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REISER, N. (2013)

Beeinflussung des Verhaltens von Kleinen Pandas (Ailurus fulgens fulgens)  in zoologischen Gärten durch die Gehegegestaltung, die Pflegeraktivität und das generelle Umfeld.

Influence of the enclosure design, the activity and the behavior of the animal keepers and the general environment on the behavior of Red Pandas (Ailurus fulgens fulgens)  in zoos.

Masterarbeit

97 Seiten plus Anhang

Ganzer Text

Fakultät für Biologie und Biotechnologie, Ruhr-Universität Bochum
Betreuer: Prof. Dr. Ralf Tollrian (Ruhr Universität Bochum), Wolf-Dietrich Gürtler (Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen)
Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen, Zoo Kleve, Zoo Duisburg, Zoo Köln, Zoo Krefeld

Zusammenfassung:

Meine Masterarbeit befasst sich mit dem Verhalten der Kleinen oder Roten Pandas der Unterart Ailurus fulgens fulgens in zoologischen Gärten und einer möglichen Beeinflussung ihres Verhaltens durch die nicht natürliche Umgebung. Ich habe 2012 ungefähr sechs Monate mit Hilfe eines Ethogramms das Verhalten von acht Tieren verteilt auf fünf verschiedene deutsche Zoos erfasst. In vieren davon wurde jeweils eine Woche im Sommer und eine im Winter beobachtet. Sie dienten als Vergleich zu den Beobachtungen in meinem Hauptzoo, der ZOOM Erlebniswelt in Gelsenkirchen. Außerdem habe ich einen internationalen Fragebogen entwickelt, den ich an die nach dem Zuchtbuch 2010 als pandahaltend eingetragenen Zoos in der ganzen Welt verschickt habe. Insgesamt haben 32 Zoos (inklusive der von mir besuchten) den Fragebogen ausgefüllt zurück geschickt.

Durch die Antworten aus aller Welt konnten viele Informationen zur Haltung von Roten Pandas zusammengetragen werden. Die Haltung von Roten Pandas wurde in den meisten Zoos in den 1990er Jahren, in der Regel mit einem Pärchen im Alter zwischen 1 und 2 Jahren, begonnen. 2012 waren die meisten Pandas, unabhängig vom Geschlecht, zwischen 1 und 4 Jahren alt und sie wurden fast überall in Paaren gehalten. Die befragten Zoos beteiligen sich mit großer Mehrheit erfolgreich am Zuchtprogramm der Roten Pandas. Einige Zoos haben schon bis zu 30 Jungtiere bekommen. Im Allgemeinen starben die Roten Pandas in einem Alter zwischen 7 und 15 Jahren eines natürlichen Todes. Die höchste Sterberate der Zootiere umfasst die Phase vom Zeitpunkt der Geburt bis zum Alter von etwa einem Monat. Überwiegend werden die Roten Pandas nicht mit einer anderen Art zusammen gehalten. In den Fällen einer Vergesellschaftung geschieht diese am meistens mit dem Chinesischen Muntiak (Muntiacus reveesi), allerdings häufig mit Problemen. Bei der Gehegegestaltung versuchen die Zoos, den Bedürfnissen dieser arborealen Tierart nach Klettern und erhöhten Ruheplätzen nachzukommen. So werden den Roten Pandas in allen Zoos verschiedenste Möglichkeiten zum Klettern in Form von Bäumen und/oder Gerüsten aus Holz oder Bambus, sowie Versteckmöglichkeiten in Gestalt von Ställen, Hütten oder Holzboxen angeboten.

Durch die Beobachtungen konnten verschiedene Verhaltensweisen erfasst werden. Die Aussage, dass die Pandas die meiste Zeit des Tages ruhen und nur Phasen der Aktivität zeigen konnte bestätigt werden. Die Anwesenheit eines Pflegers oder frischen Futters auf der Anlage führt zu einer Aktivitätserhöhung in Form von Laufen bzw. Nahrungsaufnahme. Während der Phase des Herumlaufens und Kletterns werden fast in gleichem Maße Bäume, Gerüst und Boden genutzt. Wie erwartet war das Ruhepotenzial aller von mir beobachteten Tiere den ganzen Tag über sehr hoch. Trotzdem ist das Verhältnis zwischen Ruhen und Aktivität individuell unterschiedlich. Wenn die Pandas ruhen, bevorzugen sie in der Regel das zusammengerollte Liegen in hohen und dicht belaubten Bäumen. Besonders bei Regen rollen sich die beobachteten Tiere vermehrt zusammen. Die zweite Ruheposition, das ausgestreckte Liegen, wurde nur von einem Tier hauptsächlich und von den anderen nur im Bereich höherer Temperaturen bevorzugt. Wie zu erwarten war, zeigt sich eine klare Bevorzugung von frischem Bambus bei der Nahrungswahl. Doch auch süßes Obst wird von den meisten Pandas gerne angenommen. Fleisch hingegen wird hauptsächlich von den Weibchen gefressen. In den Zoos, in denen Behavioral Enrichment, meistens in Kombination mit Futter, angeboten wird, wird dieses gut angenommen. Auf Pfleger auf ihrer Anlage, laute Besucher oder bellende Hunde an ihrem Gehege reagieren manche Pandas mit erhöhter Aufmerksamkeit oder vermehrter Aktivität.

Zusammenfassend ergaben meine Untersuchungen, dass manches Verhalten von allen Beobachtungstieren und ihren Artgenossen in den befragten Zoos gezeigt wird. Andere Verhaltensweisen scheinen hingegen von der Gehegegestaltung und dem Tagesablauf in dem entsprechenden Zoo beeinflusst zu werden oder individuell vom Charakter und der körperlichen Verfassung des Tieres abzuhängen. Letztendlich kann festgehalten werden, dass die Roten Pan

Abstract:

My Masterexam is about the behavior of Lesser or Red Pandas (Ailurus fulgens fulgens) in zoos and a possible influence of the unnatural environment on their behavior. During six month in 2012 I have collected data about their behavior with an ethogram in five different zoos in Germany. In four of them the observation took place during only one week in summer and one in winter. These data were used as a comparison to my main zoo “ZOOM Erlebniswelt” in Gelsenkirchen. I have also invented an international questionnaire, which I have send to all zoos in the world, which where known to house Red Pandas according to the studbook 2010. Altogether 32 zoos (including the ones I have works in) have answered this questionnaire.

Because of the answers from all around the world, I could compile a lot of information about the keeping of Red Pandas. Most of the zoos started keeping Pandas in the 1990th, usually with a pair of them in the age of one or two years. In 2012 most of the Pandas were, independent from their sex, between one and four years old and they were usually kept in pairs. The breeding of this species is successfully carried out in most of the zoos, in some of them more than 30 Pandas were born. Usually the Pandas died in the age between 7 and 15 years because of natural causes. The highest death rate within the zoo population of this species is around the first month after birth. Normally the Red Pandas are not kept with another species on the same enclosure. In the few cases of socialization it is mostly with the Chinese Muntiac (Muntiacus reveesi), often not without problems. Zoos try to comply with the needs of this arboreal species for climbing and high leveled resting places by their enclosure design. So all zoos offer their Pandas various possibilities for climbing like trees and/or racks build of wood or bamboo, as well as hiding possibilities like stables, huts or wooden boxes.

During my observation I could register different types of behavior. The statement that Pandas usually rest during most of the day and only show stages of activity could be confirmed. The presence of the animal keeper or fresh food on the enclosure causes an increase of activity in the kinds of running around or feeding. During the stage of running around and climbing the Pandas us trees, racks and ground nearly to the same degree. As expected, all the observed animals showed a very high resting potential during the day. However the ratio of resting and activity shows individual differences. Most of the Pandas pass their resting time preferred curled up in high and thick leafy tress. Especially during rainfall the rate of curling up increases. Only one animal preferred the second resting position, lying outstretched, most of the time. The other animals only lied more outstretched during higher temperatures. As expected, the Pandas show a clear preference of fresh bamboo. But they also like to accept sweet fruits. Meat in contrast is more preferred by females. In those zoos which offer behavioral enrichment, often in combination with food, the Pandas accept it well. Like animal keepers on the enclosure, noisy visitors or barking dogs cause an increase of attention or more activity of the Pandas.

In summary my observation produced that some behavior is showed by all observed animals and their specimen in the interviewed zoos. Other behavior instead seems to be influenced by the enclosure design and the daily routine in the different zoos or depends on the individual character and constitution of the animals. Finally there is to say, that the Red Pandas in captivity can have a good and long life because of a corresponding enclosure design and the important daily feeding of bamboo.

 

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx