Kloaken- und Beuteltiere

Kurzschnabeligel

Westaustralischer Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus acanthion) im Zoo Perth Westaustralischer Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus acanthion) im Zoo Perth
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterklasse: Ursäugetiere (Protheria)
Ordnung: Kloakentiere (Monotremata)
Familie: Schnabeligel (Tachyglossidae)

D LC 650

Kurzschnabeligel

Tachyglossus aculeatusThe Short-beaked EchidnaL'échidné à nez court

101 001 001 001 tachyglossus aculeatus cleland PD1
Ostaustralischer Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus aculeatus) im Cleland Wildlife Park, Südaustralien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

101 001 001 001 tachyglossus aculeatus perth PD2
Westaustralischer Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus acanthion) im Zoo Perth © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 101 001 001 001 tachyglossus map
Verbreitung des Kurzschnabeligels. Dunkelblau: Tachyglossus.a.aculeatus und acanthion; schwarz: T.a.lawesii; rot: T.a. multiaculeatus; gelb: T.a. setosus

 

 

101 001 001 001 tachyglossus pandarna pd
Kangaroo-Island-Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus multiaculeatuis) frei lebend bei Parndana, Kangaroo Island. Typisch sind die langen, hellen Stacheln © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

101 001 001 001 tachyglossus aculeatus lawesii TPB KR1
Neuguinea-Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus lawesii) im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

101 001 001 001 t aculeatus setosus MtFieldNP Tas JJHarrison
Tasmanischer Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus setosus) im Mount Field-Nationalpark, Tasmanien. Typisch ist die Reduktion der Stacheln zu Gunsten eines Fells © J.J. Harrison, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

 

 

101 001 001 001 tachyglossus aculeatus felsritzzeichnung AustralianMuseum
Felsritzzeichnung eines Kurzschnabeligels aus dem Ku-ring-gai Chase-Nationalpark bei Sydney © Australian Museum

 

 

101 001 001 001 tachyglossus aculeatus figur billabong
Kurzschnabeligel-Figur als Souvenir des Billabong-Koala- & Wildlife Parks, NSW, Australien. Foto: Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 101 001 001 001 tachyglossus aculeatus gosford PD1
Außengehege für ganzjährige Freilandhaltung im Australian Reptile Park, Gosford (New South Wales). Die mittlere Monatstemperaturen variieren hier zwischen 12 und 22°C @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

101 001 001 001 tachyglossus aculeatus lawesii TPB CarlosFrey1
Aus West-Papua importierter Neuguinea-Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus lawesii) im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde © Carlos Frey, Berlin

 

 

101 001 001 001 tachyglossus aculeatus lawesii AxelDobbertin1.jpg
Im Zoo Rostock geborener Neuguinea-Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus lawesii) im Alter von ca. 6 Monaten © Axel Dobbertin, Rostock

 

 

101 001 001 001 tachyglossus aculeatus lawesii AxelDobbertin
Im Zoo Rostock geborener Neuguinea-Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus lawesii) im Alter von ca. 9 Monaten © Axel Dobbertin, Rostock

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Der Kurzschnabeligel ist der einzige Vertreter der Kloakentiere, der gegenwärtig in europäischen Zoos gehalten wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Kurzschnabeligel erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 40-50 cm, haben einen Stummelschwanz [3] und werden 2-7 kg schwer [4].

Der Bau der Augen und manches im Knochenbau, besonders im Schultergürtel entsprechen den Verhältnissen bei den Reptilien. Ohrmuscheln fehlen. Der Mund ist zahnlos. Die Zunge ist lang und wurmförmig. Am Gaumen befinden sich Hornleisten zum Zerquetschen der Nahrung. Die zweite Fußkralle ist als Putzkralle ausgebildet. Die Männchen verfügen über einen Sporn am Fersenbein. Die Harnröhre ihres enorm langen Penis dient nur dem Samentransport, da der Harn direkt in die Kloake abgegeben wird. Sie weist eine doppelte Gabelung auf und endet auf der paarig angelegten Eichel in vier Rosetten, von denen bei der Kopulation jeweils nur entweder die linken oder die rechten aktiviert werden [5]. Die Weibchen produzieren zwar Milch, haben aber keine Zitzen, sondern das Junge muss die Milch von einem Drüsenfeld ablecken [3].

Verbreitung

Australien und einige umliegende Inseln einschließlich Tasmanien, Südost-Neuguinea.

Lebensraum und Lebensweise

Der Kurzschnabeligel besiedelt die unterschiedlichsten Lebensräume. In Australien ist er in allen Ökoregionen vom Meeresspiegel bis zu den höchsten Berggipfeln, in Neuguinea bis auf eine Höhe von 1'675 m anzutreffen [1]. Während des Sommers sind die Tiere überwiegend dämmerungs- oder nachtaktiv, in der kühleren Jahreszeit sind die auch am Tag zu beobachten, etwa wenn sie ein Sonnenbad nehmen. Außerhalb der Paarungszeit, wenn jeweils mehrere Männchen einem Weibchen folgen und lockere Gruppen bilden, sind sie im Prinzip Einzelgänger, verhalten sich aber Artgenossen gegenüber wenig aggressiv. Sie ernähren sich überwiegend von Termiten und ihren Larven, nehmen aber auch Ameisen sowie Eier und Larven von anderen Insekten [4].

Dass Schnabeligel Eier legen wurde 1884 von Johann Wilhelm HAACKE, dem damaligen Leiter des South Australian Museum in Adelaide und späteren Direktor des Frankfurter Zoos entdeckt. HAACKE schrieb zu seiner Entdeckung, die er an einem frisch auf Kangaroo Island gefangenen Schnabeligelweibchen machte: "Nur ein Tierkundiger wird meine Bestürzung begreifen können, als aus dem Beutel ein Ei hervorzog, das erste gelegte Ei eines Säugetieres ... Dieser unerwartete Fund verwirrte mich derart, dass ich die nur unter solchen Umständen erklärliche Torheit beging, das Ei heftig zwischen Daumen und Zeigefinger zu drücken und ihm so einen Riss beizubringen. Sein dünnflüssiger Inhalt war leider, wohl infolge des Einfangens und der Gefangenhaltung seiner Mutter, in Zersetzung übergegangen. Die Länge des elliptischen Eis betrug fünfzehn, seine Dicke dreizehn Millimeter, die Schale war derb pergamentartig, wie bei Kriechtieren." [3].

20-24 Tage nach der Paarung, die in Australien von Juni bis Mitte September stattfinden kann, und von einer halben bis zu drei Stunden dauert [4], legt das Weibchen ein einzelnes Ei, das es im Beutel ausbrütet. Das Junge schlüpft nach zehn Tagen. Es öffnet die Eischale mit Hilfe eines Eizahns, der später verloren geht. Neugeborene Schnabeligel sind nur 12 mm lang. Sie bleiben in Mutters Bauchtasche, bis sie etwa 9-10 cm lang sind und sich ihre Stacheln entwickeln [3]. Mit 45-63 Tagen, wenn die Stacheln zu sprießen beginnen, wird es in einem unterirdischen Nest abgelegt. Das Weibchen kommt in Abständen von 3-10 Tagen zum Nest, um das Junge zu säugen. Dieses nimmt dann jeweils eine Milchmenge auf, die rund 10% seines Körpergewichts entspricht. Mit 180-205 Tagen wiegt es 800-1'300 g und wird entwöhnt [4].

Gefährdung und Schutz

Der Kurzschnabeligel wird nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 nicht als gefährdet eingestuft, weil er weit verbreitet und häufig ist, eine große Gesamtpopulation hat, verschiedene Lebensräume nutzen kann und auch in Schutzgebieten vorkommt. In Australien sind die Bestände stabil, aber in einigen Gegenden von Neuguinea gehen sie durch die starke Bejagung teilweise zurück [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Es gelten Ausfuhrbeschränkungen Australiens.

Bedeutung für den Menschen

Kurzschnabeligel wurden von manchen Stämmen der Ureinwohner Australiens als Totems verehrt und wurden auf Felsmalereien und Ritzzeichnungen dargestellt [2]. Sie waren auch ein Bestandteil der täglichen Nahrung und werden auf Neuguinea heute noch so stark bejagt, dass sie stellenweise selten geworden sind [1].

Haltung

Ersteinfuhr: Der Londoner Zoo erhielt den ersten Kurzschnabeligel bereits 1845. Dieser lebte jedoch nur vier Tage [4].

Lebenserwartung und Zucht: Kurzschnabeligel können in Menschenobhut sehr alt werden. So wurde ein Tier des Wuppertaler Zoos 26 Jahre und 5 Monate gehalten [7], den Altersrekord hält jedoch ein Tier, das 1903 in den Zoo von Philadelphia gelangte und dort 49 Jahre und 5 Monate lebte [4]. Ein am 12.1.1913 nach dem Zoo Berlin eingeführter Schnabeligel erreichte ein Alter von 30 Jahren, 6 Monaten und 29 Tagen. Schon 1908 war im Zoo Berlin die Welterstzucht erfolgt. Das Jungtier erreichte ein Alter von ca. 14 Wochen [8]. Im Basler Zoo gab es 1955 und 1967 je ein Jungtier, die aber nicht aufgezogen werden konnten [4] [6]. Die erste Zoo-Geburt in zweiter Generation gelang 2004 dem Zoo Frankfurt, wo ein Jungtier schlüpfte, dessen Mutter 1995 im Zoo Saarbrücken zur Welt gekommen war [8]. Im Zoo Rostock wurde 2014 ein Kurzschnabeligel geboren, der nach dem Tod seiner Mutter von Hand aufgezogen wurde (PM Zoo Rostock vom 21.07.2014).

Zoopädagogik: Als Eier legendes Säugetier ist der Kurzschnabeligel besonders geeignet, um über die Evolution zu informieren. Anhand des Stachelkleids kann dabei über konvergente Entwicklungen gesprochen werden.

Haltung in europäischen Zoos: Kurzschnabeligel werden nur in wenigen europäischen Zoos gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Eine Erhöhung der im deutschen Säugetiergutachten von 1996 vorgegebenen Mindestfläche von 4 m² pro Paar war angezeigt. Allerdings gibt es für die im Säugetiergutachten 2014 des BMEL vorgesehenen 16 m²/Paar keine Grundlage. Die Tierschutzverordnung der Schweiz schreibt 6 m²/Paar, jene Österreichs 10 m²/Paar vor. Der Verband der Zoologischen Gärten hält es für angemessen dass die ganzjährig benutzbare Gehegefläche pro Tier 6 m² nicht unterschreitet. Gehege für zwei und mehr Tiere sollen unterteilbar oder es soll ein Ausweichgehege gegeben sein, um einzelne Tiere bei Bedarf trennen zu können. Zugang zu einem Außengehege während der warmen Jahreszeit ist empfehlenswert, aber nicht unabdingbar. Schnabeligel sind keine Tunnelbauer, sondern buddeln sich nur ein, um zu schlafen [9]. Daher ist eine Substratstärke von 30 cm, wie im  Säugetiergutachten 2014 vorgegeben, nicht im ganzen Gehege erforderlich.

 Taxonomie und Nomenklatur

Der Schnabeligel wurde 1802 von dem englischen Arzt und Naturforscher George SHAW beschrieben, dem wir auch die Erstbeschreibung des Schnabeltiers verdanken.

Es werden gegenwärtig fünf Unterarten unterschieden: T. a. aculeatus und T. a. acanthion auf dem australischen Festland, T. a. multiaculeatus auf Kangaroo Island, T. a. setosus auf Tasmanien sowie T. a. lawesii auf Neuguinea [10]

Literatur und Internetquellen

  1. [1] APLIN, K., DICKMAN, C., SALAS, L. & HELGEN, K. (2016). Tachyglossus aculeatus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T41312A21964662. http://www.iucnredlist.org/details/41312/0. Downloaded on 16 March 2017.
    [2] AUSTRALIAN MUSEUM
    [3] GRZIMEK, B. (1966)
    [4] JACKSON, S. M. (2003)
    [5] JOHNSTON, S. D., SMITH, B., PYNE, M., STENZEL, D. J. & HOLT, W. (2007)
    [6] PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
    [7] SCHÜRER, U. (1993)
    [8] SICKS, F. (2014)
    [9] TROUGHTON, E. (1967)
    [10] WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
 

Zurück zu Übersicht Kloaken- und Beuteltiere

Weiter zu Beuteltiere - Allgemeines

Gelesen 4628 mal Letzte Änderung am Dienstag, 30 April 2019 07:00
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx