Kranichvögel

Wachtelkönig

Wachtelkönig (Crex crex) im Zoo Augsburg Wachtelkönig (Crex crex) im Zoo Augsburg
P. Bretschneider, Zoo Augsburg

Ordnung: Kranichvögel (GRUIFORMES)
Unterordnung: Kranichverwandte (GRUES)

Familie: Rallen (Rallidae)

D LC 650

Wachtelkönig

Crex crex • The Corncrake • Le râle des genêts ou roi caille

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Wachtelkönig (Crex crex) Im Zoo Heidelberg © Martin Schiedt, Sinsheim, https://www.schiedt.org

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Wachtelkönigs (Crex crex). Dunkelblau: Brutgebiete; dunkelgrün: Winterquartiere

 

 

 

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Wachtelkönig (Crex crex) im Zoo Augsburg © P. Bretschneider, Zoo Augsburg

 

 

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16 Tage altes Wachtelkönig-Küken (Crex crex) im Zoo Heidelberg © Zoo Heidelberg

 

 

 

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Wachtelkönig (Crex crex) im Zoo Dresden © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Wachtelkönig (Crex crex), Jungvogel im Zoo Dresden © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Eier des Wachtelkönigs (Crex crex) © Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden. Veröffentlicht unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz.

 

 

 

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Als in Mitteleuropa früher häufige, heute jedoch stark gefährdete Art, für die Artenschutzprogramme entwickelt wurden, ist der Wachtelkönig im Prinzip für Zoos interessant, er wird aber nicht häufig gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Wachtelkönig erreicht eine Gesamtlänge von 27-30 cm, eine Flügelspannweite von 42-53 cm und ein Gewicht von rund 135-210 g bei den Hähnen und 120-180 g bei den Hennen. Sein Gefieder ist oberseits fahlbraun mit schwarzer Fleckung. Die Flügel sind rotbraun [3; 4; 8].

Verbreitung

Brutgebiete in Europa und Zentralasien bis nach China und Winterquartiere in Afrika südlich der Sahara. Die Rote Liste der IUCN führt etwa 110 Länder und Territorien auf, in denen die Art als Brutvogel, Wintergast oder Durchzügler vorkommt [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Wachtelkönig besiedelt feuchte Wiesen und Steppen. Im Gegensatz zu anderen Rallen ist er nicht an offenes Wasser gebunden. Er ist trotz seines schlechten Flugvermögens ein Langstreckenzieher. Seine Nahrung besteht aus Wirbellosen (Regenwürmern, Asseln, Spinnen, Insekten, Weichtieren), Amphibien, Reptilien und Kleinsäugern, die vom Boden aufgenommen oder von Pflanzen abgelesen werden, ergänzt durch Sämereien und Pflanzenteile. Die Vögel sind monogam oder polygyn. Das Gelege besteht aus 8-12, wenn zwei Hennen in dasselbe Nest legen bis 19 Eiern, die während 16-19 Tagen ausgebrütet werden [3; 4; 5; 8].

Gefährdung und Schutz

Der Wachtelkönig wurde 2010 auf der Roten Liste wieder zurückgestuft und gilt gegenwärtig nicht als weltweit gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). In vielen westlichen Ländern des Verbreitungsgebiets haben sich die Bestände nach einem Rückgang wieder erholt. Außerdem sind die befürchteten Rückgänge der Bestände im Hauptverbreitungsgebiet (Russland) ausgeblieben und die Populationen sind dort seit 2002 stabil. Der Weltbestand wurde im Rahmen der Beurteilung von 2016 mit 3-7 Millionen erwachsenen Vögeln angenommen

Der internationale Handel ist nach CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang I der Vogelschutzrichtlinie der EU (RL 2009/147/EG)  sowie jeweils unter  Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume, der Bonner Konvention über wandernde Tierarten (CMS) und des African-European Waterbird Agreements (AEWA).

Situation in Mitteleuropa: In Deutschland gilt der Wachtelkönig als stark gefährdet, in Österreich und der Schweiz als vom Aussterben bedroht. In der Schweiz verzeichnete aber ein im Jahre 1996 lanciertes, breit angelegtes Artenschutzprogramm des Schweizer Vogelschutzes SVS – BirdLife Schweiz in den letzten Jahren erste Erfolge, so dass nach den zahlenmässig sehr mageren 1990er-Jahren wieder vermehrt singende Wachtelkönige  auszumachen sind und mehrere Bruten erfolgreich verliefen [6]. BIRDLIFE gibt die Zahl der rufenden Hähne mit 2'300-4'100 für Deutschland, 200-500 für Österreich, 1-2 für Liechtenstein und 12-41 für die Schweiz an. Neuere Angaben aus der Schweiz lauten auf 15-40 Brutpaare [1; 7].

Zoogestütztes Artenschutzprojekt (Beispiel):

  • Der in Österreich einst weit verbreitete Wachtelkönig ist heute stark gefährdet. Der Tiergarten Schönbrunn, der Wiesen im Wienerwald bewirtschaftet, auf denen Wachtelkönige brüten, trägt zum Schutz der Art bei, indem er die Mahdtermine nach der Brutzeit richtet und auf künstliche Düngung verzichtet. mehr ...

Bedeutung für den Menschen

Der Wachtelkönig wird gebietsweise als Sport gejagt oder - laut IUCN - für den internationalen Tierhandel gefangen [1]. Zumindest früher wurde er im Mittelmeerraum für die Küche geschossen [2].

Früher gab es den Volksglauben, dass der Wachtelkönig die Wachteln beherrsche und ihre Züge anführe. Wie dies zustande kam, ist unklar, zumal Wachtelkönig und Wachtel nicht zur selben Zeit ziehen [2].

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts beklagten sich viele Leute über die zahlreichen balzenden Wachtelkönige, die sie durch ihr unermüdliches nächtliches Rufen - bis zu 10'000-mal pro Nacht - um ihren Schlaf brachten. Der Doppelruf klingt aus der Distanz wie "crex-crex", daher der wissenschaftliche Name Crex crex für diese Art [7]. Darüber hinaus erhielt der kleine Rallenvogel in früheren Zeiten zahlreiche lautmalerische Vulgärnamen wie „Wiesenknarre“, „Schnärz“, „Schnerper“, „Schnarrwachtel“, oder „knarrendes Rohrhuhn“. Heute sind seine Rufe selten geworden und er wird eher mit der unverwandten Wachtel verwechselt (PM Zoo Heidelberg vom 04.08.2016).

Haltung

Es wird berichtet, dass der Wachtelkönig Singvögel tötet und auffrisst [2]. Das Höchstalter im Zoo wird mit 8 Jahren und 5 Monaten angegeben [4; 8].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 10 Zoos gezeigt, von denen sich über die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Rallen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Wachtelkönig wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Rallus Crex" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die Art ist monotypisch. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Crex wurde 1803 von Johann Matthäus BECHSTEIN, dem Leiter der Herzöglichen Forstakademie Dreißigacker bei Meiningen eingeführt. Zur Gattung Crex gehören zwei Arten, von denen eine bisweilen in die Gattung Crecopsis gestellt wird [3].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Crex crex. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22692543A86147127. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22692543A86147127.en und (2015). Crex crex. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T22692543A60016665. Downloaded on 27 September 2019.
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  4. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. HEER, L. (2002)
  7. KNAUS, P., MÜLLER, C., SATTLER, T., SCHMID, H. & STREBEL, N (2019)
  8. MAUMARY, L. , VALLOTTON, L. & KNAUS P. (2007)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx