Hirsche, Hirschferkel und Moschustiere

Prinz Alfred-Hirsch

Prinz-Alfred-Hirsch im Zoo Landau Prinz-Alfred-Hirsch im Zoo Landau
© Jens-Ove Heckel, Zoo Landau

Überordnung: LAURASIATHERiA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)
Tribus: Echthirsche im engeren Sinn (Cervini)

<pRed list status endangered

Prinz Alfred-Hirsch

Rusa alfredi • The Philippine, or Visayan, Spotted Deer • Le cerf du Prince Alfred

Prinz Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Prinz Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Gefährdung und Schutz: Der Bestand des Prinz Alfred-Hirschs umfasst wenige hundert Tiere und nimmt immer noch ab. Die Art gilt deshalb als stark gefährdet (Rote Liste: ENDANGERED) [1].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Verbreitung: Philippinen (Panay und Negros, auf den übrigen westlichen Visaya-inseln ausgestorben)

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Verbreitung des Prinz-Alfred-Hirschs (Cervus alfredi)

Prinz Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Prinz Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Besonderes: Prinz-Alfred-Hirsche leben seit Zehntausenden von Jahren isoliert auf den Zentral-Visayas-Inseln in der Mitte des philippinischen Archipels. Anfang der 80er Jahre schien der Prinz-Alfred-Hirsch ausgestorben zu sein. Doch einige wenige der 1870 vom englischen Naturforscher Philip SCLATER nach dem Sohn der britischen Königin Victoria benannten Tiere wurden auf den philippinischen Inseln Panay und Negros entdeckt und bildeten die Gründerpopulation zweier Erhaltungszuchtprogramme. Heute beläuft sich der offizielle Bestand von Prinz-Alfred-Hirschen (Negros) in Menschenobhut auf etwa 15Prinz Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Prinz Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
0 Tiere. Das Internationale Zuchtbuch für die Negroslinie der Prinz-Alfred-Hirsche wird vom Zoo Landau in der Pfalz in enger Zusammenarbeit mit den philippinischen Behörden koordiniert. Die einzige ex situ-Population von Panay-Hirschen ist in Panay selbst im Mari-it Conservation Center

    
Früher kam der Prinz-Alfred-Hirsch in Primär- und Sekundärwäldern sowie Grasflächen von der Küste bis auf über 2000 m.ü.M. vor. Heute ist er auf unzugängliche, mit Flügelnussbäumen (Dipterocarpaceae) bestandene Berghänge beschränkt. Er frisst gerne junge Triebe des Japanischen Blutgrases (Imperata cylindrica) sowie Knospen und Blätter von Bäumen und Sträuchern. Heute werden Prinz Alfred-Hirsche überwiegend als Einzeltiere oder in Gruppen bis zu drei Tieren angetroffen. Ob dies ihre natürliche Sozialstruktur ist, oder ob sie früher Rudel gebildet haben, ist nicht bekannt. Obwohl gesetzlich geschützt wird der Prinz-Alfred-Hirsch durch die ländliche Bevölkerung und Freizeitjäger aus den Städten bejagt und für den lokalen Tierhandel lebend gefangen (OLIVER et al. 2008).
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Prinz-Alfred-Hirschkühe (Rusa alfredi) im Zoo in der Wingst © Zoo Wingst
Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 30 Zoos gehalten, von denen sich knapp ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Das Internationale Zuchtbuch (ISB) wird am Zoo Landau geführt.

Die Geschichte der Haltung des Prinz-Alfred-Hirschs im deutschsprachigen Raum geht auf das Jahr 1874 zurück, als der Zoo Berlin einen Bock vom Londoner Zoo erwerben konnte. Im 20. Jahrhundert wurden während langer Zeit keine Vertreter der mittlerweile selten gewordenen Art in Europa gehalten. Erst 1990 konnte der Zoo Mülhausen i. E. für ein Erhaltungszuchtprogramm wieder Prinz-Alfred-Hirsche aus den Philippinen importieren. Von dort gelangte 1994 wieder ein Paar nach Berlin, wo von 1995 bis 2010 insgesamt 14 männliche und 14 weibliche Jungtiere aufgezogen wurden. Der Gesamtbestand in Europa belief sich im Jahr 2010 auf rund 150 Tiere [4].

Mit Unterstützung der die Art haltenden Zoos setzt sich die Stiftung Artenschutz für den Erhalt dieser Hirschart auf den Philippinen ein, die als überzeugender Botschafter gegen die gravierende Waldzerstörung auf den Philippinen gilt . Dort gingen bereits viele Tier- und Pflanzenarten verloren. Auch die menschliche Bevölkerung leidet heute unter Wasserknappheit, Erdrutschen und anderen Erosionsschäden infolge der Waldzerstörung. (Text Tiergarten Nürnberg)

Taxonomie und Nomenklatur. Die systematische Einordnung des Prinz Alfred-Hirschs ist umstritten. Oft wird er als Cervus bezeichnet, manche Autoren sehen ihn in der Nähe von Axis oder stellen ihn  in die Gattung Rusa.

Literatur und Internetquellen:

  1. BROOK, S.M. (2016). Rusa alfredi. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T4273A22168782. http://www.iucnredlist.org/details/4273/0. Downloaded on 26 May 2018.
  2. HEROLD, G. (1997)
  3. OLIVER, W., MacKINNON, J., HEANEY, L. & LASTICA, E. (2008)
  4. RAHDE, T. (2011a)

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Gelesen 456 mal Letzte Änderung am Freitag, 15 Juni 2018 21:21
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx