Hautflügler (Hymenoptera)

Honigbiene

Honigbiene (Apis mellifera) im Vogelpark Marlow Honigbiene (Apis mellifera) im Vogelpark Marlow
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Stamm: Gliedertiere (ARTHROPODA)
Unterstamm: Sechsfüßer (HEXAPODA)
Klasse: Insekten (INSECTA)
Unterklasse: Fluginsekten (PTERYGOTA)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
Überfamilie: Apoidea
Familie: Echte Bienen (Apidae)

D NB 650

Westliche Honigbiene

Apis mellifera • The European Honey Bee • L'abeille européenne

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Honigbiene beim Bestäuben in der Wilhelma Stuttgart @ Odemer, Wilhelma

 

 

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Braunelle oder Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera) im Alpenzoo Innsbruck @ Nationalpark Kauner Grat

 

 

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Honigbiene (Apis mellifera) auf Wabe im Zoo Basel @ Zoo Basel

 

 

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Honigbienen (Apis melifera) im ErlebnisZoo Hannover © ErlebnisZoo Hannover

 

 

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Blick auf einen Teil der nach zoopädagogischem Konzept gestalteten Bienenanlage im Tiergarten Schönbrunn, Wien © Simone Haderthauer, TG Schönbrunn

 

 

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Blick auf einen Teil der Bienenanlage in Wien © Simone Haderthauer, TG Schönbrunn

 

 

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Die Welt mit den Augen der Biene betrachten - Workshop in den Bochumer Bienenwelten © Tierpark Bochum

 

 

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Biene Maja und ihr Freund Willi aus der deutsch-japanische Zeichentrick-Fernsehserie von 1975

 

 

I apis mellifera schnurrdiburr
Bilder aus "Schnurrdiburr oder Die Bienen" einer Bildergeschichte aus dem Jahr 1872 von Wilhem BUSCH

 

Verbreitung 

Mittel- und Südeuropa, Naher Osten, Zentralasien und Afrika. Domestizierte Bienen sind auf allen Kontinenten (außer der Antarktis) zu finden [2].

Biologie

Die Honigbiene ist ein staatenbildendes Insekt. Ihre Grundfarbe ist braun. Am Hinterleib kann die Behaarung eine andere Farbe haben, von gelblich über orange bis zu rötlich oder braun wie Leder. Im Gegensatz zu Wespen oder Hornissen ist sie aber nicht gestreift, auch wenn die Trickfilm-Biene "Maja" das glauben machen will. Ein Volk besteht aus bis zu 50-80'000 Individuen, die drei Kasten angehören: Arbeiterbienen sind mit einer Länge von 11-13 mm die kleinsten und zierlichsten Individuen des Volkes und stellen dessen große Mehrheit. Ihr Hinterleib läuft spitz zu und schließt auf gleicher Höhe wie die Flügel ab. Ihre Vorderflügel sind etwa 9,2 mm, die Hinterflügel 6,8 mm lang. Sie sind als verkümmerte Weibchen nicht fortpflanzungsfähig. Sie haben im Laufe ihres Lebens unterschiedliche Funktionen, wie Brutpflege, Wabenbau, Baubewachung, und verfügen dazu über verschiedene Drüsen, die etwa dem Füttern von Königin und Brut, der Herstellung von Wachs oder der Feindabwehr dienen. Als "Trachtbienen" sammeln sie während rund drei Wochen Pollen sowie Blütennektar, den sie im Bau zu 2.5-3 g Honig eindicken. Der Nektar wird im Honigmagen transportiert und an ihren Hinterbeine haben sie kleine Vertiefungen, mit denen sie die Pollen in den Stock tragen können. [2; 4; 5; 7; 8].

Die Bienenkönigin oder der Weisel ist das einzige geschlechtsreife weibliche Tier im Volk. Sie wird etwa 15-18 mm lang und ist somit der größte der drei Bienentypen. Ihre Flügel sind kürzer als der Hinterleib. Sie kann 4-5 Jahre alt werden und in ihrem Leben etwa 2 Millionen Eier produzieren. Die 13-16 mm langen Drohnen sind die männlichen Geschlechtstiere. Sie fallen besonders durch ihre großen, aus 7'000-8'000 Einzelaugen bestehenden Facettenaugen auf, die auf der Stirn beinahe zusammenstoßen.  Ihr Körper ist eher plump, ihre Flügel überragen den Hinterleib deutlich, ihr Rüssel ist kürzer als bei Arbeiterbienen und die Körbchen an den Hinterbeinen fehlen. Drohnen werden nur im Hinblick auf die Fortpflanzungszeit herangezogen. In einem Volk können sich dann mehrere hundert Individuen befinden. Zusammen mit einer jungen Königin und einem Teil der Arbeitsbienen schwärmen sie aus, um ein neues Volk zu bilden, und begatten auf dem Flug die Jungkönigin. Werden sie nicht mehr benötigt, werden sie von den Arbeitsbienen getötet oder ausgesperrt und sterben so an Nahrungsmangel [2; 5; 8].

Jedes Volk lebt in einem Nest, das sich unter natürlichen Bedingungen z.B. in einer Baumhöhle, bei gehaltenen Bienen in einem Bienenkorb oder Bienenstock befindet. Das Nest enthält mehrere aus Wachs gebaute Waben, von denen sich jede aus vielen beidseits angebrachten kleinen, sechseckigen Zellen zusammensetzt. Durch die sechseckige Form bleiben keine unnötigen Spalten oder Zwischenräume übrig und der vorhandene Raum kann optimal ausgenutzt werden. Die Zellen haben unterschiedliche Funktionen, so sind z.B. die für die Produktion von Geschlechtstieren bestimmten Zellen größer als andere. Die Temperatur im Nest wird von den Bienen durch Fächeln mit den Flügeln oder durch Muskelkontraktionen konstant auf 35ºC gehalten [2; 5; 8].

Gefährdung und Schutz

Die Honigbiene wird durch die Rote Liste der IUCN nicht erfasst.

Der internationale Handel ist artenschutzrechtlich nicht geregelt.

Noch um 1850 war die Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera) als Urtyp der Honigbiene in Mittel- und Nordeuropa weit verbreitet. Danach begann die Verdrängungszucht zugunsten anderer Bienenrassen (z.B. A. mellifera carnica oder A. mellifera ligustica), sodass die endemische Unterart bis auf wenige Restbestände dezimiert und beinahe ausgerottet worden ist (Quelle PM Alpenzoo Innsbruck vom 14.09.2013).

Bedeutung für den Menschen

Die Bedeutung der Honigbiene als Pollinator ist für den Menschen und das gesamte Oekosystem enorm, weil die meisten Blütenpflanzen auf Insektenbestäubung angewiesen sind, darunter wichtige Obstsorten wie Äpfel, Birnen, Kirschen etc.. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Weltproduktion von Honig als Nahrungsmittel. Diese belief sich im Jahr 1964 noch auf weniger als 800 Millionen Tonnen und stieg bis 2008 auf rund 1.5 Milliarden Tonnen. Davon wurden rund 300 Millionen Tonnen in der EU erzeugt [6].

Weitere genutzte Bienenprodukte sind das Bienenwachs, das z.B. zu Kerzenherstellung verwendet wird, Propolis, das „Kittharz“ der Biene mit konservierenden Eigenschaften, das früher zur Wundversorgung eingesetzt wurde, und der Gelée Royale, ein eiweißreicher Futtersaft für die Bienenkönigin, der antimikrobiell und krebshemmend wirken und einen positiven Einfluss auf Blutdruck und Blutzuckerspiegel haben soll. Das Bienengift wird als entzündungshemmendes Heilmittel bei Muskel-, Nerven- und Gelenkserkrankungen eingesetzt [2].

Im Jahr 2006 gab es in den Mitgliedstaaten der EU 593'000 Imker, von denen rund drei Prozent als Berufsimker mit mindestens 150 Bienenvölker eingetragen waren. Die Gesamtzahl der Bienenstöcke betrug 11'631'000. Die meisten Bienenstöcke standen in Spanien, Griechenland, Frankreich und Italien [6]. Die Schweiz hat mit über 4 Völkern / km² eine hohe Bienendichte. Insgesamt halten hier 17'500 Imker etwa 165'000 Bienenvölker, d.h. im Mittel 10 Völker pro Bestand, die mehrheitlich in ortsfesten Bienenhäusern untergebracht sind. Die Durchschnittsernte liegt bei 20 kg pro Volk [1].

Nebst der wirtschaftlichen hat die Honigbiene auch eine erhebliche kulturelle Bedeutung. Sie kommt in Kinderliedern, Literatur und Film vor, jemand ist "fleißig wie eine Biene" oder verzehrt einen aus Hefeteig bestehenden "Bienstich".

Haltung im Zoo

Die Honigbiene ist von besonderem zoopädagogischem Interesse. In verschiedenen Zoos gibt es Lehrbienenstände, für die spezielle pädagogische Konzepte erarbeitet wurden, so in Heidelberg [9] oder in Bochum [3]. Wie in Bochum gibt es auch im Tierpark Nordhorn seit 2014 einen „Schleuderraum“ am Lehrbienenhaus. In diesem Raum bringen die Grafschafter Imker den Besuchern den Prozess des „Honigschleuderns“ näher. Der „Honigkreislauf“ von der Biene bis ins Glas kann somit komplett im Tierpark nachvollzogen werden (PM Tierpark Nordhorn vom 15.01.2014).

Im Tiergarten Schönbrunn wurde 2012 ein ganz besonderes Bienenhaus errichtet. In überdimensionalen begehbaren Waben können die Besucher rund 100.000 Bienen aus nächster Nähe beobachten. Durch Glasfenster und Gucklöcher bekommt man einen Einblick in das emsige Treiben im Bienenstock. Infotafeln halten viele interessante Fakten über diese Insekten bereit. So erfährt man zum Beispiel, dass für ein Kilogramm Honig bis zu fünf Millionen Blütenbesuche notwendig sind und Bienen die Farbe Rot nicht erkennen können (Quelle PM Tiergarten Schönbrunn vom 05.06.2012).

Ebenfalls unter unterschiedlichen Aspekten thematisiert wird die Honigbiene z.B. im Zoologisch-Botanischen Garten Wilhelma in Stuttgart, im Zoo Schwerin oder im ErlebnisZoo Hannover (Quellen PM dieser Zoos), und im Zoo Basel wurde ein Bienenstock in das Etoshahaus integriert, das dem Thema "Nahrungskreislauf" gewidmet ist. Der Stock ist so platziert, dass häufig Bienen in die Voliere der Bienenfresser (Merops nubicus) gelangen, was den Vögeln ein natürliches Nahrungserwerbsverhalten ermöglicht.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Honigbiene wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter ihrem heute noch gültigen Namen beschrieben [7]. Bisweilen ist die nicht gültige Bezeichnung Apis mellifica anzutreffen.

Literatur und Internetquellen

  1. AGROSCOPE
  2. DACHMARKE LINZER STADTHONIG
  3. DUTKIEWICZ, V. (2015)
  4. ENCYCLOPEDIA OF LIFE
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970) 
  6. HAMBRUSCH, J. et al. (2010): Foliensammlung
  7. ITIS
  8. NAWI LERNPROGRAMME
  9. OBERGFELL, D. (2013)

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Gelesen 231 mal Letzte Änderung am Freitag, 22 Juni 2018 05:54
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx