Neuweltgeier

Rabengeier

Rabengeier (Coragyps atratus) im Zoo Montevideo Rabengeier (Coragyps atratus) im Zoo Montevideo
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Greifvögel (ACCIPITRIFORMES)
Unterordnung: Neuweltgeier (CATHARTAE)
Familie: Neuweltgeier (Cathartidae)
Unterfamilie: Habichte (Accipitrinae)

D LC 650

Rabengeier

Coragyps atratus • The American Black vulture • L'urubu noir

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Rabengeier (Coragyps atratus) bei Cahuita, Costa Rica © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Rabengeiers (Coragyps atratus)

 

 

 

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Rabengeier (Coragyps atratus) bei Cahuita, Costa Rica © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Rabengeier (Coragyps atratus) als Gesundheitspolizei bei Cahuita, Costa Rica © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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"Rabengeier (Cathartus atratus)". Illustration aus BREHMS THIERLEBEN (1882-1887) . Gemeinfrei.

 

 

 

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Der "Urubu" ist als von den Altweltgeiern recht verschiedener Vertreter der Neuweltgeier von zoopädagogischem Interesse. Die in ihrem Ursprungsgebiet nicht gefährdete Art ist in europäischen Zoos in mittlerer Häufigkeit vertreten.

Körperbau und Körperfunktionen

Rabengeier erreichen eine Gesamtlänge von 56-68 cm, eine Flügelspannweite von 137-150 cm und ein Gewicht von 1'100-1'900 g. Ihr Gefieder ist schwarz, die nackte, faltige Kopfhaut bleigrau. Ihr Schnabel ist lang und dünn und hat eine weit vorgezogene Wachshaut; die Läufe sind relativ lang [2; 4].

Verbreitung

Nord-, Mittel- und Südamerika: Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Ekuador, El Salvador, Französisch Guyana, Guatemala, Guyana, Honduras, Kolumbien, Mexiko, Nikaragua, Panama, Paraguay, Peru, Puerto Rico, Surinam, Trinidad und Tobago, Uruguay, USA, Venezuela, ferner als Gastvogel in Kanada und zahlreichen Inselstaaten der Karibik [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Rabengeier besiedelt, von dichtem Wald abgesehen, die meisten Lebensräume vom Tiefland bis auf eine Höhe von 2'800 m. Er ist ein ausgesprochener Kulturfolger, der oft in Städten angetroffen wird. Er ist der geselligste Neuweltgeier, der sich oft zu Schwärmen von mehreren Hundert oder Tausend Individuen zusammenschließt. Hinsichtlich Ernährung ist er nicht wählerisch und nimmt neben Aas auch organische Siedlungsabfälle jeder Art an und attackiert wehrlose Klein- oder Jungtiere [1; 4; 6]. BREHM zitiert in diesem Zusammenhang Alexander von HUMBOLDT: "Bei Tage streifen die Rabengeier an den Ufern umher und kommen mitten in das Lager der Indianer herein, um Eßbares zu entwenden. Meist aber bleibt ihnen, um ihren Hunger zu stillen, nichts übrig, als auf dem Lande oder im seichten Wasser junge, achtzehn bis zwanzig Centimeter lange Krokodile anzugreifen" [2]. Das Gelege besteht aus 2 Eiern, die während 38-45 Tagen von beiden Eltern ausgebrütet werden. Die Küken sind mit etwa 3 Monaten flügge [3; 5].

Gefährdung und Schutz

Der Rabengeier hat eine außerordentlich weite Verbreitung und einen sehr großen, zunehmenden Bestand. Seit 2004 wurde er daher als nicht-gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) eingestuft [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang II der Bonner Konvention über wandernde Tierarten.

Bedeutung für den Menschen

Rabengeier werden gebietsweise für den internationalen Tierhandel gefangen oder zur Gewinnung von Fleisch oder von Körperteilen für die Volksmedizin getötet [1]. Sie wirken als Gesundheitspolizei, indem sie durch den Straßenverkehr getötete Tiere und Müll abräumen [5]. Andererseits können sie sich dadurch unbeliebt machen, dass sie neugeborene Kälber und Lämmer töten, was Vergiftungsaktionen zur Folge haben kann [4].

Haltung im Zoo

In größeren Volieren ist eine Vergesellschaftung mit anderen Neuweltgeiern oder sonstigen, nicht-aggressiven Greifvögeln möglich. Für die Zucht ist ein Abtrennen der Paare von Vorteil, da diese sehr störanfällig sind. Als Höchstalter werden über 46 Jahre angegeben [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 50 zoologischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: 1995 veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BMELF) Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen. Diese werden gegenwärtig (Oktober 2019) überarbeitet und sollen als Leitlinien zur Haltung von Greifvögeln (Accipitriformes, Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) neu herausgegeben werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für 1-2 kleine Geier eine Voliere mit einer Grundfläche von 30 m² und einem Volumen von 90 m³ vor. Für jeden weiteren adulten Vogel ist die Grundfläche um 10 m² zu vergrößern. Die Vorgängerverordnung sah halb so große Dimensionen vor. Die Erhöhung erfolgte ohne Angabe von Gründen. Für nicht winterharte Vögel ist ein Schutzraum von 2 m² pro Vogel erforderlich.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für die Haltung von 1-2 Rabengeiern eine Voliere mit einer Grundfläche von 30 m² bei 2 .5 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 10 m² zu erweitern. Falls ein Innenraum nötig ist, muss dieser eine Fläche von 4 m² und eine Höhe von 2 m haben. Für die falknerische Haltung gelten besondere Anforderungen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Rabengeier wurde 1793 von Johann Matthäus BECHSTEIN, dem Leiter der Herzöglichen Forstakademie Dreißigacker bei Meiningen als "Vultur atratus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Coragyps wurde 1853 von Étienne GEOFFROY SAINT-HILAIRE eingeführt, dem Begründer des ersten bürgerlichen Zoos, der Ménagerie im Jardin des Plantes von Paris. Es werden drei Unterarten anerkannt [3].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Coragyps atratus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22697624A93624950. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22697624A93624950.en . Downloaded on 20 October 2019.
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J., eds. (1999)
  4. GLOBAL RAPTOR INFORMATION NETWORK
  5. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  6. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx