Donnerstag, 10 Februar 2022 16:00

Indochina-Serau

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige: (Caprinae)
Tribus: Gemsenverwandte (Naemorhedini)

smiley happy  

 Neue Tierart

D VU 650

Indochinesischer Serau

Capricornis maritimus • The Indochinese Serow • Le saro d'Indochine

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Indochinesischer Serau (Capricornis maritimus) im Dusit-Zoo, Bangkok, Aufnahme aus dem Jahr 2007 von Melanochromis aus Wikimedia Commons. Gemeinfrei

 

 

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Approximative Verbreitung des Indochinesischer Seraus (Capricornis maritimus). Im Norden Abgrentung zu C. milneedwarsi unklar

 

 

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Indochinesischer Serau (Capricornis maritimus) im Korat-Zoo, Nakhon Ratchasima, Thailand © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Indochinesischer Serau (Capricornis maritimus) im Korat-Zoo, Nakhon Ratchasima, Thailand © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Indochinesischer Serau (Capricornis maritimus) im Korat-Zoo, Nakhon Ratchasima, Thailand © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Indochinesischer Serau (Capricornis maritimus) im Endangered Primate Rescue Centre, Cuc Phong, Vietnam © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Indochinesischer Serau (Capricornis maritimus) im Endangered Primate Rescue Centre, Cuc Phuong, Vietnam © Wolfgan g Dreier, Berlin

 

 

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Drei Monate alter Indochina-Serau (Capricornis maritimus) im Bach Mã-Nationalpark, Vietnam © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Drei Monate alter Indochina-Serau (Capricornis maritimus) im Bach Mã-Nationalpark, Vietnam © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Der Indochinesische Serau ist ein in seiner Heimat nicht gefährdeter Gemsenverwandter, der in Japan in vielen Zoos gezeigt wird, in Europa aber stets nur selten zu sehen war und gegenwärtig (2019) nicht mehr gehalten wird. Ein Grund für die geringe Beliebtheit der Art dürfte ihre einzelgängerische Lebensweise und ihre hohe innerartliche Aggression sein.

Körperbau und Körperfunktionen

Beim Indochina-Serau gibt es praktisch keinen Geschlechtsdimorphismus. Die Tiere erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 140-155 cm, eine Schulterhöhe von 85-94 cm und ein Gewicht von 85-140 kg. Die leicht gekrümmten Hörner sind kurz, die Ohren deutlich länger. Der Schwanz ist mit 11-16 cm länger als beim Japan-Serau. Stark ausgeprägte Voraugendrüsen finden sich bei beiden Geschlechtern, ebenso Zwischenzehendrüsen. Das Fell ist kurz mit einer langen, aber schütteren Nackenmähne. Die Farbe ist grauschwarz mit weißen Haaren in der Mähne und weißen Abzeichen im Maulbereich, ev. an Kehle und Brust. Läufe sind vom Karpal- bzw. Tarsalgelenk an rotbraun, dies im Gegensatz zum südlich anschließenden Sumatra-Serau, der schwarze Beine hat [6; 9].

Verbreitung

Südostasien: Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand, Vietnam [5; 7; 9]. Wegen der unklaren Abgrenzung gegenüber anderen Festlandformen variieren die Angaben zur Verbreitung.

Lebensraum und Lebensweise

Der Indochinesische Serau besiedelt Wälder im Tiefland und im Gebirge, dort vorzugsweise steile Hänge mit eingesprengten Felspartien, ferner Gebüsch mit Rhododendron- und Heidelbeersträuchern. Er kommt auch auf Karstinseln in Küstennähe vor, z.B. auf Cat Ba in Vietnam. Er ist hauptsächlich während der Dämmerung aktiv, ist überwiegend ein Einzelgänger und ein selektiver Laubäser, der z.B. auf Cat Ba Zweige und Blätter von 34 Strauch- und Baumarten konsumiert. Die Trächtigkeit dauert je nach Quelle 197-240 Tage, meistens werden Einzelkitze geworfen [6].

Gefährdung und Schutz

Der Indochina-Serau ist unter der Bezeichnung Capricornis sumatraensis seit 2020 als gefährdet (VULNERABLE) in der Roten Liste der IUCN aufgeführt. Zuvor figurierte er als C. milneedwardsi in der Kategorie "potenziell gefährdet" (NEAR THREATENED). In der Beurteilung der IUCN/SSC Caprinae Specialist Group wurde C. s. maritimus als gefährdet eingestuft, allerdings mit dem Hinweis, dass über die Bedrohungslage in den einzelnen Ländern zu wenig bekannt sei.  Gefährdungsursachen sind nicht-nachhaltige Bejagung bzw. Fang mit Schlingen und Lebensraumverlust [5; 7].

Festlandseraue sind unter den Bezeichnungen Capricornis milneedwardsi, C. rubidus, C. sumatraensis und C. thar in CITES-Anhang I aufgeführt.

Zoogestütztes Artenschutzprojekt (Beispiel):

  • Die französische Association Anoulak engagiert sich im Schutz des 3'500 km² großen Nakai-Nam Theun-Nationalparks in Laos. Seit 2016 setzt sie in Zusammenarbeit mit den lokalen Behördee Patrouillen aus ausgebildeten lokalen Dorfbewohnern zur Bekämpfung der Wilderei ein, bietet Umweltbildung in den Dorfschulen und ein entsprechendes Ausbildungsprogramm für die Lehrkräfte an, und führte ein dreijähriges Programm zur nachhaltigen Entwicklung der Dorfgemeinschaften im Nakai-Distrikt durch. Von diesen Maßnahmen profitiert u.a. der Indochina-Serau. Anoulak wird von rund 15, hauptsächlich europäischen Zoos, vom französischen Zooverband und von der ZGAP unterstützt. mehr ...

Bedeutung für den Menschen

Festlandseraue werden zur Gewinnung von Fleisch, Fellen und von Körperteilen, vor allem Knochen, für die Zwecke der traditionellen orientalischen Medizin bejagt. In Vietnam gibt es auch einen Markt für lebende Tiere [5]. Laut CITES-Handelsstatistik wurde in den Jahren 1997-2007 ein gewisser Handel mit Teilen und Erzeugnissen registriert, aber von 1975-2020 wurde kein einziger lebender Wildfang und nur ein Nachzuchttier aus Thailand erfasst [1].

Haltung

Bei der Gehegegestaltung ist zu berücksichtigen, dass Seraue wenig sozial sind. Abtrenngehege und Einzelboxen sind daher Pflicht [6]. Gehege für kleine Gruppen sollten größer sein, als in den Mindestanforderungen vorgegeben und sollten über Sichtblenden und Rückzugsmöglichkeiten verfügen.

WEIGL gibt als Höchstalter im Zoo über 19 Jahre an, erreicht von einem Wildfangbock im Dusit Zoo in Bangkok, der nach einer Haltungsdauer von 18 Jahren und 5 Monaten abgegeben wurde [8].

Der Dusit Zoo hielt und züchtete Seraue vor 1974, als der ganze Bestand von 9 Tieren an einer Krankheit verendete. Danach hielt er ein als Capricornis sumatranus milneedwardsi bezeichnetes Paar, das 1979 Nachwuchs brachte. Außerhalb der Brunftzeit wurde das Paar getrennt gehalten [4].

Haltung in europäischen Zoos: Festlandseraue waren in europäischen Zoos stets extrem selten. Laut Zootierliste. wurde seit dem Zweiten Weltkrieg nur ein einziges Exemplar kurz im Tierpark Berlin gehalten.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für bis zu 5 Tieren ein Gehege von mindestens 250 m² zur Verfügung stehen, für jedes weitere Tier 20 m² zusätzlich. Ein Stall ist nicht erforderlich.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) schreibt für bis zu 4 Tieren ein Gehege vor, dessen Grundfläche 500 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 50 m² zur Basisflächen dazu. Es sind natürliche oder künstliche Unterstände anzubieten, in denen alle Tiere gleichzeitig Platz finden. Werden die Tiere aufgestallt, ist eine Grundfläche von mindestens 4 m²/Tier vorgeschrieben.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) sind für bis zu 10 Tiere 500 m² erforderlich, für jedes weitere 50 m² mehr. Es müssen Unterstände zum Schutz gegen Witterungsverhältnisse wie Regen, Wind, Sonneneinstrahlung und Hitze angeboten werden, so dass alle Tiere bei Bedarf darin gleichzeitig Unterschlupf finden können. Die Haltung hat in Herden zu erfolgen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Indochinesische Serau wurde 1888 von dem bretonischen Missionar und Naturforscher Pierre Marie HEUDE, der lange Zeit in China und Indochina tätig war, anhand eines Exemplars aus Tonkin (Nordvietnam) unter seinem nach HANDBOOK heute noch (bzw. wieder) gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Zeitweilig wurde er als Unterart von C. sumatraensis, zeitweilig als solche von C. milneedwardsi eingestuft. Die Rote Liste der IUCN subsumiert ihn seit 2020 wieder unter C. sumatraensis. Die gegenwärtig gültige Gattung Capricornis wurde 1836 von dem aus Irland stammenden Naturforscher William OGILBY aufgestellt [2; 3; 5; 7; 9; 10].

Die Systematik der Seraue ist nicht ganz klar. Früher wurden alle Festland-Seraue als eine einzige Art betrachtet. Die Caprinae Spezialisten-Gruppe der IUCN ging von 3, die Rote Liste von 4, WILSON & REEDER von 6 und das Handbook of the Mammals of the World von 7 Arten aus. Bisweilen werden Seraue und Gorale in einer Gattung (Naemorhedus) zusammengefasst [3; 5; 7; 9; 10].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES TRADE DATA BASE
  2. HALTENORTH, T. & TRENSE, W. (1956)
  3. MATSCHEI, C. (2012)
  4. MECKVICHAI, C. & MAHANNOP, A. (1987)
  5. PHAN, T.D., NIJHAWAN, S., LI, S. & XIAO, L. (2020). Capricornis sumatraensis. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T162916735A162916910. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-2.RLTS.T162916735A162916910.en. Accessed on 10 February 2022.
  6. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  7. SHACKLETON, D.M. (1997)
  8. WEIGL, R. (2005)
  9. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  10. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Freigegeben in Schaf- und Ziegenartige
Freitag, 14 Januar 2022 16:03

SVÁBIK, K. (rev. 2020a)

MIXED-SPECIES EXHIBITS WITH CARNIVORANS VII.
Mixed-species exhibits with Raccoons (Procyonidae) and Red Panda (Ailuridae).

Volltext

Introduction:

Within the narrower meaning of the mixed-species exhibits this document deals with six species of procyonids and the Red Panda.
In the list below you can see which species have been kept in mixed exhibits in captivity:

Raccoons, Procyonidae

  • Northern Raccoon, Procyon lotor Linnaeus, 1758
  • Crab-eating Raccoon, Procyon cancrivorus G. Baron Cuvier, 1798
  • South American Coati, Nasua nasua Linnaeus, 1766
  • White-nosed Coati, Nasua narica Linnaeus, 1766
  • Kinkajou, Potos flavus Schreber, 1774
  • Ringtail, Bassariscus astutus Lichtenstein, 1830

Red Panda, Ailuridae

  • Red Panda, Ailurus fulgens F.G. Cuvier, 1825

svabik-biblio

Freigegeben in S
Dienstag, 28 Dezember 2021 10:28

SCHÜRER, U. (2020)

Über Neuguinea-Buschkängurus der Gattungen Dorcopsis Schlegel & Müller, 1845 und Dorcopsulus Matschie, 1916.
(On New Guinean marsupials of the genera Dorcopsis Schlegel & Müller, 1845 and Dorcopsulus Matschie, 1916.)

Der Zoologische Garten 88(1): 51-75.

Zusammenfassung:

Es wurde versucht, die Geschichte der Haltung aller Dorcopsis- und Dorcopsulus-Arten in zoologischen Einrichtungen zu dokumentieren, unter Auslassung solcher Haltungen, in denen die Artbestimmung nicht nachvollziehbar war. Ebenso wie die Importe von 1964 und 1968, in Wirklichkeit D. luctuosa, aber eingeführt als D. macleayi, gehören die neuen Importe von 2013 und 2015, die nach Angaben der Importeure D. hageni sein sollten, nicht zu dieser Art, sondern meines Erachtens zu D. muelleri. Die Angaben in ZIMS wären zu korrigieren.

schürer-biblio

Freigegeben in S
Sonntag, 19 Dezember 2021 09:21

GIELEN, J. (2021)

Die Zucht des Goldscheitelwürgers.

Gefiederter Freund 68(8): 16-19.

Inhalt:

Der Autor, ein niederländischer Vogelzüchter, berichtet über Erfolge und Misserfolge bei seiner langjährigen Haltung und Zucht des Goldscheitelwürgers mit Beobachtungen zum Verhalten, Details zur Fortpflanzung und Aufzucht sowie zur Fütterung.

gielen-biblio

Freigegeben in G
Montag, 13 Dezember 2021 18:47

VOLF, J. (2010)

Sixty years of kulan, Equus hemionus kulan (Groves et Mazák, 1967) breeding at Prague Zoo.

Equus 2010: 31-55.

Der Artikel enthält zahlreiche Informationen über die Haltung und Zucht des Kulans im Prager Zoo. Diese begann 1951 und endete 2010. 1953 wurde ein Mischling E. h. kulan X E. africanus f. asinus geboren.

volf-biblio

Freigegeben in V
Sonntag, 21 November 2021 15:51

Kurzschwanz-Stachelschwein

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Familie: Stachelschweine (Hystricidae)

D LC 650

Kurzschwanz- oder Malaiisches Stachelschwein

Hystrix brachyura • The Malayan Porcupine • Le porc-épic de Malaisie

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Kurzschwanz-Stachelschwein (Hystrix brachyura) im Saigon Zoo, Ho Chi Minh City © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des Kurzschwanz-Stachelschweins (Hystrix brachyura)

 

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Kurzschwanz-Stachelschwein (Hystrix brachyura) im Saigon Zoo, Ho Chi Minh City © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kurzschwanz-Stachelschwein (Hystrix brachyura) im Zoo Negara, Kuala Lumpur © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kurzschwanz-Stachelschwein (Hystrix brachyura) im Saigon Zoo, Ho Chi Minh City © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kurzschwanz-Stachelschwein (Hystrix b. brachyura) im Zoo Singapur © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Kurzschwanz-Stachelschwein (Hystrix b. brachyura) im Zoo Singapur © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Kurzschwanz-Stachelschwein (Hystrix brachyura subcristata) im Bergzoo Halle © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Die Vertreter der Gattung Hystrix sind wegen der Umwandlung des Haarkleids in ein Stachelkleid und wegen ihres Verhaltens von besonderem zoopädagogischem Interesse und gehören zu den Standardtieren in Zoologischen Gärten. Dies trifft allerdings für das nichtgefährdete, aus Südostasien stammende Kurzschwanz-Stachelschwein nicht zu. Dieses ist seit mehreren Jahrzenten aus europäischen Zoos verschwunden.

Körperbau und Körperfunktionen

Kurzschwanz-Stachelschweine erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 56-74 (45-93) cm, eine Schwanzlänge von 8-12 (6-17) cm und ein Gewicht von 10-18 (8-27) kg. Im Gegensatz zu dem auf dem Indischen Subkontinent ebenfalls vorkommenden Weißschwanzstachelschwein ist die Nackenmähne nur schwach ausgebildet, und die langen Rückenstacheln haben nur ein dunkles Querband und nicht mindestens drei [4].

Verbreitung

Südostasien: Bangladesch, Bhutan, Brunei (?), China, Hongkong, Indien, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Nepal, Thailand, Vietnam [2]

Lebensraum und Lebensweise

Das Kurzschwanz-Stachelschwein lebt in unterschiedlichen Waldtypen, mit Gestrüpp bedecktem, felsigem Gelände und auf Agrarland vom Meeresspiegel bis auf eine Höhe von 1'500 m. Die Tiere sind nachtaktiv und verschlafen den Tag einzeln oder familienweise in selbstgegrabenen Erdbauen. Sie fressen pflanzliches Material aller Art und benagen zur Deckung ihres Kalziumbedarfs Knochen und Abwurfstangen von Hirschen. Bei Gefahr rasseln sie mit dem Schwanz, und auch sonst entspricht das Feindvermeidungsverhalten dem der anderen Arten der Gattung. Nach einer Tragzeit von ca. 110 Tagen werden ein- bis zweimal im Jahr 2 oder gelegentlich 3 weitentwickelte Jungtiere geboren, deren Körper mit noch weichen Stacheln bedeckt ist [2; 4; 7].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist weitverbreitet, kommt in zahlreichen Schutzgebieten vor und gilt daher seit 2008, letztmals überprüft 2016, trotz angenommenem negativem Bestandstrend als nicht-gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). Es ist zu beachten, dass der Status der Art wegen ihrer heimlichen, nächtlichen Lebensweise schwer zu beurteilen ist. So wurde das Vorkommen in Bangladesch erst 2018 bestätigt, und in Singapur, wo die Art von 1970-2000 als möglicherweise ausgestorben galt, gibt es zahlreiche Nachweise, seit Fotofallen zur Überwachung der Wildbestände eingesetzt werden [1; 2; 5].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Das Kurzschwanz-Stachelschwein wird zur Gewinnung von Fleisch und von Körperteilen für die Zwecke der traditionellen chinesischen Medizin bejagt und als Schädling an landwirtschftlichen Kulturen verfolgt [2].

Haltung

WEIGL gibt als längste Haltungsdauer 27 Jahre und 3 Monate an, erreicht von einem aus Sumatra importierten Wildfangs des Washingtoner Zoos [5].

Haltung in europäischen Zoos: In den 1960-80er Jahren wurde die Art in etwa einem halben Dutzend Zoos gehalten, darunter Berlin, Dresden, Halle Rostock und Schwerin [3]. Seitdem gibt es keine mehr. Die britische und vermutlich europäische Erstzucht glückte 1914 im Londoner Zoo. Für Details siehe Zootierliste.

Nach Säugetiergutachten 2014 können Stachelschweine der Gattung Hystrix ganzjährig in Außengehegen gehalten werden, wenn sie im Winter Zugang zu einem frostfreien Schutzraum haben. Für 2 Stachelschweine soll eine Mindestfläche von 20 m² angeboten werden, für jedes weitere Tier 5 m² mehr.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2021) schreibt für 2 Stachelschweine ein Außengehege mit einer Mindestfläche von 40 m², Grabgelegenheit und Schlafboxen, eventuell heizbarem Innenraum vor.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Strand 2021) ist für ein Paar oder eine Familiengruppe Stachelschweine ein Außengehege mit einer Mindestfläche von 40 m² mit einer Sand- oder Erdschicht als Bodengrund und Unterstand erforderlich.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Kurzschwanz-Stachelschwein wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter seinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der französische Naturforscher und Direktor der Ménagerie von Paris, Georges-Frédéric CUVIER, stellte es 1823 in die Gattung Acanthion, die heute als Untergattung betrachtet wird. Bis vor einiger Zeit wurden fünf Unterarten akzeptiert, gegenwärtig sind es noch deren drei [3; 7; 8]:

  • Malaiisches Kurzschwanz-Stachelschwein (Hystrix b. brachyura) - Brunei (?), Indonesien (Kalimantan, Sumatra), Malaysia (Halbinsel, Sabah, Sarawak, Penang), Singapur
  • Himalaya-Kurzschwanz-Stachelschwein (Hystrix b. hodgsoni) - Indien (Sikkim), Nepal
  • Hinterindisches (Indochina-) Kurzschwanz-Stachelschwein (Hystrix b. subcristata) - Bangladesch, Bhutan, Nordost-Indien, Mitte- und Süd-China einschließlich Hainan, Hongkong, Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand, Vietnam

Literatur und Internetquellen

  1. CHUNG, Y. F., LIM, N. T.-L., SHUNARI, M. & WANG, D. (2016)
  2. LUNDE, D., APLIN, K. & MOLUR, S. (2016). Hystrix brachyura (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T10749A115099298. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T10749A22232129.en. Downloaded on 23 November 2021.
  3. RUDLOFF, K. (2011)
  4. SMITH, A. T. & XIE, Y. (Hrsg., 2008)
  5. UL HASAN, M. A. & NEHA, S. A. (2019)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  8. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Freigegeben in Stachelschwein-Verwandte
Sonntag, 21 November 2021 15:51

Asiatischer Quastenstachler

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Familie: Stachelschweine (Hystricidae)

D LC 650

Asiatischer Quastenstachler

Atherurus macrourus • The Asiatic Brush-tailed Porcupine • L'athérure malais

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Asiatischer Quasternstachler (Atherurus macrourus) im Hanoi Zoo © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Asiatischen Quasternstachlers (Atherurus macrourus)

 

 

 

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Asiatischer Quasternstachler (Atherurus macrourus) im Hanoi Zoo © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Asiatischer Quasternstachler (Atherurus macrourus) im Hanoi Zoo © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Asiatischer Quastenstachler (Atherurus macrourus) im Kaeng Krachan-Nationalpark © Tontantravel. Übernommen aus Flickr unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic-Lizenz

 

 

 

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Asiatischer Quastenstachler (Atherurus macrourus) und Kurzschwanz-Stachelschwein (Hystrix brachyura) im Kaeng Krachan-Nationalpark © Tontantravel. Übernommen aus Flickr unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic-Lizenz

 

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Der nicht-gefährdete Asiatische Quastenstachler ist ein kleines, langschwänziges Altwelt-Stachelschwein aus Südostasien, dessen Aussehen weniger spektakulär ist als jenes der Hystrix-Stachelschweine. In europäischen Zoos wurde er letztmals in den 1990er-Jahren gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Kopf-Rumpflänge von 38-52 (34-58) cm und einem Gewicht von 2-4 (1.5-4.3) kg ist der Asiatische Quastenstachler deutlich kleiner als die Stachelschweine der Gattung Hystrix. Sein Schwanz ist jedoch mit 16-20 (14-23) cm gleich lang oder länger als bei seinen großen Verwandten. Die Tiere sind relativ schlank und kurzbeinig. Hals, Schultern und Unterseite sind von teils schwarz- oder hellbraunen, teils weißlichen, weichen und abgeflachten Stacheln bedeckt. Die hintere Rückenpartie und die Flanken weisen bis 10 cm lange, grobe und längsgefurchte, harte Stacheln gemischt mit langen weißen Borsten auf. Der schuppige Schwanz endet in einer Quaste aus weißlichen, etwa 20 cm langen Stacheln. Die Weibchen haben im Brustbereich 2-3 Paare seitlich angelegter Zitzen [1; 4; 6].

Verbreitung

Südostasien: Bangladesch, China (Yunnan, Hainan, Hubei, Sichuan), Indien (Assam), Laos, Malaysia, Myanmar, Thailand, Vietnam [2].

Lebensraum und Lebensweise

Der Quastenstachler ist eine nachtaktive, bodenlebende Art tropischer und subtropischer Bergwälder, vorzugsweise mit dichtem Unterwuchs und eingestreuten Zuckerrohr- und Bambusbeständen sowie Palmen. Als Unterkunft graben die Tiere Erdbaue, in denen sich bis zu 8 Individuen aufhalten können. Die Nahrung besteht aus Wurzeln, Knollen, Früchten, Baumrinde, Sämereien und anderem Pflanzenmaterial. Daneben werden auch Aas und Insekten genommen und Knochen angenagt. Die Weibchen gebären nach einer Tragzeit von 100-110 Tagen bis zweimal pro Jahr ein schon weit entwickeltes Junges, selten zwei. Dies verlässt das Nest, sobald die Stacheln ausgehärtet sind, was nach etwa einer Woche der Fall ist, und wird mit etwa 2 Monaten entwöhnt [1; 2; 4; 6].

Gefährdung und Schutz

Die Art nimmt zwar in ihrem Bestand etwas ab, ist aber weitverbreitet und kommt in zahlreichen Schutzgebieten vor. Sie gilt daher seit 1996, letztmals überprüft 2016 als nicht-gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [2].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Der Asiatische Quastenstachler wird zur Fleischgewinnung bejagt [2].

Haltung

WEIGL gibt als Höchstalter 13 Jahre und 7 Monate an, erreicht von einem vor dem 2. Weltkrieg im Londoner Zoo gehaltenen Tier. Tatsächlich dürfte das mögliche Höchstalter wie bei Atherurus africanus bei über 20 Jahren liegen [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art war weltweit in Zoos stets selten, zu den wenigen Haltungen gehörte in den 1960er Jahren der Bergzoo Halle [3]. In Europa wurde sie letztmals bis 1995 im Tiergarten Schönbrunn gezeigt. Im Gegensatz dazu halten einige Zoos den Afrikanischen Quastenstachler. Die britische und vermutlich auch europäische Erstzucht glückte 1924 im Londoner Zoo. Für Details siehe Zootierliste.

Nach Säugetiergutachten 2014 soll für 2 Tiere eine Mindestfläche von 10 m² angeboten werden, für jedes weitere Tier 2 m² mehr. Das Gutachten von 1996 sah für maximal 2 Tiere eine Mindestfläche von 5 m² vor. Die Erhöhung war zwar nicht wissenschaft abgestützt, war aber aus Sicht der Zoovertreter in Ordnung.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2021) schreibt für maximal 2 Tiere ein Innengehege mit einer Mindestfläche von 5 m² vor, wobei bei Neubauten allfällige neue Erkenntnisse berücksichtigt werden sollten. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2021) ist für ein Paar ein Gehege mit einer Mindestfläche von 15 m² erforderlich. Während der kalten Jahreszeit müssen die Tiere bei einer Mindesttemperatur von 18ºC gehalten werden.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Asiatische Quastenstachler wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Hystrix macroura" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der Gattungsname Atherurus wurde 1829 von dem französischen Naturforscher und Direktor der Ménagerie von Paris, Georges-Frédéric CUVIER, eingeführt. Die Art gilt als monotypisch, manche Autoren anerkennen allerdings zwei Unterarten [6].

Literatur und Internetquellen

  1. ANIMAL DIVERSITY WEB
  2. MOLUR, S. (2020). Atherurus macrourus (amended version of 2016 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T2354A166518819. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-1.RLTS.T2354A166518819.en . Downloaded on 22 November 2021.
  3. RUDLOFF, K. (2011)
  4. SMITH, A. T. & XIE, Y. (Hrsg., 2008)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)

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Mittwoch, 20 Oktober 2021 17:11

HAARHAUS, J. R. (1913)

Aus der Chronik der Zoologischen Gärten.

Zool. Gart. 54: 315-322.

Der Artikel enthält eiune Zusammenstellung von "Unglücksfällen und Verbrechen" in Zoos.

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Mittwoch, 01 September 2021 14:26

SCHÜRER, U. (2017)

Über Waldelefanten.

Der Zoologische Garten 86 (1-6): 108-166

Abstract:

An attempt is made to provide a survey of the African Forest Elephants kept in various zoological gardens between 1882 and the present. Due to the very mixed quality and reliability of sources, and the difficult question which elephants from the northern part of their range may have been hybrids, I do not offer the data as a table. The two main areas of origin were today‘s Gabon and the Democratic Republic of the Congo, specifically the elephant training stations at Api and Gangala-na-Bodio or Wando and Aru. In the elephant training centers, four calves were born in 1930, of which three survived. From Gangala-na-Bodio, Forest Elephants, Savannah Elephants and hybrids between both have been exported. There are also exports for which data are available, but not on their final destination.

I also discuss the possible existence of Pigmy Elephants, coming to the conclusion that there is no proof. Growth tables and photographs of Forest Elephants in zoological gardens offer too little support for the thesis. Studies of the anatomy and the genome and observations of free-living Forest Elephants suggest that Pigmy Elephants do not exist as a taxonomic unit.

In many cases, the health of Forest Elephants kept in zoological gardens was poor. This was largely due to insufficient housing and management, preventing breeding in Europe and in America. This would have been only theoretically possible in a few cases anyway. Most Forest Elephants were kept as single individuals, either alone or together with African Savanna or Asian Elephants. Unlike those kept in the elephant training centers in what was then the Belgian Congo, most Forest Elephants in zoos were short-lived. With the current knowledge of elephant management, a new start in keeping and breeding Forest Elephants could be made outside their native home. They are critically endangered due to loss of habitat and severe poaching.

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Sonntag, 04 Juli 2021 17:05

SVÁBIK, K. (rev. 2020)

MIXED-SPECIES EXHIBITS WITH CARNIVORANS II:
Mixed-species exhibits with Mongooses (Herpestidae) and Madagascar Carnivores (Eupleridae).

Volltext 

Introduction:

Currently, there are 34 species of mongooses described in the family Herpestidae, although further taxonomic research may lead to this number changing in the future. Twenty-five members of the taxon live in Africa, and nine in Asia. According to the current subdivision of Herpestidae, ― using not only morphology, but also behavioural ecology and molecular markers ― two subfamilies are supported within the taxon. The subfamily Herpestinae involves 23, mostly large and solitary mongoose species (genus Atilax, Bdeogale, Cynictis, Galerella, Herpestes, Ichneumia, Paracynictis, Rhynchogale, Xenogale), while the subfamily Mungotinae comprises 11, mainly small and social species (genus Crossarchus, Dologale, Helogale, Liberiictis, Mungos, Suricata). The list shows which species have been kept in mixed exhibits in captivity. Due to the similarities in morphology and lifestyle, two additional species from family Eupleridae - the Ring-tailed Vontsira (Galidia elegans) and the Narrow-striped Boky (Mungotictis decemlineata) - are also mentioned here.

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx