Pythons

Tigerpython

Dunkler Tigerpython (Python molurus bivittatus) im Zoo Basel Dunkler Tigerpython (Python molurus bivittatus) im Zoo Basel
Thomas Jermann, Basel

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Schlangen (SERPENTES)
Überfamilie: Wühl- und Riesenschlangenartige (Booidea / Pythonoidea)
Familie: Pythons (Pythonidae)

D VU 650

Tigerpython

Python molurus / bivittatus • The Asiatic Rock Python • Le python molure

305 004 019 006 python molurus bsl TJ2
Dunkler Tigerpython (Python molurus bivittatus) im Zoo Basel © Thomas Jermann, Basel

 

 

305 004 019 006 python molurus bivittatus map
Approximative Verbreitung der Tigerpythons. Rot: molurus; dunkelblau: bivittatus; violett: Hybridzone

 

 

305 004 019 006 python molurus bivittatus luisen PD1
Dunkler Tigerpython (Python molurus bivittatus) im Luisenpark © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

305 004 019 006 python molurus bivittatus mutation uhldingen PD1
Dunkler Tigerpython (Python molurus bivittatus), Farbmutation, im Reptilienhaus Unteruhldingen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

305 004 019 006 python molurus bivittatus mutation uhldingen PD2
Dunkler Tigerpython (Python molurus bivittatus), Farbmutation, im Reptilienhaus Unteruhldingen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

305 004 019 006 python molurus HH PD
Dunkler Tigerpython (Python molurus bivittatus), "Golden Thai Tiger"-Farbmutation, im Tropenaquarium Hagenbeck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

305 004 019 006 python molurus bivittatus stuttg PD
Dunkler Tigerpython (Python molurus bivittatus) in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

305 004 019 006 python molurus BREHM
"Tigerschlange (Python molurus). Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Tigerpythons sind mit bis zu 7 m Länge wahre Riesen und gehören zu den Prototypen der Würgeschlangen, die selbst mittelgroße Hirsche töten und verschlingen können. Sie werden sehr häufig im Zoo gezeigt

Körperbau und Körperfunktionen

Die meisten Tiere werden nicht länger als 3.7 m, es gibt jedoch zuverlässige Belege über 6 m lange und Berichte über gegen 8 m lange Individuen. Der Kopf ist ziemlich klein, dreieckig und deutlich vom Hals abgesetzt, der Körper relativ plump, der Schwanz mäßig lang und greiffähig. Das Auge ist mäßig groß und hat eine Schlitzpupille. Grubenorgane zur Ortung von Wärmeunterschieden finden sich nur an den ersten beiden oberen Labialschuppen. Es sind Analsporen vorhanden. Die Grundfärbung ist weißlich bis hellbraun. Sie wird bis auf ein Gittermuster überlagert von hell- oder dunkelbraunen, oft schwärzlich gesäumten Flecken. Auf dem Kopf befindet sich ein Y-förmiger Fleck [3; 5; 6; 8]

Verbreitung

Süd- und Südostasien: Bangladesch, Burma, Südchina, Hongkong, Indien, Indonesien (fehlt auf Sumatra und Borneo, kommt in Java, Bali, Sulawesi und den kleinen Sundainseln Lombok und Sumbawa vor), Kambodscha, Laos, Malaysia, Nepal, Pakistan, Sri Lanka, Thailand, Vietnam: Bei den Vorkommen in Indonesien stellt sich Frage, ob es sich um Reliktbestände handelt, oder ob die Populationen auf vom Menschen verschleppte Tiere zurückgehen [1; 9; 10]

Lebensraum und Lebensweise

Der tag- wie nachtaktive Tigerpython besiedelt unterschiedliche Lebensräume wie Grasland, Sümpfe, Flussauen, Wälder und felsiges Gelände, aber stets in Wassernähe. Das Nahrungsspektrum umfasst größere Säugetiere (z.B. Hirsche], Vögel sowie Reptilien und Amphibien. Wie alle Arten seiner Familie ist der Tigerpython eierlegend. Die aus 20-50 und bis zu 100 Eiern bestehenden Gelege werden vom Weibchen bebrütet. Die etwa 45-60(-70) cm langen Jungen schlüpfen nach 2 Monaten [6; 7; 8; 11]

Gefährdung und Schutz

Nach einer Beurteilung aus dem Jahr 1996 wurde der Tigerpython als Art molurus als potenziell gefährdet eingestuft, bivittatus, 2009 als eigene Art beschrieben, gilt aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2011 als gefährdet. Die Nominatform figuriert nicht auf der Roten Liste der IUCN [9].

Der internationale Handel mit Exemplaren der Nominatform ist nach CITES Anhang I eingeschränkt, jener mit Exemplaren der Unterart bivittatus ist nach Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Über den Tigerpython gibt es aus dem Altertum phantasievolle Berichte. So soll der seleukidische Diplomat MEGASTHENES (360-290 v. Chr.), der Gesandter am Königskof des indischen Maurya-Reichs war, geschrieben haben, in Indien würden die Schlangen so groß, dass sie Hirsche und Ochsen ganz verschlingen könnten [2]. Von dieser Mär stammt übrigens der Name "Boa", denn Rind heißt auf Altgriechisch "βοῦς". Faktisch machen sich Tigerpythons bestenfalls dadurch unbeliebt, dass sie gelegentlich in Stallungen eindringen und Hühner oder Schweine erbeuten [6].

Die Art befindet sich im Reptilleder- und Heimtierhandel. Von 2001-2016 meldete Vietnam die Ausfuhr von 15'006, Malaysia jene von 3 Wildfängen von P. m. bivittatus. Im selben Zeitraum wurde von den südostasiatischen Ländern die Ausfuhr von 72'289 Häuten sowie zahlreicher anderer Teile und Erzeugnisse gemeldet. P. m. molurus wurden weder lebend noch tot mit CITES-Dokumenten aus den Ursprungsländenr ausgeführt. Ebenfalls von 2001-2016 wurden weltweit 92 Nachzuchttiere von P. m. molurus und 140'785 von P. m. bivittatus international verschoben. Wichtigste Ausfuhrländer waren Vietnam mit über 110'000 und Tschechien mit über 26'000 Tieren [4].

Haltung

Der Tigerpython gehört zu den "Gefahrtieren", deren Haltung in manchen deutschen Bundesländern unter sicherheitspolizeilichen Aspekten eingeschränkt oder geregelt ist. Für die Haltung wird ein sehr geräumiges, beheiztes, mit UV-Lampen ausgestattetes Feuchtterrarium mit fest eingebautem Wasserbecken empfohlen, das ein Drittel bis die Hälfte der Grundfläche einnehmen soll. Ein Kletterbaum ist nicht unbedingt erforderlich. Als Bodensubstrat eignen sich z.B. Torf oder Rindenmulch. Die Lufttemperatur soll tagsüber 24-30ºC betragen, nachts etwa 6ºC weniger. Die Wassertemperatur soll bei 22-28ºC liegen. Eine angemessene Temperatur wird durch eine teilweise unter dem Badebecken befindliche Bodenheizung in Kombination mit Wärmelampen erreicht. Die Beleuchtung soll 12-14 Stunden in Betrieb sein [5; 6; 9].

Von dem etwas größeren bivittatus werden häufig Albinos und andere Farbmutationen gehalten. Die sogenannten "Golden Thai Pythons" gehen alle auf ein einziges Männchen zurück, das 1979 in Nordost-Thailand gefunden wurde und im Pata-Zoo in Bangkok, der sich im 6./7. Stock de Pata-Kaufhauses befindet, mit einem normalfarbigen und einem ebenfalls teilalbinotischen Weibchen verpaart wurde. Die Nachzucht wurde anfänglich zu Phantasiepreisen von 5'000 USD / Stück gehandelt [11]. In den USA, wo die private Wildtierhaltung wenig reguliert ist, wurden Tigerpythons in Florida von überforderten Haltern freigelassen und haben in den Everglades und anderswo auf dem Festland, auf den Florida Keys und auf Puerto Rico umfangreiche Populationen gebildet, die mittlerweile bekämpft werden [9].

Haltung in europäischen Zoos: Tigerpythons werden in etwa 260 Institutionen gezeigt, von denen sich gegen ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Am häufigsten zu sehen ist der Dunkle Tigerpython (Python (molurus) bivittatus). Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für zwei über 2.5 m lange Tiere mindestens 0.75x so lang und 0.5x so breit sein wie die Gesamtlänge eines Tieres. Die Höhe soll die Hälfte der Gesamtlänge betragen. Für jedes weitere Tier ist das Terrarienvolumen unter Beibehaltung der Proportionen um 20% zu erhöhen. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege vor, dessen Grundfläche dem 1.0x0.5-fachen und dessen Höhe dem 0.75-fachen der Gesamtlänge eines Tiers entsprechen. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) verlangt für 1-2 erwachsene Tiere eine Grundfläche von 2 m² bei einer Höhe von 180 cm. Für jedes weitere Adulttier ist die Grundfläche um 0.8 m² zu erhöhen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Tigerpython wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Coluber molurus" beschrieben. Der Name Python molurus geht auf John Edward GRAY (1842)von der Londoner zoologischen Gesellschaft zurück. In der Regel werden zwei Unterarten (bzw. seit 2009 zwei Arten) anerkannt: Python molurus molurus  aus dem vorderindischen und Python molurus bivittatus  aus dem hinterindischen Raum. Eine dritte Unterart (pimbura ) wurde aus Sri Lanka beschrieben, aber die Unterschiede zu molurus  wurden schon bald einmal als nicht ausreichend betrachtet, um eine Unterart zu rechtfertigen. Der Tigerpython ist nahe mit dem Afrikanischen Felsenpython (Python sebae) verwandt [1; 5; 10].

Literatur und Internetquellen

  1. BELLOSA, H., DIRKSEN, L. & AULIYA M. (2007)
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  4. CITES TRADE DATA BASE
  5. MATTISON, C. (2007) 
  6. MEHRTENS, J. M. (1993)
  7. NIETZKE, G. (1969)
  8. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)
  9. STUART, B., NGUYEN, T.Q.et al. (2012). Python bivittatus. The IUCN Red List of Threatened Species 2012: e.T193451A2237271. http://www.iucnredlist.org/details/193451/0. Downloaded on 14 October 2017.
  10. THE REPTILE DATA BASE (P. bivittatus)
  11. TRUTNAU, L. (2002)

Zurück zu Übersicht Schlangen

Weiter zu Königspython (Python regius)

Gelesen 1125 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 28 Februar 2019 22:43
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx