Mähnenwolf

Erwachsener Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus) im Zoo Frankfurt
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Hunde (Canidae)

D NT 650

EEPMähnenwolf

Chrysocyon brachyurus • The Maned Wolf • Le loup à crinière

112 001 005 001 chrysocyon3Mähnenwolfrüde (Chrysocyon brachyurus) im Zoo Augsburg © Sven Jansen, Zoo Augsburg

112 001 005 001 chrysocyon brachyurus mapApproximative Verbreitung des Mähnenwolfs (Chrysocyon brachyurus)

112 001 005 001 chrysocyon brachyurus TPhellabrunn TPH MarcMuellerMähnenwolf (Chrysocyon brachyurus) im Tierpark Hellabrunn © Marc Müller, Tierpark Hellabrunn (Pressefoto)

112 001 005 001 chrysocyon brachyurus maubeuge PD1Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus) im Zoo Maubeuge © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

112 001 005 001 chrysocyon brachyurus lafleche PD1Schlafender Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus) im Zoo du Tertre Rouge, La Flèche © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

112 001 005 001 chrysocyon brachyurus wilhelma presseMähnenwolfwelpen (Chrysocyon brachyurus) im Schnee in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

112 001 005 001 chrysocyon brachyurus szeged PD1Junge Mähnenwölfe (Chrysocyon brachyurus) im Zoo Szeged © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

112 001 005 001 chrysocyon1Junger Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus) im Zoo Augsburg © Sven Jansen, Zoo Augsburg

112 001 005 001 chrysocyon brachyurus augsb PD(2)Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus) im Zoo Augsburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

stamp chrysocyon ddrBriefmarke mit Mähnenwolf-Motiv. DDR

 

 

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Wegen seiner Größe und auffälligen Färbung ist der Mähnenwolf ein guter Botschafter für Natur- und Artenschutzprojekte in den offenen Landschaften Südamerikas, und seine Lebensweise bietet Stoff für die Zoopädagogik. Aus diesen Gründen und weil seine Haltung durch ein Internationales Zuchtbuch und regionale Erhaltungszuchtprogramme gefördert wird, ist er in Zoos trotz seines strengen Geruchs, der ihn in der Nachbarschaft nicht gerade beliebt macht, recht häufig zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Mähnenwolf ist der größte Canide Südamerikas. Er weist eine Schulterhöhe von 75-90 cm, eine Kopf-Rumpflänge von 100-125 cm, eine Schwanzlänge von 38-50 cm und ein Gewicht von 20-23 kg, im Zoo bis 30 kg auf. Markante Kennzeichen sind nebst der teilweise schwarzen Nacken-Rückenmähne die schwarz gefärbten, stelzenartigen Beine, die spitz zulaufende fuchsartige Schnauze und die großen, sehr beweglichen Ohren. Die Schwanzspitze und die Kehle sind weiß [4; 11].

Verbreitung

Südamerika : Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay, Peru. In Uruguay nur noch in Randgebieten. Die aktuelle Verbreitung weicht von der historischen massiv ab. Im Süden, d.h. in Argentinien und Uruguay, hat der Mähnenwolf höchstwahrscheinlich als Folge zu intensiver Bejagung und von Lebensraumzerstörung durch die Landwirtschaft massiv Areal eingebüßt.

Andererseits konnte er sich als Bewohner offener Landschaften im Osten Brasiliens ausdehnen, weil dort der Atlantische Regenwald zum größten Teil gerodet wurde [6; 8].

Lebensraum und Lebensweise

Der Mähnenwolf besiedelt offene Landschaften, wie Grasland, Chaco oder Cerrado.

Anders als die übrigen großen Hundearten leben Mähnenwölfe nicht im Rudel, sondern nur paarweise oder außerhalb der Fortpflanzungszeit einzeln.  Ein Paar besetzt ein Territorium von im Mittel 27 km², dessen Grenzen an markanten Stellen mit Harn oder Kot abgesteckt werden [3; DIETZ, zit. in 6].

Totz ihrer Größe schlagen Mähnenwölfe keine großen Beutetiere sondern leben von Kleintieren, wie Kammratten, Insekten, Reptilien, Tinamus und anderen Vögeln, und von Pflanzenmaterial, namentlich Wolfsäpfeln (Solanum lycocarpum) [3]. Tierische Kost macht etwa 80% der verdauten Biomasse aus [SILVA et al., zit. in 6]. Im Zoo erhalten sie Meerschweinchen, Ratten, Mäuse, Eintagsküken, Tauben, Eier, frisches Obst und Zusatzfutter auf Getreidebasis mit Vitaminen und Mineralstoffen.

Die Paarungszeit fällt in Südamerika auf Abril bis Juni. Nach einer Tragzeit von durchschnittlich 65 Tagen werden zwischen einem und sieben, meist 2-5, Welpen geboren. Die Jungtiere sind bei der Geburt 340-430 Gramm schwer und blind. Sie öffnen die Augen am 9. Lebenstag und entwickeln ein dunkelgraues oder schwarzgraues Jugendkleid. Die auffallende Langbeinigkeit der Tiere entwickelt sich erst allmählich [3; 7; 11].

Gefährdung und Schutz

Mit einem geschätzten Weltbestand von etwa 13'000 erwachsenen Individuen (Gesamtbestand etwa 24'000), wovon gegen 90 % in Brasilien leben, wird der Mähnenwolf aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 als potenziell gefährdete Tierart eingestuft (Rote Liste: NEAR THREATENED) [6].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Körperteile des Mähnenwolfs werden in der Volksmedizin verwendet, aber es gibt keinen größeren Handel damit [6]. Von 2001-2017 wurden keine Wildfänge zur Ausfihr genehmigt, dagegen wurden weltweit 100 Nachzuchttiere exportiert, davon 23 aus Argentinien und 17 aus Deutschland [2].

Der von den Guaraní-Indios "aguará guazú" (großer Fuchs) genannte Mähnenwolf spielt in deren Mythologie eine bedeutende Rolle. Er verkörpert den "luisón" (Werwolf), den siebten der verfluchten Söhne des bösen Geists Taú und dessen Gefährtin, der Guaraní-Frau Keraná, die alle zu Monstern wurden. Er hat auch die Rolle des Gotts des Todes inne [12].

Haltung

Es gibt seit 1972 ein Internationales Zuchtbuch (ISB, das am Zoo Leipzig geführt wird und im Dezember 2016 368 lebende Mähnenwölfe in 150 Institutionen umfasste [IZY 52].

Im Zoo sollten dem Paar, neben einem geräumigen (Doppel-)Gehege, stets mehrere Schlafboxen und Hütten zur Auswahl stehen. Dies ist besonders bei der Aufzucht wichtig, damit die Hündin die Jungen bei Störungen in eine andere Wurfbox tragen kann. Der Rüde wird in der Regel vor der Geburt nicht abgetrennt, da er sich aktiv an der Jungenaufzucht beteiligt, ein Verhalten, das bei wild lebenden Mähnenwölfen nicht nachgewiesen ist.

Eine Vergesellschaftung mit anderen größeren Säugetieren ist möglich, z.B. mit Großen Ameisenbären, wie im Zoo Dortmund [5; 7].

Gehaltene Mähnenwölfe können ein Alter von 16-17 Jahren erreichen [10].

Haltung in europäischen Zoos: 
 
Die Art wird in gegen 70 Zoos gehalten, von denen sich etwa 15 im deutschsprachigen Raum befinden.  Für Details siehe Zootierliste.

Der Zoo Leipzig koordiniert das seit 1990 bestehende Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Dem Zoo Frankfurt, der die Art seit 1960 hält, gelang 1967 weltweit erstmalig die erfolgreiche Aufzucht von jungen Mähnenwölfen durch das Muttertier. In der Folge entwickelte sich eine regelmäßige Zucht.

Forschung im Zoo: Mähnenwölfe sind gelegentlich Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten, etwa zur Parasitologie [1] oder Ethologie [5; 9].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein Gehege für ein Paar mindestens eine Fläche von 150 m² aufweisen. Für weitere erwachsene Tiere sind zusätzliche Gehege erforderlich. Bei Haltung auf gewachsenen Böden ist die Fläche zu verddoppeln.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand  01.06.2022) schreibt für ein Paar ein Gehege vor, dessen Grundfläche 200 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 20 m² zur Basisflächen dazu, was in Anbetracht der Sozialstruktur der Art wenig Sinn macht. Es müssen individuelle Boxen mit einer Fläche von je 2 m² und Abtrennmöglichkeiten vorhanden sein.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2023) sind für ein Paar 400 m² erforderlich, für jedes weitere Adulttier 40 m² mehr. Es muss eine beheizbare Innenanlage vorhanden sein.

 Taxonomie und Nomenklatur

Der Mähnenwolf war von dem in Berlin tätigen Zoologen Johann Karl Wilhelm ILLIGER (1775-1813) in nach seinem Tod 1815 erschienenen Abhhandlungen der Preussischen Akademie der Wissenschaften als Canis brachyurus beschrieben worden. 1837 wurde er als einzige Art in eine neue Gattung Chrysocyon eingeordnet. Es sind keine Unterarten anerkannt [11].

112 001 005 001 chrysocyon brachyurus sables PD1Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus) im Zoo des Sables, Les Sables d'Olonne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Literatur und Internetquellen

  1. AMBROSCH, J. (2009)
  2. CITES TRADE STATISTICS
  3. EISENBERG, J. F. & REDFORD, K. H. (1999)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. HOLLAND, R. (2006)
  6. PAULA, R.C. & DE MATTEO, K. (2015). Chrysocyon brachyurus (errata version published in 2016). The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T4819A88135664. http://www.iucnredlist.org/details/4819/0. Downloaded on 20 June 2018.
  7. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  8. QUEIROLO, D., et al. (2011)
  9. SOMMER, C. (1990)
  10. WEIGL, R. (2005)
  11. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  12. COLMÁN, N. R. (1929). Nuestros Antepasados - Génesis de la Raza Guaraní. Biblioteca Virtal del ParaguayCOLMÁN, N. R. (1929). Nuestros Antepasados - Génesis de la Raza Guaraní. Biblioteca Virtal del Paraguay.