Mäuse-Verwandte

Hausmaus

Hausmaus (Mus musculus) im Tierpark Berlin Hausmaus (Mus musculus) im Tierpark Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Mäuse (Muridae)
Unterfamilie: Altweltmäuse (Murinae)
Tribus: Echte Mäuse und Ratten (Rattini)

D LC 650

Hausmaus

Mus musculus domesticus • The House Mouse • La souris grise

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Hausmaus (Mus musculus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Hausmaus (Mus musculus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Hausmaus (Mus musculus) im Wildpark Langenberg des Wildnisparks Zürich © Wildnispark Zürich

 

 

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Hausmaus (Mus musculus) im Wildpark Langenberg des Wildnisparks Zürich © Wildnispark Zürich

 

 

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Hausmaus (Mus musculus) im Zoo Salzburg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Hausmäuse (Mus musculus) im Zoo Salzburg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Anlage für Hausmäuse im Zoo Salzburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

110 011 044 019 mus musculus farbmaus wismar PD1
Frabmaus (Mus musculus f. domestica) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

110 011 044 019 mus musculus Mausefalle
Der menschliche Erfindergeist ist sehr kreativ, wenn es darum geht, Mausefallen zu entwickeln. Weit verbreitet sind Totschlagfallen aus Holz mit einem Metallbügel. (Keine Bildvergrößerung)

 

 

110 011 044 019 mickey und minnie
Micky Maus erblickte 1928 als Mickey Mouse im Trickfilm "Steamboat Willie" das Licht der Walt Disney Studios. Seine Freundin Minnie hat denselben Jahrgang. Sie trat erstmals mit Micky im Cartoon "Plane Crazy" auf. Im deutschsprachigen Raum erscheinen die Comics seit 1951 regelmäßig in der Heftreihe „Micky Maus“, nachdem 1937 kurzfristig eine Schweizer Micky Maus Zeitung erschienen war. (Keine Bildvergrößerung)

 

 

110 011 044 019 tom und jerry
"Tom und Jerry" sind kurze Zeichentrickfilme, die ab 1940 von Metro-Goldwyn-Mayer, später von Warner Bros. Animation and Renegade Animation. für Kino und Fernsehen produziert werden. (Keine Bildvergrößerung)

 

 

 110 011 044 019 sendung mit der maus
Die Sendung mit der Maus ist seit 1971 eine der erfolgreichsten Kindersendungen im deutschen Fernsehen. Sie wird vom WDR produziert. Animierte Maus-Spots trennen die einzelnen "Lach und Sachgeschichten" der Sendung. (Keine Bildvergrößerung)

Die Hausmaus, vor wenigen Jahrzehnten im Zoo nur als Futtertier oder zu bekämpfender Schädling von Bedeutung, wird zunehmend auch zum zoopädagogisch wertvollen Ausstellungstier, mit dem Ziel, Kinder mit einem der ältesten Begleiter der Menschheit vertraut zu machen.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Hausmaus hat eine Gesamtlänge von 150-182 mm wovon 76-95 mm auf den Schwanz entfallen. Der Hinterfuß misst 16-19 mm [1]. Das Gewicht liegt in der Größenordnung von 20-30  Gramm. Die Fellfärbung reicht von graubraun bis schwarz auf dem Rücken und ist heller bis weiß an der Unterseite.  Schwarze Mäuse sind vor allem aus den Bündner Südtälern bekannt und wurden früher als Tabakmäuse (Mus poschiavinus) bezeichnet [1; 3].

Verbreitung

Ursprünglich eine paläarktische Art, ist die Hausmaus heute weltweit verbreitet, ausgenommen in der antarktischen Region [3; 5].

Lebensraum und Lebensweise

Hausmäuse kommen in zwei ökologischen Varianten vor: es gibt weniger an den Menschen gebundene Populationen, die im Freiland z. B. in Trockenmauern zu finden sind und sich hauptsächlich von Grassamen und Insekten ernähren und kommensale  Mitberwohner menschlicher Behausungen, die sich von allem Fressbaren ernähren, das anfällt und die gerne Vorratslager von Getreide anlegen. BAUMANN [1] schreibt über die kommensale Hausmaus: sie "bewohnt alle Teile der menschlichen Wohnungen. Jeden Winkel, jede Ritze weiss sie als Versteck zu benützen, in dem sie sich vor allem tagsüber aufhält." Das trifft heute nicht mehr in diesem Ausmaß zu. Moderne Bauten bieten oft suboptimaler Lebensbedingungen, und die stete Verfolgung durch den Menschen kombiniert mit der hohen Hauskatzendichte im Siedlungsgebiet hat vielfach zu lokalem Aussterben der Art geführt [3].

Die Vermehrung der Hausmaus ist auffallend stark. Vom frühen Frühjahr bis in den Spätherbst, bei guten Bedingungen auch im Winter können Nestjunge festgestellt werden. Nach einer Trächtigkeit von 22-24 Tagen wirft das Weibchen in einem warmen, aus Heu, Stroh, Papier, Federn und anderen Materialien gebauten Nest 5-6mal jährlich 4-9 Jungem die nackt und blind sind. Nach zwei Wochen sind die Augen offen und erscheint das Harkleid. Mit drei Wochen werden die Jungen entwöhnt (BAUMANN, 1949). Die Lebenserwartung beträgt im Mittel drei Monate, das Höchstalter wild lebender Tiere 20 Monate [3]. Unter Zoobedingungen kann ein Alter von bis zu vier Jahren erreicht werden [6].

Gefährdung und Schutz

Die Hausmaus ist zwar aus vielen modernen Wohnungen verschwunden, besiedelt aber ansonsten erfolgreich vom Menschen modifizierte oder geschaffene Lebensräume. Sie ist daher nicht nur nicht gefährdet, sondern wird als Schädling verfolgt. Schutzmaßnahmen sind keine erforderlich (Rote Liste: LEAST CONCERN) [5].

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Kulturelle Bedeutung: Als Mitbewohner menschlicher Behausungen ist die Maus natürlich auch in Fabeln zu finden, So z.B. bei ÄSOP oder Martin LUTHER:

ÄSOP - Diverse Fabeln  
Martin LUTHER - Maus und Frosch  
Martin LUTHER: Von der Stadtmaus und der Feldmaus

Dann kommt sie in Sagen vor, z.B.:

 Der Mäuseturm bei Bingen

und in Märchen, etwa bei den Gebrüdern GRIMM oder Ludwig BECHSTEIN:

GRIMM: Katze und Maus in Gesellschaft  
BECHSTEIN: Die Katze und die Maus

und nicht zuletzt ist sie auch ein Hauptdarsteller von Bildergeschichten, so in manchen von Wilhelm Busch, z.B.

BUSCH: Die Maus oder die gestörte Nachtruhe  
BUSCH: Der Sack und die Mäuse

wobei sie den heutigen Kindern eher in der Form der Disney-Figuren Micky und Minnie Maus oder Jerrys, des pfiffiger Gegenspielers von Kater Tom in der US-amerikanischen Trickfilmserie „Tom und Jerry“ vertraut sind, oder aber aus der ARD-Kindersendung „Die Sendung mit der Maus“.

Zahlreich sind auch die Geschichten und Witze über Elefanten und Mäuse. Das Gerücht, wonach Elefanten Angst vor Mäusen hätten, ist übrigens falsch.

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Hausmaus, als unerwünschter Kommensale in jedem Zoo vorhanden, wird in etwa 30-40 Zoos ausgestellt, mehr als die Hälfte dieser Zoos bedinden sich im deutschsprachigen Raum. Häufiger als wilde Hausmäuse werden – vorzugsweise, aber nicht immer, wildfarbene - Farbmäuse in Zoos gezeigt. Für Details siehe Zootierliste.

Wie Hausmäuse gehalten werden: Noch vor nicht allzu langer Zeit kamen Hausmäuse und ihre domestizierten Formen im Zoo nur als Futtermäuse vor oder aber als Schädlinge, die es zu bekämpfen galt. HEDIGER [4] widmete in seinem Buch "Mensch und Tier im Zoo: Tiergartenbiologie" den Mäusen, die er für faszinierende Lebewesen hält, und vor allem ihrer Bekämpfung ein ganzes Kapitel: "Nicht mit Speck fängt man Mäuse". Gründe für die Notwendigkeit der Mausbekämpfung nennt er zahlreiche. Einmal sind sie ungeheure Futter- und Nahrungsmittelschädlinge. Dass sie Im Weinkeller die Etiketten der teuersten Weine abnagten, Eintrittsbillete durch Zerraspeln entwerteten und sich in Filzpantoffeln der Tierpfleger einnisteten, waren kleinere Sünden. Viel problematischer ist ihre Rolle als Krankheitsüberträger. Zwar sind die Zeiten der Pest in Europa vorbei, aber Typhus, andere Salmonellosen (z.B. Salmonella typhi-murium), Leptospirose, Tularämie, Rotlauf sowie verschiedene Virus- und Pilzerkrankungen können durch Mäuse übertragen werden. HEDIGER predigte deshalb seinen Tierpflegern immer wieder, Mäuse nicht mit bloßen Händen anzufassen.

Nachdem die Hausmaus aber aus dem Alltag der städtischen Bevölkerung weitgehend verschwunden ist, wird sie (oder werden wildfarbene Farbmäuse) immer häufiger im Zoo ausgestellt. Meist geschieht dies in Form von Terrarien oder durch Glasscheiben einsehbaren Räumen, die als etwas altertümliche Küchen, Vorratskammern  oder Wohnstuben eingerichtet sind und den Kommensalismus der Hausmaus gut illustrieren.

Mindestanforderungen an Gehege: (Text wird später eingefügt)

Zuchtformen

Als Farbmäuse (Mus musculus  f. domestica) werden die domestizierte Zuchtformen der Hausmaus bezeichnet. Farbmäuse werden als Labor-, Heim- und Futtertiere verwendet. Die "Weiße Maus" ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts einer der wichtigsten Modellorganismen für Tierversuche. Von ihr gibt es verschiedene Inzuchtstämme mit jeweils unterschiedlichen genotypischen Eigenschaften. Ebenfalls ein Abkömmling der Hausmaus ist die Japanische Tanzmaus, die aufgrund von Defekten im Innenohr taub ist und einen gestörten Gleichgewichtssinn hat. Da diese Defekte genetisch bedingt sind, fällt die Zucht von Tanzmäusen unter das Verbot der Qualzucht. In der Schweiz gilt seit dem 1.1. 2015 die Tanzmaus explizit als verbotene Zuchtform. Auch die Zucht der Nacktmaus, der neben dem Haarkleid auch die Thymusdrüse fehlt, ist als Qualzucht zu betrachten. Es werden jedoch für wissenschaftliche Zwecke Ausnahmen gemacht, weil die Nacktmaus ein wichtiger Modellorganismus für die Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen ist.

Taxonomie und Nomenklatur

Mäuse in Westeuropa werden der (bisweilen als eigenständige Art gewerteten) Unterart domesticus zugeordneten, die einen längeren Schwanz hat als die osteuropäische musculus. Zwischen den beiden Formen gibt es eine Hybridzone. In Europa bis Zentralasien kommen weitere Hausmausformen vor, deren taxonomischer Status vielfach unklar ist. Zypern- (M. cypriacus), Balkan- (M. macedonicus) und Algerien-Hausmaus (M. spretus) sowie die Ährenmaus (M. spicilegus) werden in der Regel als eigene Arten anerkannt [2]

Literatur und Internetquellen

  1. BAUMANN, F. (1949)
  2. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  3. HAUSSER, J. et al. (Hrsg., 1995)  
  4. HEDIGER, H. (1965)
  5. MUSSER, G. et al. 2016. Mus musculus (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T13972A115117618. http://www.iucnredlist.org/details/13972/0. Downloaded on 21 May 2018.
  6. WEIGL, R. (2005)

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Gelesen 380 mal Letzte Änderung am Freitag, 15 Juni 2018 21:47
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx