Eidechsen, Skinke und Schleichen

Zauneidechse

Zauneidechse (Lacerta agillis) im Opel-Zoo, Kronberg Zauneidechse (Lacerta agillis) im Opel-Zoo, Kronberg
Martin Becker, Opel-Zoo,

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Echsen (SAURIA)
Zwischenordnung: Skinkartige (Scincomorpha)
Familie: Eidechsen (Lacertidae)

D LC 650

Zauneidechse

Lacerta agilis • The Sand Lizard • Le lézard agile

Die Zauneidechse ist das Reptil des Jahres 2020

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Zauneidechse (Lacerta agilis) im Tiergarten Straubing © Wolfgang Peter, Tiergarten Straubing

 

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Approximative Verbreitung der Zauneidechse (Lacerta agilis) in Europa. Ostwärts erstreckt sich dass Areal bis an den Baikalsee

 

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Zauneidechse (Lacerta agilis) im Zoo Hluboka © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Zauneidechsen (Lacerta agilis) im Tiergarten Straubing © Wolfgang Peter, Tiergarten Straubing

 

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Zauneidechsen (Lacerta agilis) im Heimattiergarten Schönebeck © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Zauneidechse (Lacerta agilis) im Heimattiergarten Schönebeck © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Zauneidechse (Lacerta agilis) im Opel Zoo Kronberg © Martin Becker, Opel Zoo

 

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Zauneidechse (Lacerta agilis) wildlebend an Bahndamm © Andreas Meyer, DGHT

 

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Zauneidechsen-Paar (Lacerta agilis) © Andreas Meyer, DGHT

 

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Zauneidechse (Lacerta agilis), Männchen © Benny Trapp, DGHT

 

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Zauneidechse (Lacerta agilis). Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

 

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Die Zauneidechse wurde früher wegen ihrer Häufigkeit, namentlich auch im Siedlungsgebiet, als "Gemeine Eidechse" bezeichnet. Heute ist sie immer noch weit verbreitet, aber die Bestände haben wegen Lebensraumverlust und -zerschneidung, wegen menschlicher Aktivitäten, und nicht zuletzt wegen des großen Hauskatzenbestands  massiv abgenommen.

Körperbau und Körperfunktionen

Männchen und Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 22 cm, wovon über die Hälfte auf den Schwanz entfällt. Die Gestalt ist kräftig, etwas plump, der Kopf groß und massig mit stumpfer Schnauze, der Rumpf nicht abgeflacht, der Schwanz dick und relativ kurz. Am Hals befindet sich eine halsbandähnlich angeordnete Schuppenreihe. Kopfseiten, Vorderbeine und Flanken der Männchen sind während der Paarungszeit leuchtend grün und von Augenflecken durchsetzt. Kopfoberseite, Hinterbeine und Schwanz sind dunkelbraun, der Rücken dunkelbraun, eingefasst von zwei helleren Längslinien und oft mit Augenflecken. Außerhalb der Paarungszeit verblasst das Grün oder verschwindet. Bei den Weibchen fehlt die Grünfärbung, abgesehen davon, dass die Kehle schwach grün oder gelbgrün ist [4; 7; 8].

Verbreitung

Weit verbreitet in Europa, fehlt in Portugal, Irland, den größten Teilen Grossbritanniens, Skandinaviens, Spaniens, im südlichen Balkan und auf den Mittelmeerinseln. Ostwärts bis Transkaukasien und zum Ural, dann weiter ostwärts bis Zentralasien: China, Kasachstan, Kirgistan, Mongolei, Russland [1; 2; 9].

Lebensraum und Lebensweise

Kaum eine andere europäische Reptilienart bewohnt ein derart breites Spektrum an Lebensräumen wie die Zauneidechse. Obwohl sie trockene und warme Habitate bevorzugt, findet man sie auch in feuchteren und kühleren Lebensräumen. Zu den ihr zusagenden Biotopen zählen vegetationsarme Felsfluren, Schutthalden, Trockenrasen, Magerwiesen, Flachmoore, Feuchtwiesen, Hochstaudenfluren, Auenwälder und (katzenfreie) Gärten. Im Gebirge geht sie selten über 1'000 m Höhe hinaus. Bei günstigen Bedingungen können Dichten von über 200 Individuen pro Hektar erreicht werden. Zersiedelung, Flurbereinigungen, Intensivierung der Landwirtschaft, Zerschneidung der Landschaft durch Verkehrswege und der hohe Hauskatzenbestand im Siedlungsgebiet haben zu einem massiven Lebensraumverlust und damit regional zur Gefährdung der Art geführt [5; 7].

Im März verlassen die Zauneidechsen ihre Winterquartiere. Die Paarungszeit fällt in die Periode Ende April bis Anfangs Juni. 4-6 Wochenspäter legen die Weibchen bis zu 14 Eier in eine selbstgegrabene 4-10 cm tiefe Grube. Abhängig von der Temperatur schlüpfen die Jungen nach 1-2 Monaten. Sie ernähren sich von kleinsten Insekten, Spinnen und Jungschnecken. Im Oktober ziehen sich die Zauneidechsen in ihre Winterquartiere zurück, die Jungen etwas später als die Erwachsenen [4; 7].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist trotz negativer Bestandsentwicklung auf der Grundlage einer Beurteilung aus dem Jahr 2009 global nicht gefährdet [1]. Sie gilt aber in Deutschland und der Schweiz [5] als gefährdet (VULNERABLE) und in Österreich als potenziell gefährdet (NEAR THREATENED).

Gebietsweise gerät die Zauneidechse zunehmend unter Druck durch Mauer- und Ruineneidechsen, die als blinde Passagiere mit der Bahn aus dem Tessin und Italien auf die Nordseite der Alpen gelangen [5].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Die Zauneidechse fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und ist ist eine streng zu schützende Tierart nach Anhang IV der FFH-Richtlinie (92/43/EWG).

Zoogestütztes Artenschutzprojekt (Beispiel):

  • In weiten Teilen von England und Wales ist die Zauneidechse ausgestorben. Der Marwell Zoo in Winchester richtete deshalb 1989 eine Zuchtstation ein, in die im Verlauf von 25 Jahren 61 Wildfänge eingesetzt wurden. Aus diesem Bestand konnten 1'892 Nchzuchttiere abgegeben werden, mit denen 26 verschiedene Populationen gegründet werden konnten

Bedeutung für den Menschen

Unter Zitierung des Zürcher Stadtarztes Conrad GESNER lässt sich Altvater BREHM wie folgt über den Nutzen der Eidechsen aus: "Gegenwärtig begnügen wir uns mit Anerkennung des Nutzens, welchen uns die Eidechsen durch Wegfangen von allerlei schädlichem Kleingethiere gewähren; in früheren Zeiten wußte man noch anderweitige Vortheile aus ihnen zu ziehen. »Der grünen Egochs gall, so der stam des boums damit beschmiert wirdt, söllend die öpffel an dem boum nit faulen noch wurmässig werden...  Dieser thieren fleisch zerschnitten, rouw, oder gesotten, in der speiß dem Habich oder Falcken gegäben, oder damit gewäschen, verenderet jm in kurtzem seine fäderen. Dise thier one den kopff vnd süß in wehn gesotten, dauon getruncken alle morgen ein bächer voll, sol den absterbenden leyb wider bringen, oder die lungensüchtigen, den Etticken heilen...   Etlich siedend dise thier in dem öl, verhinderet auch das außgeraufft haar, daß es nicht weyter wachßt: söllichs thut auch die gall von den thieren, mit wehssem weyn an der Sonnen zu einem dicken brey gebracht." [3].

Haltung

Es wird empfohlen, Zauneidechsen entweder in einem gut belüfteten, trockenen und mit einer Bodenheizung und einem UV-Strahler versehenen Terrarium zu halten [8] oder aber in einem gegen das Eindringen von Mäusen, Vögeln, Katzen und Mardern gesicherten Freilandterrarium. Der Boden soll aus einem gut wasserdurchlässigen Erde-Sandgemisch bestehen, damit sich bei starken Regenfällen keine Staunässe bildet. Das Terrarium soll als Trockenhabitat eingerichtet werden und soll Sonnen- und Schattenplätze enthalten. Ein kleiner Tümpel kann als Tränke dienen. Zum Überwintern sollen mehrere nach oben und zu den Seiten mit Styropor isolierte Höhlen angeboten werden, die durch flach (50 cm) in den Boden gehende Stollen erreichbar sind [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 40 Institutionen gezeigt, von denen sich rund die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. 

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 soll ein Terrarium für ein Paar mindestens 6x so lang und 4x so breit sein wie die Kopf-Rumpflänge der Tiere. Die Höhe soll das Vierfache der Kopf-Rumpflänge betragen. Für jedes weitere Tier kommen 15% zur Basisfläche dazu. In der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) werden für ein Paar die gleichen Dimensionen vorgeschrieben. Für jedes weitere Tier kommt das 2x2-fache der Kopf-Rumpflänge zur Basisflächen dazu. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Zauneidechse wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter ihrem heute noch gültigen Namen beschrieben. Gegenwärtig (2017) werden 10 Unterarten anerkannt. In Mitteleuropa kommt die Nominatform vor [9].

Literatur und Internetquellen

  1. AGASYAN, A. et al. (2010). Lacerta agilis. The IUCN Red List of Threatened Species 2010: e.T157288A5071439. http://www.iucnredlist.org/details/157288/0. Downloaded on 16 July 2017.
  2. ARNOLD, E.N. & BURTON, J.A. (1978)
  3. BREHM, A. E. (1882-1887) 
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. HOFER, U., MONNEY, J.-C. & DUSEJ, G, (2001)
  6. LACERTA
  7. MEYER, A., ZUMBACH, S., SCHMIDT, B. & MONNEY, J.-C. (2009)
  8. NIETZKE, G. (1969)
  9. THE REPTILE DATA BASE
  10. WOODFINE, T., WILKIE, M., GARDNER, R., EDGAR, P., MOULTON, N. & RIORDAN, P. (2017)

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Gelesen 10609 mal Letzte Änderung am Freitag, 08 Juli 2022 09:27
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx