Watvögel

Kiebitz

Kiebitz (Vanellus vanellus) in der Wilhelma Stuttgart Kiebitz (Vanellus vanellus) in der Wilhelma Stuttgart
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Wat- und Strandvögel (CHARADRIIFORMES)
Unterordnung: Watvögel, Regenpfeiferverwandte (CHARADRII)
Familie: Kiebitze und Regenpfeifer (Charadriidae)
Unterfamilie: Kiebitze (Vanellinae)

D NT 650

Kiebitz

Vanellus vanellus • The Northern Lapwing • Le vanneau huppé

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Kiebitz (Vanellus vanellus) im Tierpark Bochum © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximatives Brutvorkommen des Kiebitzes (Vanellus vanellus)

 

 

 

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Kiebitz (Vanellus vanellus) im Zoo-Vivarium Darmstadt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Kiebitz (Vanellus vanellus) in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Kiebitz (Vanellus vanellus) in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Kiebitz (Vanellus vanellus) aus Conrad Gesners Vogelbuch (1669). Gemeinfrei.

 

 

 

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Der Kiebitz ist als auffällige, heute bei uns zunehmend gefährdete und kulturell bedeutsame einheimische Vogelart von großem zoopädagogischem Interesse. Er wird daher namentlich von Zoos im deutschsprachigen Raum relativ häufig gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Kiebitz ist mit seiner auffälligen schwarzen Federholle, dem violetten Glanz seiner dunklen Federpartien, seinen akrobatischen Balzkapriolen und seiner Stimmfreudigkeit unverkennbar und die wohl bekannteste Limikolenart Mitteuropas. Er erreicht eine Gesamtlänge von 28-31(-32) cm, eine Spannweite von 70 cm und ein mittleres Gewicht von etwa 200 (130-330) g. Das Gefieder der Oberseite ist grünschillernd, das der Unterseite sowie von Kehle und Wangen weiß. Es ist ein breites schwarzes Brustband vorhanden, das sich über Kehle und Kinn fortsetzt. Die Federholle ist bei den Weibchen etwas kürzer und die Farben sind verwaschener [3; 5; 6].

Verbreitung

Eurasien: Der Kiebitz brütet von Irland bis Ostsibirien. Die Überwinterungsgebiete liegen südlich davon und reichen von Nordafrika bis Thailand und China [1].

Europa: Albanien, Armenien, Aserbeidschan, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Färöer, Finnland, Frankreich, Georgien, Gibraltar, Griechenland, Großbritannien, Island, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Moldawien, Montenegro, Niederlande, Nordmazedonien, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Ungarn, Weißrussland, Zypern.
Asien: Afghanistan, Bahrein, Bangladesch, Bhutan, China, Hong Kong, Indien, Irak, Iran, Israel, Japan, Jemen, Jordanien, Kasachstan, Katar, Nord- und Süd-Korea, Kirgistan, Kuwait, Laos, Libanon, Mongolei, Myanmar, Nepal, Pakistan, Saudi Arabien, Syrien, Taiwan, Thailand, Usbekistan, Vereinigte Arabische Emirate, Vietnam.

Afrika: Ägypten, Algerien, Libyen, Marokko, Mauretanien, Tunesien.

Gastvogel in zahlreichen weiteren Ländern [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Kiebitz lebt im Kulturland, in Marschen und in Feuchtgebieten. Seit den 1980er Jahren sind die Bestände in vielen Teilen Europas eingebrochen, so in der Schweiz und in Frankreich. Grund dafür ist, dass die modernen Methoden der Landwirtschaft dem Überleben der Jungvögel abträglich sind. Der Kiebitz ist überwiegend ein Kurzstrecken- oder Teilzieher, dessen Wanderungen stark vom Winterwetter beeinflusst werden. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten und deren Larven, daneben frisst er Spinnen, Würmer, Mollusken, Regenwürmer, Frösche und kleine Fische sowie Sämereien uns andere pflanzliche Kost. Das Gelege besteht aus 4 Eiern, die während 21-28 Tagen oft nur vom Weibchen bebrütet werden. Die Küken werden mit 35-42 Tagen flügge und erreichen mit 1-2 Jahren die Geschlechtsreife [3; 6; 8].

Gefährdung und Schutz

Mit einer sehr weiten Verbreitung und einem Weltbestand von 5.6 bis 10.5 Millionen erwachsene Individuen galt der Kiebitz global nicht als gefährdet. Da aber der Bestand abnimmt, wurde die Art 2015 in die Kategorie "potenziell gefährdet" hochgestuft, die europäische Population gar als gefährdet (Rote Liste: NEAR THREATENED; VULERABLE) [1].

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt.

Die Art fällt unter Anhang 3 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume, Anhang 2 der Bonner Konvention über wandernde Tierarten, Anhang 2 des African-European Waterbird Agreements (AEWA) und Anhang II(B) der Vogelschutz-Richtlinie der EU.

Situation in Mitteleuropa: In Deutschland brütet der Kiebitz in allen Bundesländern in jedoch überall deutlich rückläufigen Beständen. Der Gesamtbestand liegt  bei etwa 75'000 (63'000-100'000) Paaren. In Österreich wird der Bestand auf 3'500-5'000 Paare geschätzt [2; 9].

In der Schweiz brüten nur noch 100–120 Paare. Der Kiebitz ist daher eine von 50 Prioritätsarten im Rahmenprogramm "Artenförderung Vögel Schweiz", welches gemeinsam von der Schweizerischen Vogelwarte, dem Schweizer Vogelschutz/SVS BirdLife Schweiz und dem Bundesamt für Umwelt BAFU durchgeführt wird (Vogelwarte Sempach).


Bedeutung für den Menschen

Der Kiebitz wird oder wurde zumindest früher als Trophäe oder zur Fleischgewinnung gejagt, für den Tierhandel gefangen und diente als Eierlieferant [1].

Kulturelle Bedeutung: Der Name "Kiebitz" leitet sich vom Balzruf der Art, "kiju-wit". "Kiebitzen", jemandem in die Karten schauen, ihn verstohlen beobachten, hat mit unserem Vogel aber nichts zu tun, sondern kommt vermutlich aus dem Rotwelschen oder Jiddischen.

Hoffmann von Fallersleben hat sich durch die akrobatischen Balzflüge des Kiebitzes zu einem Gedicht inspirieren lassen:

Hoffmann von Fallersleben: Der Kiebitz und die Kiebitzin, Kindergedicht

Die gescheckten Kiebitzeier galten in Deutschland als Delikatesse, auch in den Niederlanden, wo das erste gefundene Ei jeweils der Königin verehrt wurde. Heute dürfen sie nicht mehr gesammelt werden. Es gibt aber auch dazu ein Gedicht:

Gert O. E. Sattler: Kiebitzeier. Gedicht

Haltung

Die Haltung erfolgt zumeist in Gesellschaft mit anderen Wat- oder Wiesenvögeln. Das Höchstalter im Zoo wird mit 18 Jahren angegeben [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 50 Zoos gezeigt, von denen sich gegen zwei Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Wie Kiebitze gehalten werden (Beispiel): Begehbare Freiflugvoliere [7]

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland und Österreich gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Sumpf- und Strandvögel. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für die Haltung von bis zu 8 Vögeln eine Voliere mit einer Grundfläche von 20 m² und einer Höhe von 2 m mit einem 6 m² großen Wasserbecken vor. Für jeden weiteren Adultvogel ist die Grundfläche um 1 m² zu erweitern. Für nicht-winterharte Arten ist ein Schutzraum mit einer Fläche von 0.5 anzubieten.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Kiebitz wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Tringa Vanellus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der heute gültige Gattungsname Vanellus wurde 1760 vom französischen Zoologen Mathurin Jacques BRISSON eingeführt. Die Art ist monotypisch. [4].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2017). Vanellus vanellus (amended version of 2016 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T22693949A111044786. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2017-1.RLTS.T22693949A111044786.en. Downloaded on 12 September 2019.
  2. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2015). Vanellus vanellus. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T22693949A60072158. Downloaded on 12 September 2019.
  3. COLSTON, P. & BURTON, P. (1989)
  4. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  5. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  6. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  7. KAUFFELS, T. (2010)
  8. MAUMARY, L. , VALLOTTON, L. & KNAUS P. (2007)
  9. STÜBING, S. & BAUSCHMANN, G. (2011)

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Gelesen 2031 mal Letzte Änderung am Montag, 23 September 2019 14:23
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