Schwanzlurche

Zagros-Molch

Zagrosmolch (Neurergus kaiseri) im Aquazoo Düsseldorf Zagrosmolch (Neurergus kaiseri) im Aquazoo Düsseldorf
Sandra Honigs, Aquazoo

Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Salamanderverwandte (Salamandroidea)

Familie: Salamander und Molche (Salamandridae)


D CR 650

Zagros-Molch

Neurergus kaiseri • The Kaiser's Spotted NewtLe triton Empereur

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Zagrosmolch (Neurergus kaiseri) im Zoo Breslau © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung des Zagros-Molchs (Neurergus kaiseri)

 

 

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Zagrosmolch (Neurergus kaiseri) in Privathaltung © Peter Janzen, DGHT

 

 

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Zagrosmolch (Neurergus kaiseri) mit Jungtier © DASP (2012)

 

 

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Lebensraum des Zagros-Molchs (Neurergus kaiseri) © Robert Browne, Zoo Antwerpen

 

 

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In der Hütte lebt ein vom Umweltministerium als Molchwächter verpflichteter Einheimischer mit seiner Familie © Robert Browne, Zoo Antwerpen

 

 

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Eine der Quellen, wo Zagros-Molche gefunden wurden © Robert Browne, Zoo Antwerpen

 

Weitere Bilder auf BioLib

 

Der Zagros-Molch ist eine äußerst attraktiv gefärbte, in seiner Heimat gefährdete Art, die sich relativ leicht züchten lässt und bereits ziemlich häufig in europäischen Zoos zu sehen ist.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Länge von 13 cm ist der Zagros-Molch der kleinste Vertreter der Gattung Neurergus. Es ist kontrastreich weiß/gelb/orange und schwarz gefärbt [1].

Verbreitung

Mittlerer Osten: Südliches Zagros-Gebirge in der im Südwesten Irans gelegenen Provinz Chusistan [4].

Lebensraum und Lebensweise

Der Zagros-Molch lebt in einer gebirgigen, nur spärlich mit Vegetation bewachsenen Halbwüste, deren Grundwasserspiegel aufgrund der bis heute andauernden, großen geologischen Veränderungen des Gebiets sehr tief liegt. Die Temperaturen erreichen im Sommer über längere Perioden mehr als 40°C über Grund und der kaum beschattete Boden heizt sich extrem auf. Es verwundert daher, dass Neurergus kaiseri unter diesen Bedingungen überhaupt überleben konnte.

Gefährdung und Schutz

Die Art wurde 2006 und 2009 als stark bedroht taxiert, in der Annahme, dass sie ein kleines Verbreitungsgebiet habe, der Lebensraum stark fragmentiert sei und, obwohl es keine konkreten Bestandesschätzungen gab, der Bestand innerhalb von zehn Jahren um über 80 % abgenommen habe. Als Folge intensivierter Feldforschung wurde 2016 eine Rückstufung in die Kategorie "Gefährdet" vorgenommen, obwohl die Bestände anscheinend nach wie vor abnehmen [4].

Der internationale Handel ist seit 2010 nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Zoogestützte Artenschutzprojekte (Beispiele):

  • In Iran wurde im Jahr 2011 mit finanzieller Unterstützung des Sedgwick County Zoos (USA) eine Überwachung der bekannten Bestände, Abklärungen zur Ermittlung der tatsächlichen Verbreitung der Art, Untersuchungen zur Morphologie und eine Sammlung von DNS-Proben durchgeführt. Die DNS-Proben wurden an der Universität von Gent unentgeltlich untersucht. Ein Doktorand führte im Rahmen eines Stipendiums der Universität Kunming (China) eine Arbeit zur Populationsgenetik von Neurergus kaiseri durch.

  • 2016 unterstützte der Amphibienfonds der deutschsprachigen Zooverbände das Projekt eines Forschers der Zechnischen Universität Isfaha über die Verbreitung des Zagros-Molches und Faktoren, die dessen Verteilung bestimmen. Im Laufe der Studie wurden sowohl der Einfluss von Landschaftselementen auf die genetische Struktur und den Austausch der Populationen erforscht als auch geeignete potenzielle Lebensräume identifiziert. mehr ...

Weitere Schutzmaßnahmen:

Das iranische Umweltministerium hat Personen aus der lokalen Bevölkerung bezeichnet, die bei Bestandeserhebungen mitwirken und sich um den Schutz der Art kümmern. Die Errichtung von Schutzgebieten wird gegenwärtig geprüft. Biologiestudenten kontrollieren die Tierhandlungen in Teheran, um zu verhindern, dass Zagros-Molche in den Verkauf gelangen.

Untersuchungen im Jahr 2011 [6] haben bereits zu zwei neuen Fundstellen, rund 70 km nordwestlich des bekannten Artareals geführt. Eine dieser Fundstellen besteht aus einem Bach, wo auf 400 m Länge über 250 erwachsene Zagros-Molche festgestellt wurden, ferner aus drei Quelltümpeln, in denen größenordnungsmäßig je 50 Molche leben. Ein umfassenderer Survey [5] ergab an 20 Fundstellen über 9'200 erwachsene Zagros-Molche. Von den Fundstellen waren 14 bis zum Jahr 2013 nicht bekannt. Sie verteilten sich über ein Areal von gegen 9'000 km², was etwa der Fläche Kärntens entspricht. Offensichtlich findet eine Nutzung für den Heimtierhandel innerhalb Irans statt. Es wurden aber keine Anzeichen gefunden, dass dadurch der Bestand geschädigt wird. Trotzdem fordern die Autoren ein umfassendes Schutz- und Nutzungskonzept, von dem auch andere Arten profitieren sollten.

Bedeutung für den Menschen

Zagros-Molche werden illegal gesammelt und gelangen auf den iranischen Heimtiermarkt. Von 2011-2015 soll es sich um 2,359 Individuen gehandelt haben [4]. Die einzigen Exemplare, die von 2010-2016 im internationalen Handel registriert wurden, waren 10 Nachzuchttiere, die 2012 aus Österreich exportiert wurden [3].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 30 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Zuchtprogramm: Der Zagrosmolch ist eine Art des Erhaltungszuchtprogramms der Zoos und Privathalter im deutschsprachigen Raum (DASP) [2].

Taxonomie und Nomenklatur

Der Zagros-Molch wurde erst 1952 von dem amerikanischen Herpetologen Karl Patterson SCHMIDT beschrieben.

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAWEB
  2. BARTSCH, P. & JANZEN, P. (2014)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. IUCN SSC Amphibian Specialist Group. 2016. Neurergus kaiseri. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T59450A49436271. http://www.iucnredlist.org/details/59450/0. Downloaded on 02 December 2017.
  5. MOBARAKI, A., AMIRI, M., ALVANDI, R., TEHRANI, M.E., KIA, H.Z., KHOSHNAMVAND, A., BALI, A., FOROZANFAR, E. & BROWNE, R.K. (2014)
  6. SCHNEIDER, C. & SCHNEIDER, W. (2011)

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Der natürliche Lebensraum des Zagros-Molchs: Gebirgsweiher in Lorestan, Iran. Bild Asghar Mobaraki

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Gelesen 7351 mal Letzte Änderung am Dienstag, 08 Februar 2022 15:30
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx