Habichtartige

Steinadler

Steinadler (Aquila chrysaetos) im Alpenzoo Innsbruck Steinadler (Aquila chrysaetos) im Alpenzoo Innsbruck
Alpenzoo

Ordnung: Greifvögel (ACCIPITRIFORMES)
Unterordnung: Habichtartige und Fischadler (ACCIPITRES)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Adler (Aquilinae)

D LC 650

Steinadler

Aquila chryaetos • The Golden Eagle • L'aigle royal

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Steinadler (Aquila chrysaetos) im Alpenzoo Innsbruck © Alpenzoo
Gefährdung und Schutz: Der Steinadler hat eine weite Verbreitung und einen geschätzten Weltbestand von 250'000 Individuen. Er ist global nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN).

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt. Die Art fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und Anhang 2 der Bonner Konvention über wandernde Tierarten.

Verbreitung: Der Steinadler brütet in sechs Unterarten in Nordafrika bis nach Mali, weiten Teilen Eurasiens und Nordamerikas. Er ist damit die am weitesten verbreitete Adlerart. In Europa Brutvogel in Albanien, Andorra, Armenien, Aserbeidschan, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Grossbritannien, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Mazedonien ehem Jug. Rep., Moldawien, Montenegro, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrussland.

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im Kanton Glarus legal erlegtes Steinadler-Weibchen, ca. 1920-30 (aus STEMMLER, 1932)
Lebensweise: Der Steinadler besiedelt offenes Gelände, bei uns überwiegend im Gebirge, wo er die nötige Thermik für seine Steigflüge vorfindet und als optischer Jäger oberhalb der Waldgrenze Beute findet. Hauotnahrung im Sommer sind Murmeltiere. Im Winter ernährt er sich fast ausschließlich von Aas.

Besonderes: Früher war der Steinadler als schaf- und Kinderräuber verschrieen und wurde von Staates wegen verfolgt: "1 Gulden dem Alexander Gelzer in Laufen (Rheinfall) für ein Steinadler zu schiessen, den 30. Oktober 1711". Dieses Zitat aus den Rechnungen der Pflegerei des Klosters Allerheiligen zu Schaffhausen (und zehn ähnliche Eintragungen aus den Jahren 1718-1726) zeigt uns zweierlei: einerseits dass der uns heute als Gebirgsvogel bekannte Steinadler vor dreihundert Jahren keineswegs auf Gebirge beschränkt war, andererseits dass offizielle Stellen durch das Auszahlen von Abschussprämien alles daran setzten, die Adler zum Verschwinden zu bringen. Aber auch ohne Abschussgelder war es profitabel dem Adler nachzustellen, wie ALFRED E. BREHM (1882) wusste: "Viel allgemeiner als der lebende, findet der todte Adler Verwendung. Schon unter unseren Tyrolern und den mit ihnen demselben Volksstamme angehörigen Oberbayern gelten einzelne Theile des Adlers als kostbarer Schmuck. Obenan stehen die »Adlerflaumen« oder Unterschwanzdeckfedern, welche gerne mit zwei bis fünf Gulden bezahlt werden; nächstdem werden die Krallen geschätzt. Man liebt es, an der meist aus Silber bestehenden Uhrkette die Haken des Edelhirsches, die Fangzähne des Fuchses, die Krallen des Habichtes und Uhus, als höchste Zierde aber die Klauen des Adlers zu tragen. Besonders begehrt ist die Hinterkralle, minder eine oder die andere der beiden größeren und stärkeren Vorderzehen, am wenigsten die schwache der kleinsten Zehe. Für die erstere zahlt der Gebirgsbewohner gern bis zwölf Mark unseres Geldes, und demgemäß steigert sich im Gebirge der Preis eines erlegten Steinadlers meist bis auf sechzig, ja selbst bis auf achtzig Mark." Es war bis anfangs des 20. Jahrhuderts üblich, Jungadler auszuhorsten, sie aufzuziehen und dann totzuschlagen, um sie auszustopfen. Heute stellen bleihaltige Munition, die mit dem Fleisch oder den Eingeweiden abgeschossener Huftiere aufgenommen wird,  Gleitschirmflieger, mit denen es oft zu Konflikte kommt, und Hobbfotografen, welche die Horste belagern, um die Jungvögel zu knipsen, größere Probleme dar [JENNY]

Bestandsentwicklung:

Noch bis ins 20. Jahrhundert wurde die Art massiv verfolgt . Ihre Bestände waren deshalb allgemein tief und regional war sie ausgestorben. So verschwanden die Steinadler um 1850 aus dem Jura, wo erst bin jüngster Zeit die Wiederansiedlung vom Alpenraum her erfolgte mit Bruten ab 1994 (Frankreich) bzw. 2009 (Schweiz).

In Deutschland war der Steinadler früher auch im Flachland verbreitet. Heute kommt er als Brutvogel in einem Bestand von rund 50 Paaren nur noch in den Alpen vor, wobei man davon ausgeht, daß alle gegenwärtig geeigneten Reviere besetzt sind. Als Wintergast erscheint er auch in Norddeutschland; hierbei handelt es sich in der Regel um Brutvögel aus Skandinavien. Da der Bruterfolg der deutschen Alpenpopulation gering ist, wird die Art auf der nationalen Roten Liste immer noch als Kategorie 2 = stark gefährdet aufgeführt (BEZZEL, 1994; u.a.). In der Schweiz wurde der Steinadler ab 1926 geschont, worauf sich die Bestände erholten. Um 1950 wurden in den Schweizer Alpen mit 40-50 Brutpaaren gerechnet. 1953 wurde der Steinadler in die Liste der geschützten Arten aufgenommen. 2017 war die Zahl der Revierpaare auf rund 250 gestiegen. Davon lebten 1189 Pare im Kanton Graubünden. Dazu gab es zwei Paare im Jura und eine erheblich Zahl unverpaarter Einzelvögel. Auf der nationalen Roten Liste ist die Art in der Kategorie "verletzlich" (VULNERABLE). Im Fürstentum Liechtenstein hat es auf 123 km² rund 20 Horste, die von zwei bis drei Steinadlerpaaren genutzt werden (FASEL, 2001). In Österreich wird die Art mit einem Bestand von  rund 350 Brutpaaren als potenziell gefährdet (NEAR THREATENED) geführt. Ein Grund für diese Einstufung sind Brutverluste bedingt durch Störungen durch die stetig zunehmende Zahl von Freizeitsportlern wie Kletterer und Drachenflieger. In Italien gab es 2017 etwa 400, in Frankreich 220 Brutpaare. Der Aufzuchterfolg liegt in der Schweiz bei 0.3-0.5, in Bayern bei 0.22 Jungvögeln pro Paar (JENNY).

Steinadler bauen mehrere Horste im Kernbereich ihres Territoriums und benutzen diese über lange Zeit. Eine dendrochronologische Untersuchung von Horsten im Engadin ergab, dass bei zwei Horsten die untersten Äste über 300 Jahre alt waren (AVINEWS August 2013).

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Das Wappen von Tirol
Kulturelle Bedeutung:

Der Adler ist seit der Antike. wo er etwa als römisches Feldzeichen diente, ein beliebtes Motiv in der Heraldik, weil er Mut, Weitblick und Kraft symbolisiert und als "König der Lüfte" oder Götterbote gilt. Meist ist allerdings nicht klar, ob mit "Adler" nun der Steinadler, der Kaiseradler oder der Seeadler gemeint ist. Der Adler ist auch Gegenstand mehrerer Fabeln des Aesop:

Aesop: Der Adler und der Fuchs  
Aesop: Der Adler und die Dohle   

Aesop: Der Adler und die Schildkröte

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 200 Zoos und Falkenhöfen gehalten, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Literatur:

  1. BEZZEL, E. (1994)
  2. BREHM, A. E. (1882)
  3. FASEL, F. (2001)
  4. GUGGISBERG, C.A.W. (1955)
  5. HALLER, H. (1996)
  6. JENNY (2018). Steinadler im Aufwind. Vortrag bei der Berner Ala vom 13.02.2018
  7. MAUMARY, L. et al. (2007)
  8. STEMMLER, C. (1932)

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Gelesen 449 mal Letzte Änderung am Sonntag, 24 Juni 2018 14:30
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx