Falken und Sekretäre

Schopfkarakara

Schopfkarakara (Caracara plancus) im Jardín zoológico Salto, Uruguay Schopfkarakara (Caracara plancus) im Jardín zoológico Salto, Uruguay
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Greifvögel (ACCIPITRIFORMES/FALCONIFORMES)
Unterordnung: Falken (FALCONES)
Familie: Falken und Geierfalken (Falconidaee)
Unterfamilie: Geierfalken (Polyborinae)

D LC 650

Schopfkarakara

Caracara plancus • The Southern Crested Caracara • Le caracara huppé ou caracara à crête

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Schopfkarakara (Polyborus = Caracara plancus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Schopfkarakaras (Polyborus = Caracara plancus)

 

 

 

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Schopfkarakara (Polyborus = Caracara plancus) im ZooPark Erfurt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Schopfkarakara (Polyborus = Caracara plancus) im Zoo von Montevideo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Schopfkarakara (Polyborus = Caracara plancus) im Jardín zoológico Salto, Uruguay © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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"Carancho (Polyborus Tharus)" = Caracara plancus. Illustration aus BREHMS THIERLEBEN (1882-1887). Gemeinfrei

 

 

 

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Der Schopfkarakara ist der auffälligste der südamerikanischen Geierfalken. Obwohl selbst nicht gefährdet lässt er sich daher als Botschafter für Natur- und Artenschutz in den offenen Landschaften Südamerikas einsetzten. In europäischen Zoos wird er mit mittlerer Häufigkeit gehalten

Körperbau und Körperfunktionen

Der Schopfkarakara erreicht eine Gesamtlänge von 49-59 und eine Flügelspannweite von 120-132 cm. Die Körpergewichte variieren von ca. 800 g in Panama bis 1'600 g in Chile und Peru, was die Bergmannsche Regel bestätigt. Seine Läufe sind relativ lang, die Zehen dagegen kurz. Sein Schnabel hat keinen "Falkenzahn". Er hat einen schwarzen Schopf, eine ausgedehnte orangefarbene Wachshaut und eine weiße untere Gesichtshälfte und Kehle. Rücken, Brust und Schwanz sind schwarz-weiß gebändert. Läufe und Füße sind gelborange [4; 7; 8].

Verbreitung

Südamerika: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Paraguay, Peru, Uruguay [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Schopfkarakara besiedelt Feuchtgebiete, Steppen und dünn bestandenes Waldland vom Meeresspiegel bis auf eine Höhe von 2'600 m. Er ernährt sich hauptsächlich von Aas, Strandgut, Haushaltabfällen und toten oder sterbenden Fischen. Er fängt auch lebende Beute, wie Sumpfschildkröten, Echsen, Schlangen, Krabben und Insekten, und bisweilen tun sich ein paar Vögel zusammen, um größere Beute zu jagen. Er plündert auch Vogelnester, frisst Fruchtfleisch von Kokosnüssen und macht sich bei Bauern dadurch unbeliebt, dass er Hühnerküken vom Hof stiehlt und neugeborene Lämmer anfrisst [1; 2; 4; 6].

In baumbestandenen Gebieten nistet der Schopfkarakara in dichtbelaubten Bäumen, in unbewaldeten Gegenden auch am Boden. Die zumeist 2 (1-4) Eier sind weiß bis rötlich und rotbraun gesprenkelt [6].

Gefährdung und Schutz

Die Gesamtpopulation ist unbekannt, aber der Schopfkarakara ist eine häufige Art. Sein Verbreitungsgebiet ist sehr groß und es wird angenommen, dass die Bestände als Folge der Umwandlung von Wald in Weideland eher zunehmen. Deshalb wird er nicht als gefährdet beurteilt (Rote Liste: LEAST CONCERN).

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt. Die Art fällt unter Anhang II der Bonner Konvention über wandernde Tierarten.

Bedeutung für den Menschen

Laut IUCN werden Schopfkarakaras für den internationalen Tierhandel gefangen [1]. In den letzten Jahren war dies allerdings nicht mehr der Fall.

Von 2001-2018 gelangten aus den Ursprungsländer 102 Wildfänge in den legalen internationalen Handel, bis auf 2 kamen alle aus Paraguay. Im selben Zeitraum wurden weltweit 41 Nachzuchtvögel bei der Ausfuhr registriert. Diese kamen hauptsächlich aus Mitgliedstaaten der EU [3].

Haltung im Zoo

Als Höchstalter werden 44 Jahre und 2 Monate angegeben, erreicht von einem Vogel im Londoner Zoo [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa 80 zoologischen Einrichtungen gehalten, von denen sich rund ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: 1995 veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BMELF) Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen. Diese werden gegenwärtig (Oktober 2019) überarbeitet und sollen als Leitlinien zur Haltung von Greifvögeln (Accipitriformes, Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) neu herausgegeben werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für 1-2 Großfalken eine Voliere mit einer Grundfläche von 20 m² und einem Volumen von 60 m³ vor. Für jeden weiteren adulten Vogel ist die Grundfläche um 4 m² zu vergrößern. Die Vorgängerverordnung sah halb so große Dimensionen vor. Die Erhöhung erfolgte ohne Angabe von Gründen. Für Schauflüge eingesetzte Vögel dürfen nur im nicht öffentlich zugänglichen Bereich der Tierhaltung an der Fessel gehalten werden.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für die Haltung von 1-2 Wanderfalken eine Voliere mit einer Grundfläche von 10 m² bei 2.5 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 5 m² zu erweitern. Für die falknerische Haltung gelten besondere Anforderungen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Schopfkarakara wurde 1779 von dem englischen wissenschaftlichen Illustrator John Frederick MILLER unter dem Namen "Falco plancus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der heute gebräuchliche Gattungsname Polyborus wurde 1816 von dem französischen Ornithologen Louis Jean Pierre VIEILLOT eingeführt. Neuerdings wurde vorgeschlagen, die Art in die Gattung Caracara einzuordnen, was im HANDBOOK abgelehnt, in der CHECKLISTE von 2014 und der Roten Liste der IUCN jedoch übernommen wurde. Es wurden vier Unterarten anerkannt, von denen eine als Caracara cheriwayi kürzlich zu einer eigenen Art aufgewertet wurde [1; 4; 5].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Caracara plancus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22733377A95058702. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22733377A95058702.en . Downloaded on 20 October 2019.
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
  5. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J., eds. (1999)
  6. DUBS, B. (1982)
  7. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  8. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)

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Gelesen 1512 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 24 Oktober 2019 09:16
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