Eulen und Schleiereulen

Schleiereule

Schleiereule (Tyto alba) im Kölner Zoo Schleiereule (Tyto alba) im Kölner Zoo
Rolf Schlosser, Kölner Zoo

Ordnung: Eulen (STRIGIFORMES)
Familie: Schleiereulen (Tytonidae)
Unterfamilie: Eigentliche Schleiereulen (Tytoninae)

D LC 650

Schleiereule

Tyto alba • The Common Barn Owl • La chouette effraie

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Schleiereule (Tyto alba) im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig (Pressefoto)

 

 

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Approximative Verbreitung der Schleiereule (Tyto alba)

 

 

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Schleiereule (Tyto alba) im Vogelpark Steinen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Schleiereule (Tyto alba) im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Schleiereule (Tyto alba) im Parc ornithologique de Pont-de-Gau, Les Stes,Maries des-la Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Schleiereulen (Tyto alba) aus BREHMS TIERLEBEN (1882)

 

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Als einheimische Art und Kulturfolger mit großer kultureller Bedeutung ist die Schleiereule von zoopädagogischem Interesse und wird deshalb sehr oft in Zoos gehalten, obwohl sie als nachtaktiver Vogel in einer gewöhnlichen Voliere für den Durschschnittsbesucher nicht viel hergibt.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Schleiereule wird  33-35(-42) cm lang und in Europa  240-360 (187-455) g schwer, wobei Weibchen etwas größer sind und auch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Unterarten bestehen. Nordamerikanische Schleiereulen z.B. erreichen ein Gewicht bis 700 g. Ihr herzförmiger Gesichtsschleier ist weiß bis gelbbraun. Die Augen sind braunschwarz bis schwarz und relativ klein. Der Schnabel ist blassgelb. Federohren fehlen. Die Handschwingen sind sehr lang, das Remicle ist stark ausgebildet, das Körpergefieder ist kurz und sehr weich. Der Laufknochen (Tarsometatarsus) ist bis zum Zehenansatz befiedert [4; 7].

Verbreitung

Südamerika, südliches und mittleres Nordamerika, Afrika, Europa, Naher Osten, Süd- und Südostasien, Australien, sowie auf mehreren Inseln, insgesamt in 177 Ländern und Irrgäste in weiteren [1].

Lebensraum und Lebensweise

Die Schleiereule ist ein Vogel offener Landschaften, wie Heiden, Mooren, Wüsten, Kulturland, Küstenebenen und offenen Parklandschaften. In den schweizerischen Alpen wurde sie bis auf eine Höhe von 2'350 m nachgewiesen. Außer bei ungünstigen Wetterbedingungen und während der Jungenaufzucht jagt sie ausschließlich nachts, wobei sie sich mit dem Gehör orientiert. Ihre Beute sind hauptsächlich Mäuse, Wühlmäuse, Spitzmäuse und Fledermäuse, ferner Ratten, Vögel, Frösche und große Insekten. In Mitteleuropa brütet sie zumeist in Kirchtürmen, auf Dachböden, in Ruinen, Heustadeln und Scheunen, gebietsweise, etwa im Elbsandsteingebirge, in Felswänden [3; 10].

Die Brutzeit beginnt früh im Jahr, hat ihren Höhepunkt im Mai und setzt sich bis in den Spätsommer fort. Die Gelege bestehen aus 3-5(-11) Eiern, die in Abständen von 2-3 Tagen gelegt werden. Erwachsene Schleiereulen sind zumeist Standvögel. Selten wandern sie bis zu 2'000 km. Jungvögel streichen zwischen September und Dezember umher, um sich in einer Entfernung von meist weniger als 100 km niederzulassen [3].

Gefährdung und Schutz

Die Schleiereule gehört zu den am weitest verbreiteten Landvögeln der Welt. Sie ist, mit Ausnahme der Antarktis, auf allen Kontinenten zu finden. Da die Gesamtpopulation sehr groß ist und die Bestände stabil sind, wurde sie Im Rahmen einer Beurteilung im Jahr 2016 als nicht gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN). Der europäische Bestand wird auf 100'000-200'000 Paare geschätzt [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt. Die Art fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume.

Situation in Mitteleuropa: BIRDLIFE gibt für den deutschsprachigen Raum folgende Anzahlen Brutpaare an: Deutschland 16'500-29'000, Österreich 60-80 (gilt als vom Aussterben bedroht), Schweiz 200-1'000 (gilt als potenziell gefährdet), Luxemburg 150-250, Liechtenstein 0-1 [1; 9].

Bedeutung für den Menschen

In manchen Gegenden Norddeutschlands und der Niederlande unterstützen die Bauern durch bauliche Maßnahmen die Ansiedlung von Schleiereulen zur Nagerbekämpfung auf ihren Gehöften [3].

Von 2001-2018 wurden weltweit bei der Ausfuhr, nebst zahlreichen toten Tieren, Teilen und Erzeugnissen, 565 lebende Wildfänge registriert, von denen 314 aus Togo stammten. Im selben Zeitraum wurden 894 Nachzuchtvögel erfasst, davon 540 aus Belgien [5].

Haltung

Von einer Vergesellschaftung mit anderen Eulenarten, z.B. Wald- oder Sumpfohreule wird abgeraten, weil die Schleiereule diese angreift und eventuell tötet [7]. Als Höchstalter werden 23 Jahre angegeben, erreicht im Zoo Berlin [8].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 400 Zoos gezeigt, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: 1995 veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BMELF) Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen. Diese werden gegenwärtig (Juli 2019) überarbeitet und sollen als Leitlinien zur Haltung von Greifvögeln (Accipitriformes, Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) neu herausgegeben werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für 2 mittelgroße Eulen eine Voliere mit einer Grundfläche von 20 m² und einem Volumen von 40 m³ vor. Für jede weitere ist die Grundfläche um 3 m² zu  vergrößern. Die Vorgängerverordnung sah eine Fläche von 10 m² und ein Volumen von 25 m³ vor. Die Erhöhung erfolgte ohne Angabe von Gründen. Ein allfälliger Innenraum muss eine Grundfläche von 2 m² je Vogel haben.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für die Haltung von 1-2 mittelgroßen Eulen eine Voliere mit einer Grundfläche von 8 m² bei 2 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 3 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Schleiereule wurde 1769 vom italienischen Arzt und Naturforscher Giovanni Antonio SCOPOLI als "Strix alba" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Tyto wurde 1828 vom schwedischen Naturforscher Gustaf Johan BILBERG eingeführt. Es wurden in jüngerer Zeit bis zu 46 Unterarten anerkannt, manche davon sind aber zweifelhaft [6].

Die Bezeichnung "Schleiereule" kommt von der herzförmigen, hellen Gesichtszeichnung. Alfred BREHM [2] bezeichnet die Schleiereule als "Schleierkauz" und gibt ein ganzes Sortiment von deutschen Vulgärnamen  und wissenschaftlichen Bezeichnungen: Schleier-, Perl-, Gold-, Feuer-, Flammen-, Perrücken-, Herz-, Thurm-, Kirchen-, Klag-, Schläfer-, und Schnarcheulen (Strix  f l a m m e a, alba, guttata, adspersa, margaritata, vulgaris, obscura, splendens, paradoxa, maculata, Kirchhoffi, pratincola und, für die Gattung, Aluco, Hybris, Ulula, Eustrix und Stridula).

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Tyto alba. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22688504A86854321. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22688504A86854321.en . Downloaded on 22 June 2019.
  2. BREHM, A. E. (1882 a)
  3. BURTON, J. A. (1984)
  4. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  5. CITES TRADE DATA BASE
  6. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  7. ECK, S. & BUSSE, H. (1973)
  8. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  9. KNAUS, P., MÜLLER, C., SATTLER, T., SCHMID, H. & STREBEL, N (2019):
  10. MAUMARY, L. et al. (2007)

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Gelesen 1953 mal Letzte Änderung am Sonntag, 27 Oktober 2019 16:52
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx