Alt- und Neuwelt-Sumpfschildkröten

Buchstaben-Schmuckschildkröte

Rotwangenschmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) im Tierpark Nordhorn Rotwangenschmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) im Tierpark Nordhorn
© Ina Deiting, TP Nordhorn

Ordnung: Schildkröten (TESTUDINATA)
Unterordnung: Halsbergerschildkröten (CRYPTODIRA)
Familie: Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)

D LC 650

Invasive EU

  Buchstaben-Schmuckschildkröte

Trachemys scripta • The Pond Slider • La tortue de Floride

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Gelbwangenschmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta) im Tierpark Nordhorn © Ina Deiting, TP Nordhorn

 

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Approximatives natürliches Artareal von Trachemys scripta (elegans, scripta, troostii)

 

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Gelbwangenschmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta) im Zoo Osnabrück © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Cumberland-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta troostii) in der Alligator Bay, Beauvoir © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Cumberland-Schmuckschildkröte (T. s. troostii) in der Alligator Bay, Beauvoir © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Rotwangenschmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) im Aquarium des Tropiques in Allex, Frankreich

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Rotwangenschmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) in der Alligator Bay, Beauvoir © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Junge Schmuckschildkröte (Trachemys scripta) aus einem Warenhaus mit Behälter. Quelle: www.pinterest.com

 

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Rotwangenschmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) in der Alligator Bay, Beauvoir © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Zu groß gewordene Schildkröten oder solche, deren der Halter überdrüssig geworden ist, werden oft in Zoos entsorgt. Hier einige von weit über 100 Tieren in der Alligator Bay, Beauvoir © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Illustration von Trachemys scripta in Johann David SCHOEPFFs (1792) Historia Testudinum Iconibus Illustrata.

Nachdem die süd- und mittelamerikanischen Formen als eigene Arten abgetrennt wurden, umfasst die Buchstaben-Schmuckschildkröte nur noch drei Unterarten (scripta, elegans und troostii) und ihr natürliches Areal ist auf Nordamerika beschränkt. Die Art wurde in Massen für den Heimtierhandel produziert  und ist invasiv. In Zoos sind fast nur Tiere zu sehen, die aus Tierschutzgründen übernommen oder von Besuchern ausgesetzt wurden.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Buchstaben-Schmuckschildkröte erreicht eine Carapaxlänge von 13-21, im Extremfall bis 27 cm, wobei die Männchen in der Regel kleiner bleiben als die Weibchen. Die Schlüpflinge messen 23-35 mm. Der Rückenpanzer ist flach, langestreckt und hinten etwas eingekerbt, er ist grünlich bis bräunlich mit gelblicher, rötliche roder rotbrauner Zeichnung. Der Bauchpanzer ist gelblich und hat zumindest bei Jungtieren, im Falle von elegans und troostii auch bei Adulten, ein symmetrisches Fleckenmuster. Je nach Unterart gelber oder roter Wangenfleck. Die Weichteile sind grau, grünlich oder bräunlich mit gelben Längsstreifen. Bei den Männchen ist der Schwanz länger und mit dickerer Schwanzwurzel [1; 2].

Verbreitung

Das natürliche Areal umfasst die östlichen USA und Nordmexiko (Nuevo Leon, Tamaulipas, Jalisco). In anderen Teilen der Ursprungsländer sowie in rund 70 weiteren Ländern wurde die Art angesiedelt. In Mitteleuropa pflanzen sich diese Schildkrötenunter unter den gegenwärtigen klimatischen Bedingungen  in der Regel zwar nicht fort, aber sie finden genügend Nahrung und überwintern problemlos, sodass dieselben Tiere oft über Jahre in ihrem jeweiligen Revier beobachtet werden können. Ausgesetzte Schmuckschildkröten gefährden durch ihre räuberische Lebensweise die ursprünglichen Tier- und Pflanzenarten [3; 4; 5].

Lebensraum und Lebensweise

Die Art besiedelt stehende oder langsam fließende, auch kleine Gewässer mit dichter Unterwasser-Vegetation und weichem Untergrund. Die Tiere sind Allesfresser und nehmen nebst Pflanzenmaterial allerhand Wirbellose, Froschlaich und tote Fische zu sich. Die Weibchen können pro Saison 3-6 Gelege von 5-20 Eiern produzieren, die zu ihrer Entwicklung 2-3 Monate benötigen, am Nordrand der Verbreitung auch länger. Spät im Jahr geborene Schlüpflinge können in der Nistgrube überwintern [2; 5].

Gefährdung und Schutz

Die Rotwangen-Schmuckschildkröte hat ein großes natürliches Areal und ist dort häufig. Zusätzlich wurde sie durch den Tierhandel weit verbreitet und hat sich als invasive Art in verschiedenen Ländern etablieren können. Sie ist daher nicht gefährdet [5].

Die Einfuhr in die Mitgliedstaaten der EU war seit 1992 nach Anhang B der EU-Artenschutzverordnung reglementiert. Seit 2016 ist die Art auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung aufgeführt und darf, wenn es nach der EU-Kommission geht, in Zukunft weder erworben noch gehalten oder gezüchtet werden [6].

Bedeutung für den Menschen

Die besonders bunten, kräftig gezeichneten Jungtiere waren während Jahrzehnten beliebte Heimtiere. Bis 6 Millionen Tiere wurden in den südlichen USA pro Jahr produziert und in Europa als "Warenhaustiere" billigst verschleudert, oft in Kombination mit einer ungeeigneten Haltungseinrichtung. Nach dem Rückgang der europäischen Importe stellte die Industrie auf die Produktion von Schildkröten für den ostasiatischen Lebensmittelmarkt um [1; 5].

Haltung im Zoo

Im Sinne einer guten Haltungspraxis wird empfohlen, dass ein Terrarium mindestens dem 6x3-fachen der Carapaxlänge und die Wassertiefe dem 4- bis 5-fachen der Carapaxbreite entsprechen soll. Das Wasser sollte 22-25ºC warm sein. Die Tiere können überwintert werden [2].

Haltung in europäischen Zoos: Obwohl von Gesetzes wegen verboten, werden alljährlich zahlreiche Schmuckschildkröten, insbesondere Rotwangen, von privaten Haltern entsorgt, indem sie irgendwo in einem öffentlichen Gewässer ausgesetzt werden - und auch Zoos werden mit solch nicht mehr erwünschten Tieren beglückt. Meistens geschieht dies so, dass die Tiere klammheimlich in ein Freilandterrarium hineingeworfen oder in einem Ententeich schwimmen gelassen werden. Manche Zoos haben deshalb eigens Anlagen gebaut, um solche Schildkröten dauerhaft zu beherbergen.

Die Art wird in deutlich über 400 Institutionen gehalten, wobei es sich meistens um Rot- (elegans) oder Gelbwangenschildkröten handelt (scripta). Die Cumberland-Schildkröte (troostii) ist in etwa 40 Einrichtungen zu sehen. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für eine Kleingruppe mindestens 5x so lang und 2.5x so breit sein wie die Carapaxlänge. Der Wasserstand soll das Doppelte der Carapaxbreite betragen. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege mit einem Landteil vor, der das 2x2-fache, und einem Wasserteil, der das 5x3-fache der Carapaxlänge misst. Für jedes weitere Tier kommen beim Wasserteil das 2x2-fache der Carapaxlänge dazu. Die Wassertiefe muss dem Doppelten der Carapaxlänge entsprechen. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017), die merkwürdigerweise nur die Unterart elegans regelt, ist für 1-2 über 20 cm lange Tiere ein Becken mit 1000 l Inhalt und ein Landteil von 0.3 m² erforderlich. Für jedes weitere Tier braucht es 350 l mehr Wasser und 0.15 m² mehr Land.

 Taxonomie und Nomenklatur

Die Buchstaben-Schmuckschildkröte wurde bereits 1792 vom schwedischen Naturforscher Carl Peter THUNBERG im Rahmen der von Johann David SCHOEPFF 1792 in Erlangen verlegten "Historia Testudinum Iconibus Illustrata" als "Testudo scripta" beschrieben [3]. Die Art wurde zeitweilig auch in die Gattung Chrysemys oder Pseudemys gestellt [1; 3].

Literatur und Internetquellen

  1. OBST, F. J. (1985)
  2. ROGNER, M. (2008)
  3. THE REPTILE DATA BASE
  4. TURTLE TAXONOMY WORKING GROUP (2014)
  5. VAN DIJK, P.P., HARDING, J. & HAMMERSON, G.A. (2011). Trachemys scripta. (errata version published in 2016) The IUCN Red List of Threatened Species 2011: e.T22028A97429935. Downloaded on 22 April 2017.
  6. Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141 der Kommission vom 13. Juli 2016 zur Annahme einer Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung ABl. L 189/4 vom 14. Juli 2016.

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Gelesen 353 mal Letzte Änderung am Samstag, 23 Juni 2018 13:45
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx