Donnerstag, 14 Juni 2018 13:37

PURGAND, T. (2012)

Das Verhalten von Arctictis binturong unter besonderer Berücksichtigung der Vergesellschaftung mit Aonyx cinerea.

Bachelorarbeit

63 Seiten

Fakultät für Biowissenschaften, Ruprecht Karls Universität Heidelberg
Erstprüfer: Prof. Dr. Braunbeck
Zoo Heidelberg

Ganze Arbeit

Zusammenfassung:

In dieser Bachelorarbeit wurde die Lebens- und Verhaltensweise der, im Heidelberger Zoo gehaltenen Binturongs untersucht. Mittels Beobachtungsbögen, auf denen Ort und Verhalten der Tiere systematisch erfasst wurden, konnte deren typisches Verhalten aus 100 Beobachtungsstunden aufgezeichnet werden. Neben der Gehegenutzung und dem Balzverhalten war dabei vor allem die Vergesellschaftung mit den Kurzkrallenottern ein zentraler Punkt der Arbeit.
Dabei wurden einige interessante Beobachtungen gemacht, bei denen die beiden Tierarten aufeinander trafen. Es zeigte sich, dass es vor allem Interesse und nicht Aggression war, was diese Begegnungen auszeichnete. Dabei waren die Otter stets neugieriger und mutiger. Das Binturongweibchen war da passiver, wobei das Männchen hingegen einige Male auch starkes Interesse an den Ottern zeigte, sich diesen näherte und sie sogar einmal aktiv vertrieb.
Auch das Balzverhalten der Tiere ist mit nun 3 Jahren schon sehr ausgeprägt, wobei allerdings noch kein Geschlechtsverkehr beobachtet wurde. So ist aber zu vermuten, dass es eine realistische Chance auf Nachwuchs in den nächsten Jahren besteht.
Die Binturongs zeigten sich während den Beobachtungen eher sporadisch aktiv, sodass ich von erhöhter Aktivität am Morgen und in der Nacht ausgehe. Dies wurde exemplarisch durch 2 nächtliche Beobachtungen und Erfahrungen von Zoopflegern unterstrichen.
Dabei stellte sich auch heraus, dass das Binturongmännchen teilweise stereotypes Verhalten zeigte. Nun kann überlegt werden, wie dem entgegen gewirkt werden könnte.
Neben den Beobachtungen wurden auch Pfleger in zwei anderen Zoos befragt und deren Binturongs kurz beobachtet. Außerdem gibt es eine Reihe von Fotos und Videos im Anhang der Arbeit, welche die Beobachtungen veranschaulichen sollen.
Über die in der breiten Masse noch sehr unbekannten Binturongs gab es bis zum jetzigen Zeitpunkt kaum Publikationen, sodass diese Arbeit die mir einzige bekannte Abhandlung über deren Verhalten und die Vergesellschaftung im Zoo darstellt.

 

purgand-biblio

Freigegeben in P
Donnerstag, 14 Juni 2018 22:10

PIROVINO, M. (2011)

Glucocorticoid Werte im Kot im Vergleich zu Aufzucht, Verhalten und Umweltfaktoren in der europäischen Kappengibbon (Hylobates pileatus) Population.

Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich, Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere (Prof. J.-M. Hatt)
Zoo Zürich und andere

Volltext (PDF)

Zusammenfassung:

Die vorliegende Studie validierte die Glucocorticoid (GC) Messung im Kot von Kappengibbons (Hylobates pileatus) und vergleicht die gemessenen Werte der Europäischen Zuchtpopulation mit individuellen Variablen und Umweltfaktoren. Nach einen ACTH Stimulationstest und induziertem Transportstress erwies sich ein Enzymimmunoassay für die Bestimmung des 3α,11ß-dihydroxy-Cortisolmetaboliten als beste Methode für die Messung von GC im Kot von Kappengibbons. Für die Vergleichsanalysen wurden über mehrere Tage der Kot von allen 36 (22.14) adulten europäischen Kappengibbons aus 11 verschiedenen Institutionen gesammelt, die GC Werte bestimmt und mit den gesammelten Tier- und Haltungsdaten statistisch verglichen. Handaufgezogene Tiere hatten höhere GC Werte (p=0.043) und zeigten mehr Verhaltensabnormalitäten als von den Eltern aufgezogene Tiere (p<0.001). Nicht-reproduzierende Gibbons, die in einem Paar ohne Nachwuchs lebten, hatten höhere GC Konzentrationen als Gibbons, die in einer Familie mit Jungtieren lebten (p=0.039). Bei den Umweltfaktoren war ein grosses Innengehege (p=0.011) und Gehege mit Sichtschutz (p=0.003) gegenüber von Besuchern mit tieferen GC Werten assoziiert. Diese Daten sollten das zukünftige Management der Spezies in Menschenhand unterstützen und zu einer erfolgreicheren Nachzucht dieser bedrohten Primatenart führen.

Abstract:

Quantifying effects of husbandry conditions on the physiology of zoo animals is an important part of assessing husbandry success. This study investigates fecal glucocorticoid (GC) levels of pileated gibbons (Hylobates pileatus) and relationshipa with individual and environmental factors. Following the validation of an enzyme-immunoassay for the measurement of 5-reduced 3α,11ß-dihydroxy cortisol metabolites to reliably assess GC output in the pileated gibbon, we collected fecal samples over several days from all 36 (22.14) European adult pileated gibbons located in 11 institutions and compared GC levels with respect to intrinsic individual parameters, husbandry, behaviour and breeding history. Hand-reared animals had higher GC hormone levels (p=0.043) and showed more behavioural abnormalities than parent-reared animals (p<0.001). Furthermore, non-reproducing gibbons living in a pair without infants had higher GC concentrations than gibbons living in a family (p=0.039). With respect to environmental factors, a large size of the inside enclosure (p=0.011) and the existence of visual protection from visitors (p=0.003) was associated with lower fecal GC output. This data will hopefully support the future management of the species in captivity and thus lead to a more successful breeding of this endangered primate.

pirovino-biblio

Freigegeben in P
Donnerstag, 14 Juni 2018 13:50

SCHAUB, E.D. (2004)

Der Einfluss von Futterrationen mit unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften auf Futteraufnahme, Verhalten und weitere verdauungsphysiologische Parameter bei Giraffen (Giraffa camelopardalis).

Influence of feedstuffs with different physical properties on diet intake, behaviour and digestive physiology in captive giraffes (Giraffa camelopardalis).

Dr. med. vet. Dissertation

101 Seiten.

Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich, Abteilung für Zoo-, Heim- und Wildtiere
Zoo Basel und weitere Zoos

Zusammenfassung:

Die Fütterung von in Zoologischen Gärten gehaltenen Giraffen (Giraffa camelopardalis) deckt deren physiologische Bedürfnisse zur Zeit nicht. Giraffen sind natürlicherweise Laubfresser, deren Rohfaserbedarf in Zoos im Allgemeinen mit Luzerneheu gedeckt wird. Probleme, welche sich im Zusammenhang mit ernährungsbedingten Defiziten stellen, schließen das perakute Mortalitätssyndrom, geringe Futteraufnahmen, Pansenazidose und orale Stereotypien ein.

In der vorliegenden Arbeit wurde der Einfluss von Laubfütterung auf die Futteraufnahme, die Verdauungsphysiologie und das Verhalten von drei Giraffen untersucht. Dazu wurden im Whipsnade Wild Animal Park in England fünf Fütterungsversuche mit verschiedenen Futtermitteln durchgeführt. Die Futteraufnahme, die Passagerate, die selektive Partikelretention, die Faserverdaulichkeiten, die Kotpartikelgrößen und die Häufigkeit oraler Stereotypien wurden zwischen den Versuchsrationen verglichen. Diese setzten sich aus zwei reinen Luzerneheu-Rationen, die sich in der Sensorik stark voneinander unterschieden, der gängigen Zoodiät (Luzerneheu und pelletiertes Mischfutter ad libitum), sowie zwei Rationen mit steigendem Laubanteil (3 kg, bzw. 6 kg Frischsubstanz Buchenlaub pro Tier und Tag) zusammen.

Die Unterschiede in der Futteraufnahme zwischen den Rationen waren signifikant (p<0.01). Die Futteraufnahmen (in Trockensubstanz) und die Aufnahmen an umsetzbarer Energie erhöhten sich bei Laubfütterung um bis zu 30% verglichen mit der gängigen Zoodiät. Die Passagerate der Partikel verkürzte sich und die Faserverdaulichkeiten reduzierten sich, wenn der Ration Laub hinzugefügt wurde. Entgegen den Erwartungen wurden die Kotpartikel nicht signifikant größer und auch die Häufigkeit des oralen Stereotypierens wurde nicht beeinflusst von der Verfütterung von Laub, das in maulgerechte Stücke zerkleinert wurde.

Abstract:

The feeding of captive giraffes (Giraffa camelopardalis) does not meet their physiological requirements. Giraffes are browsers whose requirements for fibre are usually met by lucerne hay. Problems that could occur in connection with dietary deficiencies include the peracute mortality syndrome, low food intake, ruminal acidosis and oral stereotypies.

The aim of this study was to examine the effect of browse feeding on food intake, digestive physiology and behaviour of three giraffes. Therefore five feeding trials with different feedstuffs were carried out in Whipsnade Wild Animal Park, England. Food intake, passage rate, particle retention, fibre digestibility, faecal particle size and frequency of oral stereotypies were compared amongst the diets. These consisted of two lucerne hays differing in appearance, the conventional zoo-diet (lucerne and a pelleted concentrate food) and two diets with added browse. With the latter two diets each giraffe received 3 kg resp. 6 kg beech-browse per day.

Food intake differed significantly (p<0.01) amongst the diets. Food intake and intake of metabolizable energy increased up to 30% comparing browse feeding to the conventional zoo-diet. Passage rate of particles decreased and fibre was not as good digested when additional browse was fed. Contrary to expectations faecal particle size did not increase and the frequency of oral stereotypies was not affected by the addition of bite-sized browse.

 

schaub-biblio

Freigegeben in S
Donnerstag, 14 Juni 2018 06:55

BODE, M. (2010)

Verhaltensbeobachtungen zum Stressverhalten eines männlichen Flachlandgorillas (Gorilla g. gorilla) im Zoo Hannover.

Abschlussarbeit im Studiengang Master of Education

59 Seite

Universität Hildesheim
Leitung: Prof. Dr. rer. Nat. habil. Horst Kierdorf
Zoo Hannover

Fazit:

Das Ziel, das Stressverhalten des Silberrückens im Zoo Hannover näher zu beleuchten und mögliche Gründe dafür zu benennen, ist erreicht. Es konnten Zusammenhänge zwischen den Besuchern, Schimpansen und vom Gorilla-Männchen gezeigte Aggressionen festgestellt und diskutiert werden.
Zusätzlich wurden Aussagen über den Einfluss von Schulklassen im Urwaldhaus getroffen. Durch unangemessenes Verhalten vor dem Gehege konnten starke Stresssituationen bei allen Tieren in der Gruppe hervorgerufen werden. Hier wäre eine besondere Aufklärung sinnvoll, um dieses zu reduzieren. Es kann außerdem davon ausgegangen werden, dass sich eine alternative Gehegebegrenzung in Form einer Glasscheibe generell
positiv auswirkt. Trotz allem war die Beobachtungszeit im Rahmen dieser Arbeit sehr kurz und es bleiben noch einige Fragen offen. So konnten viele weitere Umweltfaktoren, welche auf die Gorillas einwirken, nicht näher betrachtet werden und wären eine interessante Fragestellung für zukünftige Beobachtungen. Insgesamt kann jedoch gesagt werden, dass Buzandi trotz dieser vielen Einflüsse seiner Aufgabe als Familienoberhaupt erfüllt. Das gesamte Bild im Gehege war ruhig und häufig bestimmt von den spielenden Gorilla-Kindern. Auch allein die Anzahl der Jungtiere gibt Hinweis auf eine intakte Familienstruktur und auf ein Wohlbefinden der Tiere.

 

bode-biblio

Freigegeben in B
Donnerstag, 14 Juni 2018 12:56

LENZ, S. (2015)

Verhaltensbeobachtungen an Mandrillus sphinx im Zoo - Vergleich der Mutter-Tochter-Beziehungen und Analyse ausgewählter Verhaltensweisen des Männchens.

Bachelorarbeit

36 Seite

AG Entomologie, Lehrstuhl für Zoologie, Technische Universität München
Leitung; Prof. Gersmeier
Tierpark Nordhorn

Zusammenfassung:

Die Mandrill zeigen, wie keine andere Affenart im Tierpark Hellabrunn, ein stark ausgeprägtes besucherorientiertes Verhalten. Dabei erstreckt sich dieses nicht nur auf das Männchen sondern auf die ganze Gruppe.

Die Art der Reaktion auf die Besucher unterscheidet das Männchen jedoch von den Weibchen, welche ein eher aggressives Verhalten zeigen.
Die genauere Betrachtung des Verhaltens legt nahe, dass auch das Männchen eher geneigt ist auf Kinder zu reagieren. Der Grund dafür ist jedoch nicht bekannt.

Insgesamt zeigen die Mandrill und im Besonderen das Männchen jedoch keine außergewöhnlich hohe Stressreaktion auf die Besucher im Zoo.
Probleme könnte jedoch in absehbarer Zeit das Bettelverhalten des Männchens darstellen. Die Besucher reagieren auf den Bettelversuch mit Mitleid und in seltenen Fällen wird das Männchen auch mit allerlei Lebensmitteln gefüttert.

Die Fütterungsverbotsschilder am Außengehege werden dabei vollkommen ignoriert oder einfach übergangen. Außerhalb der Beobachtungszeiten wurden Beobachtungen dazu gemacht und notiert. Oft handelte es sich nicht nur um künstliche Lebensmittel, wie Gebäck oder Süßigkeiten, es wurden ebenfalls Plastikverpackungen und bedrucktes Papier gefüttert. Da das Männchen die Angewohnheit zu besitzen scheint alles anzunagen, könnte das Fehlverhalten der Besucher zu Gesundheitsrisiken für das Tier führen. Nicht nur dadurch, dass es vielleicht künstliche Lebensmittel schlechter verträgt, auch das Verschlucken von Plastikgegenständen könnte zu Problemen führen.

Zu empfehlen wäre die Beobachtungen am Männchen in jedem Fall weiter fortzuführen, nicht nur in Bezug auf das Verhalten gegenüber Besuchern.
Innerhalb der Gruppe scheint das Männchen eine wichtige Rolle einzunehmen. Vor dem Tod des Männchens Jimmy sah die Rangfolge der Weibchen innerhalb der Gruppe deutlich anders aus. Durch die Favorisierung des Weibchens Mette durch Jimmy, kam jener ein hoher Rang innerhalb der Gruppe zu. Nach dessen Tod schien sich das wesentlich aktivere Weibchen Inge durchzusetzen mit Hilfe ihres leicht aggressiveren Verhaltens anderen Gruppenmitgliedern gegenüber. Auch die Favorisierung durch das Männchen Jo könnte beim Wechsel der Rangfolge eine Rolle spielen.
Innerhalb der Mutter-Tochter-Beziehungen haben Inge und Kara ein sehr inniges und liebevolles Verhältnis. Auseinandersetzungen zwischen den beiden verliefen sehr milde und hatten oft eher einen spielerischen Aspekt inne. Die Auseinandersetzungen zwischen den Weibchen Katja und Mette schienen viel heftiger zu sein, zudem ist deren Beziehung zueinander eher von Ausweichverhalten und antagonistischen Verhaltensweisen geprägt. Das Weibchen Katja zeigte zudem Tendenzen zu aggressivem Verhalten allen Gruppenmitgliedern gegenüber. Es zeichnet sich zurzeit ein Konflikt zwischen Inge und Katja ab, dabei versucht Katja häufig Inges Aufmerksamkeit zu bekommen. Inge antwortet mit Drohgebärden. Hat die Interaktion eine gewisse Dynamik erreicht, so schreitet das Männchen Jo ein indem es oft Katja verjagt.

Das Aggressionsverhalten des Männchens Jo nahm dabei einige Male ein bedenkliches Ausmaß an. Zudem ist zu beachten, dass in dieser Arbeit nur antagonistische Verhaltensweisen mit hohem Aggressionspotential gemessen wurden. Kleinere Auseinandersetzungen wurden nicht berücksichtigt. Die gemessenen Verhaltensweisen waren mit einem hohen Stresslevel der Weibchen verbunden. Da die antagonistischen Verhaltensweisen des Männchens in ihrer Häufigkeit und Stärke zuzunehmen scheinen ist die Rolle innerhalb der Gruppe noch einmal zu überdenken.

Die hier beschriebenen Verhaltensweisen des Männchens sollten ebenfalls weiter verfolgt werden. Besonders das Verhalten „Spinning“ ist es wert näher betrachtet zu werden über längere Zeit. Es wäre z.B. sehr interessant wann dieses Verhalten verschwindet oder ob es ein Leben lang erhalten bleibt. Da andere junge Mandrill aus anderen Zoos das gleiche Verhalten zeigten, aber nicht weiter beobachtet wurden, konnte dies nicht weiter verfolgt werden . Auch der Zweck des Verhaltens interessant.

 

lenz-biblio

Freigegeben in L
Donnerstag, 14 Juni 2018 12:52

CASPARI, S. (2015)

Verhaltensadaptationen weiblicher Sumatra-Orang-Utans (Pongo abelii) in der Gruppe als Reaktion auf das Verhalten eines adulten Männchens. Vergleich Zoo Berlin und Tierpark Hellabrunn.

Bachelorarbeit

46 Seiten.

Lehrstuhl für Zoologie, Technische Universität München
Leitung; Prof. Dr. R. Gersmeier
Tierpark Hellabrunn, München und Zoo Berlin

Zusammenfassung:

Im Zeitrahmen des 23.06.2015 bis 21.08.2015 wurden Beobachtungen an zwei Gruppen von Sumatra-Orang-Utans (Pongo abelii) im Zoo Berlin und Tierpark Hellabrunn in München durchgeführt. Ziel der Beobachtungen war herauszufinden, ob die Weibchen der beiden Gruppen besondere Verhaltensweisen als Reaktion auf das Verhalten der Männchen zeigten.

Um diese Frage zu beantworten, wurde das Verhalten der Männchen, die Interaktionshäufigkeiten, das Defensivverhalten der Weibchen, das Distanzverhalten und die Dauer von Körperkontakten zwischen Weibchen und Männchen gemessen und verglichen. Das Interessante dabei war, dass die beiden Männchen Enche und Bruno sich in ihrem Verhalten sehr unterschieden. Bei Enche dominierten sozial positive Verhaltensweisen und bei Bruno aggressive Verhaltensweisen. Trotz der Stichprobengröße von nur 40 Beobachtungsstunden pro Gruppe konnten signifikante Unterschiede in den Kategorien Interaktionshäufigkeiten, Distanzpositionen und Dauer des Körperkontaktes zwischen den Gruppen berechnet werden. Die aufgestellten Hypothesen, wonach es keine Verhaltensunterschiede zwischen den Gruppen in den genannten Kategorien gibt, konnten alle abgelehnt werden.

Das Männchen Enche in Berlin war ein fester und zentraler Bestandteil der Gruppe. Er suchte häufig den Kontakt zu den Weibchen und die Weibchen suchten häufig den Kontakt zu ihm. Die Weibchen fühlten sich in der Nähe von Enche wohl und soziale Interaktionen erreichten komplexe Strukturen, die auf dem Vertrauen des Gegenübers beruhten - beispielsweise die gegenseitige Fellpflege. Ein Defensivverhalten der Weibchen gegenüber Enche fehlte weitestgehend. In München zeigten die Weibchen spe-zifische Anpassung an die aggressiven Verhaltensweisen von Bruno. Sie suchten nur sehr selten den Kontakt zu ihm und hatten verschiedene Formen des Defensivverhaltens entwickelt, um eine gewisse Distanz zu bewahren. Bruno war zwar der Außen-seiter der Gruppe, dennoch stand er im Fokus der Aufmerksamkeit der Weibchen und jede seiner Bewegungen wurde von ihnen analysiert. Um sich einem verringerten Risiko der Aggression durch Bruno auszusetzen mieden die Weibchen die Nähe zu ihm. Den Großteil der Zeit befanden sie sich in einem Radius, der größer als drei Armlängen war. Damit hielten sie sich die Möglichkeit zur Flucht bzw. angemessenem Defensiv-verhalten offen. Sah man von den erzwungen Kopulationen ab, so fand in München fast kein Körperkontakt zwischen Bruno und seinen Weibchen statt.

Insgesamt waren auch die sozialen Verhaltensweisen unter den Weibchen weniger ausgeprägt als in Berlin. Diese Tatsache könnte auf dem durchschnittlich höheren Alter der Orang-Utans in München oder auf dem erhöhten Stresspotenzial, dem die Weibchen dort durch das Männchen ausgesetzt waren, beruhen.

 

caspari-biblio

Freigegeben in C
Donnerstag, 14 Juni 2018 12:36

KUPFER, F. (1998)

Untersuchungen zur Indikation der `Rolligkeit` bei Pantherini über Parameter des Verhaltens.

Studies about indication of oestrus cycle of pantherini through parameter of behaviour.

Dissertation

95 Seite

Ganzer Text

Freie Universität Berlin, Fachbereich Veterinärmedizin, Institut für Veterinär-Physiologie/Humboldt-Universität Berlin, Mathematisch-Naturwissenschftliche Fakultät 1, Institut für Biologie
Betreuung: Prof. Dr. med. vet Tönhardt
Tierpark Berlin

Zusammenfassung:

In der vorliegenden Arbeit wird der Einfluß physiologischer Veränderungen auf quantitativ meßbare Verhaltensweisen an Großkatzen untersucht. Als sichtbare physiologische Einflußgröße galt dabei die Zeitspanne des Östrus mit den bekannten Veränderungen des Hormonstatus. Diese Phase wird auch als Rolligkeit bezeichnet. Die Beobachtung erfolgte an elf Tieren der Gattung Panthera des Tierparks Berlin-Friedrichsfelde über einen Zeitraum von zwei Jahren. Darin eingeschlossen war die Hauptbeobachtungszeit von Dezember 1996 bis März 1997. In diesen drei Monaten wurden während der täglichen 4,5 Stunden Beobachtungszeit Aufzeichnungen über die Aktivität der Tiere zwei Stunden vor der Fütterung durchgeführt. Es erfolgte die Untersuchung der Schrittfrequenz zwei Stunden vor der Fütterung, eine halbe Stunde vor der Fütterung und nach der Futteraufnahme; weiterhin die Aufnahme der Putzfrequenz, der Kaufrequenz, der Trinkfrequenz und der Atemfrequenz.
Die Beobachtungstiere gehörten zu vier verschiedenen Arten. Dabei bildeten die Jaguare (Panthera onca), Schwarzen Panther (Panthera pardus), Chinaleoparden (Panthera pardus japonensis), Sumatratiger (Panthera tigris sumatrae) und die Indischen Löwen (Panthera leo persica) jeweils echte, gemeinsam gehaltene Paare. Im Gegensatz dazu war eine in die Untersuchungen einbezogene Bengaltigerin (Panthera tigris tigris) einzeln untergebracht. Alle mit den männlichen Partnern gehaltenen weiblichen Tiere zeigten während der dreimonatigen Hauptbeobachtungszeit ein oder zwei Rolligkeitsperioden. Dagegen waren bei der einzeln gehaltenen Bengaltigerin Anzeichen eines Östrus nicht sichtbar.
Trotz des sehr inhomogenen Tiermaterials (vier Tierarten, verschiedene Haltungsbedingungen, unterschiedliches Alter) zeigten die Ergebnisse z.T. deutliche Veränderungen der genannten Verhaltensparameter mit dem Eintritt der Paarungsperiode.
Die Aktivitätsprotokollierung im Zeitraum von zwei Stunden vor der Fütterung erbrachte eine markante Abnahme der lokomotorischen Aktivität zugunsten des Ruheverhaltens während der Paarungsperioden. Dabei zeigte diese Verhaltensweise deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Die männlichen Tiere veränderten ihr Aktivitätsmuster nur an den Tagen, an denen Paarungen durchgeführt wurden, und zwar abhängig von der Anzahl der Paarungen. Bei den weiblichen Tiere hingegen sank der Anteil der lokomotorischen Aktivität bereits eine Woche vor Beginn des Östrus und stieg nach Ende der Rolligkeit erst langsam wieder an. Als Ursache hierfür wird eine Dreifachwirkung gesehen, zusammengesetzt aus Motivationsverschiebung aufgrund des Fortpflanzungsverhaltens, einer physischen Ermüdung durch die Paarungen und einer dämpfenden Wirkung des Abbauproduktes des Gelbkörperhormones Progesteron.
Die allein gehaltenen Bengaltigerin zeigte trotz fehlender Östruszeichen Schwankungen in der lokomotorischen Aktivität, die in vierwöchigem Abstand auftraten.
Die Schrittfrequenz verringerte sich zu allen drei Meßzeiten während des Östrus gegenüber dem Interöstrus. Diese Veränderungen betrafen beide Geschlechter. Der Grund wird in einer physischen Ermüdung der Tiere durch die Paarungen gesehen. Auch die Bengaltigerin zeigte Schwankungen in der Schrittfrequenz. Sie korrelierten mit einer Woche Verzögerung mit den Aktivitätsschwankungen.
Die Verringerung der Putzfrequenz während der Paarungsperiode war nicht signifikant. Bei einem weiblichen und einem männlichen Tier konnten deutliche Veränderungen innerhalb des Östrus festgestellt werden. Bei beiden Tieren sank während der ersten Östrushälfte die Putzfrequenz gegenüber dem Mittelwert des Interöstrus, während sie gegen Ende der Rolligkeit über diesen Mittelwert anstieg. Ob diese Verteilung für alle Tiere zutraf konnte aufgrund unregelmäßiger Meßreihen nicht festgestellt werden.
Die Kaufrequenz veränderte sich mit der Rolligkeit signifikant geschlechtsspezifisch. Die weiblichen Tiere kauten deutlich langsamer, während die Kaufrequenz der männlichen Tiere leicht anstieg. Als Grund dafür wird eine Dominanzverschiebung innerhalb der Paare gesehen.
Von der Trinkfrequenz konnten nicht genügend Werte für ein Auswertung aufgenommen werden. Es wurde als Beispiel für zukünftige Untersuchungen eine Methode zur Aufnahme des Trinkverhaltens mittels Tonträgern und die anschließende EDV-gestützte Auswertung dargestellt.
Die Atemfrequenz zeigte innerhalb einer Zyklusphase starke Schwankungen. Deshalb sollte die in den Mittelwerten erkennbare Tendenz einer Abnahme der Anzahl der Atembewegungen pro Minute während der Rolligkeit in weiterführenden Beobachtungen untersucht werden.
Insgesamt zeigten alle untersuchten Verhaltensparameter während des Östrus eine Abnahme oder eine Tendenz der Abnahme in ihren Frequenzvergleichen gegenüber dem Interöstrus. In weiterführenden zukünftigen Untersuchungen sollte deshalb auch nach zusätzlichen zu den oben, für jede Verhaltensweise einzeln genannten Ursachen geforscht werden. Dazu sind vergleichende Beobachtungen an einzeln und paarweise gehaltenen Großkatzen nötig. Vorteilhaft wären auch gleichzeitige Untersuchungen des Hormonstatus der Tiere.

Abstract:

This paper investigates the influence of physiological changes to measurable signs of the behaviour of large cats. The physiological change was the change of hormone level during the oestrus cycle. Eleven numbers of the genus Panthera were observed during a period of two years in the Berlin - Friedrichsfelde zoo. Main observations took place from December 1996 till March 1997. It was measured the general activity in a period of two hours before feeding. As additionally parameters were investigated: the step frequency two hours, thirty minutes before and immediately after feeding, the clean frequency, the chew frequency, the drink frequency and the breath frequency.
The investigations were taken in five pairs of different species: jaguar (Panthera onca), black panther (Panthera pardus), North Chinese leopard (Panthera pardus japonensis), Sumatra tiger (Panthera tigris sumatrae) and Indian lion (Panthera leo persica). Also a single Bengal tiger (Panthera tigris tigris) was investigated. All females, which lived together with a male, had one to two oestrus cycles within the three month observation, where as at the single female an oestrus could not be recognised.
It could be found significant changes of activity during the oestrus.
The walking activity two hours before feeding decreased significantly during oestrus of the females. Therefor there was a marketable difference between females and males. Males changed their activity only at days with copulation?s and depending on the number of copulation?s. Females decreased their walking activity already one week before oestrus and increased slowly after it. The reason is seen as threefold - change in motivation due to the breeding behaviour, physiological exhausting due to the copulations and the supressing influence of the biochemical reduction product of progesteron.
Deviations every 4 weeks of walking activity at the single female tiger could also be recognised although there were no signs for oestrus.
The step frequency decreased significantly at all measurements during the oestrus Those changes affected both sex. It was supposed to result from physical exhausting after copulation?s.
Changes in the step frequency occurred also at the single female Bengal tiger. They followed the activity changes at one week delay.
A significant decrease of clean frequency could not be recognised. Only at one male and one female could be found a significant decrease during the first part of oestrus and increase at the end of oestrus in comparison to the average. A general conclusion for this fact can not be drawn due to irregular measurements of this parameter.
During copulation time the chew frequency changed very much depending on the sex. Females chewed much slower, where as males faster. Probably this fact results from change in dominance.
The drink frequency could not be measured satisfactoinary. For future investigations an acoustic method followed by a computer analysis is presented.
The breath frequency differed significantly during one cycle. Therefore it is suggested to investigate the trend of decreasing averages of breath frequency during oestrus additionally.
It can be concluded, that all described activities showed a trend of decrease during oestrus.
Further investigations should search for mentioned occurs. It should be compared single and in pair living large cats. Helpful would be the analyses of hormone level at the same time.

 

kupfer-biblio

Freigegeben in K
Donnerstag, 14 Juni 2018 14:44

KLAMT, M. (2014)

Wie wird das natürliche Verhalten von Sunda-Gavialen durch die Haltung in zoologischen Einrichtungen beeinflusst?

How is the natural behaviour of Sunda gharials influenced by being kept in zoological institutions?

Bachelorarbeit

65 Seiten.

Institut für Biowissenschaften, Allgemeine und Spezielle Zoologie, Universität Rostock
Leiter: Hr. Prof. Dr. Stefan Richter
Zoo Leipzig

Zusammenfassung:

Diese Arbeit dokumentiert die Ergebnisse von Verhaltensbeobachtungen der bedrohten Krokodilart Tomistoma schlegelii im Zoologischen Garten Leipzig. T. schlegelii gilt als scheu und zurückhaltend, wodurch nur wenig über Ökologie, Gewohnheiten und Verhalten der Tiere bekannt ist. Der Lebensraum beschränkt sich auf Torfmoore in Indonesien (Sumatra und Borneo), auf der malaysischen Halbinsel und Sarawak.
Für diese Studie wurden sieben, im Leipziger Zoo lebende, T. schlegelii an 38 Tagen (01. April 2014 bis zum 23. Mai 2014) ca. 475 Stunden lang beobachtet. Dabei wurde das Verhalten der sechs weiblichen und des einen männlichen Tieres dokumentiert und anschließend mit Sekundärdaten von Freilandforschern verglichen. Im Fokus der Beobachtungen standen unter anderem die Interaktionen der Krokodile sowohl untereinander als auch mit dem Beibesatz, ihre Tauch- und Ruhezeiten sowie eine Bewegungsanalyse und ihre Größe und Gewicht. Im Verlauf der Arbeit zeigten sich Gemeinsamkeiten, sowohl bei der Gewöhnung an eine allgegenwärtige Präsenz von Menschen, als auch bei der Flucht- und Fortbewegung. Zu Übereinstimmungen kam es ebenfalls beim Aufsuchen der Sonnenplätze und der Nahrungsaufnahme. Dem gegenüber stehen Unterschiede, wie das ausgiebige „Duschen“ unter einem künstlichen Wasserfall, der Konditionierung auf das Pflegepersonal und das leicht höhere Gewicht der in der zoologischen Einrichtung gepflegten T. schlegelii. Da über diese große Krokodilart in der freien Natur bisher nur wenig bekannt ist, konnte zu einigen im Zoo beobachteten Verhaltensmerkmalen kein Vergleich gezogen werden. Hierzu zählen die Längen der Tauchzeiten, die Interaktionen der Krokodile untereinander und der Farbwechsel der juvenilen Tiere. Abschließend bewertet diese Arbeit die Haltung von T. schlegelii im Zoo Leipzig und führt somit zu dem Schluss, dass diese aufgrund ihrer starken Anlehnung an den natürlichen Lebensraum positiv zu bewerten ist.
Diese Studie ist als ein erster Schritt anzusehen und soll ein Anstoß für weitere, detailliertere Forschungen sein. Letztlich bestätigen die Ergebnisse, dass die Tiere in der zoologischen Einrichtung ihr natürliches Verhalten zeigen und sich diese positiv auf das Wohlbefinden der gepflegten Tiere auswirkt.

 

klamt-biblio

Freigegeben in K
Donnerstag, 14 Juni 2018 07:03

BENESCH, A. R. (2007)

Chronoethologische Validierung des Wohlbefinden und der Haltung von Koalas Phascolarctos cinereus, Goldfuss 1817 in Zoologischen Gärten.

Dissertation
Fachbereich Biowissenschaften Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt am Main
in Zusammenarbeit mit Zoo Duisburg, Tiergarten Schönbrunn und australischen Zoologischen Gärten

271 Seiten, 138 Abbildungen / Tabellen.

Volltext

Zusammenfassung

Einleitung

Das Leben aller Organismen ist rhythmisch organisiert. Die grundlegenden Rhythmen werden endogen durch ein Multioszillatorensystem aus inneren Uhren erzeugt. Viele davon sind circadian, dauern also ungefähr 24 Stunden. Da es in einem Organismus eine Vielzahl von circadianen Rhythmen (z.B. Schlaf-Wach-Rhythmus, Körpertemperatur, Hormonspiegel) gibt, müssen diese miteinander undmit der Umwelt synchronisiert werden. Dies geschieht durch sogenannte Zeitgeber, rhythmisch auftretende, externe Signale. Der wichtigste externe Rhythmus ist der Tag-Nacht-Wechsel und so ist es nicht verwunderlich, daß Sonnenlicht als einer der stärksten Zeitgeber wirkt.

In einer künstlichen Umgebung erreichen Zeitgeber häufig nicht die notwendige Stärke, um den Organismus zu synchronisieren. Die Folge ist eine Abkopplung der endogenen Rhythmen von ihrer Umwelt und von einander. Eine interne Desynchronisation (z.B. ein Jetlag) ist die Folge. Zudem können andere Signale direkt auf den Organismus einwirken und die endogenen Rhythmen überlagen. Man spricht hier von einer Maskierung. Solche Veränderungen können zu Unwohlsein führen und sollten vermieden werden.

Andererseits ist es möglich, daß der physiologische Zustand des Tieres, z.B. Östrus, Krankheit oder Stress, Einfluss auf den circadianen Rhythmus hat. In diesem Fall kann die Beobachtung des entsprechenden Parameters (z.B. Aktivitätsrhythmus) Aufschluss über den Zustand des Tieres geben.

Koalas sind beliebte Zootiere, doch ihre Haltung ist problematisch. Neben ihrer Spezialisierung auf Eukalyptusblätter als einzige Nahrung gelten sie als anfällig für "Stress" und Krankheiten. Aus diesem Grund hat insbesondere in europäischen Zoos die Überwachung ihres Wohlbefindens eine hohe Priorität. Stressoren werden nach Möglichkeit ausgeschlossen. Stresssignale bei Koalas sind jedoch eher vage, und traditionelle Kontrollmethoden wie regelmäßiges Wiegen können selbst als Störung auf den Koala wirken und so das Wohlbefinden vermindern. Zudem werden Tagesabläufe in der Haltung dem Zeitplan des Tierpflegers, nicht dem endogenen Rhythmus des Koalas angepaßt.

Eine chronoethologische Untersuchung der Aktivitätsmuster von Koalas in Zoohaltung könnte Informationen über die grundlegenden circadianen Rhythmen geben. In dieser Studie wurden die einwirkenden externen Faktoren darauf untersucht, inwieweit sie als Zeitgeber oder Maskierung wirken. Es wurde zudem versucht, den Tagesablauf stärker an die Bedürfnisser der Koalas anzupassen.

Methode

In drei Zoologischen Gärten in Australien und Europa wurden die circadianen Rhythmen für allgemeine Aktivität, Futteraufnahme und lokomotorischeAktivität untersucht. Dazu wurden insgesamt 17 Koalas unter vier Haltungsbedingungenmit 24-Stunden-Zeitraffer-Video aufgezeichnet:

Taronga Zoo, Sydney liegt innerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes der Koalas. Die Tiere werden in Außengehegen gehalten und sind dem natürlichen Klima und den natürlichen Schwankungen der Tageslängen ausgesetzt. Futter wird täglich in der Umgebung von Sydney gesammelt.

Koala Walkabout: Vier Koalas (ein Männchen, drei Weibchen) wurden 2004 über einen Zeitraum von einem Jahr beobachtet. Im Sommer 2003/04 wechselte die Gruppenzusammensetzung aufgrund von Zuchtbemühungen. Daher wurden drei weitere Weibchen für jeweils einige Wochen beobachtet. Die Tagesroutine beinhaltet die morgendliche Gehegereinigung um 07:00 und die Fütterung um 15:30. Kontakt mit dem Pfleger ist selten. Im Verlauf dieser Studie wurden die Tiere in einem Abstand von einem bis vier Monaten gefangen, gewogen und bei den Weibchen der Beutel auf Jungtiere kontrolliert.

Koala Encounter: Vier adulteWeibchen und ein einjähriges Jungtier wurden für sechs Wochen im Sommer 2005 (Dezember-Januar) beobachtet. Die Tiere wurden in zwei Gruppen gehalten. An den meisten Tagen betreten Besucher für zwei Stunden das Gehege, um sich neben den Koalas photographieren zu lassen. Kontakt mit den Tieren ist verboten und ein Pfleger überwacht den Zustand der Tiere optisch. Stresssymptome werden nur selten beobachtet. Die Koalas werden dreimal täglich gefüttert (07:00, 11:00 und 13:00), dabei kommt es zu gelegentlichem Kontakt mit den Pflegern. Normalerweise werden die Koalas alle zweiWochen gewogen, dies fand jedoch nicht während der Beobachtungszeit statt.

In den beiden europäischen Zoos werden die Koalas in klimatisierten Innengehegen gehalten. Zusätzlich zu einem Glasdach werden die Gehege künstlich beleuchtet. Im Winter wird der Tag dadurch um mehrere Stunden verlängert. Die Koalas sind durch eine an der Decke offene Glaswand nach Geschlechtern getrennt, können sich aber sehen, hören und riechen. Kontakt findet nur kontrolliert zu Paarungsversuchen statt. Futter wird zweimal wöchentlich von Plantagen in Südengland bzw. Florida eingeflogen.

Zoo Duisburg: Ein Männchen und drei adulteWeibchen wurden für je sechsWochen im Sommer 2003 (Juni-Juli) und im Winter 2003 (November-Dezember) beobachtet. Die Tiere haben unregelmäßigen Kontakt zum Pfleger. Im Laufe des Vormittags werden die Gehege gereinigt und zu unterschiedlichen Zeiten Futter ausgegeben. Zweimal die Woche werden die Tiere gewogen.

Tiergarten Schönbrunn, Wien: Ein Männchen und ein Weibchen wurden für je sechs Wochen im Sommer 2004 (Juni-Juli) und im Winter 2004/05 (Dezember-Januar) beobachtet. Die Gehege werden am frühen Morgen gereinigt, wobei es fast täglich zu Kontakt zwischen Pfleger und Koala kommt. Täglich um10:15 wurden die Tiere gewogen und gefüttert. Aufgrund der Ergebnisse dieser Studie wurde im Juni 2005 dasWiegen auf 16:00 verschoben und die Tiere wurden für weitere sechsWochen beobachtet. Die Videoaufzeichnungen wurden in bezug auf das Verhaltensmuster und die Reaktion auf verschiedene Pflegetätigkeiten analysiert. Zusätzlich zu den Aktivitätsmustern wurden Zeitbudget und Tag:Nacht-Ratio des Verhaltens berechnet.

Ergebnisse

Die Koalas im Koala Walkabout, Sydney, zeigten ein einheitliches Aktivitätsmuster, welches deutlich durch das natürliche Licht entrained wurde. Während der Nacht war die Aktivität höher, und es konnte eine ausgeprägte Ruheperiode am Morgen beobachtet werden. Zu dieser Zeit stellten Degabriele and Dawson (1979) bei Koalas eine physiologisch niedrigere Körpertemperatur fest als zu anderen Tageszeiten. Aktivitätsmaxima standen in Bezug zur Dämmerung und veränderten sich im Laufe des Jahres in Relation zur Tageslänge. Zusätzlich zeigte sich ein deutlicher Einfluß der nachmittäglichen Fütterung, die durch ein hohes Aktivitätsmaximum begleitet wurde. Mit kürzer werdenden Tagen kam es zu einer Überlappung des Stimulus Fütterung mit dem Stimulus Abenddämmerung. Bei drei Koalas verschwand die Aktivitätsphase in der Abenddämmerung zugunsten der Fütterung, doch ein Weibchen fraß nur noch in der Abenddämmerung. Die Aktivitätsmuster in den Zoos Duisburg und Wien variierten deutlich zwischen den Individuen. In einigen Fällen fehlte ein erkennbarer Rhythmus, insbesondere der in Sydney deutliche Unterschied zwischen Tag undNacht. Obwohl die Aktivitätsmaxima in Relation zum Licht standen, war das Entrainment durch das durch das Dach einfallende Sonnenlicht eher schwach. Im Winter reagierten die Koalas primär auf die künstliche Beleuchtung, einige Individuen jedoch zeigten zusätzliche Aktivitätsmaxima in Relation zum Sonnenlicht. Die Aktivitätsmuster dieser Koalas waren weniger stark strukturiert und unterschieden sich drastisch von den Mustern, die in der Literatur bei freilebenden Koalas beschrieben wurden. Aktivität stand häufig in Relation zu der Anwesenheit des Pflegers und dem Einbringen neuen Futters. Die Dauer und der Abstand einzelner Aktivitäts- und Fressperioden waren im Zoo Wien waren deutlich kürzer als in den beiden anderen Zoos. Insbesondere das Weibchen fiel durch die hohe Frequenz im Wechsel zwischen Ruhe und Aktivität auf.

Das Zeitbudget der Koalas im Koala Walkabout, Zoo Duisburg und Zoo Wien lag innerhalb des für freilebende Koalas bekannten Bereichs. Die Koalas ruhten zwischen 74,1 und 81,7%der Zeit,wobei es keine eindeutigenUnterschiede zwischen denGeschlechtern und nur wenige Unterschiede zwischen den Zoos gab. Fressen war mit 10,7 bis 17,3% die häufigste Aktivität; die Koalas in Duisburg fraßen am längsten. Die Dauer des Fressens war im Winter sowie bei säugende Weibchen länger. Lokomotorische Aktivität zeigte deutliche Unterschiede zwischen den Zoos. Sie war amhöchsten inWien und amniedrigsten in Duisburg. Die Koalas kamen nur gelegentlich auf den Boden. Im Koala Walkabout war dies nötig, um zwischen einigen der Bäume zu wechseln. Daher wurden diese Koalas, insbesondere das Männchen, in bis zu 7% der Beobachtungsintervalle auf dem Boden beobachtet. In den beiden europäischen Zoos war es nicht notwendig, den Boden zu betreten. In Duisburg geschah dies auch selten. In Wien jedoch kamen die Koalas häufig auf den Boden, besonders das Weibchen, um das Gehege zu erkunden oder zu trinken.

Die Koalas waren nicht streng nachtaktiv, aber bei den meisten beobachteten Koalas fand ein größerer Teil der Aktivität während der Nacht statt. Dies war besonders ausgeprägt in dem Sydney Weibchen Yindi, die tagsüber kaum Aktivität zeigte. Das Duisburger Männchen und dasWienerWeibchen waren imWinter jedoch während des Tages etwas aktiver als während der Nacht.

Die Pfleger im Koala Walkabout, Sydney, hatten selten direkten Umgang mit den Koalas. In den wenigen Fällen, in denen die Tiere gefangen wurden, wehrten sie sich, sonst reagierten sie kaum auf den Pfleger. Nach demWiegen bzw. der Kontrolle des Beutels beruhigten sie sich jedoch schnell wieder. In den beiden europäischen Zoos hatten die Koalas regelmäßig Kontakt zu den Pflegern. In Duisburg zeigte sich kaumein Einfluss auf das Verhalten und die Koalas setzten nach dem Wiegen zumeist ihre vorherige Tätigkeit (Ruhen oder Fressen) fort. In Wien reagierten beide Tiere sehr stark auf den Pfleger. Die Morgenreinigung löste lokomotorische Aktivität im Weibchen aus. Das tägliche Wiegen um 10:15 fiel in die Ruhephase der Koalas. Während das Weibchen danach meist fraß, blieb das Männchen an den meisten Tagen inaktiv und begann seine eigentliche Futteraufnahme erst am Nachmittag.

Im Koala Walkabout fand die Fütterung am Nachmittag statt. Davor wurde erhöhte lokomotorische Aktivität beobachtet, und nach dem Füttern fraßen die Tiere für längere Zeit, mitunter für über eine Stunde. In den beiden europäischen Zoos wurde am Morgen gefüttert. Die dieser Fütterung folgenden Aktivitätsmaxima waren niedriger als die am Koala Walkabout und oft fraßen einzelne Tiere erst am Nachmittag. Vor der Fütterung wurde selten Aktivität beobachtet.

Die Aktivitätsmuster im Koala Encounter, Sydney, stimmten während der Nacht fast vollständig mit denen derWeibchen imKoalaWalkabout überein. Tagsüber gab es jedoch dramatische Unterschiede. Während die Koalas imWalkabout am Morgen ruhen, zeigten sich im Encounter drei Aktivitätsmaxima, die mit Fütterungen in Verbindung standen. Die Koalas im Encounter waren insgesamt aktiver als die im Walkabout. Die lokomotorische Aktivität war ebenfalls erhöht und die Tiere waren häufiger auf dem Boden. Im Koala Encounter wurden Phasen mit parallel erhöhter lokomotorischer Aktivität in zwei Tieren beobachtet. Dies geschah zum einen nachdemzweiWeibchen, Maggie und Carla, in ein gemeinsames Gehege transferiert wurden, und zum anderen bei Cooee und ihrer Tochter Coco, die zur Beobachtungszeit entwöhnt wurde.

Im Koala Walkabout und in Duisburg standen den Tieren lebende Nichteukalyptus-Bäume als Ruheplatz zur Verfügung. Diese wurden von einigen Koalas intensiv genutzt, insbesondere tagsüber. Zwei der Weibchen in Duisburg wurden allerdings sehr selten in den Bäumen beobachtet.

Diskussion

Die Beobachtungen aus demKoalaWalkabout zeigen, dass die Aktivität der Koalas durch zwei Faktoren beeinflusst wird. Sonnenlicht wirkt als Zeitgeber mit unterschiedlicher Stärke im Jahreslauf. Einen starken, direkten Einfluss, inklusive antizipatorische Aktivität, hat die nachmittägliche Fütterung. Es kann jedoch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, ob es sich hierbei um einen Zeitgeber oder eine Maskierung handelt.

Die künstliche Beleuchtung in den beiden europäischen Zoos reicht nicht aus, um die Tiere zu entrainen, was in einem unstrukturierten Aktivitätsmuster resultiert. Dies wird besonders im Winter deutlich, wenn der natürliche Tag künstlich verlängert wird. Hier überwiegt der Einfluss der künstlichen Beleuchtung, doch die Aktivitätsmuster verlieren ihre Struktur und zwei der Koalas wurden sogar leicht tagaktiv. Da Koalas nachtaktiv sind, scheint eine Verlängerung des Wintertages unnötig und Tageslängen sollten sich in Zukunft stärker an dem natürlichen Licht orientieren.

Der direkte Kontakt zwischen Pfleger und Koalas, insbesondere das Wiegen, fand während der physiologischen Ruhezeit der Koalas statt. Die Unterbrechung von Ruhezeiten wird als möglicher Stressor angesehen (Wood 1978) und sollte vermieden werden. Pflegerkontakt am Nachmittag wäre demnach akzeptabler für den Koala und resultierte tatsächlich in einer längeren Aktivitäsphase im ZooWien. Es ist zudem fraglich, ob tägliches Wiegen als Gesundheitskontrolle notwendig ist, oder ob die regelmäßigen Störungen der Ruhe- und Freßphasen sich nicht eher negativ auswirken. Häufiger Kontakt mit Besuchern, selbst ohne das sogenannte "Koala-Knuddeln", hat einen deutlichen Einfluß auf das Aktivitätsmuster und das Zeitbudget der Koalas, auch wenn keine direkten Stresssignale gezeigt werden. Daher sollte diese Art von Kontakt minimiert werden. Es ist zudem empfehlenswert, eine systematische Untersuchung von Koalasmit direktemBesucherkontakt unter chronoethologischemAspekt durchzuführen, um die geltende Rechtslage zum "Koala-Knuddeln" zu überprüfen.

Lebende Baumkronen sind der natürliche Aufenthaltsort für Koalas. Da Koalas in der Wahl ihrer Nahrung sehr wählerisch sind und keiner der Zoos bisher Vergiftungsfälle durch die Nichteukalyptus-Blätter berichtet hat, sollte die Bereitstellung eines lebenden Baumes mit ausreichendem Blattwerk in die Haltungsrichtlinien aufgenommen werden. Es konnte gezeigtwerden, dass ein Anstieg der lokomotorischenAktivität ein Zeichen für Unwohlsein, Stress oder Östrus sein kann. Hierfür gibt es auch Hinweise in der Literatur (Wood 1978; Zoological Society of San Diego 2001). Weitere Untersuchungen in Kombination mit Hormonmessungen wären sinnvoll, um diesen Parameter zur nichtinvasiven Zustandsmessung zu nutzen.

In dieser Studie konnte der Nutzen der Chronoethologie als Methode zur Überprüfung von Haltungsbedingungen und Gruppendynamik gezeigt werden. Im Unterschied zu traditionelleren ethologischen Methoden ermöglichte sie mir, den Einfluss verschiedener externen Faktoren zu bestimmen und geeignetere Zeiten für den Umgang mit dem Pfleger oder die Fütterung zu finden. Es ist empfehlenswert, daß solche Zoos, die bereits 24-Stunden-Videobeobachtung bei ihren Tieren durchführen, dies unter Berücksichtigung des chronoethologischen Aspektes täten.

 

benesch-biblio

Freigegeben in B
Donnerstag, 14 Juni 2018 08:12

MEYER, V. (2013)

Eine verhaltensbiologische Studie bei afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana) im Opel-Zoo.

A behavioural study of African elephants (Loxodonta africana) in the Opel-Zoo

Wissenschaftliche Hausarbeit (Lehramt an Gymnasien)

136 Seiten

Didaktik der Biowissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Leitung: Prof. Dr. Paul Dierkes
Opel-Zoo Kronberg

Zusammenfassung:

In der Studie wurde das Verhalten von drei afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana) vor und nach ihrem Umzug in das neue Elefantengehege analysiert. Hierfür wurden die Elefanten in drei Phasen beobachtet, vor dem Umzug, direkt nach dem Umzug und nach einem Jahr. Es konnte eine kurzfristige Erhöhung des Stress- und Dominanzverhaltens nach dem Umzug festgestellt werden. Nach einem Jahr war dies nicht mehr zu beobachten. Vielmehr verringerten sich diese Verhaltensweisen in ihrer Häufigkeit. Das Verhaltensrepertoire hat sich im neuen Gehege nicht verändert, jedoch kam es zu einer Verschiebung der Häufigkeiten der einzelnen Verhaltensweisen. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass die Tiere zuvor bereits in einem naturnahen Gehege untergebracht waren, jetzt aber deutlich größere Strecken zurücklegen müssen, dies spiegelt sich beispielsweise bei der Fütterung durch die Besucher wieder. Die Stellen für die Fütterungsmöglichkeiten liegen im neuen Gehege wesentlich weiter auseinander. Wechselten die Tiere im alten Gehege von einer Fütterungsstelle direkt zur anderen, zeigen sie dieses Verhalten im neuen Gehege weniger und gehen stattdessen mehr auf Futtersuche. In einem zweiten Teil der Studie wurde das Schlafverhalten der Elefanten vor dem Umzug mit der Arbeit von Kandler (2010) verglichen. Die Tiere legten sich seltener zum Schlafen ab, als in der vorherigen Untersuchung.

Abstract:

The behaviour of three African elephants (Loxodonta africana) was analysed before and after their move to a new elephant enclosure. For this, the elephants were observed in three phases: before moving, immediately after the move, and after a year. After moving a short-term increase in stress and dominance behaviour was observed. This was no longer observed after one year. Rather, these behaviours decreased in frequency. The behavioural repertoire did not change in the new enclosure, however there was a change in frequency of individual behaviours. This can be attributed to the fact that the animals were previously housed in a very natural enclosure, but now had to cover greater distances. The change in frequency is reflected, for example, in the feeding by visitors. The locations for feeding are much further apart in their new enclosure. In the old enclosure they used to alternate between feeding places directly, but they show this behaviour in the new enclosure less and instead go foraging. In a second part of the study the sleep patterns of elephants before the move were compared to work by Kandler (2010). The animals lay down less frequently to sleep than in the previous investigation.

 

meyer-biblio

Freigegeben in M
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx