Insektenfresser und Fledertiere

Brillenblattnase

Brillenblattnase (Carollia perspicillata) in der Wilhelma Stuttgart Brillenblattnase (Carollia perspicillata) in der Wilhelma Stuttgart
Pressefoto Wilhelma

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Fledertiere (CHIROPTERA)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Hasenmaulartige (Noctilionoidea)
Familie: Blattnasen (Phyllostomidae)
Unterfamilie: Kurzschwanzblattnasen (Carolliinae)

D LC 650

Brillenblattnase

Carollia perspicillata • The Seba's Short-tailed Bat • Le fer-de-lance à lunettes

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Kleines Hasenmaul (Noctilio albiventris) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung der Brillenblattnase (Carollia perspicillata)

 

 

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Brillenblattnase (Carollia perspicillata) im Zoo Frankfurt © Michael Leibfritz / Zoo Frankfurt

 

 

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Brillenblattnasen (Carollia perspicillata), normal gefärbtes Tier und Albino im Zoo Moskau © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Brillenblattnasen (Carollia perspicillata), Albino im Zoo Moskau © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Die neuweltlichen Blattnasen sind die einzige Fledermausfamilie von der mehrere Arten regelmäßig und in größerer Zahl in europäischen Zoos gezeigt werden. Geeignet sind insbesondere Arten, die sich auf den Verzehr von Nektar, Früchten oder Blut spezialisiert haben, wie die harmlose und daher für begehbare Anlagen geeignete, fruchtfressende Brillenblattnase.

Körperbau und Körperfunktionen

Ihren Namen verdanken die Blattnasen dem charakteristischen Nasenaufsatz, der wie ein Blatt aussieht. Die Kopf-Rumplänge beträgt etwa 5.5 cm, der Schwanz ist 1 cm lang, der Unterarm misst im Mittel 41 mm und das mittlere Gewicht beträgt 17 g für Männchen und 16 g für Weibchen [4].

Verbreitung

Mittel- und Südamerika : Belize, Bolivien, Brasilien, Costa Rica, Ekuador, El Salvador, Französisch Guiana, Guatemala, Guyana, Honduras, Kolumbien, Mexiko, Nikaragua, Panama, Paraguay, Peru, Saint Kitts und Nevis, Surinam, Trinidad und Tobago [1].

Lebensraum und Lebensweise

Brillenblattnasen schlafen in kleinen Gruppen oder in Kolonien von mehreren hundert Tieren in Fels- oder Baumhöhlen, Tunnels oder unter dem Dach von Häusern. Sie ernähren sich ausschließlich von Früchten, die sie mit Hilfe ihres ausgezeichneten Geruchssinns finden. Zu ihrer Lieblingsnahrung gehören Beeren und Steinfrüchte von Pfeffergewächsen, daneben nehmen sie Nektar und Pollen oder, wenn pflanzliche Nahrung knapp wird, Insekten. Sie wurden auch schon beim Fressen von Guaven, Bananen und wilden Feigen beobachtet. In einem großen Teil ihres Areals bringen die Weibchen nach einer Tragzeit von 115-120 Tagen im Abstand von 115-173 Tagen jeweils ein Junges zur Welt. Dieses ist schon weit entwickelt. Es hat ein Geburtsgewicht von 5 g und hat die Augen bereits geöffnet. Es bleibt während der ersten zwei Lebenswochen praktisch ständig auf der Mutter [1; 2; 3].

Gefährdung und Schutz

Die Brillenblattnase wird aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 nicht als gefährdet angesehen, da sie weit verbreitet ist, eine große Gesamtpopulation hat, auch in Schutzgebieten vorkommt und vom Menschen modifizierte oder geschaffene Lebensräume nutzen kann. (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Art wird witschaftlich weder genutzt noch richtet sie Schäden an [1].

Haltung

Fledermäuse können Wirte und potenzielle Überträger von auf den Menschen übertragbaren Viren und anderen Krankheitserregern sein. Bei Brillenblattnasen aus deutschen Haltungen wurden z. B. Chlamydien nachgewiesen. Übertragungen quf den Menschen sind aus Zoos allerdings keine bekannt. Auch sonst sind Brillenblattnasen vollkommen harmlos. Sie sind sehr wendig und können dank ihrem Echoortungssystem im dichten Blattwerk und auf engstem Raum manövrieren. Sie werden deshalb gerne freifliegend in für Besucher begehbaren Tropen-oder Nachttierhallen gehalten. Sie sind unter Zoobedingungen recht langlebig. Den Altersrekord hält ein im Henry Doorley Zoo, Omaha, gborenes Weibchen, das dort nach 17 Jahren immer noch am Leben war [4].

Die Art wird in rund 40 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Die im Säugetiergutachten 2014 des BMEL vorgegebenen Zahlen entbehren einer wissenschaftlichen Grundlage und sind, zuminderst wenn es um große Kolonien geht, aus der Sicht der tierhalterischen Praxis überzogen. Wie die Tierschutzsachverständigen der Zoos festhielten, zeigt die Erfahrung, dass in einem Gehege von 20m³ problemlos 50 Brillenblattnasen gehalten werden können (laut Gutachten dürften es nur 20 sein), und dass ein Raumvolumen von 160m³ für 700 Brillenblattnasen absolut auseichend ist (das Gutachten gibt 292 m³ vor). Grundsätzlich sollte keine Mindestfläche, sondern nur ein Volumen vorgegeben werden. Das Gutachten’96 gab für kleine Fledermäuse keine Gehegedimensionen an. Es empfiehlt sich, die Beurteilung der Haltung von Kleinfledermäusen darauf abzustellen, ob bei der in einer Haltung gegebenen Besatzdichte Probleme auftreten oder nicht.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 20 Tiere eine Grundfläche von 10 m² bei einer Höhe von 2 m vor, für jedes weitere sind 0.2 m² zusätzliche Fläche erforderlich. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) sind für bis zu 20 Tieren eine Grundfläche von 20 m² und eine Höhe von 2.5 m erforderlich, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 2 m² zu erhöhen. Letzteres ist unsinnig, nachdem für die ersten 20 nur eine Fläche von 1  m² pro Tier verlangt wird.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Vespertilio perspicillata" beschrieben. John Edward GRAY, ein Mitglied der Londoner zoologischen Gesellschaft stellte sie 1838 in die neue Gattung Carollia [5].

Literatur und Internetquellen

  1. BARQUEZ, R. et al. (2015). Carollia perspicillata. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T3905A22133716. http://www.iucnredlist.org/details/3905/0. Downloaded on 15 May 2018.
  2. EISENBERG, J. F. (1989)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  6. FRITSCHI, J. S. (2020)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx