Hunde

Löffelhund

Löffelhund (Otocyon megalotis) im Zoo Osnabrück Löffelhund (Otocyon megalotis) im Zoo Osnabrück
Pressefoto Zoo Osnabrück

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Hunde (Canidae)

D LC 650

Löffelhund

Otocyon megalotis • The Bat-eared Fox • L'otocyon

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Löffelhündin (Otocyon megalotis) mit Welpen im Opel Zoo Kronberg © Martin Becker, Opel Zoo

 

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Approximative Verbreitung des Löffelhunds (Otocyon megalotis)

 

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Löffelhund (Otocyon megalotis) im Zoo Dvůr Králové © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Löffelhund-Welpen (Otocyon megalotis) im Opel Zoo Kronberg © Archiv Opel Zoo

 

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Löffelhund (Otocyon megalotis) im ZooParc de Beauval © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Junge Löffelhunde (Otocyon megalotis) im Opel Zoo Kronberg © Archiv Opel Zoo

 

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Löffelhund (Otocyon megalotis) im ZooParc de Beauval © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Löffelhund (Otocyon megalotis) im Zoo des Salbles, Les Sables d'Olonne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Löffelhund (Otocyon megalotis) im Zoo des Salbles, Les Sables d'Olonne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Löffelhunde (Otocyon megalotis) im Opel-Zoo Kronberg © Archiv Opel-Zoo

 

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Löffelhund (Otocyon megalotis) im Zoo Osnabrück © Pressefoto Zoo Osnabrück

 

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Löffelhund (Otocyon megalotis virgatus) im Serengeti-Nationalpark, Tansania © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Die in ihrem Ursprungsgebiet nicht gefährdeten Löffelhunde sind aufgrund Ihres Verhaltens zoopädagogisch interessant und mit ihren Fledermausohren äußerst ansprechende Kleinraubtiere, die sich gut als Botschafter für Natur- und Artenschutzprojekte in den offenen Landschaften Ost- und Südafrikas eignen. Da sie aber als weitgehend nachtaktiv gelten, sind sie in Zoos nicht allzu häufig vertreten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der fuchsähnliche, aber hochbeinigere Löffelhund erreicht eine Schulterhöhe von rund 30-35 cm, eine Kopf-Rumpflänge von 50-60 cm eine Schwanzlänge von 30-35 cm und ein Gewicht von 3-5 kg. Ein besonderes Merkmal ist sein Gebiss: Es umfasst 46-50 Zähne. Diese Zähne sind, verglichen mit anderen Hundegebissen, stark verkleinert und der Insekten fressenden Lebensweise angepasst. Die Schnauze ist lang und spitz. Es ist eine schwarz-hellgraue Gesichtsmaske vorhanden. Sehr auffällig sind die riesigen, tütenförmigen Ohren, die bis zu 13 cm über den Kopf hinausragen und den Löffelhunden helfen, Beute aufzuspüren und überschüssige Wärme abzugeben. Die Rückseite der Ohren, die Beine sowie Oberseite und Spitze des buschigen Schwanzes sind schwarz oder schwarzbraun. Ansonsten ist das relativ kurze, wollige Fell graubraun meliert, unterseits heller [2; 3; 7].

Verbreitung

Östliches und südliches Afrika  (in zwei geografisch getrennten Populationen): Angola, Äthiopien, Botswana, Kenia, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Somalia, Südafrika, Sudan, Südsudan, Tansania [1]. In Südafrika hat der Löffelhund vor einigen Jahren sein Areal im Gebiet des Fynbos bis auf die Kap-Halbinsel und Kap Agulhas ausgedehnt [2].

Lebensraum und Lebensweise

Löffelhunde besiedeln Kurzgrassteppen, Buschland, Trockensavannen, Fynbos, Karoo und Halbwüsten. Sie sind überwiegend nachtaktiv, können aber während der kühleren Jahreszeit auch tagsüber unterwegs sein. Die heiße Tageszeit verbringen sie in ihrem Bau oder im Schatten von Büschen, Bäumen oder Felsen [1; 2; 3; 7].

Löffelhunde leben in Südafrika in monogamen Paaren, in Ostafrika in kleinen Familienverbänden bestehend aus einem Rüden und 2-3 nahe verwandten Fähen, sowie ihren Nachkommen. Die Gruppen haben  Streifgebiete von weniger als 1 km² bis mehr als 3 km². Die Streifgebiete benachbarter Paare können sich überlappen. Während eines Teils des Jahres wird das Kerngebiet  als Territorium markiert und verteidigt [7].

Löffelhunde sind sehr gesellig und selbst Erwachsene sind sehr verspielt und putzen sich gegenseitig. Sie gehen gemeinsam auf die Jagd, wobei sich bisweilen mehrere Familiengruppen zusammenschließen. Wenn sie auf Termiten aus sind, laufen sie nahe beisammen, bei der Jagd auf Käfer halten sie größere Abstände ein. Den überwiegenden Teil der Nahrung des Löffelhunds (etwa 90 %) machen Termiten aus, wobei Erntetermiten (Hodotermes mossambicus) bevorzugt werden. In geringerem Umfang werden andere Insekten, Tausendfüßer und Skorpione, gelegentlich auch kleine Wirbeltiere wie Vögel, Eidechsen oder Nagetiere sowie Früchte gefressen [2; 3; 7].

Paarungen finden von Juli-September statt. Nach einer Tragzeit von 60-70(-75) Tagen kommen 2-6 ca. 100-140 g schwere Jungtiere zur Welt. Sie werden in einem selbst gegrabenen oder einem verlassenen Springhasen- oder Erdferkelbau, einer von Warzenschweinen übernommenen Höhle oder einem modifizierten Termitenbau geboren und kommen nach 8-12 Tagen erstmals für kurze Zeit heraus. Währenddem bei anderen Hundeartigen der Rüde nach der Geburt auf die Jagd geht und Mutter und Nachwuchs versorgt, ist dies bei den weitgehend insektivoren Löffelhunden nicht möglich. Der Rüde bewacht daher nach der Geburt den Bau, währenddem die Fähen auf der Nahrungssuche sind. Er beteiligt sich auch aktiv an der Aufzucht der Jungen. Diese werden 10(-15) Wochen lang gesäugt, wobei die laktierenden Fähen einer Familiengruppe alle Jungen annehmen, und dann vom Rüden in die Jagd eingewiesen [2; 7].

Gefährdung und Schutz

Obwohl der Löffelhund ab und zu für sein Fell gejagt wird und auch mancherorts als Gefahr für kleine Nutztiere angesehen und deshalb verfolgt wird, ist er namentlich in Schutzgebieten noch häufig. Er gilt deshalb nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2014 nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). Allerdings können die Bestände als Folge von Staupe-Epidemien oder Trockenheit mit tiefen Insektenpopulationen stark fluktuieren [1].

Der internationale Handel ist nach CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Der Winterpelz von Löffelhunden wird gebietsweise zu Decken verarbeitet. Der Löffelhund ist auch Gegenstand der Trophäenjagd [1]. Nach Online-Angeboten (2018) betragen die Abschussgebühren in Äthiopien 150-300 USD, in Namibia 350-2'300 USD und in Südafrika 400-2'000 USD.

Haltung

Der Löffelhund wird oft nicht als winterhart angesehen und ganzjährig in Innengehegen gehalten, oder es wird seitens der Behörden ein geräumiges Innengehege zusätzlich zum Außengehege vorgeschrieben. Tatsächlich liegen in Teilen ihres Artareals die winterlichen Mindesttemperaturen nur wenige Grade über Null, und akklimatisierte Tiere können ganzjährig im Freien gehalten werden, wenn ihnen windgeschützte, thermoisolierte und mit Stroh ausgepolsterte Hütten zur Verfügung stehen [3]. Löffelhunde können im Zoo ein Alter von 16-17 Jahren erreichen [6].

Löffelhunde lassen sich mit anderen Tierarten vergesellschaften, so z.B. iom Zoo  des Sables mit Zwergmangusten oder im Opel-Zoo mit Straußen.

Die Art wird in rund 30 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden.  Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt ein Europäisches Zuchtbuch (ESP), das am Banham Zoo in England, koordiniert wird.

Forschung im Zoo: Der Löffelhund ist gelegentlich Gegenstand von Forschungsarbeiten, so z.B. im Rahmen von vergleichenden Studien über das Ruheverhalten oder Liegepositionen von Caniden [4; 5].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein Gehege für ein Paar mindestens eine Fläche von 30 m² aufweisen. Für jedes weitere erwachsene Tier kommen 10 m² zur Basisfläche dazu. Bei Haltung auf gewachsenen Böden ist die Fläche zu verdoppeln.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für ein Paar ein Außengehege vor, dessen Grundfläche 40 m² misst, sowie ein Innengehege mit einer Fläche von 8 m². Für jedes weitere Tier kommen 4 bzw. 1 m² zur Basisflächen dazu. Es müssen Schlafboxen und Abtrennmöglichkeiten vorhanden sein. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) sind für ein Paar ein Außengehege von 100 und ein Innengehege von 50 m² erforderlich, für jedes weitere Adulttier 10 bzw. 5 m² mehr.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Löffelhund wurde 1822 vom französischen Zoologen Anselme Gaëtan DESMAREST als "Canis megalotis" beschrieben. 1836 stellte ihn der Heidelberger Zoologe Salomon MÜLLER in die monospezifische Gattung Otyocyon. Gegenwärtig werden zwei Unterarten  anerkannt, die Nominatform aus Südafrika und O. m. virgatus aus Ostafrika [7].

Literatur und Internetquellen

  1. HOFFMANN, M. (2014). Otocyon megalotis. The IUCN Red List of Threatened Species 2014: e.T15642A46123809. http://www.iucnredlist.org/details/15642/0. Downloaded on 20 June 2018.
  2. MILLS, G & HES, L. (1999)
  3. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  4. SOMMER, C. (1990)
  5. WAGNER, F. (2012)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-) 

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Gelesen 1416 mal Letzte Änderung am Sonntag, 05 Mai 2019 06:23
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx