Tauchenten, Meerenten und Säger

Gänsesäger

1.0 Gänsesäger (Mergus merganser) im Zoo Augsburg 1.0 Gänsesäger (Mergus merganser) im Zoo Augsburg
P. Bretschneider, Zoo Augsburg

Ordnung: Gänsevögel (ANSERIFORMES)
Unterordnung: Gänseverwandte (Anseres)
Familie: Enten und Gänse (Anseridae)
Unterfamilie: Entenartige (Anatinae)
Tribus: Säger und Meerenten (Mergini)

D LC 650

Gänsesäger

Mergus merganser • The Goosander • Le harle bièvre

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Gänsesäger (Mergus merganser), Erpel auf dem Thunersee © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung derStockente (Anas platyrhynchos). Dunkelblau: Brut- und Ganzjahresgebiete; gelb: Winterquartiere

 

 

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Gänsesäger (Mergus merganser), Ente auf dem Thunersee © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gänsesäger (Mergus merganser), Erpel im Tierpark Lange Erlen, Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gänsesäger (Mergus merganser), Erpel auf dem Thunersee © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gänsesäger (Mergus merganser), Ente auf dem Thunersee © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gänsesäger (Mergus merganser), Gruppe auf dem Thunersee © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gänsesäger (Mergus merganser), Paar im Alpenzoo Innsbruck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gänsesäger aus Conrad Gesners Vogelbuch (1557 / 1600). Gemeinfrei.

 

 

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Der Gänsesäger ist eine einheimische Art, deren Brutbestände bei uns laufend zunehmen, weshalb die Art in Fischereikreisen auf Ablehnung stößt, während Abschüsse bei Vogelschützern grundsätzlich abgelehnt werden. In der entsprechenden politischen Diskussion könnten Zoos versuchen, vermittelnd zu wirken.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Gesamtlänge von 58-66 cm, einer Flügelspannweite von 82-97 cm und Gewichten von etwa 1'300-2'180 bei den Erpeln und 900-1'370 g bei den Weibchen ist der Gänsesäger die größte Art seiner Gattung. Charakteristisch ist der lange und dünne rote Schnabel mit schwarzer Hakenspitze. Der Erpel hat einen metallisch grün glänzenden Kopf mit einem mähnenartigen Schopf. Die Oberseite ist schwarz, Flanken und Bauch sind weiß. Bei den Weibchen ist der Kopf rotbraun und das Körpergefieder ist überwiegend grau [3; 6; 10; 11].

Verbreitung

Die Art kommt als Brutvogel, Gastvogel oder Durchzügler in rund 75 Ländern und abhängigen Gebieten vor [2; 8].

Europa: In Europa brütet der Gänsesäger hauptsächlich im Norden - von den Britischen Inseln und Norddeutschland bis Island, Skandinavien und Sibirien. Daneben gibt es aber auch eine genetisch verschiedene Brutpopulation im nördlichen Alpenvorland, von Savoyen über die Schweiz und Bayern bis nach Österreich. - Albanien, Aserbaidschan, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Moldawien, Montenegro, Niederlande, Nordmazedonien, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrussland. Ausgestorben in Bosnien-Herzegowina.

Asien: Afghanistan, China, Irak, Iran, Kasachstan, Kirgistan, Mongolei, Tadschikistan, Usbekistan, Überwinterungsgebiete auch in Indien, Japan, Pakistan, Nord- und Südkorea.

Nordamerika: Kanada, Saint Pierre und Miquelon, USA.

Lebensraum und Lebensweise

Gänsesäger besiedeln zur Brutzeit baumreiche Gebiete mit fischreichen Flüssen und Seen in Höhenlagen bis 1'900 m. Im Winter sind sie auch im Küstenbereich anzutreffen. Die Nahrung besteht überwiegend aus bis zu 10 cm langen Fischen sowie großen Wasserinsekten, Mollusken, Krebstieren und Würmern. Genistet wird ab März bis Mai in natürlichen oder von Spechten gezimmerten Baumhöhlen vorzugsweise mit einem Innendurchmesser von etwa 25 cm. Die Gelege bestehen aus 8-12 (6-17) dunkel rahmfarbenen, etwa 68x47 mm großen Eiern, die vom Weibchen allein während 30-32 Tagen ausgebrütet werden. Die Küken werden oft auf dem Rücken der Mutter transportiert, die sich bis zu ihrem Flüggewerden im Alter von 66-70 Tagen alleine um sie kümmert. Die Jungen gelangen im Alter von 2 Jahren erstmals zur Fortpflanzung [1; 6; 7, 10; 11, 12].

Gefährdung und Schutz

Mit einer extrem weiten Verbreitung und einem auf 1.7 bis 2.4 Millionen Individuen geschätzten Bestand ist der Gänsesäger nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [2].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang 3 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume, Anhang 2B der Europäischen Vogelschutzrichtlinie (2009/147/EG) Anhang 2 der Bonner Konvention über wandernde Tierarten sowie Anhang 2 des African-European Waterbird Agreements. (AEWA).

Situation in Mitteleuropa: In Deutschland brüten 950-1'100, in Österreich 160-220 und in der Schweiz 600-800 Paare. Im Januar 2020 wurden in der Schweiz 5'828 überwinternde Vögel gezählt. In Österreich ist der Gänsesäger eine geschützte Tierart. In Deutschland und der Schweiz unterliegt er dem Jagdrecht, ist aber ganzjährig geschont. Der schweizerische Bestand, der rund die Hälfte der alpinen Population ausmacht, nimmt, sehr zum Missfallen der Sportfischer, kontinuierlich zu, ebenso wie der Winterbestand, der sich seit 1967 versechsfacht hat. Zur Beruhigung der Gemüter wurden im Rahmen von Spezialabschüssen von 2001-2015 insgesamt 549 Vögel erlegt, seitdem keine mehr [4; 9; 19].

Bedeutung für den Menschen

Der Gänsesäger wird gebietsweise zur Fleischgewinnung, zur Minderung von Fischereischäden oder zum Vergnügen bejagt und soll für den internationalen Tierhandel gefangen werden [2].

In seinem Vogelbuch beschreibt Conrad Gesner den Gänsesäger im Detail und führt aus "Von den grossen Merchen:" ..."Der wirt zu Winterszeit etwan doch selten in unserem See (dem Zürichsee) gefangen. Den wöllen wir zu Latein merganserem nennen.,,, Etliche nennen bey uns diesen Vogel ein Italianische Ent/ und loben die zur Speyß." [5].

Haltung

Gänsesäger werden vorzugsweise vergesellschaftet mit anderen Gänsevögeln in Freianlagen oder Großvolieren mit großen, nicht zu flachen Teichen gehalten [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gut zwei Dutzend Zoos gehalten, von denen sich rund drei Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Säger. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs sind sie mindestens paarweise in Außenanlagen mit offenen Wasserflächen und angrenzendem Landteil zu halten. Bei Volierenhaltung sind pro Paar 4 m² Fläche bei einer Höhe von 2 m vorzusehen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Gänsesäger wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter seinem heute noch gültigen Namen beschrieben. Es werden drei Unterarten differenziert [2]:

  • Eurasischer Gänsesäger (Mergus m. merganser)
  • Amerikanischer Gänsesäger (Mergus m. americanus)
  • Zentral-Asiatischer Gänsesäger (Mergus m. orientalis)

Literatur und Internetquellen

  1. BEZZEL, E. (1985)
  2. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2018). Mergus merganser. The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T22680492A132054083. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2018-2.RLTS.T22680492A132054083.en und (2015) Mergus merganser. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T22680492A59975889. Downloaded on 18 November 2019.
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  4. EIDG. JAGDSTATISTIK
  5. GESSNER, C. & HEUSSLEIN, R. (1557 / 1600)
  6. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  7. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  8. HAGEMEIJER, W. J. M. & BLAIR, M. J. (eds., 1997)
  9. KNAUS, P., SATTLER, T., SCHMID, H., STREBEL, N. & VOLET, B. (2020)
  10. KOLBE, H. (1972)
  11. MAUMARY, L. et al. (2007)
  12. PFORR, M. & LIMBRUNNER, A. (1991)

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Gelesen 4489 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 04 August 2021 14:38
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx