Samstag, 06 Juni 2020 14:27

Makaronesische Sukkulenten

 

Allgemeines

Makaronesien ist ein in der Mitte des 19. Jahrhunderts von dem englischen Botaniker Philip Barker WEBB eingeführte Sammelbegriff für die im östlichen Zentralatlantik liegenden Inselgruppen. Dazu gehören die Azoren, Madeira mit den Sebaldinen, die Kanaren und die Kapverden. Die Region bildet ein eigenständiges Florengebiet, das durch eine hohe Zahl endemischer Arten und den in höheren Bergregionen vorkommenden Lorbeerwald gekennzeichnet ist. Im Ganzen leben auf den verschiedenen Inselgruppen gegen 800 endemische Gefäßpflanzen. Insbesondere befinden sich hier die Mannigfaltigkeitszentren der Gattungen Echium mit 24 und Aeonium mit 35 Arten.

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Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Spargelgewächse (Asparagaceae)

ASPARAGALES Asparagaceae dracaena draco tenerife PD1
Kanarischer Drachenbaum (Dracaena draco) auf Tenerife © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

LILIACEAE Dracaena draco Porquerolles1
Kanarischer Drachenbaum (Dracaena draco) im Jardin Emmanuel Lopez auf Porquerolles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

LILIACEAE Dracaena draco Porquerolles2
Kanarischer Drachenbaum (Dracaena draco) im Jardin Emmanuel Lopez auf Porquerolles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Nolinoideae

Kanarischer Drachenbaum

Dracaena draco

CITES: Die Art ist nicht in den Anhängen aufgeführt.

Verbreitung: Nordafrikanisch-makaronesischer Endemit: Kanarische Inseln, Kapverdische Inseln, Madeira und Marokko.

Es gibt 2 Unterarten, die Nominatform auf den Kanaren, Madeira und den Kapverden und Dracaena draco subsp. ajgal in Marokko.

Der Kanarische Drachenbaum wächst baumförmig und kann eine Wuchshöhe bis gegen 20 m erreichen. Der älteste Baum der Kanaren ist etwa 16 m hoch und hat einen Umfang von etwa 6 m. Junge Bäume haben einen dicken, grauen Stamm und sind noch unverzweigt. Ältere können auf Höhe jedes alten Blattansatzes neue Seitentriebe bilden. Die schwertförmigen, 50-60 cm langen, grünen bis blaugrünen Laubblätter stehen in einem Schopf jeweils am Ende eines Astes. Von Mai bis August bildet der Kanarische Drachenbaum winzige grünlich-weiße Blüten aus, die in großen Rispen stehen. Nach der Blüte entwickeln sich kugelige, etwa 1 cm große Früchte (Beeren), die orange gefärbt sind.

Bei Verletzungen des Stammes tritt ein farbloser Saft aus, der an der Luft zu einem dunkelroten, „Drachenblut“ genannten Harz gerinnt, das in der Volksmedizin eingesetzt wurde und auch für Lacke und Polituren verwendet wird. Der Drachenbaum wird als leicht giftig eingestuft, weil er in allen Pflanzenteilen Saponine enthält. Die Art gilt in der Natur als gefährdet (Rote Liste VULNERABLE), wird jedoch häufig als Zierpflanze angepflanzt [2; 3; 5; 6; 7].

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Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)

EUPHORBIACEAE Euphorbia atropurpurea BGB PD1
Dunkelpurpurrote Wolfsmilch (Euphorbia atropurpurea) im Botanischen Garten Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Euphorbioideae
Tribus: Euphorbieae
Untertribus: Euphorbiinae

Dunkelpurpurrote Wolfsmilch

Euphorbia atropurpurea

CITES: Die Art fällt unter Anhang II.

Verbreitung: Kanarische Inseln. Teneriffa in Höhenlagen von 300-1'200 m.

Winterhärte: Euphorbia atropurpurea ist nicht winterhart und erträgt keine Minustemperaturen. Sie sollte im Winter bei mindestens 10°C gehalten werden.

Euphorbia atropurpurea ist ein kandelaberförmig wachsender, bis 150-200 cm hoher Strauch. Seine dicht mit Blattnarben bedeckten, sukkulenten Zweige sind zimtbraun und stachellos. An ihren Enden bilden die bis 15 cm langen, ungestielten, blaugrünen Blätter Rosetten. Die Blütenstände sind enständige Trugdolden. Die Blüten weisen ein Paar dunkel purpurn gefärbte und 1 cm breite Hochblätter auf. Die Früchte sind rote Kapselfrüchte mit jeweils drei Samen [10].

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BORAGINACEAE Aeonium fastuosum Porquerolles1
Madeira-Natternkopf (Echium candicans) im Jardin Emmanuel Lopez auf Porquerolles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

BORAGINACEAE Aeonium fastuosum Porquerolles2
Madeira-Natternkopf (Echium candicans) im Jardin Emmanuel Lopez auf Porquerolles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Boraginoideae
Tribus: Lithospermeae

Madeira-Natternkopf

Echium candicans

CITES: Die Art ist nicht in den Anhängen aufgeführt.

Verbreitung: Ursprünglich ausschließlich auf Madeira in Höhenlagen von 800-1'500 m. Heute verwilder und invasiv in vielen Regionen mit ähnlichem Klima.

Winterhärte: Echium candicans ist nicht winterhart, die Umgebungstemperatur sollte nicht unter 5-7ºC fallen.

Der Madeira-Natternkopf ist ein 1 bis 2 m hoher und etwa gleich breiter, kandelaberartig wachsender Strauch mit endständigen, samtweich behaarten, graugrünen Laubblättern, die in Quirlen zusammenstehen. Seine  blauen bis violetten Blüten stehen in 15-20 cm langen, bisweilen längeren, kerzenförmigen Blütenständen [11].

In der Roten Liste der IUCN konnte die Art aufgrund mangelhafter Daten keiner Gefährdungskategorie zugeordnet werden [6].

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BORAGINACEAE Aeonium arboreum sanary PD1
Baum-Dachwurz (Aeonium arboreum) im ZoA-Zoo, Sanary-sur-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

BORAGINACEAE Aeonium arboreum sanary PD2
Baum-Dachwurz (Aeonium arboreum) im ZoA-Zoo, Sanary-sur-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Hauswurze (Sempervivoideae)

Baum-Dachwurz

Aeonium arboreum

CITES: Die Art ist nicht in den Anhängen aufgeführt.

Verbreitung: Kanarische Inseln: in Höhenlagen von 200-1'500 m.

Winterhärte: Aeonium arboreum ist nicht winterhart und erträgt keine Minustemperaturen.

Aeonium arboreum ist ein wenig verzweigter Halbstrauch der eine Höhe von 1-2 m erreichen kann. Die Blätter stehen am Ende der Triebe in dichten Rosetten, die einen Durchmesser von ca. 20 cm haben. Die spatelförmigen, stumpfen Blätter besitzen eine kurze Spitze. Sie sind grün und hell bewimpert. Es gibt auch Sorten mit panaschierten Blättern. Im Frühjahr und Sommer erscheinen aus der Rosettenmitte zahlreiche goldgelbe, kleine Blüten, die in 25-30 cm langen Rispen stehen. Der Blütenstand saugt die Rosettenblätter nach und nach aus [1; 4; 5].

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BORAGINACEAE Aeonium haworthii sanary PD1
Windrad-Dachwurz (Aeonium haworthii) im ZoA-Zoo, Sanary-sur-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

BORAGINACEAE Aeonium haworthii sanary PD2
Windrad-Dachwurz (Aeonium haworthii) im ZoA-Zoo, Sanary-sur-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Hauswurze (Sempervivoideae)

Windrad-Dachwurz

Aeonium haworthii

CITES: Die Art ist nicht in den Anhängen aufgeführt.

Verbreitung: Kanarische Inseln: Teneriffa, im nördlichen Teil der Insel bis auf eine Höhe von 1'000 m.

Winterhärte: Aeonium haworthii ist nicht winterhart.

Die Windrad-Drachnwurz wächst als mehrjähriger, dicht verzweigter Kleinstrauch mit einer Höhe bis zu 60 cm, gehört also zu den kleineren Aeonium-Arten. Ihre zähen, holzigen Triebe tragen an der Spitze Rosetten mit Durchmessern von nur 6-8 cm. Diese bestehen aus dicken, erst gleichmäßig breiten, dann plätzlich zugespitzten, blaugrauen Blättern mit rötlichbraunen Rändern. Die weißen oder cremegelben Blüten haben manchmal einen rosaroten Schimmer [4; 9].

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SAXIFRAGALES Crassulaceae aeonium urbicum sanary PD2
Dachwurz (Aeonium urbicum) im ZoA-Zoo, Sanary-sur-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

SAXIFRAGALES Crassulaceae aeonium urbicum sanary PD1
Dachwurz (Aeonium urbicum) im ZoA-Zoo, Sanary-sur-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Hauswurze (Sempervivoideae)

Dachwurz

Aeonium urbicum

CITES: Die Art ist nicht in den Anhängen aufgeführt.

Verbreitung: Kanarische Inseln: Teneriffa bis auf eine Höhe von 1'900 m.

Winterhärte: Aeonium urbicum ist nicht winterhart und erträgt keine Minustemperaturen. Vorzugstemperatur im Sommer 18-23°C, im Winter 10-15°C.

Bei der Dachwurz handelt sich um einen Blattrosetten bildenden unverzweigten oder wenig verzweigten, bis 2 m hohen Halbstrauch und somit um eine der größten Aeonium-Arten. Die Blattrosetten erreichen Durchmesser bis zu 50 cm. Der Blütenstand ist bis gegen 90 cm hoch. Die Blüten sind weiß oder rosa [10]. Die Art wurde ursprünglich als "Sempervivum urbicum" beschrieben. Auch als deutsche Namen werden die ansonsten für die bei uns heimischen Sempervivum verwendeten Bezeichungen Haus- oder Dachwurz angegeben.

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Literatur und Internetquellen:

  1.  CHAPMAN, P. & MARTIN, M. (1982)
  2. CLINI TOX
  3. GARTEN-LEXIKON
  4. HERBEL, D. (1978)
  5. MEIN SCHÖNER GARTEN
  6. ROTE LISTE DER IUCN
  7. ROWLEY, G. (1979)
  8. VAN WYK, B.-E. & SMITH, G. (1996)
  9. WEST, O. (1974/1992)
  10. WORLD OF SUCCULENTS
  11. FLORA-TOSKANA

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Freigegeben in Sukkulenten
Dienstag, 19 Mai 2020 08:08

Tropenwald im Zoo

TROPENWALD masoala zuerich PD1
"Masoa kély", Klein-Masoala im Zoo Zürich finanziert teilweise den Betrieb des Masoala-Nationalparks in Madagaskar © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

TROPENWALD jungletrek kerzers PD1
Der "Jungle Trek" im Papiliorama Kerzers zeigt Pflanzen des 400 km² großen Shipstern-Reservat in Belize, das vom Papiliorama betrieben wird © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

TROPENWALD suedostasien koeln PD1
Ein Wasserfall belebt das südostasiatische Regenwaldhaus im Kölner Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

TROPENWALD suedamerika krefeld PD1
Weißkopfsaki (Pithecia pithecia) im Südamerikanischen Regenwald des Krefelder Zoos © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

TROPENWALD amazonas stuttgart PD1
Pflanzenreichtum und Wasserfall im Amazonienhaus der Stuttgarter Wilhelma © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

TROPENWALD montpellier PD1
Grauflügel-Trompetervogel (Psophia crepitans) und Kunstfels-Dekoration in der Serre amazonienne des Zoos von Montpellier © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

TROPENWALD pierelatte PD1
Urwaldfluss in der Ferme aux Crocodiles in Pierrelatte © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

TROPENWALD alaris sassnitz PD1
Niedrige Pflanzen dominieren das Schmetterlingshaus "Alaris" in Sassnitz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Viele Zoos verfügen über "Tropen-" oder "Urwaldhallen", in denen Tiere und Pflanzen aus den Feuchtwäldern der Äquatorregion gezeigt werden. Einige Zoos haben Landschaften aus Kunstfels eingebaut, was aber bei dichtem Pflanzenwuchs kaum nötig ist, sodass andere darauf verzichten. In jedem Fall unverzichtbar sind aber Wasserfälle und offene Wasserflächen die nicht nur das Bild eines von hohen Niederschlägen geprägten Lebensraums vervollständigen, sondern auch für die nötige Luftfeuchte von mindestens 70% sorgen.

Die Besucherwege sind in aller Regel schmal und nach dem Immersionsprinzip [2] nicht oder nur stellenweise  durch Zäune oder Geländer von der Umgebung abgetrennt. Die meisten Tiere laufen oder fliegen frei in der ganzen Halle. Wo Gehege erforderlich sind, sind die Absperrungen so diskret wie möglich gestaltet, sodass die Besucher den Eindruck gewinnen, sie  befänden sich wirklich im Urwald.

Manche dieser Ausstellungen wollen einen Eindruck von einem bestimmten Reservat vermitteln, so z.B. der seit 2003 für Besucher zugängliche, eng mit einem langfristigen Naturschutzprojekt des Zoos in Madagaskar verknüpfte, 11'000 m² große und 35 m hohe Masoala-Regenwald des Zoo Zürich [1; 7]. Dem gleichen Zweck dient der 2008 eröffnete "Jungle Trek" im Papiliorama Kerzers, der dem vom Park betriebenen, inzwischen 400 km² großen Reservat Shipstern in Belize gewidmet ist. Diese beide Tropenhallen verfügen auch über einen  Baumkronenweg.

Andere Tropenwaldhäuser fokussieren auf eine bestimmte Region, wie z.B. das  "Borneohaus" des Tiergartens Schönbrunn (Eröffnungsjahr 2002) mit über 1'000 m² Grundfläche [5] oder das Urwaldhaus des Kölner Zoos (Eröffnungsjahr 2000) mit einer 17 m hohen und 1'250 m² großen Freiflughalle [4]. Beide präsentieren Ausschnitte aus dem Regenwald Südostasiens und ermöglichen Einblicke von verschiedenen Niveaus.

Beliebt sind Häuser, die sich der neotropischen Fauna und Flora widmen. Beispiele dafür sind der 1998 eröffnete Kuppelbau des Regenwaldhauses des Krefelder Zoos, das im Jahr 2000 mit 2'000 Pflanzen und verschiedenen Tieren dem Publikum übergebene, 1'200 m² Grundfläche aufweisende Amazonienhaus der Stuttgarter Wilhelma oder die seit 2007 bestehende, 2'600 m² große und 14,5 m hohe, auf zwei Geschoßen erlebbare "Serre amazonienne" des Städtischen Zoos von Montpellier, in der nebst relativ wenigen Tieren gegen 3'500 neotropische Pflanzen zu bewundern sind.

Auch eine Spezialisierung auf eine bestimmte, überwiegend in den Tropen vorkommende Tiergruppe gibt es, so z.B. der riesige, 8'000 m² unfassende Hallenkomplex der Ferme aux Crocodiles in Pierrelatte, in dem auch über 600 verschiedene Arten und Varietäten von Tropenpflanzen gezeigt werden. Auch Menschenaffenhäuser sind bisweilen reichlich mit Tropenwaldpflanzen bestückt, wobei in Anbetracht der großen Anziehungskraft der Tiere die Flora hier nur eine Nebenrolle spielt.

Einen Sonderfall stellen seit den 1970er-Jahren die ab 2001 in einem eigenen Verband (IABES) organisierten Schmetterlingshäuser dar, von denen es in Deutschland mittlerweile etwa 25 gibt, in Österreich 2, und in der Schweiz, dem Elsass und in Luxemburg je eines. Die meisten davon sind selbständige Einrichtungen oder werden im Rahmen eines Botanischen Garten betrieben. Das Besondere an ihnen ist, dass mit Rücksicht auf die Bedürfnisse ihrer Bewohner Schatten verbreitende Tropenbäume nur sehr begrenzt vorhanden sein dürfen, womit sich der Pflanzenbesatz weitgehend auf reichlich blühende Sträucher und Stauden beschränkt.

Wieder andere Tropenhallen zeigen Tiere und Pflanzen aus verschiedenen Kontinenten, wie etwa das Leipziger Gondwanaland, das seit 2001 dazu einlädt, auf 16'500 m² drei Kontinente unter einem Dach zu entdecken, das mit einem finanziellen Aufwand von 21 Millionen Euro aus einem Schwimmbad umgebaute und 2015 eröffnete Exotenhaus des Karlsruher Zoos [6], oder der bereits seit 1988 bestehende Burgers Bush in Arnheim [3], in Europa die bahnbrechende Einrichtung mit einer Grundfläche von 14'250 m² und einer Höhe von 20 m. Im Idealfall sind innerhalb eines solchen Hauses die Pflanzen nach phytogeographischen Gesichtspunkten gruppiert, was natürlich die gehaltenen Vögel nicht daran hindert, die ganze Halle zu befliegen. Der normale Besucher merkt das nicht, peinlich wird es nur, wenn Naturfilmer anstatt in die Tropen zu reisen, nach Arnheim zu Burgers Bush gehen und dort ihre Vögel aus Neuguinea dabei filmen, wie sie auf Pflanzen aus Südamerika sitzen ...

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Literatur und Internetquellen:

  1. GRAF, R. (2005)
  2. SALZERT, W. (2010)
  3. ZOOLEX GALLERY: BURGERS BUSH
  4. ZOOLEX GALLERY: KÖLNER ZOO - DER REGENWALD
  5. ZOOLEX GALLERY: TIERGARTEN SCHÖNBRUNN - REGENWALDHAUS
  6. ZOOLEX GALLERY: ZOO KARLSRUHE EXOTENHAUS - FREIFLUGHALLE
  7. ZOOLEX GALLERY: ZOO ZÜRICH - MASOALA RAINFOREST
  8. INTERNET-AUFTRITTE DER GENANNTEN ZOOS

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Freigegeben in Tropenwaldpflanzen
Dienstag, 12 Mai 2020 07:48

Kräuter und Gemüse im Bauerngarten

Allgemeines

In Bauergärten werden Obst, Gemüse, Küchen- und Heilkräuter sowie Zierpflanzen gepflegt. Diese bieten viele Möglichkeiten für die Zoopädagogik, um Themen wie z. B. Genetik, Biodiversität oder Ernährung abzuhandeln. Die hier präsentierte Auswahl an Kräutern und Gemüsen ist einstweilen noch etwas kümmerlich, Ergänzungen werden laufend eingefügt.

 

Küchen- und Heilkräuter

Gemüse und andere Nahrungspflanzen

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Küchen- und Heilkräuter

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Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)

ASPARAGALES allium schoenoprasum lfeld PD1
Schnittlauch (Allium schoenoprasum) im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASPARAGALES allium schoenoprasum lfeld PD2
Schnittlauch (Allium schoenoprasum), Blüten im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASPARAGALES allium schoenoprasum lfeld PD3
Schnittlauch (Allium schoenoprasum), Blütenknospen im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASPARAGALES allium schoenoprasum papiliorama PD1
Kleine Füchse (Aglais urticae) besuchen Schnittlauchblüten (Allium schoenoprasum) im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Lauchgewächse (Allioideae)
Tribus: Allieae

Schnittlauch

Allium schoenoprasum

Herkunft: Eurasien, Nordamerika.

Standorte: Die Wildform lebt auf feuchten Wiesen, in Flachmooren und an Bachufern von der kollinen bis zur alpinen Stufe. Im Garten bevorzugen die Stauden einen sonnigen Standort auf trockenen bis frischen Böden. Das Substrat sollte sandig-lehmig, kiesig-lehmig oder sandig-tonig sein und einen pH-Wert zwischen 6,5 und 7,5 aufweisen. Sie ertragen Temperaturen bis -29°C.

Blütezeit: Mai-August.

Schnittlauch ist eine relativ schnellwüchsige und langlebige sommergrün Zwiebelpflanze, die 10-40 cm hoch und 10- 30 cm breit wird. Die länglichen Zwiebeln sind von Häuten umgeben. Die Stengel sind nur am Grund beblättert. Die Blätter sind röhrig, rund und glatt. Die Blütenstände sind kugelig, dicht, ohne Brutzwiebeln. Sie werden von den Hüllblättern nicht überragt. Die Blütenstiele sind kürzer als die Perigonblätter, diese sind lebhaft rosa bis rotviolett gefärbt, 8-15 mm lang, zugespitzt, zusammenneigend und werden von den Staubblättern nicht überragt. Die Fruchtkapsen sind meist sechssamig. Im Sommer tragen die Pflanzen braune fachspaltige Kapselfrüchte. Es gibt violett-, rot-, rosa-, weiß- und mehrfarbig blühende Kultursorten [3; 4; 5; 6].

Aufgrund seines Gehalts an die Magenschleimhaut und Erythrozyten angreifenden schwefelhaltigen, nicht-proteinogene Aminosäuren wird Schnittlauch wie andere Allium-Arten als giftig eingestuft, faktisch ist die seit dem Mittelalter als Gewürz kultivierte Pflanze jedoch unbedenklich. Sie ist auch eine willkommene Nektarquelle für Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und andere Insekten [1; 6]

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BORAGINACEAE borago officinalis bannholz PD1
Borretsch (Borago officinalis), Blüten, im Mai, verwildert am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

BORAGINACEAE borago officinalis bannholz PD2
Borretsch (Borago officinalis) im Mai, verwildert am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

BORAGINACEAE borago officinalis bannholz PD3
Borretsch (Borago officinalis) im Mai, verwildert am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Boraginoideae
Tribus: Boragineae

Borretsch

Borago officinalis

Herkunft: Süd- und Osteuropa, Nordafrika, Naher Osten. Eingeschleppt in Nord- und Südamerika, Australien, Neuseeland sowie auf den Azoren und Kanaren. In Mitteleuropa stellenweise verwildert.

Standorte: Die Wildform lebt in Weinbergen, auf Schuttplätzen und Brachen vom Tiefland bis zur montanen Stufe. Im Garten bevorzugen die Stauden einen sonnigen bis halbschattigen Standort und stellen keine besonderen Ansprüche an den Boden. Sie ertragen Temperaturen bis -20°C.

Blütezeit: Mai-August.

Der auch "Gurkenkraut" genannte Borretsch ist eine einjährige, horstbildende Krautpflanze, die eine Höhe von 20-70(-100) cm erreicht. Der fleischige Stengel ist mit steifen, stechenden Haaren besetzt. Die Blätter sind lanzettlich, mit gewelltem, unregelmässig gezähntem Rand, ihre Spreite verschmälert sich plötzlich in einen geflügelten Stiel. Die  rosettenförmig angeordneten unteren Blätter sind bis 10-15 cm lang. Der doldenartige Blütenstand ist oft weit ausladend. Die Blütenkronen sind himmelblau, seltener lila, mit kurzer Röhre und 5 flach ausgebreiteten, fein zugespitzten Zipfeln. Sie haben einen Durchmesser von 2-3 cm. Die von weißen Schlundschuppen umgebenen Staubgefäße sind dunkelblau. Die ca. 1,5 cm langen Kelchzipfel sind schmal-lanzettlich. Es werden etwa fünf Millimeter große und dunkelbraune Klausenfrüchte gebildet [4; 5; 6].

Blüten und junge Blätter können gegessen werden. Ein Übermaß ist jedoch zu vermeiden, denn Borretsch enthält viele Gerbsäuren, Saponine und Schleimstoffe. Wegen dieser Inhaltsstoffe fand er auch Anwendung in der Volksmedizin [6].

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Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)

LAMIALES LAMIACEAE Mentha x piperita lfeld PD1
Blühende Pfefferminze (Mentha x piperita) im August in Privatgarten, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

LAMIALES LAMIACEAE Mentha x piperita lfeld PD2
Blätter der Pfefferminze (Mentha x piperita) im August in Privatgarten, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

LAMIALES LAMIACEAE Mentha x piperita lfeld PD3
Blätter der Pfefferminze (Mentha x piperita) im August in Privatgarten, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Nepetoideae
Tribus: Mentheae

Pfefferminze

Mentha x piperita

Herkunft: Die Pfefferminze ist eine seit mehreren Jahrunderten kultivierte Heilpflanze die aus der Kreuzung mehrerer europäischer Minzenarten entstanden ist. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Kreuzung von Bachminze (Mentha aquatica) und Grüner Minze (Mentha spicata), die ihrerseits eine Kreuzung aus Rossminze (Mentha longifolia) und Rundblättriger Minze (Mentha rotundifolia) ist.

Standorte: An sonnigen Standorten auf mäßig trockenen bis mäßig feuchten, sandigen Böden

Blütezeit: Juli-September.

Die Pfefferminze ist eine aufrechte, oberirdische Ausläufer bildende winterharte Staude, die Temperaturen bis -24C erträgt. Sie ist ein Flachwurzler. Ihre Stengel sind in der Regel wenig verzweigt und können bei äteren Pflanzen an der Basis verholzen. Ihre duftenden, essbaren Blätter sind kreuzgegenständig, ihre Form und Farbe variiert je nach Sorte. Der Duft kommt aus winzigen Öldrüsen auf der Unterseite der Blätter, die bei Berührung duftenden ätherischen Öle freigeben. Die violetten, rosafarbenen oder wie en Blüten stehen in Rispen [4; 6].

Die Blätter der Pfefferminze enthalten ätherische Öle (u.a. Menthol), Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide, Enzyme und Valeriansäure. Sie werden vor der Blüte im Frühsommer gesammelt und zu Tee verarbeitet, dem eine antibakterielle, beruhigende, entzündungshemmende, keimtötende, galletreibende, krampflösende, schmerzstillende und tonisierende Wirkung zugesprochen wird. Die ätherischen Öle klnnen auch inhaliert oder äußerlich angewendet werden [12].

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LAMIACEAE salvia officinalis PD1
Echter Salbei (Salvia officinalis) im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

LAMIACEAE salvia officinalis PD2
Echter Salbei (Salvia officinalis), Blattunterseite, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Nepetoideae
Tribus: Mentheae

Echter Salbei

Salvia officinalis

Herkunft: Algerien und Südliches Europa bis zur Schweiz, hier vor allem im Wallis, entlang des Genfersees und im Genfer Becken verbreitet.

Standorte: Die Wildform besiedelt Trockenwiesen und Felsensteppen vom Tiefland bis zur kollinen Stufe. Im Garten bevorzugen die Stauden einen sonnigen Standort auf trockenen bis frischen Böden. Das Substrat sollte lehmig, sandig-lehmig oder sandig-tonig sein und einen pH-Wert zwischen 8 und 10 aufweisen. Sie ertragen Temperaturen bis -18°C.

Blütezeit: Mai-Juli.

Der Echte Salbei ist ein ausdauernder, immergrüner, buschig wachsender 50-80 (30-100) cm hoher und 60-100 cm breiter Halbstrauch, der stark aromatisch riecht. Die Stengel älterer Pflanzen sind am Grund holzig. Die einfachen, silbrig-grauen Blätter sind gegenständig angeordnet. Sie sind elliptisch, gekerbt und gestielt, haben eine filzige Oberfläche und einen meist einen fein und stumpf gezähnten Rand. Die hellpurpurnen oder violetten Blüten stehen in meist lockeren quirligen Teilblütenständen. Die Tragblätter sind eiförmig bis lanzettlich, kürzer als der Kelch und fallen oft früh ab. Aus den bestäubten Blüten entwickeln sich braune Klausenfrüchte [3; 4; 5, 6].

Der Echte Salbei dient nicht nur als Gewürz, sondern wird auch bei vielen Beschwerden als Heilpflanze mit innerlichen und äußerlichen Applikationen eingesetzt. Er enthält ätherisches Öl mit Mono- und Diterpenen, darunter das neurotoxische Thujon, weshalb er als leicht toxisch eingestuft wird. Die chronische Aufnahme kann bei Pflanzenfressern zu einer Reizung der Schleimhäute des Magen-Darm-traktes führen, was sich mit einer gesteigerten Salivation, Abdominalschmerzen und Diarrhoe äussern kann [1; 6].

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Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)

RANUNCULACEAE helleborus viridis illerbeuren PD2
Grüne Nieswurz (Helleborus viridis) im Schwäbischen Bauernhofmuseum, Illerbeuren © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

RANUNCULACEAE helleborus viridis illerbeuren PD1
Grüne Nieswurz (Helleborus viridis) im Schwäbischen Bauernhofmuseum, Illerbeuren © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Helleboreae

Grüne Nieswurz

Helleborus viridis

Herkunft: Süd-, West- und Mitteleuropa.

Standorte: Lichte Wälder und Gebüsche auf Kalkböden vom Tiefland bis zur montanen Stufe, gebietsweise auch höher.

Blütezeit: Februar-April.

Die Grüne Nieswurz ist eine 30-50 cm hohe, ausdauernde Krautpflanze mit verzweigten, wenigblütigen und nur an den Enden beblätterten Stengeln. Die Blätter sind  mittelgrün, die meist 2 grundständigen, nicht überwinternden Blätter sind fußförmig geteilt. Sie haben einen Durchmesser bis 20 cm, ihre Abschnitte sind scharf gezähnt, lanzettlich, ungeteilt oder geteilt.
Die Blüten sind gelblich-grün, mehr oder weniger nickend, mit 5 zusammenhängenden, ca. 2.5-3 cm langen, Blumenblättern (eigentlich Kelchblättern), die 5-15 trichterförmige Honigblätter, zahlreiche Staubblätter und 3-8 Fruchtknoten umschliessen. Die Früchte sind vielsamige Balgfrüchte [4].

Die Grüne Nieswurz wurde früher als Heilpflanze für die Anwendung bei Mensch und Vieh kultiviert. Unter anderem wurde aus dem getrockneten Wurzelstock ein Niespulver gewonnen, daher der deutsche Trivialnamen "Nieswurz" [14].

Die Grüne Nieswurz ist sehr stark giftig. Sie enthält Helleborin, ein Saponingemisch, Ranunculoside und Hellebrin, ein  Herzglycosid. Diese Toxine werden durch Trocknung und Lagerung nicht zerstört. Beim Rind können 250 g frische Wurzeln oder 500 g ganze Pflanzen zu Speichelfluss, Erbrechen, Diurchfall, Kolik, Erweiterung der Pupillen, zentralnervöse Erregung, Lähmung, Bradykardie, Herzrhythmusstörungen, Herzstillstand und damit zum Tod führen [1].

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Gemüse und andere Nahrungspflanzen

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Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)

BRASSICACEAE raphanus sativus bluete querdenk
Radieschenblüte (Raphanus sativus var. sativus) © Querdenk. Veröffentlicht unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz.

 

BRASSICACEAE raphanus sativus PD1
Verkaufsfertige Radieschenknollen (Raphanus sativus var. sativus) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Tribus: Brassiceae

Radieschen

Raphanus sativus var. sativus

Das Radieschen ist eine Unterart oder Varietät des Gartenrettichs (Raphanus sativus), der möglicherweise vom Ackerrettich (Raphanus raphanistrum) abstammt.

Herkunft: Das Radieschen stammt ursprünglich aus China und Japan. In Europa hat es sich erst im 16. Jahrhundert etabliert.

Standorte: Leichte bis mittelschwere, humöse Böden an sonnigen Standorten. Radieschen sind Schwachzehrer, die sich gut mit Tomaten, Bohnen und Salaten vergesellschaften lassen. Dank kurzer Kulturdauer und geringem Platzbedarfs sind sie als Vor-, Zwischen- und Nachkulturen ideale Lückenfüller im Gemüsebeet.

Blütezeit: Keine feste. Während der ganzen Vegetationsperiode je nach Aussaat.

Radieschen sind Krautpflanzen mit dunkelgrünen, rau behaarten und an den Rändern leicht gezackten Blättern auf dünnen, 10-15 cm hohen Stielen. Unterirdisch bilden sie  je nach Sorte runde, ovale oder zylindrische Knollen mit roter, weißer oder halb roter, halb weißer Farbe aus. Radieschen werden einjährig kultiviert und entwickeln sich sehr rasch. Im Sommer kann bereits drei bis vier Wochen nach der Aussaat geerntet werden. Im Frühjahr und Herbst beträgt die Kulturdauer etwa acht Wochen [6].

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Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Knöterichgewächse (Polygonaceae)

CARYOPHYLLALES polygonaceae fagopyrum esculentum ballenberg PD1
Buchweizen (Fagopyrum esculentum), Blüte im Juni im Schweizerischen Freilichtmuseum Ballenberg, Bienzwiler, Berner Oberland © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

CARYOPHYLLALES polygonaceae fagopyrum esculentum ballenberg PD2
Buchweizen (Fagopyrum esculentum) im Juni im Schweizerischen Freilichtmuseum Ballenberg, Bienzwiler, Berner Oberland © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Polygonoideae

Buchweizen

Fagopyrum esculentum

Herkunft: Die Wildform stammt aus Zentral- bis Ostasien. In vielen Ländern kultiviert und manchenorts verwildert.

Standorte: Sonnig bis halbschattig, gerne auf leicht sauren Böden.

Blütezeit: Juli-Oktober.

Der Buchweizen ist ein sogenanntes Pseudogetreide: Er wird ähnlich wie Getreide verwendet,  gehört aber nicht zur Familie der Süßgräser (Poaceae), sondern ist eine einjährige, krautige Pflanze. Die eher schwachen Faserwurzeln reichen bis zu einem Meter tief, wurzeln aber auch gern oberflächlich. An den rot überlaufenen, 50 bis 70 Zentimeter hohen und stark verzweigten Stängeln sitzen herzförmige, ganzrandige Blätter. Ab Juni erscheinen in den Achseln der Hochblätter zahlreiche, in lockeren Trauben stehende, kleine weiße oder rötliche Blüten. Diese locken zahlreiche Insekten an, von denen sie bestäubt werden. Aus den Blüten reifen anschließend essbare, braune, nussähnliche Früchte heran [6].

Buchweizen enthält Rutin, Cyanidin, Leucocyanidin, Chlorogensäure und Fagopyrin. Die jungen Blüten und Samenschalen gelten als stark giftig. Weiße und hellhäutige Tiere, namentlich Pferde und Schafe, werden nach Aufnahme von Fagopyrin lichtempfindlich und können an ungeschützten Hautpartien schlecht heilende Dermatitiden entwickeln. Aus dem Buchweizenmehl werden glutenfreie Pfannkuchen, Grütze oder Fladenbrote, in Graubünden und in der Lombardei Pizokels bzw. Pizzoccheri, in Frankreich Galettes und in Japan Soba-Nudeln hergestellt. In der Naturheilkunde wird Buchweizen wegen seines Gehalts an Rutin bei Venenerkrankungen eingesetzt [1; 6]

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Rhabarber (Rheum rhabarbarum) im Schwäbischen Bauernhofmuseum, Illerbeuren © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Osterglocke (Narcissus pseudonarcissus) im Schwäbischen Bauernhofmuseum, Illerbeuren © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Polygonoideae

Rhabarber

Rheum rhabarbarum

Herkunft: Zentralasien.

Standorte: In der Natur auf humus- und nährstoffreichen, feuchten, besonnten oder halbschattigen  Auenböden oder Sandböden.

Blütezeit: April-Mai.

Der Rhabarber ist eine bis 1.5 m hohe, ausdauernde Krautpflanze. Die Blätter sind  rundlich bis oval mit einem Durchmesser bis 80 cm, wellig-kraus, grundständig, mit dickfleischigen Stielen und radiär verlaufenden Hauptrippen. Die zahlreichen Blüten sind weißlich oder grünlich-gelb, klein, zwittrig, mit 6 gleichen, 4-8 mm langen Perigonblätter und 9 Staubblättern; der Gesamtblütenstand ist sehr gross, rispig verzweigt und nur im unteren Teil beblättert. Die Früchte sind 2- bis 4-flügeliges Nüsschen. Die Wurzel bildet ein Rhizom [1].

Rhabarber ist eine der beliebtesten Pflanzen im Nutzgarten. Er ist ein Stielgemüse, wird allerdings wie Obst fast ausschließlich für Kompott, Kuchen und andere Süßspeisen verwendet. Es handelt sich um eine winterharte Staude, die rund zehn Jahre am gleichen Standort bleiben kann und im Idealfall jedes Jahr an Größe und damit an Ertrag zulegt. Die Ernte der Stiele erfolgt ab Mai [6].

Rhabarber enthält Oxalsäure und gilt in rohem Zustand als schwach giftig. Der Oxalsäuregehalt ist in den Blättern am höchsten [1].

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Portulak (Portulaca oleracea) «Mega Pazzaz Gold», Ende Juni im Zoologisch-Botanischen Garten Mülhausen im Elsass © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

CARYOPHYLLALES portulacaceae portulaca oleracea mega pazzaz gold mulh PD2
Portulak (Portulaca oleracea) «Mega Pazzaz Gold», Ende Juni im Zoologisch-Botanischen Garten Mülhausen im Elsass © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Portulacaeae

Portulak, Sommer- oder Gemüseportulak

Portulaca oleracea

Herkunft: Vermutlich Südost- und Südeuropa, in Mitteleuropa als Archäophyt eingebürgert.

Standorte: Unkrautgesellschaften, Weinberge, zwischen Pflastersteinen und an Wegrändern.

Blütezeit: (Mai-)Juni-September(-Oktober.

Der einjährige Gemüse-Portulak wächst rasch und buschig und wird zwischen 10 und 30 Zentimeter hoch. Er bildet rötliche Stengel mit verkehrt-eiförmigen, fleischigen, grünen oder gelblichgrünen, bis 2 cm langen,ungestielten Blättern, die am Ende der Zweige sitzen. Die kleinen gelbliche oder weiße Blüten erscheinen in den Blattachseln oder an den Triebspitzen [4; 6].

Portulak schmeckt nussig-säuerlich, enthält viele Vitamine und gesunde Fettsäuren. Die jüngeren Blätter und Stengel werden als Rohkost oder Salat zubereitet. Das Wildgemüse wird nicht nur zum Verfeinern von Salaten und Quark genutzt, sondern dient auch als Heilpflanze [6].

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Ordnung: Kürbisartige (Cucurbitales)
Familie: Kürbisgewächse (Cucurbitaceae)

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Zucchini (Cucurbita pepo subsp. pepo convar. giromontiina) im Juni im Bauerngarten des Tierparks Lange Erlen, Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Elefantenkalb mit ausgehöhltem Gartenkürbis (Cucurbita pepo) im Tiergarten Schönbrunn © Tiergarten Schönbrunn / D. Zupanc (Pressefoto)

 

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Eisbär mit Gartenkürbis (Cucurbita pepo) als Spielzeug und Beschäftigungsfutter im ErlebnisZoo Hannover © Zoo Hannover (Pressefoto)

 

CUCURBITACAEAE cucurbita pepo bremerhaven waschbaer
Ausgehöhlter Gartenkürbis (Cucurbita pepo) zur Beschäftigung von Waschbären im Zoo am Meer, Bremerhaven © Zoo am Meer (Pressefoto)

Unterfamilie: Cucurbitoideae
Tribus: Cucurbiteae

Gartenkürbis

Cucurbita pepo

Herkunft: Mittel- und Ostasien. Gelangte um 1400 über Russland und die Türkei nach Europa.

Standorte: Gartenkürbisse sind sehr frostempfindlich. Sie gedeihen am besten in Kompostbeeten oder auf Komposthaufen.

Blütezeit: Juni-August.

Der Gartenkürbis ist eine von fünf Kürbisarten, die kultiviert worden sind. Es handelt sich um eine einjährige krautige Pflanze, die kletternd oder kriechend wächst, sich mittels Ranken festklammern und eine Ausdehnung bis zu 10 m erreichen kann. Sie hat sehr große, etwas gelappte, einfache Laubblätter mit herzförmiger Spreite und langem Stil. Die Pflanze ist ist einhäusig getrenntgeschlechtig. Die am Vormittag geöffneten Trichterblüten haben eine goldgelbe Krone mit einem Durchmesser von 7-10 cm. Die Kronröhre der männlichen Blüten ist becherförmig und mit Zipfeln versehen. Bei den aus den befruchteten weiblichen Blüten entstehenden Früchten handelt es sich um Panzerbeeren, deren Außenhaut im vollreifen Zustand mehr oder weniger stark verholzt [6; 7].

Der Gartenkürbis ist sehr vielgestaltig. Er hat mehrere Unterarten und Varietäten gebildet, aus denen die unterschiedlichsten Kultursorten mit tennisballgroßen bis 60 kg schweren Früchten herausgezüchtet wurden, so b.B. Zucchetti, Patisson, Spaghettikürbis, Halloweenkürbis, Steirischer Ölkürbis und Zierkürbisse. Letztere sind oft mehrfarbig und haben zum Teil recht bizarre Formen [7].

Fruchtfleisch und Samen der Kürbisse sind reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Vom Kürbis werden sowohl die nussig schmeckenden Samen, als auch das Fruchtfleisch als Nahrungsmittel genutzt. Aus den Samen mancher Sorten wird ein Öl gepresst. Die  Samen vor allem von weichschaligen Ölkürbiskultivaren finden in der Volksmedizin bei verschiedenen Indikationen. Halloween-Kürbisse sind zum Aushöhlen für Laternen geeignet. Zierkürbisse dienen Dekorationszwecken. Im Zoo wrden Kürbisse als Spielzeug oder Beschäftigungsfutter eingesetzt [6; 7].

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Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)

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Buschbohne (Phaseolus vulgaris var. nana), im Juni im Bauerngarten des Tierparks Lange Erlen, Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Buschbohne (Phaseolus vulgaris var. nana), Blüte im Juni im Bauerngarten des Tierparks Lange Erlen, Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus:  Phaseoleae

Gartenbohne

Phaseolus vulgaris

Herkunft: Die mutmaßliche Stammform der Gartenbohne, Phaseolus aborigineus, ist von den südlichen USA über Mittelamerika und die Andenkette bis nach Nordchile verbreitet. Im 16. Jahrhundert wurden die Gartenbohne das erste Mal in Europa nachgewiesen.

Standorte: Nährstoffreiche Büden an sonnigen und warmen Standorte. Kühle Witterung und Wind hemmen das Wachstum. Mittelschwere und leichtere Böden sind am besten geeignet.

Blütezeit: Juni-September.

Die Gartenbohne ist eine einjährige, linkswindende Kletterpflanze die je nach Sorte eine Höhe von bis zu 400 cm erreicht. Stangenbohnen (var. communis) benötigen eine Kletterhilfe. Die im 19. Jahrhundert gezüchteten Buschbohnen (var. nana) werden dagegen nur 30-50 cm hoch. An den Wurzeln sitzen stickstoffbindende Wurzelknöllchen. Der Stengel ist verzweigt, die dreizähligen Blätter sind gestielt und bestehen aus breiten, eirunden und zugespitzten Teilblättchen. Die Schmetterlingsblüten können weiß, gelblich oder violett gefärbt sein und stehen in wenigblütigen Trauben. Als Frucht entwickelt sich je nach Sorte eine grüne, gelbe, blaue, gestreifte oder marmorierte Schote die zwischen 10 und 30 Zentimeter lang ist und 2 bis 8 Samen (Bohnen) enthält [6; 7].

Die Gartenbohne enthält Lectine, Trypsininhibitoren, Tannine und cyanogene Glykoside. Die ganze Pflanze ist stark giftig, namentlich die Samen. Beim Schwein treten Vergiftungserscheinungen wie Fressunlust, hämorrhagische Gastroenteritis, tonisch-klonische Krämpfe etc. nach der Aufnahme von 300 g rohen Gartenbohnen pro Tag auf, beim Rind nach Aufnahme von 500 g. Störungen sind aber schon bei viel geringeren Dosen wahrscheinlich. Durch Kochen werden die Gifte zerstört. Die Schoten sind reich an Kohlenhydraten, an Vitaminen der B-Gruppe und sie sind wertvolle Lieferanten für die Mineralstoffe Kalium, Magnesium, Calcium, Eisen und Kupfer. Weiterhin enthalten sie sekundäre Pflanzenstoffe, insbesondere Flavonoide, die krebsvorbeugend und antimikrobiell wirken sollen [1; 7].

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Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)

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Sortenvielfalt bei der Tomate (Solanum tuberosusm): Unterschiedliche Farben © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Sortenvielfalt bei der Tomate (Solanum tuberosusm): kleinbleibende Cherry-Tomaten © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Solanoideae
Tribus: Solaneae

Tomate

Solanum lycopersicum

Herkunft: Die Wildformen der Tomate stammen aus Norchile bis Venezuela. Kultiviert wurde die Art hauptsächlich in Peru und Mexiko, von wo aus sie sich praktisch weltweit verbreitete.

Standorte: Nährstoffreiche Böden an sonnigen und warmen Standorten.

Blütezeit: Ab Mai bis in den Oktober.

Tomaten sind ein- bis zweijährige Stauden. Sie werden zwischen 20 cm (Buschtomaten) und 2 m (Stabtomaten) hoch. Ihre dunkelgrünen und fleischigen Blätter sind grob gefiedert und leicht behaart. Charakteristisch ist ihr würziger Duft. Ab Mai erscheinen in den Blattachseln bis zu 20 gelbe Blüten, die einen Durchmesser von 15-20 mm haben und sich selbst bestäuben oder durch Insekten, namentlich Hummeln, bestäubt werden. Innerhalb von zwei Monaten entwickeln sich daraus zunächst grüne Beerenfrüchte mit einem Durchmesser von 2-10 cm, die dann je nach Sorte grün bleiben oder sich nach rot, gelb oder schwärzlich verfärben. Die Sortenvielfalt ist enorm, weltweit dürften es über 10'000 sein. Die Sorten können nach ihrer Wuchs- und Fruchtform wie folgt gruppiert werden [1; 6]:

  • Stabtomaten (langer Haupttrieb, der aufgebunden werden muss)
  • Busch- oder Balkontomaten (buschiger Wuchs und begrenztes Höhenwachstum)
  • Fleischtomaten (sehr große, gerippte Früchte mit fünf bis zehn Kammern)
  • Kirsch- oder Cocktailtomaten (kleine, kirschen- oder birnenförmige Früchte)

Die ganz Pflanze mit Ausnahme der reifen Früchte ist schwach giftig. Sie enthält Solanum-Alkaloide. Das Hauptglykosid der oberirdischen Organe ist α-Tomatin (Tetrasoid des Tomatidins). Größere Mengen unreifer Tomaten können zu Erbrechen, Abdominalschmerzen und Diarrhoe führen. [1].

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Kartoffel (Solanum tuberosusm) "Blaue St. Galler", im Juni im Bauerngarten des Tierparks Lange Erlen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SOLANACAEAE solanum tuberosum blaue st galler erlen PD1
Kartoffel (Solanum tuberosusm) "Blaue St. Galler", im Juni im Bauerngarten des Tierparks Lange Erlen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SOLANACAEAE solanum tuberosum ackersegen erlen PD1
Kartoffel (Solanum tuberosum), "Ackersegen", Blüten im Juni im Bauergnarten des Tierparks Lange Erlen Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SOLANACAEAE solanum tuberosum ackersegen erlen PD2
Kartoffel (Solanum tuberosum), "Ackersegen", Blüten im Juni im Bauergnarten des Tierparks Lange Erlen Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Solanoideae
Tribus: Solaneae

Kartoffel

Solanum tuberosum

Herkunft: Die Ausgangsformen der heutigen kultivierten Kartoffeln stammen aus dem Andenraum Südamerikas. Nach Europa wurde sie 1573 erstmals eingeführt. Wegen ihrer attraktiven Blüten wurde sie bei uns zunächst nur als Zierpflanze angebaut. Der großflächige Anbau als Nahrungspflanze erfolgte in Deutschland erst ab dem 18. Jahrhundert. Dazu hat wesentlich der preußische König Friedrich der Große beigetragen, der den Wert der Kartoffel als Grundnahrungsmittel für seine Soldaten erkannte und ihren Anbau förderte.

Standorte: Die Kartoffel bevorzugt sandig-lehmige Böden mit einem schwach sauren pH-Wert von 5 bis 6 aufweist. Das Substrat sollte humusreich und frei von störenden Bodenhindernissen sein, damit die Knollen ungestört wachsen können.

Blütezeit: April-Juli.

Die Kartoffel ist eine aufrecht und bis zu einem Meter hoch wachsende krautige Pflanze. An den oberirdischen Laubtrieben mit gefiederten Blättern erscheinen weiße, rosafarbene oder violette fünfzählige Blüten mit gelben Staubbeuteln, aus denen kirschgroße, grüne und ungenießbare Beeren entstehen. Unterirdisch bilden sich Knollen, die durch Tragfäden mit den Wurzelsprossen verbunden sind und als Nährstoffspeicher dienen. Je nach Sorte variieren Knollenform und Farbe des Fruchtfleisches [6].

Darüber, ob die Kartoffel ein Gemüse sei oder nicht, lässt sich trefflich streiten. Die Weltgesundheits-Organisation sagt: „Kartoffeln, Süßkartoffeln und andere stärkehaltige Knollen zählen nicht als Obst oder Gemüse", was aber den Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt nicht daran hinderte, die Kartoffel 2003 zum Gemüse des Jahres auszurufen [8].

Die Kartoffel ist giftig, weil sie steroidale Glycoalkaloide und verschiedene Glykoside enthält. Keine Vergiftungen ergeben sich durch einwandfreie Knollen, deren Solaningehalt etwa bei 7 mg/100g Frischgewicht liegt. Knollen mit mehr als 10-20 mg Alkaloid/100g Frischgewicht können zu gesundheitlichen Schäden führen. Die letale Dosis beträgt beim Schaf 250 mg, beim Kaninchen 20-30 mg Solanidin/kg Körpergewicht. Vergiftungssymptome nach Aufnahme von Kartoffelkraut sind beim Rind Anorexie und Obstipation, dann Diarrhoe, Kolik, Speichelfluss, Apathie, Somnolenz, Kollaps, erweiterte Pupillen, geschwollene Augenlider; Hautekzeme besonders an den Beinen, Krämpfe, Lähmung, Anämie und letztlich Tod durch Atemlähmung [1].

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Literatur und Internetquellen:

  1. CLINI TOX
  2. GARTENLEXIKON
  3. HORTIPEDIA
  4. INFO FLORA
  5. LAUBER, K. & WAGNER, G. (1991) 
  6. MEIN SCHÖNER GARTEN
  7. PFLANZEN-LEXIKON
  8. NUTZPFLANZENVIELFALT
  9. PYRGUS.DE
  10. AGROSCOPE
  11. ATLAS BIG
  12. HEILKRÄUTER-SEITEN
  13. DIE HONIGMACHER
  14. HENRIETTES HERBAL HOMEPAGE

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Freigegeben in Gartenpflanzen
Mittwoch, 06 Mai 2020 15:39

Waldblumen

 

Allgemeines

Auf diesem Blatt werden nur in Mitteleuropa vorkommende Arten vorgestellt

 

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Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie:  Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)

AMARYLL allium ursinum lfeld PD3
Bärlauch (Allium ursinum), Anfang Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

AMARYLL allium ursinum lfeld PD2
Bärlauch (Allium ursinum), Anfang Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

AMARYLLIDACEAE allium ursinum steinhoelzli PD1
Bärlauch (Allium ursinum) im Steinhölzliwald, Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Lauchgewächse (Allioideae)
Tribus: Allieae

Bärlauch

Allium ursinum

Verbreitung: Europa und Kleinasien, fehlt in Teilen des Mittelmeerraums und in der ungarischen Tiefebene.

Standorte: Bevorzugt werden halbschattige Standorte auf trockenen bis frischen Böden. Flächendeckend im Aronstab-Buchenwald (Aro-Fagetum). Die Pflanzen ertragen Temperaturen bis -29°C.

Blütezeit: April-Mai.

Der Bärlauch ist eine ausdauernde, sommergrüne Zwiebelpflanze, die eine Wuchshöhe von etwa 20-30 (15-40) cm erreicht. Die sehr schlanke, längliche von Häuten umgebene Zwiebel wird aus den Ansätzen der beiden Laubblätter gebildet und ist 2-4, selten bis 6 cm lang. Die einfachen, grundständigen Blätter sind dunkelgrün, lineal und ganzrandig, gestielt und parallelnervig. Die sechszähligen, weißen und radförmig Blüten sind in Dolden angeordnet. Die Pflanzen bilden fachspaltige, meist sechssamige Kapselfrüchte[2; 3; 4; 6; 11]

Bärlauch enthält schwefelhaltige, nicht-proteinogene Aminosäuren, welche  die Schleimhaut des Magen-Darmtrakts reizen, was sich in Erbrechen und Durchfall äußert. Der Haupteffekt ist aber die oxidative Denaturierung des Hämoglobins, was zu einer hämolytischen Anämie führen kann. In der Praxis braucht es aber wohl große Mengen, bis es zu Vergiftungen kommt, denn die grünen Blätter des Bärlauchs können in der Küche wie Knoblauch, Zwiebeln, Schnittlauch und Lauch als Gemüse verwendet, zu Pesto verarbeitet und gegessen werden. In der Volksmedizin wird Bärlauch als Heilpflanze eingesetzt, mit der u. a. Bluthochdruck, Herzinfarkten und Schlaganfällen vorgebeugt werden soll [1; 4]

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AMARYLLIDACEAE galanthus nivalis lfeld PD1
Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), Ende Februar in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

AMARYLLIDACEAE galanthus nivalis lfeld PD4
Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), Ende Februar in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

AMARYLLIDACEAE galanthus nivalis lfeld PD3
Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), Ende Februar in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Amaryllidoideae
Tribus: Galantheae

Kleines Schneeglöckchen

Galanthus nivalis

Verbreitung: Europa: Balkanhalbinsel, Frankreich, Südwest-Deutschland, Italien, Österreich, Südpolen, Schweiz, Westukraine. In weiteren Gebieten Europas und in Nordamerika verwildert.

Standorte: vom Tiefland bis in die montane Stufe. In Rotbuchen- und Flaumeichenwäldern. In Obstgärten und Auenwäldern meist in größeren Beständen.

Blütezeit: (Januar-) Februar-März.

Das Schneeglöckchen ist eine mehrjährige, 10-20 cm hohe, einblütige Zwiebelpflanze mit meistens 3 grundständigen, linealen und fleischigen Blättern. Die meist von einem Hochblatt überragte Blüte hängt nickend an einem dünnen Stengel. Sie hat je 6  Staub- und Perigonblätter. Die drei äußeren Perigonblätter sind rein weiß und stehen ab, die inneren sind an der Spitze ausgerandet und haben einen grünen Fleck. Die Frucht ist eine dreifächrige, mehrsamige Kapsel. Die natürliche Verbreitung erfolgt durch Ameisen: Nach der Blüte senkt sich der Blütenstengel nach unten, der Fruchtknoten platzt auf und die Ameisen machen sich über die Samen her, die einen Fortsatz besitzen, der von den Ameisen gefressen wird. Die Zwiebel hat einen Durchmesser von etwa 1 cm [2; 3; 4].

Die ganze Pflanze enthält die Alkaloide Galanthamin und Lycorin. In der Zwiebel findet sich zudem Galanthamin, das hitzebeständige Lycorin, Tazettin, Magnarcin und Nartazin. Klinische Symptome bei Vergiftungen sind Pupillenverengung, Schwindel, Erbrechen, Durchfall, in Einzelfällen Fieber und verstärkter Speichelfluss. Bei sehr großen Mengen kann es zu Lähmungserscheinungen und Kollaps kommen [1].

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Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie:  Spargelgewächse (Asparagaceae)

ASPARAGALES convallaria majalis lfeld PD2
Maiglöckchen (Convallaria majalis), Anfang Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASPARAGALES convallaria majalis lfeld PD1
Maiglöckchen (Convallaria majalis), Anfang Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Nolinoideae

Maiglöckchen

Convallaria majalis

Verbreitung: Europa, fehlt im Hohen Norden, Teilen des Mittelmeergebiets und ausgesprochenen Grasländern wie der ungarischen Tiefebene und den Steppen nördlich des Schwarzen Meers. Isoliertes Vorkommen im Kaukasus. Eingebürgert im Osten der USA.

Standorte: Wälder, Bergwiesen, Geröllhalden vom Tiefland bis zur subalpinen, stellenweise alpinen Stufe. Das Maiglöckchen ist eine Charakterpflanze des Weißseggen- und des Linden-Buchenwalds. Bevorzugt werden halbschattigen bis schattigen Standorte auf feuchten Böden. Das Substrat sollte lehmig oder lehmig-tonig sein. Die Pflanzen ertragen Temperaturen bis -40°C.

Blütezeit: Mai.

Das Maiglöckchen ist eine mehrjährige, Rhizome bildende Staude, die vergleichsweise langsam wächst. Sie hat einen 10-25 (-30) cm hohen, aufrechten Stengel, der von zwei übereinander stehenden, breit-lanzettlichen, bis 10 cm breiten und 20 cm langen Laubblättern scheidig umfasst wird. Die Blätter nehmen im Herbst eine attraktive gelbe Färbung an. Die Blüten sitzen nickend in einer 5-10-blütigen, endständigen, langgestielten, einseitswendigen Traube. Sie haben 6 weiße Perigonblätter, die zu einer halbkugeligen Glocke mit einem Durchmesser von 5-10 mm und nach außen gebogenen Zipfeln verwachsen sind, und 6 Staubblätter. Die Frucht ist eine dreifächerige, vielsamige, leuchtend rote Beere [2; 3; 4; 8; 10].

Das Maiglöckchen enthält Herzglykoside und toxische Aminosäuren. Es ist in allen Teilen giftig. Zu Vergiftungen kommt es namentlich durch die Blätter. Vergiftungsfälle sind u.a. bei Schwein, Kaninchen, Geflügel, Hund und Katze bekannt. Die Beeren haben sich beim Menschen als wenig giftig erwiesen [1].

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LILIACEAE polygonatum multiflorum seleger PD1
Vielblütiges Salomonssiegel (Polygonatum multiflorum) im Park Seleger Moor, Rifferswil ZH © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

LILIACEAE polygonatum multiflorum mulhouse PD1
Vielblütiges Salomonssiegel (Polygonatum multiflorum) Ende Juni im Zoo Mülhausen im Elsass © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

LILIACEAE polygonatum multiflorum steinhoelzli PD1
Vielblütiges Salomonssiegel (Polygonatum multiflorum), Anfang Mai, Steinhölzliwald, Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

LILIACEAE polygonatum multiflorum steinhoelzli PD2
Vielblütiges Salomonssiegel (Polygonatum multiflorum), Anfang Mai, Steinhölzliwald, Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

LILIACEAE polygonatum multiflorum auwald belp PD1
Vielblütiges Salomonssiegel (Polygonatum multiflorum) mit noch unreifen Früchten, Ende Mai, Auwald, Belp BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Nolinoideae

Vielblütiges Salomonssiegel

Polygonatum multiflorum

Verbreitung: Gemäßigte Zonen Eurasiens und Nordamerikas.

Standorte: Halbschattige bis schattige, mäßig feuchte bis feuchte Standorte in Wäldern und Gebüschen vom Tiefland bis in die montane Stufe. Das Salomonssiegel ist eine Charakterart des Waldmeister-Buchenwalds (Galio odorati-Fagetum) und ist auch häufig in Eichen- und Nadel-Mischwald-Gesellschaften.

Blütezeit: Mai-Juni (-Juli).

Die Vielblütige Weißwurz bzw. das Vielblütige Salomonssiegel ist eine sommergrüne, ausdauernde, 30-60 (-80) cm hohe und 20-30 cm breite Staude, die sich über Rhizome ausbreitet. Diese sind knotig verdickt, auffällig weiß und gaben der Pflanze einen ihrer deutschen Namen. Der Stengel ist überhängend, unverzweigt und bis zur Spitze zweizeilig beblättert. Die 10-15 cm langen Blätter sind wechselständig, eiförmig oder breit-lanzettlich. Die Blüten hängen in 2-5-blütigen, Trauben in den Blattwinkeln. Sie haben 6 zu einer Röhre verwachsene, 1-2 cm lange, über dem Fruchtknoten verengte, weisse und in grünlichen Zipfeln endende Perigonblätter und 6 Staubblätter mit flaumig behaarten Staubfäden. Die Früchte sind dunkelblaue bis schwarze, dreifächerige, vielsamige Beeren mit einem Durchmesser von 8 (7-9) mm. Es gibt verschiedene Kultursorten, von denen manche zweifarbiges, grün-weiß gestreiftes Laub aufweisen [2; 3; 4; 5; 10]

Die ganze Pflanze ist leicht giftig, vor allem die sehr süßen Beeren enthalten Steroid-Saponine, die wegen ihrer desinfizierenden Wirkung zur Wundheilung eingesetzt werden können, und andere Giftstoffe wie Chelidonsäure und Glykoside. Bei Tieren gehen Vergiftungen mit Erbrechen, Durchfall und Koliken einher [1; 4].

Bei der Kulturform "Weihenstephan" handelt es sich um eine Kreuzung von Polygonatum multiflorum mit dem Echten Salomonssiegel (Polygonatum odoratum) [4]. Die zwar seltene, aber von der IUCN nicht als gefährdet eingestufte Mauerbiene Osmia pilicornis sammelt Pollen der Vielblütigen Weißwurz, desgleichen die Hummeln (Bombus spp.) [12].

Die von dem englischen Botniker und Gärtner Philip MILLER 1754 aufgestellte Gattung Polygonatum umfasst etwa 70 Arten.

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Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Schwertliliengewächse (Iridaceae)

ASPARAGALES IRIDACEAE crocus tommasinianus lfeld PD4
Elfen-Krokusse (Crocus tommasinianus), Ende Februar in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASPARAGALES IRIDACEAE crocus tommasinianus lfeld PD1
Elfen-Krokusse (Crocus tommasinianus), Ende Februar in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASPARAGALES IRIDACEAE crocus tommasinianus lfeld PD3
Elfen-Krokusse (Crocus tommasinianus) mit Bienen, Ende Februar in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Crocoideae
Tribus: Croceae

Elfen-Krokus

Crocus tommasinianus

Verbreitung: Bosnien, Bulgarien, Kroatien, Süd-Ungarn. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Elfen-Krokus auch in Mittel- und Westeuropa kultiviert und ist an vielen Orten verwildert.

Standorte: Sommergrüne Laubwälder, im Ursprungsgebiet bis auf eine Höhe von 1'500 m

Blütezeit: Februar-März

Der Elfen-Krokus ist ein Geophyt, also eine ausdauernde, krautige Pflanze, die im Sommer ihre oberirdischen Teile einzieht und bis zum Neuaustrieb im Folgejahr dank ihrer Tochterknollen bildenden, unterirdischen Zwiebelknolle überdauert. Er wird 5-15 cm hoch und ist einblütig. Die Blätter sind grundständig, grasartig, mit weissem Mittelnerv und nach unten gerollten Rändern. Sie sind zur Blütezeit noch wenig entwickelt. Die Blüten sind aufrecht, trichterförmig und öffnen sich nur bei gutem Wetter. Sie haben 6 Perigonblätter, deren 2-5 cm langer, freier Teil bei der Wildform hellviolett und deren unterer Teil zu einer langen, weißen Röhre verwachsen ist, sowie 3 Staubblätter. Die Frucht ist eine dreifächerige, häutige, vielsamige Kapsel. Die kugeligen Samen sind trübrot. Die Vermehrung kann auch durch Tochterknollen erfolgen. Als Frühblüher ist der Elfen-Krokus eine wichtige Bienenweide [2; 4].

Der Elfen-Krokus ist schwach giftig [1].

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Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Orchideen (Orchidaceae)

ASPARAGALES orchidaceae cypripedium calceolus BOGAFRI PD1
Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus) im Botanischen Garten Freiburg i.Ue. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASPARAGALES orchidaceae cypripedium calceolus BOGAFRI PD2
Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus) im Botanischen Garten Freiburg i.Ue. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Cypripedioideae

Gelber Frauenschuh

Cypripedium calceolus

Verbreitung: Eurasien, ostwärts bis Japan.

Standorte: Wälder und Gebüsche vom Tiefland bis in die subalpine Stufe.

Blütezeit: Mai-Juni(-Juli).

Der Gelbe Frauenschuh ist eine ausdauernde, krautige Staude, die 15-50 cm hoch wird. Im Gegensatz zu den meisten anderen Orchideen bildet sie keine Knollen, sondern ihr Überdauerungsorgan ist ein Rhizom. Der Stengel weist 2-4 breit-elliptische, spitze, ungestielte, fein behaarten Blätter und 1-2, selten 3 Blüten auf. Die 3 äusseren Perigonblätter der Blüte sind bis 5 cm lang, breit-lanzettlich, abstehend, die beiden inneren auf ca. 4/5 der Länge verwachsen und abwärts gerichtet, alle purpurbraun. Die gelbe Lippe ist sehr gross, bauchig aufgeblasen und 3-4 cm lang. Die Blüte hat keinen Sporn. Die Früchte reifen zwischen Juli und September. Es handelt sich um einfächrige Trockenkapseln mit winzigen Samen. [1; 2; 3]

Der Gelbe Frauenschuh ist ungiftig [1].

In der Roten Liste der IUCN ist der Gelbe Frauenschuh auf Artniveau als nicht-gefährdet (LEAST CONCERN) eingestuft, die europäische Population als potenziell gefährdet (NEAR THREATENED).

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Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Glockenblumengewächse (Campanulaceae)

CAMPANULACEAE Phyteuma spicatum steinhoelzli PD1
Ährige Rapunzel (Phyteuma spicatum) anfangs Mai im Steinhölzliwald, Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

CAMPANULACEAE Phyteuma spicatum steinhoelzli PD2
Ährige Rapunzel (Phyteuma spicatum) anfangs Mai im Steinhölzliwald, Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Campanuloideae

Ährige Rapunzel oder Weiße Teufelskralle

Phyteuma spicatum

Verbreitung: Mitteleuropa, in Nordwest-Deutschland selten bis fehlend.

Standorte: Wälder, Hochstaudenfluren und Bergwiesen vom Tiefland bis in die subalpine, stellenweise alpine Stufe. Vorzugsweise im Waldmeister-Buchenwald (Galio odorati-Fagetum) und Eschen-Mischwald (Ulmo-Fraxinetum literosum).

Blütezeit: Mai-Juni (-Juli).

Die Ährige Teufelskralle ist eine ausdauernde, 30-70 (20-80) cm hohe Staude. Ihr Stengel ist aufrecht und kahl. Die grundständigen Blätter sind herzförmig, langgestielt, unregelmässig doppelt gezähnt, oft dunkel gefleckt. Die Stengelblätter sind kleiner, die obersten schmal-lanzettlich, sitzend. Die grünlichen oder weißen bis gelblichen, selten blauen zwittrigen Blüten stehen in einer dichten, zunächst eiförmigen, später zylindrischen, 6-20 cm langen Ähre. Sie sind fünfzählig. Die Kronblätter sind zu einer ca. 10-15 mm lange Kronröhre verwachsen und sind vor dem Aufblühen nach oben gekrümmt. Die Hüllblätter sind schmal-lanzettlich und kürzer als die Ähre. Die zweifächrige Kapselfrucht öffnet sich am oberen Ende mit zwei Poren, durch welche die winzigen Samen entlassen werden. Die dürren Griffel dienen als Widerhaken, mit denen die Früchte im Fell von Tieren hängenbleiben und die Samen so verbreitet werden [2; 3; 5; 10]

Die jungen Blätter und die Wurzelrüben sind essbar und werden als Wildgemüse konsumiert [5].

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Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)

BRASSICACEAE alliaria petiolata bannholz PD1
Knoblauchhederich (Alliaria petiolata) Im Mai am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

BRASSICACEAE alliaria petiolata bannholz PD2
Knoblauchhederich (Alliaria petiolata) Im Mai am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

BRASSICACEAE alliaria petiolata bannholz PD3
Knoblauchhederich (Alliaria petiolata) Im Mai am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Tribus: Thlaspideae

Knoblauchhederich, Knoblauchsrauke

Alliaria petiolata

Verbreitung: Europa, West- und Zentralasien bis China und Indien, Nordafrika.

Standorte: Laubwälder, Gebüsche und Ruderalstandorte vom Tiefland bis zur montanen Stufe. Häufig in Weichholz-Auenwäldern.

Winterhärtezone 6 (erträgt bis -20ºC).

Blütezeit: April-Juni.

Der Knoblauchhederich wächst als zweijährige, krautige Pflanze bis zu einer Höhe von 20-90 (-100) cm. Aus einer langen Pfahlwurzel treibt im ersten Jahr eine Rosette aus langestielten, dunkelgrünen, herz- bis nierenförmigen Blättern und ein vierkantiger, schwach behaarter Stengel. Im zeitigen Frühjahr des zweiten Jahres schiebt sich der Blütentrieb mit helleren, gezackten Blättern hervor. Die Blätter riechen beim Zerreiben nach Knoblauch.  Die weißen Blüten stehen in endständigen, traubigen Blütenständen. Ihre 4 weißen Kronblätter sind 4-6 mm lang. Aus den befruchteten Blüten entwickeln sich 3-6 mm lange, dünne, erst grüne, dann bräunliche Schoten. Diese platzen bei Reife und setzen kleine, schwarzbraune Samen frei. Mit der Samenreife im Mai bis Juni stirbt die Pflanze ab [2; 3; 4].

In früheren Jahrhunderten war der Knoblauchhederich eine wichtige Nutzpflanze, da er im Gegensatz zu anderen Gemüsepflanzen bereits im März erntereif ist. Weil seine Blätter nach Knoblauch und Pfeffer schmecken, wurden sie im Mittelalter auch häufig als Ersatz für den teuren und raren Pfeffer verwendet [4].

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Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie: Primelgewächse (Primulaceae)

PRIMULACEAE primula elatior gantrisch PD1
Waldprimel (Primula elatior) im Gantrischgebiet, BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

PRIMULACEAE primula elatior ettiswil PD1
Waldprimel (Primula elatior) im April im Naturlehrgebiet Buchwald, Ettiswil LU © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

PRIMULACEAE primula elatior VWS PD1
Waldprimel (Primula elatior) im April im Besucherzentrum der Vogelwarte Sempach © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Primuloideae

Hohe oder Wald-Schlüsselblume

Primula elatior

Verbreitung: Europa und Westasien bis Iran.

Standorte: Halbschattige Standorte auf feuchten Wiesen, Wäldern und Gebüschen vom Tiefland bis in die subalpine, stellenweise alpine Stufe. Typische Art für den Lungenkraut-, Aronstab- und Ahorn-Buchenwald, den Ahorn- und Traubenkirschen Eschenwald, den Eschen-Mischwald und den Hochstauden Tannen-Fichtenwald.

Blütezeit: März-Mai.

Die Hohe Schlüsselblume ist eine mehrjährige, krautige kleine, 10-25 (-30) cm hohe Staude. Die bis zu 20 cm langen, runzeligen Laubblätter bilden eine grundständige Rosette. Sie sind auf beiden Seiten behaart und ihr Rand ist fein gezähnt. Sie trägt an aufrecht stehenden, kahlen Stengeln Dolden mit 2 bis 12 hell-gelben, trichterförmigen Blüten mit eng anliegendem Kelch und fünf Zipfeln. Die zylindrisch geformten Kapselfrüchte sind 10-15 mm lang und damit meist deutlich länger als der Kelch [2; 3; 5; 7; 10]

Die Pflanze dient den Raupen des gefährdeten Schlüsselblumen-Würfelfalters (Hamearis lucina) als Futterpflanze, ihre Blüten werden von langrüsseligen Hummeln und verschiedenen Schmetterlingen aufgesucht [9]. Sie enthält einige pharmakologisch wirksame Stoffe. Sie ist für den Menschen ungiftig und wird volksmedizinisch und medizinisch genutzt, insbesondere wird aus den Blüten und Wurzeln der ein Heiltee hergestellt, der schleimlösend wirken soll [5; 7].

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Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Rötegewächse (Rubiaceae)

GENTIANALES Rubiaceae galium odoratum NMS1
Waldmeister (Galium odoratum) im Juni © Tierpark Neumünster

 

GENTIANALES Rubiaceae galium odoratum NMS3
Waldmeister (Galium odoratum) im Juni © Tierpark Neumünster

 

GENTIANALES Rubiaceae galium odoratum NMS2
Waldmeister (Galium odoratum) im Juni © Tierpark Neumünster

 

Unterfamilie: Rubioideae
Tribus: Rubieae

Waldmeister

Galium odoratum

Verbreitung: Eurasien und Nordafrika, eingebürgert in Nordamerika.

Standorte: Wälder, besonders Buchenhaine (Galio odorati-Fagetum) vom Tiefland bis zur montanen, stellenweise subalpinen Stufe.

Blütezeit: April-Juni.

Der Waldmeister ist eine duftende, ausdauernde krautige Pflanze, die eine Höhe von 10-30 cm erreicht und über ein Rhizom verfügt, mit dem sie sich auch vegetativ vermehren kann. Die Stengel sind unverzweigt, an den Knoten behaart, sonst kahl. Die lanzettlichen, 2-4 cm langen Blätter stehen zu 6-8(-10) in Quirlen. Der Blütenstand ist locker doldenrispig, mit wenigblütigen Teilblütenständen. Die weiße Blütenkrone ist weit-trichterförmig, mit ca. 1 mm langer Röhre und spitzen Zipfeln. Sie hat einen Durchmesser von 4-6 mm. Die Früchte reifen von Juni bis September aus. Die nur 2-3 mm großen, runden Teilfrüchte sind mit langen, hakigen Borsten versehen, welche sich als Klettfrüchte an Fell, Kleidung und Gefieder festhalten können. So werden die Samen über weite Strecken verbreitet. [2; 3; 4].

Bestäubt wird der Waldmeister vor allem durch Bienen und einige Blatt- und Labkrautspanner-Arten (Geometridae) [4; 9].

Waldmeister enthält Cumarin (etwa 1 % der Trockenmasse), das bei Überdosierung zu Schwindel und Kopfschmerzen bis hin zu Leberschäden führen kann. In niedrigen Dosen hingegen wirkt Waldmeister entzündungshemmend, krampflösend, gefäßerweiternd und beruhigend und findet daher Verwendung in der Volksmedizin und Homöopathie [4].

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Ordnung: Storchschnabelartige (Geraniales)
Familie: Storchschnabelgewächse (Geraniaceae)

GERANIACEAE geranium robertianum bannholz PD1
Ruprechtskraut (Geranium robertianum) im Mai am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

GERANIACEAE geranium robertianum bannholz PD2
Ruprechtskraut (Geranium robertianum) im Mai am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

GERANIACEAE geranium robertianum bannholz PD3
Ruprechtskraut (Geranium robertianum) im Mai am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ruprechtskraut

Geranium robertianum

Verbreitung: Eurasien und Nordamerika.

Standorte: Hecken, Mauern, Schuttplätze, Schluchtwälder  (Tilio-Acerion) und Hartholzauen (Alno-Ulmion), in Mitteleuropa hauptsächlich der kollinen und montanen, stellenweise subalpinen Stufe.

Blütezeit: Mai-Juli.

Das Ruprechtskraut oder der Stinkende Storchschnabel eine stark und unregelmäßig verzweigte, einjährige Pflanze oder zweijährige Halbrosettenpflanze, die eine Höhe von (10-)20-50 cm erreicht und über Blattgelenke verfügt, mittels derer sie ihre Blätter zum größten Lichteinfall hin ausrichten kann. Die Blätter und Stengel  sind meist weich behaart. Die gestielten, ca. 4 cm langen Blätter sind 3-5 teilig handförmig gelappt. Bei felsigen Standorten dienen die Blattstiele der unteren Blätter als Spreizklimmer, die die Pflanze auf dem Substrat abstützen.  Die radiärsymmetrisch fünfzähligen Blüten stehen paarweise. Sie sind zwittrig, wobei in der Regel die Staubbeutel vor den Fruchtblättern reifen, damit eine Selbstbestäubung ausgeschlossen wird. Die Kronblätter sind rosafarben, die Staubbeutel violett [2; 3; 4; 5].

Die Blüten werden gerne vom Alpen-Perlmuttfalter (Boloria thore) und dem Schwarzfleckigen Golddickkopffalter (Carterocephalus silvicola) aufgesucht [9].

Alle Pflanzenteile enthalten herb riechende ätherische Öle, deren Duft oft als unangenehm empfunden wird In der Volksheilkunde kam das Ruprechtskraut bei vielerlei Beschwerden als Tee, Tinktur oder Frischsaft zum Einsatz.  Die Blüten und Knospen werden als gewürzartige Beigabe für Salate und Gemüse genutzt [4; 5; 11].

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GERANIACEAE geranium sanguineum PAP PD1
Blutroter Storchschnabel (Geranium sanguineum) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

GERANIACEAE geranium sanguineum BOGAFRI PD1
Blutroter Storchschnabel (Geranium sanguineum subsp. striatum) Ende Mai im Botanischen Garten Freiburg i. Ue. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Blutroter Storchschnabel

Geranium sanguineum

Verbreitung: Europa bis zum Kaukasus und nordöstlicher Türkei.

Standorte: Lichte Eichen und Föhrenwälder der kollinen und montanen (-subalpinen) Stufe bis auf eine Höhe von über 1'500 m. Vorzugsweise an besonnten, felsigen Stellen mit lockerem, nährstoffarmem Boden .

Blütezeit: Mai-Juli.

Der Blutrote Storchschnabel ist eine mehrjährige, robuste, buschig wachsende Staude, die sich durch Rhizome unterirdisch ausbreitet. Er hat einen 30-50 cm langen, niederliegenden oder aufsteigenden, meist gabelig verzweigten Stengel, der abstehend behaart ist. Die im Umriss rundlichen bis nierenförmigen Blätter sind fast bis zum Grund siebenteilig, die einzelnen Abschnitte mit 2-4 lineal-lanzettlichen, ganzrandigen Zipfeln. Die einzeln stehenden Blüten haben purpurrote, 15-20 mm lange Kronblätter. Die Frucht ist mit Schnabel 3-4 cm lang [2; 3; 4].

Als attraktiver und ausdauernder Sommerblüher ist der Blutrote Storchenschnabel in Kultur weitverbreitet. Es gibt zahlreiche Sorten mit unterschiedlichen Blütenfarben [4].

Die Raupen des Westliches Blutstorchschnabel-Grünwidderchens (Zygaenidae: Adscita dujardini), des Storchschnabel-Bläulings (Lycaenidae: Polyommatus eumedon) sowie des verwandten Polyommatus anteros nutzen die Art als Nahrungspflanze [9].

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GERANIACEAE geranium sylvaticum auried PD1
Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum) im Mai, Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

GERANIACEAE geranium sylvaticum auried PD2
Von Insekten besuchte Blüte des Wald-Storchschnabels (Geranium sylvaticum) im Mai, Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

GERANIACEAE geranium sylvaticum agroscope PD3
Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum) im Mai, angepflanzt im Agroscope Campus, Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

GERANIACEAE geranium sylvaticum agroscope PD2
Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum) im Mai, angepflanzt im Agroscope Campus, Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Wald-Storchschnabel

Geranium sylvaticum

Verbreitung: Europa bis Westsibirien.

Standorte: Vorzugsweise halbschattige bis schattige Plätze auf Wiesen, Weiden, Hochstaudenfluren und an Waldrändern, Wälder, namentlich Tannen-Buchenwald (Abieti-Fagenion) und Ahorn-Buchenwald (Aceri-Fagetum), sowie Gebüsche, in Mitteleuropa hauptsächlich der montanen und subalpin, stellenweise alpinen Stufe, im Norden seines Areals auch im Tiefland.

Blütezeit: Mai-Juli.

Der Wald-Storchschnabel ist eine mehrjährige, horstartige Staude mit dickem Wurzelstock, deren Erneuerungsknospe auf dem Boden liegt (Hemikryptophyt). Die oberirdischen Pflanzenteile sind mit Drüsenhaaren ausgestattet, die bei Berührung einen ätherischen Duft verströmen. Er erreicht eine Höhe von 30-60 cm. Seine Stengel sind meist gabelig verzweigt. Die handförmigen, 6-15 cm breiten Blätter sitzen gegenständig an den Trieben, besitzen ein kräftiges Grün und sind fiederspaltig gelappt. Ihre Blattzipfel sind eingeschnitten und der Rand gesägt. Die fünfzähligen, bis zu dreieinhalb Zentimeter großen, rotvioletten Blüten stehen meist zu zweit am Ende der Blütenstiele. Die ca. 25-35 mm langen Früchte haben eine storchschnabelähnliche Gestalt. Bei Samenreife öffnen sich die Kapseln oft explosionsartig und schleudern die Samen weit heraus. Es gibt Kulturformen u.a. mit weißen Blüten [3; 4; 5; 10].

Der Gelbgefleckte Mohrenfalter (Mymphalidae: Erebia manto) legt seine Eier am Waldstorchenschnabel ab und die Blüten werden häufig vom Alpen-Perlmuttfalter (Nymphalidae: Boloria thore) aufgesucht [9].

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Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütlergewächse (Lamiaceae)

LAMIACEAE Lamium galeobdolon wolfurt PD1
Goldnessel (Lamium galeobdolon) im April im Doppelmayr-Zoo, Wolfurt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

LAMIACEAE Lamium galeobdolon wolfurt PD2
Goldnessel (Lamium galeobdolon) im April im Doppelmayr-Zoo, Wolfurt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

LAMIACEAE Lamium galeobdolon wolfurt PD3
Goldnessel (Lamium galeobdolon) im April im Doppelmayr-Zoo, Wolfurt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Lamioideae

Goldnessel

Lamium galeobdolon

Verbreitung: Gemäßigte Breiten Europas und Asiens.

Standorte: Wälder, Hecken.

Winterhärtezone 6 (erträgt bis -20ºC).

Blütezeit: April-juli.

Die Goldnessel ist eine 20-60 cm hohe, ausdauernde Staude, die Ausläufer bildet. Ihr niederliegender oder aufsteigender Stengel ist an der Basis behaart. Die langgestielten Blätter sind eiförmig bis lanzettlich mit unregelmäßigem,  grob gezähntem Rand. Sie sind kreuzgegenständig angeordnet. Sie haben stellenweise silbrig-weiße Blattflecken, welche durch die Abhebung der Blattoberhaut vom Blattgewebe zustande kommen, und sind auch noch im Winter grün. Die angenehm duftenden Blüten stehen in quirligen Teilblütenständen in den oberen Blattwinkeln. Ihre 1.2-2.5 cm lange Krone ist hellgelb, dieUnterlippe mit rötlichen Flecken, die Oberlippe aufrecht, helmförmig, meist lang behaart. Die ca. 3 mm langen Teilfrüchte sind glatt [2; 3; 4].

Die Goldnessel ist eine Futterpflanze für die Raupen der Eulenfalter Autographa jota, Diachrysia chrysitis und Xestia rhomboidea [9].

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Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)

PLANTAGINACEAE digitalis purpurea messel PD1
Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) im Juni, Welterbe Grube Messel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

PLANTAGINACEAE digitalis purpurea messel PD3
Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) im Juni, teilweise mit weißen Blüten, Welterbe Grube Messel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

PLANTAGINACEAE digitalis purpurea messel PD2
Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) im Juni, Welterbe Grube Messel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Tribus: Digitalideae

Roter Fingerhut

Digitalis purpurea

Verbreitung: Europa, Nordafrika, in Südamerika gebietsweise eingeschleppt.

Standorte: Lichte Wälder, Kahlschläge, Waldwege, vor allem der kollinen und montanen Stufe bis auf eine Höhe von etwa 1'000 m.

Winterhärtezone 5 (erträgt bis -24ºC).

Blütezeit: Juni-September.

Der Rote Fingerhut ist eine wintergrüne, zweijährige Staude, die im ersten Jahr lediglich eine Blattrosette bildet und im zweiten Jahr eine Höhe von 40-150 cm und eine Breite von 30 cm erreicht. Ihr  unverzweigter Stengel und die Blattunterseiten sind graufilzig. Die Blätter sind runzelig, eiförmig, unregelmässig fein und stumpf gezähnt, die unteren lang gestielt, die oberen sitzend. Die kurz gestielten Blüten stehen in einer langen Traube. Die Blütenkronen sind bauchig erweitert, 35-50 mm lang, hellpurpurn, selten weiss, innen mit dunkelroten, weiss umrandeten Flecken, außen kahl, innen bärtig. Der Kelchzipfel ist oval. Die zahlreiche winzige Samen enthaltende Fruchtkapsel hat drüsige Haare und öffnet sich mit 2 Klappen [2; 4].

Der Rote Fingerhut ist sehr stark giftig. Er enthält primäre, herzaktive Glykoside und deren Derivate, Steroidsaponine, Gerbstoffe, Flavonderivate und andere Stoffe. Trocknen, Lagern oder Kochen inaktiviert diese Toxine nicht. Die Aufnahme von Pflanzenmaterial führt zu Erbrechen, blutig-wässriger Diarrhoe, Dyspnoe, Benommenheit, Bradykardie, Herzrhythmusstörungen, Taumeln, Tremor, Konvulsionen und schliesslich zum Tod durch Herzstillstand. Die tödliche Dosis bei peroraler Aufnahme ist beim Hund 5 g trockene Blätter, beim Pferd 25 g trockene oder 100-200 g frische Blätter und beim Rind 150-200 g trockene Blätter [1].

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Ordnung: Lilienartige (Liliales)
Familie: Germergewächse (Melanthiaceae)

MELANTHIACEAE paris quadrifolia steinhoelzli PD1
Vierblättrige Einbeere (Paris quadrfolia) anfangs Mai im Steinhölzliwald, Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

Tribus: Parideae

Vierblättrige Einbeere

Paris quadrifolia

Verbreitung: Europa, West- und Zentralasien.

Standorte: Feuchte Stellen in Wäldern vom Tiefland bis zur montanen, stellenweise subalpinen Stufe. Vorzugsweise im Waldmeister- und Aronstab-Buchenwald sowie im Ahorn-Eschenwald und Eschenmischwald.

Blütezeit: Mai-Juni.

Die Vierblättrige Einbeere ist eine ausdauernde Staude, die etwa 10-30 cm hoch wird. Die Wurzel ist als waagrechtes bzw. kriechendes Rhizom ausgebildet. Oben an einem Stengel stehen 4 (selten 5 oder 6) einfache und ganzrandige Blätter in einem Quirl und nur eine endständige, grüne Blüte mit meist je 4 freien äußeren und inneren Perigonblättern. Vier Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen und es sind vier langlebige Narben vorhanden. Die Früchte sind vierfächrige, vielsamige, blauschwarze, heidelbeerähnliche Beeren, die einzeln stehen und einen Durchmesser von bis zu 1 cm erreichen [1; 3; 5; 10].

Die Einbeere wurde früher in der Volksmedizin als "Pestbeere" gegen ansteckende Krankheiten angewandt. Das Rhizome von Einbeeren werden auch heute in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. Die Pflanzen enthalten örtlich reizende Steroid-Saponine sowie Glykoside. Alle Pflanzenteile sind für den Menschen mäßig, für Krebse, Insekten und Fische stark giftig. Beim Hund kann die Aufnahme zu Lähmungserscheinungen führen. Vergiftungserscheinungen sind auch beim Geflügel und experimentell vom Pferd bekannt [1; 5].

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Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)

MALPIGHIALES euphorbiaceae e amygdaloides weissenfels PD1
Mandelblättrige Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides) im April im Heimatnaturgarten Weißenfels © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

MALPIGHIALES euphorbiaceae e amygdaloides weissenfels PD2
Mandelblättrige Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides) im April im Heimatnaturgarten Weißenfels © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Euphorbioideae
Tribus: Euphorbieae
Subtribus: Euphorbiinae

Mandelblättrige Wolfsmilch, Mandel-Wolfsmilch

Euphorbia amygdaloides

Verbreitung: Süd- und Mitteleuropa, Südwestasien.

Standorte: Hartholzauen, Buchenwälder, Eichen-Hainbuchenwälder, auf kaklhaltigen Böden bis zur montanen Stufe.

Blütezeit: April-Juni.

Die Mandelblättrige Wolfsmilch ist eine ausdauernde, 30-60 cm hohe Staude mit zahlreichen sterilen Trieben, die überwintern, dann verholzen und blühende Stengel treiben. Überwinterte Blätter sind verkehrt eilanzettlich, in einen Stiel verschmälert, 3-7 cm lang, dunkelgrün und derb. Blätter an den blühenden Stengeln sind kleiner, hellgrün und weich. Die Teilblütenstände sind end- und seitenständig. Die Tragblätter sind verwachsen, die Hüllbecher mit sichelförmigen, gelben oder roten Drüsen.3.5-4 mm langen  Frücht sind glatt [3; 4].

Der bei Verletzungen austretende Milchsaft kann bei manchen Menschen eine unangenehme Kontaktallergie auslösen.

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Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Ranunculaceae

RANUNCULACEAE anemone nemorosa kunsterspring PD1
Buschwindröschen), Anfang Mai im Tierpark Kunsterspring, Neuruppin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

RANUNCULACEAE anemone nemorosa ettiswil PD1
Buschwindröschen) im April im Naturlehrgebiet Ettiswil LU © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

RANUNCULACEAE anemone nemorosa steinhoelzli PD1
Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Ende März im Steinhölzliwald, Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus:  Anemoneae

Buschwindröschen

Anemone nemorosa

Verbreitung: West- und Mitteleuropa, teilweise Asien.

Standorte: Wälder, Baumgärten und Wiesen vom Tiefland bis in die montane, stellenweise subalpine Stufe. Vorzugsweise im Waldmeister-Buchenwald (Galio odorati-Fagetum), auch in anderen Buchenwaldtypen und Eschen-Mischwäldern.

Blütezeit: (Februar-) März-Mai.

Das Buschwindröschen ist ein 10-25 cm hoher, ausdauernder krautig wachsender Geophyt, der nach der Blüte seine oberirdischen Teile einzieht, währenddem die unterirdischen Rhizome als Speicher- und Überlebensorgane fungieren. Sein Stengel weist im obersten Drittel einen Quirl von 3 gestielten, dreiteiligen, grob gezähnten Hochblättern auf. Die aus 6-8(-12) kahlen, weißen, außen oft rosafarbenen Blumenblättern, zahlreichen Staub- und Fruchtblättern zusammengesetzten, meist einzeln stehenden Blüten haben einen Durchmesser von 2-3 cm. In einer Sammelfrucht entwickeln sich kleine, einsamige Nüsschen, die dicht kurz und borstig behaart sind. Neben der Wildform gibt es auch vom Buschwindröschen einige Zuchtsorten, die teilweise andere Blütenfarben haben und zum Teil auch gefüllt sind [2; 3; 4; 6; 7].

Wegen seines Gehalts an Protoanemonin, einem Haut- und Schleimhäute reizenden glykosidiertem Lakton, das aber beim Trocknen der Pflanze zerfällt, ist das Buschwindröschen giftig und kann bei Aufnahme in großen Mengen bei Pflanzenfressern zu klinischen Sympromen führen [1].

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RANUNCULACEAE anemone ranunculoides lfeld PD1
Winterling (Eranthis hyemalis) Ende Februar in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

RANUNCULACEAE anemone ranunculoides lfeld PD2
Winterling (Eranthis hyemalis) Ende Februar in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

RANUNCULACEAE anemone ranunculoides lfeld PD3
Winterling (Eranthis hyemalis) Ende Februar in Liebefeld-Bern, vormittags mit noch geschlossenen Blüten © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus:  Anemoneae

Winterling

Eranthis hyemalis

Verbreitung: Oberitalien und Südosteuropa. In Mittel- und Westeuropa sowie Nordamerika aus Kulturen verwildert und eingebürgert

Standorte: Feuchte Laubwälder, Gehölze, Parkanlagen und Weinberge, vom Tiefland bis in die Hügelzone, auch in Alpentälern. Die Pflanzen gedeihen am besten in Halbschatten und auf Lehmböden.

Blütezeit: Januar-März.

Der Winterling ist ein Geophyt, also eine mehrjährige, krautige Pflanzen, die im Sommer ihre oberirdischen Teile einzieht und bis zum Neuaustrieb im Folgejahr dank ihrer unterirdischen Knolle überdauert. Er ist ein frostharter Frühjahrsblüher, der oft noch vor dem Schneeglöckchen blüht. An einem 5-15 cm hohen Stengel bildet er eine einzelne gelbe Blüte, die 6 (5-8) ca. 1-2 cm lange Blumenblätter, trichterförmige Honigblätter und zahlreiche Staubblätter aufweist. Die Blüte ist von einem sternartigen Quirl aus 3 tief geteilten Hochblättern umgeben. Die grundständigen Blätter sind kreisrund, vielspaltig und lang gestielt. Nach dem Verblühen öffen sich die 4-8 mehrsamigen Kapselfrüchte und die Samen werden bei Regen herausgeschleudert. Es dauert 3-4 Jahre bis die Sämlinge blühreif sind. [2; 3; 4].

Wie alle Hahnenfußgewächse ist der Winterling giftig, namentlich die Knolle. Die Hauptwirkstoffe sind Herzglykoside aus der Gruppe der Bufadienolide, Eranthin A und B. Klinische Symptome  sind Übelkeit, Erbrechen, Koliken, unregelmäßiger, verlangsamter Puls, Herzschwäche, Sehstörungen, Atemnot, bei letaler Dosis Zusammenbruch und Herzstillstand  [5].

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RANUNCULACEAE hepatica nobilis lfeld PD1
Leberblümchen (Hepatica nobilis), Ende Februar in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

RANUNCULACEAE hepatica nobilis lfeld PD2
Leberblümchen (Hepatica nobilis), Ende Februar in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

RANUNCULACEAE hepatica nobilis lfeld PD3
Leberblümchen (Hepatica nobilis), Ende Februar in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus:  Anemoneae

Leberblümchen

Hepatica nobilis

Verbreitung: Eurasien und Nordamerika

Standorte: Eichen- und Buchenwälder, auf kalkhaltigen Lehmböden und auf Sandböden in schattigen bis halbschattigen Lagen vom Tiefland bis in die Subalpine Stufe.

Blütezeit: (Februar-) März-Mai.

Das Leberblümchen ist ein wintergrüner Hemikryptophyt, dessen Überdauerungsknospen sich am Boden im Schutz der überdauernden Blätter befinden. Er besitzt ein kurzes Rhizom, von dem lange Wurzeln ausgehen. Die dreilappigen, in ihrer Form an eine Leber erinnernden, grundständigen Laubblätter vertrocknen nach der Blüte und werden durch neue ersetzt. Die schalenförmigen und zwittrigen Blüten sind endständig und radiärsymmetrisch. Sie sind 2-3 cm groß und bestehen aus 6-9 in Mitteleuropa in der Regel blauvioletten Blütenhüllblättern und haben im Zentrum zahlreiche freie Fruchtblätter, die von einem Kreis weißlicher Staubblätter umgeben sind. Dicht unter der Blüte befinden sich 3 kleine, grüne Hochblätter, welche die Funktion des Blütenkelchs übernehmen. Nach der Blüte bildet sich ein Fruchtstand in Form einer Sammelfrucht. Es gibt zahlreiche Kultursorten. Die Vermehrung ist durch Teilung des Rhizoms oder durch Aussaat möglich [2; 3; 4;].

Wegen seines Gehalts an Protoanemonin, einem Haut- und Schleimhäute reizenden glykosidiertem Lakton, das aber beim Trocknen der Pflanze zerfällt, ist das Leberblümchen schwach giftig [5].

Das Leberblümchen ist in Deutschland sowie in manchen Bundesländern Österreichs und Kantonen der Schweiz geschützt.

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RANUNCULACEAE helleborus foetidus agroscope PD1
Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) im Mai, angepflanzt auf dem Agroscope Campus, Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

RANUNCULACEAE helleborus foetidus agroscope PD2
Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) im Mai, angepflanzt auf dem Agroscope Campus, Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

RANUNCULACEAE helleborus foetidus vuedesalpes PD1
Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) auf der Vue des Alpes im Neuenburger Jura © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Helleboreae

Stinkende Nieswurz

Helleborus foetidus

Verbreitung: Südwest- bis Mitteleuropa.

Standorte: Auf Kalkböden in Wäldern und buschigen Hängen vom Tiefland bis zur montanen Stufe. Vorzugsweise an sonnigen bis halbschattigen Standorten an feuchten Stellen. Die Stinkende Nieswurz ist eine typische Art des Lungenkraut-, des Weißseggen- und des Linden-Zahnwurz-Buchenwalds soweie des Ahorn-Sommerlindenwalds. Die Pflanzen ertragen Temperaturen bis -23°C.

Blütezeit: (Februar-) März-April.

Die Stinkende Nieswurz ist ein immergrüner, buschig wachsender 30-60(-80) cm hoher und 40-50 cm breiter Halbstrauch. Die Stengel sind dicht beblättert und vielblütig. Die überwinternden unteren Blätter sind fußförmig geteilt, die mittleren nur an der Spitze geteilt, die obersten ungeteilt und ganzrandig oval. Die duftenden Blüten sind hängend, grün, mit 5 zusammenneigenden, ca. 2 cm langen, oft rot berandeten Blumenblättern (eigentlich Kelchblätter), welche 5-15 trichterförmige Honigblätter, zahlreiche Staubblätter und 3-8 Fruchtknoten umschließen. Aus den bestäubten Blüten bilden sich jeweils 2-3 Balgfrüchte [2; 3; 8; 10].

Wegen ihres Gehalts an Protoanemonin, einem Haut- und Schleimhäute reizenden glykosidiertem Lakton, das aber beim Trocknen der Pflanze zerfällt, sowie Steroid-Saponinen ist die Stinkende Nieswurz giftig. Die Letaldosis liegt für Rinder bei 250 g, für Schwein und Hund bei 4-8 g frischen Wurzeln, für Schafe und Ziegen bei 10-12 g Frischpflanzen. Der Tod tritt meist nach 3-4 Tagen ein. Bereits 8-10 g frische Wurzeln können bei Pferd und Rind zu klinischen Symptomen führen [1]. 

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RANUNCULACEAE aquilegia vulgaris Belpau PD1
Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris) im Waldreservat "Obere Belpau", Belp BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

RANUNCULACEAE aquilegia vulgaris lfeld PD1
Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris) in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

RANUNCULACEAE aquilegia vulgaris BOGABE PD1
Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris) im Botanischen Garten Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Isopyroideae
Tribus: Isopyreae

Gemeine Akelei

Aquilegia vulgaris

Herkunft: Europa, Maghreb. In der Schweiz hauptsächlich im Jura und Mittelland. In Deutschland in Brandenburg vermutlich ausgestorben

Standorte: Lichte Wälder, Wiesen und Gebüsche vom Tiefland bis zur montanen (subalpinen) Stufe. Im Garten halbschattig auf kalkhaltigem, sandigem bis lehmigem Boden

Blütezeit: Mai-Juni.

Die Gemeine Akelei ist eine zweijährige oder kurzlebige, aufrechte, horstbildende Staude, die eine Höhe von 40-70(-90) cm erreicht. Die Blätter sind dreilappig, doppelt dreizählig und lang gestielt. 3-12 einzeln stehende, glockenförmige Blüten mit 5 abstehenden äußeren und 5 zusammenneigenden und gespornten inneren Blumenblättern und einem an der Spitze hakig eingerollten Sporn. Die Blütenfarbe ist blauviolett, selten rosa oder weiß. Es werden braune Balgfrüchte gebildet [4; 5; 6].

Die Gemeine Akelei ist in allen Teilen schwach giftig [1]. Sie ist reich an Nektar und daher eine gute Bienenweide [6]. Sie ist auch eine Nahrungspflanze für die Raupen der Wiesenrauten-Goldeule (Noctuide: Lamprotes c-aureum) [9].

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RANUNCULACEAE ficaria verna ettiswil PD1
Scharbockskraut (Ficaria verna) im April im Naturlehrgebiet Ettiswil LU © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

RANUNCULACEAE ficaria verna lfeld PD2
Scharbockskraut (Ficaria verna), Ende März in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

RANUNCULACEAE ficaria verna lfeld PD1
Scharbockskraut (Ficaria verna), Ende März in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Ranunculeae

Scharbockskraut

Ficaria verna

Verbreitung: Europa, Kleinasien, Nordafrika (in mehreren Unterarten).

Standorte: Feuchtwiesen, feuchte, lichte Laubwälder, Auenwälder, Hecken, Gebüsche und Baumgärten vom Tiefland bis in die montane, stellenweise subalpine Stufe. Eine typische Art des Lerchensporn-Ahornwalds, des Eschenmischwalds und von Trauben- und Flaumeichenwäldern. Die Pflanzen ertragen Temperaturen bis -29°C.

Blütezeit: März-April (-Mai).

Das Scharbockskraut ist ein 10-35 cm hoher, ausdauernder krautig wachsender Geophyt, der nach der Blüte seine oberirdischen Teile einzieht, währenddem die unterirdischen Rhizome als Speicher- und Überlebensorgane fungieren. Die Stengel sind niederliegend, in den unteren Blattwinkeln entwickeln sie nach der Blütezeit kugelige Brutknöllchen, sogenannte Bulbillen, mittels derer sich die mitteleuropäische Unterart fast ausschließlich vermehrt. Die Blätter sind rundlich bis herzförmig, die unteren ausgeschweift-gezähnt, die oberen eckig. Die Blüten sind goldgelb, mit 8-12 Kronblättern und meist 3 Kelchblättern. Die Früchte (Nüsschen) sind bei uns für die Fortpflanzung unbedeutend. Es gibt eine ganze Reihe von Zuchtsorten, die eine abweichende Blütenfarbe in Orange oder Weiß oder gefüllte Blüten haben [2; 3; 7; 8; 10].

Das Scharbockskraut gilt als schwach giftig, denn alle Teile der Pflanze enthalten Protoanemonin, insbesondere der Wurzelstock und die Brutknospen. Blätter können vor der Blütezeit genossen werden. Sie enthalten viel Vitamin C und wurden früher zur Vorbeugung und Heilung von Skorbut eingesetzt, daher der deutsche Name "Scharbockskraut" [1; 7].

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Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)

ROSALES Rosaceae fragaria vesca wolfurt PD1
Walderdbeere (Fragaria vesca) im April im Doppelmayr-Zoo, Wolfurt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ROSACEAE fragaria vesca bannholz PD1
Walderdbeere (Fragaria vesca) im Mai am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ROSALES Rosaceae fragaria vesca wolfurt PD2
Walderdbeere (Fragaria vesca) im April im Doppelmayr-Zoo, Wolfurt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ROSACEAE fragaria vesca bannholz PD2
Walderdbeere (Fragaria vesca) im Mai am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Rosoideae

Wald- oder Monatserdbeere

Fragaria vesca

Verbreitung: Europa, Asien.

Standorte: Feuchte Stellen in Wäldern vom Tiefland bis zur  subalpinen Stufe. Häufig in Lindenmischwäldern und Eichen-Hagenbuchenwäldern.

Winterhärtezone 5 (erträgt bis -24ºC).

Blütezeit: April-Juni.

Die Walderdbeere ist eine mehrjährige, krautig wachsende Staude mit langen oberirdischen Ausläufern. Sie erreicht eine Höhe von 5-25 cm. Ihr Wuchs ähnelt dem der Gartenerdbeere, sie ist jedoch im Vergleich deutlich kleiner. Sie ist stark ausläuferbildend, weshalb sie im Wald oft in dichten Matten wächst. Die wintergrünen, grundständigen, Blätter sind langgestielt und dreiteilig. Die Teilblätter sind 2-5 cm lang, verkehrt-eiförmig, am Grund keilförmig und gezähnt. Die zwittrigen Blüten bestehen aus fünf weißen Kronblättern und in der Mitte aus gelben Staubblättern. Sie haben einen Durchmesser von ca. 10-18 mm und stehen in wenigblütigen, doldigen Blütenständen. Die Blütenstiele haben aufrechte oder anliegende Haare. Die Frucht ist eine rote, fleischige, süsse Scheinbeere. Der Kelch ist an der reifen Frucht abstehend und reißt nicht mit dieser ab [2; 3; 4].

Die Walderdbeere wurde über viele Jahrhunderte zu Speisezwecken und als Heilpflanze kultiviert, wurde dann aber im 18. Jahrhundert durch die aus der Kreuzung zweier amerikanischer Erdbeer-Arten entstandene, großfruchtige Gartenerdbeere schlagartig verdrängt. In jüngerer Zeit erlebte sie als Zuchtgrundlage für verschiedene Sorten der kleinen, aber sehr schmackhaften Monatserdbeere einen Aufschwung [4].

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Literatur und Internetquellen:

  1. CLINI TOX
  2. INFO FLORA
  3. LAUBER, K. & WAGNER, G. (1991)
  4. MEIN SCHÖNER GARTEN
  5. PFLANZEN-VIELFALT
  6. GARTENLEXIKON
  7. GARTEN-WISSEN
  8. HORTIPEDIA
  9. PYRGUS.DE
  10. STEIGER, P. (1994)
  11. KRÄUTERLEXIKON
  12. GARTENFREUD - GARTENLEID

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Freigegeben in Krautige Waldpflanzen
Mittwoch, 06 Mai 2020 15:36

Asterngewächse auf Feld und Wiese

 

Allgemeines

Auf diesem Blatt sind auch Pflanzen aufgeführt, die an Ruderalstandorten wie Wegrändern, Kiesgruben etc. gedeihen.

 

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Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie:  Korbblütler (Asteraceae)

ASTERACEAE achillea millefolium agroscope PD3
Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium), Blüten im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERACEAE achillea millefolium agroscope PD1
Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium) im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERACEAE achillea millefolium sauvabelin PD2
Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium), Blüten im Juni, Parc animalier de Sauvabelin, Lausanne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Anthemideae

Gewöhnliche Schafgarbe

Achillea millefolium

Verbreitung: Eurasien, eingebürgert in Australien und Neuseeland.

Standorte: Sonnige Wiesen, Weiden, Wegränder, Schuttplätze mit eher trockenen Böden vom Tiefland bis zur subalpinen, stellenweise alpinen Stufe. Die Pflanze erträgt Temperaturen bis -45ºC.

Blütezeit: Mai-September.

Die Gewöhnliche Schafgarbe bildet eine Artgruppe, die zahlreiche Kleinarten umfasst. Sie ist eine ausdauernde, 20-80(-120) cm hohe und (40-)60-100 cm breite Staude. Ihre Überwinterungsknospen liegen auf oder über der Erde. Die grundständigen Blätter sind ca. 15-35 mm breit. Am Stengel befinden sich wechselständig angeordnete, einfache, mittelgrüne Blätter. Diese sind lanzettlich, fiederschnittig, haben eine glatte bis filzige Oberfläche und nehmen im Herbst eine attraktive gelbe Färbung an. Die vielzähligen, in Schirmtrauben angeordneten Zungenblüten sind weiss, seltener rosa und verströmen einen angenehmen Duft. Die Früchte sind 1.5-2 mm lange Kapselfrüchte [3; 4; 10].

Die Raupen des Schafgarben-Blütenspanners und des Smaragd-Grünspanners (Geometridae: Eupithecia icterata und Thetidia smaragdaria) leben an den Blättern, Blüten und Früchten der Schafgarbe [11].

Die Gewöhnliche Schafgarbe ist nicht nur eine dekorative Wildstaude für den Garten von der es mehrere Kultursorten mit unterschiedlichen Blütenfarben gibt, sondern findet auch als Heilpflanze Verwendung. Sie gilt nicht als Giftpflanze, obwohl sie etwas Blausäure enthält, weshalb ihr Anteil Anteil im Futter etwa 10% nicht übersteigen sollte [2; 5].

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ASTERACEAE anthemis tinctoria bannholz PD2
Färberkamille (Anthemis tinctoria), im Juni am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASTERACEAE anthemis tinctoria bannholz PD1
Färberkamille (Anthemis tinctoria), Ende Juli am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASTERACEAE anthemis tinctoria bannholz PD3
Färberkamille (Anthemis tinctoria) im Juni am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Anthemideae

Färberkamille

Anthemis tinctoria

Verbreitung: Europa, West- und Zentralasien, eingebürgert auf den Kanaren, Tasmanien und Nordamerika.

Standorte: Die Färberkamille ist kalkliebend. Sie bevorzugt sonnige Standorte auf Trockenrasen, Äckern, an Wegrändern und auf Ödland der kollinen und montanen, stellenweise subalpinen Stufe und erträgt Temperaturen bis -23°C.

Blütezeit: Juni-September.

Die Färberkamille ist eine sommergrüne, in der oberen Hälfte graufilzig behaarte, vergleichsweise kurzlebigen Staude mit buschigem Wuchs. Sie wird 30-60 (20-90) cm hoch, 45-50 cm breit und ist oben meist verzweigt. Die wechselständig angeordneten Blätter sind ungestielt, verkehrt eilanzettlich und fiederschnittig. Die Blütenköpfe stehen einzeln. Sie haben einen Durchmesser von ca. 25-40 mm. Die Zungenblüten sind goldgelb, ausgebreitet, die Röhrenblüten dunkler gelb. Der Blütenboden ist halbkugelig. Die Früchte sind einsamige Schließfrüchte (Achänen) ohne Flugschirm. Sie werden 2-3 mm lang. Neben der gelb blühenden Wildform gibt es auch Sorten mit cremeweißen, blassgelben oder zweifarbigen Blüten [3; 4; 5; 10]. 

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ASTERACEAE buphthalmum salicifolium bannholz PD1
Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium), im Juni am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASTERACEAE buphthalmum salicifolium bannholz PD2
Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium) im Juni am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASTERACEAE buphthalmum salicifolium bannholz PD3
Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium) im Juni am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Anthemideae

Ochsenauge

Buphthalmum salicifolium

Verbreitung: Süd- und Mitteleuropa.

Standorte: Das Ochsenauge ist kalkliebend. Es kommt an sonnigen Standorten auf Trockenrasen und lockeren Wäldern der kollinen bis subalpinen Stufe vor.

Blütezeit: Juni-September.

Das Ochsenauge ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die eine Höhe von etwa 30-50 (20-60) cm erreicht. Der aufrechte, meist verzweigte Stengel ist mit abstehenden kurzen Haaren bedeckt oder fast kahl. Die Laubblätter haben eine lanzettliche, ganzrandige oder fein gezähnte Spreite. Sie sind zerstreut behaart, die unteren in einen langen Stiel auslaufend, die oberen sitzend. Die Blütenköpfe befinden sich einzeln oder zu wenigen am Ende der Zweige. Röhren- und Zungenblüten sind gelb. Die strahlig ausgebreiteten Zungenblüten sind 2-3 mm breit und 11-16 mm lang. Die Früchte werden 3-4 mm lang, sie haben einen sehr kurzen Haarkelch (Pappus), die äusseren sind dreikantig-geflügelt [3; 4].

Das Ochsenauge ist eine beliebte Saugpflanze des Kreuzdorn-Zipfelfalters (Lycaenidae: Satyrium spini) [11].

Es enthält ätherische Öle und wird wie Arnika in der Volksmedizin verwendet .

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ASTERACEAE leucanthemum vulgare PAP PD3
Wiesenmargerite (Leucanthemum vulgare), Blütenstand im Juni, im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASTERACEAE leucanthemum vulgare PAP PD2
Wiesenmargerite (Leucanthemum vulgare) im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASTERACEAE leucanthemum vulgare lfeld PD2
Wiesenmargerite (Leucanthemum vulgare) im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Anthemideae

Wiesenmargerite

Leucanthemum vulgare s. l.

Verbreitung: Europa. Urspüngliche Verbreitung unklar, ev. Nordafrika.

Standorte: Magerwiesen, Fettwiesen, Weiden, Schuttplätze, vom Tiefland bis in die kolline und subalpine, stellenweise alpine Stufe.

Blütezeit: Mai-Oktober.

Es gibt mehrere Formen der Wiesenmargerite, die heute als Gruppe eigenständiger Arten aufgefasst werden. In der Schweiz kommen fünf Arten vor: die weitverbreiteten Gemeine Margerite (L. vulgare s. str.) und Berg-Margerite (L. adustum) sowie die auf kleine Vorkommen beschränkten L. gaudinii, L. heterophyllum und L. praecox) [3].

Die Wiesen-Margerite ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die eine Höhe von 10-80 cm erreicht. Sie hat einfache oder verzweigte Stengel, die kahl oder beblättert sind. Die Blütenstand sitzen einzeln am Ende der Zweige. Sie sind körbchenförmig, haben einen durchmesser von 2-7 cm und bestehend aus zahlreichen gelben Röhrenblüten und weißen Zungenblüten [3; 4].

Die Wiesenmargerite ist eine beliebte Zierpflanze. Sie ist nicht giftig, kann jedoch Allergien auslösen.

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ASTERACEAE matricaria chamomilla mulhouse PD1
Echte Kamille (Matricaria chamomilla), Ende Juni im Zoo Mülhausen im Elsass © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERACEAE matricaria chamomilla mulhouse PD2
Echte Kamille (Matricaria chamomilla), Ende Juni im Zoo Mülhausen im Elsass © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERACEAE matricaria chamomilla agroscope PD1
Echte Kamille (Matricaria chamomilla) im Mai Agroscope-Campus, Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Anthemideae

Echte Kamille

Matricaria chamomilla

Verbreitung: Ursprünglich vermutlich östlicher Mittelmeerraum, heute ganz Europa, eingebürgert in Nord- und Südamerika und in Australien.

Standorte: Äcker, Ödland, Wegränder; vom Tiefland bis in die kolline und subalpine Stufe.

Blütezeit: Mai-September.

Die Echte Kamille ist eine 15-40 cm hohe, einjährige, kahle, stark aromatische Pflanze. Sie hat gefiederte Blätter mit linealen Zipfeln. Die Blüten stehen in Körbchen mit 15-25 mm Durchmesser. Die Röhrenblüten sind gelb, die 5-10 mm langen Zungenblüten weiß [3; 4].

Die Blüten enthalten Kamillenöl, ein ätherisches Öl mit verschiedenen pharamakologisch wirksamen Substanzen. Gebietsweise wird die Kamille deshalb kultiviert. Die Blütenköpfchen werden gesammelt und getrocknet oder das Öl wird durch Wasserdampfdestillation aus den frischen oder getrockneten Blütenköpfchen der Kamille gewonnen. Der Einsatz als Heilmittel erfolgt in Form von Tee, Pulver in Tabletten, Dragées und Salben, als Flüssig- und Trockenextrakte, Rektalgel und Tinktur. In der traditionellen  Human- und Veterinärmedizin gibt es verschiedene innerliche oder äußerliche Anwendungen etwa bei Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes, infizierten Wunden und Hautentzündungen oder als Dampfinhalation bei Erkrankungen des Respirationstrakts [2].

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ASTERACEAE tanacetum vulgare lfeld PD1
Rainfarn (Tanacetum vulgare), Blüten im Juli, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERACEAE tanacetum vulgare lfeld PD2
Rainfarn (Tanacetum vulgare) im Juli, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERACEAE tanacetum vulgare lfeld PD3
Rainfarn (Tanacetum vulgare), Fruchtstönde im September, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Anthemideae

Rainfarn

Tanacetum vulgare

Verbreitung: Eurasien, eingebürgert den gemäßigten Klimazonen der anderen Erdteile.

Standorte: Wegränder, Unkrautfluren, Schuttplätze, Dämme, Waldlichtungen, Gewässerufer; vom Tiefland bis in die monatne (subalpine) Stufe.

Blütezeit: Juni-September.

Der Rainfarn ist eine stark wuchernde, ausdauernde Staude, die eine Höhe von 40-120 (30-130) cm erreicht. Ihre Stengel sind nur oben verzweigt. Die stark duftenden Blätter sind dunkelgrün, wechselständig und fiederschnittig, jederseits mit 7-15 schmal-lanzettlichen, eingeschnitten-gezähnten Abschnitten. Die goldgelben, aus etwa 100 zwittrigen Röhrenblüten bestehenden Blütenköpfe stehen in dichten, doldigen Rispen. Sie haben einen Durchmesser ca. 1 cm. Zungenblüten fehlen. Die Hüllblätter sind hell berandet. Die Früchte werden 1.5-2 mm lang. Sie sind meist 5kantig haben einen kurzen, gezähnten Rand und in der Regel keinen Pappus. Der Rainfarm bildet ein Rhizom, das bis 90 cm tief wurzelt [3; 4; 6].

Der Rainfarn ist giftig. Die ganze Pflanze enthält stark riechende ätherische Öle (Campher, Borneol, Thujon) und Bitterstoffe. Bei Rindern kann es zu Benommenheit, Taumeln, Kaukrämpfen, Nystagmus, Miosis, Erblindung, Schleimhautreizung, Nieren- und Leberschäden kommen. Milch und Milchprodukte nehmen einen intensiven Geruch und bitteren Geschmack an. Beim Menschen wurde Rainfarn früher in kleinen Mengen bei Wurmerkrankungen (besonders bei Maden- und Spulwürmern) eingesetzt. Verbreitet war auch seine Verwendung gegen Ungeziefer. Eine Waschung sollte Flöhe und Kopfläuse vertreiben. Als Breiumschlag soll Rainfarn bei Quetschungen, Rheuma und Krampfadern helfen. Eine neuere Studie zeigt, dass Rainfarnextrakte in vitro Herpesviren hemmen [2; 6].

Die Raupen des Eulenfalters (Noctuidae) Eucarta virgo leben an Rainfarn [11].

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ASTERACEAE bellis perennis BOGABE PD1
Gänseblümchen, Maßliebchen (Bellis perennis) Blüten im Mai, Botanischer Garten Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERACEAE bellis perennis lfeld PD1
Gänseblümchen, Maßliebchen (Bellis perennis) Blüten im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERACEAE bellis perennis lfeld PD2
Gänseblümchen, Maßliebchen (Bellis perennis) Im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Astereae

Gänseblümchen, Maßliebchen

Bellis perennis

Verbreitung: Ursprünglich Mittelmeerraum, heute auch im übrigen Europa, angesiedelt oder eingeschleppt in u.a. Nord- und Südamerika, Australien, Neuseeland, China.

Standorte: Wiesen, Weiden, Rasen; vom Tiefland bis in die kolline und subalpine, gebietsweise alpine Stufe.

Blütezeit: Februar-November.

Das Gänseblümchen ist dank seines Rhizoms eine ausdauernde, krautige Pflanze, die 5-15 cm hoch wird. Die Laubblätter stehen in einer dichten, grundständigen Rosette zusammen. Die Stengel sind blattlos, unverzweigt und enden in einem einköpfigen Blütenstand. Die Blütenköpfe haben einen Durchmesser von 10-30 mm und bestehen aus zahlreichen gelben Röhrenblüten und weißen, außen oft roten Zungenblüten [3; 4].

Bellis perennis-Hybriden sind Zuchtsorten auf der Basis des in Mitteleuropa heimischen gewöhnlichen Gänseblümchens. Sie werden mit 15 bis 30 Zentimetern deutlich größer als die Wildform und haben eine auffällige, große, doch kompakte Blüte. Die meisten der im Handel angebotenen Sorten sind ein- oder zweijährig. Die gefüllten oder ungefüllten Blütenbälle sind rosafarben, rot, purpur, weiß oder zweifarbig [5].

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ASTERACEAE erigeron annuus PAP PD1
Einjähriges Berufskraut (Erigeron annuus) im Juni, im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERACEAE erigeron annuus PAP PD2
Einjähriges Berufskraut (Erigeron annuus) im Juni, im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Astereae

Einjähriges Berufskraut

Erigeron annuus

Verbreitung: Nordamerika. In Europa, asiatischen Ländern, Neuseeland, réunion und Mittelamerika eingebürgert. Steht in der Schweiz als invasiver Neophyt auf der Schwarzen Liste.

Standorte: Wegränder, Schuttplätze, Ufer, feuchte Wiesen, Auwälder; vom Tiefland bis in die montane Stufe.

Blütezeit: Juni-Oktober.

Das Einjährige Berufkraut wächst als ein- oder zweijährige krautige Pflanze. Es wird 30-100(-150) cm hoch und ist oben meist verzweigt. Die Blätter sind hellgrün, beidseits behaart, die unteren lanzettlich oder verkehrt-eiförmig bis rundlich, in den Stiel verschmälert, meist grob und stumpf gezähnt, die oberen lanzettlich bis lineal, sitzend oder kurz gestielt. Die im Durchmesser 1-2 cm großen Blütenköpfe stehen in einer doldigen Rispe. Die weißen oder lilafarbenen Zungenblüten sind ausgebreitet und nur ca. 0,5 mm breit; die  Röhrenblüten sind gelb. Früchte ca. 1 mm lang, mit weissem, ca. 2 mm langem Pappus [3; 4].

Das Einjährige Berufskraut ist ungiftig. Es wird gelegentlich in der Pflanzenmedizin zur Heilung von Erkältungen und aller möglichen anderer Gebresten eingesetzt [1]. Nutzt's nüt, so schadt's nüt.

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AsTERALES ASTERACEAE Solidago lfeld PD2
Spätblühende Goldrute (Solidago gigantea) im August in Privatgarten, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERALES ASTERACEAE Solidago lfeld PD3
Spätblühende Goldrute (Solidago gigantea) im August in Privatgarten, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERALES ASTERACEAE Solidago lfeld PD4
Honigbiene (Apis mellifera) auf Spätblühender Goldrute (Solidago gigantea) im August in Privatgarten, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERALES ASTERACEAE Solidago lfeld PD5
Spätblühende Goldrute (Solidago gigantea) im August in Privatgarten, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERALES ASTERACEAE Solidago lfeld PD6
SChwebfliege auf Spätblühender Goldrute (Solidago gigantea) im August in Privatgarten, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Astereae

Nordamerikanische Goldruten

Solidago canadensis aggr.

Verbreitung: Nordamerika. In Europa, Japan, Australien, Neuseeland, Mexiko und im Nahen Osten eingebürgert. Die Ersteinfuhr nach Europa erfolgte in der Mitte des 17. Jahrhundert. Steht (mit Ausnahme von S. rugosa) in der Schweiz als invasiver Neophyt auf der Schwarzen Liste.

Standorte: Als Ruderalpflanze auf Brach- und Ödland, Bahnanlagen, Wegrändern, Schuttplätzen, Trockenrasen, Waldlichtungen, Auwäldern und  Ufergebüsch vom Tiefland bis zur montanen Stufe.

Blütezeit: Juli-Oktober.

Es handelt sich um eine Sammelart, die folgende Kleinarten umfasst: Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), Spätblühende oder Riesen-Goldrute (Solidago gigantea), Runzelige Goldrute (Solidago rugosa) und Hain-Goldrute (Solidago nemoralis) [3].

Goldruten sind sind ausdauernde Stauden. Ihre Größe variiert von ca. 50-150 (selten bis 250) cm, wobei die Riesengoldrute im Mittel kleiner bhleibt als die Kanadische. Sie Hemikryptophyten, deren Überdauerungsknospen an der Erdoberfläche liegen. Je nach Kleinart sind die Stengel und die wechselständigen, einfachen Laubblätter glatt oder behaart. Die kleinen, gelben Blüten stehen in Rispen. Die gestielten Blütenköpfe weisen kurze Zungen- und zahlreichen Röhrenblüten auf. Die Achänenfrüchte sind ca. 1 mm lang und haben einen 3-4 mm langen Pappus. Die Vermehrung kann nicht nur geschlechtlich sondern auch vegetativ durch die Rhizome erfolgen, was dazu führt, dass pro Quadratmeter über 300 Pflanzen sprossen können. Jeder Spross kann bis zu 12'000 flugfähige Samen  [3; 4; 5; 10].

Die Goldruten sind ungiftig. Sie spiele eine Rolle in der Volksmedizin, wo ihr eine entzündungshemmende, krampflösende und harntreibende Wirkung zugeschreben werden. Sie sind eine gute Bienenweide, stören aber die natürliche Zusammensetzung schützenwerter Pflanzenbestände. Namentlich lichtliebende Arten werden durch die dichten Goldrutenbestände verdrängt. Die Kanadische, Spätblühende und Hain-Goldrute stehen deshalb auf der Verbotsliste der schweizerischen Freisetzungsverordnung. Wegen der weiten Verbreitung der Art muss man sich bei der Bekämpfung auf schützenswerte Gebiete beschränken. Durch mindestens zweimaliges, tiefes Mähen im Mai und im August vor der Blüte können die Goldrutenbestände langfristig kontrolliert werden. In Deutschland wird die Ansicht vertreten, dass das großflächige Zurückdrängen der Goldruten weder gerechtfertigt noch realistisch erreichbar sei. Trotz ihrer weiten Verbreitung und der oft ausgedehnten, dichten Bestände lösten Goldruten relativ wenig Auswirkungen auf schutzwürdige Elemente der Tier- und Pflanzenwelt aus, da sie zu einem großen Teil ruderale Standorte im Siedlungsgebiet einnehmen [3; 5; 8].

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ASTERALES asteraceae tussilago farfara cremines PD1
Huflattich (Tussilago farfara), Blüten im März im Siky Park Crémines BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERALES asteraceae tussilago farfara cremines PD2
Huflattich (Tussilago farfara), Blüten im März im Siky Park Crémines BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Senecioneae

Huflattich

Tussilago farfara

Verbreitung: Eurasien von Spitzbergen bis in den Fernen Osten, Nordafrika. Als Medizinalpflanze in Nord- und Südamerika eingeführt.

Standorte: Wegränder, Rutschhänge, Schuttplätze vom Tiefland bis in die subalpine (alpine) Stufe.

Blütezeit: März-April (Februar-Mai).

Der Huflattich ist zur Blütezeit 5-15 cm, später bis 30 cm hoch, einköpfig. Stengel mit oft bräunlichen Blattschuppen. Die grundständigen Blätter erscheinen erst nach der Blüte. Sie sind herzförmig, lang gestielt mit bis über 20 cm langer, flachbuchtig gezähnter Spreite, die jung beidseits graufilzig ist und später auf der Oberseite verkaht. Die Leitbündel befinden sich im Blattstielquerschnitt auf einer U-förmigen Linie. Zungen- und Röhrenblüten sind gelb. Die Früchte sind 3-5 mm lang, zylindrisch, mit ca. 10 mm langem, weissborstigem Pappus [3; 4].

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ASTERACEAE arctium lappa bannholz PD1
Große Klette (Arctium lappa), Ende Juli am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Carduoideae
Tribus: Cynareae

Große Klette

Arctium lappa

Verbreitung: Eurasien.

Standorte: Sonnige Weg- und Heckenränder und Ruderalflächen vom Tiefland bis in die montane, stellenweise subalpine Stufe.

Blütezeit: Juli-September.

Die Große Klette ist eine zweijährige, bis zu 150 cm hohe Staude, die eine allmählich verholzende Pfahlwurze ausbildet. Die vierkantigen Stengel sind behaart. Die ovalen bis herzförmigen Laubblätter werden bis zu 50 cm lang. Im Sommer erscheinen die großen, kugelförmigen Blütenkörbe. Die Blüten sind rötlich bis purpurn gefärbt. Die Fruchtstände bilden klebrige Widerhaken, die an vorbeistreichenden Tieren hängenbleiben, die so für die Ausbreitung der Samen sorgen. Die Wurzel enthält medizinisch wirksame Inhaltsstoffe, neben Gerb- und Schleimstoffen sowie ätherischen Ölen vor allem sehr viel Inulin. Aus getrockneten Wurzelstückchen lässt sich ein Tee aufbrühen, der die Gallenfunktion anregen und das Blut reinigen soll [3; 4; 9].

In den markhaltigen Stengeln der Großen Klette leben die Raupen der Kletten-Eule (Noctuidae: Gortyna flavago) [11].

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ASTERACEAE centaurea jacea sauvabelin PD1
Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Blüte im Juni, Parc animalier de Sauvabelin, Lausanne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASTERACEAE centaurea jacea sauvabelin PD2
Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) im Juni, Blüte wird von Biene besucht, Parc animalier de Sauvabelin, Lausanne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASTERACEAE centaurea jacea PAP PD1
Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) im Juni, Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASTERACEAE centaurea jacea auried PD1
Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) im Mai, Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASTERACEAE centaurea jacea agroscope PD3
Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Carduoideae
Tribus: Cynareae

Wiesen-Flockenblume

Centaurea jacea

Verbreitung: Eurasien.

Standorte: Sonnige Wiesen, Weiden, Trockenhänge und Wegränder vom Tiefland bis in die subalpine Stufe. Die Pflanze erträgt Temperaturen bis -23ºC.

Blütezeit: Juni-September (-Oktober).

Die Wiesen-Flockenblume ist eine matten- oder horstartig wachsende, 30-60 cm hohe, selten höhere (-150 cm) und 30-40 cm breite, sommergrüne Staude. Ihre Stengel sind einfach oder nur oberhalb der Mitte verzweigt. Ihre Blätter sind dunkelgrün und einfach. Sie sind verkehrt eilanzettlich und schwach gezähnt. Am Ende der Stengel befinden sich die 2-4 cm großen Blütenkörbchen, die aus bis zu 100 zarten Röhrenblüten bestehen und einen "flockigen" Charakter haben. Die Blütenfarbe variiert zwischen Mauve, Lila und Violett. Die Früchte sind Kapselfrüchte (Achänen) ohne Flugschirm [3; 4; 5; 10].

Die Wiesen-Flockenblume ist eine gute Futterpflanze für Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und einige Schmetterlingsarten. Die Raupen des Flockenblumen-Grünwidderchens (Zygaenidae: Adscita globulariae) sowie von Adscita notata leben auf ihr [11].

Sie ist pflegeleicht und wird gerne in Natur- und Bauerngärten angepflanzt. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Hybriden zwischen Centaurea jacea und anderen Vertretern der etwa 500 Arten umfassenden Gattung Centaurea. Dabei ist nicht immer ersichtlich, welche Elternarten an der Kreuzung der beteiligt waren [5; 11].

Die Wiesen-Flockenblume ist nicht giftig. Ihre bitteren  Blätter und die Triebspitzen wurden früher als Hopfenersatz beim Bierbrauen verwendet. Die Blüten eigenen sich frisch oder getrocknet als essbare Streudekoration. Aus den Blättern kann ein Extrakt gewonnen werden, der bei Augen- und Lidrandentzündungen helfen soll. Die Bitterstoffe der Wurzel werden als harntreibend, verdauungsfördernd und allgemein stärkend beschrieben [6].

Es wurden zahlreiche Unterarten beschrieben, bei denen es sich aber zum Teil um Hybridformen handeln könnte.

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ASTERACEAE cirsium vulgare PAP PD3
Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASTERACEAE cirsium vulgare PAP PD2
Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

ASTERACEAE cirsium vulgare PAP PD1
Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

Unterfamilie: Carduoideae
Tribus: Cynareae

Gewöhnliche Kratzdistel

Cirsium vulgare

Verbreitung: Westliche Paläarktis. In vielen anderen Weltgegenden eingebürgert.

Standorte: Wegränder, Schuttplätze, Ufer, Waldlichtungen.

Blütezeit: Juli-September.

Die Gewöhnliche Kratzdistel ist eine zweijährige Staude, die 50-150(-200) cm hoch wird. Sie bildet eine rübenförmig verdickte Wurzel. Die wechselständigen, länglich-lanzettförmigen Laubblätter sind steif, auf der Oberseite rauhaarig, unterseits weiß- oder graufilzig. Sie sind doppelt fiederspaltig und am Stängel herablaufend. Die deutliche stachelig gezähnten Blattabschnitte enden in einem langen, gelblich gefärbten Stachel was der Art auch den Namen Lanzett-Kratzdistel eingebracht hat. Die purpurfarbenen Blüten produzieren keinen Nektar. Die Köpfe stehen einzeln. Die Hülle der blühenden Köpfe ist 3-5 cm lang, die Hüllblätter mit kräftigem Stachel. Die Früchte messen 3-4 mm und haben einen 2-3 cm langen Pappus [3; 4; 9].

Neben Selbstbestäubung werden die Blüten vor allem durch Hummeln, aber auch Käfer und andere Insekten bestäubt. Die Samen sind eine wichtige Nahrungsquelle für viele Singvögel. Die Kratzdistel dient als Nahrungspflanze für Raupen von Purpur-Zwergeulchen (Noctuidae: Eublemma purpurina), Distelfalter, Flockenblumen-Scheckenfalter und Zapater-Mohrenfalter (Nymphalidae: Vanessa cardui, Melitaea phoebe und Erebia zapateri) sowie Grünwidderchen (Zygaenidae: Jordanita budensis, Jordanita graeca) [9; 11].

Die Kratzdistel ist ungiftig. In der traditionellen Medizin wird sie unter anderem als Bestandteil von Rezepten bei Erkrankungen der Galle, Leber und auch bei Schmerzen, Husten oder zur Wundbehandlung und bei Insektenstichen verwendet [6].

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ASTERACEAE crepis biennis auried PD1
Wiesenpippau (Crepis biennis) Blüte im Mai im Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERACEAE crepis biennis auried PD2
Wiesenpippau (Crepis biennis) Blüte im Mai im Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Cichorioideae
Tribus: Cichorieae

Wiesenpippau

Crepis biennis

Verbreitung: Europa, in Nordamerika eingeschleppt.

Standorte: Fettwiesen; vom Tiefland bis zur kollinen und montanen, stellenweise subalpinen Stufe.

Blütezeit: Mai-Juli.

Der Wiesen-Pippau ist eine tiefwurzelnde, zweijährige milchsaftführende Halbrosettenpflanze. Er wird 30-100 cm hoch. Die Stengel sind verzweigt und vielköpfig. Die Blätter sind buchtig gezähnt bis fiederteilig, die oberen sitzend und etwas umfassend, behaart, die unteren in den geflügelten Stiel verschmälert. Die Blüten sind gelb, die Blütenköpfe bilden eine lockere, doldige Rispe [3; 4].

Der Wiesen-Pippau ist eine wichtige Nahrungspflanze für die Raupen der Hasenlatticheule (Noctuidae: Hecatera bicolorata) und eine bedeutende Saugpflanze für erwachsene Eschen-Scheckenfalter (Nymphalidae: Euphydryas maturna) [11].

Die Deutsche Bezeichnung "Pippau" ist slawischen Ursprungs und wurde ursprünglich für den Löwenzahn verwendet.

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ASTERACEAE taraxacum lfeld PD2
Gewöhnliche Löwenzahn (Taraxacum offivinale = T. sect. Ruderalia), Blüte im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERACEAE taraxacum lfeld PD1
Gewöhnliche Löwenzahn (Taraxacum offivinale = T. sect. Ruderalia) im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERACEAE taraxacum pusteblume lfeld PD1
Gewöhnliche Löwenzahn (Taraxacum offivinale = T. sect. Ruderalia), "Pusteblume" im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Cichorioideae
Tribus: Cichorieae

Gewöhnlicher Löwenzahn

Taraxacum officinale = T. sect. Ruderalia

Verbreitung: Europa, Westasien, nach Nordamerika und in andere Weltgegenden verschleppt.

Standorte: Fettwiesen, Wegränder, Äcker; vom Tiefland bis in die kolline und subalpine, stellenweise alpine Stufe.

Blütezeit: Hauptsächlich April-Mai, aber auch bis in den Oktober.

Der Löwenzahn ist dank seiner langen, fleischigen Pfahlwurzel eine ausdauernde Krautpflanze, Er wird 10-30(-60) cm hoch und enthält in allen Teilen einen weißen Milchsaft. Seine meist tief geteilten Blätter stehen dicht in einer grundständigen Rosette. Die Blütenstandsstiele sind blattlose, hohle Röhren. Die Blütenstände sind Scheinblüten mit einem Durchmesser von ca. 3-5 cm, in denen zahlreiche gelbe Zungenblüten zu einem tellerförmigen Körbchen  zusammengefasst sind. Die Hüllen der verblühten Einzelblüten trocknen ein und werden abgestoßenen. Die schlanken, tonnenförmigen, hellbraunen Früchte sind mit haarigen Flugschirmen ausgestattet  und werden durch den Wind ausgebreitet. Der Löwenzahn wird daher umgangssprachlich auch als Pusteblume bezeichnet [3; 4].

Der Löwenzahn gilt bis zu einem Anteil von 25-30% in Grünfutter und Silage als wertvolle Futterpflanze, im Heu zerbröselt er stark, weshalb ein Anteil von über 10-20% unerwünscht ist. Der Bestand kann durch Beweiden in Verbindung mit Übersaaten und Verätzen mit Kalkstickstoff eingedämmt werden [2; 7].

Löwenzahn enthält pharmakologisch wirksame Substanzen mit diuretischer, choleretischer, entzündungshemmender, antidiabetische, hepatoprotektiver, gerinnungshemmender, antioxidativer und bifidogener Wirkung [2]. Junge Löwenzahnblätter sind regional als Salat (Salade de dent-de-lion) beliebt.

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ASTERACEAE tragopogon orientalis bannholz PD2
Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis) im Mai, am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ASTERACEAE tragopogon orientalis bannholz PD1
Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis) im Mai, am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Cichorioideae
Tribus: Cichorieae

Wiesen-Bocksbart

Tragopogon pratensis

Verbreitung: Europa und Asien in mehreren Unterarten, fehlt jedoch im Norden weitgehend. Eingeschleppt in Nordamerika, Neuseeland, Argentinien und auf Hispaniola.

Standorte: Tal- und Bergfettwiesen; vom Tiefland bis in die montane, stellenweise subalpine Stufe.

Blütezeit: Mai-Juli.

Der Wiesen-Bocksbart ist eine meist zweijährige, krautige, Milchsaft führende Pflanze, die eine Höhe von 30-70 cm erreicht. Seine Wurzel ist eine möhrenartige Pfahlwurzel. Der Stengel ist meist wenig verzweigt und innen hohl. Die Blätter sind schmal-lanzettlich, lang zugespitzt, direkt am Stengel sitzend und diesen umfassend. Die Blütenköpfe sitzen einzeln am Ende der Zweige. Sie haben meist 8 Hüllblätter, die zur Blütezeit 25-30 mm, später bis 45 mm lang sind. Die Blüten sind goldgelb, zungenförmig und kürzer bis etwas länger als die Hülle. Die 10-25 mm langen Früchte sind geschnäbeltund haben bräunlich-weiße, federig-verflochtene Pappusborsten [3; 4].

Der Wiesen-Bocksbart ist ungiftig und wurde früher als Gemüse verwendet. Die verwandte Art Tragopogon porrifolius ist als "Haferwurzel" bekannt und wurde ab dem 16. Jahrhundert im mitteleuropäischen Raum als Gemüsepflanze kultiviert [5].

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Literatur und Internetquellen:

  1. HEILKRAEUTER.DE
  2. CLINI TOX
  3. INFO FLORA
  4. LAUBER, K. & WAGNER, G. (1991)
  5. MEIN SCHÖNER GARTEN
  6. PFLANZEN-VIELFALT
  7. GRÜNLAND ONLINE
  8. GARTENLEXIKON
  9. GARTEN-WISSEN
  10. HORTIPEDIA
  11. PYRGUS.DE
  12. BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ - Neobiota

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Samstag, 02 Mai 2020 15:04

Einheimische Sträucher

Allgemeines

Sträucher sind ausdauernde Gehölzpflanzen, die keinen Stamm als Hauptachse haben  sondern regelmäßig Stämme aus bodennahen Knospen bilden. Sie können bodendeckend wachsen oder mehrere aufrechte Stämme haben, von denen Verzweigungen ausgehen, an denen sich Blätter oder Nadeln befinden. Sie können laubabwerfend, halbimmergrün oder immergrün sein. Strauchartig wachsende Koniferen werden nicht hier, sondern bei den Nadelhölzern abgehandelt und auch Zwerg- oder Halbsträucher ( z.B. Lavendel, Stinkende Nieswurz) sind auf dieser Seite nicht berücksichtigt.

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Ordnung: Buchsbaumartige (Buxales)
Familie: Buchsbaumgewächse (Buxaceae)

BUXAL Buxus sempervirens lfeld PD1
Gewöhnlicher Buchsbaum (Buxus sempervirens), Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

BUXACEAE buxus sempervirens bannholz PD2
Gewöhnlicher Buchsbaum (Buxus sempervirens), im Mai am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

BUXACEAE buxus sempervirens bannholz PD1
Gewöhnlicher Buchsbaum (Buxus sempervirens), Früchte, im Mai am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BELiebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Gewöhnlicher Buchsbaum

Buxus sempervirens

Verbreitung: Südliches Europa, Nordafrika, Naher und Mittlerer Osten bis Iran. Vorkommen in Mitteleuropa dürften auf Anpflanzungen durch die Römer zurückgehen.

Winterhärtezone 5 (erträgt bis -24ºC).

Wuchsklasse 3: 4-5 m hoch.

Der Gewöhnliche Buchsbaum ist ein sehr langsam wachsender, immergrüner Strauch oder, in warmen Klimaten, kleiner Baum mit kleinen Blättern und Blüten. Standorte sind bei uns Wälder und buschige Hänge, in milden Lagen. Er blüht von März-April, ist einhäusig getrenntgeschlechtlich und bildet Kapselfrüchte. Für manche Säugetier- und Vogelarten ist er hoch giftig und sollte daher nur außer Reichweite von Equiden und anderen Pflanzenfressern oder von Psittaziden geduldet werden. Die Blüten des Buchsbaums sind reich an Nektar und Pollen und werden daher gern von Bienen und Fliegen aufgesucht, zumal die Blüte früh im Jahr beginnt. Die Samen werden von Ameisen gesammelt [1; 4; 5; 6; 7; 8; 10].

Mit Buchs eingefasste Beete sind charakteristisch für Bauerngärten.

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Ordnung: Hartriegelartige (Cornales)
Familie: Hartriegelgewächse (Cornaceae)

CORNAL cornus mas nl teun spaans
Kornelkirsche (Cornus mas), Ende August in Rijswijk NL © Teun Spaans, veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

CORNAL cornus mas lfeld PD1
Kornelkirsche (Cornus mas), Blätter im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Kornelkirsche

Cornus mas

Verbreitung: Zentral- und Südeuropa. In der Schweiz nur südlich der Alpen In der Region Basel, am Genfersee und im Rhonetal heimisch.

Winterhärtezone 4 (erträgt bis -29ºC).

Wuchsklasse 3: Bis 5-8 m hoch.

Die Kornelkirsche ist ein langsam wachsender, sommergrüner Strauch oder rundkroniger Kleinbaum mit früher Blüte und rotem Herbstlaub. Ihre Blätter sind breit-lanzettlich, bis 8 cm lang, ganzrandig, mit meist 4 Paaren von bogig verlaufenden Seitennerven. Die nektar- und pollenreichen gelben Blüten sind neben der Salweide erste Nahrung des Jahres für Honig- und Wildbienen. Auch Fliegen und Käfer, wie z.B. der Flache Glanzkäfer (Epuraea depressa) nutzen Pollen und Nektar. Die roten Früchte werden von Vogelarten wie Kleiber, Kernbeißer, Gimpel und Eichelhäher sowie von Kleinsäugern wie Haselmaus und Siebenschläfer gefressen, und Wiederkäuer tun sich an den Blättern gütlich [1; 5; 6; 8; 10].

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CORNAL cornus sanguinea TPBern PD1
Roter Hornstrauch (Cornus sanguinea) in Blüte, anfangs Juni im Tierpark Dählhölzli, Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CORNAL cornus sanguinea steinhoelzli PD1
Roter Hornstrauch (Cornus sanguinea) in Blütem im Mai, Steinhölzliwald, Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CORNAL cornus sanguinea steinhoelzli PD2
Roter Hornstrauch (Cornus sanguinea) Blüte im Mai, Steinhölzliwald, Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Roter Hartriegel, Roter Hornstrauch

Cornus sanguinea

Verbreitung: Europa, Kleinasien.

Winterhärtezone 4 (erträgt bis -29ºC).

Wuchsklasse 3: In Mitteleuropa 3-4 m hoch, in Südeuropa bis 6 m.

Der Rote Hartriegel ist ein mäßig rasch wachsender, sommergrüner Strauch, in wärmeren Klimaten auch Kleinbaum mit weißen Blütendolden und dunkelrotem Herbstlaub, der sich auch durch Ausläufer vermehrt. Seine Blätter sind gegenständig, oval oder breit-lanzettlich, ganzrandig, beidseits grün (im Herbst rot), 4-8 cm lang, mit 3-4(-5) Paaren bogig verlaufender Seitennerven. Die Blüten sind vierzählig, haben einen Durchmesser von ca. 1 cm und stehen zu 20-100 in ausgebreiteten, doldigen Blütenständen. Blütezeit ist im Mai. Die blauschwarzen, kugeligen Früchte haben einen Durchmesser von 6-8 mm. Sie sind roh ungenießbar, jedoch nicht giftig [1; 6; 8].

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Ordnung: Kardenartige (Dipsacales)
Familie: Moschuskrautgewächse (Adoxaceae)

11 3 10 0 sambucus nigra amneville PD
Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) im Zoo Amnéville in Blüte © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ADOXACEAE sambucus nigra dessau PD1
Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Blüte, Ende Mai im Tierpark Dessau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ADOXACEAE sambucus nigra amneville PD1
Blühender Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) im Zoo d'Amnéville © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

ADOXACEAE sambucus nigra TPBern PD1
Blühender Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) im Wildschweingehege des Tierparks Dählhölzli, Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Schwarzer Holunder

Sambucus nigra

Verbreitung: Europa, Nordafrika, Westasien.

Winterhärtezone 5 (erträgt bis -24ºC).

Wuchsklasse 3: Bis 10 m hoch.

Der Schwarze Holunder ist ein rasch wachsender sommergrüner Strauch oder Kleinbaum mit ausladender Krone, der auch an sehr schattigen Standorten gedeiht. Seine duftenden, in Schirmrispen stehenden Blüten sind weiß, das Herbstlaub ist gelb. Blütezeit ist Mai-Juni. Der Holunder ist für zahlreiche Säugetierarten leicht giftig. Wegen des unangenehmen Geruchs ihrer Blätter wird die Art aber von Pflanzenfressern meist gemieden. Bei Vögeln, die unreife Beeren, frische Blätter oder Rinde gefressen haben, kommt es zu Verdauungsstörungen, Erbrechen und bei entsprechender Giftaufnahme auch zum Tod. Für die Vogelwelt ist sie nach der Vogelbeere die wichtigste einheimische Futterpflanze. Insgesamt nutzen mindestens 62 Vogelarten, z. B. Drosseln, Rotkehlchen, Finken, Eichelhäher, Elstern und weitere, und 8 verschiedene Säugetiere die im August-September reifen blauschwarzen Beeren als Nahrungsquelle. Nebst den Früchten werden auch die Blätter von zahlreichen Insekten begangen. Die Blüten stellen im Frühjahr eine wichtige Bienennahrung dar. Mit seiner mässig dichten Kronenform dient der Holunder zudem zahlreichen Vogelarten als Nistplatz und Versteck [1; 2; 4; 5; 6; 8].

Holunderblüten werden zur Herstellung von Sirup verwendet. Aus den Beeren wird Saft gewonnen, der als solcher vermarktet oder zu Gelee, Latwerge und weiteren Produkten verarbeitet wird. Zum Frischverzehr sind die Früchte allerdings nicht geeignet, denn das enthaltene Sambunigrin, ein cyanogenes Glykosid, und andere schwache Giftstoffe wie Chlorogensäure und Saponine können auch dem menschlichen Verdauungstrakt ziemliche Probleme bereiten. Erst beim Erhitzen werden die Substanzen zersetzt. Die Holunderprodukte werden nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch in der Volksmedizin eingesetzt, namentlich bei Erkältungskrankheiten [2; 9; 11; 13].

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11 3 10 0 viburnum lantana N PD
Wolliger Schneeball (Viburnum lantana) im Tiergarten Nürnberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Wolliger Schneeball

Viburnum lantana

Verbreitung: Zentral- und Südeuropa, Westasien, Nordafrika.

Winterhärtezone 3 (erträgt bis -36ºC).

Wuchsklasse 3: Bis 5 m hoch.

Der Wollige Schneeball ist ein mäßig rasch wachsender, sommergrüner Strauch mit aufrechtem Wuchs, der trockenwarme Böden liebt. Seine in Schirmrispen stehenden Blüten sind weiß, die reifen Früchte rotschwarz, das Herbstlaub rot. Blütezeit ist im Mai-Juni, die im September-Oktober reifen Früchte werden z.B. von Rotschwänzen, Rotkehlchen und Drosseln gefressen. Ausschließlich auf Sträuchern der Gattung Viburnum lebt der Schneeballblattkäfer (Pyrrhalta viburni). Der Wollige Schneeball enthält in den unreifen Beeren, den Blättern und in der Rinde giftig wirkende Glykoside und ist z.B. für Pferde leicht giftig [1; 4; 5; 6; 8; 11].

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11 3 10 0 viburnum opulus Lfeld PD
Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus), Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Gewöhnlicher Schneeball

Viburnum opulus

Verbreitung: Ursprünglich Südosteuropa.

Winterhärtezone 3 (erträgt bis -36ºC).

Wuchsklasse 3: Bis 4 m hoch.

Der Gewöhnliche Schneeball ist ein mäßig rasch wachsender Strauch mit weißen Blütendolden, drei- bis fünflappigen Blättern und dunkelrotem Herbstlaub, der hauptsächlich auf feuchten bis nassen Böden in Auwäldern, Laub- und Laubmischwäldern sowie an Bachrändern gedeiht. Blütezeit ist bei uns von Mai bis Juni (-August). Seine kugeligen, roten Steinfrüchte bilden eine wichtige Nahrungsquelle für Drosseln, Rotkehlchen, Finken, Elstern und weitere Vogelarten. Ausschließlich auf Sträuchern der Gattung Viburnum lebt der Schneeballblattkäfer (Pyrrhalta viburni). Der Gewöhnliche Schneeball enthält in den unreifen Beeren, den Blättern und in der Rinde giftig wirkende Glykoside und ist z.B. für Pferde leicht giftig. [1; 4; 5; 6; 8; 11].

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Ordnung: Kardenartige (Dipsacales)
Familie: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)

DIPSACALES lonicera caprifolium bannholz PD1
Echtes Geißblatt (Lonicera caprifolium), Blüten im Juni am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

DIPSACALES lonicera caprifolium bannholz PD2
Echtes Geißblatt (Lonicera caprifolium) im Juni am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Echtes Geißblatt, Jelängerjelieber

Sambucus nigra

Verbreitung: Europa, Nordafrika, Westasien.

Winterhärtezone 5 (erträgt bis -24ºC).

Wuchsklasse 3: 2 m, an Kletterhilfen bis 10 m hoch.

Das Echte Geißblatt ist eine sommergrüne rechtswindende, verholzende Kletterpflanze. Die Rinde ihrer hohlen Zweige ist anfangs abstehend behaart, später verkahlend und weißlich bereift. Die oberen der einfachen, gegenständigen Laubblätter haben keinen Stiel, sondern sind paarweise am Zweig breit zusammengewachsen werden 4-8, selten bis 10 cm lang. Die bis zu 12 Blüten umfassenden quirligen Blütenstände befinden sich am Ende der Zweige. Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig, trompetenförmig, gelblich bis weiß und oft rötlich überlaufen. Sie duften stark. Die Früchte sind leuchtend rote Beeren mit einem Durchmesser von ca. 8 mm. [6; 9; 10].

Für Menschen sind die Früchte aller Lonicera-Arten giftig. Sie enthalten den Bitterstoff Xylostein, Saponin, Spuren von Alkaloiden und cyanogenen Glykosiden [12; 913].

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Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)

11 3 10 0 cytisus N PD
Besenginster (Cytisus scoparius) im Tiergarten Nürnberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

FABACEAE cytisus scoparius bannholz PD3
Besenginster (Cytisus scoparius) im Mai am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

FABACEAE cytisus scoparius bannholz PD2
Besenginster (Cytisus scoparius) im Mai am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

FABACEAE cytisus scoparius bannholz PD1
Besenginster (Cytisus scoparius) im Mai am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Besenginster

Cytisus scoparius

Verbreitung: Europa, Nordafrika, Kanaren. Andernorts eingebürgert und invasiv, z.B. in Indien, Südamerika, dem westlichen Nordamerika, Australien, Neuseeland. In Deutschland ist er relativ weit verbreitet. In der Schweiz liegt die Hauptverbreitung im Tessin, nördlich der Alpen gibt es nur punktuelle Vorkommen.

Winterhärtezone 6 (ertragen bis -15, mit Schutz bis -20ºC).

Wuchsklasse 1: Meist 1-2, selten bis 3 m hoch.

Der Besenginster ist ein winterkahler, bisweilen auch sommerkahler Strauch mit dicht stehenden Zweigen und dekorativen gelben Blüten aus denen Hülsenfrüchte entstehen. Er wächst auf kalkarmen, sandigen Böden, hauptsächlich auf Trockenrasen, in lichten Wäldern, Heiden und an Felshängen. Blütezeit ist im Mai-Juni, die in 6 cm lange Hülsen verpackten Samen sind im August-September reif. Die ganze Pflanze und besonders die Samen sind für den Menschen, für Pferde, vor allem aber für Schafe, ferner für Hunde, Katzen, Hasen, Kaninchen, Hamster und Meerschweinchen sowie für Vögel und Fische giftig. Besenginster und Echter Ginster (Genista spp.) sind Pollenlieferanten, die von Hummeln oder großen Bienen bestäubt aber auch von kleineren Bienen und pollensammelnden Käfern besucht werden und deren Saft Nahrung der Ginsterzikade (Gargara genistae) ist [1; 6; 8; 9; 10; 11].

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Ordnung: Buchenartige (Fagales)
Familie: Birkengewächse (Betulaceae)

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Hasel (Corylus avellana), Blatt im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Hasel (Corylus avellana) mit männlichen Blütenkätzchen, Ende Februar in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Lambertshasel (Corylus maxima) mit männlichen Blütenkätzchen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Hasel und Lambertshasel

Corylus avellana und Corylus maxima

Verbreitung: C. avellana: Europa, Nordafrika und Westasien, vom Tiefland bis in die subalpine Stufe, in den Alpen bis auf etwa 1'700 m Höhe.
C. maxima: Ursprünglich Balkan, Hauptangebiete in der Türkei.

Winterhärtezone 3 (erträgt bis -29ºC).

Wuchsklasse 3: Meist 3-3.5 m hoch, C. maxima 6-10 m.

Die Hasel ist ein rasch wachsender breit ausladender und vielstämmiger sommergrüner Großstrauch mit gelbem Herbstlaub. Sie bildet ein weites Wurzelsystem, welches gelegentlich Ausläufer treibt. Sie neigt zum Stockausschlag, treibt also aus der Stammbasis Sprösslinge, die das strauchförmige Bild des Haselnussstrauchs nestimmen. Die Rinde ist anfangs olivbraun und wird später hell braungrau und rissig. Die Hasel ist einhäusig getrenntgeschlechtig, hat also männliche und weibliche Blüten. Blütezeit ist von Februar bis April. Die weiblichen Blütenstände sind unauffällig, die männlichen bilden bis 10 cm lange, gelbe oder rote Kätzchen. Sie ist als Frühblüher ein wichtiger Pollenlieferant für Honigbienen und ihre Nüsse dienen im Herbst und Winter den Eichhörnchen, Haselmäusen, Schläfern, Mäusen, Kleibern und Eichelhähern als Nahrung. Die nahe verwandte, bei uns in Gärten weitverbreitete Lambertshasel (Corylus maxima) von der türkischen Schwarzmeerküste, von der die meisten im Handel befindlichen Haselnüsse stammen, erfüllt in ökologischer Hinsicht denselben Zweck [1; 5; 6; 8; 10].

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Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Ölbaumgewächse (Oleaceae)

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Blühender Liguster (Ligustrum vulgare), anfangs Juni, Waldreservat "Obere Belpau", Belp BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Blühender Liguster (Ligustrum vulgare), anfangs Juni, Waldreservat "Obere Belpau", Belp BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Ligusterhecke (Ligustrum vulgare) in Wohnquartier, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Liguster (Ligustrum vulgare), Blätter, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Gewöhnlicher Liguster

Ligustrum vulgare

Verbreitung: Europa, Nordwestafrika und Westasien bis zum Iran.

Winterhärtezone 5 (erträgt bis -24ºC).

Wuchsklasse 3: 1.5-4 m hoch.

Der Liguster ist ein mäßig rasch wachsender, dichtwüchsiger, halbimmergrüner Strauch, der seine kleinen, glattrandigen, ledrigen Blätter erst gegen das Frühjahr abwirft. Er ist wärme- und kalkliebend und gedeiht sowohl auf trockenen wie feuchten, alkalischen bis neutralen, humusreichen Böden. Wie die meisten Ölbaumgewächse ist er sehr robust und erträgt auch mehrwöchige Dürrephasen. Der Standort ist im Idealfall sonnig, kann aber auch schattig sein. In extremen Schattenlagen neigen Ligusterhecken allerdings zum Verkahlen. Seine weißen, aufrecht stehenden, traubigen Blüten werden von verschiedenen Schmetterlingsarten aufgesucht und sind Pollenlieferanten für Honig- (Apis mellifera), Sand- (Andrena spp.) und Furchenbienen (Lasioglossum spp.). Die Blätter sind Nahrung nicht nur für die Raupen des Ligusterschwärmers (Sphinx ligustri) und der Ligustereule (Craniophora ligustri), sondern auch des Totenkopfschwärmers und weiterer Schmetterlingsarten, und die schwarzen, für den Menschen - ebenso wie Laub und Rinde - leicht giftigen Beeren werden von über 20 Vogelarten, darunter z. B. Drosseln, Rotkehlchen, Finken, Eichelhäher, Elstern, und mehreren Kleinsäugerarten verzehrt [1; 4; 6; 8; 9].

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Gewöhnlicher Flieder (Syringa vulgaris), Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Gewöhnlicher Flieder (Syringa vulgaris) im Parc Zoo du Reynou © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Gewöhnlicher Flieder

Syringa vulgaris

Verbreitung: Südosteuropa und Vorderasien. Eingebürgert in weiteren Ländern Europas sowie in Teilen Nordamerikas und Asiens.

Winterhärtezone 4 (erträgt bis -29ºC).

Wuchsklasse 3: 4-6 (3-7) m hoch.

Der Gewöhnliche Flieder ist ein bei uns in Gärten weit verbreiterter Großstrauch, der gebietsweise verwildert ist und zum Teil als invasiv betrachtet wird. Die ersten Exemplare  gelangten 1560 vom damaligen Konstantinopel nach Wien. Ende des 16. Jahrhunderts tauchte die Art in Frankreich auf und wurde von dort aus in andere mitteleuropäische Länder verbreitet. Mitte des 19.Jahrhunderts gelang die Züchtung der ersten Hybridformen. Damit begann der Einzug des Edelflieders als Zierstrauch in den Hobbygärten [12].

In Deutschland ist der Gemeine Flieder verwildert und wird daher in der Managementliste invasiver Arten aufgeführt, für die das Bundesamt für Naturschutz prüft, welche konkreten Maßnahmen ergriffen werden müssen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern [12].

Blütezeit ist Mai-Juni oder Juli. Die bei der Wildform violett-/lilafarbenen, in 10-20 cm langen Rispen angeordneten Blüten duften stark. Bei Kulturformen gibt es auch blaue, weiße oder rosafarbene Blüten. Die kleinen, braunen Kapselfrüchte sind im September-Oktober reif. Eine Vermehrung ist auch durch Wurzelausläufer möglich. Der Flieder ist als Nahrungsquelle für Insekten von geringem Interesse. Sein dichtbeblättertes Geäst dient vielen Vögeln als Nistplatz [1; 9].

Siehe auch Mediterrane Laubbäume.

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Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Berberitzengewächse (Berberidaceae)

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Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris) im Tiergarten Nütrnberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris) Anfang Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris) mit reifen Früchten im September, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Gewöhnliche Berberitze oder Sauerdorn

Berberis vulgaris

Verbreitung: Europa und Westasien bis zum Iran.

Winterhärtezone 4 (erträgt bis -29ºC).

Wuchsklasse 3: 1-3 m hoch.

Die Berberitze ist ein langsam wachsender, sommergrüner Strauch, der mit Blattdornen bewehrt ist. Bevorzugte Standorte sind felsige Orte der kollinen bis subalpinen Stufe. Ihre Blätter haben einen gezähnten Rand und werden im Herbst tiefrot. Ihre kleinen Blüten sind gelb, die Bestäubung erfolgt durch Insekten, bleiben diese aus, kommt es zur Selbstbestäubung. Die roten Beeren bilden ab August eine wichtige Nahrungsquelle für Drosseln, Rotkehlchen, Finken, Eichelhäher, Elstern und weitere Vogelarten. Mit Ausnahme der Beeren ist die ganze Pflanze giftig, besonders die Wurzelrinde ist stark alkaloidhaltig [1; 4; 6; 8; 11].

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Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Ölweidengewächse (Elaeagnaceae)

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Sanddorn (Elaeagnaceae: Hippophaë rhamnoides) im Tiergarten Nürnberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Sanddorn (Elaeagnaceae: Hippophaë rhamnoides) in der Straußenfarm Mhou, Rülzheim © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Sanddorn (Elaeagnaceae: Hippophaë rhamnoides) mit Früchten im September, Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Sanddorn

Hippophaë rhamnoides

Verbreitung: Europa und Asien. Verbreitungsschwrepunkte in der Schweiz: Genferbecken, Rhône- und Aaretal.

Winterhärtezone 3 (erträgt bis -36ºC).

Wuchsklasse 3: Bis 9 m hoch.

Der Sanddorn ist ein mäßig rasch wachsender, winterkahler Dornstrauch mit dichtem Geäst, graugrünen Blättern, bedornten Kurztrieben und blassgelbem Herbstlaub, der vorzugsweise auf trockenwarmen Kiesböden wächst. Er blüht vor dem Laubaustrieb von März bis Mai. Er ist zweihäusig. Für zuverlässigen Ertrag sollten für bis zu fünf weibliche Sträucher mindestens ein männliches Exemplar als Pollenspender gepflanzt werden.Seine 6-8 mm langen, ovalen Schein-Steinfrüchte sind orangerot bis gelb und enthalten viel Vitamin C. Während des Winters stellen sie für Vögel eine bedeutende Nahrungsquelle dar. Regional wird aus den Sanddornfrüchten Saft gewonnen, der entweder als solcher vermarktet oder zu Sanddorn-Likör, Süßigkeiten, Brotaufstrichen oder Kosmetika weiter verarbeitet wird. Aus dem Fruchtfleisch oder den Kernen können ferner Öle hergestellt werden, denen eine gesundheitsfördernde bzw. heilende Wirkung nachgesagt wird [1; 2; 5; 6; 8; 10].

Für die Raupen des Sanddornschwärmers (Sphingidae: Hyles hippophaes), einer in Mitteleuropa seltenen, nach Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU streng zu schützende Nachtfalterart ist der Sanddorn die wichtigste Futterpflanze. Regional ist er auch für den Idas-Bläuling (Lycaenidae Polyommatus idas) von Bedeutung [14].

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Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)

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Felsenbirne (Amelanchier ovalis) im Tierpark Nordhorn © Peter Dollinger

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Gewöhnliche Felsenbirne (Amelanchier ovalis), Blätter, im Tiergarten Nürnberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Felsenbirne (Amelanchier ovalis) im Tierpark Nordhorn © Peter Dollinger

Gewöhnliche Felsenbirne

Amelanchier ovalis

Verbreitung: Mittel-, Süd- und Osteuropa, Nordafrika, Vorderasien. Verbreitungsschwerpunkte in der Schweiz sind der Jura und das Wallis.

Winterhärtezone 5 (erträgt bis -24ºC).

Wuchsklasse 3: 1-4 m hoch.

Die Gewöhnliche Felsenbirne ist ein langsam wachsender, dornenloser, sommergrüner, reich verzweigter und dichtkroniger Strauch. Sie gedeiht am besten auf besonnten, trockenen und steinigen Böden. Bevorzugte Standorte sind felsige Berghänge der kollinen und subalpinen Stufe. Sie hat weiße Blüten und blauschwarze Apfelfrüchte. Sie ist eine wichtige Futterpflanzen für mehrere Schmetterlingsarten, darunter der in Deutschland potenziell gefährdete Grüne Zipfelfalter (Callophrys rubi), der gefährdete Obsthain-Blütenspanner (Eupithecia insigniata) und das in Mitteleuropa nur selten und lokalisiert vorkommenden Trauerwidderchen (Aglaope infausta). Sie ist auch von Bedeutung als Bienenweide und ihre Früchte dienen zahlreichen Vögeln,z. B. Drosseln, Rotkehlchen, Finken, Eichelhäher, Elstern und weiteren Arten sowie Kleinsäugern als Nahrung. Samen und Blätter sind für den Menschen leicht giftig, die Früchte können roh genossen, getrocknet oder zu Konfitüre, Likör oder Gelee verarbeitet werden [1; 4; 5; 6; 8; 10].

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Blühender Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna) Früchte, Naturschutzgebiet Auried, Kanton Freiburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Eingriffeliger Weißdorn

Crataegus monogyna

Verbreitung: Europa, Nordafrika, Westasien bis Afghanistan. Verbreitungsschwerpunkte in der Schweiz: Mittelland, Jura, Rhônetal.

Winterhärtezone 4 (erträgt bis -29ºC).

Wuchsklasse 3 (2): 2-6m hoch, selten bis 12 m.

Der Eingriffelige Weißdorn ist ein mäßig rasch wachsender, winterkahler; Strauch oder kleiner Baum mit dornenbewehrten Ästen und dichter Krone. Er ist kalkliebend und gedeiht gut auf nährstoffreichen, eher trockenen Böden. Im Mai und Juni dienen seine weißen Blüten als Bienenweide, im Winter sind seine 8–10 mm langen, roten, fleischigen Steinfrüchte eine wichtige Nahrungsquelle für Drosseln, Rotkehlchen, Finken, Eichelhäher, Elstern und weitere Vogelarten. Wegen ihrer dichten Verzweigung und ihen Dornen sind Weißdornhecken schwer zugänglich und ein idealer Brutplatz für viele Heckenbrüter. Der Neuntöter nutzt die Dornen, um seine Beute aufzuspießen. Die Art dient den Raupen zahlreicher Schmetterlingsarten, z. B. des Segelfalters (Iphiclides podalirius), der Kupferglucke (Gastropacha quercifolia), des des Baum-Weißlings (Aporia crataegi), des Gelbspanners (Opisthograptis luteolata) oder des Goldafters (Euproctis chrysorrhoea) als Futterpflanze. Weißdorne sind anfällig für Feuerbrand und sollte nicht in der Nähe von Obstbäumen gepflanzt werden. Den Früchten wird eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt. Sie können roh gegessen oder zu Marmeladen und Gelees sowie Likören oder Tees verarbeitet werden [1; 4; 5; 6; 8; 10; 14].

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Schwarzdorn (Prunus spinosa) im Tiergarten Nürnberg @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Schwarzdorn (Prunus spinosa) im Tiergarten Nürnberg @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Schwarz- oder Schlehdorn

Prunus spinosa

Verbreitung: Europa, Nordafrika, Westasien.

Winterhärtezone 4 (erträgt bis -29ºC).

Wuchsklasse 3: Bis 3-4(-6) m hoch.

Der langsam wachsende, winterkahle, dornenreiche Schwarz- oder Schlehdorn wächst als Strauch oder als kleiner, oft mehrstämmiger Baum. Blütezeit ist der April. Seine Blüten sind weiß, seine im September-Oktober reifen Steinfrüchte blauschwarz, und das Herbstlaub ist gelb. Er kann sich auch durch Ausläufer vermehren. Er ist von großer Bedeutung für etliche Wildbienen und Schmetterlinge. So nutzen z.B. das Tagpfauenauge (Aglais io) den Nektar, die Raupen des gefährdeten Grauen Laubholz-Dickleibspanners (Lycia pomonaria), des Gelbspanner (Opisthograptis luteolata), des Gebüsch-Grünspanners (Hemithea aestivaria) des stark gefährdeten Schwalbenwurz-Kleinspanners (Scopula umbelaria), der vom Aussterben bedrohte Hecken-Wollafter (Eriogaster catax) oder des Segelfalters (Iphiclides podalirius) die Blätter. Eine Rüsselkäferart, der Schlehen-Blütenstecher (Anthonomus rufus), lebt als einzige mitteleuropäische Käferart ausschließlich auf der Schlehe, und verschiedene andere Käferarten nutzen Blüten, Blätter, Schlehen oder das Holz. Der Schlehdorn ist auch ein wichtiges Brutgehölz für Vögel, die Schlehen werden von etwa 20 Vogelarten gefressen und die Dornen dienen dem Neuntöter zum Aufspießen von Beutetieren. Aus den Schlehen kann Saft gewonnen werden, der zu Gelee, Likör etc. verarbeitet und in der Volksmedizin bei Entzündungen von Hals oder Zahnfleisch und zum Entwässern eingesetzt werden kann [1; 5; 6; 8; 14].

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Hundsrose (Rosa canina) in Blüte © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Hundsrose (Rosa canina), Blüte im Mai, Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Hundsrose (Rosa canina) in Blüte, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Hagebutten der Hundsrose (Rosa canina) im Tiergehege Mundenhof, Freiburg i.Br. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Hundsrose

Rosa canina

Verbreitung: Europa, Nordwestafrika, Westasien und isoliertes Teilareal in Zentralasien. Angesiedelt in Nordafrika.

Winterhärtezone 3 (erträgt bis -36ºC).

Wuchsklasse 2: Als Strauch 2-3 (-4) m hoch, als Kletterpflanze bis 6 m.

Die Hunds-Rose ist eine von rund 14 in Mitteleuropa heimischen Rosenarten. Sie wächst als winterkahler, lockerer, mit Stacheln bewehrter Strauch mit langen, bogig überhängende Ästen und Zweigen oder als Kletterpflanze. Ihr Herbstlaub ist gelb. Sie gedeiht am bestan auf trockenen, warmen Böden. Sie wird von Heckenbrütern als Nistplatz genutzt. Die von ihren weißen oder rosafarbenen Blüten angelockten Insekten dienen von Mai bis August zahlreichen Vogelarten als Nahrung. Ihre Hagebutten genannten roten Nussfrüchte reifen im September und Oktober. Sie sind während des Winters eine wichtige Nahrungsquelle für Drosseln, Rotkehlchen, Finken, Eichelhäher, Elstern und weiteren Vogelarten.

Regional, etwa in der Nordwestschweiz, wird aus den Hagebutten "Buttenmost", ein rohes Mus gewonnen, das hauptsächlich zu Konfitüre weiterverarbeitet wird. Wer nicht aus einer solchen Region stammt, kennt das "Mus" zumindest als Brotaufstrich des "Tapferen Schneiderleins" der Gebrüder Grimm: "An einem Sommermorgen sass ein Schneiderlein auf seinem Tisch am Fenster, war guter Dinge und nähte aus Leibeskräften. Da kam eine Bauersfrau die Strasse herab und rief: "Gut Mus feil! Gut Mus feil!" Das klang dem Schneiderlein lieblich in die Ohren, er steckte sein zartes Haupt zum Fenster hinaus und rief: "Hier herauf, liebe Frau, hier wird sie ihre Ware los." ...." [1; 3; 4; 6; 8].

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ROSALES Rosaceae rubus idaeus belpau PD1
Himbeere (Rubus idaeus) anfangs Juni, Waldreservat "Obere Belpau", Belp BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Himbeere, anfangs Juni im Tierpark Dählhölzli, Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Himbere

Rubus idaeus

Verbreitung: Kühle und gemäßigte Zonen Europas und Westasiens vom Tiefland bis zur subalpinen Stufe, im Mittelmeerraum  nur noch in montanen bis subalpinen Lagen.

Winterhärtezone 3 (erträgt bis -36ºC).

Wuchsklasse 2: Als Strauch 2-3 (-4) m hoch, als Kletterpflanze bis 6 m.

Die Himbeere, ein sommergrüner Scheinstrauch, gedeiht in Waldlichtungen und Waldrändern. Sie ist eine Pionierpflanze auf Kahlschlägen. Wildpflanzen erreichen eine Höhe von 50-150 cm. Die aufrechten Sprossachsen werden alljährlich aus dem überwinternden Rhizom neu gebildet. Sie verzweigen sich, blühen und fruchten im zweiten Jahr und sterben nach der Fruchtreife ab. Die Pflanze vermehrt sich durch flache, kriechende Ausläufer, die sich nach einiger Zeit von der Mutterpflanze lösen und dann weiterwachsen. Die Triebe sind mit langen, dünnen Stacheln besetzt und tragen gefiederte wechselständige Laubblätter. Die Blätter sind dreizählig bzw., an den Schösslingen, fünf- oder siebenzählig gefiedert. Die Teilblätter sind doppelt gezähnt, unterseits dicht weissfilzig. Das Endteilblatt ist gestielt. Die zwittrigen, weißen Blüten stehen in rispigen, beblätterten Blütenständen. Die ca. 5 mm langen Kronblätter sind schmal-oval. Die meist roten Früchte sind eigentlich keine Beeren, sondern Sammelfrüchte, die sich aus vielen kleinen kugelförmigen und miteinander verwachsenen Steinfrüchten zusammensetzen. [1; 6; 9].

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Ordnung: Steinbrechartige (Saxifragales)
Familie: Stachelbeergewächse (Grossulariaceae)

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Johannisbeerstrauch (Ribes rubrum) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

Rote Johannisbeere

Ribes rubrum

Verbreitung: Europa, Westasien.

Winterhärtezone: winterhart.

Wuchsklasse 3: 1-2 m hoch.

Die Rote Johannisbeere wächst als aufrechter, winterkahler Strauch ohne Stacheln und mit gelappten Blättern, die sich im Herbst braun-gelb verfärben. Sie bevorzugt feuchte Böden. Sie blüht im April-Mai. Die grünlichen oder rötlichn Blüten sind klein und unscheinbar. Sie werden von Insekten bestäubt und sind eine wichtige Nahrungsquelle für die Honigbiene. Ihre roten bzw weiß-rosafarbenen Beeren sind im Juni-Juli reif. Sie sind reich an Vitamin C und können roh genossen oder zu Saft, Gelee, Konfitüre, Likör und weiteren Produkten verarbeitet werden [1].

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Stachelbeerstrauch (Ribes uva-crispa) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

SAXIFRAGALES GROSSULARIACEAE ribes uva crispa PD1
Stachelbeeren(Ribes uva-crispa) im JUni, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Stachelbeere

Ribes uva-crispa

Verbreitung: Europa, Asien.

Winterhärtezone: winterhart.

Wuchsklasse 3: 60-100(-150) cm hoch.

Die Stachelbeere wächst als winterkahler, aufrechter, stachelbewehrter Strauch mit gelappten Blättern. Sie bevorzugt Halbschatten, gedeiht aber auch an schattigen Lagen. Ideal sind nährstoffreiche, mittelschwere Böden mit ausreichender Bodenfeuchtigkeit. Blütezeit ist April, die Bestäubung erfolgt hauptsächlich durch Bienen, für welche die Art eine gute Trachtpflanze ist. Ihre grünen, gelben oder rötlich gefärbten Früchte sind kirschgroß und enthalten viel Vitamin C. Die Ausbreitung der Samen erfolgt hauptsächlich durch Vögel, welche die Beeren fressen. Es gibt aber auch eine vegetative Vermehrung durch abgesenkte Zweige. Die Stachelbeere dient als Futterpflanze für den seltenen, vom NABU 2016 zum Schmetterling des Jahres gekürten Stachelbeerspanner (Abraxas grossulariata). Die Beeren können roh genossen oder zu Saft, Gelee, Konfitüre, Likör und weiteren Produkten verarbeitet werden [1; 6; 8; 9].

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Literatur und Internetquellen:

  1. BAUMKUNDE
  2. GEHÖLZE - WSL
  3. HORCH, P., MICHLER-KEISER, S. & REY, L. (2020)
  4. JOHANN, C. (2005)
  5. JOHNSON, H. (1974)
  6. LAUBER, K. & WAGNER, G. (1991)
  7. RIETSCHEL, W. (2004)
  8. STEIGER, P. & GLAUSER, C. (2016)
  9. MEIN SCHÖNER GARTEN
  10. INFO FLORA
  11. BOTANIKUS
  12. GARTEN-WISSEN
  13. CLINI TOX
  14. PYRGUS.DE

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Freigegeben in Heckenpflanzen
Freitag, 03 April 2020 13:02

Japan

JP map 1
1. Südlichen Kurilen (umstritten); 2. Hokkaidō; 3. Honshū; 4. Shikoku; 5. Kyūshū; 6. Tsushima; 7. Gotō-Inseln; 8. Ryūkyū-(Amami-) Inseln; 9. Ryūkyū- (Okinawa-)Inseln; 10. Ryukyu- (Yaeyama-)Inseln (darunter Iriomote); 11. Daitō-Inseln; 12. Okinotorishima-Atoll; 13. Ogasawara-Inseln; A. Ochotskisches Meer; B. Japanisches Meer; C. Ostchinesisches Meer; D. Kurilengraben; E. Japangraben

 

 

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Der Buddhistische Kinkaju-ji (Goldener Tempel am Kyōkochi-Teich in Kyōto © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Sumpfschildkröte in einem Teich bei buddhistischen Tō-ji (Ost-Tempel) in Kyōto © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Japan-Sikas (Cervus n. nippon) im Park des Kasuga-Taisha, eines Shintō-Schreins in Nara, Honshu © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Japan-Sikas (Cervus n. nippon) am Eingang zum Kasuga-Taisha, einem Shintō-Schrein in Nara, Honshu © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Inseln mit Kormoranen (Phalacrocorax sp.) in der Ise-Bucht vor Toba, Honshu © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Lachmöwen (Larus ridibundus) und Kormorane (Phalacrocorax carbo) am Shinbazu-Teich in Ueno, Tōkyō © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Schwarzmilan (Milvus migrans) auf der Insel Chikubu-shima im Biwa-See, Präfektur Shiga, Honshu © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Stadttauben (Columba livia f. dom.) beim Sensō-ji in Asakusa, Tōkyō © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Bambusdickicht auf der Insel Chikubu-shima im Biwa-See, Präfektur Shiga, Honshu © Peter Dollinger, Zoo Office Bern© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

JP 09 akan mashu NP MEGJ
Akan-Mashu National Park, Hokkaido © Ministry of the Environment of Japan (https://www.env.go.jp/en/nature/nps/park/akan/point/index.html)

 

 

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Fuji-Hakone-Izu-Nationalpark, Honshu. Forellenfischen beim Hatajuku Clear Stream Trout Fishing Ground © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Fuji-Hakone-Izu-Nationalpark, Honshu. Regenbogenforellen (Oncorhynchus mykiss) beim Hatajuku Clear Stream Trout Fishing Ground © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Fuji-Hakone-Izu-Nationalpark, Honshu. Das vulkanisch aktive Ōwakudani ("Großes kochendes Tal") © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Nikko-Nationalpark, Honshu. © Ministry of the Environment of Japan (https://www.env.go.jp/en/nature/nps/park/nikko/point/index.html)

 

 

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Oze-Nationalpark, Honshu. Hiuchigatake © Qwert1234. Veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

 

JP 20 hakusan NP
Hakusan-Nationalpark, Honshu. © Ministry of the Environment of Japan (https://www.env.go.jp/en/nature/nps/park/hakusan/point/index.html

 

 

JP 22 daisen oki NP
Daisen-Oki-Nationalpark © Ministry of the Environment of Japan (https://www.env.go.jp/en/nature/nps/park/daisen/point/index.html)

 

 

JP 23 saikai NP
Saikai-Nationapark, Kyūshū © Ministry of the Environment of Japan (https://www.env.go.jp/en/nature/nps/park/saikai/index.html)

 

 

JP 19 unzen amakusa NP
Unzen-Amakusa-Nationalpark, Kyushu © Ministry of the Environment of Japan (https://www.env.go.jp/en/nature/nps/park/unzen/point/index.html)

 

 

JP 11 kirishima kinkowan NP MEGJ
Kirishima-Kinkowan National Park, Kyushu © Ministry of the Environment of Japan (https://www.env.go.jp/en/nature/nps/park/kirishima/point/index.html)

 

 

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Furuzamami-Strand auf der Insel Zamami des Keramashoto-Nationalparks, Okinawa, Ryūkyū-Inseln © Hashi Photo veröffentlicht in Wikimedia Commons unter GNU Free Documentation License.

 

 

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Korallenriff im Iriomote-Ishigaki National Park, Okinawa, Ryūkyū-Inseln © Ministry of the Environment of Japan (https://www.env.go.jp/en/nature/nps/park/iriomote/point/index.html)

Allgemeines

Japan liegt am Westrand des Pazifiks. Vor seiner Ostküste befinden sich der bis 10'542 m tiefe Kurilen- und der bis 8'410 m tiefe Japangraben. Vom Eurasischen Festland wird es durch drei Randmeere getrennt: im Norden das Ochotskische, in der Mitte das Japanische und im Süden das Ostchinesische Meer. Letztere werden durch die Koreastraße verbunden. Mit einer Landfläche von rund 377 900 km² ist Japan etwas größer als Deutschland. Es besteht aus den vier Hauptinseln Hokkaidō, Honshū und die von dieser durch die Seto-Inlandsee getrennten Shikoku und Kyūshū sowie über 6'800 kleineren und kleinsten Inseln, von denen etwa 430 bewohnt sind. Südlich der Hauptinseln liegen die Ryūkyū- und Ogasawara-Inseln, nördlich davon die Kurilen, die von Russland verwaltet, zum Teil aber von Japan beansprucht werden. In der Koreastraße befinden sich die Tsushima-Inseln, weit im Süden, in der Philippinensee, das Okinotorishima-Atoll. Zwischen dem nördlichsten und dem südlichsten Punkt liegt eine Distanz von rund 3'000 km, was etwa der Strecke von Frankfurt bis in die Republik Niger entspricht. Berge nehmen etwa zwei Drittel der Landfläche Japans ein. Der höchste ist der Fuji, ein ruhender Vulkan von 3776 m Höhe. Im Ganzen besitzt Japan 165 Vulkane, davon sind 45 noch aktiv. Der größte See ist der Biwa-See mit einer Fläche von 674 km² [6; 7; 10].

Als Folge der großen Nord-Süd-Ausdehnung gibt es in Japan mehrere Klimazonen. Hokkaidō ist vergleichbar mit Skandinavien. Im Januar liegen die mittleren Temperaturminima und -maxima bei -1.4ºC bzw. -10.2ºC, im Juli bei 16 bzw. 22ºC. Der Jahresniederschlag ist mit rund 500 mm relativ gering, die Winter sind aber schneereich. Honshū, Shikoku und das nördliche Kyūshū sind hinsichtlich Temperatur ähnlich wie Mittel- und Südeuropa, wobei die hohen zentralen Gebirge zu regionalen Unterschieden führen. Der Jahresniederschlag liegt in Tōkyō bei etwa 1'400 mm. Das südliche Kyūshū ist mit Mitteln von 1.8 - 12ºC im Januar und  23.4-31.1ºC bereits subtropisch. Die Jahresniederschläge liegen im Bereich von 2'000 mm und darüber. Noch weiter südlich wird's tropisch: die mittleren Wintertemperaturen in Okinawa schwanken zwischen 14 und 21ºC, die mittleren Sommertemperaturen zwischen 26 und 31ºC [6 und diverse Klimatabellen].

Vegetation und Charakterpflanzen

Rund zwei Drittel der Landesfläche sind bewaldet. Entsprechend den verschiedenen Klimazonen ändert sich die Vegetation von Nord nach Süd: Auf Hokkaidō überwiegt borealer Nadelwald. Dieser geht in Richtung Süden in sommergrünen Mischwald über. Etwa ab Zentral-Honshū stehen immergrüne Laubwälder mit Lorbeergewächsen, Stechpalmen, Farnen und Eichen. Im Süden des Landes findet sich tropische Flora mit immergrünem Regenwald und Mangroven an den Küsten [6; 7].

Die Koniferenwälder Hokkaidōs werden dominiert von Sachalin-Tanne (Abies sachalinensis), Sachalin-Fichte (Picea glehnii), Ajan-Fichte (Picea jezoensis) und Dahurischer Lärche (Larix gmelinii). In Berglagen des nördlichen Honshū stehen Maries-Tanne (Abies mariesii), Japanische Zwerg-Kiefer (Pinus pumila) und Goldbirke (Betula ermanii) im Vordergrund. In den Mischwäldern gehören Sachalin-Tanne, Japanischer und Fächer-Ahorn (Acer japonicum, A. palmatum), Herzblättrige Hainbuche (Carpinus cordata), Kerb-Buche (Fagus crenata) und Mongolische Eiche (Quercus mongolica) zu den Leitarten. In den winterkahlen Laubwäldern trift man auch auf Japanische Aralie (Aralia elata), Japanische Hainbuche (Carpinus japonica), Japanische Blau-Buche (Fagus japonica), Magnolien (Magnolia spp.), Gesägte und Japanische Kaiser-Eiche (Quercus serrata, Q. dentata). Im südlichen Honshū, auf Shikoku und Kyūshū finden sich überwiegend immergrüne Arten, darunter Eichen (Quercus acuta, Q. glauca), Kampferbaum (Cinnamomum camphora), Sicheltanne (Cryptomeria japonica), Strandkiefer (Pinus densiflora) und viele mehr. Insgesamt besitzt Japan etwa 168 Baumarten. Auch  bis 15 m hoher Bambus (z. B. Arundinaria fastuosa, Bambusa oldhamii) gehört zu den Waldgesellschaften [9; 10].

Tierwelt

Japan weist 131 natürlicherweise vorkommende Landsäugetiere auf, überwiegend solche, die es auch auf dem eurasischen Festland gibt, wie Rotfuchs (Vulpes v. japonica), und Sikahirsche, die auf allen Hauptinseln vorkommen, Kragenbär und Wildschwein auf Honshu, Shikoku und Kyushu, Hermelin auf Honshu und Hokkaidō, Schneehase, Eichhörnchen, Feuerwiesel und Braunbär auf Hokkaidō sowie die Bengalkatze auf Tsushima. 51 Arten sind endemisch, darunter Rotgesichtsmakak, Japanischer Serau, Japandachs (Meles anakuma), Japanwiesel (Mustela itatsi), Japanhase (Lepus brachyurus) und Amami-Kaninchen (Pentalagus furnessi), ferner 17 Fledertier-, 14 Insektenfresser- und 14 Kleinnagerarten. Hinzu kommen die von manchen Autoren als selbständige Arten angesehene Iriomotekatze (Prionailurus b. iriomotensis) und der Japanische Marderhund (Nyctereutes p. viverrinus) [1; 8].

Die Vogel-Checkliste Japans umfasst 447 Arten, davon 21 endemische, u.a. den Kupferfasan und den Buntfasan. 6 Arten sind vom Aussterben bedroht, darunter die Baer-Moorente. 13 Arten gelten als stark gefährdet, darunter Schwarzschnabelstorch, Schwarzstirnlöffler (Platalea minor), Nipponibis (Nipponia nippon), Schuppensäger (Mergus squamatus) und Mandschurenkranich. 31 weitere Arten sind gefährdet. Dazu zählen Schwanengans, Zwergblässgans, Eisente, Tafelente, Mönchskranich, Weissnackenkranich, Kaiseradler, Riesenseeadler und Schneeeule [2; 8].

Die an Land bzw. im Süßwasser lebenden Reptilien und Amphibien sind, einschließlich einiger eingeschleppten, durch 120 Arten vertreten, darunter 7 Schildkröten, 63 Schuppenkriechtiere, 31 Frosch- und 19 Schwanzlurche. Erwähnt seien Gelbrand-Scharnierschildkröte, Japanische Sumpfschildkröte, JungferngeckoSchönnatter, Japanischer Riesensalamander (Andrias japonicus) und Schwertschwanzmolch [3; 8].

Viele Flüsse und Bäche mit steilem Gefälle haben relativ sauberes, sauerstoffreiches Wasser. Sie bieten ganzjährigen Lebensraum für zahlreiche Fischarten oder dienen anadromen Wanderfischen, wie z.B. dem Masu-Lachs (Oncorhynchus masou), als Laichhabitat. 75 Arten sind endemisch [3; 8]. Dass Regenbogenforellen (Oncorhynchus mykiss) eingeführt wurden, freut zwar den Sportfischer, ist aber für die einheimischen Arten nicht unbedingt hilfreich

In japanischen Territorialgewässern kommen zwei Meereschildkröten, nämlich Unechte Karett- und Suppenschildkröte, sowie 43 Arten Meeressäuger vor, darunter Weißwal, Großer Tümmler, Schwertwal, Nördlicher Seebär, Steller-Seelöwe, Seehund und Walross. Um die Ryūkyū- und Satsunan-Inseln, vor Kyūshū und um Tsushima gibt es ausgedehnte, als Folge der Klimaerwärmung zum Teil leider abgestorbene Korallenriffe, ebenso um den in der Philippinensee gelegenen, zu Japan gehörenden Okinotorishima-Atoll. Hier findet sich das ganze Spektrum an Fischen und Wirbellosen, die in den wärmeren Gewässern des westlichen Nord-Pazifiks verbreitet sind. Wegen des Klimawandels besiedeln diese Arten zunehmend subtropische anstatt tropische Gewässer [3; 5; 8].

Japanische Tiere im Zoo

Bei den Botanikern erfreut sich das Thema "Japan" größter Beliebtheit, und es gibt jede Mange Japanischer Gärten, sei es als Abteilung eines Botanischen Gartens oder als unabhängige Einrichtung, so etwa in Augsburg, Bonndorf, Düsseldorf, Freiburg, Interlaken, Kaiserslautern, Leverkusen, Wien oder Würzburg. In Zoos ist dies nicht der Fall. zwar werden etliche in Japan vorkommende Tierarten gezeigt, manche davon, wie Rotgesichtsmakak, Sikahirsch, Schwanengans und Weißnackenkranich oder Haustierformen wie Koi, Japanwachtel, Seidenhuhn und Chabo sogar recht häufig, aber es wird kaum je der Versuch unternommen, diese zusammenhängend und in einem auf Japan bezogenen botanisch-architektonischen Kontext zu zeigen. Wo sich Botanik und Zoologie unter einem Dach befinden, wie in Karlsruhe, Mannheim oder Stuttgart werden die beiden Bereiche säuberlich getrennt.

Nationalparks und Landschaftsschutzgebiete

Das japanische Umwelt-Ministerium verwaltet 36 Nationalparks mit einer gesamten Landfläche von 21'898 km², so groß wie die halbe Schweiz, von denen allerdings einige nach internationalem Standard als Landschaftschutzgebiete zu klassieren sind. Dies entspricht 5.8% der Landesfläche [4]            

Hokkaidō:

  • Akan-Nationalpark (seit 1934, 90'481 ha) - Aktive Vulkane, Wälder, Seen, Mandschurenkraniche
  • Daisetsuzan-Nationalpark (seit 1934, 226’764 ha) - Gebirgslandschaft, Japanischer Pfeifhase, Braunbär, Hokkaido-Sika, Schwarzspecht, Riesen-Fischuhu
  • Kushiro-Shitsugen-Nationalpark (seit 1987, 28'788 ha) - Sumpf- und Moorlandschaft, Mandschurenkranich, Sibirischer Winkelzahnmolch
  • Rishiri-Rebun-Sarobetsu-Nationalpark (seit 1974, 24'166 ha) - Inseln, Vulkane, Alpine Flora, Mandschurenkranich, Wildgänse, Seeadler
  • Shikotsu-Tōya-Nationalpark (seit 1949, 99'473 ha) - Vulkane - Kraterseen - Mischwald - Braunbär, Streifenhörnchen
  • Shiretoko-Nationalpark (seit 1964, 38'636 ha) - Gebirge, Küsten, borealer und subalpiner Wald, Braunbär

Honshū, Region Tōhoku:

  • Bandai-Asahi-Nationalpark (seit 1950, 186'389 ha) - Vulkane, Seen, Kragenbär, Sika, Serau
  • Oze-Nationalpark (seit 1972, 37'200 ha) - Sumpf- und Moorlandschaft, Berge, Kragenbär, Sika, Schwarzkopfibis, Mandarinente
  • Sanriku-Fukkō-Nationalpark (seit 1955, 28’537 ha) - Küstenpark, Rotkiefer, Rhododendren, Strand- und Seevögel, Serau
  • Towada-Hachimantai-Nationalpark (seit 1936, 85'534 ha) - Vulkan, Seen, subalpiner Wald, Serau

Honshū, Region Kantō:

  • Chichibu-Tama-Kai-Nationalpark (seit 1950, 126’259 ha) - Gebirge, Japanmakak, Japankaninchen, Kragenbär, Sika, Serau
  • Fuji-Hakone-Izu-Nationalpark (seit 1936, 121'695 ha) - Kein NP, Landschaftsschutzgebiet, Fujiyama, 5 Seen
  • Jōshin’etsu-Kōgen-Nationalpark (seit 1949, 148'194 ha) - Gebirge, Wälder, Hochmoore, Seen, Japanmakak, Kragenbär, Serau
  • Nikkō-Nationalpark (seit 1934, 114’ 908 ha) - kein NP, Landschaftschutzgebiet, Japanmakak, Kragenbär, Sika, Serau
  • Ogasawara-Nationalpark (seit 1972, 6'629 ha) - Subtropische Inseln, Veilchentaube, Bonin-Flughund

Honshū, Region Chūbu:

  • Chūbu-Sangaku-Nationalpark (seit 1934, 174'323 ha) - Hochgebirgspark, alpine Rasen, Nadelwald, Japanmakak, Kragenbär, Serau, Nepalhaubenadler, Steinadler, Schneehuhn
  • Hakusan-Nationalpark (seit 1962, 49'900 ha) - Gebirge mit unterschiedlichen Waldtypen, Staudenfluren, Japanmakak, Kragenbär, Sika, Serau, Nepalhaubenadler, Steinadler
  • Minami-Alpen-Nationalpark (seit 1964, 35'752 ha) - Hochgebirgspark, alpine Rasen, Japanmakak, Kragenbär, Serau,
  • Myōkō-Togakushi-Renzan-Nationalpark (seit 2015, 39'772 ha) - Gebirgspark mit Vulkanen, alpiner Flora, Schneehuhn

Honshū, Region Kinki:

  • Ise-Shima-Nationalpark (seit 1946, Landfläche  55'544 ha) - Meeresküste, Japan-Kormoran
  • San’in-Kaigan-Nationalpark (seit 1936, Landfläche (8'783 ha) - Meeresküste, Japan-Hase, Rotfuchs, Marderhund, Wildschwein, Sika, Wiederansiedlung Schwarzschnabelstorch
  • Yoshino-Kumano-Nationalpark (seit 1936, Landfläche 61'406 ha) - kein NP, Landschaftsschutzgebiet, Meeresküste, Wälder, Japanmakak, Marderhund, Kragenbär, Sika, Serau

Honshū, Region Chūgoku und Insel Shikoku:

  • Ashizuri-Uwakai-Nationalpark (seit 1972, 11'345 ha) - Küste, Korallenriffe, Mittelgebirge, Japanmakak, Unechte Karettschildkröte
  • Daisen-Oki-Nationalpark (seit 1936, 35'353 ha) - kein NP, Landschaftschutzgebiet, Gebirge, Vulkane, Küsten, Inseln
  • Setonaikai-Nationalpark (seit 1934, 67'242 ha) - kein NP, Landschaftsschutzgebiet, Seto-Inlandsee mit ca. 3'000 Inseln

Kyūshū:

  • Aso-Kujū-Nationalpark (seit 1934, 72'678 ha) - kein NP, Landschaftsschutzgebiet, Vulkan, Berge
  • Kirishima-Kinkōwan-Nationalpark (seit 1934, 36'586 ha) - Vulkane, Meeresküste, Inseln, Korallenfische, großer Sikabestand
  • Unzen-Amakusa-Nationalpark (seit 1934, 28'279 ha) - Vulkanismus, heiße Quellen, Meeresküste, Inseln, Eiablage von Suppenschildkröten
  • Saikai-Nationalpark (seit 1955, 24'646 ha) - Meerespark mit über 400 Inseln, Korallenriffe
  • Yakushima-Nationalpark (seit 2012, 24'566 ha) - Gebirge, subtropischer Wald mit Sicheltannen und Rhododendren, Meeresküste, Japanmakak, Unechte Karettschildkröte

Ryūkyū- und Satsunan-Inseln:

  • Amamiguntō-Nationalpark (seit 2017, Landfläche 42181 ha) - kein NP, Landschafts-, marines Schutzgebiet, Korallenriffe, Mangroven, Amami-Kaninchen, Ryukyu-Stachelratte
  • Iriomote-Ishigaki-Nationalpark (seit 1972, Landfläche 40'653 ha) - umfasst 5 Inseln, subtropischer Wald, Meeresküste, Korallnriffe, Iriomote-Katze
  • Keramashotō-Nationalpark (seit 2014, Landfläche 3’520 ha) - Inseln und umliegende Meeresgebiete, artenreiche Korallenriffe, Kerama-Sika
  • Yambaru-Nationalpark (seit 2016, Landfläche 13'622 ha) - Subtropische Wälder, Meeresküste, Okinawaralle, Okinawa-Specht, Ryukyu-Stachelratte

Literatur und Internetquellen

  1. A MAMMALS WATCHER'S GUIDE TO JAPAN
  2. BIRDLIFE DATA ZONE
  3. INATURALIST
  4. JAPANESE MINISTRY OF THE ENVIRONMENT - OVERVIEW OF NATIONAL PARKS
  5. KORALLEN ALS KLIMAFLÜCHTLINGE
  6. LAJTA, H. (1992)
  7. LÄNDER-LEXIKON
  8. LIVING NATIONAL TREASURES
  9. OKITSU S. (2003)
  10. PFEFFER, P. (1969)

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Samstag, 08 Juni 2019 15:50

Nadelbäume - Eiben

Ordnung: Koniferen (Coniferales)
Familie: Eibengewächse (Taxaceae)

Eibengewächse sind immergrüne Bäume und Sträucher mit abgeflachten Nadeln. Sie sind getrenntgeschlechtig, einhäusig oder (überwiegend) zweihäusig. Die weibliche Zapfen bilden nur je einen Samen, der von einer Arillus genannten, beerenähnlichen fleischigen Hülle umgeben ist. Von der Farbe und dem Geschmack des Arillus werden vor allem Vögel angelockt welche den Zapfen fressen, den Arillus verdauen und den Samen unverdaut wieder ausscheiden. Die Familie umfasst fünf Gattungen:

  • Amentotaxus und Torreya (Nusseiben) mit je 6 Arten aus der Paläotropis (Süd- und Südostasien) und Holarktis (Nordamerika).

  • Austrotaxus und Pseudotaxus, zwei monotypische Gattungen aus Neukaledonien bzw. Südost-China.

  • Eibe (Taxus) mit etwa 27 holarktischen Arten.

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CONIF tacaceae taxus baccata lfeld
Eibe (Taxus baccata) mit frisch austreibenden, hellgrünen Nadeln © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Kleiner Panda (Ailurus fulgens) auf Eibe (Tacus baccata) im Naturschutz-Tierpark Görlitz © Naturschutz-Tierpark Görlitz (Pressefoto)

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Strauchförmig wachsende Eibe (Taxus baccata) im Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Eibe (Taxus baccata) Zweig im Juni © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF tacaceae taxus baccata lfeld PD3
Mehrstämmige Eibe (Taxus baccata), Zweige und Stamm © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Europäische Eibe

Taxus baccata

Verbreitung: Europa, Algerien, Naher Osten bis Iran.

Winterhärtezone 6 (erträgt bis -20ºC).

Wuchsklasse 2: Bis 20 m hoch.

Giftigkeit: Nadeln und Rinde giftig, keinesfalls in Reichweite von Equiden!

Die Eibe ist ein zweihäusiger immergrüner, sehr langsam wachsender  Nadelbaum der in europäischen Parks weit verbreitet ist. Besonders häufig ist sie in alten Gärten wie Basel [1], Mülhausen oder der Wilhelma Stuttgart [6; 7]. Der Baum ist schattenresisient, natürliche Standorte sind steile Hänge oder schattige Talabschnitte  auf meist sickerfeuchten  Ton- und Lehmböden der kollinen und montanen Stufe bis auf 1'700 m Höhe [2; 3; 5; 8].

Die Eibe bildet leicht Stockausschläge und wächst fast immer mehrstämmig. Sie lässt sich leicht zurück- oder in Form schneiden. Die Nadeln sind 1-3 cm lang, 2-3 mm breit, abgeflacht, etwas sichelförmig und einzeln stehend, an Seitenzweigen zweireihig , an aufrechten Zweigen schraubig stehend, auf der Oberseite glänzend dunkelgrün, unterseits hell- oder gelbgrün. Die Blütezeit fällt auf März-April. Die männliche Blüten sind sitzende, kugelige Kätzchen an den Zweigspitzen, die unscheinbaren weiblichen befinden sich einzeln an den Zweigbasen. Aus den weiblichen Blüten entwickeln sich die Scheinbeeren mit einem 6-7 mm langen Samen im leuchtend roten Samenmantel (Arillus). Die Samen sind im September-Oktober reif [2; 3; 5; 8].

Alle Pflanzenteile, ausgenommen der rote Samenmantel, sind hochgiftig. Der wichtigste Giftstoff ist ein Alkaloid, das Taxin. 50-100 g Eibennadeln stellen eine für den Menschen tödliche Dosis dar, für Pferde sind es 20-30 g / 100 kg KGW, für Wiederkäuer 1'000 g / 100 kg KGW. Bei Equiden kann der Tod schon 5 Minuten nach Pflanzenaufnahme eintreten. Aus verschiedenen Zoos sind Vergiftungen  bei Equiden bekannt [6; 7]. Bei Paarzehern ist das Risiko zwar geringer, Verbiss durch Rotwild kann denn auch ein Problem sein [8], aber aus Norwegen wird über Todesfälle bei wildlebenden Elchen (Alces alces), Rehen (Caprolus caprolus) und Rentieren (Rangifer tarandus) berichtet [4]. Ebenfalls beschrieben ist ein Fall bei asiatischen Languren in einem amerikanischen Zoo.

Wildlebende Eiben sind in Mitteleuropa die seltensten einheimischen Nadelbäume. Die größte zusammenhängnde Population befindet sich am Üetliberg bei Zürich. Dort stehen vermutlich gleich viele Eiben wie in ganz Deutschland [8].

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Literatur und Internetquellen:

  1. BAUR, B., BILLEN, W. & BURCKHARDT, D. (2008)
  2. BAUMKUNDE
  3. GODET, J.-D. (1986)
  4. HANDELAND, K. et al. (2017)
  5. JOHNSON, H. (1974)
  6. RIETSCHEL, W. (1994)
  7. RIETSCHEL, W. (2004)
  8. SCHNEIDER, H. & ZULAUF, R. (2016)

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Nadelbäume - Kiefern

Ordnung: Koniferen (Coniferales)
Familie: Kieferngewächse (Pinaceae)

Mit Ausnahme der Lärchen und der Goldlärche sind die Kieferngewächse immergrüne Bäume oder, selten, Sträucher. Alle Arten sind einhäusig getrenntgeschlechtig. Ihr Holz enthält Harz und duftet aromatisch. Exemplare der großwüchsigsten Arten können eine Höhe von über 70 Metern bei Stammdurchmessern von etwa 3 Metern erreichen. Die Familie wird in vier Unterfamilien unterteilt, die zusammen 11 Gattungen und etwa 230 Arten umfassen.

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CONIF cedrus atlantica glauca pendula Reynou PD2
Atlaszeder (Cedrus atlantica) var. "glauca pendula) Im ParZoo du Reynou, Le Vigen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

CONIF cedrus atlantica glauca pendula Reynou PD1
Atlaszeder (Cedrus atlantica) var. "glauca pendula) Im ParZoo du Reynou, Le Vigen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Abietoideae

Atlaszeder

Cedrus atlantica

Verbreitung: Algerien, Marokko, Tunesien.

Winterhärtezone 6 (erträgt bis -20ºC).

Wuchsklasse 1: Bis 36 m hoch.

Die Rinde der Atlaszeder ist dunkelgrau, anfänglich glatt, später rissig. Bei jungen Bäumen ist die Krone breit-kegelförmig, bei älteren flach und breit ausladend, allerdings weniger als bei der Libanonzeder. Die Nadeln an Langtrieben sind etwa 20-25 mm lang und einzelnstehend, an Kurztrieben 10-20 mm lang und in Büscheln von ca. 45 Stück stehend. Die rosagelben männlichen Blüten sind etwa 4 (3-5) cm lang. Die weiblichen Blüten stehen endständig an Kurztrieben. Sie sind grün bis rötlich, zylindrisch und etwa 1 cm lang. Aus ihnen entwickeln sich 5-7.5 cm lange Zapfen mit einem Durchmesser von 4 cm. Blütezeit ist September-Oktober, die Früchte werden ein Jahr später reif [1; 3; 5].

Die Atlaszeder wurde 1841 erstmals nach England eingeführt. Es gibt mehrere Kulturformen, z.B. "aurea", "glauca", "fastigiata" oder "pendula". In Parks und Gärten wird zumeist die Form "glauca" gepflegt. Die Trauerzedern sind klein und können entweder grüne oder blaue Nadeln haben [5].

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CONIF Cedrus libani branfere PD1
Libanonzeder (Cedrus libani) im Parc animalier et botanique de Branféré, Le Guerno © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

CONIF Cedrus libani luisen PD1
Libanonzeder (Cedrus libani) im Luisenpark Mannheim © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Abietoideae

Libanonzeder

Cedrus libani

Verbreitung: Libanon, Syrien, Türkei.

Winterhärtezone 5 (erträgt bis -24ºC).

Wuchsklasse 1: Bis 21-30(-40) m hoch.

Die Libanonzeder ist oft mehrstämmig. Das Kernholz ist gelblich- bis rötlichbraun, das Splintholz viel heller. Die Rinde ist dunkelgrau, anfänglich glatt, später rissig. Bei jungen Bäumen ist die Krone kegelförmig, bei älteren flach und breit ausladend. Die Nadeln sind etwa 20-30 mm lang. An Langtrieben stehen sie einzeln, an Kurztrieben in Büscheln von 20-30 Stück. Die blassgrauen männlichen Blüten stehen aufrecht und sind etwa 5 cm lang. Die weiblichen Blüten stehen endständig an Kurztrieben. Sie sind eiförmig und etwa 1 cm lang. Aus ihnen entwickeln sich 8 cm lange Zapfen. Blütezeit ist September-Oktober, die Früchte werden im darauffolgenden August reif [1; 3; 5].

Libanonzedern sind etwas kälteresistenter als Atlaszedern (Cedrus atlantica). Sie wurden 1638 erstmals nach England eingeführt [5].

Die Libanonzeder ist der Nationalbaum des Libanon, sie wird auf dessen Wappen und Flagge dargestellt.

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CONIF pinaceae larix decidua nadeln WPFK PD1PD
Lärche (Larix decidua) mit frisch austreibenden, hellgrünen Nadeln © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF pinaceae larix decidua stralsund PD1
Lärche (Larix decidua), Nadeln, Knospen und älzrtr Zapfen im Juni im Zoo Stralsund © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF pinaceae larix decidua ballenberg PD1
Lärche (Larix decidua) mit jungen Zapfen im Juni im Schweizerischen Freilichtmuseum Ballengern, Brienzwiler BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Rinde einer Lärche (Larix decidua) im Wildpark Feldkirch © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Laricoideae

Lärche

Larix decidua

Verbreitung: Alpen, Sudeten und Karpaten.

Winterhärtezone 2 (erträgt bis -45ºC).

Wuchsklasse 1: Bis 55 m hoch.

Die Europäische Lärche ist ein sommergrüner, sehr lichthungriger Hochgebirgsbaum. Ursprünglich im Lärchen-Arvengürtel, in den Zentralalpen auch im Fichtengürtel der subalpinen Zone verbreitet, wurde sie auch in der montanen und kollinen Stufe angepflanzt und auch in Dorfnähe gefördert, weil unter ihrem lichten Schirm Wiesen- und Weidenutzung möglich ist. Sie liebt trockene Lagen. Wegen ihrer Sturmfestigkeit und ihres harzreichen, dauerhaften Holzes wird sie sehr geschätzt.

Die Nadeln sind 1-5 cm lang und 0.5-0.9 mm breit, weich und abgeflacht, oben wie unten dunkel- oder hellgrün. An Kurztrieben stehen sie in Büscheln zu 30-40, an Langtrieben einzeln. Junge Lärchennadeln gehören zu den bevorzugten Nahrungsbestandteilen von Auer- und Birkuhn. Im Herbst verfärben sich die Nadeln goldgelb.

Die Lärche ist einhäusig getrenntgeschlechtig. Ihre Blütezeit  ist April-Juni. Die schwefelgelben männlichen Blüten sind 5-10 mm lang und sitzen auf unbenadelten Kurztrieben. Die  rosa- bis dunkelroten oder purpurfarbenen und später vergrünenden  weiblichen Blüten, die meist an benadelten Kurztrieben aufrecht stehen, sind etwa doppelt so lang. Die sich aus ihnen entwickelnden reifen Zapfen stehen aufrecht, sind 2-4 cm lang, dick und graubraun. Die Samen fliegen erst im zweiten Jahr aus, die Zapfen bleiben dann weiterhin  an den Zweigen und fallen erst nach mehreren Jahren mit dem Zweig ab. 

Das rotbraune Kernholz der Lärche ist sehr hart und dauerhaft. Es wird zum Möbelbau, Innenausbau und Hausbau verwendet, ferner für Dachschindeln, Zäune, Telefonmasten etc. [1; 2; 3; 7].

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CONIF Picea abies vallorbe PD1
Von Fichten (Picea abies) umstandene Bisonweide auf etwa 1'000 m. ü. M. im JuraParc Mont d'Orzeires, Vallorbe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Picea abies goldau PD1
Fichte (Picea abies) auf etwa 550 m. ü. M. im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Picea abies marécottes PD1
Fichten (Picea abies) auf Naturfels im Steinwildgehege des Zoo des Marécottes, Salvan, ca. 900 m.ü. M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Picea abies vallorbe PD2
Mit Fichten (Picea abies) bestandenes Bärengehege auf ca. 900 m.ü. M. im JuraParc Mont d'Orzeires, Vallorbe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Picea abies poing PD1
Muffelwild in alter Fichten-Monokultur (Picea abies) im Wildpark Poing, ca. 520 m.ü. M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Piceoideae

Fichte, Rottanne

Picea abies

Verbreitung: Nord- Ost und Mitteleuropa. Im Mittelmeerraum und ursprünglich in Mitteleuropa nur in Berggebieten, heute in Mitteleuropa großflächige eingeführte Populationen, oft als Monokulturen. Die Fichte ist heute bei uns die häufigste Baumart.

Winterhärtezone 5 (erträgt bis -24ºC).

Wuchsklasse 1: Freistehend bis 40, in geschlossenem Betand bis 60 m hoch.

Die Fichte gedeiht auf frischen bis nassen, steinig-sandigen Lehm- und Tonböden an eher kühlen Standorten. Ursprünglich ein Baum der subalpinen Zone, wird sie seit mehr als 150 Jahre auch in der montanen und kollinen Zone angepflanzt. Sie ist meistens ein Flachwurzler und daher nicht sturmfest. Die Borke älterer Bäume ist graubraun und in runden Schuppen abblätternd.

Die Nadeln sind 0.5-2,5 cm lang und bis 1 mm breit, ziemlich steif und im Querschnitt fast quadratisch, oft etwas gekrümmt und sehr kurz gestielt. Jungtriebe sind hellgrün, später werden die Nadeln allseitig dunkelgrün. Am Spross sind sie spiralig angeordnet.

Blütezeit der Fichte ist April-Juni, die Bäume blühen jedoch nicht jedes Jahr.  Die einzeln stehenden männlichen Blüten sind etwa 1 cm lang und anfänglich karminrot, später gelb gefärbt. Die weiblichen Blüten stehen in aufrechten, roten Zapfen zusammen. Die Einzelblüte besteht aus einem flachen Fruchtblatt und einer Deckschuppe. Das Fruchtblatt verholzt später zu einer festen Samenschuppe. Die reifen, etwa 10-15 cm langen  Zapfen sind braun, hängen nach unten und werden - anders als bei der Weißtanne - als Ganzes abgeworfen.

Das Holz ist gelblich-weiß, leicht und weich. Es wird als Bauholz, für Möbel, Schindeln und Musikinstrumente verwendet und zu Spanplatten, Holzwolle oder Zellulose verarbeitet. Die Fichte enthält ätherische Öle (Terpentinöl mit Monoterpenen sowie Diterpene). Sie wird deswegen auch als schwach giftig eingestuft, kann in der Praxis aber verfüttert werden, was in vielen Zoos mit unverkauften Weihnachtsbäumen regelmäßig geschieht [1; 2; 3; 5; 6].

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CONIF pinaceae picea brewerianA BOGAkOELN PD(1)
Mähnenfichte (Picea breweriana) im Botanischen Garten Köln © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Piceoideae

Mähnenfichte, Siskiyou-Fichte

Picea breweriana

Verbreitung: Nordamerika, von Nordwest-Kalifornien bis Südwest-Oregon.

Winterhärtezone 5 (erträgt bis -24ºC).

Wuchsklasse 1: 20-30 (16-40) m.

Die Mähnenfichte wächst natürlicherweise in küstennahen Gebieten mit hohem Jahresniedeschlag. Im Gebirge steigt sie bis auf über 2'000 m Höhe. Sie wächst langsam, in 20 Jahren um etwa 4 m. Die charakteristischen hängenden Zweige entwickeln sich erst, wenn die Pflanze mehrere Jahre alt ist [3; 5].

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CONIF Pinus halepensis pontdegau PD1
Aleppokiefer (Pinus halepensis) im Parc Ornithologique de Pont-de-Gau, Les Stes. Maries-de-la-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Pinus halepensis pontdegau PD2
Aleppokiefer (Pinus halepensis), Zapfen, im Parc Ornithologique de Pont-de-Gau, Les Stes. Maries-de-la-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Pinus halepensis pontdegau PD3
Aleppokiefer (Pinus halepensis), Rinde, im Parc Ornithologique de Pont-de-Gau, Les Stes. Maries-de-la-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Pinus halepensis ZoA sanary PD1
Aleppokiefer (Pinus halepensis), reife Zapfen, im ZOA Parc Animalier et Exotique, Sanary-sur-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Pinoideae

Aleppokiefer

Pinus halepensis

Verbreitung: Mittelmeerraum, hauptsächlich in Südfrankreich, Spanien und im Maghreb.

Winterhärtezone 7 (erträgt bis -15ºC).

Wuchsklasse 2: 15-18 m hoch.

Die Aleppokiefer hat einen dicken Stamm mit dunkel purpurbrauner Rinde mit breiten orangen Rissen. Die Krone ist bei jungen Bäumen schmal, bei älteren breit und gewölbt. Die Nadeln stehen zu zweit an Kurztrieben. Sie sind hellgrün, erreichen eine Länge von 7-15 cm und werden nach zwei Jahren abgeworfen. Die Blütezeit fällt auf März-April. Die männlichen Blütenzapfen sind anfänglich grün und werden dann gelb. Die weibliche Blütenzapfen sind zur Blüte rot. Sie stehen anfänglich aufrecht an einem 1 cm langen Stiel. Nach der Bestäubung biegen sie sich nach unten. Die Zapfen stehen einzeln oder bis zu dritt zusammen. Sie sind eiförmig, bis ca. 11 cm lang und haben einen Durchmesser von 2.5-4.2 cm. Ihre Reifezeit beträgt 3 Jahre [1; 3; 5].

Das Holz der Aleppokiefer ist sehr harzreich. Das Harz wird in Griecheland dem Retsinawein zugesetzt.

Die Aleppokiefer wird außerhalb ihres Areals selten angepflanzt. Sie wurde 1683 erstmals nach England eingeführt [5].

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CONIF pinaceae pinus mugo CH NP PD1
Aufrechte Bergfören (Pinusmugo ssp. uncinata) im Schweizerischen Nationalpark © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF pinaceae pinus mugo Gemmi PD1
Aufrechte Bergföhren (Pinus mugo ssp. uncinata) im Gemmigebiet, Berner Oberland © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF pinaceae pinus mugo BOGABE PD(1)
Blühende Bergföhren (Pinus mugo) im Botanischen Garten Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Pinoideae

Bergföhre, Bergkiefer

Pinus mugo

Verbreitung: Europäische Hoch- und Mittelgebirge von der montanen bis zur alpinen Stufe.

Winterhärtezone 2 (erträgt bis -45ºC).

Wuchsklasse 1/3: Unterart  uncinata bis 20-25 m, Unterart mugo bis 5 m hoch.

Die Bergföhre hat eine dunkle Rinde und in Paaren stehende, 3-5 cm lange, dunkelgrüne  Nadeln. Sie blüht fast jährlich im Juni-Juli. Die kleinen, beinahe sitzenden Zapfen stehen schief oder waagerecht ab [3; 5; 8].

Die Bergföhre kommt in drei Unterarten mit unterschiedlichen Wuchsform vor:

  • Die Aufrechte Bergföhre (Pinus mugo ssp. uncinata) ist ein mittelgroßer Baum der montanen-subalpinen Stufe. Sie bildet  alleine oder in Gesellschaft von Lärche, Arve und Waldföhre Wälder, steht aber auch in Torfmooren oder einzeln zwischen Felsen. An der Waldgrenze gibt es Übergangsformen zur Legföhre
  • Die Legföhre oder Latschenkiefer (Pinus mugo ssp. mugo) ist ein niederliegend-aufsteigender, nicht über 5 m hoher, strauchartiger Baum. Sie kommt im Bereich der Waldgrenze und darüber im Strauchgürtel der alpinen Stufe vor.
  • Die Moor-Spirke (Pinus mugo ssp. rotundata) ist eine 8-10 m hoch werdende Zwischenform der montanen Stufe, deren Vorkommen auf Mittelgebirge beschränkt ist.

Die Aleppokiefer wird nur selten kultiviert [5].

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CONIF pinus nigra BSL PD1
Schwarzföhren (Pinus nigra) im Zoologischen Garten Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF pinus nigra BSL PD3
Schwarzföhren (Pinus nigra) im Zoologischen Garten Basel mit horstenden Weißstörchen (Ciconia nigra) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF pinus nigra BSL PD2
Graureihernest (Ardea cinerea) in Schwarzföhre (Pinus nigra) im Zoologischen Garten Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF pinus nigra lfeld PD1
Schwarzföhre (Pinus nigra), Stamm mit grauer Borke © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Pinoideae

Schwarzföhre

Pinus nigra

Verbreitung: Süd- und Osteuropa, Maghreb. Erreicht die Alpen, fehlt aber in der Schweiz

Winterhärtezone 4 (erträgt bis -29ºC).

Wuchsklasse 1: Bis 50 m hoch, Wuchs anfänglich kegelförmig, später schirmförmig.

Die Schwarzföhre besiedelt in 5 Unterarten mittlere Gebirgslagen. Ihr Areal ist stark zerrissen. Ihre Wuchshöhe und die Kronenform variieren je nach Unterart und Standort. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird meistens die Nominatform als Zierbaum im städtischen Raum kultiviert. Heute wird sie in den meisten Ländern Europas auch forstlich angebaut. Der größte und schönste Schwarzkiefernwald in Deutschland liegt in Unterfranken bei Erlabrunn und Leinach [4].

Innerhalb der Gattung Pinus gehört die Schwarzföhre zu den zweinadeligen Arten. Sie ist bisweilen mehrstämmig. Ihre Borke ist schwarz oder graubraun bis silbergrau und sehr schuppig.  Die Krone ist meist unregelmäßig, im unteren Bereich offen, nach oben dichter. Die Blütezeit fällt je nach Standort auf April bis Anfang Juni. Die grün gefärbten, 2-3 mm langen männlichen Blütenzapfen befinden sich endständig an Langtrieben. Die weiblichen Blütenzapfen sind kurzgestielt und stehen meist zu 2-4 beisammen. Sie sind anfänglich grün und verfärben sich dann zu rot. Die Zapfen werden bis zu 12 cm lang und 4.5 cm dick. Sie reifen im Herbst des Folgejahres und fallen mit drei Jahren ab [1; 2; 3; 4; 5].

Das Holz der Schwarzkiefer ist zwar dauerhaft, wird aber weniger geschätzt als das der Waldkiefer. Es ist schwer und sehr harzreich und wird besonders für den Erd- und Wasserbau sowie den Schiffsbau eingesetzt. Die Schwarzkiefer enthält ätherische Öle (Terpentinöl mit Monoterpenen sowie Diterpene). Sie wird deswegen auch als schwach giftig eingestuft. In Niederösterreich wurde aus Schwarzkiefern während Jahrhunderten Harz, das sogenannte "Pech", gewonnen und zu Terpentinöl und Kolophonium verarbeitet [5].

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CONIF pinaceae pinus parviflora luisen PD1
Mädchenkiefer (Pinus parviflora), eingetopft, im Luisenpark Mannheim © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Pinoideae

Mädchenkiefer

Pinus parviflora

Verbreitung: Japan in Höhenlagen von 1'300-1'800 m.

Winterhärtezone 5 (erträgt bis -24ºC).

Wuchsklasse 2-3: Bis 6-15 m hoch.

Als junge Bäume haben Mädchenkiefern eine kegelfömige Krone, bei älteren ist die Krone flach mit spreizwüchsigen Ästen. Die 5-6 cm langen Nadeln sitzen zu fünft in Büscheln gruppiert. Die männlichen rosafarbenen, 7 mm langen Blütenzapfen werden am Grund junger Triebe gebildet. Die 2-3 cm langen weiblichen Blütenzapfen sind rot. Die ovalen, recht klein bleibenden Samenzapfen stehen einzeln oder in Büscheln. Nach der Bestäubung dauert es zwei Jahre, bis die Samen reif sind.

Mädchenkiefern werden oft als Bonsai kultiviert. Nach Europa wurden sie erstmals 1846 eingeführt. Es gibt mehrere, sich farblich unterscheidende Gartenformen [3; 4].

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CONIF pinaceae pinus pinea ruelzh PD2
Mittelmeerkiefern (Pinus pinea) in der Straußenfram Mhou, Rülzheim © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

CONIF pinaceae pinus pinea ruelzh PD1
Mittelmeerkiefer (Pinus pinea) in der Straußenfram Mhou, Rülzheim © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

CONIF pinaceae pinus pinea ruelzh PD3
Mittelmeerkiefer (Pinus pinea), Rinde, in der Straußenfram Mhou, Rülzheim © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Pinoideae

Mittelmeerkiefer

Pinus pinea

Verbreitung: Mittelmeergebiet.

Winterhärtezone 9 (erträgt bis -7ºC).

Wuchsklasse 1-2: Bis 24 m hoch.

Die Mittelmeerkiefer wächst für einen Vertreter ihrer Gattung sehr langsam. Meist bildet sie eine Pfahlwurzel mit wenigen Seitenwurzeln. Für ein gutes Wachstum ist sie auf Mykorrhiza-Pilze angewiesen. Sie hat eine breite, kugel- oder schirmförmig gewölbte Krone mit kurzem Stamm, der sich oft schon in niedriger Höhe in einige strarke Äste teilt. Die Zweige stehen breit ab. Die Rinde ist rotbraun oder orange mit tiefen grauen Rissen, junge Bäume mit tiefen orangen Furchen. Die Mittelmeerkiefer ist einhäusig getrenntgeschlechtig. Die eiförmigen, ca. 13 mm langen männlichen Blüten leuchten gelb und stehen im Juni in Büscheln an der Basis diesjähriger Langtriebe in der unteren Krone. Die weiblichen gelbgrünen Blüten bestehen aus ein Zentimeter langen Zapfen, sie stehen unterhalb der Triebspitze von diesjährigen Langtrieben in der oberen Krone. Die Nadeln stehen zu zweien, sie sind 12-15 cm lang, ziemlich dick und oft gedreht. Die Zapfenbildung beginnt erst im Alter von etwa 20 Jahren. Erst im dritten Jahr – die Befruchtung erfolgt erst 24 Monate nach der Bestäubung – reift der eiförmige Zapfen heran. Die kugeligen bis eiförmigen Zapfen sind ca. 10x10-15 cm groß. Sie sind stark harzhaltig und enthalten die etwa 2 cm langen, von einer harten Schale umgebenen "Pinienkerne". Diese werden roh, gekocht oder geröstet verzehrt und sind eine teure Delikatesse [4; 5].

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CONIF Pinus sylvestris Perleberg PD1
Kiefernwald (Pinus sylvestris) im Damwildgehege des Tierparks Perleberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Pinus silvestris blindham PD1
Waldföhren (Pinus sylvestris) in Hochmoor auf ca. 650 m.ü.M. im BergTierPark Blindham © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Pinus sylvestris BSL PD1
Waldföhre (Pinus sylvestris) mit unreifen Zapfen (Juni). im Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Pinus sylvestris BSL PD2
Waldföhre (Pinus sylvestris), Ast mit unreifen Zapfen im Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Pinus sylvestris BSL PD3
Waldföhren (Pinus sylvestris), Stamm mit roter Borke im Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Pinoideae

Waldkiefer, Waldföhre

Pinus sylvestris

Verbreitung: Nord- und Mitteleuropa, nördliches Asien.

Winterhärtezone 2 (erträgt bis -45ºC)

Wuchsklasse 1: Bis 45 m hoch, Wuchs anfänglich kegelförmig, später flachkronig.

Die Borke der Waldföhre ist fuchsrot. Die Krone ist bei jungen Bäumen kegelförmig und quirlästig. Bei alten Bäumen ist der lange Stamm frei von Ästen, und die Krone ist flach. Innerhalb der Gattung Pinus gehört die Waldföhre zu den zweinadeligen Arten. Die Nadeln sind 4-6 cm lang, dünn, spitz, steif und gedreht. Ihre Außenseite ist dunkelgrün, die Innenseite graugrün. Die Blütezeit fällt auf April-Mai. Die glänzend gelben männlichen Blüten stehen in Büscheln an der Basis der schwächeren neuen Triebe, die 5-8 cm langen weiblichen Blüten einzeln oder in Gruppen bis zu 5 an den Spitzen neuer starker Triebe. Sie sind erst hellrosa und werden dann dunkler. Nach der Befruchtung sind die Zapfen anfangs dunkelgrün. Sie reifen erst im Oktober-November des zweiten Jahres und haben dann eine Lönge von ca. 8 cm.

Die Bezeichnung "Kiefer" wird in Deutschland und Österreich verwendet. Im alemannischen Raum heißt der Baum "Föhre", in den Kantonen Bern und Wallis ist der Name "Dähle" (französisch: Daille) gebräuchlich, daher heißt der Berner Tierpark "Dählhölzli" = Kiefernwäldchen.

Die Waldkiefer wird häufig als Monokultur angebaut, um Bau- und Industrieholz zu gewinnen. Sie enthält ätherische Öle (Terpentinöl mit Monoterpenen sowie Diterpene), die in der Volksmedizin verwendet werden, und wird deswegen auch als schwach giftig eingestuft, kann in der Praxis aber verfüttert werden [1; 2; 3; 5].

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Literatur und Internetquellen:

  1. BAUMKUNDE
  2. GODET, J.-D. (1986)
  3. JOHNSON, H. (1974)
  4. MEIN SCHÖNER GARTEN
  5. MITCHELL, A. (1975)
  6. CLINI TOX
  7. STEIGER, P. (1994)
  8. LAUBER, K. & WAGNER, G. (1991)

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Freigegeben in Koniferen im Park
Samstag, 08 Juni 2019 15:50

Nadelbäume - Zypressen

Ordnung: Koniferen (Coniferales)
Familie: Zypressengewächse (Cupressaceae)

Zypressengewächse sind stets getrenntgeschlechtige Bäume oder Sträucher. Sie sind meistens einhäusig, selten zweihäusig. Ihre Blattorgane sind als Nadel- oder Schuppenblätter ausgebildet. Sie kommen, mit Ausnahme der Antarktis auf allen Kontinenten und sowohl auf der Nord- wie auf der Südhemisphäre der Erde vor. Sie weisen von allen Koniferen die meisten Gattungen - etwa 30 - auf, die allerdings oft nur aus einer eizigen Art bestehen. Die Artenzahl ist deshalb mit rund 140 nicht besonders hoch. Die Familie wird, je nach Autor, in 5-7 Unterfamilien unterteilt.

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CONIF chamaecyparis lawsoniana Reynou PD3
Lawson-Scheinzypresse (Chamaecyparis lawsoniana) im ParcZoo du Reynou, Le Vigen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF chamaecyparis lawsoniana Reynou PD1
Lawson-Scheinzypresse (Chamaecyparis lawsoniana) im ParcZoo du Reynou, Le Vigen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF chamaecyparis lawsoniana Reynou PD2
Lawson-Scheinzypresse (Chamaecyparis lawsoniana) im ParcZoo du Reynou, Le Vigen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Cupressoideae

Lawson-Scheinzypresse

Chamaecyparis lawsoniana

Verbreitung: Nordamerika (Südwest-Oregon bis Nordwest-Kalifornien).

Winterhärtezone 5 (erträgt bis -24ºC).

Wuchsklasse 1: Bis 60 m hoch.

Die Lawsons Scheinzypresse ist die größte Art ihrer Gattung. Es handelt sich um einen immergrünen, ein- oder mehrstämmiger Baum, der einen Stammdurchmesser bis 3 m erreichen kann. Der Stamm alter Bäume ist mit einer in Bodennähe bis zu 25 Zentimeter dicken, dunkel-rotbraunen Borke bedeckt, die sich in Streifen ablöst. Die Nadeln sind schuppenförmig, oberseits dunkelgrün, unterseits heller. Die meisten Individuen sind einhäusig getrenntgeschlechtig. Die männlichen Blüten sind rot, 2 mm lang und endständig, die stahlblauen, 5 mm langen weiblichen Blüten liegen hinter den Triebspitzen. Sie verholzen zu am Schluss rotbraunen etwa 7 mm dicken Früchten. Blütezeit ist im April, Fruchtreife im September/Oktober.

Lawson-Scheinzypressen können bis etwa 600 Jahre alt werden.

Die Ersteinfuhr nach England erfolgte 1854. Exemplare in Europa bleiben mit gegen 40 Metern kleiner als solche im natürlichen Verbreitungsgebiet. Es gibt zahlreiche (mindestens ein Dutzend) Kulturformen [1; 4; 6].

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CONIF Cupressus cashmeriana Porquerolles1
Kaschmir-Zypresse (Cupressus cashmeriana) im Jardin Emmanuel Lopez auf Porquerolles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Cupressus cashmeriana Porquerolles3
Kaschmir-Zypresse (Cupressus cashmeriana), Nadeln, im Jardin Emmanuel Lopez auf Porquerolles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Cupressus cashmeriana Porquerolles2
Kaschmir-Zypresse (Cupressus cashmeriana), Rinde, im Jardin Emmanuel Lopez auf Porquerolles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Cupressoideae

Kaschmir-Zypresse

Cupressus cashmeriana

Verbreitung: Bhutan, möglicherweise auch in den indischen Bundesstaaten Arunachal Pradesh und Sikkim, nicht in Kaschmir! Eingeführt in Tibet.

Winterhärtezone 8 (erträgt bis -12ºC, sollte aber möglichst frostfrei gehalten werden).

Wuchsklasse 3: 7-8 m hoch.

Die Kaschmir-Zypresse wächst anfänglich kugelig und bildet später eine konische Krone mit aufsteigenden Ästen und hängenden Zweigen aus. Die Nadeln sind zweizeilig, blaugrün und hart [4].

Cupressus cashmeriana wurde in einem Garten in Kaschmir entdeckt und 1867 erstmals wissenschaftlich beschrieben und benannt. Sie wurde nachgewiesen von Sikkim bis nach Süd‐Tibet, aber nur aus isolierten Einzelbaumvorkommen im Umfeld buddhistischer Tempel. In der Natur wurde sie nie aufgefunden und ihre ursprüngliche Erscheinungsform in der Natur ist offenbar unbekannt [8].

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CONIF Cupressus sempervirens Porquerolles3
Mittelmeer-Zypresse (Cupressus sempervirens) im Jardin Emmanuel Lopez auf Porquerolles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Cupressus sempervirens Porquerolles2
Mittelmeer-Zypresse (Cupressus sempervirens), Zweige mit Zapfen, im Jardin Emmanuel Lopez auf Porquerolles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF Cupressus sempervirens Porquerolles4
Mittelmeer-Zypresse (Cupressus sempervirens), Zapfen, im Jardin Emmanuel Lopez auf Porquerolles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Cupressoideae

Mittelmeer- oder Säulen-Zypresse

Cupressus sempervirens

Verbreitung: Ursprünglich im östlichen Mittelmeerraum und im Nahem Osten bis Iran, eingeführt in Italien, Frankreich und Spanien.

Winterhärtezone 7 (erträgt bis -15ºC).

Wuchsklasse 1: 20-35 m hoch.

Die Mittelmeerzypresse ist ein säulenförmig wachsender Baum, der eine Breite von 100-200 cm erreichen kann. Ihr Stamm hat eine dünne, graubraune glatte, bisweilen etwas rissige Rinde. Die schmale Krone läuft in eine Spitze aus. Die immergrünen Blätter sind eng an den Zweigen anliegende, nur wenige Millimeter lange Schuppen, welche die dünnen Zweige komplett bedecken. Sie werden in der Regel im dritten Jahr abgestoßen. Die männlichen Blüten sind rund 2 mm lange, gelborange, konische Zäpfchen, die sich an den Spitzen der vorjährigen Triebe bilden. Die ebenso kleinen, kugeligen weiblichen Blüten sitzen in den mittleren Abschnitten der mehrjährigen Triebe. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind. Die bestäubten weiblichen Zapfen wachsen auf einen Durchmesser von etwa 10 mm an, verfärben sich zunächst gelb und trocknen dann bräunlich ein. Dabei öffnen sich die meist 5-6 Samenschuppen und geben je 7-18 Samen frei [5].

Im Mittelmeerraum haben Zypressen als Garten-, Allee- und Forstbäume eine große Bedeutung. Das relativ leichte, helle Holz ist leicht zu verarbeiten. Es verströmt einen starken Duft und ist aufgrund der eingelagerten ätherischen Öle sehr dauerhaft. Daher wird es neben dem Möbelbau auch im Außenbereich verwendet [5].

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Unterfamilie: Cupressoideae

Chinesischer Wacholder

Juniperus chinensis • The Common Juniper • Le genévrier commun

CONIF cupressaceae juniperus chinensis HD PD1
Chinesischer Wacholder (Juniperus chinensis) im Zoo Heidelberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

CONIF cupressaceae juniperus chinensis HD PD2
Zapfen des Chinesischen Wacholders (Juniperus chinensis) im Zoo Heidelberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

CONIF cupressaceae juniperus chinensis HD PD3
Borke des Chinesischen Wacholders (Juniperus chinensis) im Zoo Heidelberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Verbreitung: Asien: China, Japan, Korea Dem., Korea Rep., Myanmar, Russland (Kamtschatka, Sachalin, Kurilen), Taiwan.

Winterhärtezone 4 (erträgt bis -29ºC).

Wuchsklasse 1-2: Bis bis 22 m hoher Baum, wird in Mitteleuropa nicht so hoch.

Der Chinesische Wacholder ist ein- oder mehrstämmiger, in der Regel zweihäusiger Baum. Er wächst nur langsam und gedeiht auf fast allen Böden. Er kommt wild in 2-4 Varietäten vor, und es gibt über 100 Kultivare. Oft werden chinesische Wacholder als Formgehölze oder Bonsais geschnitten [4; 5, 6].

Die Rinde löst sich streifig ab. Die Blätter sind als als jung stechende, ca. 1 cm lange, in Quirlen zu 3 oder in gegenständigen Paaren stehende Nadel oder als ältere kleine Schuppenblätter ausgebildet. Bei den Wildformen sind sie dunkelgrün, bei den Kultivaren gibt es unterschiedliche Farben. Die beerenartigen Zapfen haben einen Durchmesser von ca. 6-10 mm. Sie werden im 2. Jahr reif. Sie sind giftig [4; 6].

Im Gegensatz zum Gemeinen Wacholder wird der Chinesische Wacholder vom Birnengitterrost (Gymnosporangium fuscum) befallen und gilt als ein Hauptüberträger dieses Pilzes. Der Pilz bildet im Frühjahr an verdickten Triebstellen gallertartige Wintersporenlager, sogenannte Wacholdergallen. In Regenperioden werden zahlreiche Pilzsporen freigesetzt und vom Wind auf den Nebenwirt, den Birnbaum, getragen. Dort entstehen ab der Blütezeit kleine orangerote Flecken auf den Blättern und warzenartige Auswüchse auf der Blattunterseite, in denen sich neue Pilzsporen bilden. Der Birnbaum trägt keine Früchte mehr und stirbt bei starkem Befall ab [5].

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Unterfamilie: Cupressoideae

Gemeiner oder Heide-Wacholder

Juniperus communis • The Common Juniper • Le genévrier commun

CONIF cupressaceae juniperus marlow PD1
Gemeiner Wacholder (Juniperus communis) im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

CONIF cupressaceae juniperus marlow PD2
Gemeine Wacholder (Juniperus communis) im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

CUPRESSACEAE Juniperus communia nordhorn PD1
Gemeiner Wacholder (Juniperus communis) im Tierpark Nordhorn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

Verbreitung: Holarktis, von Nordamerika über Grönland, Europa, Nordafrika bis nach Ostasien.

Winterhärtezone 2 (erträgt bis -45ºC).

Wuchsklasse 3-2: Meist 2-3 hoher Strauch, selten bis 5-18 m hoher, meist säulenförmig wachsender Baum.

Der Wacholder gedeiht auf mäßig trocknen oder wechselfeuchten Ton- und Lehmböden, auf Torf oder Sand, in sonnigen Magerweiden, lichten Föhren- oder Flaumeichenwäldern und an Felsen der kollinen und montanen, selten subalpinen Stufe. Wacholderbestände sind oft durch Weidenutzung entstanden, weil der Wacholder vom Vieh nicht verbissen wird, so etwa in der Lüneburger Heide oder den vom Tierpark Nordhorn mitbetreuten Schutzgebieten Tillenburger Heide und Wacholderheide Bardel.

Die etwas stechenden Nadeln sind 1-2 cm lang und 1-2 mm breit, gerade, ohne Stiel, oberseits mittelgrün mit einem weißen Mittelband, unterseits glänzend grün und gekielt. Der Wacholder ist zweihäusig getrenntgeschlechtig, selten einhäusig. Blütezeit ist April-Mai. Die weiblichen Blüten reifen in drei Jahren zu beerenförmigen Zapfen

In Norddeutschland ist der Gemeine Wacholder als Machandelboom, in Österreich als Kranewittbaum und in der Schweiz als Räckholder bekannt. Es gibt mehrere natürliche Varietäten oder Unterarten sowie verschiedene als Zierpflanzen dienende Kulturformen.

Der Gemeine Wacholder enthält hautreizende, ätherische Öle, Er gilt daher als schwach giftig. Bei Tieren kann er zu schwachen Gastroenteritiden führen. Das harte Holz wird für Kleinmöbel sowie kleinere Zier- und Gebrauchsgegenstände verwendet. Die Wacholderbeeren dienen als Gewürz und zur Herstellung von Spirituosen wie z.B. Genever oder Gin [1; 2; 3; 4; 6].

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Unterfamilie: Cupressoideae

Stech- oder Zedern-Wacholder

Juniperus oxycedrus • The Prickly Juniper • Le genévrier cade

CONIF cupressaceae Juniperus oxycedrus gonfaron PD1
Stechwacholder (Juniperus phoenicea) im Village des tortues, Gonfaron © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

Verbreitung: Westlicher Mittelmeerraum bis Italien.

Winterhärtezone: 8 (erträgt ca. -10ºC).

Wuchsklasse 3: Bis 8 (-15) m hoch.

Der Stechwacholder wächst als Strauch oder kleiner Baum an sonnigen Standorten in Macchien und Wäldern in Tallagen und auf Hochplateaus auf trockenen bis frischen, nährstoffreichen, sandigen bis feinkiesigen Böden.

Der Stechwacholder ist zweihäusig getrenntgeschlechtig. Er blüht von April bis Mai. Die unscheinbaren männlichen Blüten stehen einzeln in den Blattachseln. Die kugelförmigen, orangefarbenen oder rötlichbraunen Zapfen haben je nach Unterart einen Durchmesser von 6-13 mm. Sie reifen im 2. Jahr und enthalten 3 (2-4) Samen.

Die Art wurde 1753 von Carl von LINNÉ erstmals wissenschaftlich beschrieben. Je nach Autor werden 2-4 Unterarten differenziert [1; 4].

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CONIF cupressaceae sequoiadendron giganteum cleres PD2
Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) im Parc zoologique de Clères © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF cupressaceae sequoiadendron giganteum HRO PD1
Junger Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) im Zoo Rostock © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF cupressaceae sequoiadendron giganteum cleres PD3
Nadeln eines Riesenmammutbaums (Sequoiadendron giganteum) im Parc zoologique de Clères © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF cupressaceae sequoiadendron giganteum cleres PD1
Stamm eines Riesenmammutbaums (Sequoiadendron giganteum) im Parc zoologique de Clères © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CONIF cupressaceae sequoiadendron giganteum PAP PD1
Stamm-Querschnitt eines Riesenmammutbaums (Sequoiadendron giganteum) im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Mammutbäume (Sequoioideae)

Riesenmammutbaum

Sequoiadendron giganteum

Verbreitung: Kalifornien, Sierra Nevada