Nebengelenk- und Schuppentiere

Kleiner Ameisenbär, Tamandua

Tamandua im Zoo Frankfurt Tamandua im Zoo Frankfurt
© Christian R. Schmidt

Überordnung: Zahnarme, Nebengelenktiere (XENARTHRA)
Ordnung: Panzerlose Nebengelenktiere (PILOSA)
Unterordnung: Wurmzüngler (Vermilingua)
Familie: Ameisenbären (Mymecophagidae)

D LC 650

Kleiner Ameisenbär, Tamandua

Tamandua tetradactyla • The Southern Tamandua • Le tamandou du sud

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Paraguay-Tamandua (Tamandua tetradactyla straminea) im Zoo Krefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung der Kleinen Ameisenbären (Tamandua spp.); dunkelblau: tetradactyla; rot: mexicana)

 

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Paraguay-Tamandua (Tamandua tetradactyla straminea) im Zoo Frankfurt © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Paraguay-Tamandua (Tamandua tetradactyla straminea) im Zoo Krefeld © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Langschwanz-Tamandua (Tamandua tetradactyla nigra) im Tierpark Berln © Carlos Frey, Tierpark Berlin

 

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Langschwanz-Tamandua (Tamandua tetradactyla nigra) im Tierpark Berln © Carlos Frey, Tierpark Berlin

 

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Peruanischer Tamandua (Tamandua tetradactyla quichua), melanistisches Exemplar im Zoológico Huachipa, Lima © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Peruanischer Tamandua (Tamandua tetradactyla quichua), melanistisches Exemplar (mit hellem Schwanz) im Zoológico Huachipa, Lima © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Tamandua (Tamandua tetradactyla) im Zoo Olmütz © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Tamandua (Tamandua tetradactyla) im Zoo Olmütz © Zoologická Zahrada Olomouc (Pressefoto)

 

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Paraguay-Tamandua (Tamandua tetradactyla straminea) im Zoo Barcelona © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Mit seiner röhrenförmigen Schnauze, der 40 cm langen Zunge und dem nur spärlich behaarten Greifschwanz zählt der Tamandua , auch Kleiner oder Mittlerer  Ameisenbär genannt, wohl zu den außergewöhnlichsten Säugetieren der Welt. Er ist in etlichen europäischen Zoos zu sehen, allerdings längst nicht so häufig wie sein großer Verwandter.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Tamandua erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 54-58 cm, der Schwanz ist nur wenig kürzer, die Schulterhöhe beträgt etwa 30-35 cm und das Gewicht liegt bei ungefähr 3-5 kg. Die Zunge ist etwa 40 cm lang, Zähne sind keine vorhanden. Die Vorderfüße tragen 4 voll entwickelte Zehen mit langen Krallen. An den Hinterfüßen befinden sich 5 kurze Zehen. Der Schwanz ist als Greiforgan ausgebildet. Das Fell ist allgemein kurz und borstig, am Schwanzansatz länger und gegen die Schwanzspitze kürzer werdend. Fellfarbe und Muster sind  sehr variabel. Viele Tiere tragen eine schwarze Weste auf gelbbraunem oder hellbraunem Grund, andere sind überwiegend beigefarben und manche ganz oder fast ganz schwarz [1; 2].

Verbreitung

Südamerika östlich der Anden von Venezuela bis nach Argentinien: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Ekuador, Französisch Guiana, Guyana, Kolumbien, Paraguay, Peru, Surinam, Trinidad und Tobago, Uruguay, Venezuela. Eine nahe verwandte Art (Tamandua mexicana) lebt in Mittelamerika [3].

Lebensraum und Lebensweise

Der Tamandua benötigt Bäume, ist aber ansonsten sehr anpassungsfähig und kann unterschiedliche Lebensräume nutzen. Man findet ihn in an Savannen anschließenden Galeriewäldern, feuchten Tiefland- und Bergwäldern laubabwerfenden Trockenwäldern, Dornwäldern sowie Mangrovenwäldern. Die Höhenverteilung reicht von Seehöhe bis 1'600 m. Er ist ein Einzelgänger, der überwiegend nachtaktiv ist. Während der Große Ameisenbär nur auf dem Boden lebt, nutzt der Tamandua seine Kletterkunst auf Bäumen, wo er sich zu etwa 2/3 der Zeit aufhält. Hilfreich ist ihm dabei sein geschickter Greifschwanz zum Festhalten. Seine Nahrung, die er auf Bäumen und am Boden sucht, besteht hauptsächlich aus Ameisen und Temiten, aber er plündert auch Bienennester um sich Larven und Honig einzuverleiben. Nach einer Tragzeit von 130-180 Tagen werfen die Weibchen einmal jährlich ein einzelnes Jungtier. Wie ihre großen Verwandten tragen sie das Junge am Körper angeklammert, wenn sie die Nester von Baumameisen oder Termiten plündern, häufig setzen sie sie aber auch auf einem Ast ab [1; 2; 3; 5].

Gefährdung und Schutz

Gefährdung und Schutz: Der Tamandua hat eine weite Verbreitung, mutmaßlich einen großen Bestand und kommt in zahlreichen Schutzgebieten vor. Er gilt deshalb aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2013 als nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). Allerdings nimmt der Lebensraum ab [3].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Dagegen figuriert die Population von Guatemala des Nördlichen Tamandu (Tamandua mexicana) in Anhang III.

Bedeutung für den Menschen

Die Bedeutung des Tamanduas für die lokale Bevölkerung ist gering. Gelegentlich werden Tiere getötet, ihr Fleisch gegessen und die Haut zu Lederwaren verarbeitet. Aufgefundene Tiere werden als Heimtiere gehalten, wozu sie sich wenig eignen, oder an einen Zoos verschenkt [3].

Haltung

Der älteste Tamandua in Menschenobhut wurde nach WEIGL etwa 19 Jahre alt. Es handelte sich um einen Wildfang, der 16 Jahre und 7 Monate in nordamerikanischen Zoos lebte [6]. Natürlicherweise verzehren die Tiere enorme Mengen an Ameisen und Termiten. So wurden z.B.  im Magen eines Jungtiers 500 g Ameisen und Ameisenlarven gefunden. Diese Mengen kann der Zoo nicht bereitstellen und  muss daher ein Ersatztfutter bereitstellen, wofür es verschiedene Rezepturen gibt [4; 5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 30 Zoos gehalten, von denen sich gegen ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Seit 2002 gibt es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Dieses wird vom Zoo Krefeld koordiniert, dem 1984 die europäische Erstzucht gelang [4]. Die Tamanduas im Zoo Dortmund sorgten schon in mehr als 30 Fällen für Nachwuchs (PM Zoo Dortmund, PM Tierpark Berlin).

Von den vier nach WILSON & REEDER [7] anerkannten Unterarten werden mindestens deren zwei (straminea und nigra) in europäischen Zoos gehalten.

Wie Tamanduas gehalten werden (Beispiel):
Rio Negro im Zoo Duisburg( ZOOLEX Gallery)

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für ein allfälliges Außengehege eine Mindestfläche von 15 m² bei 2 m Höhe für ein Tier vor und 5 m² zusätzlich für jedes weitere. Das zugehörige Innengehege soll 6 m² für ein Tier und 2 m² für jedes weitere bieten. Ist nur ein Innengehege vorhanden, sollen die Dimensionen des Außengeheges angewendet werden. Die Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt ein Innengehege von 12 m² pro Paar und 4 m² für jedes weitere Tier bei einer Höhe von mindestens 2 m vor. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs fordert ein Außen- und ein Innengehege von 16 m² Fläche und 2.5 m Höhe pro Tier.

Zum Säugetiergutachten bemerkten die Tierschutzsachverständigen der Zoos, dass beim Außengehege auf Flächen- und Volumenangaben verzichtet werden solle, da dieses ohnehin fakultativ sei. Die Dimensionen des Innengeheges seien auf ein Paar zu beziehen und die Dimensionen an die Tierschutzverordnung der Schweiz anzupassen

Taxonomie und Nomenklatur

Der Tamandua wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Myrmecophaga tetradactyla" beschrieben. Der heute gültige Gattungsname Tamandua wurde 1825 von John Edward GRAY vom British Museum in London eingeführt. Bis 1975 ging man von einer einzigen Tamandua-Art aus, dann wurden die mittelamerikanischen Populationen aufgrund von Unterschieden im Skelett als Tamandua mexicana abgetrennt. tetradactyla wird in vier Unterarten unterteilt: T. t. nigra in Nord-Brasilien, Französisch Guaiana, Guyana, Kolumbien, Surinam, Trinidad, Venezuela; T. t. quichua in West-Brasilien (Acre), Ekuador, Peru; T. t. straminea in Argentinien, Bolivien, Südwest-Brasilien, Paraguay, Uruguay; T. t. tetradactyla in Ost-Brasilien. [2; 7].

Literatur und Internetquellen

  1. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  2. HAYSSEN, V. (2011)
  3. MIRANDA, F. et al. (2014). Tamandua tetradactyla. The IUCN Red List of Threatened Species 2014: e.T21350A47442916. http://www.iucnredlist.org/details/21350/0. Downloaded on 20 May 2018.
  4. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  5. SUPERINA, M., MIRANDA, F. & PLESE, T. (2012)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 2927 mal Letzte Änderung am Samstag, 01 Dezember 2018 13:18
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx