Montag, 18 Januar 2021 11:53

Stehende Gewässer und Feuchtgebiete

 

(11.1) Fließgewässer (auf separater Seite)
(11.2) Stehende Gewässer

(11.3) Feuchtgebiete

(11.4) Salzpfannen
(11.5) Mangroven, Ästuare

Southern africa wetlands2
Karte der Gebiete die mit Textbeiträgen oder Fotos vorgestellt werden: (1) Bloemhof-Dam-NR / Sandveld-NR, (2) Barberspan-NR, (3) Nylsvlei-NR, (4) Marievale-VR. (a) Malawisee, (b) Otjikotosee, (c) Etoscha-NP; (d) Hoanib, (e) Hardap-WP, (f) Gonarezhou-NP, (g) Doorndraai-Dam-NR, (h) Borakalalo-NP, (i) Rondebult-VR, (j) Rietvlei-NR, (k) Ndumo-NR, (l) Sterkfontein Dam, (m) Weenen-NR, (n) Umlalazi-NR, (o) iSimangaliso-NP

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Stehende Gewässer

SAF-11-02-01 Malawisee OtterPoint Hans Hillewaert
Malawisee, Otterpoint. Malawi. Foto Hans Hillewaert

 

SAF 11 02 05 borakalalo
Seidenreiher (Egretta alba) im Klipvoor-Stausee des Borakalalo-Nationalparks. Nordwest-Provinz, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF 11 02 02 01 Nyamithi Pan
Waffenkiebitze (Vanellus armatus) in der 4 km langen Nyamithi Pan im Ndumo-Naturschutzgebiet © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Limikolen im Rondebult-Vogelschutzgebiet. Gauteng, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF-11-02-05 otjikoto
Der Otjikoto-See im namibischen Karstveld, in der Nähe von Tsumeb © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Graufischer (Ceryle rudis) an Kleinsee im Marievale-Vogelschutzgebiet. Gauteng, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF-11-02-06 pelomeduse weenen
Starrbrust-Pelomeduse (Pelomedusa subrufa) in Weiher im Weenen-Naturschutzgebiet. Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Allgemeines

Es gibt im südlichen Afrika zwar jede Menge Stauseen, wie z.B. den bis 70 km km² großen und über 90 m tiefen Speicherstausee Sterkfontein Dam, der bei Bedarf über die Wilge den Vaal Dam speist. Natürliche große Seen sind jedoch selten. Weitaus der bedeutendste und faunistisch interessanteste ist der Malawi- oder Niassasee, der drittgrößte See Afrikas. Mit einer Fläche von 29.600 km² ist er beinahe so groß wie Belgien. Seine mittlere Tiefe beträgt knapp 300, seine maximale Tiefe 704 m. Er fasst über 8 Billiarden Liter Wasser - 175 mal so viel wie der Bodensee. Wenig südlich davon und ebenfalls am Lauf des Shire liegt der 450 km² große und bis 250 m tiefe Malombesee.

Häufiger sind Flachseen, z.B. der etwa 2'400 km² große und nur 1-2 m tiefe Chilwasee in Malawi, der 4'500 bis 10'000 km² große und bis rund 4 m tiefe Bangweulusee in Sambia, der 45 km² große und etwa 5 m tiefe Amarambasee in Mosambik oder der bis 100 km² große, periodisch austrocknende Liambesisee im Caprivizipfel Namibias. In niederschlagsärmeren Gebieten können Flachseen den Charakter europäischer Steppenseen haben, indem ihr Wasser schwach alkalisch ist, so etwa bei der etwas über 20 km² großen und bis 11 m tiefen Barbers Pan in der südafrikanischen Nordwest-Provinz. Die früher nur periodisch Wasser enthaltende Kamferspfanne im Nordkap wurde durch Wassereinleitung zu einem permanenten Flachsee von 400 ha, der bis zu 50'000 Zwergflamingos anzieht.

Ferner gibt es zahllose Kleinseen, von denen die meisten flach sind und viele periodisch austrocknen. Durch Bergbau, Industrialisierung und Intensivierung der Landwirtschaft sind mache davon als Lebensraum gefährdet. Vereinzelt kommen aber auch Dolinen vor, Karstseen, die durch den Einbruch unterirdischer Höhlen entstanden sind, so der nur etwas über ein Hektar große aber über 70 m tiefe Otjikotosee in Namibia oder der Kashibasee in Sambia mit einer Fläche von 3.5 ha und einer Tiefe von über 100 m. Die stärkste bekannte natürliche Quelle der Südhalbkugel, das "Auge von Kuruman" ("Die Oog"), bildet einen großen Quelltopf.

Tierwelt

Im Malawisee leben rund 450 Fischarten, die meisten sind Buntbarsche, viele davon endemisch. In stehenden Gewässern jeder Größe wurden im südlichen Afrika im Interesse der Sportfischerei oder der Mückenbekämpfung alle möglichen und unmöglichen Fischarten eingesetzt, so hat der Verfasser in einem Tümpel mitten im Damaraland Guppies (Poecilia reticulata) gefunden. Solche Exoten können den heimischen Arten das Leben schwer machen. Trotzdem hat z.B. im Auge von Kuruman der endemische Messingmaulbrüter (Pseudocrenilabrus philander), von dem es übrigens auch eine Unterart (P. philander dispersus) im Otjikotosee gibt, den Einsatz von Goldfischen, Karpfen, Barben und standortfremden Buntbarschen überlebt. Im Otjikotosee wurde die hochbedrohte, im Guinas-See endemische Tilapia guinasana eingesetzt.

Kap-Fingerotter kommen in praktisch allen Gewässertypen vor. Bevorzugt werden Gewässer mit dichter Ufervegetation. Auch kleinere Stauhaltungen auf Farmen werden häufig genutzt.

Die Starrbrust-Pelomeduse (Pelomedusa subrufa), die auch in kleinen Gewässern vorkommt,  ist die häufigste und am weitesten verbreitete aquatische Schildkrötenart im südlichen Afrika.

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Nationalparks und andere Schutzgebiete

Bloemhof-Dam- und Sandveld-Naturschutzgebiete, Nordwestprovinz und Freistaat

SAF 11 01 02 05 bloemhofdam
Der Bloemhof Dam des Vaal an der Grenze von Freistaat und Nordwest-Provinz, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF-11-01-02-04 bloemhofdam
Graukopfmöwen (Larus = Chroicocephalus cirrocephalus) und Kormorane am Bloemhof Dam des Vaal. Nordwest-Provinz, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF 11 01 02 06 bloemhofdam sandveld
Rappenantilope (Hippotragus niger) im Sandveld-Naturschutzgebiet, im Hintergrund der Bloemhof Dam, (Oranje-) Freistaat, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Der Bloemhof Dam ist eine Stauhaltung des Vaal. Er liegt an der Grenze von Nordwest-Provinz und (Oranje-) Freistaat. Er hat eine Fläche von 223 km² und eine Tiefe bis etwa 30 m, im Mittel von 5.7 m. Wegen der geringen Tiefe und der flachen Landschaft hat der 1970 fertiggestellte Staudamm eine Länge von 4'270 m. Es herrscht ein Steppenklima. die mittlere Monatstemperatur beträgt 14ºC im Januar und 28ºC im Juni, die Minima und Maxima liegen bei 0 bzw. 32ºC. Der Jahresniederschlag beträgt etwa 500 mm. Der Stausee wird umgeben vom Bloemhof-Dam-Naturschutzgebiet (Nordwest-Provinz) und dem Sandveld-Naturschutzgebiet (Freistaat), die von Grasland und Kalahari-Dornveld bedeckt sind und zusammen eine Fläche von gegen 500 km² aufweisen.

Der Stausee weist die größte Karpfenpopulation Südafrikas auf. Häufige einheimische Fische sind Oranje-Schlammfisch (Labeo capensis), Moggel (Labeo umbratus), Kleinmaul-Gelbfisch (Labeobarbus aeneus) und Afrikanischer Raubwels (Clarias  gariepinus).

Der Bloemhof Dam des Vaal ist ein bedeutendes Vogelschutzgebiet (IBA ZA029) in dem ständig etwa 5'000, in Spitzenzeiten über 10'000 Wasservögel leben. Auf dem 85 km langen Stausee und in den angrenzenden Naturschutzgebieten kommen mindestens 295 Vogelarten vor, darunter Nimmersatt, Afrikanischer Löffler, Zwerg- und Rosaflamingo, Fahlregenpfeifer (Charadrius pallidus), Schwarzflügel-Brachschwalbe (Glareola nordmanni) und Raubseeschwalbe (Hydroprogne caspia).

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Barbers-Pan-Naturschutzgebiet, Nordwest-Provinz

SAF 11 02 02 Barbers Pan
Barber's Pan, ein flacher Steppensee und bedeutendes Vogelschutzgebiet in der NW-Provinz Südafrikas © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF 11 02 02 02 Barbers Pan
Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta) in der Barber's Pan in der NW-Provinz Südafrikas © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Die Barberspan ist ein flacher, leicht alkalischer, maximal 11 m tiefer See mit einer Ausdehnung von ca. 20 km², der auf einer Höhe von 1'350 m liegt. Mit einem schmalen bis höchstens 400 m breiten Uferbereich bildet sie das Barbers Pan-Naturschutzgebiet. Zusammen mit der benachbarten Leeupan, kleineren Seen und umgebendem Grasland ist sie als ornithologisch bedeutendes Gebiet mit einer Gesamtfläche von 40 km² eingestuft (IBA ZA019) und damit das größte Vogelschutzgebiet Südafrikas.

Im Reservat wurden bisher über 320 Vogelarten nachgewiesen. Es beherbergt eine Brutpopulation von 12'000 Paaren Kammblässhühnern (Fulica cristata). Während der Trockenzeit von April bis Oktober versammeln sich hier bis über 20'000 Wasservögel, um zu mausern. Während des Sommers wird es von zahlreichen Rötelfalken (Falco naumanni) aufgesucht.

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Weitere Schutzgebiet mit Seen, Stau-, Flach- und Kleinseen
(Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit)

SAF 11 02 05 doorndraaidam
Der 5.6 km² große Doordraai-Dam inmitten des 70 km² umfassenden Doorndraai-Dam-Naturschutzgebiets. Limpopo-Provinz, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF 11 02 05 hardapdam
Marabus (Leptoptilos crumeniferus) am 28.7 km² großen Hardap-Stausee des Fischflusses im 252 km² messenden Hardap-Wildpark. Mariental, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Malawi: Chilwa-See (Ramsar-Gebiet 869)

Namibia: Hardap-Wildpark, Daan Viljoen-Wildpark

Gauteng: Rondebult-Vogelschutzgebiet
Kwazulu-Natal: Albert Falls-Naturschutzgebiet, iSimangaliso-Wetland-Park (Lake St. Lucia, Lake Sibaya, Kosi Bay-Seen; IBAs ZA039, ZA040, ZA044),   (Oranje-Freitaat), Sterkfontein Dam-Naturschutzgebiet (IBA ZA035), Umgenivlei-Naturschutzgebiet (IBA ZA056)
Limpopo-Provinz: Doorndraai-Dam-Naturschutzgebiet, Mokolo-Dam-Naturschutzgebiet
Nord-Kap: Doornkloof-Naturschutzgebiet und Rolfontein-Naturschutzgebiet (am Vanderkloof Dam), Kamfers-Dam privates Naturschutzgebiet (IBA ZA024)
Ost-Kap: Commando-Drift-Naturschutzgebiet, Oviston-Naturschutzgebiet (am Gariep Dam),
Nordwest-Provinz: Borakalalo-Nationalpark, Vaalkop-Dam-Naturschutzgebiet
(Oranje-)Freistaat: Caledon-Naturschutzgebiet, Erfenis-Dam-Naturschutzgebiet, Gariep-Dam-Naturschutzgebiet, Kalkfontein-Dam-Naturschutzgebiet, Koppies-Dam-Naturschutzgebiet, Rustfontein-Dam-Naturschutzgebiet, Willem-Pretorius-Naturschutzgebiet

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Feuchtgebiete

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Nylsvlei, Limpopo-Provinz, Südafrika. Hier wurden 426 Vogelarten nachgewiesen, davon 102 Wasservögel, von diesen 58 als Brutvögel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF-11-03-02 tembwahata pan waterbuck
Tembwahata-Pfanne im Gonare-Zhou-Nationalpark, Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF-11-03-03 Hoanib Schwemmebene
Spießböcke (Oryx gazella) in der Schwemmebene des Hoanib mitten in der Namib-Wüste © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF-11-03-04 greater st lucia riedbock
Großriedböcke (Redunca arundinum) im Mfabeni-Wildschutzgebiet (Teil des iSimangaliso-Nationalparks). Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF-11-03-05 greater st lucia himantopus
Stelzenläufer (Himantopus himatopus im iSimangaliso-Nationalpark. Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Allgemeines

Der Wechsel von ausgesprochenen Trocken- und Regenzeiten und die saisonal hohen Niederschläge in den Quellgebieten im Gebirge haben eine sehr unterschiedliche Wasserführung der Flüsse zur Folge. Viele davon treten während der Regenzeit über ihre Ufer und überschwemmen große Flächen. In diesen Schwemmebenen können in der Folge Feuchtwiesen, Sümpfe oder Schilfgebiete entstehen, die mit - vielfach temporären - Wasserflächen durchsetzt sind. In niederschlagsreichen Gebieten können Feuchtgebiete auch dadurch entstehen, dass sich Regenwasser in Senken sammelt, wo es dann mit der Zeit verdunstet oder allmählich abfließt. Solche Feuchtgebiete werden "Dambo" genannt.

Die maximale Ausdehnung der Feuchtgebiete ist erheblich. So können z.B. in Sambia die "Dambos" bis zu 12.5 % der Landesfläche einnehmen. Bedeutende Feuchtgebiete im Einzugsgebiet des Sambesi sind der Nyamboma-Sumpf in Angola (bis 1’000 km²), die saisonale Schwemmebene im Barotseland Sambias (bis 7’700 km²), der Linyanti-Sumpf des Chobe in Namibia (bis 3’800 km²), die Bangweulu-Sümpfe Sambias, deren größter wenigstens 7'000 km² abdeckt, und die am Kafue, die vor der Flussregulierung bis 5'000 km² umfassten, sowie die Shire-Sümpfe in Malawi und Mosambik (bis 1'300 km²).

Die bekanntesten Feuchtgebiete im Einzugsgebiet des Limpopo sind der bei Naboomspruit (heute Mookgophong) gelegene, 160 km² große Nylsvlei und die knapp 80 km² umfassende Makuleke-Schwemmebene am Zusammenfluss von Limpopop und Luvhuvu, beide in der Limpopo-Provinz Südafrikas. Das Okavango-Delta Botswanas ist eine sehr dynamische Landschaft. Etwa 4'000 km² sind trockene Inseln, etwa 10'000 km² sind zumindest zeitweilig überschwemmt oder sind permanente Sümpfe. Im Namib bildet der Hoanib eine weitläufige Schwemmebene, in der sich der Gui-Uiri-Sumpf befindet.

Tierwelt

Die Vegetation der Feuchtgebiete ist eine wichtige Nahrungsressource für herbivore Säugetiere. Besonders an diesen Lebensraum angepasst sind Sitatunga, Wasserbock, Litschi-Wasserbock, Puku (Kobus vardonii) und Großriedbock (Redunca arundinum). Von den über 400 Vogelarten, die in größeren Feuchtgebieten zu finden sind, ist etwa ein Viertel von offenen Wasserflächen abhängig. Der augenfälligste Vertreter der Herpetofauna ist der Nilwaran. Die Starrbrust-Pelomeduse (Pelomedusa subrufa) begegnet vorübergehenden Trockenperioden dadurch, dass sie sich im Boden eingräbt und in einen Torpor verfällt.

 

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Geschützte Feuchtgebiete

Nylsvlei-Naturschutzgebiet, Limpopo-Provinz

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Ornithologen - ein ehemaliger Kurator des Pretoria Zoos und seine Frau - erkunden das überschwemmte Nylsvlei-Reservat. Limpopo, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Pferdeantilopen (Hippotragus equinus) im Nylsvlei-Naturschutzgebiet, Limpopo, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF 11 03 01 nylsvlei vegetation
Sumpfvegetation im Nylsvlei-Naturschutzgebiet, Limpopo, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Bestehend seit 1974, Ramsar-Gebiet seit 1998.
Fläche 39.75 km².
Höhe: 1'080-1'155 m.ü.M.
Niederschlag: ca. 620 mm / Jahr. Geringste Niederschläge Juni-August mit 2-6 mm/Monat, höchste von November-Februar mit 84-108 mm/Monat.
Temperatur: Monatsmittel min. 3.6°C (Juni-Juli, gelegentlich unter Null), max.  23.3°C (Januar).

Das Gelände, das Grasland, Akaziensavanne und Trockenwald umfasst, wurde ursprünglich von der Naturschutzverwaltung des Transvaals als Zuchtstation für Pferdeantilopen und Tsessebes erworben. Später wurden auch Steppenzebras, Kapgiraffen und Streifengnus angesiedelt. Zur Säugetierfauna gehören auch Warzenschwein, Großer Kudu, Kronenducker, Wasserbock, Großriedbock (Redunca arundinum), Impala,und Steinböckchen, ferner Grüne Meerkatze, Schabrackenschakal, Kap-Fingerotter, Weissschwanz- Zebra- und Fuchsmanguste, Braune Hyäne, Erdwolf, Falbkatze, Karakal und Leopard.

Nylsvlei gehört, gemessen an seiner relativ geringen Größe mit 426 Arten zu den ornithologisch interessantesten Gebieten Südafrikas (IBA ZA007). Die Fischfauna ist artenarm, zur Regenzeit kommen aber Fische in großer Zahl, um zu laichen. Es sind 19 Amphibienarten bekannt, darunter der Afrikanische Ochsenfrosch, 39 Reptilienarten, als auffälligste der Nilwaran, ferner 55 Libellen- und 194 Schmetterlingsarten.

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Marievale-Vogelschutzgebiet, Gauteng

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Geschützt, aber durch Goldbergbau bedroht: Kleinseen im Marievale-Vogelschutzgebiet. Gauteng, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Afrikanischer Löffler (Platalea alba), Riedscharbe (Phalacrocorax africanus) und Graureiher (Ardea cinerea) im Marievale-Vogelschutzgebiet. Gauteng, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Marievale ist ein etwa 1'400 ha großes, ehemaliges Bergbaugebiet, das auf einer Höhe von ca. 1'570 m in der Stadt Nigel inmitten von noch aktiven Goldminen liegt. Der stets Wasser führende Blesbokspruit durchfließt das Reservat. Durch die Aufschüttung von Aushubmaterial sind Sümpfe und große, flache, zu einem guten Teil mit Schilf bedeckte Wasserflächen entstanden, die viele Wasservögel und dank einem ausgedehnten Wegnetz und vier Beobachtungsständen auch viele Besucher anziehen.

Die Vogelwelt ist sehr vielfältig. Es wurden über 330 Arten nachgewiesen, darunter natürlich viele Sumpf- und Wasservögel, z. B. Zwerg- und Haubentaucher, Schlangenhalsvogel, Riedscharbe (Microcarbo africanus), Grau-, Kuh- und Seidenreiher, Heiliger Ibis, Brauner Sichler, Hagedasch, Afrikanischer Löffler, Nimmersatt, Rosaflamingo, diverse Enten und Limikolen. Im Schutzgebiet wurden Blessböcke angesiedelt. Auch Kap-Fingerotter, drei Mangustenarten, Großriedböcke (Redunca arundinum) und Kaphasen (Lepus capensis) kommen vor.

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Weitere geschützte Feuchtgebiete
(Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit)

SAF 11 01 02 07 rondebult PD1
Riedfläche im Rondebult-Vogelschutzgebiet, Gauteng, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF 11 02 07 rietvlei
Rietvlei-Naturlschutzgebiet. Gauteng, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF 11 02 07 rietvlei euplectes progne
Hahnschweifwida (Euplectes progne) im Wechsel vom Schlicht- zum Prachtgefieder im Rietvlei-Naturlschutzgebiet. Gauteng, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Die oben unter "Stehende Gewässer" genannnten Seen-Schutzgebiete umfassen zumeist auch ausgedehnte Sümpfe, Riedflächen etc.; weitere geschützte Feuchtgebiete sind:

Botswana: Chobe-Nationalpark mit Linyanti-Sumpf (ZA BW001), Moremi-Wildschutzgebiet und Okavango-Ramsarschutzgebiet (IBA BW003)

Malawi: Vwaza Marsch-Wildschutzgebiet

Namibia: Mudumu-Nationalpark mit Linyanti- und Kwando-Sümpfen (IBA NA 002; Ost-Caprivi), Nkasa-Rupara-Nationalpark (IBA NA 002; Ost-Caprivi)

Sambia: Bangweolo-Wildschutzgebiet, Kafue-Nationalpark, Lochinvar-Nationalpark, Süd-Luangwa-Nationalpark, West Lunga-Nationalpark

Simbabwe: Kazuma-Pan-Nationalpark, Lake Kyle Recreational Park, Robert McIlwaine Recreational Park (IBA ZW013)

Südafrika - Kwazulu-Natal: Ndumo-Wildschutzgebiet (IBA ZA038), Mkuzi-Sümpfe im iSimangaliso-Nationalpark (IBA  ZA 043), Franklinvlei-Naturschutzgebiet (IBA ZA069)
Nord-Kap: Ganspan-Vogelschutzgebiet
Gauteng: Rietvlei-Naturschutzgebiet (IBA ZA090; Gauteng); Umvotivlei-Naturschutzgebiet (IBA ZA052; Kwazulu-Natal)
Mpumalanga: Verloren-Vallei-Naturschutzgebiet

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Salzpfannen

SAF-11-04-01 strauss etosha
Straußenhahn (Struthio camelus) in der Etoschapfanne, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF-11-04-02 etoscha giraffe
Angolagiraffen (Giraffa c. angolensis) in der Fischerpfanne. Etoscha-Nationalpark, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF-11-04-03 etoscha vögel
Kuhreiher (Bubulcus ibis), Hottentottenente (Anas hottentota) und Limikolen in der Fischerpfanne. Etoscha-Nationalpark, Namibia © Peter Dollinger

 

SAF 11 04 03 fischerpfanne flamingo pelikan
Rosaflamingos (Phoenicopterus roseus) und Rosapelikane (Pelecanus onocrotalus) in der Fischerpfanne. Etoscha-Nationalpark, Namibia © Peter Dollinger

 

SAF 11 04 03 etoscha oryx
Spießbock (Oryx gazella in der leeren Etoschapfannerpfanne. Etoscha-Nationalpark, Namibia © Peter Dollinger

Allgemeines

In der südwestafrikanischen Trockenzone gibt es große Salzpfannen, als Überreste riesiger Seen, die in früheren, feuchteren Perioden weite Teile der Kalahari-Senke ausfüllten: Die 4’760 km² große Etoscha-Pfanne ist das Relikt des noch viel größeren Ekuma-Sees, der vermutlich auch vom Kunene gespiesen wurde, das System der Makgadikgadi-Pfannen in Botswana mit einer Gesamtfläche von über 16’000 km² ist das, was vom etwa 60'000 km² großen Makgadikgadi-See übrig geblieben ist. Heute sind die Pfannen in der Regel trockene, weite Ebenen bestehend aus Salzkrusten, salzhaltigem Lehm oder kalkhaltigem Untergrund.

Vegetation und Charakterpflanzen

Die mit - in Makgadikgadi bis zu 5 m mächtigen - Salzkrusten bedeckten Flächen sind natürlich vegetationslos. Auf dem stark salzhaltigem Untergrund der Etoschapfanne wachsen blaugrüne Algen und können wenige salzliebende Gräser, wie Sporobolus spicatus gedeihen. Am Pfannenrand wächst eine Kurzstrauchsavanne mit halophytischen Gräsern, Salzkräutern (Salsola), Salzmelden (Suaeda) und Büschen wie der Blütenblattstrauch Petalidium engleranum. Diese Pflanzen bilden die Nahrungsgrundlage für Damarazebras, SpringböckeStreifengnus und Südafrikanische Spießböcke.

Tierwelt

Wenn die Pfannen in größeren Zeitabständen voll laufen, entwickelt sich Zooplankton bestehend u. a. aus Ruderfußkrebschen (Lovenula falcifera, Metadiaptomus transvaalensis), Wasserflöhen (Moina micrura), Rädertierchen (Brachionus plicatilis) und gelegentlich Salinenkrebschen (Artemia), das Unmengen von Rosa- und Zwergflamingos anzieht. Barben, Raubwelse (Clarias) und Buntbarsche (Oreochromis) wandern ein und bilden die Nahrungsgrundlage für Rosa- und Rötelpelikane, Riedscharben (Microcarbo africanus), Haubentaucher, Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis), Reiher, Heilige Ibisse, Nimmersatte und Mohrenklaffschnäbel (Anastomus lamelligerus). Ein Dutzend Entenarten tauchen auf und zahllose Limikolen, wie Graukopfmöwe (Ch. cirrocephalus), Sichel- und Zwergstrandläufer (Calidris ferruginea, C. minuta), Kampfläufer, Grünschenkel (Tringa nebularia) und Säbelschnäbler sind zu beobachten.

 

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Nationalparks und andere Schutzgebiete mit Salzpfannen
(Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit)

SAF 11 04 03 etoscha kameldorn
Einsame Kameldornakazie (Acacia erioloba) am Rand der Etoschapfanne, Etoscha-Nationalpark, Namibia © Peter Dollinger

Botswana: Makgadikgadi-Pans-Nationalpark (4'877 km²), Nxai-Pan-Nationalpark (2'578 km²)

Namibia: Etoscha-Nationalpark (22'935 km²)

Südafrika - Gauteng: Tswaing-Naturschutzgebiet (19.5 km², ehemals Pretoria-Krater)

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Mangroven, Ästuare

SAF 11 05 01 umlalazi mangrove
Mangroven bei Umlalazi. Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF-11-05-02 umlalazi pneumatophoren krok
Mangrovenbäume und -pneumatophoren, davor Nilkrokodil (Crocodylus niloticus) in der St. Lucia-Lagune. iSimangaliso-Nationalpark, Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF-11-05-03 umlalazi krabben
Mangrovenkrabben in Mangrovensumpf. Umlalazi-Naturschutzgebiet Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF 11 05 04 greater st lucia schreiseeadler PD1
Schreiseeadler (Haliaeetus vocifer) im Mangovenwald, St. Lucia, (iSimangaliso Wetland Park), Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Allgemeines

Mangroven finden sich im Bereich der Mündungsgebiete und Lagunensysteme der in den Indischen Ozean fließenden Flüsse von 33º südlicher Breite an Richtung Norden. Der südlichste Mangrovenbestand ist der des Nahoon-Ästuars in Ost-London (Ostkap). Hauptsächlich kommen Mangroven in Südafrika in Kwazulu-Natal vor, namentlich dem 350 km² großen St.Lucia-See, einer rund 60 Kilometer lange, flache Lagune mit unterschiedlich hohem Salzgehalt. An der Atlantikküste gibt es südlich von Benguela in Mittel-Angola (12°35'S) keine Mangroven mehr.

Vegetation und Charakterpflanzen

Relativ euryöke  und daher weit verbreitete Arten sind die Schwarze Mangrove (Avicennia marina), die Großblättrige Mangrove (Bruguiera gymnorrhiza) und die Rote Mangrove (Rhizophora mucronata). Eine andere Schwarze Mangrove (Lumnitzera racemosa) und die Gelbe Mangrove (Ceriops tagal) haben spezifischere Anforderungen an ihren Lebensraum und kommen daher in Kwazulu-Natal nur an der Kosi Bay vor. Viele Mangroven-Bestände sind bedroht. In Kwazulu-Natal sind zwischen 1982 und 2006 als Folge von Holzeinschlag und Änderungen im Wasserhaushalt der Ästuare 13 Standorte verschwunden.

Tierwelt

Den Sumpfboden der Mangrovenwälder bewohnen Nilkrokodile Schlammspringer, Krabben, wie Mangroven- (Scylla) und Winkerkrabben und verschiedene Schneckenarten. Der auffälligste Vogel ist der Schreiseeadler, der am offenen Wasser stehende Mangroven als Warten benutzt, um nach Beute Ausschau zu halten.

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Nationalparks und andere Schutzgebiete mit Mangroven
(Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit)

SAF 11 05 05 umlalazi periophthalmus PD1
Afrikanischer Schlammspringer (Periophthalmus kalolo) und Pneumatophoren von Mangroven im Umlalazi-Naturschutzgebiet, Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Mosambik: Banhine-Nationalpark, Maputo Special Reserve

Südafrika - Kwazulu-Natal: iSimangaliso-Wetland-Park (Lake St. Lucia, Lake Sibaya, Kosi Bay-Seen; IBAs ZA039, ZA040, ZA044), Umlalazi-Naturschutzgebiet (IBA ZA047), Beachwood Mangrove Nature Reserve (Durban)

Südafrika - Ostkap: Dwesa-Cwebe-Naturschutzgebiet

 

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Literatur und Internetquellen:

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Freigegeben in Südliches Afrika
Montag, 18 Januar 2021 11:53

Fliessgewässer

 

(11.1) Fließgewässer
(11.1.1) Sambesi mit (5) Cuando, (6) Kafue, (7) Luangwa
            und (8) Shire
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(11.1.2) Oranje mit (9) Vaal und (10) Caledon
(11.1.3) Limpopo
(11.1.4) Okavango
(11.1.11) Save
(11.1.12) Weitere Flüsse der Ostküste
(11.1.13) Kunene und die ephemeren Flüsse der Namib

(11.2-5) Stehende Gewässer und Feuchtgebiete (auf neuer Seite)

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SAF-11-00-01-fluesse2
Die wichtigsten Flüsse im Südlichen Afrika

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Fließgewässer

SAF-11-01-01-01 Victoriafaelle
Viktoriafälle bei geringem Wasserabfluss. Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF 11 01 01 01 Albertfalls
Die Albertfälle des uMgeni. Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Allgemeines

Es gibt im südlichen Afrika permanent Wasser führende und zeitweilig trockenfallende, sogenannte ephemere Flüsse. Nur zwei der stets fließenden Flüsse münden in den Atlantik, einer endet in einem Binnendelta und die übrigen entwässern in den Indischen Ozean.

Manche Flüsse weisen hohe Wasserfälle auf, die dazu führen, dass sich die Fischfauna ober- und unterhalb des Falls deutlich unterscheiden. Durch den Menschen wurden Änderungen der Fischfaunen durch den Bau von Staudämmen und die Ansiedlung gebietsfremder Arten, etwa des Karpfens, der Schleie, der Bachforelle oder der Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss) verursacht. Letztgenannte stellt eine erhebliche Gefährung für z. B. den Kap-Buschfisch (Sandelia capensis) dar.

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Sambesi

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Nach längeren Dürrperioden sind die Viktoriafälle praktisch trocken. Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Sambesi oberhalb der Viktoriafälle mit Blick auf das Sambia-Ufer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Elefantenherde (Loxodonta africana) am Botswana-Ufer des Chobe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF 11 01 01 03 Kwando Wels
Wels im Kwando, Caprivizipfel, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Der Sambesi (1) ist der bedeutendste Fluss im südlichen Afrika. Er entspringt in Sambia und mündet in Mosambik in den Indischen Ozean, wo er ein riesiges Delta bildet. Er hat eine Länge von 2'524 km und entwässert mit seinen Nebenflüssen, wie dem Cuando (5), dem Luangwa (6)), dem Kafue (7) und dem Shire (8), ein Gebiet von über 2.7 Millionen km². Oberlauf und Mittel-/Unterlauf werden durch die 110 m tiefen Viktoriafälle getrennt. Unterhalb der Fälle befinden sich die Talsperren von Kariba und Cahora Bassa, durch die riesige Stauseen entstanden sind - Cahora Bassa hat mehr als die Fläche des Saarlandes und der Karibasee ist doppelt so groß.

Der bekannteste Nebenfluss im Oberlauf des Sambesi ist der 1'500 km lange Kwando, der im Hochland von Bié in Angola entspringt, nach Süden fließt, auf rund 200 km die Grenze zu Sambia bildet, den Caprivizipfel durchquert und danach, nun Linyanti genannt, dessen Grenze zu Botswana markiert. Nachdem er den von ihm gebildeten Liambesi-See verlassen hat, fließt er unter dem Namen Chobe nach Kasane / Kazungula, wo er sich mit dem Sambesi vereint. An seinem Ufer liegen der sambische Sioma Ngwezi-Nationalpark, der Mudumu und der Mamili-Nationalpark in Namibia und der Chobe-Nationalpark Botswanas.

Tierwelt: Die Fischfauna unterhalb und oberhalb der Viktoriafälle unterscheidet sich deutlich. Eine um 1980 durchgeführte, mehrjährige Untersuchung erbrachte für den Bereich des Caprivizipfels 76 Fischarten, wobei die Fischfaunen von Sambesi und seinem Zubringer Kwando sehr verschieden waren. Auch in jüngster Zeit wurden neue Arten entdeckt, so stellte sich heraus, dass Nilhechte, die früher der Art Hippopotamyrus ansorgii zugerechnet wurden, effektiv einen Komplex von drei, äußerlich nicht unterscheidbaren Arten bilden, von denen eine im Kwando und zwei im Sambesi vorkommen.

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Oranje

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Die Augrabiesfälle des Oranje. Nordkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Die Schlucht des Oranje unterhalb der Fälle. Nordkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Unterlauf des Oranje vom namibischen Ufer mit Blick aufs Richtersveld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Von Ost nach West fließt der in Südafrika auch "Gariep" genannte Oranje (2). Dieser entspringt auf einer Höhe von 3'150 m in den Drakensbergen von Lesotho und mündet bei Oranjemund, an der Grenze zwischen Südafrika und Namibia, in den Atlantik. Er ist mit 2'160 Kilometern nach dem Sambesi der zweitlängste Fluss im südlichen Afrika. Sein Einzugsgebiet beträgt knapp 1 Million km². Im Mittellauf befinden sich zwei bedeutende Staustufen, der Gariep Dam und der Vanderkloof Dam, die von weitläufigen Naturschutzgebieten gesäumt sind.

Die wichtigsten Nebenflüsse sind mit einer Länge von 1251 km der Vaal (9) und mit 480 km der Caledon (10). Auch diese wurden aufgestaut, der Caledon durch den Welbedacht-Dam, der Vaal durch den Vaal- und den Bloemhof Dam, auch diese mit Naturschutzgebieten an ihren Ufern.

Tierwelt: Bei Sportfischern sehr beliebt ist der potenziell gefährdete, im Vaal-/Oranje-System endemische Gelbfisch (Geelvis), ein bis 120 cm langer Raubfisch aus der Karpfenverwandschaft, der einen Artkomplex bildet (Labeobarbus kimberleyensis / aeneus). Im Unterlauf des Oranje leben 14 Fischarten, darunter die Fluss-Sardine (Mesobola brevianalis), der Felsen-Wels (Austroglanis sclateri) und die endemische, bis vor einigen Jahren als potenziell gefährdet eingestufte Namaqua-Barbe (Barbus hospes).

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Limpopo

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Der Luvhuvu, ein Nebenfluss des Limpopo. Limpopo-Provinz, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kudus (Tragelaphus strepsiceros) im trockenen Bett des Limpopo. Mapungubwe-Nationalpark, Limpopo-Provinz, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Sattelstorch (Ephippiorhynchus senegalensis) im ausgetrockneten Bett des Limpopo. Mapungubwe-Nationalpark, Limpopo-Provinz, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ein weiteres wichtiges Fluss-System ist das des 1'750 km langen Limpopo (3), der als Krokodilfluss auf einer Höhe von 1'727 m am Witwatersrand in der Südafrikanischen Provinz Gauteng entspringt, erst nach Norden fließt, sich mit dem Marico River vereinigt und ab dort "Limpopo" genannt wird, danach einen großen Halbkreis bildet, der die Grenze Südafrikas zu Botswana und Simbabwe und die Nordgrenze des Kruger-Nationaparks markiert, am Dreiländereck nach Mosambik eintrtt und schließlich bei Xai-Xai in den Indischen Ozean mündet. Im Einzugsgebiet von Crocodile und Marico gibt es eine Anzahl Staudämme. Der Oberlauf des Limpopo hat jedoch eine unregelmässige Wasserführung, oft fällt er ganz trocken, sodass auf Stauhaltungen verzichtet wurde. Bekannte Zuflüsse sind Luvhuvu, Shingwedzi, Letaba und Olifants.

Tierwelt: Im Limpopo wurden, wie so oft in Südafrika, zahlreiche nicht-einheimische Arten eingesetzt, darunter Karpfen, Silberkarpfen (Hypophthalmichthys molitrix), Flussbarsch, Bach- und Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss), Schwertträger (Xiphophorus helleri) und Koboldkärpfling (Gambusia affinis). An heimischen Arten seien erwähnt Lungenfisch, Großschuppiger (Marcusenius macrolepidotus) und Boxernilhecht (Petrocephalus catostoma), Indopazifischer Tarpun (Megalops cyprinoides), eigentlich ein Meerfisch der aber weit in die Flüsse hinaufsteigt, über 20 Barben- (Barbus sp.) und 6 Labeo-Arten.

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Okavango

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Abendstimmung am Okavango, Nähe Popafälle, West-Caprivi. Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Elefanten (Loxodonta africana) durchqueren den Okavango im Mahango-Wildschutzgebiet. West-Caprivi, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Flusspferde (Hippopotamus amphibius) im Okavango, Mahango-Wildschutzgebiet. West-Caprivi, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office BernZ

Der vierte bedeutende Fluss der Region, der 1'700 km lange Okavango (4), ist ein Spezialfall, denn er mündet nicht ins Meer, sondern versickert in einem 6'000-15'000 km² großen Binnendelta in Botswana. Der Okavango enstpringt als Kubango auf 1'850 m Höhe im Bié-Hochland Angolas. Er fließt Richtung Süden bis zur namibischen Grenze, wo er sich, jetzt als "Okavango", nach Osten wendet, um im Westen des Caprivi-Streifens wiederum nach Süden Richtung Botswana abzudrehen. Nach etwa 60 km fängt er an, sich zu teilen und ein Delta zu bilden. Beinahe die Hälfte dieses Deltas, 4'871 km², steht als Moremi Game Reserve unter Schutz.

Tierwelt: Da der Okavango in größeren Zeitabständen über den Savuti Channel und den Selinda Spillway mit dem Kwando / Chobe verbunden ist, ähnelt seine Fischfauna der des Sambesi-Systems, wobei der Sambesi allerdings artenreicher ist: Währenddem dort 134 Arten vorkommen, sind es im Okavango 86, davon 71 unterhalb der Popafälle. Arten die auf felsigen Untergrund und einen relativ raschen Wasserfluss angewiesen sind, wie der Nilhecht Hippopotamyrus ansorgii, die Fluss-Sardine Mesobola brevianalis und die Welsarten Amphilius uranoscopus, Clariallabes platyprosopos und Chiloglanis fasciatus, dringen nicht in den Unterlauf und ins Delta vor.

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Save

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Der Save von der Birchenoughbrücke aus, Provinz Manicaland, Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Save von der Birchenoughbrücke aus, Provinz Manicaland, Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Flusspferde (Hippopotamus amphibius) im Runde, einem rechten Zubringer des Save, Provinz Masvingo, Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Elefantenherde (Loxodonta africana) im ausgetrockneten Bett des Bhenji, eines Nebenflusses des Runde, Provinz Masvingo, Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Der Save River wurde früher "Sabi" genannt, was zu Konfusionen mit dem südafrikanischen Sabi, einem jedem Krugerpark-Reisenden bekannten Nebenfluss des Komati, führte. Dass es auch in Slowenien eine Save gibt, stört offenbar weniger.

Der Save entwässert ein Gebiet von 106'420 km², davon 83'845 km² in Simbabwe und 22'575 km² in Mosambik. Er führt ganzjährig Wasser. Er entspringt auf der Farm "Sabi Oog" an einem 1'479 m hohen Berg in der Nähe des historischen Fort Charter, etwa 80 km südlich von Harare, und ist 735 km lang. Er fließt in südöstlicher Richtung bis er sich bei der Birchenough-Brücke mit dem aus dem Nyanga-Nationalpark kommenden Odzi vereinigt. Weiter geht es südwärts, am Rand des Gonarezhou-Nationalparks über die Chivirirafälle, bis zum Zusammenfluss mit dem von der Stadt Gweru her kommenden Runde, dann über die Grenze nach Mosambik, ab wo er Rio Save heißt, weiter Richtung Osten bis zu Mündung in den Indischen Ozean, wo er ein teilweise von Mangroven bedecktes Delta bildet.

Die Mündung des Save wird als Grenze zwischen der tropischen und der subtropischen Zone des Indischen Ozeans angesehen.

Nationalparks und weitere Naturschutzgebiete

Nach Birchenough Bridge bildet der Save die Ostgrenze des Save Valley Conservancys. Am Zusammenfluss mit dem periodisch trockenfallenden Runde bei Mahenye befindet sich an der Nordostgrenze des Gonarezhou-Nationalparks ein großes Feuchtgebiet. Dieses gilt in einem Umfang von 50.6 km² als ornithologisch bedeutendes Gebiet (IBA ZW020), das besondern für des Schutz des Graubrust-Schlangenadlers (Circaetus fasciolatus), des Braunkopfpapageis (Poicephalus cryptoxanthus), des Doppelbandwürgers (Telophorus viridis) und des Gelbbrustgirlitzes (Crithagra citrinipectus) wichtig ist. In Mosambik stellt der Save die Nordgrenze des Parque Transfronteiriço Gonarezhou und des Zinave-Nationalparks dar.

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Weitere Flüsse der Ostküste

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Der Mahaj-Fluss, ein Zubringer des Tugela im Royal Natal-Nationalpark. Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Howick-Fall des uMgeni. Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Usutu-Fluss bei Ndumo. Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Auch die kürzeren Flüsse der Ostküste führen permanent Wasser (was natürlich nicht für alle Zubringer gilt). Zu den bekannteren gehören Mzimkulu, Mkomazi, Tugela und Mgeni, die alle ihren Ursprung in den Drakensbergen haben und weiter nördlich der Mfolosi (Umfolozi), der Mkusi (Mkuze), der Pongola, der sich im Ndumo-Naturschutzgebiet mit dem aus Swasiland kommenden Usutu vereinigt und dann als Maputo in die Maputo-Bucht mündet, oder der Komati, zu dessen Einzugsgebiet der südliche Kruger-Nationalpark gehört. Der Lauf dieser Flüsse ist zumeist recht steil, und diese Flüsse wurden vielfach gestaut, im Umgeni z.B. gibt es vier Staustufen (Albert Falls Dam, Inanda Dam, Midmar Dam und Nagle Dam), im Pongola wird durch eine 70 m hohe Mauer der 170 km² große Jozini-See aufgestaut. Es gibt auch spektakuläre natürliche Wasserfälle, so die Tugelafälle im Royal Natal Nationalpark mit einer Fallhöhe von 948 m oder der Howick-Fall des Mgeni mit einer Fallhöhe von 119 m. Im Mündungsgebiet bilden diese Flüsse oft weitläufige Lagunen, die von Mangrovenwäldern gesäumt werden.

Tierwelt: Der Schuppige Gelbfisch (Labeobarbus natalensis) ist häufig und kommt in vielen Gewässern vor, etwa im Tugela und Mkomazi. Die zumindest in Fischerkreisen bekannteste einheimische Fischart des Gebiets ist der Tigersalmler (Hydrocynus vittatus), dem die Sportfischer vom Boot aus nachstellen, weil er seinen Lebensaum mit Flusspferden und Nilkrokodilen teilt.

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Kunene und die ephemeren Flüsse der Namib

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Hauptfall der Epupafälle des Kunene. Grenze Namibia / Angola. Foto: Harald Bungsche

 

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Sogenannter "Wüstenelefant" (keine eigene Art, sondern nur Population von Loxodonta africama) im trockenen Flussbett des Hoanib © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der ausgetrocknete Uniab bei Palmwag (Van Zyl's Gat). Damaraland, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Swakop führt nur ganz sporadisch Wasser, hier am 23, Januar 1997, Goanikontes, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Der etwa 1'050 km lange Kunene (13) entspringt in Nordangola, verläuft südwärts und wendet sich, nachdem er auf die Große Randstufe getroffen ist, nach Westen, um als Grenzfluss zwischen Angola und Namibia mit einem Delta in den Atlantik zu münden. In seinem Unterlauf befinden sich die spektakulären Ruacana- und Epupa-Fälle sowie zahlreiche Stromschnellen. Bei Ruacana wurde der Kunene zur Stromerzeugung angestaut. Zwei weitere Kraftwerke wurden ab 1991 geplant. Dasjenige bei den Epupafällen wurde von den OvaHimba bekämpft und ist mittlerweile vom Tisch, der Bau des weiter unten gelegenen hat sich verzögert. Im Gegensatz zu den anderen Flüssen der Skelettküste führt der Kunene ganzjährig Wasser, allerdings schwankt seine Wassermenge saisonal sehr stark

Zwischen Kunene und Oranje durchstossen zwölf Flussläufe die Namibwüste: Sechomib, Khumib, Hoarusib, Hoanib, Uniab, Skelettküsten-Koichab, Huab, Ugab, Messum, Omaruru, Swakop und Kuiseb. Es handelt sich ausnahmslos um ephemere Flüsse, deren Flussbette meistens trocken sind, und die nur in Zeitabständen von mehreren Jahren so viel Wasser führen, dass sie tatsächlich die See erreichen. Der Tsauchab und der Südnamib-Koichab, bleiben mitten in der Namib stecken, wo sie im Sossusvlei bzw. in der Koichab-Pfanne enden. Die Flusstäler sind als langestreckte Oasen ökologisch wichtig, weil hier Grundwasser verfügbar ist und Pflanzen gedeihen, die wiederum die Nahrungsgrundlage für viele Tiere darstellen.

Tierwelt: Im Kunene wurden 206 aquatische Tierarten nachgewiesen. Davon sind 130 Wirbellose, 11 Amphibien und 65 Fische. Von den Fischen sind fünf endemisch, darunter die Buntbarsche Schwetzochromis machadoi, Sargochromis coulteri, Thoracochromis buysi und Th. albolabris. 59 Arten kommen auch im Okavango vor, was darauf hinweist, dass die beiden Fluss-Systeme früher miteinander verbunden waren. Die Artenzahl der Wirbeltiere der ephemeren Flüsse ist naturgemäß bescheidener. Die Zahl der Fischarten wird mit 6, die der Amphibien mit 8 angegeben. Wirbellose gibt es 130, gleich viele wie im Kunene.

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Literatur und Internetquellen:

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Freigegeben in Südliches Afrika
Sonntag, 17 Januar 2021 08:32

NEL, J. A. & SOMERS, M. J. (2007)

Distribution and habitat choice of Capeclawless otters, Aonyx capensis, in South Africa.

African Journal of Wildlife Research 37 (Apr 2007): 61-70. DOI: 10.3957/0379-4369-37.1.61

Zusammenfassung:

Cape clawless otters, Aonyx capensis, are widely distributed in South Africa, as elsewhere on the continent. They occur in a wide variety of environments and most aquatic habitats, from freshwater lakes to the marine littoral,and even in episodic rivers in arid areas, provided freshwater sources are adequate and sufficient food is available. This animal is not much affected by turbid water as it locates prey by touch, and usually forages close to shores or banks. Evidence of presence in given localities and habitats, distributed over a large area of the Northern, Western, and Eastern Cape provinces, was deduced from signs (faecal deposits or distinctive tracks) on land. Accepting the inherent pitfalls of this approach we nevertheless feel using it is acceptable for a first approximation of habitat preferences over a large geographical area. Results point to areas with dense reed beds and a rocky substrate on banks being used most intensively, probably on account of a localized high food biomass.

nel-biblio

Freigegeben in N
Samstag, 16 Januar 2021 08:44

Gebirge

 

(1.0) Allgemeines
(1.1) Faltengebirge des Kaplands
(1.2) Große Randstufe im Westen und Süden

(1.3) Drakensberge

(1.4) Östliches Hochland von Simbabwe

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southern africa mountains
Wichtige Gebirge im Südlichen Afrika: (1) Serra do Môco, (2) Brandberg, (3) Naukluftberge, (4) Zederberge, (5) Swartberge, (6) Sneeuwberge, (7) Natal-Drakensberge, (8) Monte Binga, (9) Nyanga-Berge, (10) Mulanje-Massiv, (11) Mafinga-Berge

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Allgemeines

SAF 01 00 02 berg great escarpment
Die Große Randstufe im Südlichen Afrika. Rot eingezeichnet die Drakensberge. © Oggmus, veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz.

 

SAF 01 00 03 berg cape topology
Die Große Randstufe und die vorgelagerte Faltengebirge des westlichen Kaplandes © Oggmus, veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz.

 

SAF 01 00 03 berg escarpment blyde
Die Große Randstufe in Mpumalanga. Blyde-River-Canyon-Naturschutzgebiet © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF 01 00 04 berg escarpment blyde
Um ins Lowveld zu gelangen, hat der Blyde-Fluss einen tiefen Canyon in die Große Randstufe gegraben. Blyde-River-Canyon-Naturschutzgebiet, Mpumalanga © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

SAF 01 00 05 berg escarpment von swanedi
Die Große Randstufe (Tree Rondavels) vom Lowveld bei Swanedi aus gesehen. Blyde-River-Canyon-Naturschutzgebiet, Mpumalanga © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Währenddem es in Ostafrika die prominentesten Gipfel auf einen Höhe von beinahe 6'000 m bringen, kommen die Gebirge im südlichen Afrika weitaus bescheidener daher: Der höchste Berg kommt hier nicht einmal auf 3'500 m, und nur wenige dürfen sich "Hochgebirge" nennen, weil sie sich mehr als 1'000 m über das Umland erheben. Dazu gehören die Naukluft, die Swartberge, die Drakensberge, deren Basaltwände bis 1'800 m aufsteigen, das Östliche Hochland von Simbabwe und das Mulanje-Massiv in Malawi. Die Gründe dafür sind folgende: Es kam in Afrika nur ganz im Norden, wo die afrikanische und die eurasische Kontinentalplatte aufeinandertreffen, vor 30-35 Millionen Jahren zu einer tertären Auffaltung, dem heutigen Atlasgebirge. In Zusammenhang mit der Bildung des Ostafrikanischen Grabens sind das Hochland von Abessinien vor 75 Millionen, die weiter südlich am Rand des Grabenbruchs gelegenen Massive, wie etwa der Kilimandscharo, erst vor wenigen Millionen Jahren entstanden. Die Große Randstufe im Südlichen Afrika und die vorgelagerten Faltengebirge des Kaplands entstanden dagegen bereits viel früher in Zusammenhang mit dem Auseinanderbrechen des Südkontinents Gondwana und sind daher viel stärker erodiert. Auch die im Inland gelegenen Vulkane sind hier viel älter als in Ostafrika, der Pilanesberg z.B. ist 1.2 Milliarden Jahre alt und deshalb entsprechend verwittert.

In den Höhen fällt zwar bisweilen Schnee, dieser bleibt aber nicht permanent liegen und es kommt somit nicht zu einer Vergletscherung. Dementsprechend fehlt der Vegetation die nivale Stufe.

Typische Zootiere

Leopard, Klippschliefer, Hartmann-Bergzebra, Elenantilope, Weißschwanzgnu, Blessbock, Bergriedbock, Klippspringer. Bartgeier, Kahlkopfrapp.

Sonstige Tierwelt

Rehantilopen (Pelea capreolus) kommen bis auf eine Höhe von 3'300 m vor. Weitere Antilopen des montanen Graslands sind Großriedbock (Redunca arundinum) und Oribi (Ourebia ourebi). Im Rahmen einer Untersuchung über das Vorkommen von Kleinstsäugern in Höhenlagen über 1'700 m konnten im Gebiet des Sneeuwbergs (Karte Nr. 6) zwölf Arten gefangen werden, je eine Spitzmaus und Elefantenspitzmaus und 10 Nager. Am häufigsten waren Südafrikanische Waldspitzmaus (Myosorex varius), Klippen-Rüsselspringer (Elephantulus myurus), Namaqua-Buschlandratte (Micaelamys namaquensis), Südostafrikanische Lamellenzahnratte (Otomys auratus) und Striemengrasmaus (Rhambdomys pumilio).

Literatur und Internetquellen

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Faltengebirge des Kaplands

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Die schneebedeckten Hexrivierberge bei Buffelshoek im Juli © Andres de Wet, Seattle. Gemeinfrei

 

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Der Wolfbergbogen im Zederberg, Westkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Felsformation im Zederberg, Westkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Klippschliefer (Procavia capensis) auf dem Tafelberg, Tafelberg-Nationalpark, Westkap © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Die Faltengebirge des Kaplands bestehen aus Sandstein. Sie sind etwa 400 Millionen Jahre alt. Die Auffaltungen im Westen verlaufen Nord-Süd, d.h. parallel zur Atlantikküste. Es sind dies nebeneinander der Piketberg (Zebrakop 1'459 m) und die Olifantsrivier- (857 m), Zeder- (Sneeuberg 2'027 m) und Skurweberge (1'788 m), südlich davon die Bolandberge und ganz im Süden die Hottentot-Hollandberge (Somerset Sneeukop 1'590 m) sowie der Tafelberg (1085 m). Die weiter östlich gelegenen Gebirge verlaufen parallel zur Küste des Indischen Ozeans. Dazu gehören u. a. die Hexrivier- (Matroosberg 2'249 m), Riviersonderend- (Pilaarkop, 1'654 m) und Langeberge (Grootberg 1'637 m), die Swartberge (Seweweekspoortpiek 2'325), welche die Große von der Kleinen Karoo trennen, sowie die Kammanassie- (Mannetjesberg 1'955 m), Kouga- (Smutsberg 1'757 m), Outeniqua- (Cradock Peak 1'578 m), Tsitsikamma- (1'675 m), Baviaanskloof- (Scholtzberg 1'625 m) und Zuurberge (970 m).

Klima, Vegetation und Tierwelt

Der Jahresniederschlag ist relativ hoch. In Höhen von über 1'600 m beträgt er im Overberg 1'000 mm und mehr, für den Zederberg werden 800 mm angegeben. Von Juni bis August kommen Tagestemperaturen von 3-5ºC und mittlere Nachttemperaturen von unter 0ºC vor. In den höheren Lagen der Berge gedeihen hauptsächlich Berg-Fynbos, Grasland-Fynbos oder Karoo-Vegetation. Hinsichtlich der Tierwelt sei auf Tafelberg-Nationalpark und Addo-ENP - Zuurberg verwiesen.

Literatur und Internetquellen

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Große Randstufe im Westen und Süden

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Der Gamsberg ist mit 2'347 m die höchste Erhebung der Hakosberge © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Die Hantamberge bei Calvinia, davor der Akkeren Dam. Nordkap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Der am Atlantik gelegene Teil der Großen Randstufe beginnt in Angola. In Namibia bildet er südlich des Kunene die Hartmann- und Otjihipaberge, dann zwischen Namib und zentralem Hochplateau u.a. die Otaviberge (Groot-Otavi 2'155 m), das Brandberg-Massiv, die Erongo- (Hohenstein, 2'173 m), Auas- (Moltkeblick 2'479 m), Hakos- (Gamsberg 2'347 m), Naukluft, Tiras- (Schanzenberg (1'902 m), Tsaus- (1'107 m) und Hunsberge (1'636 m). In Südafrika geht es vom Richtersveld bis zu den Kamiesbergen (Roojberg 1'706 m) südwärts, als Hantam- (1'597 m) und Roggeveldberge (Sneeukrans 1'739 m) östlich am Bokkeveld vorbei, um dann nach Osten abzudrehen, als Nuweveld- (1'956 m) und Sneeuwberge (Kompasberg 2'502 m) den Nordrand des Karoobeckens zu bilden und dann in die Drakensberge überzugehen.

Literatur und Internetquellen

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Nationalparks und andere Schutzgebiete

Brandberg, Namibia

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Satellitenaufnahme des Brandbergs. Quelle: USGS EROS Data Center. Gemeinfrei.

 

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Mitten im Brandbergmassiv, Erongo-Region, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Brandbergmassiv, Erongo-Region, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Nationaldenkmal seit 1951.
Fläche 420 km².
Höchster Punkt: Königsstein 2'573 m.
Jahresniederschlag: In Gipfelnähe ca. 110 mm, hauptsächlich zwischen Dezember und April, an den Hängen deutlich weniger und je nach Exposition unterschiedlich, an der Ostflanke ca. 30-40 mm.
Temperaturen: Je nach Höhenlage unterschiedlich, mittlere Maxima / Minima im Januar 32/17°C, im Juni 23/12°C.

Der Brandberg entstand vor ca. 130 Millionen Jahren als unterirdische Magmakammer, die zu einem sogenannten "Pluton" erstarrte. Die darüberliegende etwa 5 km dicke Erdschicht wurde im Verlauf der Jahrmillionen abgetragen, wodurch der aus Granit bestehende, im Grundriss ovale Pluton freigelegt wurde. Durch weitere Erosion wurden tiefe Flusstäler in den Granit geschnitten. Bekannt ist der Brandberg wegen seiner zahlreichen 15-16'000 Jahre alten Felszeichnungen, daunter der "White Lady".

Vegetation und Tierwelt: Der Pflanzenwuchs ist spärlich und besteht hauptsächlich aus dickstämmigen Sukkulenten und Zwergsträuchern. Für Tier- und Pflanzenarten siehe unter Vornamib.

Literatur und Internetquellen

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Namib-Skelettküsten-Nationalpark - Naukluft, Namibia

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Die Naukluftberge, Region Hardap, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kuiseb-Pass in den Naukluftbergen, Region Hardap, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Hangvegetation in der Naukluft © Dr. Thomas Wagner, Agricultural and Environmental Consulting & Research. Veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz.

 

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Kloofvegetation in der Naukluft © Dr. Thomas Wagner, Agricultural and Environmental Consulting & Research. Veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz.

Bestehend seit 1968 als Naukluft-Zebra-Park, 1970 durch Korridor mit dem Namib-Nationalpark verbunden und 1979 in den Namib Desert Park integriert.
Fläche: Schutzgebiet ursprünglich ca. 220 km², Gebirgsmassiv ca. 850 km².
Höhe: ca. 1'000 - 1'965 m.ü.M..
Jahresniederschlag: im Mittel ca. 200 mm, hauptsächlich zwischen Dezember und April.
Temperaturen: Je nach Höhenlage unterschiedlich, Maxima / Minima im Jahresmittel 26/12°C, Extremwerte ca. 40/5°C.

Die Naukluftberg bestehen aus porösem Dolomit- und Kalkgestein auf einem Fundament von Granit und Gneis. Der spärliche Niederschlag versickert im Dolomit und Kalk, bildet Höhlensysteme, in denen sich das Wasser sammelt und tritt in den Kluften als Quellen zutage.

Vegetation: Es werden 5 Vegetationszonen unterschieden: Schotterebenen, Hang-, artenreiche Kloof- und der Nama-Karoo zuzuordnende Plateauvegetation sowie Übergang zum Dünennamib.

Tierwelt: U. a. Bärenpavian (Papio ursinus), Schabrackenschakal , Löffelhund , Honigdachs, Fuchsmanguste, Tüpfelhyäne, Braune Hyäne, Erdwolf, Falbkatze, Leopard, Klippschliefer, Hartmann-Bergzebra, Kudu, Kronenducker, Spießbock, Klippspringer, Steinböckchen, Kap-Borstenhörnchen. Die Zahl der beobachteten Vogelarten beträgt mindestens 204. Davon ist knapp die Hälfte ganzjährig anzutreffen. Von besonderem Interesse ist der Kaffernadler (Aquila verreauxii), der hauptsächlich Klippschliefer jagt.

Literatur und Internetquellen

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Drakensberge

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Die Drakensberge von Giants Castle aus. Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Wasserfall stürzt in eine Schlucht mit afromontanem Wald im Royal-Natal-Nationalpark, Teil des Maloti-Drakenberg-Parks. Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Ein Sauerklee (Oxylis obliquifolia) im Giants-Castle-Wildreservat,, Teil des Maloti-Drakenberg-Parks. Kwazulu-Natal,, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Bärenpavian (Papio ursinus) im Royal-Natal-Nationalpark, Teil des Maloti-Drakenberg-Parks. Kwazulu-Natal,, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Die Drakensberge bestehen aus Basalt und Sandstein und entstanden vor rund 180 Millionen Jahren. Sie bilden vom Ostkap bis in den nördlichen Transvaal, die heutige Limpopo-Provinz, den östlichen Teil der Großen Randstufe. Oft aber wird der Name verwendet, um nur die in und um (Ostkap, (Oranje-)Freistaat, Kwazulu-Natal) das Königreich Lesotho liegenden Abschnitte zu bezeichnen, wo sich die höchsten Gipfel befinden. Diese werden angeführt vom 3'482 m hohen, in Lesotho liegenden Thabana Ntlenyana. Fast gleich hoch ist mit 3'451 m der Mafadi, der höchste Berg Südafrikas. Rund 20 weitere benannte Berge sind über 3'000 m hoch. Die Transvaal-Drakensberge sind mit dem Mount Anderson (2'284 m) als höchstem Punkt deutlich niedriger.

Klima

Im Sommer sind die Tage warm bis heiß und die Nächte kühl. Es ist Regenzeit mit häufigen Gewittern. Im Winter sind die Tage mild, nachts können die Temperaturen unter Null Grad sinken und oft kommt es zu Schneefällen.

Vegetation und Tierwelt

Die höheren Lagen sind mit Grasland und Zwergstrauchgesellschaften bedeckt, in den eingeschnittenen Tälern wächst afromontaner Wald, in den tieferen Lagen Gras- und Waldland, darunter Steineibenwälder (Podocarpus latifolius). Die auffälligsten Säugetiere über 2'500 m Höhe sind Elenantilope, Bergriedbock und Klippspringer. Rund 300 Vogelarten sind nachgewiesen, darunter 32 endemische. Auch unter den Reptilien, Amphibien und Fischen gibt es mehrere Endemiten.

Literatur und Internetquellen

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Nationalparks und andere Schutzgebiete

Golden-Gate-Highlands-Nationalpark - Golden Gate, (Oranje-) Freistaat

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Der Brandwag-Felsen im Golden-Gate-Highlands-Nationalpark, (Oranje-)Freistaat, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Die Geier-Fluh im Golden-Gate-Highlands-Nationalpark, (Oranje-)Freistaat, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Geier-Klippen im Golden-Gate-Highlands-Nationalpark, (Oranje-)Freistaat, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Geier-Restaurant und darüberfliegender Bartgeier (Gypaetus barbatus) im Golden-Gate-Highlands-Nationalpark, (Oranje-)Freistaat, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Bestehend seit 1963, seit 2006 grenzüberschreitender Park mit dem Sehlabathebe-National Parkpark Lesothos.
Fläche: Ursprünglich 48 km², nach zwei Vergrößerungen 116 km² (ohne Qwaqwa-Nationalpark).
Höhe: Höchster Punkt 2'829 m.ü.M. (Ribbokkop).
Jahresniederschlag und Temperaturen: Je nach Höhenlage unterschiedlich, Mittelwerte max./min.) im Januar 23/13ºC, im Juni-Juli 14/2°C, Extremwerte 28/-5ºC, Jahresniederschlag ca 1'400 mm.

Die nachfolgenden Angaben beziehen sich auch auf den früheren Qwaqwa-Nationalpark.

Vegetation: Hauptsächlich montanes Grasland (Highland-Sourveld und Themeda-Festuca), in den geschützten Tälern afromontaner Wald mit "Ouhout"-Bäumen (Rosaceae: Leucosidea sericea) und Zuckerbüschen (Protea caffra, P. roupelliae, P. subvestita).

Tierwelt: Bärenpavian (Papio ursinus), Schabrackenschakal, Kapfuchs, Kap-Fingerotter, Grossfleck-Ginsterkatze, Weißschwanzmanguste, Fuchsmanguste, Falbkatze, Karakal, Klippschliefer, Steppenzebra, Elenantilope, Kronenducker, Südafrikanische Kuhantilope, Weißschwanzgnu, Blessbock, Bergriedbock, Rehantilope (Pelea capreolus), Springbock, Steinböckchen, Springhase, Weißschwanz-Stachelschwein. Die Vogel-Checkliste umfasst 257 Arten. Bei den Geier-Restaurants gut zu beobachten sind Bartgeier und andere Aasfresser, wie Kapgeier (Gyps coprotheres), Schwarzmilan, Geierrabe (Corvus albicollis) und Schildrabe.

Literatur und Internetquellen

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Golden-Gate-Highlands-Nationalpark - Qwaqwa-Nationalpark, (Oranje-) Freistaat

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Felsformation in der Qwaqwa-Sektion des Golden-Gate-Highlands-Nationalparks, (Oranje-)Freistaat, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Basotho Cultural Village in der Qwaqwa-Sektion des Golden-Gate-Highlands-Nationalparks, (Oranje-)Freistaat, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Qwaqwa war mit einer Fläche von 655 km² das Stammesgebiet von viehhaltenden Basutos. Zum Schutz des Grundwassers und zur Vermeidung fortschreitender Bodenerosion wurden viele von ihnen ab 1940 freiwillig oder durch Zwang dazu bewegt, die Viehhaltung aufzugeben, und ca. 300 km des Berglands wurden zum Schutzgebiet erklärt. Als 1974 Qwaqwa selbstverwaltetes Homeland wurde, blieb das Schutzgebiet bestehen. 1992 wurde es zum Qwaqwa-Nationalpark erklärt. 1994, nach der Wiedereingliederung Qwaqwas in die Republik Südafrika, wurde es zu einem Provinzpark des (Oranje-)Freistaats. Im November 2009 wurde es durch SANParks übernommen. In der Folge wurde es mit Golden Gate zusammengelegt und der Trennzaun wurde entfernt.

Fläche: Schutzgebiet ursprünglich ca. 300 km², nach Rückgabe von Land an frühere Besitzer noch 211 km², mit Golden Gate 327 km².

Literatur und Internetquellen

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Maloti-Drakenberg-Park - Royal-Natal-Nationalpark

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Das Amphitheater im Royal-Natal-Nationalpark, Teil des Maloti-Drakenberg-Parks , Kwazulu-Natal,Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Forellenteich im Royal-Natal-Nationalpark, Teil des Maloti-Drakenberg-Parks, Kwazulu-Natal,Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Baumfarne (Alsophila dregeri) im Royal-Natal-Nationalpark, Teil des Maloti-Drakenberg-Parks, Kwazulu-Natal,Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Riedscharbe (Phalacrocorax africanus) auf Stauhaltung im Royal-Natal-Nationalpark, Teil des Maloti-Drakenberg-Parks, Kwazulu-Natal,Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Bestehend seit 1916, seit 2000 Teil des uKhahlamba-Drakensberg-Parks, ist aber von diesem räumlich getrennt.
Fläche: 81 km².
Höhe: ca. 1'350 - 3'165 m.ü.M..
Jahresniederschlag und Temperaturen: Je nach Höhenlage unterschiedlich, Mittelwerte max./min.) im Januar-Februar 24/10ºC, im Juni-Juli 16/-2°C, Extremwerte 40/-10ºC, Jahresniederschlag ca 830 mm.

Die Landschaft des Parks ist spektakulär, insbesondere des Amphitheater, eine 5 km lange, vom Mont-aux-Sources-Plateau 1'200 m abfallende Felswand, und die 948 m hohen Tugelafälle.

Vegetation: Montanes Grasland, Heiden (Berg-Fynbos) und namentlich in den Tälern afromontaner Wald mit u.a. Drakensberg-Palmfarn (Encephalartos ghellinckii), Baumfarn (Alsophila dregei), Drakensberg-Zuckerbusch (Protea dracomontana), Afrikanischem Zürgelbaum (Celtis africana) und Breitblättriger Steineibe (Podocarpus latifolius).

Tierwelt: Bärenpavian (Papio ursinus), Schabrackenschakal, Leopard, Klippschliefer, Elenantilope, Buschbock, Kronenducker, Südafrikanische Kuhantilope, Weißschwanzgnu, Blessbock, Bergriedbock, Großriedbock (Redunca arundinum), Rehantilope (Pelea capreolus) und Klippspringer.

Es wurden gegen 200 Vogelarten beobachtet, einschließlich Zwergtaucher, Riedscharben (Phalacorocrax africanus) und anderer Wasservögel am Forellenweiher und sonstigen Stauhaltungen.

Literatur und Internetquellen

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Maloti-Drakensberg-Park - Giants-Castle-Wildschutzgebiet

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Felsformation im Giants-Castle-Wildreservat, Teil des Maloti-Drakenberg-Parks, Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Bergkohlbäume (Cussonia paniculata) im Giants-Castle-Wildreservat, Teil des Maloti-Drakenberg-Parks, Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Felszeichnungen der San in einer Sandsteinhöhle im Giants-Castle-Wildreservat, Teil des Maloti-Drakenberg-Parks, Kwazulu-Natal, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Bestehend seit 1903, seit 2000 Teil des 2'428 km² großen uKhahlamba-Drakensberg-Parks, der seit 2013 zusammen mit dem 65 km² großen Sehlabathebe National Park Lesothos als UNESCO-Welterbe den genzüberschreitenden Maloti-Drakensberg bildet.
Fläche: 346 km².
Höhe: ca. 1'500 - 3'450 m.ü.M..
Jahresniederschlag und Temperaturen: Je nach Höhenlage unterschiedlich, in Estcourt (außerhalb des Parks auf 1'200 m Höhe) Monatsmittel (max./min.) im Januar-Februar 30/15ºC, im Juni-Juli 21/2°C, Jahresniederschlag 755 mm (im Park wohl mehr).

Tierwelt: Bärenpavian (Papio ursinus), Schabrackenschakal, Serval, Karakal, Leopard, Klippschliefer, Elenantilope, Buschbock, Kronenducker, Südafrikanische Kuhantilope, Weißschwanzgnu, Blessbock, Bergriedbock, Großriedbock (Redunca arundinum), Rehantilope (Pelea capreolus), Oribi (Ourebia ourebi) und Klippspringer.

Die Zahl der in Giants Castle beobachteten Vogelarten wurde 1992 mit 160 angegeben, eine aktuelle Liste für den Maloti-Drakensberg-Park insgesamt führt 345 Arten auf.

Literatur und Internetquellen

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Weitere in den Maloti-Drakenberg-Park integrierte Naturschutzgebiete und Staatswälder

Cathedral Peak, Cathkin Peak Forest, Cobham, Garden Castle, Highmoor State Forest, Himeville, Kamberg, Lotheni, Mfiffyela, Mkhomazi, Mlamboja Wilderness, Monk's Cowl Nature, Mzimkulu Wilderness, Mzimkulwana, Rugged Glen, Vergelegen

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Das Östliche Hochland von Simbabwe

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Berge des Östlichen Hochlands von der A14 aus. Provinz Manicaland, Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Der Mount Ziwa von World's View aus. Provinz Manicaland, Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Baumaloe (Aloe arborescens) bei World's View. Provinz Manicaland, Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das Östliche Hochland von Simbabwe ist ein schmaler, etwa 250 km langer, auf einer Grundlage von Granit bestehender Gebirgszug an der Grenze zu Mosambik mit bis zu 1'000 m tief fallenden Steilabbrüchen. Die Berggipfel bestehen aus Dolerit und Sandstein. Die höchsten Erhebung sind in den nördlich gelegenen Nyangabergen der 2'592 m hohe Inyangani, in den zentralen Bvumbabergen der Castle Beacon (1'911 m) und in den südlichen Chimanimani-Bergen der auf mosambikanischen Staatsgebiet gelegene Monte Binga (2'436 m). Das Gebiet hat einen hohen Jahresniederschlag von ca. 1'237 mm in Nyanga, 1'703 in den Bvumbabergen und 1'041 in den Chimanimani-Bergen und ist das Quellgebiet von vielen Flüssen und Bächen, die in bis zu 762 m hohen Wasserfällen zu Tal stürzen. Die höchsten mittleren Monatstemperaturen (max./min.) für die Ortschaft Nyanga (1'679 m ü. M.) werden mit 24/12ºC im Oktober, die tiefsten mit 16/6ºC im Juli angegeben. Die Extremwerte liegen bei 30 bzw. 2ºC.

Große Teile des Gebiets werden land- oder forstwirtschaftlich genutzt. Es gibt aber verschiedene Schutzgebiete, in denen die autochthone Flora und Fauna erhalten ist.

Literatur und Internetquellen

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Nationalparks und andere Schutzgebiete

Nyanga-Nationalpark

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World's View im Nyanga-Nationalpark, Provinz Manicaland, Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Baumfarn (Alsophila dregei) im Nyanga-Nationalpar, Provinz Manicaland, Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Bärenpavian (Papio ursinus) auf Bergkohlbaum (Cussonia paniculata) im Nyanga-Nationalpar, Provinz Manicaland, Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Bestehend auf geringerer Fläche seit 1902.
Fläche: 470 km², davon 25 km² ehemaliger Mtarazi-Nationalpark.
Höhe: ca. 1'800 – 2’592 m.ü.M..

Vegetation: Montanes Grasland, Zwergstrauchgesellschaften, afromontaner immergrüner Wald, stellenweise Nadelwald mit Afrika-Zypressen (Widdringtonia), in tieferen Lagen Miombo mit Msasabäumen (Brachystegia spiciformis). Gebietsweise Aufforstungen mit Kiefern, nicht-einheimischen Akazien und Eukalypten.

Tierwelt: An Säugetieren gibt es u. a. Weisskehlmeerkatze, Bärenpavian (Papio ursinus), Leopard, Chapmanzebra, Elenantilope, Großer Kudu, Buschbock, Blauducker, Streifengnu (angesiedelt), Wasserbock, Großriedbock (Redunca arundinum), Klippspringer, Steinböckchen und Sharpe-Greisbock (Raphicerus sharpei). Der Park ist ein ornithologisch bedeutendes Gebiet (IBA ZW001), in dem bisher 213 Vogelarten nachgewiesen wurden.

Literatur und Internetquellen

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Bvumba Botanischer Garten und Reservat

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Feigenbaum (Ficus sp.) mit Früchten im Bvumba Botansichen Garten, Provinz Manicaland, Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Baumfarne (Alsophila sp.) im Bvumba Botanischen Garten, Provinz Manicaland, Simbabwe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Bestehend seit 1947 unter dem Namen "Manchester Gardens" als öffentlich zugängliche private Einrichtung. 1957 vom Staat übernommen, heutiger Name seit 1975.
Fläche: 159 ha Botanischer Garten und 42 ha Botanisches Reservat.
Höhe: 1'650 m.

Der als Botanischer Garten bestimmte Teil ist erst teilweise ausgebaut, auf dem übrigen Gelände stehen einheimischer Wald sowie Kiefern- und Eukalyptuspflanzungen. Die Einrichtung befindet sich im Bereich des Afro-montanen immergrünen Laubwalds, in dem u. a. 4 Arten Baumfarne (Alsophila capensis, A. dregei, A. manniana, A. thomsonii) vorkommen.

Literatur und Internetquellen

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Weitere Parks im Östlichen Hochland von Simbabwe
(Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit)

Bunga Forest and Botanical Reserve (15.58 km²), Chimanimani-Elen-Schutzgebiet (18 km²), Chimanimani-Nationalpark (171.1 km²), Diepfontein-Naturschutzgebiet (8.14 km²), Stapleford Forest Reserve

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Freigegeben in Südliches Afrika
Donnerstag, 14 Januar 2021 06:56

Schutzgebiete im Südlichen Afrika

Die folgenden, vom Informationsanbieter teils mehrfach besuchten Nationalparks und weiteren Schutzgebiete werden mit Textbeiträgen vorgestellt:

Botswana

Namibia












Simbabwe




Swasiland / Eswatini_

_

Südafrika

Westkap







Ostkap





Nordkap







Kwazulu-Natal






(Oranje-)Freistaat




Gauteng

Mpumalanga

Limpopo







Nordwestprovinz





Chobe-Nationalpark
Kgalagadi Transfrontier Park

Brandberg
Bwabwata-Nationalpark
Etoscha-Nationalpark - Ost
Etoscha-Nationalpark - Südost
Etoscha-Nationalpark - West
Namib-Skelettküsten-Nationalpark - Skelettküste
Namib-Skelettküsten-Nationalpark - Kiesnamib
Namib-Skelettküsten-Nationalpark - Dünennamib
Namib-Skelettküsten-Nationalpark - Naukluft
NamibRand-Privates Naturschutzgebiet
Daan Viljoen-Wildpark
Hardap-Wildpark
Waterberg-Plateau-Park

Bvumba Botanischer Garten und Reservat
Cecil-Kop-Naturschutzgebiet

Lake Chivero-Naturpark
Lake Mutirikwi-Naturpark
Nyanga-Nationalpark

Hlane-Nationalapark
Mkhaya-Wildschutzgebiet
Malolotja-Naturschutzgebiet

 

Karoo-Nationalpark
Buntbock-Nationalpark
Tafelberg-Nationalpark
Westküsten-Nationalpark
Garden-Route-NP, Nationales Seengebiet Wilderness
De-Hoop-Naturschutzgebiet
Rocher Pan-Naturschutzgebiet
Vleis von Kapstadt

Addo-Elefanten-Nationalpark
Addo-Elefanten- Nationalpark - Zuurberg
Camdeboo-Nationalpark
Bergzebra-Nationalpark
Garden-Route-Nationalpark, Tsitsikamma-Sektion
Great Fish River-Naturschutzgebiet

Augrabies-Nationalpark
Kgalagadi Transfrontier Park
Namaqua-Nationalpark
Tankwa-Nationalpark
Doornkloof-Naturschutzgebiet
Rolfontein-Naturschutzgebiet
Goegap-Naturschutzgebiet
Kuruman-Naturschutzgebiet

Hluhluwe-iMfolozi-Park
iSimangaliso-Wetland-Park
iSimangaliso-Wetland-Park- Mkuze-Wildschutzgebiet
Maloti-Drakensberg-Park - Giants-Castle-Wildschutzgebiet
Maloti-Drakenberg-Park - Royal-Natal-Nationalpark
Ndumo-Wildschutzgebiet
Weenen-Naturschutzgebiet

Golden-Gate-Highlands-Nationalpark - Golden Gate
Golden-Gate-Highlands-Nationalpark - Qwaqwa
Maria Moroka-Naturschutzgebiet
Sandveld-Naturschutzgebiet
Willem-Pretorius-Naturschutzgebiet

Marievale-Vogelschutzgebiet

Kruger-Nationalpark - Pretorius Kop / Malelane Bushveld

Honnet-Naturschutzgebiet
Kruger-Nationalpark - Nord

Kruger-Nationalpark - Süd
Langjan-Naturschutzgebiet
Mapungubwe-Nationalpark
Marakele-Nationalpark
Musina-Naturschutzgebiet
Nylsvlei-Naturschutzgebiet

Barberspan-Naturschutzgebiet
Bloemhof-Dam-Naturschutzgebiet
Leon-Taljaardt-Naturschutzgebiet
Mafikeng-Wildschutzgebiet
Madikwe-Wildschutzgebiet
Pilanesberg-Nationalpark

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Freigegeben in Südliches Afrika
Samstag, 10 Oktober 2020 07:45

Fließgewässer

(9.0) Allgemeines
(9.1) Seen und Stauhaltungen

(9.2) Fließgewässer
(9.2.1) Forellenregion
(9.2.2) Äschenregion
(9.2.3) Barbenregion
(9.2.4) Brachsenregion
(9.2.5) Kaulbarsch-Flunder-Region

(9.3) Flachseen
(9.4) Kleingewässer
(9.5) Feuchtgebiete

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Fließgewässer Fliessgewässer

Das Schema der Fischregionen ist an Fließgewässern Deutschlands und Belgiens erarbeitet worden und hat für andere Regionen nur beschränkte Gültigkeit. Als Folge der vielen Stauhaltungen sind die einzelnen Regionen nicht mehr so klar getrennt wie früher

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Forellenregion

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Gasterenbach, ca.1380 m.ü.M, Berner Oberland © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Schwarzwasser, 580 m.ü.M., Naturschutzgebiet Schwarzwasser-Sensegraben, Kt. Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Die Gorges du Tarn bei Castelbouc, Forellenregion in Südfrankreich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Quellgebiet von Gebirgsbächen in Höhenlagen von bis zu über 2000 m.ü.M., von Gebirgsflüssen oder von klaren Wiesenbächen in tieferen Lagen und die oberen Bereiche dieser Gewässer. Starkes Gefälle von 4.5-50 ‰, Gewässerbreite 1 bis etwa 25 m, Wasser kühl, im Sommer je nach Höhenlage bis 10˚C oder etwas darüber, sauerstoffreich und, außer während der Schneeschmelze, klar. Der Boden besteht überwiegend aus Fels, Geröll oder grobem Kies.

Tierwelt:

Bachforelle (Salmo trutta f. fario), Groppe, der aus Nordamerika eingeführte Bachsaibling, in tieferen Lagen auch Elritze, Schmerle , Gründling (Gobio gobio), Laube, Steinbeißer (Cobitis taenia) und Bachneunauge (Lampreta planeri).

Wasseramsel, Berg- und Bachstelze (Motacilla cinerea, M. alba).

Der südfranzösische Tarn, der in den Cevennen entspringt und in die Garonne mündet, ist mit einem mittleren Gefälle von etwa 4 ‰  ein Forellen- und Äschengewässer, in dem man weitgehend auf dieselben Arten wie in Mitteleuropa (Forelle, Äsche, Elritze, Gründling, Groppe, Hasel, Döbel) trifft. In den ruhigeren Flussabschnitten im Unterlauf tritt anstelle der Flussbarbe die Forellenbarbe (Barbus meridionalis).

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Äschenregion

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Aare bei Rubigen, ca. 515 m.ü.M., Kt. Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Aare beim Zusammenfluss mit der Saane, 463 m.ü.M., Kt. Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Der Abschnitt unterhalb der Forellenregion. Die Gewässer sind breiter, bis zu etwa 100 m, das Gefälle weniger stark (1.25-7.5 ‰) und das Wasser etwas weniger kalt, im Sommer selten über 15ºC. Der Boden besteht hauptsächlich aus grobem oder feinerem Kies, stellenweise hat es Wasserpflanzen, die Unterschlupf und Nahrung für Insektenlarven und Kleinkrebschen bieten.

Tierwelt

Charakterfisch ist die Äsche (Thymallus thymallus), daneben hat es Fische der Forellenregion, die aus Nordamerika eingeführte Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss), in tieferen Lagen auch Huchen bzw. Lachs (Salmo salar), Nase, Alet, Quappe (Lota lota), Hecht und Rapfen (Aspius aspius).

Gänsesäger, Wasseramsel, Berg- und Bachstelze (Motacilla cinerea, M. alba)

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Barbenregion

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Alte Aare bei Safnern, 425 m.ü.M., Kt. Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Aare bei Büren, ca. 424 m.ü.M., Kt. Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Der Abschnitt unterhalb der Äschenregion. Der Bach ist hier zum Fluss geworden. Das Wasser ist immer noch relativ schnellfließend und sauerstoffreich, weist ein geringes Gefälle von 0.33-3 ‰ und in der warmen Jahreszeit Temperaturen von über 15˚C auf. Der Bestand an Wasserpflanzen hat zugenommen und oft hat es einen Schilfgürtel entlang den Ufern. Der Boden besteht aus grobkörnigem Sand oder Kies.

Tierwelt:

Charakterfisch ist die Flussbarbe (Barbus barbus), daneben leben hier Fische der Forellenregion sowie Rotauge (Plötze, Schwale) und Rotfeder, Schneider, Aal, Flussbarsch, Nase, Zander, Streber, Roi du Doubs (Zingel asper) und andere Barscharten.

Gänsesäger, Eisvogel, Wasseramsel, Berg- und Bachstelze (Motacilla cinerea, M. alba)

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Brachsenregion

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Rhône bei Pont-Saint-Esprit ca. 35 m.ü.M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Vechte bei Nordhorn, ca. 15 m.ü.M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Hier, im Unterlauf des Flusses, fließt das Wasser langsamer in einem ziemlich gleichmäßig tiefen Gerinne. Das Gefälle beträgt bis zu 1 ‰. Das Wasser ist of trübe, kann im Sommer wärmer als 20˚C werden, im Winter aber gefrieren. Der Sauerstoffgehalt in Nähe des sandigen oder schlammigen Bodens ist eher tief. Die Ufer sind stark bewachsen und dienen vielen Fischen als Kinderstube. Insgesamt ist dies die fischreichste Region eines Flusses.

Tierwelt

Charakterfisch ist der Brachsen (Abramis brama), daneben gibt es viele andere Karpfenfische, wie z.B. den Karpfen selbst, die Schleie, die Karausche, das Rotauge, die Rotfeder, die Laube, die Blicke oder die ZiegeFlussbarsch und Zander gedeihen hier besser als in der Barbenregionen. Auch der größte Raubfisch unseres Süßwassers, der Wels, findet sich hier, und früher war die Region das Laichgebiet von Stör und Maifisch.

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Kaulbarsch-Flunder-Region

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Graugänse an der Elbe bei Glückstadt, 0 m.ü.M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

EUR-09 elbe bei brokdorf
Elbe bei Brokdorf , 0 m.ü.M. © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Silberreiher (Casmerodius albus) in der Kleinen Rhone bei Les Stes. Maries-de-la-Mer, ca. Mittelmeerhöhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Mittelmeer-Silbermöwen (Larus cachinnans) in der Kleinen Kleine Rhone bei Les Stes. Maries-de-la-Mer, ca. Mittelmeerhöhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Der Brackwasserbereich der Mündungsgebiete wird auch als Kaulbarsch-Flunder-Region bezeichnet. Sie hat kein Gefälle und ist charakterisiert durch wechselnde Wasserführung und schwankenden Sauerstoff- und Salzgehalt bedingt durch die Wirkung der Gezeiten. Im Sommer wird das Wasser 20 und mehr °C warm. Der Untergrund kann aus feinem Sand, Kies oder Schlamm bestehen. Zu dieser Region gehören Tidenflüsse wie die Elbe ab dem Wehr Geesthacht, die Stör ab Kellinghusen, die Oste ab Bremervörde, die Weser ab Hastedt, die Hunte unterhalb von Oldenburg, die Ems ab Herbrum, der Unterlauf des Rheins, und der Eider.

Tierwelt:

Früher war der Europäische Stör von großer Bedeutung für die Fischerei in den Unterläufen der europäischen Flüsse, etwa bis in die 1930erJahre in der Elbe, wo er heute ausgestorben ist. Im Rhein verschwand er in den 1940/50er-Jahren, und in der der Eider, erlosch der letzte autochthone Störbestand Deutschlands 1969. Den letzten natürlichen Restbestand des Europäischen Störs gibt es im Gironde-Garonne-Dordogne-Gebiet in Frankreich. Seit einigen Jahre laufen Programme zur Wiederansiedlung der Art in Elbe und Oder.

In der Kaulbarsch-Flunder-Region finden sich heute, neben den namengebenden Kaulbarsch (Gymnocephalus cernua) und Flunder (Platichthys flesus), Arten der Brachsenregion sowie Stichlinge (Gasterosteus aculeatus, Pungitius pungitius) und Meeräschen.

In der entsprechenden Region der Rhone gibt es neben Wels, Zander, Hecht, Aal, StichlingMaifisch und Meeräsche auch Seenadel (Syngnathus abaster), Wolfsbarsch, Sardine (Sardina pilchardus), GeißbrasseGoldbrasse und Seezunge (Solea solea).

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Literatur und Internetquellen

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Freigegeben in Lebensräume in Eurasien
Samstag, 10 Oktober 2020 07:45

Seen und Stauhaltungen

(9.0) Allgemeines
(9.1) Seen und Stauhaltungen
(9.1.1) Hochgebirgsseen
(9.1.2) Bergseen
(9.1.3) Seen der mittleren Höhenlagen
(9.1.4) Tieflandseen
(9.1.5) Altwasser
(9.1.6) Stauhaltungen
(9.2) Fließgewässer
(9.3) Flachseen
(9.4) Kleingewässer
(9.5) Feuchtgebiete

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Seen und Stauhaltungen

EUR 09 00 spiez PD1
Blesshüher (Fulica atra), Reiherenten (Aythya fuligula) und Gänsesäger (Mergus merganser) im Botshafen von Spiez am Thunersee © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Seen sind stehende Gewässer, die mindestens 10 m tief sind, in denen das Wasser geschichtet ist und die über eine durch eine gleichmäßig kühle Wassertemperatur gekennzeichnete Tiefenzone verfügen, in der keine Wasserpflanzen gedeihen können. Stauseen sind künstlich angelegte Wasserspeicher, in denen der Wasserstand starken Schwankungen unterworfen sein kann. Je nach Art der Bewirtschaftung sind sie als Lebensraum für Fische mehr oder weniger geeignet.

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Hochgebirgsseen

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Triebtensee 2365 m.ü.M., im Hintergrund Oberaar-Stausee, 2303 m.ü.M. Berner Oberland © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Hochgebirgsseen liegen oft in 2000 m Höhe und darüber. Sie sind meistens während 6-9 Monaten mit Eis und Schnee bedeckt. Bevölkert werden sie, soweit sie für Fische erreichbar sind oder diese vom Menschen eingesetzt wurden, von Bachforelle, Groppe, Seesaibling und Elritze. In der aus 23 Einzelseen bestehenden Seenplatte von Macun im Schweizer Nationalpark leben Elritzen sowie ursprünglich eingesetzte Forellen und Kanadische Seesaiblinge auf über 2600 m Höhe. Sie ernähren sich von Zuckmückenlarven, Erbsenmuscheln, Land- und Wasserkäfern sowie Anflugnahrung.

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Bergseen

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Silsersee, 1797 m.ü.M., Tiefe 71 m. Oberengadin, Kt. Graubünden © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Die tiefer gelegenen Bergseen entsprechen als Lebensraum in etwa der Forellen und Äschenregion. Zusätzlich zu den in Hochgebirgsseen anzutreffenden Fischarten vermögen sich unterhalb von 2000 m.ü.M. auch die Äsche und die Bartgrundel zu halten. In manche Bergseen eingesetzt wurden die aus Nordamerika stammende Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss) und der Kanadische Seesaibling.

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Seen der mittleren Höhenlagen

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Stockenten (Anas platyrhynchos) am Starnbergersee, 584 m.ü.M., Tiefe 127 m. Bayern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

EUR 09 00 brienzersee PD1
Personenschiffahrt auf dem Brienzersee im Berner Oberland, 564 m. ü. M., Tiefe 261 m © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

EUR 09 00 worthersee PD1
Der Wörthersee, 439 m.ü.M., Tiefe 85 m, ist einer der wärmsten Alpenseen Österreichs © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

EUR-09-01-03 champspittet
Silberreiher (Casmerodius albus) bei Champs-Pittet, Neuenburgersee, 429 m ü. M., Tiefe 152 m. Kt. Waadt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

EUR-09-01-03 Lago maggiore
Lago Maggiore mit Isola di Brissago von Ronco aus. Kt. Tessin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

EUR-09 lago di como
Lago di Como mit Halbinsel von Bellagio Lombardei, Italien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

In den tieferen Lagen der Alpen, im Alpenvorland und im Schweizer Mittelland gibt es eine Reihe recht tiefer Seen, so z.B. in Österreich: Zeller, Millstätter, Ossiacher, Mond- und Wörthersee; in Bayern: Starnberger, Ammer- und Chiemsee; in der Schweiz: Thuner-, Vierwaldstätter-, Neuenburger-, Zürich- und Genfersee und schließlich das "Schwäbische Meer", der trinationale Bodensee. Diese Seen sind durch relativ kaltes, sauerstoffreiches Wasser charakterisiert.

Tabelle: Seen der mittleren Höhenlagen

Tierwelt:

Im meist schmalen Uferbereich der Alpen- und Voralpenseen leben BarscheHechte und verschiedene Weißfische. Im Freiwasserbereich dominieren die verschiedenen, oft für einzelne Seen spezifischen Felchen. Ferner hat es Seeforellen (Salmo trutta lacustris), Seesaiblinge und Äschen. In Seen unter etwa 450 m Höhe nimmt die wirtschaftliche Bedeutung des - am Bodensee "Kretzer" genannten - Flussbarschs zu. Diese Seen sind mit die wichtigsten Überwinterungsgebiete für Enten aus Skandinavien und Sibirien. Allein in der Schweiz überwintern 147'000 Tafel- und 176'000 Reiherenten.

Seen südlich der Alpen

Die auf etwas geringerer Höhe (z.B. Lago d'Orta 290 m.ü.M., Lago Maggiore 193 m.ü.M., Gardasee 65 m.ü.M.) liegenden Seen des südlichen Alpenrandes sind zumeist sehr tief (Lago di Como bis 425 m, Lago Maggiore bis 372 m, Gardasee bis 346 m). Im Sommer erwärmt sich das Oberflächenwasser deutlich stärker als das Tiefenwasser. Es kann ohne weiteres 20°C erreichen, währenddem das "Hypolimnion" des Sees homogen 4°C kühl bleibt. Dadurch wird der Wasseraustausch zwischen unteren und oberen Schichten im Sommer unterbunden.

Tierwelt:

Die südlichen Alpenrandseen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Fischfauna deutlich von jenen nördlich der Alpen. Die Felchen fehlen, soweit sie nicht vom Menschen eingesetzt wurden. Andererseits lebt hier mit der Cagnetta (Salaria fluviatilis) ein Schleimfisch, den man eher im Meer, sowie der Ghiozzo eine Grundel, die man eher in der Brackwasserzone erwarten würde. Viele Gattungen sind durch mittelmeertypische anstelle der bei uns heimischen Arten vertreten. Der auf 850 m Höhe gelegene Prespasee, ein Grenzgewässer Griechenlands, Albaniens und Nordmazedoniens beherbergt die europaweit größte Brutkolonie des Krauskopfpelikans.

Tabelle Fische nördlich und südlich der Alpen

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Tieflandseen

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Ruppiner See, 36,5 m.ü.M., max. Tiefe 23 m. Brandenburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

In Deutschland befinden sich die Tieflandseen hauptsächlich in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg. Der größte See der Mecklenburger Seenplatte ist die auf 62 m.ü.M. gelegene Müritz mit einer Fläche von 11'260 ha, einer maximalen Tiefe von 31 und einer mittleren Tiefe von 6.5 m. Nebst einigen weiteren größeren Seen handelt es sich meist um Kleinseen mit einer Wassertiefe von unter 10 m. In den tieferen Seen ist die Kleine Maräne (Coregonus albula) der wichtigste Fisch der Freiwasserzone. In den meist breiten, bewachsenen Uferzonen leben Hecht, Flussbarsch, Brachsen und verschiedene andere Karpfenfische.

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Altwasser

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Aare-Altwasser, Naturschutzgebiet Häftli, Kt. Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Altwasser sind durch natürliche Ursachen oder wasserbauliche Massnahmen abgetrennte Nebenarme eines Flusses mit stehendem Wasser. Sie befinden sich oft in sumpfigen Auen, sind stark mit Wasserpflanzen bewachsen und wegen ihrer relativ geringen Ausdehnung und geringen Tiefe am ehesten mit einem Kleinsee vergleichbar.

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Stauhaltungen

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Höckerschwan im Wohlensee (Stauhaltung der Aare), 481 m.ü.M. Kt. Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Der Mittellauf vieler Flüsse wird mittels Niederdruckkraftwerken zur Elektrizitätsgewinnung genutzt. Dadurch entstehen in der Barbenregion langgestreckte langsam fliessende Gewässer mit einer Tiefe von bis zu 15 m, deren Biozönosen jenen der Brachsenregion entsprechen, wobei das Artenspektrum sehr groß sein kann (Beispiel Wohlensee bei Bern: Bachforelle , Regenbogenforelle, Bachsaibling, Felchen, Flussbarsch, Hecht, Trüsche, Flussbarbe, Alet, Karpfen, Schleie , Brachse, Rotauge, Rotfeder, Hasel).

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Donnerstag, 11 Juni 2020 09:26

Andere Feld- und Wiesenblumen

 

Allgemeines

Auf diesem Blatt sind auch Pflanzen aufgeführt, die an Ruderalstandorten wie Wegrändern, Kiesgruben etc. gedeihen.

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Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)

APIACEAE anthriscus sylvestris agroscope PD1
Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris) im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

APIACEAE anthriscus sylvestris agroscope PD2
Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris), Blüten im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Apioideae
Tribus: Scandiceae

Wiesen-Kerbel

Anthriscus sylvestris

Verbreitung: Europa und Asien in mehreren Unterarten.

Standorte: Tal- und Bergfettwiesen; vom Tiefland bis in die subalpine Stufe.

Blütezeit: April-August.

Der Wiesen-Kerbel ist zwei- oder mehrjährig. Er erreicht eine Höhe von 50-150 cm. Er hat eine Wurzelrübe. Seine kleinen weißen Blüten stehen in Dolden, seine Blätter sind zwei- bis dreifach gefiedert und sein gefurchter Stengel ist hohl. Die schwarzen Früchte sind 6-10 mm lang und haben einen 1-2 mm langen, zehnrippigen «Schnabel» [3; 4; 5].

Die Blätter des Wiesenkerbels werden zwar von Nutztieren gefressen, sind aber im Heu unerwünscht, weil sie bröckeln, und der Stengel ist wertlos. Es wird deshalb versucht, die Art z. B. durch Frühjahrsweide, Walzen, frühes Mähen oder geringere Düngung zurückzudrängen [7].

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Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Glockenblumengewächse (Campanulaceae)

CAMPANULACEAE campanula rapunculus PAP PD2
Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

CAMPANULACEAE campanula rapunculus PAP PD1
Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Campanuloideae

Rapunzel-Glockenblume

Campanula rapunculus

Verbreitung: Westliche Paläarktis.

Standorte: Trockene Wiesen, Waldränder, Wegränder vom Tiefland bis zur montanen Stufe.

Blütezeit: Mai-Juli.

Die Rapunzel-Glockenblume ist eine mehrjährige Staude. Sie wird 30-90 cm hoch. Ihr Stengel ist kahl oder zerstreut behaart. Die Stengelblätter sind lanzettlich und kaum gestielt, die länglich- oder verkehrt-eiförmigen grundständigen Blätter sind zur Blütezeit meist noch vorhanden. Die Blüten stehen mehr oder weniger aufrecht in einer schlanke Traube oder Rispe. Ihre 1.5-2.5 cm lange und breite, trichterförmige Krone ist hell-blaulila und bis fast zur Mitte eingeschnitten. Die Frucht ist aufrecht und kahl. [3; 4].

Die Art ist ungiftig. Die fleischig verdickte Wurzel kann als Gemüse zubereitet werden.

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Ordnung: Raublattartige (Boraginales)
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)

BORAGINACEAE symphytum officinale bannholz PD2
Echter Beinwell (Symphytum officinale) im Mai, am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

BORAGINACEAE symphytum officinale bannholz PD1
Echter Beinwell (Symphytum officinale) im Mai, am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Boraginoideae
Tribus: Boragineae

Echter Beinwell

Symphytum officinale

Verbreitung: Gemäßigte Zonen Europas und Asiens in mehreren Unterarten.

Standorte: Feuchte Wiesen, Wegränder und Gräben; vom Tiefland bis in die montane Stufe.

Winterhärtezone 5 (erträgt bis -24ºC).

Blütezeit: Mai-August.

Der Beinwell ist eine mehrjährige, horstig aufrecht wachsende Staude, die eine Höhe von 50-80 (40-120) cm und eine Breite von etwa 30-40 cm erreicht. Er hat eine bis zu 50 cm lange Hauptwurzel mit braun-schwarzer Schale, die innen weiß und schleimig ist. Die ovalen Blätter sind gestielt, spitz zulaufend, grob-lanzettlich und werden unten am Stengel bis zu 25 cm lang. Sie sind beidseitig mit borstigen Haaren bedeckt und haben auf der Unterseite deutlich ausgebildete und stark verästelte Blattnerven. Die glockenförmigen, 2 cm langen Blüten hängen in traubenartige Blütenständen. Sie können weißlich, rosa, violett oder purpurfarben sein. Wegen der etwas engen und verwinkelten Blütenform können sie nur von Hummeln mit langem Rüssel bestäubt werden. Es werden Klausenfrüchte ausgebildet, die bei Reife in eiförmige Teilfrüchte (Klausen), zerfallen [3; 4; 5].

Der Echte Beinwell enthält Pyrrolizidinalkaloide und gilt als schwach giftig. Bestimmend für den toxischen Effekt ist die totale Aufnahme der Pyrrolizidinalkaloide, egal über welchen Zeitraum. Die chronische Aufnahme kann zu Konditionsverlust infolge einer Leberschädigung führen [2]. Der Beinwell wurde traditionell als Heilmittel eingesetzt. Sein deutscher Name rührt daher, dass man die schmerz- und entzündungshemmenden Eigenschaften der Pflanze bei Knochenbrüchen, Prellungen und Blutergüssen nutzte [5].

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BORAGINACEAE Echium vulgare bannholz PD2
Blauer Natternkopf (Echium vulgare),im Juni am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

BORAGINACEAE Echium vulgare bannholz PD3
Blauer Natternkopf (Echium vulgare), im Juni am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

BORAGINACEAE echium vulgare bannholz PD1
Blauer Natternkopf (Echium vulgare), Ende Juli am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Boraginoideae
Tribus: Lithospermeae

Blauer Natternkopf

Echium vulgare

Verbreitung: Ursprünglich Mittelmeerraum bis Westasien, heute auch in Mitteleuropa weit verbreitet.

Standorte: Trockene oder halbtrockene, magere Standorte wie Kiesgruben, Wegränder, Schuttplätze vom Tiefland bis in die subalpine Stufe.

Blütezeit: Juni-September (Mai-Oktober).

Der Gewöhnliche Natternkopf ist eine 30-90 (25-150) cm hohe und 40-60 cm breite, zwei- oder mehrjährige Staude mit tiefreichender Pfahlwurzel und steifen Borsten an Stengeln und Blättern. Die Blätter sind schmal-lanzettlich und bilden im ersten Jahr eine grundständige Rosette, im zweiten Jahr entwickelt sich ein aufrechter, beblätterter Stiel. Der ährenartige Blütenstand ist lang zylindrisch. Die trichterförmigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Kronblätter sind 15 bis 22 Millimeter lang, zuerst rosafarben bis violett, später färben sie sich blau. Die Staubblätter sind ungleich lang und ragen weit aus der Krone heraus. Die Früchte sind Spaltfrüchte die in vier kleine, glatte Teilfrüchte zerfallen. Der Natternkopf ist eine sehr gute Bienenweide und wird gerne von Schwebfliegen und Schmetterlingen besucht. [3; 4; 5; 6].

Der Natternkopf gilt aufgrund seines Gehalts an Pyrrolizidinalkaloiden als giftig, andererseits wird er in der Volksmedizin als Heilmittel eingesetzt und der gelegentliche Verzehr von Blättern oder Blüten wird als unbedenklich erachtet. Die akute Aufnahme kann zu Irritationen der gastrointestinalen Schleimhaut führen, die chronische zu Konditionsverlust infolge einer Leberschädigung. In den Vormägen von Wiederkäuern werden die Alkaloide partiell entgiftet [2; 6].

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Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Nelkengewächse (Caryophyllaceae)

CAYOPHYLLACEAE dianthus cartusianorum PAP PD1
Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum), im Juni, Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CARYOPHYLLACEAE dianthus cartusianorum PAP PD2
Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum), im Juni, Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CARYOPHYLLACEAE dianthus cartusianorum KOPS
Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum). Abbildung aus Jan KOPS (1877): Flora Batava of Afbeelding en Beschrijving van Nederlandsche Gewassen, XVII. Deel. Gemeinfrei.

Unterfamilie: Caryophylloideae
Tribus: Caryophylleae

Kartäuser-Nelke

Dianthus carthusianorum

Verbreitung: Europa ohne den Norden. In Nordamerika eingebürgert.

Standorte: Trockenwiesen, feslsges Gelände, lichte Wälder von der kollinen-subalpinen (-alpinen) Stufe.

Blütezeit: Juni-Oktober.

Die Kartäusernelke ist eine mehrjährige Staude, die bei Aussaat im April im 2. Jahr blüht und sich durch Selbstaussaat verjüngt. Sie wird 20-50 cm hoch. Die kahlen Stengel sind meist unverzweigt. Es gibt viele sterile Triebe. Die fast grasartigen, schmalen und etwa 5 cm langen Blätter sind mattgrün. Sie sitzen gegenständig an den Trieben und sind an der Basis scheidig miteinander verwachsen. Jeweils 7-15 purpurfarbene, kurz gestielte Blüten sitzen am Ende des Stengels in einem kopfigen, von braunhäutigen Hochblättern umgebenen Blütenstand. Die braunrote Kelchröhre ist 12-18 mm lang. Die Kronblätter sind vorn gezähnt. Die Blüten haben einen Durchmesser von 2 cm und duften süß [3; 4; 5].

Die Art ist ungiftig. Sie enthält den Duftstoff Eugenol, der den Hauptbestandteil des in der Parfümindustrie, der Zahnheilkunde und als Betäubungs- und Beruhigungsmittel bei Fischen verwendeten Nelkenöls bildet, sowie Saponine. In der traditionellen Medizin wurde die Pflanze in verschiedenen Applikationsformen gegen Zahnschmerzen, Schlangenbisse, Hautkrankheiten, Rheuma, Muskelschmerzen, Pest und Würmer eingesetzt. Der Name weist auf die Kartäuser-Mönche hin, die sie seit dem 16. Jahrhundert in ihren Klostergärten anbauten [12].

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Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Nelkengewächse (Caryophyllaceae)

CARYOPHYLLACEAE dianthus sylvestris PAP PD1
Stein-Nelke (Dianthus sylvestris), Blüte im Juni, Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CAYOPHYLLACEAE dianthus sylvestris agroscope PD1
Stein-Nelke (Dianthus sylvestris), Blüten im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CAYOPHYLLACEAE dianthus sylvestris agroscope PD2
Stein-Nelke (Dianthus sylvestris), Blüten im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

CAYOPHYLLACEAE dianthus sylvestris agroscope PD3
Stein-Nelken (Dianthus sylvestris) im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Caryophylloideae
Tribus: Caryophylleae

Stein-Nelke

Dianthus sylvestris

Verbreitung: Mittel- und Südeuropa, Nordafrika, nach manchen Quellen auch Zentral- und Westasien.

Standorte: Fettwiesen, Halbtrockenrasen, Gebüsche, Steinbrüche, Felsen und Wegränder vom Tiefland bis in die subalpine, stellenweise alpine Stufe. Bevorzugt werden sonnige bis vollsonnige Plätze und sandige, stark durchlässige Böden

Blütezeit: Mai-Juli (-September).

Die Steinnelke ist eine mehrjährige, 10-30 cm hohe Staude mit einfachem oder oben verzweigtem Stengel und am Grund mit dicht stehenden sterilen Rosetten. Sie ist ein Hemikryptophyt, d. h. ihre Überwinterungsknospe befindet sich auf der Erdoberfläche, die darüber liegenden Pflanzenteile sterben im Herbst ab. Ihre Blätter sind schmal-lineal und gekielt. Die kaum duftenden Blüten sitzen einzeln am Ende der Stengel und Zweige. Der röhrenförmige Kelch ist 15-20 mm lang. Er besteht aus fünf Kelchblättern. Die Kronblätter sind rosa, ihr ausgebreiteter Teil ist 8-15 mm lang, kahl und vorn gezähnt. Es werden Kapselfrüchte gebildet. Die Kapsel ist etwa so lang wie der Kelch und öffnet sich mit 4 Zähnen [3; 4].

Die Steinnelke ist eine wichtige Nahrungsquelle für Raupen und erwachsene Nelkeneulen-Falter (Hadena spp.), die regional durch den Verlust an Magerrasen gefährdet sind. Die Falter legen ihre Eier in den Knospen der Nelken ab [11].

In der Schweiz gilt die Art im Mittelland als gefährdet, in Voralpen, Alpen und im Jura ist dies nicht der Fall [3].

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CARYOPHYLLACEAE silene alba bannholz PD2
Weiße Lichtnelke (Silene dioica) im Juni am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

CARYOPHYLLACEAE silene alba bannholz PD1
Weiße Lichtnelke (Silene dioica) im Juni am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Caryophylloideae

Weiße Lichtnelke

Silene latifolia subsp. alba= Silene pratensis

Verbreitung: Eurasien und Nordafrika, eingeschleppt in Nordamerika, Australien und Neuseeland.

Standorte: Feuchte Wiesen, Hochstaudenfluren; vom Tiefland bis in die subalpine, stellenweise alpine Stufe.

Blütezeit: Juni bis September.

Die Weiße Lichtnelke ist unter verschiedenen Synonymen bekannt: Silene alba, s. arvensis, S. latifolia, S. pratensis und weitere. Sie wird bisweilen auch in die Gattungen Lychnis oder Melandrium gestellt. Sie ist eine tiefwurzelnde, ein- bis zweijährige Halbrosettenpflanze, die 30-120 cm hoch wird. Sie ist zwei- oder dreihäusig, d.h. es gibt Exemplare nur mit weiblichen, nur mit männlichen oder solche mit zwittrigen Blüten. Die Blüten sind nachmittags und in der Nacht geöffnet. Sie verströmen dann einen angenehmen Duft, mit dem sie Nachtfalter anlocken. Die 25-35 mm langen Kronblätter sind weiß, der Kelch ist 13-20 mm lang, grün oder rötlich, bei den männlichen Blüten zylindrisch und 10nervig, bei den weiblichen eiförmig und 20nervig. Im Übrigen hat die Art Ähnlichkeit mit der Roten Lichtnelke, ist aber kürzer behaart [3; 4; 12].

Die Wuzel enthält Saponine. Sie wurde daher früher als Seife genutzt, wobei sie zeitweise das Seifenkraut (Saponaria officinalis) ersetzte. Ferner findet die Pflanze Anwendung in der Volksmedizin. Abkochungen aus Wurzeln oder Kraut werden als Waschung oder Umschlag gegen Hautkrankheiten eimgesetzt. Wurzeltee soll gegen Husten und andere Gebresten helfen [12].

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CARYOPHYLLACEAE silene dioica auried PD1
Rote Lichtnelke (Silene dioica) im Mai, Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Caryophylloideae

Rote Lichtnelke

Silene dioica

Verbreitung: Eurasien.

Standorte: Feuchte Wiesen, Hochstaudenfluren; vom Tiefland bis in die subalpine, stellenweise alpine Stufe.

Blütezeit: April bis September.

Die Rote Lichtnelke ist eine ziemlich dicht und lang behaarte, zwei- oder mehrjährige krautige Pflanze mit grundständigen Blattrosetten und gegenständigen Stengelblättern, die 30-90 cm hoch wird. Sie ist meist zweihäusig getrenntgeschlechtig. Die fünfzähligen, geruchlosen Blüten sind nur am Tag geöffnet. Die 15-25 mm langen Kronblätter sind rot, der meist rötliche Kelch ist 10-13 mm lang. Die Kapselfrüchte sind 10-13 mm lang und öffnen sich mit 10 Zähnen [3; 4; 12].

In der Volksheilkunde wurde der zerstoßene Samen als Brei zur Behandlung von Schlangen-Bissen eingesetzt. Die Blüten werden wie die Bachblüten zu einer Essenz verarbeitet, die helfen soll, die Entschlusskraft zu stärken. Die Wuzel enthält Saponine. Sie wurde daher früher als Seife genutzt. Die Art wird als Gartenpflanze kultiviert [12].

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CARYOPHYLLACEAE silene flos cuculi agroscope PD1
Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi), Blüten im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

CARYOPHYLLACEAE silene flos cuculi agroscope PD2
Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris) im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Caryophylloideae

Kuckucks-Lichtnelke

Silene flos-cuculi

Verbreitung: Europa, Sibirien. Eingeschleppt nach Nordamerika und Japan.

Standorte: Feuchte Wiesen, Flachmoore; vom Tiefland bis in die kolline und montane, stellenweise subalpine Stufe.

Blütezeit: Mai bis August.

Die Kuckucks-Lichtnelke ist eine ausdauernde Krautflanze. Sie wird 30-90 cm hoch. Die schmal-lanzettlichen bis spatelförmigen Blätter bilden eine grundständigen Rosette. Die unverzweigten Stengel sind fast kahl, die gegenständigen Stengelblätter sind lanzettlich geformt. Die Blütenstände sind rispig. Die Blüten weisen 5 zu einer Kelchröhre verschmolzene Kelchblätter und 5 lebhaft rosa, 15-25 mm lange, tief vierteilige Kronblätter mit schmalen Zipfeln und mit ca. 3 mm hohem, zweiteiligem Nebenkrönchen auf [3; 4].

Die Kuckucks-Lichtnelke wird als Gartenstaude kultiviert. Neben rosafarbenen gibt es auch weiß blühenden Sorten und neben normalgroßen auch Zwergformen [5].

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Ordnung: Kardenartige (Dipsacales)
Familie: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)

DIPSACALES dipsacus fullonum PAP PD1
Wilde Karde (Dipsacus fullonum) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

DIPSACALES dipsacus fullonum PAP PD2
Wilde Karde (Dipsacus fullonum) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

DIPSACALES dipsacus fullonum bannholz PD1
Wilde Karde (Dipsacus fullonum), Ende Juli am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Kardengewächse (Dipsacoideae)

Wilde Karde

Dipsacus fullonum

Verbreitung: Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und dem Nahen Osten, aber seit Jahrhunderten auch in Mitteleuropa verbreitet.

Standorte: Sonnige Feuchtfluren, Dämme, Wegränder, Ufer, Brachen vom Tiefland bis zur montanen Stufe, vorzugsweise auf Lehmböden.

Blütezeit: (Juni-) Juli-August.

Die Wilde Karde ist eine zweijährige, mit 1-5 mm langen Stacheln bewehrte, winterharte Staude, die eine Höhe bis zu 2 m erreichen kann. Das Laub setzt sich aus schmal lanzettlichen, , paarweise tütenförmig verwachsenen Stengelblättern und breiteren Grundblättern zusammen, die zu einer Rosette angeordneten sind, in der sich nach Regen Wasser ansammelt. Die blauvioletten Blüten sitzen endständig an langen Stielen. Die zapfen- bis kolbenförmigen Blütenköpfe sind 3-8 cm lang und bestehen aus winzigen Einzelblüten, die von markanten und stacheligen, bogig aufgerichteten Hüllblättern umgeben sind. Nach erfolgreicher Befruchtung entwickeln sich aus den befruchteten Blüten kolbenförmige Fruchtstände mit vielen kleinen Nussfrüchten, die den ganzen Winter über an der Pflanze haften [3; 4; 5; 6].

Die Wilde Karde ist eine bedeutende Nahrungspflanze für Dompfaff und Distelfink und für langrüsselige Hummeln, Wildbienen und Schmetterlinge. Sie enthält verschiedene pharmakologische Wirkstoffe wie Glykoside und Terpene, gilt aber nicht als giftig. Sie spielt in der Naturheilkunde eine wichtige Rolle, obwohl es keine wissenschaftlichen Belege für ihre Heilwirkung gibt. Aus der Wurzel werden Extrakte, Tinkturen und Tees hergestellt, die bei allerlei Beschwerden helfen sollen. Die stacheligen Blütenköpfe wurden früher zum Aufrauhen von Wollstoffen benutzt [5; 6].

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DIPSACALES knautia arvensis auried PD1
Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) Blüte im Mai im Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

DIPSACACEAE knautia arvensis agroscope PD1
Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) im Mai, Agroscope-Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Kardengewächse (Dipsacoideae)

Acker-Witwenblume

Knautia arvensis

Verbreitung: Europa, Westasien.

Standorte: Wiesen, Raine, Wegränder; vom Tiefland bis in die kolline-montane, stellenweise subalpine Stufe. Vollsonnige Standorte werden bevorzugt, jedoch gedeiht die Pflanze auch an hellen, halbschattigen Plätzen.

Blütezeit: Mai-September.

Die Acker-Witwenblume ist eine sommergrüne Krautpflanze, die dank eines Rhizoms über mehrere Jahre ausdauern kann. Sie wird 30-100 cm hoch und hat ungleich lange, borstige Haare mit oder ohne Drüsen. Die unteren, in einer Rosette angeordneten Blätter sind lanzettlich und meist ungeteilt, die oberen meist fiederteilig. Die behaarten, leicht gewölbten, köpfchenförmigen Blütenstände haben einen Durchmesser von 2-4 cm und enthalten bis zu 50 blau- bis rotviolette Blüten [3; 4; 8].

Die verwandte, aus dem Balkan stammende Purpur-Witwenblume (Knautia macedonica) wird als Zierstaude in Gärten kultiviert [5].

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Ordnung: Storchschnabelartige (Geraniales)
Familie: Storchschnabelgewächse (Geraniaceae)

GERANIACEAE geranium pratense bannholz PD1
Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense), Blüte im Juni, am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

GERANIACEAE geranium pratense bannholz PD2
Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense) im Juni, am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

GERANIACEAE geranium pratense bannholz PD3
Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense) im Juni, am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Wiesen-Storchschnabel

Geranium pratense

Verbreitung: Eurasien.

Standorte: Fettwiesen, Staudenfluren; vom Tiefland bis in die kolline, stellenweise montane Stufe.

Blütezeit: Juni-Juli.

Der Wiesen-Storchschnabel ist eine mehrjährige, sommergrüne, horstbildende Halbrosettenpflanze, die eine Höhe von ca. 40-70(-80) cm und eine Breite von 40-50 cm erreicht. Er ist ein Hemikryptophyt (d h. seine Überdauerungsknospen liegen auf der Erdoberfläche), der dem Wald-Storchschnabel ähnelt, aber seine gegenständigen, gestielten, bis 20 cm langen Blätter sind tiefer geteilt und haben längeren Endzipfel. Am Stengel und an den Blattstielen befinden sich abwärts gerichtete Haare, insbesondere der obere Teil sowie die Blütenstiele sind drüsig behaart. Die meisten Pflanzen sind zwittrig, es gibt aber auch rein weibliche. Die paarweise angeordneten Blüten sind blauviolett, ihre Stiele sind nach dem Blühen abwärts gerichtet, zur Fruchtzeit aber wieder aufrecht. Die Frücht sin 30 bis 37 mcm lang und haben dicht mit Drüsenhaaren besetzte Fruchtklappen. Die Samen liegen lose im becherförmigen unteren Teil des Fruchtfachs. Wenn sich die Fruchtfächer von der Mittelsäule ab,lösen werden die Samen katapultartig bis über 2 m fortgeschleudert [3; 4; 5; 6].

Der Wiesen-Storchenschnabel wurde als Gartenpflanze kultiviert, mittlerweile gibt es rosaviolett, zartrosa und weiß blühende sowie gefüllte Sorten. Die gefüllten Sorten sind allerdings steril. Er ist nicht giftig. Storchschnäbel werden aber wegen ihres unangenehmen Geruchs auf der Weide kaum verbissen und sind als Futter unbeliebt. Bei der Heuernte zerbröseln sie stark [5; 7].

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GERANIACEAE geranium pyrenaicum lfeld PD1
Pyrenäen-Storchschnabel (Geranium pyrenaicum), Blüten im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

GERANIACEAE geranium pyrenaicum lfeld PD2
Pyrenäen-Storchschnabel (Geranium pyrenaicum) im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

GERANIACEAE geranium pyrenaicum juraparc PD1
Pyrenäen-Storchschnabel (Geranium pyrenaicum) im Juni im JuraParc Mont d'Orzeires © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Pyrenäen-Storchschnabel

Geranium pyrenaicum

Verbreitung: Ursprünglich Südeuropa und Kaukasus, in Mitteleuropa eingebürgert.

Standorte: Wiesen, Gebüsche, Schuttplätze; vom Tiefland bis in die kolline-montane, stellenweise subalpine Stufe.

Blütezeit: Mai-August.

Der Pyrenäen-Storchschnabel ist eine zweijährige oder ausdauernde, 20-60 cm hohe Krautpflanze. Die Stengel sind meist gabelig verzweigt, die bis über die Mitte fünf- bis neunteilige Blätter sind im Umriss rundlich und haben einen Durchmesser von 3-7 cm. Die hellvioletten Blüten sitzen zu zweit auf langen Stielen [3; 4].

Der Pyrenäen-Storchenschnabel wurde als Gartenpflanze kultiviert, mittlerweile gibt es Sorten mit unterschiedlichen Blütenfarben, wobei es sich oft um Kreuzungen mit Geranium versicolor handelt, die auch unter der Bezeichnung Geranium x oxonianum angeboten werden [5].

Storchschnäbel werden wegen ihres unangenehmen Geruchs auf der Weide kaum verbissen und sind als Futter unbeliebt. Bei der Heuernte zerbröseln sie stark [7].

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Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)

LAMIACEAE ajuga reptans juraparc PD2
Kriechender Günsel (Ajuga reptans) im Juni im JuraParc Mont d'Orzeires © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

LAMIACEAE ajuga reptans bannholz PD1
Rosafarbener Kriechender Günsel (Ajuga reptans), Ende Juli am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

LAMIACEAE ajuga reptans juraparc PD1
Kriechender Günsel (Ajuga reptans) im Juni im JuraParc Mont d'Orzeires © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Ajugoideae

Kriechender Günsel

Ajuga reptans

Verbreitung: Europa, Nordafrika und Naher Osten. Eingebürgert in Nordamerika.

Standorte: Wiesen und Wälder vom Tiefland bis in die subalpine, stellenweise alpine Stufe. Gerne an halbschattigen, feuchten Stellen.

Blütezeit: April-Juni (-Juli).

Der Kriechende Günsel ist eine 15-20 (10-30) cm hohe und 20-25 cm breite, immergrüne, ausdauernde Staude mit einem Rhizom und beblätterten Ausläufern, die einen Teppich bilden. Seine Stengel sind meist auf 2 Seiten behaart, die Blätter sind metallisch glänzend. Er hat auffällige, bis zu 20 cm lange Blütenstände, in denen die meist violett-blau, gelegentlich auch rosa gefärbten Blüten in mehreren Etagen quirlartig übereinander stehen. Die Oberlippe der Blüten ist kurz und gerade, die dreiteilige Unterlippe ist stets viel länger. Als Früchte werden kleine Nüsschen ausgebildet [3; 4; 5; 10].

Der Kriechende Günsel ist eine Gartenpflanze, die als Bodendecker eingesetzt wird und von der es mehrere kultivierte Sorten mit unterschiedlichen Laub- und Blütenfarben gibt. In der Volksmedizin wird er als Heilpflanze verwendet, der u. a. leicht schmerzstillende und wundheilende Eigenschaften nachgesagt werden [5].

 

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LAMIACEAE salvia pratensis agroscope PD1
Wiesensalbei, Blüte im Mai, Agroscope-Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

LAMIACEAE salvia pratensis agroscope PD2
Wiesensalbei, Blüte im Mai, Agroscope-Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

LAMIACEAE salvia pratensis agroscope PD3
Wiesensalbei, Blüte im Mai, Agroscope-Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Nepetoideae

Wiesensalbei

Salvia pratensis

Verbreitung: Europa (ursprünglich Mittelmeerraum), Kleinasien, eingeführt in Nordamerika.

Standorte: Trockenwiesen, sonnige Raine; vom Tiefland bis in die montane (Subalpine) Stufe.

Blütezeit: Mai bis August.

Der Wiesensalbei ist eine mehrjährige Schaftpflanze, deren Wuzel bis zu einem Meter tief ins Erdreich vordringt. Er wird 30-60 cm hoch, ist verzweigt und mehr oder weniger behaart. Seine runzeligen Blätter sind grundständig und lang gestielt. Die blauen Blüten sitzen in zahlreichen locker stehenden, wenigblütigen quirligen Teilblütenständen; sie haben eine hohe, helmartig gewölbte Oberlippe und eine dreiteilige Unterlippe [3; 4].

Der Wiesensalbei enthält Mono- und Diterpene. Er gilt als schwach giftig. Junge Blätter können zum Würzen von Speisen verwendet werden. Auf der Weide wird er kaum gefressen. Er ist eine gute Futterpflanze für Hummeln, die auch seine hauptsächlichen Bestäuber sind [2].

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Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae)

SCROPHULARIACEAE rhinanthus alectorolophus agroscope PD1
Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolopus), Blüten im Mai, Agroscope-Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

SCROPHULARIACEAE rhinanthus alectorolophus agroscope PD2
Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolopus) im Mai, Agroscope-Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

LAMIAL Rhinanthus alectorolopus agroscope PD3
Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolopus) im Mai, Agroscope-Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Rhinantheae

Zottiger Klappertopf

Rhinanthus alectorolophus

Verbreitung: Europa, Asien, Nordamerika.

Standorte: Wiesen, Getreideäcker; vom Tiefland bis in die kolline-subalpine, stellenweise alpine Stufe.

Blütezeit: Mai-August.

Der Zottige Klappertopf ist ein einjähriges, dicht behaartes Kraut, das 10-70 cm hoch wird. Die Blüte hat eine zweilippige, gelbe, ca. 18-22 mm lange, Krone, der zur Fruchtzeit vergrößerte, bauchige Blütenkelch ist zottig behaart [3; 4].

Es handelt sich um einen einjährigen Halbparasiten, der zu einer eingeschränkten Photosynthese fähig ist, zusätzlich aber Wasser und Nährstoffe aus den Wurzeln von Süßgräsern und auch Krautpflanzen bezieht. Der Parasitismus schwächt die Gräser, was zu einer Minderung des Ertrags führen kann. Sind kaum mehr Gräser vorhanden, sinkt der Klappertopfanteil im Bestand und die Gräser kommen wieder vermehrt auf, bis der Klappertopf wieder zunimmt. Der Klappertopf enthält das Iridoid-Glykosid Aucubin und ist in frischem Zustand leicht giftig. Aufgrund der Ertragseinbußen und der Giftigkeit ist er bei den Landwirten unbeliebt und zu seiner Bekämpfung werden z.B. früher Schnitt, kräftige Düngung oder der Einsatz von Kalkstickstoff empfohlen. Andererseits ist er eine hervorragende Futterpflanze für Hummeln, Honig­bienen und Schmetterlinge [1; 2; 7].

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Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)

PLANTAGINACEAE linaria vulgaris lfeld PD3
Echtes Leinkraut (Linaria vulgaris), Blüte im Juli, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

PLANTAGINACEAE linaria vulgaris lfeld PD2
Echtes Leinkraut (Linaria vulgaris), Blüten im Juli, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

PLANTAGINACEAE linaria vulgaris lfeld PD4
Echtes Leinkraut (Linaria vulgaris), Fruchtkapseln im September, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

PLANTAGINACEAE linaria vulgaris PAP PD1
Echtes Leinkraut (Linaria vulgaris), im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

PLANTAGINACEAE linaria vulgaris lfeld PD1
Echtes Leinkraut (Linaria vulgaris), im Juli, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Tribus: Antirrhineae

Echtes Leinkraut

Linaria vulgaris

Verbreitung: Europa bis Zentralasien, in Nordamerika eingeführt.

Standorte: Wegränder, Bahndämme, Schuttplätze, vom Tiefland bis in die montane (subalpine) Stufe.

Blütezeit: Juni-September.

Das auch "Kleines Löwenmaul" oder "Frauenflachs" genannte Echte oder Gemeine Leinkraut gehört in die Verwandtschaft des Großen Löwenmäulchen (Antirrhinum majus), welches seit dem 15. Jahrhundert in unterschiedlichen Blütenfarben als Garten- und Schnittblume gezüchtet wird. Währenddem jenes eine einjährige Sommerblume ist, ist das Leinkraut als tief wurzelnder Wurzelknospen-Geophyt oder Hemikryptophyt eine ausdauernde Staude [5].

Das Echte Leinkraut erreicht eine Höhe von 20-40 (-80) cm. Die Stengel sind einfach oder am Grund und im Bereich des Blütenstands verzweigt, dicht beblättert, im Blütenstand oft drüsenhaarig, ansonsten kahl. Die im oberen Bereich der Pflanze wechselständigen, graugrünen Blätter sind 2-4 cm lang, ungestielt, lineal-lanzettlich mit nach unten gerolltem Rand. Jeweils 5-30 zwittrige Blüten stehen in dichten endständigen Trauben. Ihre Krone ist zweilippig, hellgelb mit orangegelbem Gaumen, trichterförmiger Kronröhre und langem, spitzem, gebogenem Sporn. Ohne Sporn ist sie bis ca. 2 cm lang, der Sporn ist ca. 2/3 so lang wie die übrige Krone. Die eiförmig-kugeligen Kapselfrüchte sind 7-8 (5-11) mm lang und haben einen Durchmesser von 5-7 mm. Die Fruchtreife erfolgt zwischen Juli und September. Die pro Pflanze bis zu 32'000 Samen sind 2-3 mm lang und breit geflügelt. Die Ausbreitung erfolgt über Tiere (z. B. Ameisen) oder den Wind [3; 4; 6].

Bestäubt werden die Blüten durch langrüsselige Insekten wie Schmetterlinge, Bienen oder Hummeln. Erdhummeln (Bombus spp.) können dadurch an den Nektar gelngen, dass sie den Sporn aufbeißen [6]. Die Raupen der Möndcheneule (Noctuidae: Calophasia lunula), deren Bestände mangels geeigneter Lebensräume laufend abnehmen, leben vorzugsweise am Echten Leinkraut [11].

Das Leinkraut enthält das Glykosid Linarin, Gummi, organische Säuren, Ameisensäure, Gerbsäure, Apfelsäure und Zitronensäure. Es wird als Salbe in der Pflanzenheilkunde sowie in der Homöopathie eingesetzt. Blätter, Blüten und Samen sind essbar [6; 12].

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PLANTAGINACEAE plantago lanceolata lfeld PD4
Spitzwegerich (Plantago lanceolata), Blüte im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

PLANTAGINACEAE plantago lanceolata lfeld PD1
Spitzwegerich (Plantago lanceolata) im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Tribus: Plantagineae

Spitzwegerich

Plantago lanceolata

Verbreitung: Europa, auf anderen Kontinenten eingeführt.

Standorte: Fettwiesen und -weiden, Wegränder.

Blütezeit: April-September.

Der Spitzwegerich wird 10-40 cm hoch. Er ist eine mehrjährige Schaftpflanze, d.h. er besitzt eine senkrechte Wurzel, an deren Schaft er sich nach der Überwinterung erneuert. Die Blüten sitzen als 1-4 cm lange Ähren am Ende von blattlosen Stengeln, die langen, schmalen Laubblätter bilden eine grundständige Rosette [3; 4].

Der Spitzwegerich enthält Iridoid-Glykoside, Saponin und andere pharmakologisch wirksame Substanzen, die reizmildernd und hustenlösend sind. Die Blätter des Spitzwegerichs werden zu diesem Zweck zu Tee, Sirup oder Bonbons verarbeitet [2; 6].

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LAMIAL veronica chamaedrys auried PD1
Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), Blüten im Mai im Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

LAMIAL veronica chamaedrys auried PD2
Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) im Mai im Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Tribus: Veroniceae

Gamander-Ehrenpreis

Veronica chamaedrys

Verbreitung: Europa, Asien, eingeführt in Nordamerika.

Standorte: Wiesen, lichte Wälder; vom Tiefland bis in die subalpine Stufe.

Blütezeit: April-August.

Der Gamander-Ehrenpreis ist eine ein- oder mehrjährige Pflanze, deren Erneuerungsknospe über der Erde liegt. Er wird 10-30 cm hoch und hat meist unverzweigte aufsteigende, Stengel. Die Blüten sind vierstrahlig, mit himmelblauen Kronblättern mit weißem Schlund. Sie sind in vielblütigen, lockeren Trauben angeordnet. Die Pflanze enthält das entzündungshemmend wirkende Iridoid-Glykosid Aucubin [3; 4].

Blütenknospen, Blüten, Triebe und Blätter der Ehrenpreis-Arten sind essbar [6].

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Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae)

LAMIALES Scrophulariaceae verbascum lychnitis erlen PD1
Lampen-Königskerze (Verbascum lychnitis) im Juni im Tierpark Lange Erlen, Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

LAMIALES Scrophulariaceae verbascum lychnitis erlen PD2
Lampen-Königskerze (Verbascum lychnitis) im Juni im Tierpark Lange Erlen, Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

LAMIALES Scrophulariaceae verbascum lychnitis erlen PD3
Lampen-Königskerze (Verbascum lychnitis) im Juni im Tierpark Lange Erlen, Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Tribus: Scrophularieae

Lampen-Königskerze

Verbascum lychnitis

Verbreitung: Westliche Paläarktis.

Standorte: Trockenes Gebüsch, Waldsäume, Wegränder, Schuttplätze, Trockenrasen und Halbtrockenrasen; vom Tiefland bis zur montanen (-subalpinen) Stufe.

Blütezeit: Juni-September.

Die auch Mehlige oder Heide-Königskerze genannte Pflanze ist eine zwei- oder mehrjährige Staude. Sie erreicht eine Höhe von 50-120(-150) cm. Der Blütenstand ist meist schon im unteren Bereich kandelaberähnlich verzweigt, was die Art deutlich von anderen Königskerzen unterscheidet. Die Blütenfarbe variiert von sehr hellem bis zu kräftigem Gelb, bisweilen gibt es auch weiße Blüten. Die Blätter sind oberseits grün, schwach behaart oder kahl, unterseits weissfilzig, stumpf gezähnt, die bis 30 cm langen grundständigen Rosettenblätter sind kurz gestielt, die oberen sitzend, nicht herablaufend. Die kurzstieligen Blüten stehen zu 2-7 in den Blattwinkeln. Die Blütenkrone hat einen Durchmesser von 10-20 mm. Die wolligen Staubfäden sind weiß. Nach der Blüte entwickeln sich eiförmige Kapselfrüchte, die zahlreiche kleine, braune Samen enthalten [3; 4; 6; 13].

Die Lampen-Königskerze ist nicht giftig. Sie enthält u. a. Ätherische Öle, Flavonoide, Schleimstoffe, Verbascosaponin und Vitamine B2, B5, B12. In der Pflanzenmedizin wird sie namentlich bei Atemwegserkrankungen eingesetzt. Früher wurden die Wurzeln der jungen Rosetten bisweilen getrocknet und vermahlen dem Brotmehl beigemischt [6; 13].

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LAMIALES scrophulariaceae verbascum nigrum PAP PD1
Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum) im Juni im Papiliorama Kerzer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

LAMIALES scrophulariaceae verbascum nigrum PAP PD3
Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum), Blüten im Juni im Papiliorama Kerzer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

LAMIALES scrophulariaceae verbascum nigrum PAP PD4
Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum), Blätter im Juni im Papiliorama Kerzer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Tribus: Scrophularieae

Schwarze Königskerze

Verbascum nigrum

Verbreitung: Europa, außer Portugal, Irland und Balkan; Sibirien.

Standorte: Wegränder, Schuttplätze, Böschungen, Trockenwiesen und lichte Wälder.

Blütezeit: Juni-August.

Die Schwarze Königskerze ist eine zwei- oder mehrjährige Staude. Sie erreicht eine Höhe von 30-100 cm. Der Blütenstand ist nur unterhalb der Mitte verzweigt oder unverzweigt. Die Blätter sind oberseits grün, unterseits graufilzig, die 40 cm langen Grundblätter sind lang gestielt, eiförmig und stumpf gezähnt, die oberen sitzend, nicht herablaufend. Die Blüten stehen zu 2-5 in den Blattwinkeln, die längsten Stiele messen 5-12 mm und sind damit 2-3mal länger als der Kelch. Die Blütenkrone ist gelb, innen am Grund meist rot. Sie hat einen Durchmesser von 15-25 mm. Die wolligen Staubfäden sind purpurviolett. Nach der Blüte reifen braune Spaltkapseln heran [3; 4; 5].

Die Schwarze Königskerze ist nicht giftig. Sie enthält Ätherische Öle, Aucubin, Catapol, Flavonoide, Iridoidglykoside, Kaffeesäure, Phenolcarbonsäuren, Phytosterole, Schleimstoffe, Sterole, Triterpensaponine, Verbascosaponin, Verbascosid. In der Pflanzenmedizin wird sie namentlich bei Atemwegserkrankungen eingesetzt [12].

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Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)

Euphorbia cyparissa auried PD2
Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias), Blüten im Mai im Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Euphorbia cyparissa auried PD1
Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) im Mai im Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Euphorbioideae
Tribus: Euphorbieae

Zypressen-Wolfsmilch

Euphorbia cyparissias

Verbreitung: Europa, Kleinasien.

Standorte: Magerwiesen, Weiden, Wegränder; vom Tiefland bis in die alpine Stufe.

Blütezeit: April-Juni.

Die Zypressen-Wolfsmilch ist eine mehrjährige Pflanze. Sie wird 15-50 cm hoch. Ihre gelbgrünen Blüten stehen in Scheindolden. Sie weist zahlreiche, unten verholzte Stengel auf und hat unter dem Blütenstand nichtblühende Seitentriebe. Die linealen, 15-30 mm langen Blätter sind nur 2-3 mm breit und verleihen den Seitentrieben ein tannenwedel- oder zypressenartige Aussehen [3; 4].

Alle Pflanzenteile sind stark giftig. Die Hauptwirkstoffe sind Diterpen-Ester, die u.a. stark irritierend auf die Haut und Schleimhäute wirken und bei Wiederkäuern zu schweren klinischen Symptomen führen können, auch wenn die Pflanze vor dem Verfüttern getrocknet wurde [2].


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Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Johanniskrautgewächse (Hypericaceae)

MALPIGHIALES hypericaceae hypericum perforatum PAP PD1
Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

MALPIGHIALES hypericaceae hypericum perforatum PAP PD2
Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Tribus: Hypericeae

Echtes Johanniskraut

Hypericum perforatum

Verbreitung: Westliche Paläarktis. In Ostasien, Nord- und Südamerika und Australien eingebürgert.

Standorte: Trockenwiesen, Wegränder, Heiden, Waldränder, Waldlichtungen; vom Tiefland bis zur montanen (-subalpinen) Stufe.

Blütezeit: Juni-September.

Das Echte Johanniskraut ist ein Hemikryptophyt, also eine mehrjährige Staude, deren oberirdische Teile im Herbst absterben und die im Frühjahr erneut austreibt. Es wächst aufrecht und wird 20-100 cm hoch. Die verzweigte, spindelförmige Wurzel hat flache Ausläufer. Die meist mehreren, reich verzweigten Stengel haben 2 Längskanten. Die länglich-ovalen bis linealen, gegenständigen Blätter sind 1-2(-4) cm lang, ganzrandig, dicht und fein durchscheinend punktiert, oft mit nach unten gebogenem Rand. Die fünfzähligen goldgelben Blüten stehen in vielblütigen Rispen. Beim Zerreiben der Blütenknospen zwischen den Fingern tritt ein blutroter Saft aus, welcher, der Legende nach, das Blut Johannes des Täufers darstellen soll [3; 4; 5].

Die ganze Pflanze ist giftig. Sie enthält, vor allem in Blüten und Blättern, Hypericin (ein rot-fluoreszierendes Pigment) und Pseudohypericin, Flavonoide mit Hyperosid, ätherische Öle, Gerbstoffe, antibiotisch wirksame Verbindungen, Phenolcarbonsäuren. Die Toxizität bleibt zu ca. 20% auch im Dürrfutter erhalten. Vergiftungen sind von Pferd, Rind, Schaf und Schwein bekannt. Innerhalb von 1-2 Tagen nach Aufnahme einer wirksamen Menge kommt es zu Fotodermatitis, Anorexie, Unruhe, manchmal Konvulsionen [2]. In der traditionellen Medizin wird das blühende Kraut oder werden nur die Blüten als Universalheilmittel eingesetzt. Die Indikationen reichen von Angstzuständen über Juckreiz bis zu Krampfadern und Frauenleiden [12]. Wegen des Hypericins war das Echte Johanniskraut früher eine der wichtigsten Färberpflanzen [5].


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Ordnung: Malvenartige (Malvales)
Familie: Zistrosengewächse (Cistaceae)

MALVALES cistaceae helianthemum nummularium PAP PD2
Gelbes Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

MALVALES cistaceae helianthemum nummularium PAP PD3
Gelbes Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

MALVALES cistaceae helianthemum nummularium PAP PD4
Gelbes Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

MALVALES cistaceae helianthemum nummularium PAP PD5
Gelbes Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: entfällt. Die Familie hat nur 8 Gattungen

Gelbes Sonnenröschen

Helianthemum nummularium

Verbreitung: In drei Unterarten in Europa ohne Norwegen und Island und in Südwestasien.

Standorte: Trockenrasen, Felshänge, Heiden und Waldränder; vom Tiefland bis in die alpine Stufe.

Blütezeit: Mai-Oktober.

Das Gelbe Sonnenröschen ist ein kleiner, 10-15 (5-40) cm hoher und nur am Grund verholzender Halbstrauch. Der Stengel ist oben behaart. Die immergrünen Blätter sind oval oder länglich bis lineal, am Rand oft etwas umgebogen, kurzhaarig bis kahl, bis 4 cm lang, gegenständig, mit lanzettlichen Nebenblättern. Die in Rispentrauben angeordneten Schalenblüten haben fünf weit geöffnete Kronblätter. Diese sind gelb, es gibt aber auch Kulturformen mit weißen, orangen, rosafarbenen oder roten Kronblättern. In der Blütenmitte befinden sich zahlreiche gelbe Staubblätter. Die Blüten öffnen sich am frühen Morgen und blühen jeweils nur einen Tag. Dafür werden aber über Wochen massenhaft Blüten ausgebildet [3; 4; 5].

Die Pflanze ist nicht giftig. Die Blüten haben eine adstringierende Wirkung und werden in der Bachblütentherapie und zur Hautpflege eingesetzt [12].

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Ordnung: Myrtenartige (Myrtales)
Familie: Nachtkerzengewächse (Onagraceae)

MYRTALES oenothera biennis PAP PD1
Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) im Juni im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

MYRTALES oenothera biennis zrh PD1
Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) im September im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

MYRTALES oenothera biennis zrh PD2
Blüten der Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) im September im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

MYRTALES oenothera biennis zrh PD3
Knospen, Blüten und junge Früchte der Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) im September im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Onagroideae
Tribus: Onagreae

Gewöhnliche Nachtkerze

Oenothera biennis

Verbreitung: Ursprünglich Nordamerika, zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach Europa eingeführt und in Gärten und Parks als Zier- und Gemüsepflanze kultiviert. Im Lauf der Zeit verwildert und nun fast im gesamten europäischen Raum verbreitet.

Standorte: Straßenränder, Ufer, Ödland vom Tiefland bis in die kolline Stufe.

Blütezeit: Juni-September.

Die Gewöhnliche Nachtkerze ist eine in der Regel zweijährige Staude, die im ersten Jahr eine auf dem Boden aufliegende Blattrosette ausbildet und im zweiten Jahr eine Höhe von 100-200 cm erreichen kann. Die Stengel sind einfach oder wenig verzweigt, drüsig behaart und kantig. Die lanzettlichen Blätter werden bis 15 cm lang. Sie haben einen glatten oder gezähnten Rand, die unteren sind gestielt, die oberen sitzend. Die vierzähligen, gelben Blüten stehen einzeln in einem endständigen rispigen Blütenstand [3; 4; 5].

Erst bei einsetzender Dämmerung entfalten sich die Blüten und öffnen ihre Staubbeutel. Sie bleiben die ganze Nacht und den nächsten Tag über geöffnet, schließen sich dann und welken. Die Bestäubung erfolgt während der Nacht, wenn die Pflanze mit ihrem Duft Nachtfalter anlockt. Die Nachkerze ist eine der Nahrungspflanzen der Raupen des Nachtkerzen-Schwärmers (Proserpinus proserpina) [5; 11].

Die möhrenähnliche Pfahlwurzel ist essbar. Aus den Samen kann ein Öl gewonnen werden, das in der Naturheilkunde eingesetzt wird [5].

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Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie:Mohngewächse (Papaveraceae)

PAPAVERACEAE chelidonium majus bannholz PD1
Schöllkraut (Chelidonium majus) im Mai, am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

PAPAVERACEAE chelidonium majus bannholz PD2
Schöllkraut (Chelidonium majus) im Mai, am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Familie: Mohngewächse (Papaveraceae)
Unterfamilie: Papaveroideae

Schöllkraut

Chelidonium majus

Verbreitung: Europa und Asien, eingeführt in Nordamerika.

Standorte: Hecken, Msuern, Ruderalstandorte; vom Tiefland bis in die montane Stufe.

Winterhärtezone 5 (erträgt bis -24ºC).

Blütezeit: April-September.

Das Schöllkraut ist eine ausdauernde, flachwurzelnde und büschelbildende Staude, die aufrecht und verzweigt bis auf eine Höhe von 30-80 cm wächst. Bei schlechtem Wetter schließt sie die Blüten und senkt ihre Stiele ab. Die Pflanze entwickelt ein weit verzweigtes und sehr flächiges Rhizom. Die wechselständigen Laubblätter sind am Rand eingekerbt, ähnlich wie bei Eichenlaub. Die Blattspreite ist grau-grün, unterseits etwas heller, und ist mit einem Wachsfilm überzogen, von dem Regenwasser abperlt. Bei Verletzungen tritt aus Blättern und Stengeln ein stark färbender orangegelber Milchsaft aus. Die vierzähligen Blüten sind gelb. Sie werden durch Insekten bestäubt. Es werden bis zu 5 cm langen Fruchtschoten gebildet, welche die schwarzen, nur knapp 1 mm kleinen Samen enthalten. Angelockt durch einen angehängten Öltropfen (Elaiosom) werden diese gerne von Ameisen eingesammelt und in der Umgebung verteilt [3; 4; 5].

Das Schöllkraut ist stark giftig, wegen des unangenehmen Geschmacks der Pflanze sind Vergiftungsfälle aber selten. Hauptwirkstoffe sind Isoquinolin-Alkaloide im bitteren Milchsaft. Nach Aufnahme kann es zu Symptomen wie Polyurie, Benommenheit, Herzrhythmusstörungen, Schock, Gastroenteritis, Krämpfen, Bradykardie oder Hypotonie kommen [2].

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PAPAVERACEAE papaver rhoeas bannholz PD1
Klatschmohn (Papaver rhoeas) im Mai, am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

PAPAVERACEAE papaver rhoeas lfeld PD1
Klatschmohn (Papaver rhoeas), Anfang Juni mit Blütenknospen, Blüten und Fruchtkapseln, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

PAPAVERACEAE papaver rhoeas lfeld PD2
Klatschmohn (Papaver rhoeas) mit Fruchtkapseln im Juni, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

PAPAVERACEAE papaver rhoeas bannholz PD2
Klatschmohn (Papaver rhoeas) im Juni, am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Papaveroideaee

Klatschmohn

Papaver rhoeas

Verbreitung: Ursprünglich wohl Europa, Westasien und Nordafrika. Heute durch den Ackerbau weltweit verschleppt.

Standorte: Getreidefelder, Äcker, Schuttplätze; vom Tiefland bis in die subalpine Stufe, vorzugsweise auf sandigen, kalkhaltigen und trockenen bis mäßig trocknen Böden. Als typische Ackerwildpflanze wuchs er früher in großen Beständen auf Getreidefeldern), wo er zusammen mit der blauen Kornblume (Cyanus segetum) schöne Farbakzente setzte. Heute wird er in Mitteleuropa meistens durch den Einsatz verschiedener Herbizide kurzgehalten.

Blütezeit: Mai-September.

Der Klatschmohn ist eine einjährige, aufrecht wachsende und Milchsaft führende krautige Pflanze, die eine Höhe von 30-70 cm erreicht. Der Stengel sind einfach oder verzweigt, beblättert und behaart. Die wechselständigen Blätter sind ein- bis zweifach gefiedert, sie haben einen deutlich gezähnten Rand und fühlen sich aufgrund der borstigen Behaarung rauh an. Die endständig an den Stielen sitzenden Schalenblüten haben auffällige, hauchdünne, rote Kronblätter. Diese sind meist 2-4 cm lang und haben am Grund oft einen schwarzen Fleck. Selten gibt es bei der Wildform auch rosafarbene oder weiße Blüten. Die Pflanze entwickelt nach der Blüte eiförmige Porenkapseln, die 10-20'000 kleine, schwarze Samen enthalten [3; 4; 5].

Der Klatschmohn ist giftig. Er enthält als Hauptalkaloid das Rhoeadin, eine dem Opium nahestehende Substanz, deren Giftwirkung umstritten ist, sowie cyanogene Glykoside, deren Toxizität auch im Dürrfutter erhalten bleibt. Vergiftungsfälle ereignen sich, wenn der Klatschmohn-Anteil im Futter 10% übersteigt. Symptome sind stundenlange Erregung bis Raserei, Krämpfe, Dyspnoe, Diarrhoe, Tympanie, eventuell mehrtägiges Festliegen und Hautanästhesie. Vergiftungsfälle sind bei Wiederkäuern, Pferden und Schweinen bekannt. Todesfälle sind selten [1].

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Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)

RANUNCULACEAE ranunculus repens lfeld PD1
Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens), Blüten im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

RANUNCULACEAE ranunculus repens auried PD2
Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens) im Mai im Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Ranunculeae

Kriechender Hahnenfuß

Ranunculus repens

Verbreitung: Europa, Asien, Nordafrika; eingeführt u.a. in Nordamerika, Australien, Neuseeland und Antarktis.

Standorte: Ruderalpflanze auf Äckern, Wegrändern, Schuttstellen; auf feuchtem, lehmigem Boden; vom Tiefland bis in die subalpine Stufe.

Blütezeit: Mai-September.

Der Kriechende Hahnenfuß wird 10-50 cm hoch. Er hat lange, oberirdische Ausläufer, seine fünfstrahligen, gelben Blüten haben einen Durchmesser von 20-30 mm, die grundständigen Blätter sind dreizählig mit gestielten, dreiteiligen Abschnitten. Er enthält in geringer Konzentration des Glykosid Ranunculin und gilt als nur schwach giftig [2; 3; 4].

Futterbaulich wird Kriechender Hahnenfuß bei Bestandsanteilen von bis zu 20 % als mittelwertig bis gut beurteilt. Sein Vorkommen bewirkt allerdings einen lückigen Graswuchs. Zur Eindämmung des Bestands werden Beweiden in Verbindung mit Übersaaten, weniger Düngen, Verhindern der Samenbildung durch Frühschnitt und die Anwendung von Kalkstickstoff empfohlen [7].

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Literatur und Internetquellen:

  1. APPENZELL AUSSERRHODEN: MERKBLATT KLAPPERTOPF IN BFF-FLÄCHEN
  2. CLINI TOX
  3. INFO FLORA
  4. LAUBER, K. & WAGNER, G. (1991)
  5. MEIN SCHÖNER GARTEN
  6. PFLANZEN-VIELFALT
  7. GRÜNLAND ONLINE
  8. GARTENLEXIKON
  9. GARTEN-WISSEN
  10. HORTIPEDIA
  11. PYRGUS.DE
  12. KRÄUTERLEXIKON
  13. PFLANZENWIKI

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Donnerstag, 11 Juni 2020 09:26

Schmetterlingsblütler auf Feld- und Wiese

 

Allgemeines

Auf diesem Blatt sind auch Pflanzen aufgeführt, die an Ruderalstandorten wie Wegrändern, Kiesgruben etc. gedeihen.

 

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FABACEAE onobrychis viciifolia agroscope PD1
Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia), Blüten im Mai, Agroscope Campus, Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

FABACEAE onobrychis viciifolia agroscope PD2
Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia) im Mai, Agroscope Campus, Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

FABACEAE onobrychis viciifolia agroscope PD3
Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia) im Mai, Agroscope Campus, Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Hedysareae

Futter-Esparsette

Onobrychis viciifolia

Verbreitung: Ursprünglich Mittelmeerraum und Südost-Europa bis Zentralasien. In Mitteleuropa seit Jahrhunderten eingebürgert und seit dem 18. Jahrhundert als Futterpflanze angebaut. In Nordamerika eingebürgert.

Standorte: Sonnige Kalk-Magerrasen, Halbtrockenrasen, lichte Trockengebüsche, Wegränder und Böschungen vom Tiefland bis zur montanen, stellenweise subalpinen Stufe. Vorzugsweise auf warmen, kalkreichen, mäßig trockenen, tiefgründigen Lehm- und Lößböden.

Blütezeit: Mai-August.

Die Futter-Esparsette ist eine ausdauernde krautige,30-70(-90) cm hohe, tiefwurzelnde Staude mit aufrechtem oder aufsteigendem Stengel und wechselständig angeordneten Laubblättern. Die Blätter sind gestielt und mit 6-14 Fiederpaaren unpaarig gefiedert. Die Teilblätter sind  15-25 mm lang, 4-9 mm breit, oval und kurz gestielt. Die 10-14 mm langen, rosafarbenen, dunkel gestreiften Blüten sitzen in langen, aufrechten, ährigen Trauben. Die fünf Kelchblätter sind wollig behaart.  Die Kronblätter stehen in der typischen Form der Schmetterlingsblüte zusammen Der Flügel der Krone ist bedeutend kürzer als der Kelch. Die eiförmigen, meist einsamigen Hülsenfrüchte sind 6-8 mm lang. Sie haben dicke, 0.5-1 mm langen Zähne, die im Fell von an Tieren hängenbleiben und so für die Ausbreitung der Art sorgen [3; 4; 6].

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FABACEAE anthyllis vulneraria agroscope PD1
Echter Wundklee (Anthyllis vulneraria) im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

FABACEAE anthyllis vulneraria agroscope PD2
Echter Wundklee (Anthyllis vulneraria), Blüten im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

FABACEAE anthyllis vulneraria agroscope PD3
Echter Wundklee (Anthyllis vulneraria), Blüten im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Loteae

Echter Wundklee

Anthyllis vulneraria

Verbreitung: Europa, Nordwestafrika.

Standorte: Trockenwiesen, Halbtrockenwiesen, lichte Wälder; in mehreren Unterarten vom Tiefland bis in die kollin-montane, stellenweise subalpine Stufe.

Blütezeit: Mai-September.

Der Wundklee ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die 5-60 cm hoch wird Er hat ein kurzes Rhizom und aufsteigende oder aufrechte Stengel. Seine Blätter sind unpaarig gefiedert, mit 1-5 Fiederpaaren. Die gelben Blüten stehen in dichten, kopfigen Blütenständen [3; 4].

Junge Triebspitzen sind essbar. Wundklee enthält Saponine und Gerbstoffe und wurde deshalb früher zur Behandlung von Wunden und Geschwüren eingesetzt [6].

Vom Wundklee gibt es mehrere Unterarten, so z.B. den als Gartenpflanze kultivierten Roten Wundklee (Anthyllis vulneraria ssp. coccinea) oder den weitgehend auf die subalpine und alpine Höhenstufe beschränkten Alpen-Wundklee (Anthyllis vulneraria subsp. alpestris) [3; 5].

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Ordnung: Schmetterlingsblütenartigen (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)

FABACEAE lotus corniculatus agroscope PD1
Hornklee (Lotus corniculatus), Blüte im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

FABACEAE lotus corniculatus agroscope PD2
Hornklee (Lotus corniculatus) im Mai, Agroscope Campus Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Loteae

Gewöhnlicher Hornklee

Lotus corniculatus

Verbreitung: Europa, West- und Zentralasien.

Standorte: Fettwiesen, Weiden, Trockenrasen, Föhrenwälder, Wegränder vom Tiefland bis in die alpine Stufe.

Blütezeit: Mai-Juli.

Der Hornklee ist eine Sammelart, die bei uns in vier Kleinarten vorkommt. Er ist eine 5-30(-40) cm hohe, aufsteigend bis aufrechte, mehrjährige Staude, deren Überwinterungsknospe sich auf der Erdoberfläche befindet  (Hemikryptophyt). Stengel und Blätter sind je nach Kleinart kahl (corniculatus) bis lang und dicht abstehend behaart (hirsutus). Die Blätter bestehen aus 5 bis 2 cm langen Teilblättern. Die Blüten stehen zu 2-8 in  Dolden. Die Farbe der 15 mm langen Blütenkrone ist gelb, außen oft rötlich [3; 4; 6].

Der Hornklee ist eine gute Bienenweide. Er dient auch als Futterpflanze. Die Pflanze enthält Cyanwasserstoffe, allerdings in so geringer Konzentration, dass sie für Säugetiere nicht schädlich ist. Sie wird als Tee in der Volksmedizin eingesetzt und soll krampflösend und beruhigend wirken [6; 11].

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FABACEAE medicago lupulina auried PD2
Hopfenklee (Medicago lupulina) im Mai, Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

FABACEAE medicago lupulina auried PD1
Hopfenklee (Medicago lupulina) im Mai, Naturschutzgebiet Auried, Kleinbösingen FR © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Trifolieae

Hopfenklee

Medicago lupulina

Verbreitung: Europa und Asien in mehreren Varietäten.

Standorte: Wiesen, Wegränder, Ruderalstandorte; vom Tiefland bis in die montane, stellenweise subalpine Stufe.

Blütezeit: Mai-Sptember.

Der Hopfenklee ist ein- oder zweijährige krautige Pflanze, die 10-30(-70) cm hoch werden kann. Die kantigen Stengel sind niederliegenden bis aufrecht. Die wechselständigen Blätter sind, wie bei Klee-Arten üblich, dreizählig. Die Teilblätter sind verkehrt-eiförmig, vorn gezähnelt und mehr oder weniger behaart. Die ca. 2-4 mm langen gelben Blüten stehen in dichten, 10-50-blütigen Köpfchen. Ihre Krone fällt nach dem Blühen ab. Die nieren- oder sichelförmigen Früchte haben einen Durchmesser 1.5-3 mm und sind ohne Stacheln [3; 4].

Der Hopfenklee enthält Phytoöstrogene, Saponine und  blähende Proteine. Er kann in Ausnahmefällen giftig sein und z.B. schaumige Gärung im Pansen oder Fotodermatitis verursachen. Die Phytoöstrogene können zu Fruchtbarkeitsstörungen führen [2].

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FABACEAE trifolium pratense lfeld PD2
Rotklee (Trifolium pratense), Blüte im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

FABACEAE trifolium pratense lfeld PD1
Rotklee (Trifolium pratense) im Mai, Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

FABACEAE trifolium pratense bannholz PD1
Rotklee (Trifolium pratense) im Mai am Lehrpfad "Naturvielfalt Bannholz", Wahlern BE © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Trifolieae

Rot- oder Wiesenklee

Trifolium pratense

Verbreitung: Europa, Asien.

Standorte: Fettwiesen und -weiden, Wegränder, auch kultiviert.

Blütezeit: April-September.

Der Rot- oder Wiesenklee wird 15-40(-80) cm hoch. Er ist oft verzweigt, mit grundständiger Blattrosette und dreizähligen ovalen Blättern. Er ist eine mehrjährige Schaftpflanze, d.h. er besitzt eine senkrechte Wurzel, an deren Schaft er sich nach der Überwinterung erneuert. Die violetten Blüten stehen in vielblütigen, ei- bis kugelförmigen, ährigen Blütenständen [3; 4; 5 ].

In Mitteleuropa gibt es drei Unterarten, nebst der Nominatform den Berg-Rotklee (Trifolium pratense subsp. nivale) mit gelblich- oder rötlich-weißen Blüten und den Küsten-Rotklee (Trifolium pratense subsp. maritimum) [3; 9].

Der Rotklee entält verschiedene pharmakologisch wirksame Substanzen wie Phytoöstrogene, cyanogene Glykoside, photosensibilisierende Stoffe und Alkaloide. Er ist jedoch eine gute Futterpflanze, die nur selten in Abhängigkeit von der Jahreszeit, der Witterung und der verfütterten Menge zu Schäden führt [2].

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FABACEAE trifolium repens lfeld PD1
Weißklee (Trifolium repens) im Mai, Schulgarten Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

FABACEAE trifolium repens lfeld PD2
Weißklee (Trifolium repens) im Mai, Schulgarten Liebefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Trifolieae

Weißklee

Trifolium repens

Verbreitung: Europa, Nordafrika, West- und Zentralasien in zwei Unterarten.

Standorte: Wiesen, Weiden, Gartenrasen, Wegränder, Ruderalstandorte; vom Tiefland bis in die subalpine, stellenweise alpine  Stufe.

Blütezeit: Mai-September.

Wie die Artbezeichnung "repens" angibt, hat der 5-20 cm hohe Weißklee einen kriechenden Stengel. Dieser ist oft verzweigt und wurzelt an den Knoten. Die Laubblätter sind dreizählig, die bis 4 cm langen Teilblätter sind breit verkehrt-eiförmig, fein gezähnt, kahl und haben, meist eine helle Zeichnung. Die Blüten sind weiß, manchmal gelblich oder rötlich, deutlich gestielt, nach dem Blühen bräunlich und herabgeschlagen. Sie stehen in kugeligen, auf langen, aufrechten Stielen stehenden Blütenständen mit Durchmessern von ca. 15-25 mm  [3; 4].

Weißklee gilt bei vielen Hobbygärtnern als Rasenunkraut. Er ist insbesondere deshalb unpopulär, weil seine Blüten zahlreiche Hummeln und Bienen anlocken, was dann bei barfuß laufenden Gartennutzern zu Stichen führen kann [5].

Der Weißklee entält verschiedene pharmakologisch wirksame Substanzen wie Phytoöstrogene, cyanogene Glykoside, photosensibilisierende Stoffe und Alkaloide. Er ist jedoch eine gute Futterpflanze, die nur selten in Abhängigkeit von der Jahreszeit, der Witterung und der verfütterten Menge zu Schäden führt [2].

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Literatur und Internetquellen:

  1. APPENZELL AUSSERRHODEN: MERKBLATT KLAPPERTOPF IN BFF-FlLÄCHEN
  2. CLINI TOX
  3. INFO FLORA
  4. LAUBER, K. & WAGNER, G. (1991)
  5. MEIN SCHÖNER GARTEN
  6. PFLANZEN-VIELFALT
  7. GRÜNLAND ONLINE
  8. GARTENLEXIKON
  9. GARTEN-WISSEN
  10. HORTIPEDIA
  11. PYRGUS.DE

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Samstag, 06 Juni 2020 14:27

Makaronesische Sukkulenten

 

Allgemeines

Makaronesien ist ein in der Mitte des 19. Jahrhunderts von dem englischen Botaniker Philip Barker WEBB eingeführte Sammelbegriff für die im östlichen Zentralatlantik liegenden Inselgruppen. Dazu gehören die Azoren, Madeira mit den Sebaldinen, die Kanaren und die Kapverden. Die Region bildet ein eigenständiges Florengebiet, das durch eine hohe Zahl endemischer Arten und den in höheren Bergregionen vorkommenden Lorbeerwald gekennzeichnet ist. Im Ganzen leben auf den verschiedenen Inselgruppen gegen 800 endemische Gefäßpflanzen. Insbesondere befinden sich hier die Mannigfaltigkeitszentren der Gattungen Echium mit 24 und Aeonium mit 35 Arten.

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Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Spargelgewächse (Asparagaceae)

ASPARAGALES Asparagaceae dracaena draco tenerife PD1
Kanarischer Drachenbaum (Dracaena draco) auf Tenerife © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

LILIACEAE Dracaena draco Porquerolles1
Kanarischer Drachenbaum (Dracaena draco) im Jardin Emmanuel Lopez auf Porquerolles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

LILIACEAE Dracaena draco Porquerolles2
Kanarischer Drachenbaum (Dracaena draco) im Jardin Emmanuel Lopez auf Porquerolles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Nolinoideae

Kanarischer Drachenbaum

Dracaena draco

CITES: Die Art ist nicht in den Anhängen aufgeführt.

Verbreitung: Nordafrikanisch-makaronesischer Endemit: Kanarische Inseln, Kapverdische Inseln, Madeira und Marokko.

Es gibt 2 Unterarten, die Nominatform auf den Kanaren, Madeira und den Kapverden und Dracaena draco subsp. ajgal in Marokko.

Der Kanarische Drachenbaum wächst baumförmig und kann eine Wuchshöhe bis gegen 20 m erreichen. Der älteste Baum der Kanaren ist etwa 16 m hoch und hat einen Umfang von etwa 6 m. Junge Bäume haben einen dicken, grauen Stamm und sind noch unverzweigt. Ältere können auf Höhe jedes alten Blattansatzes neue Seitentriebe bilden. Die schwertförmigen, 50-60 cm langen, grünen bis blaugrünen Laubblätter stehen in einem Schopf jeweils am Ende eines Astes. Von Mai bis August bildet der Kanarische Drachenbaum winzige grünlich-weiße Blüten aus, die in großen Rispen stehen. Nach der Blüte entwickeln sich kugelige, etwa 1 cm große Früchte (Beeren), die orange gefärbt sind.

Bei Verletzungen des Stammes tritt ein farbloser Saft aus, der an der Luft zu einem dunkelroten, „Drachenblut“ genannten Harz gerinnt, das in der Volksmedizin eingesetzt wurde und auch für Lacke und Polituren verwendet wird. Der Drachenbaum wird als leicht giftig eingestuft, weil er in allen Pflanzenteilen Saponine enthält. Die Art gilt in der Natur als gefährdet (Rote Liste VULNERABLE), wird jedoch häufig als Zierpflanze angepflanzt [2; 3; 5; 6; 7].

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Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)

EUPHORBIACEAE Euphorbia atropurpurea BGB PD1
Dunkelpurpurrote Wolfsmilch (Euphorbia atropurpurea) im Botanischen Garten Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Unterfamilie: Euphorbioideae
Tribus: Euphorbieae
Untertribus: Euphorbiinae

Dunkelpurpurrote Wolfsmilch

Euphorbia atropurpurea

CITES: Die Art fällt unter Anhang II.

Verbreitung: Kanarische Inseln. Teneriffa in Höhenlagen von 300-1'200 m.

Winterhärte: Euphorbia atropurpurea ist nicht winterhart und erträgt keine Minustemperaturen. Sie sollte im Winter bei mindestens 10°C gehalten werden.

Euphorbia atropurpurea ist ein kandelaberförmig wachsender, bis 150-200 cm hoher Strauch. Seine dicht mit Blattnarben bedeckten, sukkulenten Zweige sind zimtbraun und stachellos. An ihren Enden bilden die bis 15 cm langen, ungestielten, blaugrünen Blätter Rosetten. Die Blütenstände sind enständige Trugdolden. Die Blüten weisen ein Paar dunkel purpurn gefärbte und 1 cm breite Hochblätter auf. Die Früchte sind rote Kapselfrüchte mit jeweils drei Samen [10].

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BORAGINACEAE Aeonium fastuosum Porquerolles1
Madeira-Natternkopf (Echium candicans) im Jardin Emmanuel Lopez auf Porquerolles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

BORAGINACEAE Aeonium fastuosum Porquerolles2
Madeira-Natternkopf (Echium candicans) im Jardin Emmanuel Lopez auf Porquerolles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Boraginoideae
Tribus: Lithospermeae

Madeira-Natternkopf

Echium candicans

CITES: Die Art ist nicht in den Anhängen aufgeführt.

Verbreitung: Ursprünglich ausschließlich auf Madeira in Höhenlagen von 800-1'500 m. Heute verwilder und invasiv in vielen Regionen mit ähnlichem Klima.

Winterhärte: Echium candicans ist nicht winterhart, die Umgebungstemperatur sollte nicht unter 5-7ºC fallen.

Der Madeira-Natternkopf ist ein 1 bis 2 m hoher und etwa gleich breiter, kandelaberartig wachsender Strauch mit endständigen, samtweich behaarten, graugrünen Laubblättern, die in Quirlen zusammenstehen. Seine  blauen bis violetten Blüten stehen in 15-20 cm langen, bisweilen längeren, kerzenförmigen Blütenständen [11].

In der Roten Liste der IUCN konnte die Art aufgrund mangelhafter Daten keiner Gefährdungskategorie zugeordnet werden [6].

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BORAGINACEAE Aeonium arboreum sanary PD1
Baum-Dachwurz (Aeonium arboreum) im ZoA-Zoo, Sanary-sur-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

BORAGINACEAE Aeonium arboreum sanary PD2
Baum-Dachwurz (Aeonium arboreum) im ZoA-Zoo, Sanary-sur-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Hauswurze (Sempervivoideae)

Baum-Dachwurz

Aeonium arboreum

CITES: Die Art ist nicht in den Anhängen aufgeführt.

Verbreitung: Kanarische Inseln: in Höhenlagen von 200-1'500 m.

Winterhärte: Aeonium arboreum ist nicht winterhart und erträgt keine Minustemperaturen.

Aeonium arboreum ist ein wenig verzweigter Halbstrauch der eine Höhe von 1-2 m erreichen kann. Die Blätter stehen am Ende der Triebe in dichten Rosetten, die einen Durchmesser von ca. 20 cm haben. Die spatelförmigen, stumpfen Blätter besitzen eine kurze Spitze. Sie sind grün und hell bewimpert. Es gibt auch Sorten mit panaschierten Blättern. Im Frühjahr und Sommer erscheinen aus der Rosettenmitte zahlreiche goldgelbe, kleine Blüten, die in 25-30 cm langen Rispen stehen. Der Blütenstand saugt die Rosettenblätter nach und nach aus [1; 4; 5].

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BORAGINACEAE Aeonium haworthii sanary PD1
Windrad-Dachwurz (Aeonium haworthii) im ZoA-Zoo, Sanary-sur-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

BORAGINACEAE Aeonium haworthii sanary PD2
Windrad-Dachwurz (Aeonium haworthii) im ZoA-Zoo, Sanary-sur-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Hauswurze (Sempervivoideae)

Windrad-Dachwurz

Aeonium haworthii

CITES: Die Art ist nicht in den Anhängen aufgeführt.

Verbreitung: Kanarische Inseln: Teneriffa, im nördlichen Teil der Insel bis auf eine Höhe von 1'000 m.

Winterhärte: Aeonium haworthii ist nicht winterhart.

Die Windrad-Drachnwurz wächst als mehrjähriger, dicht verzweigter Kleinstrauch mit einer Höhe bis zu 60 cm, gehört also zu den kleineren Aeonium-Arten. Ihre zähen, holzigen Triebe tragen an der Spitze Rosetten mit Durchmessern von nur 6-8 cm. Diese bestehen aus dicken, erst gleichmäßig breiten, dann plätzlich zugespitzten, blaugrauen Blättern mit rötlichbraunen Rändern. Die weißen oder cremegelben Blüten haben manchmal einen rosaroten Schimmer [4; 9].

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SAXIFRAGALES Crassulaceae aeonium urbicum sanary PD2
Dachwurz (Aeonium urbicum) im ZoA-Zoo, Sanary-sur-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

SAXIFRAGALES Crassulaceae aeonium urbicum sanary PD1
Dachwurz (Aeonium urbicum) im ZoA-Zoo, Sanary-sur-Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterfamilie: Hauswurze (Sempervivoideae)

Dachwurz

Aeonium urbicum

CITES: Die Art ist nicht in den Anhängen aufgeführt.

Verbreitung: Kanarische Inseln: Teneriffa bis auf eine Höhe von 1'900 m.

Winterhärte: Aeonium urbicum ist nicht winterhart und erträgt keine Minustemperaturen. Vorzugstemperatur im Sommer 18-23°C, im Winter 10-15°C.

Bei der Dachwurz handelt sich um einen Blattrosetten bildenden unverzweigten oder wenig verzweigten, bis 2 m hohen Halbstrauch und somit um eine der größten Aeonium-Arten. Die Blattrosetten erreichen Durchmesser bis zu 50 cm. Der Blütenstand ist bis gegen 90 cm hoch. Die Blüten sind weiß oder rosa [10]. Die Art wurde ursprünglich als "Sempervivum urbicum" beschrieben. Auch als deutsche Namen werden die ansonsten für die bei uns heimischen Sempervivum verwendeten Bezeichungen Haus- oder Dachwurz angegeben.

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Literatur und Internetquellen:

  1.  CHAPMAN, P. & MARTIN, M. (1982)
  2. CLINI TOX
  3. GARTEN-LEXIKON
  4. HERBEL, D. (1978)
  5. MEIN SCHÖNER GARTEN
  6. ROTE LISTE DER IUCN
  7. ROWLEY, G. (1979)
  8. VAN WYK, B.-E. & SMITH, G. (1996)
  9. WEST, O. (1974/1992)
  10. WORLD OF SUCCULENTS
  11. FLORA-TOSKANA

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