Krallenaffen

Rotbauchtamarin

Rotbauchtamarin (Saguinus labiatus) im Zoo Eberswalde Rotbauchtamarin (Saguinus labiatus) im Zoo Eberswalde
© Zoo Eberswalde

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Neuwelt- oder Breitnasenaffen (Platyrrhini)
Familie: Krallenaffen (Callitrichidae)

D LC 650

Rotbauchtamarin

Saguinus labiatus • The The Red-chested Tamarin • Le tamarin labié

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Rotbauchtamarin (Saguinus labiatus) mit Jungen im Zoo Basel © Zoo Basel (Pressefoto)

 

 

 

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Aproximative Verbreitung des Rotbauchtamarins (Saguinus labiatus)

 

 

 

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Rotbauchtamarin (Saguinus laniatus) im Zoo Singapur © Nils Axel Braathen. Veröffentlicht auf Flickt unter einer Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0) License

 

 

 

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Rotbauchtamarin (Saguinus labiatus) mit Jungen im Zoo Basel © Zoo Basel (Pressefoto)

 

 

 

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Der Rotbauchtamarin ist keine gefärdete Tierart, eignet sich aber mit seiner auffälligen Lippenzeichnung und seinem roten Bauch gut als Botschafter für die Erhaltung des Amazonas-Regenwalds. Er wird daher recht oft in Zoos gehalten, kommt an Beliebtheit aber nicht an manche anderen Tamarinarten heran.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Rotbauchtamarin erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 26 (21-28) cm und eine Schwanzlänge von 34-39 (30-41) cm. Das Gewicht liegt zwischen 400 und 530 g. Die Gesichtshaut ist dunkel pigmentiet und weitgehend von kurzen schwarzen Haaren bedeckt, ausgenommen sind Nase und Oberlippen, hier ist die Haut rosa und sind die Haare weiß. Die Körperbehaarung ist schwarz bis auf den auffällig rötlich oder orange gefärbten Bauch [5; 6].

Verbreitung

Tropisches Südamerika: Bolivien, Brasilien (Amazonas, Rondônia), Peru [3].

Lebensraum und Lebensweise

Rotbauchtamarine besiedeln immergrüne und teilweise laubabwerfende Wälder. Sie fehlen in Wäldern mit alten Bäumen und wenig Unterholz. Sie sind tagaktiv und verbringen die Nacht 9-18 m über dem Boden in Baumhöhlen, Astgabeln, alten Termitennestern, dichtem Geäst oder Lianen.  Sie ernähren sich von kleineren Früchten, Baumsaft, insbesondere Gummiexsudat der Hülsenfrüchte von Parkia pendula, und Nektar, sowie Kleingetier, das sie von der Baumrinde ablesen. Sie leben in Gruppen von bis zu 10 Tieren, die oft 2-3 adulte Männchen und 2-3 adulte Weibchen umfassen. Zudem bilden sie gemischte Gruppen mit  Braunrücken- (Saguinus fuscicollis) und gelegentlich mit Springtamarinen (Callimico goeldii). Ihre  Streifgebiete haben eine Fläche von etwa 30-35 ha [5; 6].

In ihrem Ursprungsgebiet bringt das dominante Weibchen der Gruppe nach einer Tragzeit von 140-150 Tagen seine in der Regel 2 Jungen im Oktober-November zur Welt. Das Geburtsgewicht wird mit 44 g angegeben [5; 6].

Gefährdung und Schutz

Der Rotbauchtamarin gehört gemäß einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 nicht zu den gefährdeten Tierarten (Rote Liste: LEAST CONCERN), da er eine stabile Population hat und in den am wenigsten beeinträchtigten Regionen Lateinamerikas vorkommt.

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Rotbauchtamarine werden kaum gejagt, aber in einem gewissen Umfang für den lokalen Heimtiermarkt gefangen [3]. Von 1977-2017 wurden Bolivien und Peru nebst etwas Wissenschaftsmaterial 5'041 bzw. 186 lebende Wildfänge zur Ausfuhr bewilligt. Im selben Zeitraum wurden weltweit 334 Nachzuchttiere (am meisten aus Großbritannien und den Niederlanden) exportiert [2].

Haltung

Der älteste bekannte Rotbauchtamarin, ein Weibchen, lebte von 1992 bis 2009 im Tierpark Berlin und erreichte ein Alter von 20 Jahren und 6 Monaten. Es brachte 20 Jungtiere in 11 Würfen zur Welt, wovon 12 aufgezogen wurden. Die letzte Geburt ereignete sich im Alter von 16 Jahren. Das älteste bekannte Männchen lebte im Zoo Amsterdam und wurde 20 Jahre und 5 Monate alt [4].

Nach den "Best practice"-Leitlinien der EAZA soll Tamarinen tagsüber ein Gesamtvolumen (innen / außen) von 22.5 m³ (9 m² / 2.5 m³) zur Verfügung stehen, wobei das Innengehege unterteilbar sein soll [1]. [1].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 60 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Fünftel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Das Europäische Zuchtbuch (ESB) wird am Parc ZOO du Reynou in Frankreich geführt.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL fordert für alle Tamarine ein Innen und ein Außengehege von je 10 m² Grundfläche und 2.5 m Höhe für jeweils ein Paar mit bis zu zwei Nachzuchten. Für jedes weitere Tier ist bei gleicher Gehegehöhe die Grundfläche um 1,5 m² zu erhöhen. Leider sah sich der Leiter der Unterarbeitsgruppe, die das Primatenkapitel verfasst hatte, außerstande, die Frage zu beantworten, ob es sich bei den „bis zu zwei Nachzuchten“ um zwei Jungtiere oder um zwei Würfe von in der Regel Zwillingen handelt. Die Anforderung ist zudem weder durch konkrete wissenschaftliche Daten noch durch Tierhaltererfahrung erhärtet. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos vertraten daher im Differenzprotokoll den Standpunkt, dass aufgrund von Tierhaltererfahrung und mangels festgestellter Probleme die Anforderungen des Gutachtens’96 beibehalten werden sollten, d. h. ein Innen- und gegebenenfalls ein Außengehge (es ist zu beachten. dass in vielen Fällen die Voraussetzungen nach Ziffer II.1.9 dieses Gutachtens erfüllt sein dürften, sodass auf ein Außengehege verzichtet werden kann) von je 5 m² Grundfläche und 2.0 m Höhe für jeweils eine funktionierende Familiengruppe, d.h. Eltern und so viele Nachkommen, wie von diesen toleriert werden.

Ferner gibt das Säugetiergutachten als Futtergrundlage „ vielseitiges Obst und Gemüse“ an, Da der Zuckergehalt der auf dem Markt erhältlichen Obstsorten generell sehr hoch ist, sind die Zoos dazu übergegangen, den Obstanteil zu Gunsten des Gemüses zu reduzieren und auf das Verfüttern von Tomaten, Paprika, Zitrusfrüchten, Ananas, Kiwis und Trauben ganz zu verzichten  [1].

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Innengehege mit einer Fläche von 3 m² und 2 m Höhe vor. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 0.5 m² zu ergänzen.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen. Dazu ist ein Innengehege mit einer Fläche von 10 m² und einer Höhe von 2.5 m erforderlich.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Rotbauchtamarin wurde 1812 durch Étienne GEOFFROY SAINT-HILAIRE, den Begründer des ersten bürgerlichen Zoos, der Ménagerie im Jardin des Plantes von Paris, unter dem Namen "Midas labiatus" erstmals beschrieben. Später wurde er in die vom deutschen Naturforscher Johann Centurius HOFFMANNSEGG bereits 1807 für "Saguinus ursula" den Rot- bzw. Schwarzhandtamarin aufgestellte Gattung Saguinus überführt. Es werden drei Unterarten anerkannt [3; 5; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. CARROLL, B. (ed., 2002) / BARRÃO RUIVO, E. (ed. 2010)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. MITTERMEIER, R.A. & WALLACE, R.B. (2008). Saguinus labiatus. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T41524A10489459. http://www.iucnredlist.org/details/41524/0. Downloaded on 18 May 2018.
  4. PAULY, A. (2009)
  5. SCHRÖPEL, M. (2010)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 421 mal Letzte Änderung am Sonntag, 09 Dezember 2018 15:34
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx