Alt- und Neuwelt-Sumpfschildkröten

Falsche Landkartenschildkröte

Falsche Landkartenschildkröte (Graptemys p. pseudogeographica) im Tierpark Berlin Falsche Landkartenschildkröte (Graptemys p. pseudogeographica) im Tierpark Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Schildkröten (TESTUDINATA)
Unterordnung: Halsbergerschildkröten (CRYPTODIRA)
Familie: Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)

D LC 650

Falsche Landkartenschildkröte

Graptemys pseudogeographica • The False Map Turtle • La tortue pseudo-géographique

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Falsche Landkartenschildkröte (Graptemys pseudogeographica kohnii) im Zoo Eberswalde © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Approximative Verbreitung der Falschen Landkartenschildkröte (Graptemys pseudogeographica)

 

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Falsche Landkartenschildkröte (Graptemys pseudogeographica kohnii) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

    

Die Falsche Landkartenschildkröte wird recht oft in Privathand, aber seltener in Zoos gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Rückenpanzer  ist oliv bis braun gefärbt mit netzförmiger Zeichnung auf den Rippenschilden und hellen Linien auf den Marginalschilden. Kräftiger Rückenkiel mit dunklem Sporn auf dem 2. und 3. Wirbelschild. Deutlicher Geschlechtsdimorphismus: Die Männchen werden nur bis 14.6, die Weibchen bis 27.3 cm lang.  [1; 2].

Verbreitung

USA, in zwei Unterarten im Einzugsgebiet des Mississippi sowie der Flüsse Mermenteau,  Calcasieu, Sabine, Trinity und Brazos (Arkansas, Illinois, Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Minnesota, Mississippi, Missouri, Nebraska, North Dakota, Ohio, Oklahoma, South Dakota, Tennessee, Texas, Wisconsin) [4; 5]

Lebensraum und Lebensweise

Die Art bevorzugt stehende oder langsam fließende Gewässer mit meist dichter Unterwasser-Vegetation. Die Tiere ernähren sich überwiegend von Algen und Wasserpflanzen, nehmen aber auch allerhand Wirbellose und tote Fische zu sich. Die Fortpflanzung beginnt im Herbst, Schwerpunkt ist aber das Frühjahr. Zwischen Mai und Juni werden ein bis drei Gelege  produziert, die 2-15 Eier umfassen. Bei Temperaturen zwischen 28 und 32°C schlüpfen die Jungen nach 57-90 Tagen. Bei 25°C entstehen Männchen, bei 30°C Weibchen [2].

Gefährdung und Schutz

Die Falsche Landkartenschildkröte leidet zwar gebietsweise unter Lebensraumverlust oder erhebliche Nutzung, ihre Unterart kohnii ist aber weit verbreitet und die Bestände scheinen stabil zu sein [5].

Die Art gilt deshalb nicht als gefährdet. Der internationale Handel ist seit 2006 nach CITES Anhang III-USA geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Falsche Landkartenschildkröte ist ein beliebtes Terrarientier und ist im Handel ab etwa 15 € zu haben. Die Zahl der gehandelten Tiere hat abgenommen, nachdem die USA den Verkauf von unter 10 cm langen Tieren verboten hatten.

Haltung im Zoo

Im Sinne einer guten Haltungspraxis wird empfohlen, dass ein Terrarium mindestens dem 6x3-fachen der Carapaxlänge und die Wassertiefe dem 4- bis 5-fachen der Carapaxbreite entsprechen soll. Das Wasser sollte 22-25ºC warm sein. Die Tiere sind bei 4-8ºC zu überwintern [2].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa einem Dutzend Institutionen gehalten, von denen sich zwei Drittel in Deutschland befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für eine Kleingruppe mindestens 5x so lang und 2.5x so breit sein wie die Carapaxlänge. Der Wasserstand soll das Doppelte der Carapaxbreite betragen. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege mit einem Landteil vor, der das 2x2-fache, und einem Wasserteil, der das 5x3-fache der Carapaxlänge misst. Für jedes weitere Tier kommen beim Wasserteil das 2x2-fache der Carapaxlänge dazu. Die Wassertiefe muss dem Doppelten der Carapaxlänge entsprechen. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017), die merkwürdigerweise nur die Unterart kohnii regelt, ist für 1-2 über 15 cm lange Tiere ein Becken mit 750 l Inhalt und ein Landteil von 0.2 m² erforderlich. Für jedes weitere Tier braucht es 250 l mehr Wasser und 0.1 m² mehr Land.

 Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1831 von John Edward GRAY, einem Mitglied der Londoner zoologischen Gesellschaft als "Emys pseudogeographica" beschrieben. Nachdem die Ouachita-Schildkröten ausgegliedert wurde umfasst neben der Nominatform nur noch die Unterart kohnii [3].

Literatur und Internetquellen

  1. OBST, F. J. (1985)
  2. ROGNER, M. (2008)
  3. THE REPTILE DATA BASE
  4. TURTLE TAXONOMY WORKING GROUP (2014)
  5. VAN DIJK, P.P. (2011). Graptemys pseudogeographica. (errata version published in 2016) The IUCN Red List of Threatened Species 2011: e.T165600A97424024. Downloaded on 22 April 2017.

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Gelesen 319 mal Letzte Änderung am Samstag, 23 Juni 2018 13:44
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx