Wale und Robben

Südamerikanischer Seebär

Südamerikanischer Seebär (Arctocephalus pusillus) auf der Isla de Lobos, Uruguay Südamerikanischer Seebär (Arctocephalus pusillus) auf der Isla de Lobos, Uruguay
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia) bzw. Robben (Pinnipedia)
Familie: Ohrenrobben (Otariidae)

Red list status Least Concern

Südamerikanischer Seebär

Arctocephalus australis • The South American Fur Seal • L'arctocéphale australe

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Südamerikanischer Seebär im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Südamerikanischen Seebären (Arctocephalus australis)

 

 

 

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Südamerikanischer Seebär (Arctocephalus australis) im Zoo Dortmund © Beckmann, Dortmund

 

 

 

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Südamerikanischer Seebärenbulle (Arctocephalus australis) in den Living Coasts, Torquay © Klaus Rudloff,Berlin

 

 

 

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Schlafender Südamerikanischer Seebär (Arctocephalus australis) in Hagenbecks Tierpark, Hamburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Südamerikanische Seebären im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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SüdamerikanischerSeebär (Arctocephalus australis) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Südamerikanischer Seebär (Arctocephalus australis) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Verarbeitetes Fell eines Südamerikanischen Seebären. Die Felle wurden geschoren oder die Grannenhaare ausgezupft, sodass die 12'000 Wollhaare / cm² hervortraten, und danach eventuell gefärbt. Vermarktet wurden sie zumeist unter der Bezeichnung "Lakoda" oder "Uruguay Seal". Bild Mickey Bohnacker †, Verband der deutschen Rauchwaren- und Pelzindustrie. Aus DOLLINGER, P. (Hrsg. 1984) CITES Identification Manual Vol. 4.

 

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Was man nicht ohne Weiteres erwarten würde: Der Südamerikanische Seebär ist deutlich kleiner als sein "Zwergseebär" genannter Vetter aus Südafrika, weshalb er eigentlich für die Haltung in Zoos besonders geeignet ist. Trotzdem gibt es in Europa dreimal weniger Haltungen als vom Kap-Seebären.

Körperbau und Körperfunktionen

Südamerikanische Seebären zeigen einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus. Bullen erreichen eine Länge von 200 cm und ein Gewicht von 150-200 kg. Die weiblichen Tiere bleiben mit einer Länge von bis zu 150 cm und einem Gewicht von meistens 30-60 kg, selten bis 90 kg deutlich kleiner. Jungtiere sind bei der Geburt 55-65 cm lang und wiegen zwischen 3.5 und 7 kg. Die Farbe der Grannen- und Wollhaare ist dunkel- bis schwarzbraun. Neugeborene sind dunkler. Die Bullen tragen eine Mähne die auch silbrige Grannenhaare enthält [4; 9].

Verbreitung

Atlantische und Pazifische Küste Südamerikas von Südbrasilien bis Peru: Argentinien, Brasilien, Chile, Falkland-Inseln, Peru; Uruguay [1].

Lebensraum und Lebensweise

Seebärenkolonien befinden sich an Felsküsten oder auf felsigen Inseln. Während der heißesten Tageszeit begeben sich die Tiere ins Wasser um abzukühlen. Ihre Futtergründe liegen auf dem Kontinentalschelf bis zu 600 km von der Küste entfernt. Seebären sind opportunistische Jäger. Sie fangen pelagische Fische wie Sardellen (Engraulis spp.), Sardinen (Sardina spp.), Makrelen (Scomber spp.), Umberfische (Sciaenidae) oder Haarschwänze (Trichiuridae) und bodenlebende Fische, Kopffüßer und Springkrebse (Munida spp.) in Tiefen bis zu 600 m. Die Fortpflanzungsperiode fällt auf die Monate Oktober bis Januar. 6-10 Tage nach der Geburt werden die Weibchen wieder gedeckt. Seebärenbullen verhalten sich territorial und legen sich in der Regel einen Harem von 3-20 Weibchen zu. Es kann zwischen ihnen zu ernsthaften Kämpfen kommen. Sie halten ihr Territorium bis zu 60 Tagen aufrecht, bis die meisten Weibchen gedeckt sind, und gehen erst dann wieder auf See um Nahrung zu sich zu nehmen. In Uruguay haben die Bullen zwar Territorien, aber die Weibchen bewegen sich frei in der ganzen Kolonie. Bullen, die es nicht schaffen, ein Territorium zu halten, leben am Rand der Kolonie oder in Junggesellengruppen. Kurz nach der Geburt suchen die Weibchen ihre Nahrung in der Nähe der Kolonie. Während der späteren Phase der Jungenaufzucht gehen sie bis zu 5 Tagen auf die Jagd, wenn die Nahrungsgründe weit von der Kolonie entfernt sind. Danach bleiben sie 1-2 Tage bei ihren Jungen um sie zu säugen. Die Jungen werden mit 8-24 Monaten entwöhnt. Weibchen werden mit 4 Jahren geschlechtsreif. [1;8].

Gefährdung und Schutz

Die Bestände des Südamerikanischen Seebären nehmen gegenwärtig zu, und mit rund 238'000 erwachsenen Individuen gilt die Art nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). Die Situation kann aber auf Grund von Klimakatastrophen (El Niño), Seuchenausbrüchen oder Tankerunglücken rasch ändern, weil es nur relativ wenige große Kolonien gibt [1].

Der Südamerikanische Seebär wurde 1977 als "look-alike"-Art in Anhang II von CITES aufgenommen.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Die lokale Bevölkerung hat die "Lobos" seit jeher für den Eigenbedarf gejagt. Die kommerzielle Ausbeutung des Südamerikanischen Seebären begann bereits bevor er wissenschaftlich beschrieben war. So brachte z.B. im Jahr 1775 ein Schiff 13'500 Felle von den Falklandinseln nach den USA. Auf den Falklandinseln wurden später  4-5'000 Seebären pro Jahr geschlagen. In Peru gab es eine unkontrollierte Jagd bis 1959, die zu einem Zusammenbruch der Bestände führte. In Uruguay wurde die Art von 1965-1991 unter kontrollierten Bedingungen auf der Isla de Lobos vor Punta del Este bewirtschaftet. Über den ganzen Zeitraum wurden dort 234'000 Felle gewonnen. Heute gibt es keinen gewerblichen Handel mit Fellen mehr. Von 2001-2016 exportierte Uruguay 1'096 lebende Wildfänge. Im selben Zeitraum wurden nur 14 Nachzuchttiere international verschoben [1; 2; 4].

Haltung im Zoo

Das publizierte Höchstalter in Menschenobhut beträgt 30 Jahre und 7 Monate. Es wurde von einem im Alter von einem Jahr der Natur entnommenen Weibchen erreicht, das in den Zoos von Dortmund und Köln gehalten worden war [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 10 Zoos gehalten, von denen sich ein paar im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Das Europäische Zuchtbuch (ESB) wird seit 1998 vom Zoo Dortmund geführt [3]. Es wurden Haltungsempfehlungen herausgegeben [6] und im Rahmen einer Dissertation Maßnahmen zur Optimierung des Gesundheitsmanagements vorgeschlagen [5].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für 5 Hunds- oder Ohrenrobben generell eine Beckenfläche von 200 m² und eine Kubatur von 400 m³ vor bei Wassertiefen, die sich jeweils an der Körperlänge der Tiere orientieren. Wie diese Zahlen zustande kamen, wurde nie begründet. Die Fläche liegt über der Empfehlung der EAZA Best Practice Guidelines [6] und ein fixes Volumen ist sinnfrei, wenn die Wassertiefe auf die Körperlänge der Tiere abgestimmt werden soll. Zudem tragen einheitliche Beckendimensionen dem Umstand nicht Rechnung, dass es massive Größenunterschiede zwischen den einzelnen Arten gibt (mittleres Gewicht weibliche Südamerikanische Seebären 45 kg, Südliche See-Elefanten 700 kg). Eine Differenzierung ist deshalb angezeigt. Für Südamerikanische Seebären gibt es in einem deutschen Zoo ein Becken mit einer Fläche von 61 m² und eine Kubatur von 115 m³, in der 1.4 Südamerikanische Seebären problemlos und ohne Verhaltensabweichungen leben und züchten. Als Erfordernis für den Landteil nennt das Gutachten 50 m² für bis zu 5 Tiere und 6 m² für jedes weitere.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Becken mit einer Mindestfläche von 150 m² und einer Tiefe von 3 m vor. Für jedes weitere Tier ist die Fläche um 15 m² zu erhöhen. Für die Erhöhung um 50% bei der Beckenfläche und um 150% beim Volumen gegenüber einer früheren Fassung der Verordnung gibt es keine Begründung. Ferner ist ein Landteil von 15 m² pro Robbe erforderlich. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) verlangt für bis zu 5 Tieren ein Becken mit einer Mindestfläche von 300 m² und einer Tiefe von 3 m, für jedes weitere Tier ist die Fläche um 30 m² zu erhöhen. Es ist ein Landteil erforderlich, der es allen Robben erlaubt, sich gleichzeitig am Land aufzuhalten, ferner müssen Absperrboxen vorhanden sein, deren Maße sich nach der Körpergröße der Art richten.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Südamerikanische Seebär wurde 1783 von dem am Collegium Carolinum zu Braunschweig tätigen Naturforscher Eberhard August Wilhelm von ZIMMERMANN als "Phoca australis" beschrieben und kam später in die 1826 von den französischen Zoologen Étienne GEOFFROY SAINT-HILAIRE und Frédéric Georges CUVIER aufgestellte Gattung Arctocephalus. Ob es Unterarten gibt, ist umstritten, zumindest sollte die Population von Nordchile und Peru für die Zwecke des Artenschutzes als gesonderte Einheit betrachtet werden, und möglicherweise ist der Neuseeländische Seebär (Arctocephalus forsteri) eine Unterart von australis. [1; 8; 9].

Literatur und Internetquellen

  1. CÁRDENAS-ALAYZA, S. et al. (2016). Arctocephalus australis. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T2055A45223529. http://www.iucnredlist.org/details/2055/0. Downloaded on 23 May 2018.
  2. CITES TRADE DATA BASE   
  3. GATZ, V. (2011)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. MARKOWSKI, S. (2013)
  6. MEIJER, G. (2008)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  9. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Südamerikanischer Seebär (Arctocephalus pusillus) im natürlichen Lebensraum. Isla de Lobos, Uruguay © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Gelesen 641 mal Letzte Änderung am Montag, 03 Dezember 2018 08:47
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