Geckos

Türkis-Zwerggecko

  1.0 Himmelblauer Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi) im Tiergarten Nürnberg 1.0 Himmelblauer Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi) im Tiergarten Nürnberg
Helmut Mägdefrau, Nürnberg

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Echsen (SAURIA)
Zwischenordnung: Geckoartige (Gekkota)
Familie: Haftfingergeckos (Gekkonidae)
Unterfamilie: Gekkoninae

D CR 650

Himmelblauer oder Türkis-Zwerggecko

Lygodactylus williamsi • The William's Electric Blue Gecko • Le gecko nain turquoise

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Türkis-Zwerggecko (Lygodactylus williamsi) im Staatlichen Museum für Naturkunde, Karlsruhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Verbreitung des Himmelblauen oder Türkis-Zwergtaggeckos (Lygodactylus williamsi)

 

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Türkis-Zwerggecko (Lygodactylus williamsi), oben Männchen, unten Weibchen, in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Der überaus attraktiv gefärbte und im Freiland hochbedrohte Himmelblaue oder Türkis- Zwerggecko gehört zu den häufiger in Zoos gezeigten Gecko-Arten. Auch in Privathand wird er recht oft gehalten und regelmäßig gezüchtet.

Körperbau und Körperfunktionen

Beim Türkis-Zwerggecko werden die Männchen bis zu 8.4 cm lang, die Weibchen bleiben geringfügig kleiner. Bei den Männchen ist die Schwanzwurzel verdickt, ferner haben sie zwischen den Hinterbeinen 7 Präanalporen. Die Geschlechter sind unterschiedlich gefärbt: Nur das Männchen hat die für den deutschen Namen verantwortliche strahlend türkisblaue Rückenfärbung. Das Weibchen ist dagegen grünlich bis bronzefarben [4; 5].

Verbreitung

Tansania:  Kimboza Forest Reserve und drei weitere Standorte [2].

Lebensraum und Lebensweise

Obwohl die Art bereits 1952 beschrieben wurde, ist über ihre Biologie, Populationsdichte und Verbreitung innerhalb des Kimboza-Waldes wenig bekannt. Wahrscheinlich leben die Tiere ausschliesslich an Schraubenbäumen der Gattung Pandanus [4].

Gefährdung und Schutz

Nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2012 wird der Himmelblaue Zwergtaggecko als vom Aussterben bedroht taxiert, weil er nur auf einer Fläche von 8 km² in fragmentierten Populationen vorkommt. Dass die Tiere in großer Zahl für den Tierhandel gefangen und exportiert wurden, könnte ihr Bestand zusätzlich gefährdet haben [2].

Der internationale Handel ist ab dem 3. Januar 2017 durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Durch einen 2002 erschienenen Feldführer erlangte die Art größere Bekanntheit und wurde aufgrund hoher Nachfrage in den Folgejahren illegal und exzessiv für den Heimtierhandel gesammelt. Es wird geschätzt, dass von Dezember 2004 bis Juli 2009 zwischen 32'300 und 42'600 Tiere gefangen wurden [1]. Mit der Aufnahme in CITES-Anhang I dürfte sich der Handel ab 2017 auf Nachzuchttiere verlagern. In den USA werden Tiere für ca. 150 USD / Stück angeboten, in der Schweiz für 50-100 CHF (Online-Inserate 2017).

Haltung

Für die Haltung eines Paars wird ein Terrarium ab einer Größe von 40x40x60 cm empfohlen, wobei nach oben keine Grenzen gesetzt sind. In größeren Terrarien ist auch die Haltung von einem Männchen mit mehreren Weibchen möglich. Das Terrarium sollte mit Wärme- und UV-Strahlern versehen und mit Kletterästen, einem Wasserschälchen und einem Schälchen mit Kalk ausgestattet sein. Rück- und Seitenwände können mit Naturkorkplatten verkleidet werden, an denen kleinbleibende Orchideen, z.B. Bulbophyllum, Angraecum und Aerangis befestigt werden können. Als Bodengrund eignet sich ein Sand/Kokoshumus Gemisch, in das robuste Gewächse direkt eingepflanzt werden können. Tagsüber sollen die Temperaturen bei 26-28°C, lokal bei 32-34°C liegen, nachts ist sie auf etwa 22°C abzusenken. Die relative Luftfeuchtigkeit soll zwischen 70 und 80 %, über Mittag um die 50% betragen. Eine kühlere Trockenzeit in den Monaten von Mai bis August wird als optimal angesehen [5].

Haltung in europäischen Zoos: Der Türkis-Zwerggecko ist eine ideale Botschafterart für den nur 385 ha großen, durch illegalen Holzeinschlag und einen benachbarten Marmorsteinbruch bedrohten Kimboza Forest, einen der artenreichsten Tieflandregenwälder Ostafrikas. Er wird in über 30 Institutionen gezeigt, von denen sich über ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. 

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für ein Paar mindestens 6x so lang und 6x so breit sein wie die Kopf-Rumpflänge der Tiere. Die Höhe soll das Achtfache der Kopf-Rumpflänge betragen. Für jedes weitere Tier kommen 15% zur Basisfläche dazu. In der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) und der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Türkis-Zwerggecko war 1952 vom englischen Zoologen Arthur LOVERIDGE als Lygodactylus picturatus williamsi beschrieben worden. Seit Beginn der 1990er-Jahre gilt er als eigene Art [3].

Literatur und Internetquellen

  1. ANTRAG ZUR AUFNAHME IN CITES-ANHANG I - COP 17 PROP 30
  2. FLECKS, M., WEINSHEIMER, F., BÖHME, W., CHENGA, J., LÖTTERS, S., RÖDDER, D., SCHEPP, U. & SCHNEIDER, H. (2012). Lygodactylus williamsi. The IUCN Red List of Threatened Species 2012: e.T14665363A14665385. http://www.iucnredlist.org/details/14665363/0. Downloaded on 02 August 2017.
  3. THE REPTILE DATA BASE
  4. WEINSHEIMER, F., M. FLECKS, W. BÖHME & D. RÖDDER (2010)
  5. ZWERGGECKOS

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Gelesen 1196 mal Letzte Änderung am Dienstag, 14 Mai 2019 06:32
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx