Habichtartige

Weißschwanz-Seeadler

Weißschwanzseeadler (Haliaeetus albicilla) im Vogelpark Marlow Weißschwanzseeadler (Haliaeetus albicilla) im Vogelpark Marlow
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Greifvögel (ACCIPITRIFORMES)
Unterordnung: Habichtartige und Fischadler (ACCIPITRES)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Seeadler (Haliaeetinae)

D LC 650

Weißschwanzseeadler

Haliaeetus albicilla • The White-tailed Eagle • Le pygargue à queue blanche

213-003-024-001 haliaeetus albicilla marlow PD2
Weißschwanzseeadler (Haliaeetus albicilla) im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Gefährdung und Schutz: Seit in den 1970er Jahren die Verwendung von DDT verboten wurde, haben sich die zuvor dezimierten Bestände erholt und nehmen weiterhin zu. Da die Art auch weit verbreitet ist, gilt sie nicht mehr als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN)

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang I eingewschränkt. Die Art fällt unter Anhang I der Vogelschutzrichtlinie der EU, Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume sowie Anhang 2 der Bonner Konvention über wandernde Tierarten.

Verbreitung: Asien : Afghanistan, China, Indien, Irak, Iran, Israel, Japan, Kasachstan, Kirgistan, Korea Rep., Korea VR, Mongolei, Nepal, Pakistan, Syrien, Taiwan, Turkmenistan,
Europa : Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland,  Estland, Färöer, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Grönland, Island, Kroatien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschech. Republik, Türkei, Ukraine, Ungarn, Usbekistan, Weißrussland, wiederangesiedelt in Großbritannien, Irrgäste auch in anderen Ländern

213-003-024-001 preussen adler
Preußischer Adler mit gelbem Schnabel. Beim Adler des Deutschen Kaiserreichs war im Gegensatz dazu der Schnabel rot.
Besonderes: Mit einer Spannweite von 2.4 m ist der Seeadler der größte und kräftigste Adler Europas. Von anderen europäischen Adlern (Aquila spp.) unterscheidet er sich namentlich durch den gelben Schnabel und dadurch, dass das untere Drittel der Ständer unbefiedert ist. Die tagaktive Art besiedelt Feuchtgebiete und waldreiche Uferzonen an vogel- und fischreichen Flüssen und Seen. Die Seeadler ernähren sich von toten und kranken Fischen, jagen aber auch Vögel und Säugetiere, fressen Aas oder jagen anderen Vögeln wie Krähen oder Kormoranen  ihre 213-003-024-001 Bundesadler at
Der aus dem Wappen des Kaiserthums Oesterreich hervorgegangene österreichische Bundesadler, bei dem Schwert, Szepter und Reichsapfel durch Hammer und Sichel sowie gesprengte Ketten ersetzt wurden
Beute ab.

Die direkte Verfolgung durch Jäger und Eiersammler führte im 19. Jahrhundert zu einer massiven Reduktion der Bestände und einer Verkleinerung des Brutgebiets. In Österreich wurde er damals ausgerottet und auch aus Süddeutschland, wo es z.B. bis 1897 noch besetzte Horste bei Heidelberg gab, verschwand er als Brutvogel. Einen weiteren Aderlass erlitt die europäische Population nach dem 2. Weltkrieg durch den Einsatz von DDT in der Landwirtschaft. Heute gibt es in Europa (ohne Russland) wieder über 3000 Brutpaare, wovon über die Hälfte an der Atlantikküste 213-003-024-001 seeadler stamp DE
Briefmarke der Deutschen Bundespost mit Seeadler-Motiv. 1991, 140 Pf.
Norwegens zu finden sind.

Kulturelle Bedeutung: Der Adler ist seit der Antike ein beliebtes Motiv in der Heraldik, weil er Mut, Weitblick und Kraft symbolisiert und als "König der Lüfte" oder Götterbote gilt. Meist ist allerdings nicht klar, ob mit "Adler" nun der Steinadler, der Kaiseradler oder der Seeadler gemeint ist. Bei dem mit Reichsapfel und Szepter versehenen preußischen und dem Hammer und Sichel haltenden österreichischen Adler kann man wegen des gelben Schabels vermuten, dass es sich um Seeadler handelt. Aber vielleicht ist die Schnabelfarbe auch nur Ausdruck künstlerischer Freiheit, wie dies beim deutschen Bundesadler und dessen Vorgänger, dem Reichsadler, der Fall ist, der einen roten Schnabel hat, was es bei realen Adlern nicht gibt.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 160 Zoos und Falkenhöfen gehalten, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Literatur:

  1. MAUMARY, L. et al. (2007)
  2. STEMMLER, C. (1932)

Zurück zu Übersicht Greifvögel

Weiter zu Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus)

Gelesen 525 mal Letzte Änderung am Sonntag, 24 Juni 2018 14:31
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx