dorngespenstschrecke (Eurycantha calcarata) im Zoo-Aquarium Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung der Dorngespenstschrecke (Eurycantha calcarata)

 

 

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Dorngespenstschrecken (Eurycantha calcarata) im Kölner Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Verbreitung 

Australasien: Indonesien (West-Papua), Papua Neuguinea mit umliegenden Inseln, einschließlich Neubritannien und Neuirland, Salomonen [1]

Biologie

Die Weibchen der flügellosen Dorngespenstschrecke werden 15 cm lang, die Männchen 12 cm. Bei beiden Geschlechtern ist der abgeflachte Körper bedornt, bei den Männchen stärker. Die Tiere sind meist braun gefärbt, die Weibchen etwas heller, es gibt aber auch Populationen, bei denen die Erwachsenen grünlich sind. Die Nymphen weisen eine flechtenartige Zeichnung auf [2].

Dorngespenstschrecken sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber gruppenweise unter Laub, Rindenstücken etc.. Nachts klettern sie auf die Futteräste, wobei sich die Männchen territorial verhalten. Die Fortpflanzung kann geschlechtlich oder parthenogenetisch  erfolgen. Das Weibchen legt die Eier mit Hilfe seines Legestachels einzeln in den Boden. Die Nymphen schlüpfen nach vier Monaten und erreichen nach 5-6 Häutungen bzw. nach 4-6 Monaten die Geschlechtsreife. Die Adulten können ein Alter bis zu 18 Monaten erreichen [2].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in der Roten Liste der IUCN nicht aufgeführt.

Der internationale Handel ist artenschutzrechtlich nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wie andere große Phasmiden auch ist die Dorngespenstschrecke ein beliebtes Terrarientier und regelmäßig im Heimtierhandel anzutreffen. Nymphen werden für etwa 1 € / Stück, Erwachsene Tiere für 2-4 € angeboten (Online-Inserate 2018).

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1869 von dem (in Stratford-on-Avon geborenen) anglo-australischen Naturforscher Arthur Henry Shakespeare LUCAS unter ihrem heute noch gültigen Namen beschrieben [1].

Literatur und Internetquellen

  1. CATALOGUE OF LIFE
  2. ESCH, A. (2013)

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Unterfamilie: Extatosomatinae

D LC 650

Australische Gespenstschrecke

Extatosoma tiaratumThe Australian Giant Spiny Stick Insect • Le phasme à tiare

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Australische Gespenstschrecke (Extatosoma tiaratum) im Tierpark Chemnitz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung der Australischen Gespenstschrecke

 

 

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Australische Gespenstschrecke im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

Verbreitung 

Australien: Im Nordosten und Osten von Australien (Queensland, New South Wales, Südaustralien (hier möglicherweise eingeschleppt), Victoria) [3].

Biologie

Die Weibchen der Australischen Gespenstschrecke werden 14-17 cm, die Männchen 10 cm lang. Ihr Aussehen imitiert verdorrte Blätter und wenn sie sich fortbewegen, vollführen sie schaukelnde Bewegungen, um damit vom Wind bewegte Pflanzenteile nachzuahmen. Damit sind sie gegenüber Fressfeinden hervorragend getarnt [2; 4].

Die Australischen Gespenstschrecken sind in den tropischen und subtropischen Regionen Australiens heimisch. Sie ernähren sich von Eukalyptusblättern. Hinsichtlich der Fortpflanzung besteht eine Symbiose mit der Australischen Feuerameise: Die Gespenstschreckenweibchen schleudern ihre Eier auf den Boden. Dort werden sie von den Ameisen, die sie für Pflanzensamen halten, aufgenommen und in ihren Bau transportiert, wo die kleinen Gespenstschrecken schlüpfen. In den ersten Tagen sehen sie den Feuerameisen so ähnlich, dass sie unversehrt aus dem Bau kommen können [4]. Die ersten Nymphen schlüpfen 5-7 Monate nach der Eiablage, teilweise erst nach 12 Monaten. Nach weiteren 6 Monaten erreichen sie Geschlechtsreife und die Adulten können dann noch bis zu einem Jahr leben [2].

Gefährdung und Schutz

Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 gilt die Art nicht als gefährdet, weil sie eine weite Verbreitung hat und viel geeigneter Lebensraum vorhanden ist [3].

Der internationale Handel ist artenschutzrechtlich nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Australische Gespenstschrecken sind beliebte  Terrarientiere und regelmäßig im Heimtierhandel anzutreffen. Erwachsene Tiere werden für 2-5 € angeboten (Online-Inserate 2018).

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1826 von dem schottisch-australischen Entomologen Alexander MACLEAY als "Phasma tiaratum" beschrieben und wurde später der 1833 geschaffenen Gattung Extatosoma zugeteilt [1].

Literatur und Internetquellen

  1. CATALOGUE OF LIFE
  2. ESCH, A. (2013)
  3. RUDOLF, E. & BROCK, P. (2017). Extatosoma tiaratum. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T80201037A104413678. http://www.iucnredlist.org/details/80201037/0. Downloaded on 17 January 2018.
  4. TIERGARTEN SCHÖNBRUNN

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Unterfamilie: Phasmatinae

D LC 650

Australische Riesenstabschrecke

Eurycnema goliath • The The Goliath Stick InsectLe phasme goliath

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Australische Riesenstabschrecke (Eurycnema goliath) im Tiergarten Schönbrunn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung der Australischen Riesenstabschrecke (Eurycnema goliath)

 

 

I eurycnema goliath CSIRO
Australische Riesenstabschrecke im (Eurycnema goliath) im CSIRO Center, Canberra © Fir0002/Flagstaffotos; veröffentlicht unter CC BY-NC-Lizenz

 

Verbreitung 

Australien: Die Angaben des Atlas of Living Australia und der Roten Liste der IUCN sind unterschiedlich. Jedenfalls kommt die Art in Queensland und New South Wales vor. Im Atlas hat es ferner Funde aus dem Northern Territory und nach Roter Liste aus Tasmanien [1; 2]

Biologie

Bei den Australischen Riesenstabschrecken werden die Weibchen bis zu 22 cm groß, die Männchen bleiben mit 15 cm deutlich kleiner. Durch ihre Körperform sind sie hervorragend getarnt und in den Bäumen und Sträuchern für Fressfeinde kaum auszumachen, obwohl sie zu den farbenprächtigsten Vertretern ihrer Familie zählen [3; 5]

Die Australischen Riesenstabschrecken ernähren sie sich von Blättern von Eukalyptus- und Akazienbäumen. Bei Störungen entfalten sie ihre unterseits rot gefärbten Flügel und verteidigen sich mit den bedornten Hinterbeinen. Im Gegensatz zu den Weibchen sind die Männchen flugfähig [5]. Die Vermehrung geschieht ausschließlich geschlechtlich. Das Weibchen lässt die Eier zu Boden fallen oder schleudert sie weg. Je nach Umweltbedingungen schlüpfen die Nymphen nach 4-15 Monaten. Nach weiteren 5 Monaten erreichen sie die Geschlechtsreife. Adulte Weibchen haben eine Lebenserwrtung bis zu 8 Monaten, Männchen sterben früher [3].

Gefährdung und Schutz

Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 gilt die Art nicht als gefährdet, weil sie eine weite Verbreitung hat und häufig ist [4].

Der internationale Handel ist artenschutzrechtlich nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Australischen Riesenstabschrecken sind anspruchsvolle Pfleglinge und deshalb nicht so häufig in Privathand anzutreffen, wie andere Phasmiden [3].

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1834 von dem englischen Zoologen George Robert GRAY als "Phasma goliath" beschrieben und später der 1838 von Audinet-SERVILLE aufgestellten Gattung Eurycnema zugeteilt [2].

Literatur und Internetquellen

  1. ATLAS OF LIVING AUSTRALIA
  2. CATALOGUE OF LIFE
  3. ESCH, A. (2013)
  4. RUDOLF, E. & BROCK, P. (2017). Eurycnema goliath. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T79003367A79003460. http://www.iucnredlist.org/details/79003367/0. Downloaded on 17 January 2018.
  5. TIERGARTEN SCHÖNBRUNN

D NB 650

Riesenstabschrecke

Phasma gigas • The Walking Stick • Le phasme geant

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Riesenstabschrecke (Phasma gigas) im Zoo-Aquarium Berlin © Zoo Berlin

 

 

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Riesenstabschrecke ("Mantis gigas" = Phasma gigas. Bild aus Edward Donovan (1800) An Epitome of the Natural History of the insects of India

 

Verbreitung 

Australasien: Indonesien (Sulawesi, Molukken, West-Papua), Papua-Neuguinea [1; 3].

Biologie

Die Weibchen der Riesenstabschrecke sind 21-23 cm lang und daumendick. Ihre Farbe ist braun oder grün. Die grün gefärbten Männchen sind mit 14-14.5 cm deutlich kürzer und schlanker. Die Tiere haben drei einfache Augen auf dem kpf, die beim Weibchen grün gestreift sind. An den Beinne haben sie viele kleine Dornen. Die Weibchen haben kleine Flügel, sind aber flugunfähig, die Männchen können über kurze Distanzen flattern. Die Vermehrung erfolgt geschlechtlich. Die Weibchen schleurdern die Eier auf den Boden. Die Nymphen schlüpfen nach 8-10 Monaten und werden nach 3-4 Monatgen geschlechtsreif [3].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in der Roten Liste der IUCN nicht aufgeführt.

Der internationale Handel ist artenschutzrechtlich nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Art wird anscheinend nicht häufig gehalten, in der Publikation von ESCH [2] ist sie nicht aufgeführt. Der heutige Bestand in Europa geht auf Eier zurück, die ein Schweizer Privathalter 2011 aus Indonesien importierte [3]. Online-Inserate beziehen sich überwiegend auf prärprierte Exemplare, die gerahmt als Wandschmuck angeboten werden.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Gryllus (Mantis) gigas" beschrieben und wurde 1798 der von LICHTENSTEIN 1796 aufgestellten Gattung Phasma zugeteilt [1; 3].

Literatur und Internetquellen

  1. CATALOGUE OF LIFE
  2. ESCH, A. (2013)
  3. PHASMATODEA

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Gelesen 357 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 11 April 2018 21:18
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx