Montag, 02 November 2020 22:38

DOLLINGER, P. (Hrsg., 2008)

Was ist ein guter Zoo?

Verh.-Ber. 3. Rigi-Symposium – Goldau-Rigi, 28.02. – 01.03.2008. WAZA, Bern. 73 Seiten.

Editorial:

„Was ist ein guter Zoo?“ – diese scheinbar einfache Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Denn ein Zoo ist kein einfaches Ding: Er ist, im Sinne der Definition HEDIGERS (1973), gleichzeitig Freizeiteinrichtung, Lernort, Forschungsstätte und Naturschutzzentrum. Er hat demzufolge verschiedene Anspruchsgruppen, die unterschiedlichste Anforderungen stellen und, wie DAGMAR SCHRATTER ausführt, an eine Beurteilung unterschiedlichste Kriterien anlegen. Der Versuch, Zoos miteinander zu vergleichen und ein Ranking zu erstellen, wie er von HERMAN REICHENBACH dargestellt wird, kann immer nur aus einer Perspektive – im Falle des „grossen Stern-Tests“ jener des Besuchers – erfolgen und reflektiert viel eher Wahrnehmungen als die effektive Qualität, die ja massgeblich geprägt ist von Installationen hinter den Kulissen und Aktivitäten, die für Aussenstehende kaum wahrnehmbar sind. Der Versuch, die Qualität der Tierhaltung aus Besuchersicht zu beurteilen, wie er vom Schweizer Tierschutz kürzlich gemacht wurde, muss deshalb letztlich scheitern. Dazu bedarf es eines Akkreditierungsverfahrens mit Inspektion aller Teile der Einrichtung und Einblick in die Dokumentation, wie es etwa jenes der AZA, das von CORNELIA KETZ-RILEY vorgestellt wird.

Aber auch ohne Akkreditierung durch einen Zooverband haben Zoos die Möglichkeit, ihre Qualität zu überprüfen und eine Standortbestimmung vorzunehmen. CLAUDIO TEMPORAL und WERNER EBERT zeigen auf, wie das zu bewerkstelligen ist, und FRANK BRANDSTÄTTER, SASCHA GUT & MATTHIAS SCHLÄPFER sowie HENNING WIESNER liefern konkrete Beispiele dazu. Von besonderem Interesse ist in diesem Zusammenhang der Beitrag von CHRISTIAN STAUFFER & ANNA BAUMANN, weil er zeigt, wie ein sinnvolles Benchmarking zwischen so verschiedenen Institutionen wie dem Zoo Zürich mit seinen aufwändigen Anlagen für exotische Tiere (Stichwort Masoala-Regenwald), und dem Wildpark Langenberg, der nur heimische Arten zeigt, gemacht werden kann.

Ethischen Gesichtspunkten sowie Fragen des Tierschutzes und des Artenschutzes kommt in Diskussionen um die Güte eines Zoos eine besondere Bedeutung zu. JÖRG LUY diskutiert Fehlintuitionen, denen man in diesem Zusammenhang besondere Aufmerksamkeit schenken sollte, und JÖRG ADLER betont die Wichtigkeit des Artenschutz-Engagements anhand von Beispielen aus dem Allwetterzoo Münster.

„Am Golde hängt doch alles“ seufzt nicht nur Gretchen in GOETHES Faust, sondern auch mancher Zoodirektor. Nicht wegen des literarischen Bezuges von Faust zu Leipzig, sondern weil seine Institution in den letzten Jahren die wohl rasanteste Entwicklung in Deutschland durchmachte, ist der Leipziger Zoodirektor JÖRG JUNHOLD geradezu prädestiniert, den Zoo als Wirtschaftsunternehmen zu analysieren und die Rolle des Zoodirektors als Unternehmer zu diskutieren. Gesunde Finanzen und ein nachhaltiges Wirtschaften sind zweifellos Kernelemente für die Güte eines Zoos.

In diesem Zusammenhang ist auch auf die Studie von ROBERT BARMETTLER über die Bedeutung des Natur- und Tierparks Goldau als Wirtschaftsunternehmen hinzuweisen, die im Vorjahr an der Zoo-Marketing-Konferenz in Südafrika vorgestellt wurde.

Warum stellt sich die Frage „Was ist ein guter Zoo?“ überhaupt? Darauf fällt die Antwort nicht schwer: Weil es viele schlechte Zoos gibt. „Zoo“ ist weder ein klar definierter noch ein geschützter Begriff und daher auch keine Garantie für Qualität. Jeder, der Tiere hält, und sei es zum Verkauf, kann sich „Zoo“ nennen. Im Sinne der Definition der Richtlinie 1999/22/EG des Rates über die Haltung von Wildtieren in Zoos gibt es weltweit geschätzte 12-15'000 Einrichtungen, die als „Zoo“ gelten würden. Von diesen sind lediglich etwa 1'500 in Zoo- und Aquarienvereinigungen organisiert, d.h. erheben einen Anspruch, der über das blosse Hobby oder das Geldverdienen hinausgeht. Die grosse Mehrheit der nicht organisierten Zoos strebt also weder hoch gesteckten Ziele an, noch vermag ihre Tierhaltung höheren Ansprüchen zu genügen. Dieser Umstand beschädigt natürlich das Image der Zoos insgesamt, auch der guten, und schreit geradezu nach einer Abgrenzung.

Viele Zoos, namentlich im angelsächsischen Sprachraum, haben deshalb die Flucht angetreten: Sie nennen sich nicht mehr „Zoos“ sondern Sanctuaries, Bio Parks, Conservation Parks, oder firmieren unter etwelchen Fantasiebezeichnungen, was ein gemeinsames Marketing zugunsten der Einrichtung „Zoo“ nicht gerade erleichtert - und offenbar auch beim Publikum nicht überall gut angekommen ist. Zumindest heisst der im „Conservation Park“ umbenannte New Yorker Bronx Zoo heute wieder Bronx Zoo.

Im deutschsprachigen Raum verlief die Entwicklung etwas anders. Nur wenige Einrichtungen haben ein “grünes” Element in ihren Namen eingebaut (Görlitz, Rheine). Die große Mehrzahl hat ihren Namen – formell oder nur für Marketingzwecke – vom schwerfälligen “Zoologischen Garten” in “Zoo” abgeändert (Augsburg, Basel, Berlin, Dresden, Halle, Hannover, Hoyerswerda, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Rostock, Saarbrücken, Salzburg, Zürich), von “Waldzoo” (Osnabrück), “Kleinzoo” (Hof) oder “Babyzoo” (Wingst) zu „Zoo“ gewechselt, oder aus dem “Tiergarten” (Heidelberg, Landau, Neunkirchen, Nürnberg), “Tierpark” (Dortmund, Eberswalde, Krefeld), “Vogelpark” (Schmiding), „Freigehege für Tierforschung“ (Kronberg) oder den “Tiergrotten“ (Bremerhaven) einen “Zoo“ gemacht. Ein paar andere haben ihren traditionellen Namen behalten, aber verweisen beim Marketing unmittelbar auf den Begriff „Zoo“ (Aachener Tierpark – Euregio Zoo, Tiergarten Schönbrunn – Vienna Zoo, Haus des Meeres – Aqua-Terra Zoo, Tierpark Hellabrunn – der Zoo der Stadt München, Natur- und Tierpark Goldau – der Zoo der Zentralschweiz). Einige (Duisburg) haben sich schon immer „Zoo“ genannt und manche verwenden „Zoo“ in Wortkombinationen (Allwetterzoo Münster, Alpenzoo Innsbruck, Aquazoo Düsseldorf). Dies hat dazu geführt, dass im deutschen Sprachgebrauch der Begriff „Zoo“ hauptsächlich mit den grossen, im VDZ organisierten Zoos assoziiert wird, also mit Institutionen, die ihre Tätigkeit an der Welt-Zoo- und Aquarium-Naturschutzstrategie ausrichten und somit für eine gewisse Qualität bürgen.

Dies soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Aussage von BJÖRN ENCKE, die Organisation der Zoos sei hinsichtlich Marketing anachronistisch, durchaus auch im deutschen Sprachraum zutrifft. Dass die Zoos ein „Konzern ohne Kommunikation“ sind, ist aber nur zum Teil den Zooverbänden anzulasten. Manche von diesen könnten zwar durchaus mehr und besser kommunizieren, dass aber die Botschaften der Verbände nicht gehört werden, hat mehr mit dem Verhalten der einzelnen Zoos zu tun. Hand aufs Herz, welcher Zoo im deutschsprachigen Raum zeigt im Eingangsbereich seines Internetauftritts die Logos von WAZA, EAZA, VDZ, OZO oder zooschweiz mit Links zu den entsprechenden Webseiten? Das sind nur ganz wenige (Aachen, Görlitz, Kronberg, Leipzig, Rostock, sowie Tallinn). Dafür findet man Links zu Rundfunkanstalten, Sparkassen, Kindermoden, Elektrizitätswerken, Lebensmittel-Grossverteilern, Hotels, Wohnbaugenossenschaften und Städtischen Kehrichtbeseitigungsbetrieben….

Währenddem sicher alle Urs Eberhard beipflichten werden, wenn er vom Nutzen von Labels aus Marketing-Sicht spricht, ist die tatsächliche Verwendung von Labels in der Zoowelt eine Katastrophe. Dass jeder Zoo ein Alleinstellungsmerkmal braucht und daher auch sein eigenes Logo pflegt, ist verständlich. Diese Notwendigkeit besteht aber für Zooverbände nicht. Es erstaunt deshalb etwas, dass sich bisher erst zooschweiz und OZO zu einem „Umbrella Branding“ unter WAZA entschlossen haben. Auch dass für jede Kampagne, jede Kooperation und viele Projekte eigene Logos geschaffen werden, stärkt das Label „Zoo“ nicht gerade.

Die Frage, was ein guter Zoo sei, von verschiedenen Standpunkten her anzugehen, wie es auf der Rigi der Brauch ist, war zielführend. Nach ausgiebiger Diskussion konnten sich die Teilnehmer auf eine kurze und prägnante Antwort einigen. Dies war möglich, weil die Welt-Zoo- und Aquarium-Naturschutzstrategie einen umfangreichen Katalog von Empfehlungen enthält, die sich direkt an Zoos und Aquarien richten. Wenn die Zoos diesen Empfehlungen nachleben, werden sie das Ziel erreichen, gute Zoos zu sein.

dollinger-biblio

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Erosion der Artenkenner Ergebnisse einer Befragung und notwendige Reaktionen.

(2014) Gutachten im Auftrag des BUND Naturschutz in Bayern e.V.: 96 S., Nürnberg.
(2016) Naturschutz und Landschaftsplanung 48(4):105-113

Abstract:

A standardised survey of 70 species experts (i.e. persons with expert knowledge of species) revealed a loss of 21 % of such species experts over the last 20 years. According to the knowledge of the interviewees only 7.6 % of the current species experts are younger than 30 years. This means a serious aging of this group and a lack of junior staff. 90 % of the respondents assessed this deficit as very problematic for the future of nature conservation. The study revealed the motivation by the father as a decisive factor for the development of species knowledge, and it identified two relevant phases for the beginning of these skills, i.e. early beginners at the age of 13.5 years and late beginners, aged 22.5 years on an average. According to the interviewees the main reasons are changing leisure activities of young people, a lack of near-natural surroundings at parents' home, insufficient species knowledge of teachers and lacking offers oriented to nature conservation at the universities. The erosion of species experts should be recognized as a serious comprehensive problem for future nature conservation. The study describes some approaches to solution. All of them will require interdisciplinary collaboration and a targeted assignment of financial means for model projects.

frobel-biblio

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Freitag, 02 Februar 2018 16:37

BRADY, T. (2013)

Natchitoches NFH Makes New Partners to Help Tell the Truth about Alligator Gar.

Fleur de Lis Fisheries 3 (8): 1-3.

Aus dem Text:

For nearly one-half century, people have given Alligator Gar a bad reputation as a “trash fish”. When people ask us “Why are you raising Alligator Gar at Natchitoches National Fish Hatchery?”, we try to explain how as the largest, native, freshwater predator in North American these fish are a possible means to control the populations of invasive species such as the Silver and Bighead Carp.

Though Natchitoches NFH receives an average of 6'700 visitors a year, we want to spread the truth about Alligator Gar to a larger audience, and partnered up in August with the Caldwell Zoo in Tyler Texas, The Children’s Aquarium at Fair Park in Dallas Texas, and Bass Pro Shops to help carry our message to a greater number of people than we would encounter at the hatchery alone. 

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Freitag, 29 Juli 2016 14:25

Leoparden-Schutzprojekte

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Die Aktion "Zootier des Jahres" wird getragen von der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP), der Deutschen Tierpark-Gesellschaft (DTG), der Gemeinschaft deutscher Zooförderer und dem Verband der Zoologischen Gärten (VdZ). Im Jahr 2016 hatte die Aktion den Leoparden zum Thema. Ziel war, das Publikum für die Gefährdung des Leoparden zu sensibiliseren und durch die finanzielle Unterstützung langfristiger Leoparden-Schutzprojekte vor Ort konkret zum Überleben der Art beizutragen. Hauptsächliche Unterstützer der Leoparden-Projekte sind: Naturschutz-Tierpark Görlitz, Zoo Landau, Vogelpark Marlow, Tierpark Nordhorn, Zoo Wuppertal, Zoo Augsburg, Tiergarten Schönbrunn, Srengetipark Hodenhagen, Freunde der Hauptstadtzoos, Zoofreunde Hannover, Zoo Karlsruhe, Zoo Magdeburg, Tierpark Weißwasser. Insgesamt kamen 60'000 EURO zusammen, die in folgende Projekte investiert wurden.

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Erforschung und Schutz des Persischen Leoparden (Panthera pardus saxicolor) im Nordost-Iran

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Heutige Verbreitung des Leoparden im Kaukasus und Nordiran (nach Lukarevsky et al., 2007)
Der Persische Leopard (Panthera pardus saxicolor), für den es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) gibt, ist in weiten Teilen seines ehemaligen Areals, das sich vom Kaukasus über den Nahen und Mittleren Osten erstreckte, ausgestorben. Mehr als 60% der noch vorhandenen Wildpopulation lebt im Iran, der somit das wichtigste Rückzugsland für diese stark gefährdete Unterart ist. Aber auch hier schwinden die Lebensräume und werden die Großkatzen ebenso wie deren Beutetiere illegal gejagt.

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Probenahme an immobilisiertem Leoparden
2013 wurde ein Projekt für den Persische Leoparden ins Leben gerufen. Das Projektgebiet befindet sich im Tandoureh Nationalpark im Nordosten des Irans an der Grenze zu Turkmenistan.

Seit Projektbeginn wird am Auf- und Ausbau eines Beobachtungsprogrammes gearbeitet, das auch verschiedene lokale Naturschützer, Tierärzte sowie die Bevölkerung vor Ort mit einbezieht. Dabei geht es in erster Linie um die demografische Entwicklung der Leopardenpopulation sowie deren Gesundheitszustand. Mit Hilfe von Beobachtungsmeldungen und Kamerafallen werden die Leopardenbestände überwacht, einzelne Leoparden werden gefangen, narkotisiert und mit GPS Halsbändern ausgestattet, um sie mittels Satelliten-Telemetrie zu verfolgen und mehr über ihre Lebensweise zu erfahren. Dabei entnehmen die Tierärzte den schlafenden Katzen auch Probematerial, wie Blut, Kot oder Gewebe für tierärztliche und genetische Untersuchungen.

Um das Projekt durchzuziehen, ist es erforderlich, die lokalen Tierärzte, aber auch die Bevölkerung allgemein, insbesondere die Tierhalter, aufzuklären und zu schulen. Für die lokalen Tierärzte sind sowohl theoretische Kurse als auch praktische Übungen geplant. Dabei soll es vorwiegend um Präventionsmaßnahmen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von infektiösen Erkrankungen gehen.Darauf aufbauend sollen spezielle Beratungsprogramme für Tierhalter und Jäger in den jeweiligen Dorfgemeinschaften angeboten werden mit dem Ziel, das Wissen über die Leoparden und den Nationalpark in allen Bevölkerungsschichten deutlich zu verbessern und auch per Fernsehdokumentation in die Welt zu tragen.Denn nur durch Aufklärung und Prävention in Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort können diese stark gefährdeten Persischen Leoparden besser geschützt werden.

Literatur und Internetquellen:

Der Leopard - Zootier des Jahres 2016  
IUCN Cat Specialist Group
Status of the Leopard in the Caucasus
 

Leopardenschutz im Kaukasus

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Erforschung und Schutz des  Sri Lanka-Leoparden (Panthera pardus kotyia)

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Sri Lanka-Leopard im Yala-Nationalpark © Jürg Völlm, Basel
Der Sri Lanka-Leopard (Panthera pardus kotiya) ist namentlich dadurch gefährdet, dass seine Lebensräume aufgrund von Straßenbau, Zersiedlung oder Ausbau großer Teeplantagen schwinden und er Nachstellungen durch den Menschen zum Opfer fällt. Seit 1996 gibt es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm und 2001 wurde ein langfristiges Forschungs. und Schutzprojekt auf Sri Lanka in Angriff genommen. Es begann mit der Erfassung der Leopardenpopulation auf der gesamten Insel. Dafür wurden und werden Kotproben von Leoparden gesammelt und genetisch untersucht. So kann ermittelt werden, welche Gebiete der Insel von  Leoparden besiedelt sind und ob sich bereits Sub-Populationen gebildet haben, weil kein genetischer Austausch zwischen einzelnen Gebieten mehr stattfindet. In Kenntnis der Situation können dann geeignete Schutzmaßnahmen (z.B. Aufforstung von Waldkorridoren) für die Tiere erarbeitet werden.

Des Weiteren beschäftigt sich das Projekt mit Konflikten zwischen Menschen und Leoparden. Vor allem in Regionen, wo Teeplantagen und Dörfer an die Naturschutzgebiete grenzen, treffen Leoparden immer wieder auf Menschen und ihre Haustiere. Hier In werden Kamerafallen aufgestellt  und Leoparden mit Telemetrie-Halsbändern ausgestattet, damit verfolgt werden kann, wie sich einzelne Leoparden verhalten und wo es eventuell zu Konflikten kommt. Aufklärung der Bevölkerung bildet eine Grundlage auf der mit allen Beteiligten geeignete Lösungen bzw. vorbeugenden Maßnahmen gesucht werden können, die Menschen und Leoparden ein problemloseres Nebeneinander ermöglichen.

Der weitere Abschuss von Leoparden oder das teilweise auch ungewollte Fangen und Töten der Tiere mittels Schlingen und Fallen soll durch Aufklärung verhindert werden. Durch den Einsatz von Leoparden-Wachposten werden z. B. Dorfgemeinschaften informiert, wenn ein Leopard in der Nähe ist. Andere geeignete Schutzmaßnahmen wie z.B. das nächtliche Einsperren der Haustiere werden empfohlen.

Literatur und Internetquellen:

Der Leopard - Zootier des Jahres 2016
IUCN Cat Specialist Group
Sri Lanka Wilderness and Wildlife Conservation Trust

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Erforschung und Schutz des Java-Leoparden (Panthera pardus melas)

Auf Java wurde Pionierarbeit geleistet, da keinerlei Informationen über die Leopardenpopulation existieren. Zunächst galt es per Kamerafallen die Leopardenpopulation zu erfassen und mittels Untersuchungen von Kotproben Aussagen über deren Beutetiere zu erlangen. Bis Februar 2017 konnten 20 Kamerafallen im Gunung Sawal Wildlife Reserve angebracht und Daten erhoben werden. Die Auswertung der Fotos führte zur Identifikation von  6 Leoparden im Reservat. Ferner wurden 17 weitere Tierarten festgestellt, von denen 12 potenzielle Beutetiere für den Javaleoparden darstellen.

Auch wurde Kontakt mit der örtlichen Bevölkerung, den Parkrangern, sowie verschiedenen lokalen Organisationen aufgebaut, aus denen neue Erkenntnisse über die Angewohnheiten der Wildkatzen und den daraus resultierenden Konflikten vor Ort gewonnen werden. Anhand verstärkter Aufklärung der Bevölkerung soll eine Bedrohung für die Leoparden durch den Menschen minimiert und hilfreiche Ratschläge für das nicht immer komplikationsfreie Zusammenleben mit den gefährdeten Wildkatzen gegeben werden.

Literatur und Internetquellen:

Zootier des Jahres 2016 - Infopost April 2017

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Tierart-Datenblatt: Leopard (Panthera pardus)

Lebensräume: Subtropische Wüsten und Halbwüsten; Trockenwälder und Savannen Vorderindiens; Indomalaiischer Archipel

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Sonntag, 22 März 2015 21:21

Pandaschutz in Sikkim

Erforschung und Schutz des Kleinen Panda in Sikkim

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Kleiner Panda (Ailurus fulgens im Pangolakha-Schutzgebiet © B. K. Sharma

 

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Lebensraum des Kleinen Pandas: Tannen-Rhododendronwald in 4000 m Höhe. Kangchendzonga-Schutzgebiet, Sikkim © Axel Gebauer,

 

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Mitarbeiter des WWF und lokaler Organsiationen bei Feldstudie © Axel Gebauer

 

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Bildungsprogramm an Schulen - Plakatwettbewerb © S. Ziegler, WWF

 

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Pandabälge werden zu Mützen verarbeitet © Peter Oxford

Mit finanzieller Unterstützung des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ) e.V. und verschiedener seiner Mitgliedzoos und in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Forst-, Umwelt- und Wildtiermanagement (FEWMD) der Regierung von Sikkim hat der WWF 2006 eine Studie initiiert, die darauf abzielte, das potenzielle Verbreitungsgebiet und den Populations-Status des Roten Panda in Sikkim zu beschreiben und zu bewerten. Dazu wurde zunächst eine Klassifizierung der Landnutzung des Bundesstaates durchgeführt, um Aussagen über den potenziell zur Verfügung stehenden Lebensraum des Roten Panda treffen zu können. Des Weiteren wurden feldbiologische Studien unternommen, um Informationen über Lebensraumansprüche und Bestandsdichte der Katzenbären zu erhalten. Mittlerweile ist daraus ein Programm geworden, das immer noch weitergeführt und ausgedehnt wird.

Von Mai 2007 bis Januar 2009 wurden in vier Schutzgebieten (Barsey Rhododendron Sanctuary, Pangolakha Wildlife Sanctuary, Kyongnosla Alpine Sanctuary und Fambong Lho Wildlife Sanctuary) feldbiologische Untersuchungen durchgeführt. Diese Feldstudien und Analysen haben den Bestand an Roten Pandas in Sikkim auf 225 bis 378 erwachsene Tiere geschätzt, die sich auf etwa 51% der Landfläche Sikkims verteilen. Um Bestand und Fortpflanzung dieser wenigen Individuen zu sichern, werden fortwährend weitere Maßnahmen vor Ort auf den Weg gebracht. Der Verband der Zoologischen Gärten und seine Mitgliedzoos unterstützen dieses Projekt regelmäßig.

Leider konnte im Pangolakha Wildlife Sanctuary kein Nachweis von Kleinen Pandas erbracht werden. Vermutlich ist dies auf das massenhafte Absterben von Bambus-Futterpflanzen zurückzuführen. Die Regeneration des Bambus wird daher künftig beobachtet. Verwilderte Hunde sind neben dem Lebensraumverlust eine der Hauptbedrohungen für Rote Pandas. Daher wurden besonders empfindliche Regionen identifiziert, in denen gegen verwilderte Hunde vorgegangen werden soll, und in der Folge damit begonnen, die Hunde zu sterilisieren. In Workshops wird zusätzlich das Bewusstsein von Lokalbevölkerung und Regierungsbediensteten für die Bedrohung der Pandas durch verwilderte Hunde und andere Gefahren geschärft. Informiert wurden zum Beispiel 60 Mitarbeiter der Indischen Grenzschutzpolizei, die für Sicherheit in den Grenzregionen sorgen und gegen Schmuggel und andere illegale Aktivitäten vorgehen. An zehn Schulen wurde in Zusammenarbeit mit dem Himalaya Zoo in Ganktok ein Umweltbildungsprogramm durchgeführt.

Auch sonst ist der Einbezug der lokalen Bevölkerung wichtig. 2013 konnte  wurde nach intensiver Feld- und Lobbyarbeit ein neues Gemeindeschutzgebiet für den Kleinen Panda geschaffen, die 85 km2 große Pangchen Lakhar Community Conserved Area, wo nicht nur eine gesunde, sich fortpflanzende Panda-Population besteht, sondern auch andere  seltene Tiere wie Leoparden und Kragenbären vorkommen.

Tierart-Datenblatt: Kleiner Panda (Ailurus fulgens)

Lebensraum: Gebirge Süd- und Südostasiens

 

Literatur:

ZIEGLER, S., GEBAUER, A., MELISCH, R., SHARMA, B.K., GHOSE, P.S., CHAKRABORTY, R. et al. (2010)

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Donnerstag, 14 Juni 2018 12:51

MÜLLER, H.P. (2004)

The Re-introduction Project «Beshar el Kheir» at Ain Tijja-Mezguitem in North-east Morocco.

WAZA Magazine Nr. 5: 24-27.

Die letzte Kolonie der westlichen Population des Waldrapps (Geronticus eremita) lebt an der Atlantikküste bei Agadir. Es handelt sich um eine sesshafte Kolonie, d.h. die Vögel ziehen nicht.

Im November 1999 wurde eine Partnerschaftsvereinbarung vom Forstwirtschaftsministerium, einer lokalen Umweltschutz-organisation in Tazekka (ATED), der Arbeitsgemeinschaft Waldrapp (AgW, ein Zookonsortium aus dem deutsch-sprachigen Raum: München, Wien, Tierpark Berlin, Nürnberg und Bern, sowie dem Zoo von Rabat) der marokkanischen Industriegesellschaft Holcim (mit Holderbank) und der Ge-meinde Mezguitem unterschrieben. Die Vereinbarung hatte zum Ziel, in Ain Tijja-Mezguitem, im Nordosten Marokkos, wo der Waldrapp ausgestorben ist, eine Aufzuchtstation einzurichten, darin eine Ex situ-Waldrapp-Population zu halten und zu züchten, um später dort aufgezogene Vögel freizulassen und eine wilde Waldrapp Population aufzubauen, die imstande ist, in ihrer natürlichen Umgebung zu überleben.

Ein wissenschaftliches Gutachten über die Projektregion wurde von Prof. Dr. H. Wiesner, Tierpark Hellabrunn, und Dr. W. Grummt, Tierpark Berlin, erstellt Danach wurde die Station gebaut, die aus zwei 180 m² grossen und über 10 m hohen, durch eine Schleuse miteinander verbundenen Volieren, einer dritten, kleineren Voliere und einem Wirtschaftsgebäude besteht. Als weitere Infrastrukturen wurden ein Informations-zentrum und eine Zapfstelle für Trinkwasser mit Pumpstation und Eselparking erstellt. Im Jahr 2000 wurden die ersten im Zoo gezüchteten Vögel über den Flughafen Casablanca eingeführt und unter tierärztlicher Aufsicht in die Volieren eingesetzt. Im Jahr 2004 kam ein weiterer Import von in Zoos gezüchteten Waldrappen hinzu. Auch ein Informationszentrum wurde gebaut. Das Projekt wird von der lokalen Bevölkerung gut akzeptiert, da es Trinkwasser und Arbeitsplätze liefert. Eine Freilassung von Waldrappen wird nur dann in Betracht gezogen werden, wenn die Ex situ-Population eine bestimmte Grösse erreicht hat, alle Bedingungen erfüllt sind und die marokkanischen Behörden zusammen mit den beteiligten nationalen und internationalen wissenschaftlichen Institutionen ihr Einverständnis gegeben haben.

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Sonntag, 24 Februar 2013 11:11

Feldprojekt - Afrikanischer Elefant

Auf Artniveau wird der Afrikanische Elefant als gefährdet angesehen. Es gibt aber erhebliche regionale Unterschiede: die zentralafrikanischen Bestände gelten als stark gefährdet (ENDANGERED), die Populationen West- und Ostafrikas als gefährdet (VULNERABLE) und jene im südlichen Afrika als nicht gefährdet (LEAST CONCERN). Nebst der nicht-nachhaltigen Elfenbeinjagd tragen Mensch-Elefantkonflikte und die zunehmende Verinselung des Artareals zur Gefährdung bei.

Bau eines Elefantenkorridors von Lewa zum Mount Kenya

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Elefant kreuzt Straße © Lewa Conservancy

 

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Der "Mount Kenya Underpass" führt unter einer dicht befahrenen Straße durch © Lewa Conservancy

 

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Der "Mount Kenya Underpass" wird von den Elefanten fleißig benützt © Lewa Conservancy

 

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Situationsplan

Das Lewa Wildlife Conservancy ist ein 250 km² großes Reservat im Norden Kenias und zugleich UNESCO Weltnaturerbe. Der Zoo Zürich engagiert sich zusammen mit verschiedenen Stiftungen an Projekten zur Minderung des Mensch-Wildtier Konfliktes. Mithilfe von Schutzzäunen wird ein problemloses Nebeneinander von Landwirtschaft und Wildtierschutzgebieten sichergestellt. Von 1998-2019 hat der Zoo Zürich das Schutzgebiet mit 2'565'000 CHF unterstützt.

Ein Projekt, das vom Zoo Zürich gefördert wurde, ist der Bau eines 90'000 US$ teuren Elefanten-Korridors, der vom Mount Kenya Trust und dem Lewa Conservancy gemeinsam mit anderen lokalen Partnern realisiert wurde. Es handelt sich um eine 14 Kilometer lange eingezäunte Schneise, welche die historischen Elefantenwanderungen durch das Lewa Wildlife Conservancy zwischen den Wäldern an den Hängen des Mount Kenya Nationalparks und den im Norden gelegenen Savannen-Reservaten der Samburu-Ebene wieder ermöglicht. Dank dem Korridor wird einerseits der genetische Austausch zwischen den zusehends isolierten Herden gesichert. Andererseits hilft der Korridor mit, den Konflikt zwischen Kleinbauern und Elefanten zu entschärfen, die die Felder der Bauern plünderten. Die Elefanten haben den Korridor, der sie entlang einem Flussbett und mittels einer Unterführung unter einer Nationalstraße hindurch führt, schnell angenommen.

Da in der Unterführung eine Fotofalle installiert ist, konnte festgestellt werden, dass der Korridor im Jahr 2012 384mal, 2013 698mal und 2014 gar 1'069mal von Elefanten - Bullen oder Familiengruppen - benützt worden war. 2018 waren es 774 registrierte Fälle. Eine weitere Unterführung zur Unterquerung einer zweiten Straße wurde 2017 gebaut, ferner wurde stellenweise der Zaun verstärkt.

Literatur und Internetquellen:

  1. Lewa Wildlife Conservancy
  2. Lewa Wildlife Conservancy, Annual Report 2014. 24 Seiten
  3. Mount Kenya Elephant Corridor Final Report Prepared for Zurich Zoo 
  4. Mount Kenya Trust  
  5. Zoo Zürich

Tierart-Datenblatt: Afrikanischer Elefant (Loxodonta africana)

Lebensraum: Ostafrika, hier Dornsavanne

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Freigegeben in Afrotheria
Sonntag, 24 Februar 2013 09:09

Projekte Waldrapp

Verschiedene Projekte zur Erhaltung des Waldrapps

Der Waldrapp ist eine stark bedrohte Art. Als ehemaliges Element der Fauna des Alpen- und Voralpenraums, die vom Zürcher Naturforscher und Stadtarzt Conrad GESNER vor über vier Jahrhunderten beschrieben worden ist, hat der Waldrapp für die Zoos im deutschsprachigen Raum eine besondere Bedeutung. Er wird häufig gehalten und die Zooverbände und individuellen Zoos beteiligen sich überdurchschnittlich stark am in situ-Schutz der Art. Die Nachfolgenden Informationen wurden, abgesehen von kleineren ergänzungen, zwischen 2014 und 2016 zusammengetragen.

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Aufbau einer halbwilden Waldrapp-Kolonie in Grünau

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Zahme Waldrappen (Geronticus eremita) in Grünau © Kurt Kotrschal

Im Rahmen dieses 1997 begonnenen Projekts wurde eine halbwilde Kolonie in Grünau (Salzkammergut) aufgebaut. Vor Beginn der Zugzeit werden die Vögel in einer Voliere eingeschlossen und dann dort während des Winters gefüttert. Im Frühjahr wird die Voliere geöffnet und die Fütterung eingestellt, sodass sich die Vögel in ihrer weiteren Umgebung orientieren und ihre Nahrung selbst finden müssen. Das Projekt wird u.a. vom Alpenzoo Innsbruck und vom Tiergarten Schönbrunn unterstützt. (KOTRSCHAL, 2004)

Literatur und Internetquellen:

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Aufbau einer freifliegenden Waldrappkolonie in Burghausen

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Waldrappe auf der Voliere Burghausen. Foto waldrapp-burghausen.de

Im Hinblick auf die Landesgartenschau in Burghausen in 2004 knüpft die Ortsgruppe Burghausen im Bund Naturschutz  2002 erste Kontakte zu der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau. In diesem Jahr gründet Johannes Fritz das Waldrappteam: Ziel ist u. a. die Wiederansiedlung des Waldrapps in Europa mit Brutgebieten nördlich und Überwinterungsgebieten südlich der Alpen. Die Ortsgruppe arbeitet ab da mit ihm zusammen.

2005 beginnen nahrungsökologische Studien mit einer Waldrapp­gruppe auf dem Brunnen­feld bei Burghausen. 2007 erfogt die erste Handaufzucht von etwa 20 Waldrappen. 2011 brüten ab März erstmals drei Waldrapp-Paare aus einer Zookolonie  in der Voliere auf dem Brunnenfeld. Sie sollen die erstmalig zurückkehrenden Waldrappe aus dem Flugprojekt zur Brut motivieren. Leider kommt kein Waldrapp rechtzeitig zur Brut; umso größer ist die Freude, als völlig überraschend am 28. Juli Goja, ein noch nicht geschlechtsreifes Weibchen des Jahres 2009 in Burghausen ankommt. Später kommen weitere fünf junge Waldrappe selbständig über die Alpen nach Burghausen. Im August beim Rückflug über die Alpen nach Italien führt Goja einen der 2011 von Vogeleltern aufgezogenen Waldrappe mit in das Winterquartier!

2012: Fünf Waldrappe aus einer Zookolonie brüten ab Ende März auf dem Brunnen­feld. Goja, die inzwischen die Strecke schon zweimal allein geflogen ist, kommt wieder als erster Waldrapp am 2. April in Burghausen an, beginnt zu Brüten und zieht drei Küken groß. Später kommen weitere 8 selbständig ziehende Waldrappe aus Italien an, einigen wird mit einem kurzen PKW-Transfer über die höchsten Pässe geholfen.

Ende 2012/13: Mit der Genehmigung des 5-jährigen EU-Life Projektes wird der Waldrapp wieder in Mittel­europa angesiedelt.

Zu diesem Projekt haben verschiedene Zoos Vögel beigesteuert, so der Tierpark Hellabrunn 16 im Jahr 2010 und 8 im Jahr 2011 (ZEHRER, in litt.) oder der Tiergarten Schönbrunn.

 Internetquelle:

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Das EU-LIfe+Biodiversity-Migrationsprojekt

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im Rahmen des Projektes eingesetztes Ultraleichtflugzeug © Johannes Fritz

 

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Übungsflug bei Seekirchen am Wallersee © waldrappteam.at

 

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Zweite Etappe eines Alpenüberflugs © waldrappteam.at

 

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Waldrappe ziehen über Venedig © waldrappteam.at

 

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In der Toskana: Überflug über San Gimininano © waldrappteam.at

 

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Waldrappe vom Microlight-Fluggerät aus © waldrappteam.at

 

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Das Überwinterungsgebiet im WWF-Reservat "Laguna di Orbetello", wo auch viele Flamingos, Limikolen und Enten überwintern © F.Cianchi

 

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Waldrapp-Weibchen "Shorty" überwinterte zweimal in der Schweiz © NTP Goldau

 

VDZ, OZO, zooschweiz und Mitgliedzoos unterstützten während Jahren das "Scharnstein-Projekt" des österreichischen Waldrappteams, bei dem es darum ging, mit Hilfe handaufgezogener Waldrappe und Leichtflugzeugen eine neue Zugroute von Österreich bis in die Toskana zu etablieren (www.waldrappteam.at). Dies würde, im Erfolgsfall, die Wiederansiedlung des Waldrapps in Österreich und Bayern ermöglichen. Der Alpenzoo Innsbruck und der Tiergarten Schönbrunn stellten Jungvögel für dieses Projekt zur Verfügung (FRITZ, J., 2004, FRITZ J. et al. 2003, 2011), in dessen Rahmen acht von Leichtflugzeugen begleitete Migrationen über die Alpen durchgeführt wurden.

Seit dem Frühjahr 2013 hat sich der weltweite Bestand freilebender Waldrappe mit noch intaktem Zugverhalten auf ein einziges Individuum im Mittleren Osten reduziert. Faktisch ist der Waldrapp als Zugvogel somit ausgestorben. Das Projekt des Waldrappteams ist der erste wissenschaftlich fundierte Versuch, eine ausgerottete Zugvogelart wiederanzusiedeln. Ein erfolgreicher Projektverlauf könnte Vorbildcharakter für die Erhaltung und Ansiedlung anderer bedrohter Zugvogelarten haben.

Im August 2013 wurde daher aus dem «Scharnstein-Projekt» ein von der EU gefördertes LIFE+ Biodiversity Projekt mit acht Partnern in Österreich, Italien und Deutschland und weiteren Unterstützern, darunter zooschweiz, OZO und der Natur- und Tierpark Goldau mit dem Ziel, dass der Waldrapp bis 2019 wieder ein heimischer Zugvogel werde. Dabei sollen wieder mehr als 120 Waldrappe zwischen dem nördlichen Alpenvorland und der Toskana migrieren. Nebst der bestehenden Brutkolonie in Burghausen/Bayern wurde 2014 eine weitere Kolonie in Kuchl/Salzburg gegründet und 2017 soll eine dritte in Überlingen/Baden-Württemberg folgen. Ab 2014 sind sechs menschengeleitete Migrationen von den verschiedenen Brutgebieten in das gemeinsame Wintergebiet in der südlichen Toskana (WWF Oasi Laguna di Orbetello) geplant.

Während der zehnjährigen Vorstudie waren rund 60% der Todesfälle (ca. 50 Tiere) auf Abschüsse in Italien zurückzuführen. Aus diesem Grund beinhaltet das Projekt umfangreiche Maßnahmen um Abschüsse nachhaltig zu reduzieren.

Unterstützung wurde sowohl von großen italienischen Jagdverbänden als auch von verschiedenen Artenschutz-Organisationen zugesagt. Es ist davon auszugehen, dass es auch bei anderen bedrohten Zugvogelarten zu ähnlich hohen Verlusten durch Wilderei während der Herbstmigration kommt. Deshalb dienen wirkungsvolle Gegenmaßnahmen nicht nur der Wiederansiedlung der Waldrappe, sondern als ‚Europäischer Mehrwert‘ auch dem Schutz anderer, in zunehmender Zahl bedrohter Zugvogelarten in Europa.

Ein weiterer Schwerpunkt mit ‚Europäischem Mehrwert‘ ist ein umfassendes veterinärmedizinisches Monitoring der Waldrapp-Kolonien. Insbesondere sollen verschiedene Diagnoseverfahren verglichen und kombiniert werden. Ein weiterer Fokus betrifft die Folgen von nicht tödlichen Schrotschussverletzungen und der dadurch verursachten Bleibelastung des Vogels. Dieser Schwerpunkt wird in Zusammenarbeit mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien (insbes. AO Prof. A. Scope) und anderen Partnerinstitutionen durchgeführt.

Alle Waldrappe tragen einen leichten Sender auf dem Rücken, mit dem ihre Position in Intervallen per sms gesendet wird. Seit 2016 werden neue, vom Max-Planck Institut für Ornithologie in Radolfzell (Deutschland) entwickelte, ca. 20 Gramm leichte Solarsender an Waldrappen getestet. Diese bestimmen stündlich die Position und übertragen die Daten einmal täglich auf die Internetplattform Movebank. Dort können Forscher, aber auch alle anderen Interessierten, die Flugbewegungen der betreffenden Waldrappe mitverfolgen. Dies ist insbesondere bei der aktuell stattfindenden Herbstmigration interessant. Eine Animal Tracking App ermöglicht es ab Juni jedem, einzelnen Individuen auch per Smartphone zu folgen.

Vereinzelt haben Waldrappe den Alpenbogen westlich umflogen, um in die Toskana zu gelangen. Ein Vogel, der auf dem Zug den Anschluss an sine Artgenossen verloren hatte, ist in der Schweiz geblieben und hat den Winter 2012/13 allein am Zugersee und den Winter 2014/15 im Aargau verbracht, musste aber beim zweiten Mal wegen eine Kälteeinbruchs im Februar 2015 eingefangen und im Natur- und Tierpark Goldau wieder aufgepäppelt werden. Ein weiteres Weibchen, das auf dem Zug 2015 verschwunden war, schlug sich in der Poebene und im Kanton Tessin selbständig durch, konnte dann aber 17. September 2016 von einer Mitarbeiterin des Waldrappteams eingefangen und in die Quarantänestation des Natur- und Tierparks Goldau gebracht werden Pressemitteilungen NTP Goldau).

Die aktuelle Projektförderung für das erfolgreiche Projekt läuft Ende 2019 aus, konnte jedoch bereits für einen zweiten Zeitraum ab 2021 für weitere fünf Jahre verlängert werden. Im kommenden Jahr 2020 soll das Projekt jedoch nicht unterbrochen werden, um den erfolgreichen Verlauf der Wiederansiedlung nicht zu gefährden. Für das Jahr 2020 muss das Team Waldrapp notwendige Gelder selbst bereitstellen und hat dazu bei den europäischen Zoos sowie weiteren möglichen Unterstützern um Hilfe geben. Der Heidelberger Zoo hat neben anderen diesem Ersuchen um Hilfe Folge geleistet (PM Zoo Heidelberg vom 13.12.2019)

 Literatur und Internetquellen:

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Aufbau einer Volierenhaltung in Marokko

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Waldrapp-Voliere in Ain Tihha-Mezguitem © H. P. Müller

Im Jahr 1999 wurde eine Kooperationsvereinbarung vom Forstwirtschaftsministerium, einem Zookonsortium aus dem deutschsprachigen Raum und anderen Beteiligten unterschrieben, mit dem Ziel, in Ain Tijja-Mezguitem, im Nord-Osten Marokkos, eine Aufzuchtstation einzurichten, dort eine ex situ Waldrapp-Population zu halten und zu züchten, um später dort aufgezogene Vögel freizulassen und eine Waldrapp Population aufzubauen, die imstande ist, in ihrer natürlichen Umgebung zu überleben. (MÜLLER, H.P., 2004)

Literatur und Internetquellen:

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Bestandsstützung in Syrien

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Waldrappe aus Syrien überwintern in Äthiopien © IAGNBI (International Advisory Group for the Northern Bald Ibis

2009 unterstützten Zoos in der Schweiz und ÖsterreIch ein Projekt zum Schutz der östlichen Population. In diesem Rahmen soll mit Vögeln aus der halbwilden Population in Birecik (Türkei) die einzige bekannte wilde Brutkolonie der östlichen Population in Palmyra (Syrien) verstärkt werden. Parallel dazu laufen Abklärungen in Zusammenhang mit der Migration dieser Population in die Überwinterungsgebiete in Eritrea und Äthiopien.

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Wiederansiedlung in Andalusien

 

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Waldrappe in der Freilassungs-Versuchsphase © Proyecto eremita

 

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Frfeifliegender Waldrapp in Andalusien © Proyecto eremita

Seit 1988 wird der Waldrapp im Rahmen eines Europäischen Erhaltungszuchtprogramms gezüchtet und heute leben  rund 1000 Waldrappe in Zoos. 2003 begann der Zoologisch-Botanische Garten von Jerez in Andalusien Wiederansiedlungsmethoden zu evaluieren. 2004 wiurden die ersten Vögel unter kontrollierten Bedingungen fliegen gelassen und danach wurde eine kleine Kolonie begründet (PROYECTO EREMITA, QUEVEDO et al. 2004). Vier Jahre später brütete ein ausgewildertes Paar erstmals im Projektgebiet. Heute leben in der Region rund 80 wilde Waldrappen.

Im Opel-Zoo Kronberg konnte die Art im Jahr 2014 erstmals in der im Herbst 2008 eröffneten, begehbaren Freiflugvoliere (KAUFFELS, 2010) nachgezogen werden und auch 2015 gab es wieder Nachwuchs. Die Jungvögel wurden an den Zoologisch-Botanischen Garten Jerez angegeben, der sie auswilderte. Einer der Vögel wurde mit einem kleinen GPS-Sender versehen, damit seine Bewegungen nachvollzogen werden können (MESO Magazin Nr. 32, 1/2016).

Literatur und Internetquellen:

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Literatur und Internetquellen (allgemein):

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Freigegeben in Ibisse und Löffler
Sonntag, 24 Februar 2013 09:07

Schneeleoparden-Schutzprojekte

Trotz eines 1,9 Millionen km² großen Verbreitungsgebietes leben heutzutage nur noch 4'000 bis 6'500 Schneeleoparden  in freier Wildbahn. Die Tiere werden vor allem wegen ihres Fells gejagt, es werden jedoch auch andere Körperteile wie z.B. Knochen für medizinische Zwecke verwendet. Lebensraumverlust und die Tötung durch Bauern, deren Vieh durch die Raubtiere gerissen wird, stellen für die Schneeleoparden eine grosse Bedrohung dar.

Der 1981 gegründete Snow Leopard Trust (www.snowleopard.org) mit Sitz in Seattle hat sich die Erforschung und den Schutz dieser Großkatze auf die Fahne geschrieben und führt in China, Indien, Kirgisistan, der Mongolei und Pakistan erfolgreich Projekte zum Schutz wildlebender Schneeleoparden durch. Er ist weltweit die größte Organisation, die sich ausschließlich dem Schutz von Schneeleoparden im zentralasiatischen Hochland widmet. Ziele sind die Schaffung von Schutzgebieten in Zusammenarbeit mit Regierungen, Umweltbildung und Einbezug lokaler Gemeinden sowie die wissenschaftliche Erforschung der Tiere zur Optimierung von Schutzmaßnahmen. Diese Projekte kommen natürlich nicht nur Schneeleoparden zugute, sondern nebenbei auch den jeweiligen Ökosystemen mit all ihren schützenswerten Pflanzen- und Tierarten.

Zahlreiche Partnerorganisationen unterstützen den Snow Leopard Trust regelmäßig, Über 100 davon sind Zoologische Gärten oder zooverwandte Organisationen in Nordamerika und Europa, darunter der Zoo Basel, Zoo Dresden, Zoo Krefeld und  Zoo Magdeburg. Andere Zoos leisten Beiträge über andere Kanäle.

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Unterstützung von Bildungsmaßnahmen des Snow Leopard Trust

Zoo Magdeburg

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Kinder in Indien lernen über Schneeleoparden - Photo Snow Leppard Trust
Seit zwanzig Jahren hat die Haltung und erfolgreiche Zucht von Schneeleoparden im Magdeburger Zoo Tradition. Insgesamt erblickten in dieser Zeit 12 Jungtiere das Licht der Welt, die alle im Familienverband aufwuchsen. Der Zoo Magdeburg unterstützt zudem seit 2008 mit einer jährlichen Spende von US$ 10.000 das Natural Partnership Program des Snow Leopard Trust.

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Dr. George Schaller an einem Workshop in Indien - Photo: Snow Leopard Trust
Die finanzielle Unterstützung des Magdeburger Zoos ermöglicht die Durchführung von diversen Umweltbildungsprojekten im nordindischen Spiti Valley (Himachal Pradesh Region): Ein Kinderbuch über Schneeleoparden sowie Lehrmaterial für Lehrer wurde entworfen, gedruckt und verteilt. Zudem werden jährlich für etwa 40 Lehrer und 500 Jugendliche mitten im Lebensraum der Schneeleoparden Workshops in Zeltcamps durchgeführt.

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Installation im Zoo Magdeburg © Julia Kögler, Zoo Magdeburg
In diesen Seminaren vermitteln lokale Mitarbeiter des Snow Leopard Trust Wissenswertes über die Tiere und ihres Schutz, wodurch zusätzliche Arbeitsplätze vor Ort geschaffen werden. Um auch die Besucher des Magdeburger Zoos über das Projekt zu informieren, wurde an dem Gehege der Schneeleoparden eine speziell angefertigte Schneeleoparden-Figur installiert. Gleichzeitig machen Informationstafeln über die Bedrohung der Art aufmerksam und informieren darüber, wie sich jeder Einzelne für den Schutz der Tiere einsetzen kann.

Literatur und Internetquellen:

http://www.snowleopard.org

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Mithilfe bei der Unterstützung der Landbevölkerung durch den Snow Leopard Trust

Zoo Basel

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Knuddel-Schneeleopard © http://www.snowleopard.org
Um durch Schneeleoparden verursachte Schäden für die Landbevölkerung zu mildern, sind im Rahmen des Programms verschiedene Massnahmen getroffen worden,, wie z.B. die Schaffung einer Vieh-Versicherung für die lokalen Bauern, an der (Stand 2014) 260 Familien teilnehmen, eines Impfprogramms für 2500 Rindviehbestände oder alternative Verdienstmöglichkeiten. So vertreibt der Snow Leopard Trust Produkte, die von der lokalen Bevölkerung hergestellt wurden. An diesem „Snow Leopard Enterprises handicraft program“ beteiligen sich 350 Familien, und während des Zeitraums 2005 bis 2014 konnte für SAS-2015-05 Irbis Basel 2
Kamel-Strickwolle © http://www.snowleopard.org
diese ein Einkommen von über einer Million US-Dollars generiert werden.

Der Zoologische Garten Basel ist einer der Abnehmer des Programms und verkauft eine Auswahl der Produkte im Zolli-Shop.

Literatur und Internetquellen:

http://www.snowleopard.org

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Schneeleopardenschutz in Kirgistan

Zoo Zürich

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NABU-Ranger Gruppa Bars. Foto: NABU
In Kirgistan leben nur noch schätzungsweise 250 Schneeleoparden, die unter illegaler Bejagung leiden. Die deutsche Naturschutzorganisation NABU hat deshalb die Anti-Wilderer-Einheit Gruppa Bars geschaffen. Er bekämpft Wilderer und den illegalen Handel, und betreibt ein Rehabilitationszentrum für verletzte Wildtiere, um diese – wenn möglich – später wieder auswildern zu können. Mit seiner Umweltbildung leistet er wichtige Aufklärungsarbeit bei Viehhirten, in Schulen und des gesamten Bevölkerung.

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Dshamilja mir 2014 geborenem Jungtier © Cordula Galeffi, Zoo Zürich
Der Zoo Zürich züchtet seit Jahren im Rahmen des Europäischen Erhaltungszucht-Programmes (EEP) Schneeleoparden. Er engagierte sich massgeblich an der Etablierung dieses Erhaltungszuchtprogrammes in den europäischen Zoos. 2001 übernahm der Zoo den ersten von Gruppa Bars beschlangnahmten Schneeleoparden aus Kirgistan. Es war ein Weibchen, das als Jungtier von Wilderern in einer Falle gefangen und dabei an einem Hinterfuss verletzt worden war. 112 007 002 006 panthera uncia ZRH ZRH
Schneeleoparden (Panthera uncia) im Zoo Zürich © Zoo Zürich (Pressefoto)
Da das Bein nicht mehr gebrauchen war, bestand keine Möglichkeit, das Tier  wieder ausuwildern. Nach vorübergehender Unterbringung in einem deutschen Wildpark kam "Dshamilja" im Herbst 2001 nach Zürich und wurde in das Zuchtprogramm integriert. Bis 2014 brachte Sie fünfmal ein einzelnes Jungtier und einmal Zwillinge zur Welt. Zudem unterstützt der Zoo Zürich das Schutzprogramm des NABU finanziell und bezahlt aus seinem Naturschutzfonds  den Einsatz von Wildhütern in Kirgistan und der Mongolei.

Literatur und Internetquellen:

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/schneeleopard/

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Tierart-Datenblatt: Schneeleopard (Panthera (Uncia) uncia)

Lebensraum: Zentralasiatische Gebirge

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Sonntag, 24 Februar 2013 09:07

Bartgeier - Feldprojekte

Um 1800 war die europäische Population des Bartgeiers in Süd- und Mittelauropa weit verbreitet und in allen Hochgebirgen von der Iberischen Halbinsel bis zum Kaukasus anzutreffen. Im Jahr 1855 wurde der Bartgeier in Bayern, 1900 in der Schweiz, 1906 in Österreich und 1913 auf dem italienischen Festland ausgerottet. Bis in die 1970er Jahre gab es noch ein paar Vögel auf Sardinien. In den 1980er Jahren lebten in Frankreich (Korsika und Pyrenäen) und Griechenland (einschließlich Kreta) noch  Populationen von je etwa 15 Brutpaaren, etwa 5 weitere Brutpaare im Balkan. Abgesehen von den Vögeln im Kaukasus gab es nur noch in den spanischen Pyrenäen einen lebensfähigen Bestand von etwa 50-60 Paaren.

1978 wurde deshalb das internationale Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen gegründet. Dabei sollten junge Bartgeier aus Zoos und Tierparks für die Auswilderung genutzt werden. Währenddem für die ex situ-Komponente der Europäische Zoo- und Aquarienverband mit einem Erhaltungsprogramm (EEP) verantwortlich zeichnete, oblag die internationale Koordination der Foundation for the Conservation of Bearded Vultures (FCBV), die später ihre Aktivitäten auf andere Geierarten ausdehnte und heute Vulture Conservation Foundation (VCF) genannt wird.

Im Rahmen des EEP wurden von 1978-2014 insgesamt 435 junge Bartgeier nachgezogen, von denen 238 ausgewildert wurden.

Nachdem sich das Bartgeier-Projekt in den Alpen als Erfolg erwies, wurde 2005 ein zweites Projekt in Andalusien begonnen. 2008 wurden drei junge Bartgeier aus Österreich - je einer aus Haringsee, dem Tiergarten Schönbrunn und dem Alpenzoo Innsbruck - auf Sardinien (bei Orgosolo) ausgewildert, wo die Art vor einem halben Jahrhundert ausgestorben war. Dieses Projekt scheiterte allerdings am Widerstand der lokalen Bevölkerung. 2013 kam ein weiteres Projekt in den französischen Causses dazu. In Kreta konnte sich der Bestand ohne Auswilderung halten und liegt heute wieder bei 9-10 Brutpaaren.

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Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen

Natur und Tierpark Goldau (und weitere Zoos)

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Verbreitung und Aussetzungsorte der wiederangesiedelten Alpenpopulation

 

 

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Junger Bartgeier (Bearded vulture, Gypaetus barbatus), unterwegs zur Auswilderung © Felix Weber, Goldau

 

 

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Junge Bartgeier (Bearded vulture, Gypaetus barbatus) im Aussetzungshorst, Nationalpark Hohe Tauern © Felix Weber, Goldau

 

 

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Bartgeiertransport (Gypaetus barbatus), Schweizerischer Nationalpark © Peter Dollinger, VDZ

 

 

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Bartgeiertransport (Gypaetus barbatus), Hohe Tauern © Tierpark Berlin

 

 

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Im Tierpark Berlin gezüchteter junger Bartgeier für die Wiederansiedlung in den Hohen Tauern © Tierpark Berlin

Wichtigste Partner des länderübergreifenden Projekts in den Alpen sind die Stiftung Pro Bartgeier (Schweiz), die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die Länderorganisationen des WWF, die IUCN, die Foundation for the Conservation of the Bearded Vulture (FCBV), die Veterinärmedizinische Universität Wien, die in Haringsee das Richard-Faust Bartgeier Zuchtzentrum betreibt, verschiedene Nationalparkverwaltungen, rund 35 EEP-Zoos, darunter Goldau, Innsbruck, Bern, Berlin-Tierpark, Berlin-Zoo, Dortmund, Dresden, Hannover, Nürnberg, Stuttgart, Wien, Wuppertal, ferner nationale Behörden und die EU-Kommission (LIFE-Projekt).

Eine groß angelegte Öffentlichkeitsarbeit war nötig, um die Bevölkerung über das Projekt zu informieren. Nachdem die europäischen Zoos ein umfassendes Erhaltungszuchtprogramm (EEP) aufgebaut hatten, konnten 1986 die ersten Bartgeier in Rauris (Österreich) in die Natur entlassen werden. Weitere Freilassungen fanden in Hochsavoyen, den Alpes maritimes, Graubünden und Oberitalien statt, bis Frühjahr 2015 wurden in den Alpen insgesamt 204 Bartgeier ausgewildert sowie 8 weitere im französischen Znetralmassiv mit dem Ziel, die Alpen- und die Pyrenäenpopulation miteinander zu verbunden. Die Bartgeier fanden sich erstaunlich gut zurecht im Alpenraum. Paare bildeten sich und 1997 flog der erste in der Natur geschlüpfte Jungvogel aus seinem Horst in Hochsavoyen aus. Es folgten erfolgreiche Bruten auch in Italien, im Mercantour-Nationalpark, ab 2007 in der Schweiz und ab 2010 in Österreich. Bis zum Sommer 2020 wurden 229 Nachzuchtvögel ausgewildert und aus Wildbruten wuchsen 308 Jungvögel auf. Der Gesamtbestand an wildlebenden Vögeln umfasste rund 300 Individuen.

Der Natur- und Tierpark Goldau wurde im März 2005 mit dem Umweltpreis des WWF Schwyz ausgezeichnet, weil er bis dahin über 2 Millionen EURO in den Bartgeierschutz investiert hatte, u..a. für ein Informationszentrum und eine Zuchtvoliere. Von 2000 bis 2016 hat der Natur- und Tierpark Goldau insgesamt 16 junge Bartgeier für die Wiederansiedlung in den Alpen Schweiz (8), Österreich (3), Italien (2) und Frankreich (1) sowie das ex-situ-Zuchtprogramm (2) zur Verfügung gestellt.

Der Tierpark Berlin z.B. beteiligt sich seit 1988 aktiv an dem Projekt. Von 1987-2009 schlüpften dort 31 Bartgeierküken, von denen 22 aufwuchsen. von diesen gingen 20 an das Auswilderungsprojekt. In den Alpen wurden neun dieser Vögel freigelassen ([1]. Vom Zoo Hannover kamen von 1998-2008 sechs Jungvögel [2]. Für die Wiederansiedlung in den Alpen wurden weitere Jungvögel zur Verfügung gestellt von u.a. Alpenzoo Innsbruck, Zoo Dortmund und Zoo Wuppertal. Im Jahr 2011 leistete der VdZ einen Beitrag von 10'000 € an das Projekt.

Am 13. Juni 2010 wurden erstmals drei Bartgeier in den Schweizer Nordalpen, im St. Gallischen Calfeisental, ausgewildert, am 11. Juni 2011 folgten drei weitere Jungvögel. Einer der 2010 freigelassenen Vögel unternahm im Juni 2011 eine Exkursion nach Nordfrankreich, Belgien und den Niederlanden, von wo er unversehrt wieder zurückkehrte. Bis 2014 wurden insgesamt 12 Vögel ausgewildert, womit dieses Teilprojekt abgeschlossen wurde. Ab 2015 wurden Jungvögel im eidgenössischen Wildschutzgebiet Hutstock im Kanton Obwalden ausgewildert [5].

Stand 2019 gab es im Alpenraum 51 Brutpaare, davon lebten 21 in der Schweiz [5].

 

 

 

Literatur und Internetquellen

  1. KAISER, M. (2009)
  2. PAGEL, T. (2012)
  3. ROBIN, K., MÜLLER, J.P. & PACHLATKO, T. (2003)
  4. ROBIN, K., MÜLLER, J.P., PACHLATKO, T. & BUCHLI, C. (2004)
  5. STIFTUNG PRO BARTGEIER
  6. VULTURE CONSERVATION FOUNDATION

PD - 24.02.2013; aktualisiert

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Bartgeier in Andalusien

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Bartgeiertransport in Andalusien © Tierpark Berlin

Das im Jahr 2009 im Tierpark Berlin geschlüpfte Weibchen BG 596 wurde zur Freilassung im Nationalpark Sierra de Cazorla in Andalusien ausgewählt. Zuvor waren bereits 3 Jungvögel im Jahr 2006, 2 in 2007 und 4 in 2008 im Rahmen dieses neuen Langzeitprojekts ausgewildert worden [2].

2013 wurden zwei im Tierpark Berlin und im Tiergarten Nürnberg gezogene männliche Jungvögel in Andalusien ausgewildert [1].

Bis im Sommer 2013 waren 31 Bartgeier in Andalusien ausgewildert worden. 2014 gab es die erste Nachzucht im Freiland. Bis 2019 haten sich drei Brutpaare etabliert [3].

 

Literatur und Internetquellen

  1. FREY, H. & LLOPIS, A. (2014)Bartgeier-EEP, Jahresbericht 2014. VCF, Zürich.
  2. KAISER, M. (2009)
  3. http://www.4vultures.org

PD - 05.06.2014

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Tierart-Datenblatt: Bartgeier

Lebensraum: Gebirge in Europa, Gebirge in Asien

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Freigegeben in Habichtartige
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx