Bären, Klein- und Katzenbären

Weissrüsselbär

Weißrüsselnasenbär (Nasua narica) im Tierpark Nordhorn Weißrüsselnasenbär (Nasua narica) im Tierpark Nordhorn
© Franz Frieling, Nordhorn

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Kleinbären (Procyonidae)

D LC 650

Weißrüsselbär

Nasua narica • The Central American Coati • Le coati à nez blanc

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Weißrüsselbär (Nasua narica) wildlebend beim Lago Arenal, Costa Rica © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des Weißrüsselbären (Nasua narica)

 

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Weißrüsselbär (Nasua narica) im Tierpark Nordhorn © Franz Frieling, TP Nordhorn

 

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Weißrüsselbär (Nasua narica) im Parque Zoológico Simón Bolívar in San José, Costa Rica © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Weißrüsselbär (Nasua narica) im Zoo Magdeburg © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Weißrüsselbär (Nasua narica) im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc / TG Schönbrunn (Pressefoto)

 

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Weißrüsselbären (Nasua narica) im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc / TG Schönbrunn (Pressefoto)

 

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Weißrüsselbär (Nasua narica) im Zoo Magdeburg © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Weißrüsselbären (Nasua narica) sind extrem gute Kletterer, hier im Tierpark Nordhorn © Franz Frieling, TP Nordhorn

 

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Weißrüsselbären (Nasua narica) kommen auch relativ dicke Baumsämme hoch, wie hier im Carara-Nationalpark, Costa Rica © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Weißrüsselbären (Nasua narica) sind Kulturfolger, hier strolcht einer mitten am Tag durch die Hotel-Anlage Punta Leona in Costa Rica © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Weißrüsselbär (Nasua narica) im Manuel-Antonio-Nationalpark, Costa Rica © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Weißrüsselbär (Nasua narica) im Manuel-Antonio-Nationalpark, Costa Rica © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Halbwüchsiger Weißrüsselbär (Nasua narica) im Tierpark Nordhorn © Franz Frieling, TP Nordhorn

 

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Schädel eines Weißrüssel-Nasenbären (Nasua narica) in der Sammlung des Museums Wiesbaden © Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden. Veröffentlicht unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz

 

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Der Weißrüsselbär ist selbst nicht bzw. nur regional gefährdet, ist aber als tagaktive, soziale und sehr geschäftige Tierart ein ein ausgezeichneter Botschafter für Naturschutz in Mittelamerika. Gegenwärtig ist er in europäischen Zoos noch viel seltener als der Rote Nasenbär. Dies könnte aber wegen der Invasiv-Verordnung der EU ändern.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Weißrüsselbär erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 43-68 cm und eine Schwanzlänge von 42-68 cm. Das Gewicht liegt zwischen 3.5 und 5.6 kg. Männchen sind rund 20% größer und schwerer als Weibchen. Der Körper ist gestreckt und schlank, fast marderähnlich, der Hals kurz, der Kopf lang mit spitzer Schnauze. Der dicht behaarte Schwanz wird oft aufrecht getragen. Die Beine sind kurz und  kräftig, mit breiten Tatzen und nackten Sohlen. Das auffälligste Merkmal ist die namengebende Nase. Sie verlängert sich rüsselartig weit über das Maul hinaus und hat scharfkantig aufgeworfene Ränder. Die Ohren sind kurz und abgerundet, die Augen mäßig groß, die fünf fast ganz verwachsenen Zehen mit langen und spitzigen, aber wenig gebogenen Krallen bewehrt. Das Gebiß ähnelt dem der Waschbären; die Zähne sind jedoch etwas schmaler und schmächtiger [2; 6; 9].

Vom Südamerikanischen Nasenbären unterscheidet sich der Weißrüsselbär hauptsächlich durch seine Fellfarbe. Diese ist graubraun, an Schnauze, Kehle und Bauch weißlich und an den Füßen fast schwarz. Der Schwanz ist nur undeutlich geringelt [6; 7].

Verbreitung

Nord- und Mittelamerika : Belize, Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nordwest-Kolumbien, Mexiko (ohne Niederkalifornien), Nikaragua, Panama, südwestliche USA (Arizona, New Mexico, Texas) [3; 9].

Lebensraum und Lebensweise

Der Weißrüsselnasenbär besiedelt Feucht- und Trockenwälder, Galeriewälder sowie Savannen (Chapparales) vom Tiefland bis gegen 2'900 m Höhe. In Grasland oder Wüste kommt er nur selten vor. Er ist überwiegend tagaktiv. Ältere Männchen leben solitär, ansonsten findet man Weißrüsselbären in Gruppen von bis zu 30 Tieren, wobei sich Weibchen auf die Geburt hin und während der ersten Phase der Jungenaufzucht absondern. Die Tiere kommunizieren innerhalb der Gruppe durch zirpende Laute. Auch olfaktorische Markierungen dienen der innerartlichen Kommunikation, namentlich während der Paarungszeit. Nasenbären sind gewandte Kletterer, die Baumstämme kopfvoran hinunterklettern können. Sie drehen dabei die Hinterfüße nach außen und rückwärts und klemmen sich mit ihnen fest an den Stamm an [1; 2; 3; 9].

Auf der Insel Barro Colorado in Panama, wo die Weißrüsselbären ausgiebig studiert wurden, stellte man bei einer Dichte von 51.5 Tieren/km² eine mittlere Gruppengröße von 15.3 (6-26) fest. Zur Nahrungssuche waren aber im Mittel nur 7.2 Tiere gemeinsam unterwegs. Die Gruppen hatten sich teilwese überlappende Streifgebiete von 33 ha. Junge Männchen, welche die Gruppe verließen, wanderten nicht gleich ab, sondern hielten sich zumindest zeitweilig immer noch im Streifgebiet der Gruppe auf [5].

Weißrüsselbären sind Allesfresser, die sich vorab von Insekten und Früchten ernähren, aber auch kleine Echsen, Nager und gelegentlich Vögel fangen, die sie durch Kopfbiss töten, und Aas oder Siedlungsabfälle zu sich nehmen. Etwa 90% ihrer Nahrung finden sie auf dem Boden, den sie mit ihren Nasen systematisch absuchen, was den größeren Teil des Tages in Anspruch nimmt. Zur Deckung ihre Nahrungsbedarfs benötigen die Gruppen  Streifgebiete von 33 ha im tropischen Regenwald Panamas bis 1'350 ha in den Trockengebieten Arizonas [5; 6; 9].

Weißrüsselbären haben eine kurze Paarungszeit, während der die solitären Männchen die Weibchenrudel aufsuchen. In den USA fällt die Paarungszeit auf April, in Panama auf Januar. Kurz vor der Geburt, die nach einer Tragzeit von 70-77 Tagen stattfindet, sondern sich die trächtigen Weibchen ab und bauen ein Baumnest, in dem sie ihre 3-4 (1-7) etwa 100-180 g schweren Jungen gebären. Diese werden etwa 4 Monate gesäugt. Mit 24 (21-28) Tagen sind sie bereits gut zufuß und verlassen das Nest, mit 4 Wochen können sie klettern. Weibchen paaren sich im Freiland erstmals mit 22 Monaten, Männchen mit 34 Monaten, kommen aber in diesem Alter selten zur Fortpflanzung, weil sie gegen ältere Geschlechtsgenossen keine Chance haben [6; 7; 8; 9].

Gefährdung und Schutz

Die Bestandstendenz ist abnehmend, und lokal ist der Weißrüsselbär wegen Bejagung und Habitatverlust gefährdet oder wurde gar ausgerottet. Andererseits kommt er auch in zahlreichen Nationalparks und sonstigen Schutzgebieten vor. Insgesamt wird er aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 noch nicht als gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [3].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt mit Ausnahme der honduranischen Population, die unter Anhang III fällt. Das unsinnige Verbot von Erwerb und Abgabe, Haltung, Zucht, Aufzucht, Transport und Freilassen von  Nasenbären nach Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 betreffend invasive Arten gilt nicht für den Weißrüsselbären.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Der Weißrüsselbär wird in fast seinem ganzen Verbreitungsgebiet zur Gewinnung von Fell und Fleisch gejagt [3]. Wie BREHM feststellte, wird das Fleisch "nicht allein von den Eingeborenen, sondern auch von den Europäern gern gegessen. Junge Nasenbären liefern, namentlich wenn sie fett sind, einen vortrefflichen Braten, und auch das Fleisch der Alten ist immer noch wohlschmeckend. Aus dem Fell verfertigen die Indianer kleine Beutel." [2]

Haltung im Zoo

Weißrüsselbären können im Zoo ein Alter von 26-27 Jahren erreichen [8]. Eine Vergesellschaftung mit größeren Säugetieren ist möglich, so wurden im z.B. Tierpark Nordhorn Weißrüsselbären zusammen mit Bisons und Halsbandpekaris gehalten.

Haltung in europäischen Zoos:
 Die Art wird in gut zwei Dutzend Zoos gehalten, von denen sich gegen ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Das durch die Invasiv-Verordnung der EU im Prinzip für den Roten Nasenbären geltende Haltungsverbot hat bislang nur zu einer geringen Zunahme der Weißrüsselbärhaltungen geführt. Für Details siehe Zootierliste.

Wie Nasenbären gehalten werden (Beispiele):

Forschung im Zoo (Beispiel): Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde das Ruhe- und Schlafverhalten des Weißrüsselbären untersucht und mit dem verwandter Arten verglichen [3].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein Außengehege für ein Paar Weißrüsselbären mindestens eine Fläche von 30 m² aufweisen. Für jedes weitere Adulttier kommen 2 m² zur Basisfläche dazu. Falls oben geschlossen, soll die Höhe mindestens 3 m betragen. Das Innengehege, sofern erforderlich, soll bei einer Höhe von 2.5 m für ein Paar eine Fläche von 6 m² haben und für jedes weitere Adulttier 3 m² mehr.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2020) schreibt für 1-2 Tiere ein Außengehege mit einer Grundfläche von 30 m² vor mit einer Höhe von mindestens 3 m. Für das Innengehege ist eine Basisfläche von 20 m² und eine Höhe von 3 m vorgeschrieben. Für jedes weitere Tier kommen außen und innen je 3 m² zur Basisflächen dazu. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) ist für 1-2 Tiere ein Außengehege von 40 m², für jedes weitere Adulttier sind 4 m² zusätzlich erforderlich. Ein Innengehege ist nicht notwendig, wenn ein entsprechender Wetterschutz geboten wird.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Weißrüsselbär wurde erstmals 1766 von Carl von LINNÉ unter der Bezeichnung "Viverra narica", also als Schleichkatze, wissenschaftlich beschrieben. Die Gattung Nasua wurde 1780 vom Tübinger Professor Gottlieb Conrad Christian STORR aufgestellt, und Étienne GEOFFROY SAINT-HILAIRE, der Begründer des ersten bürgerlichen Zoos, der Ménagerie im Jardin des Plantes von Paris, stellte narica 1803 in diese Gattung. Über die Verwandtschaftsverhältnisse der Nasenbärarten herrschte lange Unsicherheit. BREHM spricht vom Nasenbären  als Nasua narica und vom Weißrüßelbären als Nasua leucorhyncha und gibt als Verbreitung des Einen Ostbrasilien und des Anderen Nordbrasilien an. Heute gelten die südamerikanischen Formen als Nasua nasua und die in Nord- und Mittelamerika als Nasua narica [9].

Es werden vier Unterarten anerkannt:

  • Nasua n. narica vom südlichen Mexiko bis Kolumbien
  • Nasua n. molaris in den USA und im nördlichen Mexiko
  • Nasua n. nelsoni auf der vor Yucatan gelegenen Cozumel-Insel Mexikos und
  • Nasua n. yucatanensis auf der Halbinsel Yucatan selbst.

Der Cozumel-Weißrüsselbär wurde in der Vergangenheit oft als eigene Art angesehen [2; 6; 9].

Literatur und Internetquellen

  1. ALLEN, T. B. (1979)
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. CUARÓN, A.D. et al. (2016). Nasua narica. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T41683A45216060. http://www.iucnredlist.org/details/41683/0. Downloaded on 21 June 2018.
  4. DIETERMANN, A. (1996)
  5. GOMPPER, M. E. (2009)
  6. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  7. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  8. WEIGL, R. (2005)
  9. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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