Kloaken- und Beuteltiere

Gelbfuss-Felsenkänguru

Gelbfuß-Felsenkänguru (Petrogale xanthopus) im Tierpark Berlin Gelbfuß-Felsenkänguru (Petrogale xanthopus) im Tierpark Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Känguruverwandtschaft (DIPROTODONTIA)
Unterordnung: Känguruartige (Macropodiformes)
Familie: Kängurus (Macropodidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kängurus (Macropodinae)

D NT 650

Gelbfuß-Felsenkänguru

Petrogale xanthopus • The Yellow-footed Rock-wallaby • Le pétrogale à pieds jaunes

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Gelbfuß-Felsenkänguru (Petrogale xanthopus) im Zoo von Adelaide SA © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Vorkommen des Gelbfuß-Felsenkängurus (Petrogale xanthopus). Dunkelblau: P. x. xanthopus; gelb: P. x. celeris

 

 

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Hinterfuß eines Gelbfuß-Felsenkängurus (Petrogale xanthopus) im Zoo von Adelaide SA © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gelbfuß-Felsenkänguru (Petrogale xanthopus) im Cleland Wildlife Park SA © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gelbfuß-Felsenkänguru (Petrogale xanthopus) im Cleland Wildlife Park SA © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Gelbfuß-Felsenkänguru (Petrogale xanthopus) im Zoologisch-Botanischen Garten Mülhausen im Elsass © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gelbfuß-Felsenkänguru (Petrogale xanthopus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Gelbfuß-Felsenkänguru (Petrogale xanthopus) im Zoo von Adelaide SA nimmt bei der Futteraufnahme die Pfoten zuhilfe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gelbfuß-Felsenkänguru (Petrogale xanthopus) im Tierpark Berlin. Man beachte den langen Schwanz © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Gehege für Gelbfuß-Felsenkängurus (Petrogale xanthopus) im Zoologisch-Botanischen Garten Mülhausen im Elsass © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gelbfuß-Felsenkänguru (Petrogale xanthopus). Abbildung aus GOUL, J. (1863). The Mammals of Australia, Vol 2. Public Domain.

 

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Die über 60 Arten der Eigentlichen Kängurus variieren hinsichtlich Körpergröße stark, besiedeln alle möglichen Lebensräume und können im Verhalten sehr verschieden sein. Die Felsenkängurus (Petrogale) sind so zu sagen die Gemsen unter den Kängurus und sind wegen ihrer abweichenden Umweltansprüche und Verhaltensweisen zoopädagogisch interessant. Eine europäische Zoopopulation befindet sich im Aufbau.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Gelbfuß-Felsenkänguru zählt zu den schönsten Känguruarten überhaupt. Das Rückenfell ist hellgrau mit einem weißen Streifen an den beiden Körperseiten. Die Ohren und Füße sind kräftig gelb- bis orangefarben abgesetzt, ebenso der Schwanz. Zusätzlich finden sich dunkle Querstreifen auf der Schwanzoberseite – das macht die Art unverwechselbar.

Von der Größe her ist das Gelbfuß-Felsenkänguru einem Tammarwallaby (Macropus (N.) eugenii) vergleichbar, abgesehen davon, dass sein Schwanz deutlich länger ist. Innerhalb der Felsenkängurus ist es die am größten werdende Art. Die Kopf-Rumpflänge beträgt etwa 48-65 cm und die Schwanzlänge von 57-70 cm, die Körpergewichte liegen bei rund 6 bis 12 kg [3; 7].

Verbreitung

Australien: Mehrere disjunkte Areale in Ost-Australien (New South Wales, Queensland, Victoria) [2].

Lebensraum und Lebensweise

Alfred BREHM [1] weiß über das Gelbfuß-Felsenkänguru allerhand zu berichten: "Die Gebirge von Neu-Südwales beherbergen das Felsenkänguru in ziemlicher Anzahl; doch wird es nicht häufig bemerkt, weil es ein Nachtfreund ist, welcher nur äußerst selten vor Sonnenuntergang aus dunklen Höhlen und Gängen zwischen den Felsen hervorkommt. Die Behendigkeit, mit welcher es auf den gefährlichen Abhängen und Felsenwänden umherklettert, würde einem Affen alle Ehre machen, und wirklich glaubt der Europäer, welcher dieses Thier zum ersten Male im dämmerigen Halbdunkel des Abends erblickt, einen Pavian vor sich zu sehen. Seine Kletterfertigkeit schützt es weit mehr als die übrigen Verwandten vor den Nachstellungen des Menschen und anderer Feinde. Das Felsenkänguru verlangt einen sehr geübten Jäger und fällt auch diesem nur dann zur Beute, wenn er den von seinem Wilde streng eingehaltenen Wechsel ausgespürt hat."

"Die Eingeborenen folgen der deutlich wahrnehmbaren Fährte wohl auch bis zu dem Geklüft, in welchem sich das Thier bei Tage verborgen hält; zu solcher Jagd aber gehört die bewunderungswürdige Geduld des Wilden: der Europäer unterläßt sie weislich. Ein schlimmerer Feind als der Mensch soll der Dingo sein, weil er häufig genug in den Höhlen wohnt, in welche das Felsenkänguru sich bei Tage zurückzieht. Doch gelingt es auch ihm nur durch Ueberrumpelung, sich des sehr vorsichtigen Thieres zu bemächtigen; denn wenn dieses seinen Feind bemerkt, ist es mit wenigen Sätzen außer aller Gefahr. .... Nach Versicherung der Eingeborenen soll übrigens das Felsenkänguru vorzugsweise solche Klüfte bewohnen, welche mehrere Ausgänge haben. Verwundete Thiere dieser Art gehen dem Jäger gewöhnlich verloren: sie schlüpfen wenige Augenblicke vor ihrem Tode noch in eine Höhle und verenden dort."

Gelbfuß-Felsenkängurus ruhen meist in aufrechter Körperhaltung mit nach hinten gerichtetem Schwanz und mit angehobenen oder aufgesetzten Vorderbeinen. Sie können aber auch eine Halbseiten- oder Vollseitenlage einnehmen [5]. Als Nahrung ziehen sie Blätter und Kräuter Gräsern vor [3]. Nach einer Trächtigkeit von 32 (31-33) Tagen wird in der Regel ein einzelnes Junges geboren. Dieses bleibt 6.5 Monate im Beutel und wird mit etwa 14 Monaten entwöhnt. Männchen und Weibchen erreichen  mit 18 Monaten Geschlechtsreife [7].

Gefährdung und Schutz

Der Bestandstrend des Gelbfuß-Felsenkängurus zeigt abwärts und seine Populationen sind fragmentiert. Die Art wird daher aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 international als potenziell gefährdet geführt (Rote Liste: LEAST CONCERN), in Australien als gefährdet [2].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Es gelten jedoch rigorose Ausfuhrbestimmungen Australiens.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Das Gelbfuß-Felsenkängugu wurde traditionell von den Aborigines zur Fleischgewinnung erlegt. Ab etwa 1880, als es noch sehr häufig war, wurde es wegen seines Pelzes kommerziell bejagt. in der Folge nahmen die Bestände ab, und die Pelzjagd endete in den 1920er-Jahren [2].

Haltung

Über die Haltung der Bergkängurus im 19. Jahrhundert berichtet BREHM [1]: "... gegenwärtig sieht man sie in vielen Thiergärten. So weit meine Beobachtungen reichen, unterscheiden sie sich, abgesehen von ihrer Lust zu klettern, in ihrem Betragen nicht von den Verwandten. Richtet man ihnen in ihrem Gehege einen künstlichen Felsen her, so klettern sie gern an dessen Wänden umher, nehmen verschiedene ihnen mögliche Stellungen an und gewähren einen hübschen Anblick; so weit aber geht ihre Kletterfertigkeit nicht, daß sie höhere Gitter zu übersteigen vermöchten, denn ihr Erklimmen der Felsen geschieht hüpfend, nicht aber kletternd, und sie bedürfen, um eine Höhe zu gewinnen, mindestens den zum Aufspringen erforderlichen Raum.Bei guter Pflege pflanzen sie sich ebenso leicht wie ihre Verwandten in der Gefangenschaft fort."

In mindestens einem australischen Zoo werden Gelbfuß-Felsenkängurus in einer begehbaren Anlagen gehalten [5]. Auch in Europa gibt es mittlerweile solche Anlagen. Eine Vergesellschaftung mit anderen Känguru-Arten ist möglich.

Das älteste, von WEIGL [6] erfasste Gelbfuß-Felsenkänguru befand sich im Monarto-Zoo in Australien und war im Alter von 14 Jahren und 5 Monaten immer noch am Leben [6].

Haltung in europäischen Zoos: In Europa gab es nach dem 2. Weltkrieg nur noch wenige Tiere und diese starben bald einmal aus. Auch im Freiland war die Art durch Jagd auf ihre Felle, aber auch durch Einschleppung von Füchsen, Hauskatzen, Schafen und Ziegen an den Rand des Aussterbens gebracht worden. Zoologische Gärten in Australien starteten daher ein Erhaltungszuchtprogramm, in welches später auch Zoos in Nordamerika einbezogen wurden. An dem nordamerikanischen Zuchtprogramm, Species Survival Plan (SSP) genannt, beteiligte sich seit 2010 als erster europäischer Zoo auch der Tierpark Berlin, der vorerst eine "Junggesellengruppe" betreute, die 2013 um Weibchen ergänzt wurde. Schon im selben Jahr kam es zur Nachzucht (PM Tierpark Berlin, 26.07.2010, JB 2013 TP Berlin). Mittlerweile (2018) ist die Art bereits in 10 europäischen Zoos zu sehen, und es wurde ein europäisches Erhaltungszuchtprogramm geschaffen, das vom Zoologisch-Botanischen Garten Mülhausen im elsass begtreut wirtd. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für das Außengehege eine Mindestfläche von 200 m² für bis 5 Tiere und 20 m² für jedes weitere Tier an. Das Innengehege soll 15 m² groß sein und für jedes weitere Tier ist die Fläche um 3 m² zu erhöhen.

Die Tierschutzverordnung der Schweiz schreibt für bis 5 Tiere ein Außengehege von 150 m² und für jedes weitere Tier zusätzlich 15 m² vor. Das Innengehege muss 15 m² groß sein und für jedes weitere Tier ist die Fläche um 3 m² zu erhöhen. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs verlangt für bis 5 Tiere ein Außengehege von 300 und ein Innengehege von 20 m². Für jedes weitere Tier ist die Fläche außen wie innen um 10% zu erhöhen.

Nach JACKSON soll für 5 Tiere eine Gehegefläche von 70 m² nicht unterschritten werden [4]

Taxonomie und Nomenklatur

Das Gelbfuß-Felsenkänguru wurde 1855 von englischen Zoologen John Edward GREY, der am Britischen Museum tätig war, unter seinem heute noch gültigen Namen beschrieben. Es werden zwei Unterarten anerkannt: die in Südaustralien und New South Wales vorkommende Nominatform und Petrogale x. celeris aus Queensland [7].

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1883 a)
  2. COPLEY, P. et al. 2016. Petrogale xanthopus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T16750A21955455. http://www.iucnredlist.org/details/16750/0. Downloaded on 15 June 2018.
  3. CURTIS, L. K. (2006)
  4. JACKSON, S. M. (2003)
  5. SCHÜRER, U. (1978)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 2249 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 22 November 2018 15:09
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx