Donnerstag, 14 Juni 2018 06:28

KAPPELER, M. (1975)

Frei im Zolli lebende Tasmanische Wasserhühner.

Zolli - Bulletin des Vereins der Freinde des Zoologischen Gartens Basel Nr. 34 (Mai 1975): 12-14

Text (gekürzt):

Seit 1954 hält der Basler Zoo Tasmanische Wasserhühner (Tribonyx mortierii). Die Vögel haben sich in Basel prächtig vermehrt, so dass von den über 350 hier geschlüpften Jungtieren rund 150 Exemplare an Zoos der ganzen Welt abgegeben werden konnten, wo sich teilweise wieder gesunde Kolonien gebildet haben.

Die Haltung dieser Rallenart stellt keine grossen Probleme. Sie ist sogar ohne Gitter und eigentliche Betreuung möglich, wie ja auch die Haltung der Pfauen. Dies beruht einerseits darauf, dass die Tiere winterhart sind und dass das als Parklandschaft gestaltete Zoogelände ihrem natürlichen Biotop sehr gut entspricht. Kurze, junge Sprösslinge von Gräsern bilden die Hauptnahrung Tasmanischer Wasserhühner, weshalb sie in ihrer Heimat in Gegenden leben, wo es grosse Grasflächen gibt, die von deckungsbietender Vegetation umsäumt sind und in der Nähe von Wasser liegen. Situationen also, die sich hier vielfach wieder finden. Anderseits wird der für einen Zoologischen Garten günstige Umstand verständlich, wenn man sich etwas mit der Biologie der Vögel befasst, insbesondere mit einigen Aspekten ihres Sozialverhaltens:

Jedes erwachsene Tasmanische Wasserhuhn schliesst sich mit einem Artgenossen zu einem Brutpaar zusammen, das normalerweise ein Leben lang zusammenbleibt (in Basel erreichte ein Tier das Alter von neun Jahren). Mit diesen Brutpaaren leben die Nachkommen, die weniger als ein Jahr alt sind; man spricht also besser von «Brutgruppen», da diese kleinsten sozialen Einheiten meist aus mehr als zwei Tieren bestehen. Alle Mitglieder dieser Gruppe (auch die Jungtiere aus den bis zu drei Bruten pro Jahr) haben dieselben Pflichten und erfüllen diese gemeinsam und gleich.

Die Bildung neuer Gruppen erfolgt im Frühling, kurz vor der neuen Brutsaison. In dieser Jahreszeit lösen sich die Jungtiere des Vorjahres von den Eltern und begeben sich auf die Suche nach eigenen Partnern.

Jede Gruppe verteidigt ganzjährig energisch ein bestimmtes Wohngebiet mit klar definierten Grenzlinien, und die Vögel besitzen ein gut entwickeltes Verhalten, um ihr Territorium gegen Artgenossen - bei denen es sich entweder um benachbarte Gruppen oder um im Vorfrühling umherziehende Einjährige handelt - zu verteidigen. Die Häufigkeit solcher territorialer Konflikte steigt im Januar an und erreicht im März ihren Höhepunkt. Dafür sind erstens die in dieser Zeit herumziehenden Einjährigen verantwortlich, die zum Teil bereits versuchen, ein eigenes Territorium zu gründen, und zweitens die verstärkte, gegenseitige Intoleranz benachbarter Gruppen im Hinblick auf die beginnende Brutsaison. Die Konfliktfrequenz nimmt mit dem Auftreten pflegebedürftiger Jungtiere sofort ab. Interessanterweise werden immer nur Zweikämpfe ausgefochten, und es sind immer nur Gleichgeschlechliche, die gegeneinander kämpfen.

Im Basler Zoo leben gegenwärtig drei freilaufende Brutgruppen, eine im Gebiet des Vivariumweihers und Flamingogeheges, eine beim Weiher vor dem Zoorestaurant und eine um das Antilopenhaus herum. Drei weitere Gruppen werden in Freilandgehegen gehalten (auf der Festwiese und bei den beiden Entenweihern). Jeder der im Durchschnitt 7100 Quadratmeter grossen Lebensräume der freien Tiere besitzt ein Zentrum, wo sich die Vögel die meiste Zeit auflhalten. Es ist dies ein teilweise von Gebüsch umgebenes, nach einer Seite exponiertes Rasenstück in der Nähe von Wasser. Dieser relativ freiliegende Ort garantiert optimale Feindvermeidung aufgrund der Möglichkeit frühzeitiger Feinderkennung sowie einer Flucht in mehreren Richtungen und des Deckungssuchens im Gebüsch. Dieses Zentrum bildet den Ausgangspunkt eines Systems funktioneller Plätze (Ruhe-, Nist-, Fress-, Badestellen usw.), die teilweise untereinander durch Wechsel verbunden sind und zur Ausübung der diversen Tätigkeiten aufgesucht werden.

Die von den Tieren selbstgezogenen Grenzlinien, die ihr Lebensgebiet scharf umranden, werden in der Regel nie überschritten, obwohl dies die relativ gleichmässige Strukturierung des Zoogeländes und dessen umvollständige Aufteilung an Artgenossen durchaus erlauben würden. Es handelt sich somit um Lebensräume, deren Grösse die Brutpaare selbst bestimmen und die sie nie verlassen. Auch die Jungvögel bleiben den Gebieten ihrer Eltern treu, bis sie sich (im Alter von etwa einem Jahr) von diesen lösen, um sich an geeigneten Orten in der Nachbarschaft mit entsprechenden Partnern niederzulassen.

Obwohl ihm also der Mensch keine räumlichen Grenzen setzt, ist das Tasmanische Wasserhuhn sehr ortstreu. Es bewohnt in einer Brutgruppe ein durchschnittlich 7100 Quadratmeter grosses Gebiet mit selbstgewählten, gegen Artgenossen verteidigten Grenzen, welches grundsätzlich gesehen drei ökologische Güter beinhaltet, die für das Tasmanische Wasserhuhn von Bedeutung sind: Nahrung, Sicherheit (Deckung und Fluchtmöglichkeiten), Nistplatz.

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 08:45

MARTYS, M. (1996)

Haltungserfolge und seltene Nachzuchten.

Monticola 7: 275-277.

Einleitung:

Dank seiner thematischen Ausrichtung hat der Alpenzoo innsbruck seit jeher in der Vogelhaltung eigene Wege beschritten. Unter den zahlreichen Erfolgen in der Haltung und Zucht alpiner Vogelarten lassen sich nicht nur eine Reihe von weltweit erstmals in menschlicher Obhut geglückten Bruten verzeichnen, es hat auch zu einer Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen über verschiedene Aspekte der Verhaltensentwicklung bei Vögeln geführt. Die bemerkenswertesten Nachzuchtergebnisse aus den vergangenen 35 Jahren seit Gründung des Alpenzoos sollen nachfolgend kurz erörtert werden.

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Donnerstag, 14 Juni 2018 08:42

BÖHM, C. & GRASS, J. (1999)

Verhalten  und Volierennutzung  der Wasseramsel Cinclus  cinclus im Alpenzoo Innsbruck während zwei unterschiedlichen Lebensperioden.

Monticola 8: 149-154.

Zusammenfassung:

Im Innsbrucker Alpenzoo wurden 1998 zwei gekäfigte Wasseramseln in zwei unterschiedlichen Lebensperioden (Mauser und Herbst) beobachtet, um Unterschiede in Verhaltensmuster und in der räumlichen Nutzung der Volieren festzustellen. Die gesamte Beobachtungszeit betrug 40 Stunden. Das Verhaltensmuster beider Wasseramseln zeigte zwischen Mauser und Herbstperiode erhebliche Unterschiede, die sich auch in der Nutzung der Volierenbereiche widerspiegelte. Während in der Mauserzeit ruhige Plätze in den oberen und rückwärtigen Volierenteilen bevorzugt wurden, hielten sich die Vögel im Herbst vor allem in Bodennähe an den Wasserbecken in engem räumlichem Kontakt zu einander auf.

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Donnerstag, 14 Juni 2018 09:43

DETTWILER, R. (2005)

Wie veränderte sich die Haltung der Elefanten im Zoologischen Garten Basel von 1980 bis heute und was könnte man im Hinblick auf eine artgerechte Tierhaltung verbessern?

Maturarbeit

40 Seiten

Gymnasium
Supervisor: P. Beerli
Zoo Basel

Zusammenfassung:

Siehe hier

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 07:07

EBERLE, J. (2011)

Artgerechte Tierhaltung der Schimpansen aus Sicht der Besucher im Zoo Heidelberg.

ca. 50 Seiten plus Anhang

Betreuer:
Zoo Heidelberg

Zusammenfassung: siehe hier

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 07:03

BENESCH, A. R. (2007)

Chronoethologische Validierung des Wohlbefinden und der Haltung von Koalas Phascolarctos cinereus, Goldfuss 1817 in Zoologischen Gärten.

Dissertation
Fachbereich Biowissenschaften Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt am Main
in Zusammenarbeit mit Zoo Duisburg, Tiergarten Schönbrunn und australischen Zoologischen Gärten

271 Seiten, 138 Abbildungen / Tabellen.

Volltext

Zusammenfassung

Einleitung

Das Leben aller Organismen ist rhythmisch organisiert. Die grundlegenden Rhythmen werden endogen durch ein Multioszillatorensystem aus inneren Uhren erzeugt. Viele davon sind circadian, dauern also ungefähr 24 Stunden. Da es in einem Organismus eine Vielzahl von circadianen Rhythmen (z.B. Schlaf-Wach-Rhythmus, Körpertemperatur, Hormonspiegel) gibt, müssen diese miteinander undmit der Umwelt synchronisiert werden. Dies geschieht durch sogenannte Zeitgeber, rhythmisch auftretende, externe Signale. Der wichtigste externe Rhythmus ist der Tag-Nacht-Wechsel und so ist es nicht verwunderlich, daß Sonnenlicht als einer der stärksten Zeitgeber wirkt.

In einer künstlichen Umgebung erreichen Zeitgeber häufig nicht die notwendige Stärke, um den Organismus zu synchronisieren. Die Folge ist eine Abkopplung der endogenen Rhythmen von ihrer Umwelt und von einander. Eine interne Desynchronisation (z.B. ein Jetlag) ist die Folge. Zudem können andere Signale direkt auf den Organismus einwirken und die endogenen Rhythmen überlagen. Man spricht hier von einer Maskierung. Solche Veränderungen können zu Unwohlsein führen und sollten vermieden werden.

Andererseits ist es möglich, daß der physiologische Zustand des Tieres, z.B. Östrus, Krankheit oder Stress, Einfluss auf den circadianen Rhythmus hat. In diesem Fall kann die Beobachtung des entsprechenden Parameters (z.B. Aktivitätsrhythmus) Aufschluss über den Zustand des Tieres geben.

Koalas sind beliebte Zootiere, doch ihre Haltung ist problematisch. Neben ihrer Spezialisierung auf Eukalyptusblätter als einzige Nahrung gelten sie als anfällig für "Stress" und Krankheiten. Aus diesem Grund hat insbesondere in europäischen Zoos die Überwachung ihres Wohlbefindens eine hohe Priorität. Stressoren werden nach Möglichkeit ausgeschlossen. Stresssignale bei Koalas sind jedoch eher vage, und traditionelle Kontrollmethoden wie regelmäßiges Wiegen können selbst als Störung auf den Koala wirken und so das Wohlbefinden vermindern. Zudem werden Tagesabläufe in der Haltung dem Zeitplan des Tierpflegers, nicht dem endogenen Rhythmus des Koalas angepaßt.

Eine chronoethologische Untersuchung der Aktivitätsmuster von Koalas in Zoohaltung könnte Informationen über die grundlegenden circadianen Rhythmen geben. In dieser Studie wurden die einwirkenden externen Faktoren darauf untersucht, inwieweit sie als Zeitgeber oder Maskierung wirken. Es wurde zudem versucht, den Tagesablauf stärker an die Bedürfnisser der Koalas anzupassen.

Methode

In drei Zoologischen Gärten in Australien und Europa wurden die circadianen Rhythmen für allgemeine Aktivität, Futteraufnahme und lokomotorischeAktivität untersucht. Dazu wurden insgesamt 17 Koalas unter vier Haltungsbedingungenmit 24-Stunden-Zeitraffer-Video aufgezeichnet:

Taronga Zoo, Sydney liegt innerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes der Koalas. Die Tiere werden in Außengehegen gehalten und sind dem natürlichen Klima und den natürlichen Schwankungen der Tageslängen ausgesetzt. Futter wird täglich in der Umgebung von Sydney gesammelt.

Koala Walkabout: Vier Koalas (ein Männchen, drei Weibchen) wurden 2004 über einen Zeitraum von einem Jahr beobachtet. Im Sommer 2003/04 wechselte die Gruppenzusammensetzung aufgrund von Zuchtbemühungen. Daher wurden drei weitere Weibchen für jeweils einige Wochen beobachtet. Die Tagesroutine beinhaltet die morgendliche Gehegereinigung um 07:00 und die Fütterung um 15:30. Kontakt mit dem Pfleger ist selten. Im Verlauf dieser Studie wurden die Tiere in einem Abstand von einem bis vier Monaten gefangen, gewogen und bei den Weibchen der Beutel auf Jungtiere kontrolliert.

Koala Encounter: Vier adulteWeibchen und ein einjähriges Jungtier wurden für sechs Wochen im Sommer 2005 (Dezember-Januar) beobachtet. Die Tiere wurden in zwei Gruppen gehalten. An den meisten Tagen betreten Besucher für zwei Stunden das Gehege, um sich neben den Koalas photographieren zu lassen. Kontakt mit den Tieren ist verboten und ein Pfleger überwacht den Zustand der Tiere optisch. Stresssymptome werden nur selten beobachtet. Die Koalas werden dreimal täglich gefüttert (07:00, 11:00 und 13:00), dabei kommt es zu gelegentlichem Kontakt mit den Pflegern. Normalerweise werden die Koalas alle zweiWochen gewogen, dies fand jedoch nicht während der Beobachtungszeit statt.

In den beiden europäischen Zoos werden die Koalas in klimatisierten Innengehegen gehalten. Zusätzlich zu einem Glasdach werden die Gehege künstlich beleuchtet. Im Winter wird der Tag dadurch um mehrere Stunden verlängert. Die Koalas sind durch eine an der Decke offene Glaswand nach Geschlechtern getrennt, können sich aber sehen, hören und riechen. Kontakt findet nur kontrolliert zu Paarungsversuchen statt. Futter wird zweimal wöchentlich von Plantagen in Südengland bzw. Florida eingeflogen.

Zoo Duisburg: Ein Männchen und drei adulteWeibchen wurden für je sechsWochen im Sommer 2003 (Juni-Juli) und im Winter 2003 (November-Dezember) beobachtet. Die Tiere haben unregelmäßigen Kontakt zum Pfleger. Im Laufe des Vormittags werden die Gehege gereinigt und zu unterschiedlichen Zeiten Futter ausgegeben. Zweimal die Woche werden die Tiere gewogen.

Tiergarten Schönbrunn, Wien: Ein Männchen und ein Weibchen wurden für je sechs Wochen im Sommer 2004 (Juni-Juli) und im Winter 2004/05 (Dezember-Januar) beobachtet. Die Gehege werden am frühen Morgen gereinigt, wobei es fast täglich zu Kontakt zwischen Pfleger und Koala kommt. Täglich um10:15 wurden die Tiere gewogen und gefüttert. Aufgrund der Ergebnisse dieser Studie wurde im Juni 2005 dasWiegen auf 16:00 verschoben und die Tiere wurden für weitere sechsWochen beobachtet. Die Videoaufzeichnungen wurden in bezug auf das Verhaltensmuster und die Reaktion auf verschiedene Pflegetätigkeiten analysiert. Zusätzlich zu den Aktivitätsmustern wurden Zeitbudget und Tag:Nacht-Ratio des Verhaltens berechnet.

Ergebnisse

Die Koalas im Koala Walkabout, Sydney, zeigten ein einheitliches Aktivitätsmuster, welches deutlich durch das natürliche Licht entrained wurde. Während der Nacht war die Aktivität höher, und es konnte eine ausgeprägte Ruheperiode am Morgen beobachtet werden. Zu dieser Zeit stellten Degabriele and Dawson (1979) bei Koalas eine physiologisch niedrigere Körpertemperatur fest als zu anderen Tageszeiten. Aktivitätsmaxima standen in Bezug zur Dämmerung und veränderten sich im Laufe des Jahres in Relation zur Tageslänge. Zusätzlich zeigte sich ein deutlicher Einfluß der nachmittäglichen Fütterung, die durch ein hohes Aktivitätsmaximum begleitet wurde. Mit kürzer werdenden Tagen kam es zu einer Überlappung des Stimulus Fütterung mit dem Stimulus Abenddämmerung. Bei drei Koalas verschwand die Aktivitätsphase in der Abenddämmerung zugunsten der Fütterung, doch ein Weibchen fraß nur noch in der Abenddämmerung. Die Aktivitätsmuster in den Zoos Duisburg und Wien variierten deutlich zwischen den Individuen. In einigen Fällen fehlte ein erkennbarer Rhythmus, insbesondere der in Sydney deutliche Unterschied zwischen Tag undNacht. Obwohl die Aktivitätsmaxima in Relation zum Licht standen, war das Entrainment durch das durch das Dach einfallende Sonnenlicht eher schwach. Im Winter reagierten die Koalas primär auf die künstliche Beleuchtung, einige Individuen jedoch zeigten zusätzliche Aktivitätsmaxima in Relation zum Sonnenlicht. Die Aktivitätsmuster dieser Koalas waren weniger stark strukturiert und unterschieden sich drastisch von den Mustern, die in der Literatur bei freilebenden Koalas beschrieben wurden. Aktivität stand häufig in Relation zu der Anwesenheit des Pflegers und dem Einbringen neuen Futters. Die Dauer und der Abstand einzelner Aktivitäts- und Fressperioden waren im Zoo Wien waren deutlich kürzer als in den beiden anderen Zoos. Insbesondere das Weibchen fiel durch die hohe Frequenz im Wechsel zwischen Ruhe und Aktivität auf.

Das Zeitbudget der Koalas im Koala Walkabout, Zoo Duisburg und Zoo Wien lag innerhalb des für freilebende Koalas bekannten Bereichs. Die Koalas ruhten zwischen 74,1 und 81,7%der Zeit,wobei es keine eindeutigenUnterschiede zwischen denGeschlechtern und nur wenige Unterschiede zwischen den Zoos gab. Fressen war mit 10,7 bis 17,3% die häufigste Aktivität; die Koalas in Duisburg fraßen am längsten. Die Dauer des Fressens war im Winter sowie bei säugende Weibchen länger. Lokomotorische Aktivität zeigte deutliche Unterschiede zwischen den Zoos. Sie war amhöchsten inWien und amniedrigsten in Duisburg. Die Koalas kamen nur gelegentlich auf den Boden. Im Koala Walkabout war dies nötig, um zwischen einigen der Bäume zu wechseln. Daher wurden diese Koalas, insbesondere das Männchen, in bis zu 7% der Beobachtungsintervalle auf dem Boden beobachtet. In den beiden europäischen Zoos war es nicht notwendig, den Boden zu betreten. In Duisburg geschah dies auch selten. In Wien jedoch kamen die Koalas häufig auf den Boden, besonders das Weibchen, um das Gehege zu erkunden oder zu trinken.

Die Koalas waren nicht streng nachtaktiv, aber bei den meisten beobachteten Koalas fand ein größerer Teil der Aktivität während der Nacht statt. Dies war besonders ausgeprägt in dem Sydney Weibchen Yindi, die tagsüber kaum Aktivität zeigte. Das Duisburger Männchen und dasWienerWeibchen waren imWinter jedoch während des Tages etwas aktiver als während der Nacht.

Die Pfleger im Koala Walkabout, Sydney, hatten selten direkten Umgang mit den Koalas. In den wenigen Fällen, in denen die Tiere gefangen wurden, wehrten sie sich, sonst reagierten sie kaum auf den Pfleger. Nach demWiegen bzw. der Kontrolle des Beutels beruhigten sie sich jedoch schnell wieder. In den beiden europäischen Zoos hatten die Koalas regelmäßig Kontakt zu den Pflegern. In Duisburg zeigte sich kaumein Einfluss auf das Verhalten und die Koalas setzten nach dem Wiegen zumeist ihre vorherige Tätigkeit (Ruhen oder Fressen) fort. In Wien reagierten beide Tiere sehr stark auf den Pfleger. Die Morgenreinigung löste lokomotorische Aktivität im Weibchen aus. Das tägliche Wiegen um 10:15 fiel in die Ruhephase der Koalas. Während das Weibchen danach meist fraß, blieb das Männchen an den meisten Tagen inaktiv und begann seine eigentliche Futteraufnahme erst am Nachmittag.

Im Koala Walkabout fand die Fütterung am Nachmittag statt. Davor wurde erhöhte lokomotorische Aktivität beobachtet, und nach dem Füttern fraßen die Tiere für längere Zeit, mitunter für über eine Stunde. In den beiden europäischen Zoos wurde am Morgen gefüttert. Die dieser Fütterung folgenden Aktivitätsmaxima waren niedriger als die am Koala Walkabout und oft fraßen einzelne Tiere erst am Nachmittag. Vor der Fütterung wurde selten Aktivität beobachtet.

Die Aktivitätsmuster im Koala Encounter, Sydney, stimmten während der Nacht fast vollständig mit denen derWeibchen imKoalaWalkabout überein. Tagsüber gab es jedoch dramatische Unterschiede. Während die Koalas imWalkabout am Morgen ruhen, zeigten sich im Encounter drei Aktivitätsmaxima, die mit Fütterungen in Verbindung standen. Die Koalas im Encounter waren insgesamt aktiver als die im Walkabout. Die lokomotorische Aktivität war ebenfalls erhöht und die Tiere waren häufiger auf dem Boden. Im Koala Encounter wurden Phasen mit parallel erhöhter lokomotorischer Aktivität in zwei Tieren beobachtet. Dies geschah zum einen nachdemzweiWeibchen, Maggie und Carla, in ein gemeinsames Gehege transferiert wurden, und zum anderen bei Cooee und ihrer Tochter Coco, die zur Beobachtungszeit entwöhnt wurde.

Im Koala Walkabout und in Duisburg standen den Tieren lebende Nichteukalyptus-Bäume als Ruheplatz zur Verfügung. Diese wurden von einigen Koalas intensiv genutzt, insbesondere tagsüber. Zwei der Weibchen in Duisburg wurden allerdings sehr selten in den Bäumen beobachtet.

Diskussion

Die Beobachtungen aus demKoalaWalkabout zeigen, dass die Aktivität der Koalas durch zwei Faktoren beeinflusst wird. Sonnenlicht wirkt als Zeitgeber mit unterschiedlicher Stärke im Jahreslauf. Einen starken, direkten Einfluss, inklusive antizipatorische Aktivität, hat die nachmittägliche Fütterung. Es kann jedoch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, ob es sich hierbei um einen Zeitgeber oder eine Maskierung handelt.

Die künstliche Beleuchtung in den beiden europäischen Zoos reicht nicht aus, um die Tiere zu entrainen, was in einem unstrukturierten Aktivitätsmuster resultiert. Dies wird besonders im Winter deutlich, wenn der natürliche Tag künstlich verlängert wird. Hier überwiegt der Einfluss der künstlichen Beleuchtung, doch die Aktivitätsmuster verlieren ihre Struktur und zwei der Koalas wurden sogar leicht tagaktiv. Da Koalas nachtaktiv sind, scheint eine Verlängerung des Wintertages unnötig und Tageslängen sollten sich in Zukunft stärker an dem natürlichen Licht orientieren.

Der direkte Kontakt zwischen Pfleger und Koalas, insbesondere das Wiegen, fand während der physiologischen Ruhezeit der Koalas statt. Die Unterbrechung von Ruhezeiten wird als möglicher Stressor angesehen (Wood 1978) und sollte vermieden werden. Pflegerkontakt am Nachmittag wäre demnach akzeptabler für den Koala und resultierte tatsächlich in einer längeren Aktivitäsphase im ZooWien. Es ist zudem fraglich, ob tägliches Wiegen als Gesundheitskontrolle notwendig ist, oder ob die regelmäßigen Störungen der Ruhe- und Freßphasen sich nicht eher negativ auswirken. Häufiger Kontakt mit Besuchern, selbst ohne das sogenannte "Koala-Knuddeln", hat einen deutlichen Einfluß auf das Aktivitätsmuster und das Zeitbudget der Koalas, auch wenn keine direkten Stresssignale gezeigt werden. Daher sollte diese Art von Kontakt minimiert werden. Es ist zudem empfehlenswert, eine systematische Untersuchung von Koalasmit direktemBesucherkontakt unter chronoethologischemAspekt durchzuführen, um die geltende Rechtslage zum "Koala-Knuddeln" zu überprüfen.

Lebende Baumkronen sind der natürliche Aufenthaltsort für Koalas. Da Koalas in der Wahl ihrer Nahrung sehr wählerisch sind und keiner der Zoos bisher Vergiftungsfälle durch die Nichteukalyptus-Blätter berichtet hat, sollte die Bereitstellung eines lebenden Baumes mit ausreichendem Blattwerk in die Haltungsrichtlinien aufgenommen werden. Es konnte gezeigtwerden, dass ein Anstieg der lokomotorischenAktivität ein Zeichen für Unwohlsein, Stress oder Östrus sein kann. Hierfür gibt es auch Hinweise in der Literatur (Wood 1978; Zoological Society of San Diego 2001). Weitere Untersuchungen in Kombination mit Hormonmessungen wären sinnvoll, um diesen Parameter zur nichtinvasiven Zustandsmessung zu nutzen.

In dieser Studie konnte der Nutzen der Chronoethologie als Methode zur Überprüfung von Haltungsbedingungen und Gruppendynamik gezeigt werden. Im Unterschied zu traditionelleren ethologischen Methoden ermöglichte sie mir, den Einfluss verschiedener externen Faktoren zu bestimmen und geeignetere Zeiten für den Umgang mit dem Pfleger oder die Fütterung zu finden. Es ist empfehlenswert, daß solche Zoos, die bereits 24-Stunden-Videobeobachtung bei ihren Tieren durchführen, dies unter Berücksichtigung des chronoethologischen Aspektes täten.

 

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Freitag, 29 Mai 2015 09:53

STAUFFACHER, M. (1993)

Angst bei Tieren - ein zoologisches und ein forensisches Problem.

Dtsch. tierärztl. Wschr. 100: 322-327.

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(522)

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Donnerstag, 14 Juni 2018 16:36

Benthal

Das Benthal ist die Bodenzone eines Gewässers. Das Benthos (altgriechisch τό βένθος = die Tiefe) die Gesamtheit aller in dieser Bodenzone vorkommenden Lebewesen. Benthisch = am Gewässerboden lebend.

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Donnerstag, 14 Juni 2018 07:59

VERMEER, J. (2006)

EEP Husbandry Guidelines for Squirrel Monkeys (genus Saimiri).

57 Seiten. La Vallée des Singes, Romagne.

Einleitung:

Squirrel monkeys (genus Saimiri) are attractive primates that are popular in zoos. However, recent surveys showed that breeding of the genus in European zoos is often poor and that a close cooperation between zoos will be necessary to prevent the extinction of the genus in the near future. For this reason, breeding programs have been established for both species that are being kept in European zoos.

In order to help zoos to improve the husbandry of squirrel monkeys, husbandry guidelines have been compiled. The guidelines are based on information from the literature, results of earlier surveys and personal experiences. These guidelines should be seen as a living document that will need regular updates whenever there are new developments in the husbandry.

One problem with the consulted publications is that it has not always been clear which species was used for the study, and we do know that there are interspecific differences in behaviour and hormonal responses. However, as there is little evidence that the husbandry require ments for the two species of squirrel monkeys kept in European zoos are very different, the guidelines can be used for both of them.

In order to further improve our knowledge on the husbandry of squirrel monkeys, zoos should continue to exchange information on their experiences. I sincerely hope that these guidelines will have a positive effect on the well-being and reproductive outcome of squirrel monkeys in captivity

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 09:49

SUPERINA. M., MIRANDA, F. & PLESE, T. (2008)

Maintenance of Xenarthra in captivity.

In: Vizcaíno, S.F. & LOUGHRY, W. J. (eds.) The Biology of the Xenarthra: 232-243.
University Press of Florida. ISBN 978-0-8130-3165-1.

Einleitung (Auszug):

Although captive conditions for Xenarthra have improved considerably, many questions regarding appropriate husbandry still remain unanswered and breeding success in captivity is low for many species. It is important to realize that behavior as well as dietary and environmental needs vary considerably across species within a taxon. Husbandry protocols that have been elaborated for one species are therefore of only use when designing enclosures or developing diets for other, even closely related species. A description of the specific needs of each species would go beyond the scope of this book. This chapter therefore provides just a brief overview of appropriate husbandry conditions.

Given that important interspecific differences can occur, we have tried to avoid making sweeping generalizations about captive management. Nonetheless, given the limitations of space, some generalizations were unavoidable.limited.

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx