Kamele

Dromedar

Dromedarstute (Camelus dromedarius) mit Fohlen im Zoo Berlin Dromedarstute (Camelus dromedarius) mit Fohlen im Zoo Berlin
Pressefoto Zoo Berlin
smiley happy Neues Datenblatt - war bisher unter C. bactrianus

Überordnung: LAURASIATHERiA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Schwielensohler (Tylopoda)
Familie: Kamele(Camelidae)

Tribus: Altweltkamele (Camelini)

D NB 650

Dromedar

Camelus dromedarius • The Dromedary • Le dromadaire

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Dromedar (Camelus dromedarius) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des Dromedars (Camelus dromedarius) als Nutztier und von verwilderten Populationen

 

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Dromedarfohlen (Camelus dromedarius) im Zoo Osnabrück. Pressefoto Zoo Osnabrück

 

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Dromedar (Camelus dromedarius) in Ruheposition im Zoo-Safari La Plaisance du Touche, Hte. Garonne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Dromedar (Camelus dromedarius) im Zoo Salzburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Wilhelm Busch: Naturgeschichtliches Alphabet, Münchener Bilderbogen Nro. 405/406

 

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Ein symbolischer Graben reicht als Gehegebegrenzung. Alte Dromedaranlage im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Zooschulunterricht bei den Dromedaren © Zooschule Landau

 

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Angeblich nicht kälteresistentes Dromedar (Camelus dromedarius) im Zoo Landau © Zoo Landau

 

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Dromedare lassen sich hinter symbolischen Absperrungen halten, hier im Zoo La Bourbansais in der Bretagne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Dromedare sind nicht nur äußerst populäre Zootiere, sondern wegen ihrer anatomischen und physiologischen Besonderheiten, ihrer Lebensweise und kulturellen Bedeutung auch von hohem zoopädagogischem Wert. Obwohl Haustiere, können sie als Botschafterarten für den Schutz von Grasländern und anderen ariden Lebensräumen dienen.

Körperbau und Körperfunktionen

Das einhöckerige Dromedar gehören mit einer Kopf-Rumpflänge von bis zu 345 cm, einer Höhe (mit Höcker) von bis zu 230 cm und einem Gewicht von bis zu 1000 kg zu den größten Huftieren. Neben den aus Fettgewebe bestehenden Höckern weisen sie noch eine Reihe weiterer anatomischer Besonderheiten auf: die Oberlippe ist gespalten und dient als Greiforgan, die Nasenlöcher sind verschliessbar, im Oberkiefer fehlen die mittleren Schneidezähne, die 2. und 3. Schneidezähne sind nach hinten verlagert, am Hinterkopf befinden sich bei Stuten und Hengsten ein Paar Brunstdrüsen, beim Hengst ist das Gaumensegel als "Brüllsack" ausgebildet, der Magen ist, anders als bei den "echten" Wiederkäuern, dreihöhlig (der Psalter fehlt), am Oberschenkel hat es keine Spannhaut (Kniefalte), die Zehenknochen verlaufen nicht in einer geraden, sondern einer gebrochenen Linie. Das Nagelendglied trägt einen kleinen Nagel mit gekrümmter Hornwand, der Fuss ist mit einem hochelastischen Sohlenpolster aus Binde- und Fettgewebe versehen und weist eine breite Auftrittsfläche auf [1; 2; 3; 5].

Zu den physiologischen Besonderheiten gehört der geringe Wasserbedarf, der darauf beruht, dass die Tiere ihre Körpertemperatur von 34 °C auf über 40 °C erhöhen können. So wird die extreme Hitze im Körper gespeichert und während der Nacht bei kühleren Temperaturen abgegeben, ohne dass die Tiere Wasser verlieren. Erst nach Erreichen der maximalen Körpertemperatur beginnt ein Kamel zu schwitzen [4].

Verbreitung

Das Dromedar findet man zur Hauptsache in Nord- und Ostafrika, und dem Nahen und Mittleren Osten von der Türkei bis Arabien und ostwärts bis nach Indien. Eine große, verwilderte Population lebt in Australien, wo die Tiere bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Nutztiere importiert worden waren, kleinere eingeführte Bestände gibt es in Namibia und der Nordkap-Provinz Südafrikas, den Kanarischen Inseln und dem Balkan. Auch in die USA, nach Italien und Spanien wurde das Dromedar eingeführt, ist dort aber wieder ausgestorben. Eine 1829 im Coto Doñana freigesetzte Herde lebte dort bis in die 1950er-Jahre [2].

Lebensraum und Lebensweise

Dromedare sind an ein Leben in subtropischen Wüsten, Halbwüsten und Trockensteppen angepasst. Sie ernähren sich von Kräutern, Gräsern, Zweigen, Rinde und Laub. Verwilderte Dromedare Bilden Verbände aus Stuten und deren Nachkommen. Hengste sind außerhalb der Paarungszeit Einzelgänger oder leben in Junggesellengruppen [1; 2].

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Dromedare sind für das Leben der Nomaden der westasiatischen und nordafrikanischen Wüsten und Trockensteppen lebenswichtig. Sie werden als Reit- und Lasttiere eingesetzt, im arabischen Raum gar zur Veranstaltung von Rennen, und liefern Fleisch, Milch, Wolle, Leder und Dung als Brennstoff. Die Milch hat nicht nur einen großen Nährwert, sondern auch einen Vitamin-C-Gehalt, der vier- bis sechsmal so hoch ist, wie der von Kuhmilch und daher oft die wichtigste Vitamin-C-Quelle für die Bevölkerung darstellt [2; 3].

Kulturelle Bedeutung: Das Kamel, womit wohl eher das auf Arabisch "dʒamal" genannte Dromedar als das Trampeltier gemeint ist, ist Gegenstand mehrerer Fabeln:
Aesop: Das Kamel
Aesop: Zeus und das Kamel

Haltung im Zoo

Haltung in europäischen Zoos: Dromedare werden in über 100 europäischen Zoos gehalten, davon befinden sich rund ein Fünftel im deutschsprachigen Raum. Für Details siehe Zootierliste.

Nach dem Säugetiergutachten 2014 des BMEL ist Dromedaren ein Innengehege mit einer Fläche von mindestens 15 m² pro Tier einzurichten, weil das Dromedar (im Gegensatz zum Trampeltier) nicht winterhart sei. Tatsächlich überlappen sich aber die Verbreitungsgebiete von Dromedar und Trampeltier. Dromedare kommen z.B. in Turkmenistan und Kasachstan vor, wo die mittlere Monatstemperatur im Winter tagsüber bei unter 0°C und nachts bei -8 bis -9°C liegt. Auch in der Arabischen Wüste fallen die Nachttemperaturen im Winter auf 0°C. Die Tiere sind also kältetolerant, und da die Verweildauer im Stall relativ kurz ist, sind 8 m² ausreichend, wie im Falle der Trampeltiere, wenn diesen ein Stall und nicht nur ein Unterstand zur Verfügung gestellt wird.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung schreibt für 3 Kamele ein Gehege von 300 m² und für jedes weitere 50 m² mehr sowie pro Tier einen Stallplatz von 8 m² vor. Die 2. ierhaltungsverordnung Österreichs fordert für 5 Kamele ein Gehege von 800 m², für jedes weitere 80 m² sowie pro Tier einen auf 10°C heizbaren Stallplatz von 15 m².

Taxonomie und Nomenklatur

Das Dromedar wurde 1758 von Carl von LINNÉ als Camelus dromedarius erstmals wissenschaftlich beschrieben. Es ist keine Wildform bekannt, es wird vermutet, dass diese auf der Arabischen Halbinsel lebte und vor mehreren tausend Jahren ausstarb. Trampeltier und Dromedar lassen sich kreuzen. Die Nachkommen werden Tulus genannt. Sie haben nur einen eingedellten Höcker und sind fruchtbar [2; 3].

Literatur und Internetquellen

 

  1. GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
  2. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  3. MÜNCHAU, B. (1980)
  4. TVT (2005)
  5. WILSON, & MITTERMEIER (2011)

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Gelesen 528 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 24 Januar 2019 23:29
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx