Rinder und Waldböcke

Hausyak

Hausyak-Bulle (Bos mutus f. grunniens) im Naturschutz-Tierpark Görlitz Hausyak-Bulle (Bos mutus f. grunniens) im Naturschutz-Tierpark Görlitz
NTP Görlitz

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Unterfamilie: Echte Rinder (Bovinae)
Tribus: Rinder i. e. S. (Bovini)

D NB 650

Hausyak

Bos (Poephagus) mutus • The Domestic Yak • Le yack domestiqué

119 009 002 005 bos grunniens capFerat PD1
Hausyak-Bulle (Bos mutus f. grunniens) im ehemaligen Parc zoologique du Cap Ferrat, Saint-Jean-Cap-Ferrat © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

119 009 002 005 bos grunniens map
Approximative Hauptverbreitung des Hausyaks (Bos mutus f. grunniens)

 

 

119 009 002 005 bos grunniens planete PD1
Hausyak-Bulle (Bos mutus f. grunniens) imn La Planète Sauvage, Port-Saint-Père © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

119 009 002 005 bos grunniens planete PD2
Hausyak-Kuih (Bos mutus f. grunniens) in La Planète Sauvage, Port-Saint-Père © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

119 009 002 005 bos grunniens cottbus KR1
Hausyak-Herde (Bos mutus f. grunniens) im Tierpark Cottbus © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

119 009 002 005 bos grunniens goerlitz PD1
Hausyak-Kuh (Bos mutus f. grunniens) im Naturschutz-Tierpark Görlitz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

119 009 002 005 bos grunniens branfere PD1
Hornlose Hausyak-Kuh (Bos mutus f. grunniens) im Parc animalier et botanique de Branféré, Le Guerno © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

119 009 002 005 bos grunniens madrid KR1
Hausyaks (Bos mutus f. grunniens) im Zoo Madrid © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

119 009 002 005 bos grunniens cottbus KR2
Hausyak-Kalb (Bos mutus f. grunniens) im Tierpark Cottbus © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

119 009 002 005 bos grunniens peaugres KR1
Hausyaks (Bos mutus f. grunniens) im Safari de Peaugres © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

119 009 002 005 bos grunniens walterzoo PD1
Hausyaks (Bos mutus f. grunniens) im Walter Zoo, Gossau SG © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Der Hausyak ist die domestizierte Form des gefährdeten Wildyaks. Seine Domestikation begann wohl vor etwa 4500 Jahren, was aber nicht sehr sicher ist. Er hat eine große wirtschaftliche Bedeutung in Zentralasien und wird zunehmend auch von Landwirten in Mitteleuropa gehalten. In Zoos ist er sehr oft zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Von der Gestalt her ist der Yak mit seinem Pferdeschwanz und seinen seitlichen Mähnen ein eher atypisches Rind. Alfred BREHM [1] beschreibt den (Haus-)Yak wie folgt: "Der Leib ist durchgehends stark und kräftig gebaut, der Kopf mäßig groß, sehr breit, von der langen und hohen, aber flachen Stirn nach der plumpen, kolbenartigen Schnauze zu gleichmäßig verschmächtigt, die Nase vorgezogen, das schmale Nasenloch schief nach vorn gestellt, die seitlich von ihm begrenzte breite Muffel unten auf der Oberlippe zu einem schmalen Streifen verschmälert, das Auge klein und von blödem Ausdrucke, sein schmaler Stern quergestellt, das Ohr klein und gerundet, überall stark behaart, das Gehörn hinten zu beiden Seiten der Stirnleiste aufgesetzt, von oben nach unten zusammengedrückt, vorn rund, hinten zu einer Kante ausgezogen, an der Wurzel deutlich, aber flach gewulstet, zuerst nach seitwärts, hinten und außen, sodann wieder nach vorn und oben, mit der Spitze nach außen und hinten gewendet, ... der Schwanz lang und mit einer buschigen, bis auf den Boden herabreichenden Quaste geziert, das Bein kurz, kräftig, der Huf groß, breit gespalten und mit wohlentwickelten Afterhufen versehen. Das Kleid besteht durchgehends aus feinen und langen Haaren, welche auf der Stirne bis zum Hinterkopfe krauslockig und wellig sind, oft bis über das ganze Gesicht herabfallen, auf dem Widerriste und längs beider Seiten zu einer schwer herabhängenden, vorhangartigen, sanft welligen Mähne sich verlängern, welche, wie die überaus reiche, roßschweifähnliche Schwanzquaste, auf dem Boden schleift, wogegen Bauch und Innenseite der Oberschenkel und Arme sowie die Beine vom Elnbogen oder Kniegelenk an abwärts nur mit glatten, kurzen, schlichten Haaren bekleidet sind. ... Die Gesammtlänge alter Stiere beträgt 4,25, die des Schwanzes ohne Haar 0,75, die Höhe bis zum Buckel 1,9 Meter, die Länge der Hörner 80 bis 90 Centimeter, das Gewicht 650 bis 720 Kilogramm, die Länge einer alten Kuh dagegen kaum über 2,8, die Höhe 1,6 Meter, das Gewicht 325 bis 360 Kilogramm."

Der Yak hat einen sehr langen Rücken bedingt durch das Vorhandensein von 14 Rippenpaaren anstatt 13 wie bei anderen Rindern. Der Widerrist ist durch Verlängerung der Dornfortsätze des 7. Halswirbels und der Brustwirbel stark erhöht. Es gibt vom Hausyak mehrere Farbschläge, auch Schecken sowie hornlose Schläge [5].

Verbreitung

Der Wildyak kommt heute noch in den Hochländern Chinas (Tibet) und Indiens (Ladakh) vor [3]. Der Hausyak ist in Südsibirien, der Mongolei und der ganzen Himalayaregion, d.h. Afghanistan, Bhutan, China (Autonome Region Tibet und mehrere Provinzen), Indien, Nepal und Pakistan weit verbreitet [9].

Lebensraum und Lebensweise

Wildyaks besiedeln alpine Tundra, Grasländer und winterkalte Wüsten in Höhenlagen von 4'000 bis 6'100 m. Der Hausyak kommen auch in tieferen Lagen vor. Seine grunzenden Lautäußerungen, die er im Gegensatz zum Wildyak häufig hören lässt, haben ihm den Namen "Grunzochse" eingetragen. Nach einer Tragzeit von 255-270 Tagen wird in der Regel ein einzelnes Kalb mit einem Gewicht von etwa 20 kg geboren [5; 6].

Gefährdung und Schutz der Wildform

Der Wildyak ist eine gefährdete Tierart (Rote Liste: VULNERABLE), die nach CITES Anhang I nicht für primär gewerbliche Zwecke international gehandelt werden darf [3].

Haltung und Nutzung

Nach Angaben der FAO beträgt der Weltbestand an Hausyaks etwa 12 Millionen Tiere. Davon leben etwa 4 Millionen in der Autonomen Region Tibet, 7 Millionen in verschiedenen Provinzen Chinas, 600'000 in der Mongolei und 100'000 in Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Nebst reinen Yaks gibt es noch eine erhebliche Zahl Hybriden zwischen Yaks und Hausrindern [9].

Yaks werden hauptsächlich genutzt als Lasttiere und Lieferanten von Fleisch-, Grannenhaaren, die zu Garn versponnen werden, Wolle und Häuten. Schwänze werden lokal als Fliegenwedel benutzt. Der Yakmist ist in den baum- und strauchlosen Hochebenen Tibets oft der einzige Brennstoff. Da keine Milchrassen herausgezüchtet wurden, ist die Milchleistung sehr gering, was auch der Grund für die Einkreuzung von Hausrindern ist. Die Milch hat einen Fettgehalt von etwa 7-8% und wird hauptsächlich, auch in Form von Butter, Buttermilchprodukte, Käse und Trockenmilchmasse von den Haltern und ihren Familien selbst konsumiert [5; 9].

Im Zoo können Yaks gemeinsam mit anderen Tierarten, wie z.B. Kamelen, Ziegenverwandten oder Equiden gehalten werden [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 140 Zoos gehalten, von denen sich gut ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. Daneben halten auch zahlreiche Landwirtschaftbetriebe Yaks zur Fleischproduktion oder für Trekking. Allein in der Schweiz gibt es etwa 50 Betriebe mit rund 600 Tieren [10].

Das von WEIGL angegebenen Höchstalter im Zoo liegt bei 26 Jahren und 3 Monaten, erreicht von einem im Whipsnade Wild Animal Park gehaltenen weiblichen Tier [8].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 ist auf domestizierte Yaks anwendbar. Für bis zu 5 Tiere soll ein Gehege von 400 m² mit Unterstand vorhanden sein, für jedes weitere Tier 30 m² mehr. Bei extensiver Weidehaltung sind für jedes Tier 5'000 m² vorzusehen. Dies steht im Gegensatz zum Merkblatt 103 der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz [7], das für Yaks nur 4'000 m² vorgibt, was in Anbetracht der vergleichsweise geringen Körpermasse der weiblichen Yaks zweifellos gerechtfertigt ist.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) assimiliert den Hausyak dem Hausrind, angesehen davon, dass die Anbindehaltung verboten ist und dass Abkühlmöglichkeiten vorgesehen werden müssen.

In Österreich ist nicht ganz klar, ob Hausbüffel den Hausrindern zugerechnet werden und somit unter die 1. Tierhaltungsverordnung fallen. Sollte dies nicht zutreffen, ist für bis zu 5 Tieren ein Gehege von 800 m² erforderlich und für jedes weitere 80 m² mehr. Ferner muss ein geeigneter Unterstand zum Schutz gegen Witterungsverhältnisse vorhanden sein.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Hausyak wurde 1766 von Carl von LINNÉ als Bos grunniens erstmals wissenschaftlich beschrieben. 1883 beschrieb der russischen Forschungsreisende Nikolaj Michajlowitsch PRZEWALSKI den Wildyak als Poephagus mutus. Poephagus wurde in der Folge als Untergattung von Bos angesehen. 1958 wurde vorgeschlagen, dass grundsätzlich der Name der Wildform Vorrang vor dem Namen der Haustierform haben soll, was, wie im vorliegenden Fall, der Prioritätsregel widerspricht, wenn das Haustier vor dem Wildtier beschrieben wurde. Der Name der Wildtierform sollte im Falle von Haustieren durch "forma [Haustiername]" (oder "forma domestica") ergänzt werden, im vorliegenden Fall also: Bos mutus f. grunniens. 2003 legte die Internationale Nomenklatur-Kommission Bos mutus als offiziellen Artnamen fest [1; 3; 4].

Literatur und Internetquellen

  1. BOHLKEN, H. (1958)
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. BUZZARD, P. & BERGER, J. (2016). Bos mutus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T2892A101293528. http://www.iucnredlist.org/details/2892/0. Downloaded on 12 June 2018.
  4. GROVES, C.P. & GRUBB, P. (2011)
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  7. SAMBRAUS, H.H. & SPANNL-FLOR, M. (2006)
  8. WEIGL, R. (2005)
  9. WIENER, G., JIANLIN, H. & RUIJUN, L. (2003)
  10. www.landwirtschaft.ch/wissen/tiere/weitere-tiere/yak/

Zurück zu Übersicht Paarzeher

Weiter zu Wasserbüffel (Bubalus arnee f. bubalis)

Gelesen 687 mal Letzte Änderung am Samstag, 04 Mai 2019 07:03
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx