Hirsche, Hirschferkel und Moschustiere

Prinz Alfred-Hirsch

Prinz-Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) im Espace zoologique de Saint-Martin-la-Plaine Prinz-Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) im Espace zoologique de Saint-Martin-la-Plaine
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: LAURASIATHERiA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)
Tribus: Echthirsche im engeren Sinn (Cervini)

Red list status endangered

Prinz Alfred-Hirsch

Rusa alfredi • The Philippine, or Visayan, Spotted Deer • Le cerf du Prince Alfred

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Prinz Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) zu Beginn der Geweihbildung im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des Prinz Alfred-Hirschs (Rusa alfredi)

 

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Prinz Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) in La Planète Sauvage, Port-Saint-Père © Peter Dollin ger, Zoo Office Bern

 

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Prinz Alfred-Hirschkuh (Rusa alfredi) im Zoo Breslau © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Prinz Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) mit blankem Geweih im Zoo Landau © E. Jenßen / Zoo Landau

 

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Prinz Alfred-Hirschkalb (Rusa alfredi) im Zoo Landau © Zooschule Landau

 

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Prinz Alfred-Hirsch (Rusa alfredi), Gruppe im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Prinz Alfred-Hirsche (Rusa alfredi) mit Kalb im Tiergarten Nürnberg © TG Nürnberg (Pressefoto)

 

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Prinz-Alfred-Hirschkühe (Rusa alfredi) im Zoo in der Wingst © Zoo Wingst

 

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Prinz-Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) im Parco faunistico "La Torbiera", Agrate Conturbia © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Prinz-Alfred-Hirsch (Rusa alfredi), Gruppe im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Prinz-Alfred-Hirsch (Rusa alfredi), Gruppe im Tiergarten Nürnberg © TG Nürnberg (Pressefoto)

 

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Prinz-Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der in seinem Ursprungsland stark gefährdete und gebietsweise ausgerottete Prinz Alfred-Hirsch wird nicht nur als Botschafter für die Erhaltung seines bedrohten Lebensraums eingesetzt, sondern die haltenden Zoos beteiligen sich auch finanziell an Schutzmaßnahmen auf den Philippinen. Die Zahl der Haltungen ist noch nicht sehr groß, nimmt aber laufend zu.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Kopf-Rumpflänge von 125-130 cm, einer Schulterhöhe von 65-75 cm und einem Gewicht von 40 kg bei den männlichen Tieren ist der Prinz Alfred-Hirsch etwa rehgroß, jedoch massiver gebaut und daher schwerer als das Reh. Der Schwanz wird 12 cm lang. Der Kopf ist relativ schmal. Der nackte Nasenspiegel ist schwarz, die Ohren sind kurz. Voraugendrüsen und Tränengruben sind stark entwickelt. Das bis 25m lange Geweih bildet an jeder Stange maximal drei Enden aus. Das Fell ist kurz, weich und dicht. Oberseits ist es dunkelbraun mit einem Aalstrich, der beidseits von einer Fleckenreihe gesäumt ist und weißen oder beigen Flecken an den Körperseiten. Unterlippe, Kinn und Kehle sind weißlich, Bauch und Schwanzunterseite cremefarben. Ein Spiegel ist nicht vorhanden. Der Prinz Alfred-Hirsch ist der einzige Vertreter der Rusa-Verwandtschaft, bei dem das Erwachsenenkleid gefleckt ist [2; 5; 8].

Verbreitung

Südostasien: Philippinen (Panay und Negros, auf den übrigen westlichen Visaya-inseln ausgestorben) [1].

Lebensraum und Lebensweise

Früher kam der Prinz-Alfred-Hirsch in Primär- und Sekundärwäldern sowie Grasflächen von der Küste bis auf über 2'000 m.ü.M. vor. Heute ist er auf unzugängliche, mit Flügelnussbäumen (Dipterocarpaceae) bestandene Berghänge beschränkt. Er frisst gerne junge Triebe des Japanischen Blutgrases (Imperata cylindrica) sowie Knospen und Blätter von Bäumen und Sträuchern. Heute werden Prinz Alfred-Hirsche überwiegend als Einzeltiere oder in Gruppen bis zu drei Tieren angetroffen. Ob dies ihre natürliche Sozialstruktur ist, oder ob sie früher Rudel gebildet haben, ist nicht bekannt. Es gibt keine Feste Fortpflanzungszeit, aber das Brunftgeschehen erreicht seine Spitze im November-Dezember und die meisten Kälber werden nach einer Tragzeit von rund 240 Tagen im Mai-Juni gesetzt [1; 8].

Gefährdung und Schutz

Der Bestand des Prinz Alfred-Hirschs umfasst wenige hundert Tiere und nimmt immer noch ab. Die Art gilt deshalb seit 1988, letztmals überprüft 2016, als stark gefährdet (Rote Liste: ENDANGERED) [1].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Zoogestütztes Artenschutzprojekt: Anfang der 80er Jahre schien der Prinz-Alfred-Hirsch ausgestorben zu sein. Dann wurden jedoch auf den philippinischen Inseln Panay und Negros ein paar Tiere entdeckt. Diese bildeten die Gründerpopulation zweier Erhaltungszuchtprogramme. Heute beläuft sich der offizielle Bestand von Prinz-Alfred-Hirschen (Negros) in Menschenobhut auf etwa 150 Tiere. Mit Unterstützung der die Art haltenden Zoos setzt sich die Stiftung Artenschutz für den Erhalt dieser Hirschart auf den Philippinen ein, die als überzeugender Botschafter gegen die gravierende Waldzerstörung auf den Philippinen gilt. Dort gingen bereits viele Tier- und Pflanzenarten verloren. Auch die menschliche Bevölkerung leidet heute unter Wasserknappheit, Erdrutschen und anderen Erosionsschäden infolge der Waldzerstörung [4; PM Tiergarten Nürnberg].

Bedeutung für den Menschen

Obwohl gesetzlich geschützt wird der Prinz-Alfred-Hirsch durch die ländliche Bevölkerung und Freizeitjäger aus den Städten zur Fleischgewinnung und wegen seiner Trophäen bejagt und für den lokalen Tierhandel lebend gefangen [1; 4].

Haltung

In Zoos gehalten werden nur Tiere, die von der Insel Negros stammen. Die einzige ex situ-Population von Panay-Hirschen ist in Panay selbst im Mari-it Conservation Center.

Eine Gemeinschaftshaltung z.B. mit Visayas-Mähnenschweinen (z.B. Zoo Landau) oder mit Philippinenpelikanen (z.B. La Planète Sauvage) ist möglich

WEIGL gibt als Höchstalter für einen im Zoo Mülhausen gehaltenen weiblichen Wildfang über 19 Jahre an [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 30 Zoos gehalten, von denen sich knapp ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Das Internationale und das Europäische Zuchtbuch (ISB) für die Negroslinie der Prinz-Alfred-Hirsche werden vom Zoo Landau in der Pfalz in enger Zusammenarbeit mit den philippinischen Behörden geführt. Erfasst sind 145 lebende Tiere in 30 Institutionen [IZY 52, Daten bis Dezember 2016]

Die Geschichte der Haltung des Prinz-Alfred-Hirschs im deutschsprachigen Raum geht auf das Jahr 1874 zurück, als der Zoo Berlin einen Bock vom Londoner Zoo erwerben konnte. Im 20. Jahrhundert wurden während langer Zeit keine Vertreter der mittlerweile selten gewordenen Art in Europa gehalten. Erst 1990 konnte der Zoo Mülhausen i. E. für ein Erhaltungszuchtprogramm wieder Prinz-Alfred-Hirsche aus den Philippinen importieren. Von dort gelangte 1994 wieder ein Paar nach Berlin, wo von 1995 bis 2010 insgesamt 14 männliche und 14 weibliche Jungtiere aufgezogen wurden [6].

Forschung im Zoo: Es wurden am Prinz Alfred-Hirsch Untersuchungen zur Verfolgung der Sexualfunktion durch Progesteron- und Östrogenbestimmung aus dem Kot durchgeführt [3].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für eine Gruppe von bis zu 5 Tieren ein Gehege von 200 m² vor und für jedes weitere Adulttier 10 m² mehr. Für tropische und subtropische Arten wie den Prinz Alfred-Hirsch wird ein Stall von 4 m²/Tier vorgegeben.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 8 Tiere ein Gehege von 600 m² mit Abtrennmöglichkeit vor. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 60 m² zu erweitern. Es ist ist ein Stall mit einer Fläche von 4 m²/Tier erforderlich. Bei Haltung auf Naturboden wie gewachsen sind die Flächen zu verdreifachen.

Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs fordert für bis zu 5 Tiere ein Gehege von 500 m² mit Abtrennmöglichkeit. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 50 m² zu erweitern. Für tropische Arten ist ferner ein beheizter Stall mit einem Mindestausmaß von 4 m² pro weibliches Tier mit einer Mindesttemperatur von 10°C vorgeschrieben, der wahlweise aufgesucht werden kann.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Prinz Alfred Hirsch wurde 1870 vom englischen Juristen und Naturforscher Philip SCLATER als Cervus alfredi erstmals wissenschaftlich beschrieben. Während Jahrzehnten galt er als verzwergte Form des Sambars (Rusa unicolor) bzw. des Philippinensambars (Rusa marianna). Erst 1983 wurde er als eigenständige Art anerkannt. Die Gattung Rusa war bereits 1827 von Oberstleutnant Charles Hamilton SMITH, einem wissenschaftlichen Illustrator und autodidaktischen Naturforscher, aufgestellt worden, wurde aber noch 2011 als eine Klade unter Cervus subsumiert. [1; 2; 8; 9].

Der Name "Prinz Alfred" bezieht sich auf Prinz Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha, den zweitgeborenen Sohn der britischen Königin Victoria, der das der Artbeschreibung zugrunde liegende Exemplar des Hirsch an SCLATER geschickt hatte [9].

Literatur und Internetquellen

  1. BROOK, S.M. (2016). Rusa alfredi. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T4273A22168782. http://www.iucnredlist.org/details/4273/0. Downloaded on 26 May 2018.
  2. GROVES, C.P. & GRUBB, P. (2011)
  3. HEROLD, G. (1997)
  4. OLIVER, W. L. R., COX, C. R. & DOLAR, L. L. (1991)
  5. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  6. RAHDE, T. (2011a)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  9. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 815 mal Letzte Änderung am Freitag, 10 Mai 2019 06:26
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