Wassernattern

Würfelnatter

Würfelnatter (Natrix tessellata) ) im Tiergarten Straubing Würfelnatter (Natrix tessellata) ) im Tiergarten Straubing
© Wolfgang Peter, TG Straubing

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Schlangen (SERPENTES)
Überfamilie: Nattern- und Vipernartige (Colubroidea oder Xenophidia)
Familie: Nattern (Colubridae)
Unterfamilie: Wassernattern (Natricinae)

D LC 650

Würfelnatter

Natrix tessellata • The Dice Snake • La couleuvre tessellée

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Würfelnatter (Natrix tessellata) im Terrazoo Rheinberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung der Würfelnatter (Natrix tessellata) ostwärts erstreckt sich die Verbreitung lückenhaft bis Kirgistand, Tadschikistan, Kaschmir und marginal bis China

 

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Würfelnatter (Natrix tessellata) im Terrazoo Rheinberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Würfelnatter (Natrix tessellata) im Tiergarten Straubing © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Würfelnatter (Natrix tessellata) im Terrazoo Rheinberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Würfelnatter (Natrix tessellata) im Museum Alexander Koenig, Bonn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Würfelnatter (Natrix tessellata) im Tierpark Bochum © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Würfelnattern (Natrix tessellata) im Tierpark Bochum © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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"Würfel- und Vipernatter (Tropidonotus tesellatus und Tropidonotus viperinus)" (=Natrix tessellata und Natrix maura). Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

 

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Die Würfelnatter ist eine kleinere bis mittelgroße, einheimische, global nicht gefährdete, bei uns aber stark gefährdete Natter, die nicht sehr häufig im Zoo gezeigt wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Gesamtlänge von bis zu 117 cm bei den Weibchen und etwa 75 cm bei den Männchen gehört die schlanke Würfelnatter zu den mittelgroßen einheimischen Schlangen. Tiere aus dem Osten des Artareals können eine Länge von 1.50 m erreichen. Der lange, schmale Kopf ist nur undeutlich vom Hals abgesetzt. Die Kopfschilder sind groß, ebenso das mit einer runden Pupille versehene Auge. Der Schwanz ist lang ausgezogen. Die Rückenschuppen sind gekielt. Die Grundfärbung ist Hell- bis Dunkelgrau, Braun oder seltener Olivgrün. Auf der Oberseite befinden sich dunkle, unregelmäßig angeordnete Flecken oder Fleckenpaare, die zu Querbinden zusammenlaufen können. Es gibt auch melanotische Tiere. Jungtiere haben einen markanten, V-förmigen Nackenfleck [3; 4; 6].

Verbreitung

Schweiz (Alpensüdseite: Tessin, Misox, Puschlav), Italien, Österreich und Slowakei bis Balkan und weiter ostwärts. Isolierte Vorkommen in Deutschland [1; 4].

Lebensraum und Lebensweise

Würfelnattern besiedeln warme, steinige und deckungsreiche Lebensräume entlang von fischreichen Steh- oder Fließgewässern, einschliesslich künstliche Verbauungen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Fischen, nur ausnahmsweise werden Amphibien gefressen.

Vereinzelt im Februar aber regelmäßig im März verlassen die Schlangen ihr Winterquartier. Kurz danach ist die Hauptpaarungszeit. Im Herbst kann es zu einer zweiten Paarungsphase kommen. Die Weibchen legen 4-6 Wochen nach der Frühjahrspaarung etwa bis zu 25 Eier vorzugsweise in Mauerspalten, unter Steinplatten oder feuchtwarme Stellen aus verrottendem Pflanzenmaterial, wie Schilfhaufen. Die Jungen schlüpfen 5-8 Wochen später. Sie sind beim Schlupf etwa 15-20 cm lang [5].

Gefährdung und Schutz

Die Würfelnatter hat eine weite Verbreitung und gilt nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2009 global nicht als gefährdet, obwohl die Bestände abnehmen [1]. In Deutschland kommt die Art nur noch in Rheinland-Pfalz vor und gilt hier als vom Aussterben bedroht. In Österreich ist sie stark gefährdet, in den Bundesländern Wien und Steiermark vom Aussterben bedroht. Auch in der Schweiz gilt sie als stark gefährdet (ENDANGERED).

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Die Würfelnatter fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und ist ist eine streng zu schützende Tierart nach Anhang IV der FFH-Richtlinie (92/43/EWG).

Bedeutung für den Menschen

Die Nahrung der Würfelnatter besteht aus für die Fischerei wertlosen Weißfischen [3].

Haltung

Zur Haltung von Würfelnattern führte BREHM aus, sie bekunde "eine so ausgeprägte Neugier, daß sie infolge dessen trotz ihrer außerordentlichen Gewandtheit leicht gefangen werden kann. Selbst im Käfige noch sucht sie jede Störung zu erforschen und kriecht ohne Furcht auf die ihr vorgehaltene Hand. Aeltere Stücke ... zischten sehr stark, wenn sie in die Behälter gesetzt wurden und begannen sodann unter beständigem Zischen eine Reihe von verzweifelten Versuchen, um sich zu befreien ... Wie ich aus eigener Erfahrung versichern kann, gewöhnen auch sie sich bald an die Gefangenschaft, und wenn man ihnen ihr Lieblingsfutter, Fische, in genügender Menge bietet, scheinen sie sich zuletzt mit dem Verluste ihrer Freiheit gänzlich auszusöhnen" [2].

Es wird empfohlen, Würfelnattern in einem geräumigen, ungeheizten oder schwach geheizten Aquaterrarium zu halten. Als Bodengrund für den Landteil eignet sich ein Gartenerde-Sand-Torfmull-Gemisch, für den Wasserteil Kies. Das Ufer soll mit Wurzelstücken oder bemoosten Steinplatten befestigt werden und es soll in das Wasser ragendes Geäst vorhanden sein. Auf dem Landteil soll es Kletteräste und Wurzelstücke als Verstecke haben. Als Bepflanzung werden Knäuelbinsen (Juncus conglomeratus) empfohlen. Die Lufttemperatur soll tagsüber 20-26ºC betragen und nachts um einige Grade abkühlen. Für die Wassertemperatur werden 18-22ºC angegeben. Eine Überwinterung von Oktober bis März bei 4-8ºC ist angezeigt [6; 8].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa 30 Institutionen gezeigt, von denen sich rund zwei Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für zwei etwa gleich große Tiere mindestens 1.25x so lang und 0.5x so breit sein wie die Gesamtlänge eines Tieres. Die Höhe soll der halben Gesamtlänge entsprechen. Für jedes weitere Tier ist das Terrarienvolumen unter Beibehaltung der Proportionen um 20% zu erhöhen. In der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 01.02.2022) und der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) ist die Art nicht erwähnt. In Österreich gelten die allgemeinen Bestimmungen für die Haltung von Schlangen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1768 vom österreichischen Arzt und Naturforscher Josephus Nicolaus LAURENTI als "Coronella tessellata" beschrieben. Der Bremer Naturforscher Blasius MERREM stellte sie 1820 in die Gattung Natrix. Danach wurde sie zeitweilig Tropidonotus und anderen Gattungen zugeordnet [7].

Literatur und Internetquellen

  1. AGASYAN, A. et al. (2010). Natrix tessellata. The IUCN Red List of Threatened Species 2010: e.T157256A5062170. http://www.iucnredlist.org/details/157256/0. Downloaded on 14 October 2017.
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. HOFER, U., MONNEY, J.-C. & DUSEJ, G, (2001)
  5. MEYER, A., ZUMBACH, S., SCHMIDT, B. & MONNEY, J.-C. (2009)
  6. NIETZKE, G. (1969)
  7. THE REPTILE DATA BASE
  8. TRUTNAU, L. (2002) 

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