Freitag, 21 Mai 2021 15:59

PROBST, C. (2008)

Epidemiologie ausgewählter Infektionskrankheiten von Zooungulaten: Einzelart- versus Gemeinschaftshaltungen.

Vet. med. Diss. FU Berlin. Mensch-und-Buch-Verlag, 2008 — VI, 199 Seiten. ISBN: 978-3-86664-347-5

Zusammenfassung:

In zoologischen Gärten leben Tierarten, die sich in den verschiedensten Erdteilen über lange Zeiträume hinweg unabhängig voneinander entwickelt haben, in hoher Dichte zusammen. Zudem werden Zootiere immer häufiger in Gemeinschaftsanlagen gehalten, wo verschiedene Spezies in engem direktem und indirektem Kontakt miteinander leben. Insbesondere Ungulaten werden häufig vergesellschaftet, wodurch sich aus epidemiologischer Sicht eine interessante Situation ergibt, deren Folgen bislang nicht untersucht worden sind: Infektionserreger, die gemeinsam mit ihren natürlichen Wirten evoluiert sind, können auf andere Spezies übertragen werden, für die sie zum Teil eine unterschiedliche Pathogenität besitzen. Insbesondere Herpesviren verursachen bei ihrem natürlichen Wirt eine klinisch inapparente Infektion, während sie bei anderen Spezies zur schweren Erkrankung führen können. In der vorliegenden epidemiologischen Studie wurde untersucht, wie hoch die Exposition der drei Huftierfamilien Boviden, Cerviden und Cameliden gegenüber solchen Infektionserregern ist.

Dafür wurden elf zoologische Gärten mit einer möglichst hohen Zahl von Gemeinschaftsanlagen bzw. einer möglichst hohen Zahl von Huftieren ausgewählt: Zoologischer Garten Berlin, Tierpark Berlin-Friedrichsfelde, Zoo Dortmund, Zoo Dvúr Králové (Tschechische Republik), Zoom-Erlebniswelt Gelsenkirchen, Tierpark Hagenbeck, Hamburg, Zoo Hannover, Zoo Karlsruhe, Zoo Leipzig, Tiergarten Nürnberg und der Zoologisch-botanische Garten Wilhelma, Stuttgart. Die Infektionserreger wurden nach folgenden Kriterien ausgewählt: (1) Sie sollten zwischen verschiedenen Huftierspezies übertragbar sein. (2) Sie sollten eine praktische Relevanz besitzen. Um die praktische Relevanz zu ermitteln, bestand der erste Teil der Arbeit in einer Auswertung der veterinärmedizinischen Archivbefunde jedes zoologischen Gartens von 1998 bis 2004. Ihr zufolge lagen die Schwerpunkte der Diagnostik in den letzten sieben Jahren auf Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis (M.pt.), Coxiella (C.) burnetii und Chlamydophila (C.) psittaci. Chlamydien und Coxiellen (bzw. gegen diese Erreger gerichtete spezifische Antikörper) wurden am häufigsten nachgewiesen. Im zweiten Teil der Arbeit wurden 926 Huftiere mittels Virusneutralisationstest bzw. ELISA auf Antikörper gegen acht interspezifisch übertragbare Infektionserreger untersucht. Gegen alle acht Erreger konnten spezifische Antikörper nachgewiesen werden. Bezogen auf die Gesamtzahl der untersuchten Tiere ergaben sich folgende Seroprävalenzen: 1,5% (14/926) für Bovines Herpesvirus 1 (BHV-1); 0,2% (2/926) für Caprines Herpesvirus 1 (CHV-1); 0,2% (2/926) für Cervides Herpesvirus 1 (HVC-1); 21,2% (180/850) für Bösartige Katarrhalfieber Viren (BKFV); 1,4% (13/926) für Bovines Virusdiarrhoe Virus (BVDV); 19,6% (165/843) für C. psittaci; 0,1% (1/754) für C. burnetii; 2,8% (19/667) für M.pt. Die Ergebnisse der Arbeit belegen Folgendes:

  • Die Prävalenz von Antikörpern gegen Alphaherpesviren (BHV-1, CHV-1, HVC-1) und BVDV liegt jeweils unter 3% (n=926). Daraus lässt sich schließen, dass Zooungulaten zurzeit gegenüber diesen Erregern nicht in bedeutendem Maße exponiert sind.
  • Zooungulaten sind in allen Zoos gegenüber BKFV exponiert. Die Prävalenz von Antikörpern gegen BKFV liegt bei 21% (n=850) und ist innerhalb der Unterfamilie Caprinae mit 54% (n=219) am höchsten. Das bedeutet, dass Zooungulaten gegenüber BKFV in signifikantem Maße exponiert sind und insbesondere Schafe und Ziegen eine Infektionsquelle für empfängliche Huftiere darstellen können.
  • Zooungulaten sind in allen Zoos gegenüber C. psittaci exponiert. Die Prävalenz von Antikörpern gegen C. psittaci liegt bei 20% (n=843) und ist innerhalb der Familie der Cameliden mit 32% (n=74) am höchsten. Das bedeutet, dass Zooungulaten gegenüber C. psittaci in signifikantem Maße exponiert sind und insbesondere Cameliden eine Infektionsquelle für empfängliche Huftiere darstellen können.
  • Die Prävalenz von Antikörpern gegen C. burnetii und M.pt. liegt unter 3% (n=754 resp. 667). Aus diesem Ergebnis lässt sich jedoch nicht schlussfolgern, wie hoch die Expositionswahrscheinlichkeit der Zooungulaten gegenüber diesen Erregern ist, da die diagnostischen Möglichkeiten für den Nachweis einer Infektion bei Wildtieren noch sehr begrenzt sind. Insbesondere bei M.pt. ist aufgrund der spät auftretenden humoralen Immunantwort mit einer gewissen Anzahl infizierter, seronegativer Tiere zu rechnen.

Zusätzlich zur taxonomischen Klassifizierung der Tiere (Familie, Unterfamilie, Spezies), ihres Alters, Geschlechts und ihrer Herkunft wurden folgende Einflussfaktoren auf die Expositionswahrscheinlichkeit von Zooungulaten gegenüber Infektionserreger diskutiert: Haltungsform (Einzelarthaltung, verschiedene Formen der Gemeinschaftshaltung, Streichelzoo), Gehegegröße, zur Verfügung stehende Fläche pro Tier sowie die Jahreszeit. Entscheidenden Einfluss auf die Seroprävalenz von BKFV hatten die Faktoren Haltungsform und Populationsdichte: Der höchste Anteil an seropositiven Tieren wurde mit 61% (n=66) in Streichelzoos und mit 50% (n=109) in Anlagen mit einer hohen Populationsdichte (unter 45 m²/Tier) nachgewiesen. Der Anteil C. psittaci seropositiver Tiere zeigte in den verschiedenen Haltungsformen keine Unterschiede.

Anhand der Untersuchungsergebnisse kann folgende Schlussfolgerung gezogen werden: Infektionserreger werden nicht nur über Art- sondern auch über Gehegegrenzen hinweg übertragen. Deshalb ist die Gefahr der interspezifischen Übertragung in einer Gemeinschaftsanlage nicht höher als zwischen Tieren unterschiedlicher Anlagen innerhalb einer Einrichtung. Demnach sollte jeder zoologische Garten als eine einzige epidemiologische Einheit betrachtet und entsprechend behandelt werden.

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Donnerstag, 14 Juni 2018 14:16

FAIVRE, C. (1995)

Strukturierung eines Geheges für Nasenbären (Nasua nasua) im Hinblick auf eine Gemeinschaftshaltung mit Brillenbären (Tremarctos ornatus).

Diplomarbeit

29 Seiten

Universität Zürich, Zoologisches Institut, Abteilung Ethologie und Wildforschung
Supervisor: Prof. Dr. H. Kummer
Zoo Zürich

Zusammenfassung:

Siehe hier

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 12:33

BAHRMANN, J. (2015)

Gehegenutzung von drei Pinnipedia-Arten in Gemeinschaftshaltung.

Bachelorarbeit

93 Seiten

Stiftung Universität Hildesheim
Erstgutachter: Dipl.-Biol. Peter Zahn
Zoo Hannover

Ganze Arbeit

Fazit:

Zum Abschluss der Untersuchungen lässt sich festhalten, dass die Tiere im Zoo Hannover durchgehend sehr natürliche Verhaltensmuster zeigen. So entspricht zum Beispiel das Hüteverhalten von dem Seebärenbullen durchaus dem natürlichen Verhalten des Haremsschutzes. Auch dass die Kegelrobben sich in der Brandung des Beckens treiben lassen ist ein Indiz für natürliches Verhalten. Ebenso das kopfüber Treiben lassen der Seelöwen. Nach der anfänglichen Eingewöhnungsphase der Tiere in das Becken und intraspezifischen Konflikten seitens der Kegelrobben 2010, haben sich alle Tiere sehr gut in das Becken eingelebt. Hervorzuheben ist, dass jede Art sich eine Nische in dem Becken gesucht und vor allem gefunden hat. Somit lässt sich die anfängliche Hypothese bestätigen. Die Tiere nutzen das Gehege auf unterschiedlichen Ebenen, verteidigen ihre Bereiche aber nicht. Die Tiere zeigen kein stereotypes Verhalten. Die Gemeinschaftshaltung im Zoo Hannover der drei Pinnipedia-Arten kann somit durchaus als gelungen eingestuft werden. Den Besuchern zeigt sich zwar das unnatürliche Bild der verschiedenen Robbenarten in einem Lebensraum, dennoch kann das Leben und das natürliche Verhalten der Tiere widergespielt werden. Denn wie in den Robbenshows frei zitiert wird: „Letztlich werden wir nur erhalten, was wir lieben. Wir werden nur lieben, was wir kennen. Wir kennen aber nur, was wir selber gesehen und erlebt haben“ (Baba Dioum).

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 15:29

ECKERN, S. (2011)

Beobachtung und Beurteilung einer Gemeinschaftshaltung von Kaiserschnurrbarttamarinen (Saguinus imperator) und Zwergseidenäffchen (Cebuella pygmaea).

Bachelorarbeit

56 Seiten

Fakultät für Biowissenschaften, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Leitung: Dipl.-Bio. Sandra Reichler
Zoo Heidelberg

Ganze Arbeit

Zusammenfassung:

Ziel der vorliegenden Arbeit war die Untersuchung und Bewertung einer im Heidelberger Zoo bestehenden Vergesellschaftung der Krallenaffenarten Saguinus imperator (Kaiserschnurrbarttamarin) und Cebuella pygmaea (Zwergseidenäffchen).

Dem Vorschlag der gemeinsamen Haltung der beiden Arten in der bereits bestehenden Anlage stand der Zoo Lissabon, welcher das EEP (European Endangered Species Programme) der Kaiserschnurrbarttamarine leitet, eher skeptisch gegenüber (REICHLER, Schriftverkehr). Als es jedoch schon kurz nach der Zusammenführung der beiden Gruppen zu einem Zuchterfolg bei den Kaiserschnurrbarttamarinen kam und nachdem die Pfleger die Vermutung geäußert hatten, dass es auch bei den Zwergseidenäffchen Nachwuchs gegeben haben könnte, sollte die Vergesellschaftung anhand einer verhaltensbiologischen Studie dokumentiert werden.

Über einen Zeitraum von vier Wochen wurden die beiden Familiengruppen – zwei Kaiserschnurrbarttamarine und deren Jungtier, sowie vier adulte Zwergseidenäffchen - abwechselnd und zu unterschiedlichen Tageszeiten beobachtet. Dabei wurden von jedem einzelnen Tier Parameter, wie die horizontale und vertikale Raumnutzung, dessen Abstand zu Individuen der eigenen und der fremden Art, sowie die Aktivitätsrate aufgenommen. Außerdem wurden für das Zusammenleben relevante kurze Verhaltensweisen, wie etwa zwischenartliche Aggressivität oder Flucht, registriert und ausgewertet.

Wenngleich es sich bei den untersuchten Tieren lediglich um eine kleine Stichprobe handelt, und deshalb von dieser Haltung nicht auf andere Gruppen geschlossen werden kann, so ließen sich doch einige interessante Beobachtungen festhalten: Die beobachteten Konfliktsituationen traten seltener im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme auf. Vielmehr entstanden sie zum einen wohl aus einer ähnlichen Präferenz der beiden Arten, was die Wahl der Schlaf- und Ruheplätze angeht, zum anderen aus der Tatsache, dass die Kaiserschnurrbarttamarine sich gerade in einer Phase der Jungenaufzucht befanden. So stellte das Jungtier mit seinem erhöhten Spieltrieb und dem gesteigerten Neugierverhalten wohl einen erheblichen Stressfaktor für die deutlich untergeordneten Zwergseidenäffchen dar. Freundliche interspezifische Interaktionen konnten nicht beobachtet werden.

Eine endgültige Beurteilung der Vergesellschaftung könnte erst dann abgegeben werden, wenn auch bei den Zwergseidenäffchen eine erfolgreiche Aufzucht von Jungtieren in der Gemeinschaftshaltung beobachtet würde, denn das zunächst gesichtete Neugeborene konnte im Verlauf der Beobachtung nicht mehr aufgefunden werden.

Eine längerfristige Studie an einer repräsentativen Anzahl von Individuen würde sicherlich deutlich die Vorteile und Risiken einer Vergesellschaftung der beiden Arten aufzeigen. Optimale Haltungsbedingungen für ein möglichst förderliches Zusammenleben könnten so erarbeitet werden.

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 08:04

HENNIG, A. (2014)

Interaktionen in einer Gemeinschaftstierhaltung am Beispiel des Savannengeheges im Opel-Zoo Kronberg.

Interactions in a mixed species exhibit by example of the Savannah enclosure in the Opel-Zoo Kronberg.

Bachelor

72 Seiten

Didaktik der Biowissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Leitung: Prof. Dr. Paul Dierkes
Opel-Zoo Kronberg

Zusammenfassung:

Ziel der Studie ist es, das Verhalten der Tiere in der Gemeinschaftstierhaltung des Savannengeheges untereinander zu beschreiben und zu vergleichen. Es wurde jeweils ein weibliches und ein männliches Fokustier der drei Tierarten Giraffe, Gnu und Zebra gewählt. Die beobachteten Verhaltensweisen wurden in Kategorien eingeteilt, welchen Aktivitätsstufen von +1 für aktive  -1 für passive und 0 für neutrale Verhaltensweisen zugeordnet wurden. So konnten Interaktionsmatrizen und Soziogramme für die Tiere der Savannenanlage im Opel-Zoo erstellt werden. Die Arbeit konnte zeigen, dass Interaktionen zwischen Tieren aller Arten stattfinden. Die Individuen zeigen unterschiedliche Aktivitätsraten, diese lassen sich aber nicht zu Tierarten zuordnen. Im Weiteren wurden favorisierte Interaktionspartner der Fokustiere festgestellt, sowohl innerartlich als auch zwischenartlich.

Abstract:

The aim of the study is to describe the behaviour of animals in communal enclosures of the Savannah enclosure amongst themselves and to compare between species. Both a female and a male focus animal were chosen for three species of giraffe, wildebeest and zebra. The observed behaviours were divided into categories, which were assigned activity levels of + 1 for active, -1 for passive and 0 for neutral behaviour. Interaction matrices and sociograms were created for the animals in the savannah enclosure in the Opel-Zoo. This work showed, that interactions took place between animals of all species. Individuals showed different activity rates, but this could not be differentiated by species. It was determined that focus animals had preferred interaction partners, both within and outside their species group.

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Donnerstag, 14 Juni 2018 14:03

WALDER, S. (2007)

Raum - zeitliche Nutzung und soziale Beziehungen auf einer Gemeinschaftsanlage afrikanischer Großtiere in der ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen.

Diplomarbeit

103 Seiten.

Ganzer Text

Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Betreuung: Prof. Dr. W. Böhme
Zoom Erlebnniswelt Gelsenkirchen

Zusammenfassung:

In den letzten Jahren und Jahrzehnten kam es in vielen Zoos der Welt nach einer langen Zeit des baulichen Stillstands wieder zu großen Investitionen. Die zur Verfügung stehenden Mittel sollten dabei nach Möglichkeit so eingesetzt werden, dass sowohl für die einzelnen Tiere und Tierarten als auch für die Besucher optimale Bedingungen entstehen.
Mit dem Umbau des Ruhr-Zoos und der Neugestaltung der verschiedenen Bauabschnitte begann auch ein neues Kapitel der Tierhaltung in Gelsenkirchen. Bereits vorher waren im Ruhr-Zoo unter der Leitung des Dipl. Biologen W. D. Gürtler Gemeinschaftsanlagen geschaffen worden. Doch ein Gelände der jetzigen Größe und mit dieser vielfältigen Artenzusammenstellung wurde in Deutschland zuvor noch nicht realisiert.
Das Gelände der Afrikasavanne in der ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen bietet zehn verschiedenen Arten mit zum Zeitpunkt der Untersuchungen knapp 55 Tieren Raum, in einer Artengemeinschaft zusammen zu leben. Bis Mitte 2007 ist die Anzahl der Tiere auf ca. 70 Tiere angewachsen. Durch Zuchterfolge oder weiteren Besatz könnten noch weitere Tiere hinzukommen.
Zum aktuellen Artenbesatz der Afrikasavanne der ZOOM Erlebniswelt gehören:

Equus quagga boehmi (Böhm-Steppenzebra)
Hippotragus niger (Rappenantilope)
Taurotragus oryx (Elenantilope)
Antidorcas marsupialis (Springbock)
Tragelaphus strepsiceros (Großer Kudu)
Struthio camelus (Afrikanischer Strauß)
Leptoptilos crumeniferus (Marabu)
Gyps fulvus (Gänsegeier)
Numida meleagris f.domestica (Helmperlhuhn)
Ceratotherium simum seit Mai 2007 (Breitmaulnashorn)

Die wissenschaftliche Untersuchung konzentrierte sich auf die folgenden vier Kernpunkte:
Wie wird die gesamte Fläche von den verschiedenen Arten der Afrikasavanne genutzt, gleichmäßig oder konzentrieren sie sich auf einzelne Bereiche?
Welche Verhaltensweisen sind wie häufig zu beobachten und wie gestaltet sich das tägliche Aktivitätsbudget der Arten?
Welche Beobachtungen lassen sich in Bezug auf verschiedene Untergrundarten und deren Nutzung machen?
Kommt es auf der Afrikasavanne der ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen dazu, dass verschiedene Arten gleichzeitig gemeinsame Flächen nutzen?
Die gesamte Beobachtungsphase fand von Spätsommer bis Herbst 2006 statt. An insgesamt 50 Beobachtungstagen wurden in 203 Stunden und 40 Minuten Daten aufgenommen.
Die Datenaufnahme bestand aus rhythmisch aufgenommen Daten, bei denen der jeweils aktuelle Standort jedes Tieres im Gehege markiert wurde. In der zweiten Hälfte der Beobachtungsphase wurde ergänzend das aktuell gezeigte Verhalten jedes Tieres vermerkt, entsprechend der acht im Arbeitsethogramm enthaltenen Verhaltenskategorien.
Zur Beantwortung der einzelnen Fragen wurden verschiedene Auswertungsmethoden herangezogen.
Eine Analyse mit Hilfe des SP- Indices wurde herangezogen, um die Fragestellung zur Nutzung der neu gestalteten Afrikasavanne zu bearbeiten. Ein SPI- Wert von null weist auf eine absolut gleichmäßige Nutzung hin, während ein Wert von eins anzeigt, dass sich die Tiere der jeweils betrachteten Gruppe nur in einem Quadranten aufhalten. Es wurden die verschiedenen Arten einzeln und einmal die gesamte Gruppe der vergesellschafteten Arten betrachtet.
Die Ergebnisse stellten sich so dar, dass die SPI- Werte der verschiedenen Arten sich um einen Wert von 0,5 verteilten. In der graphischen Auswertung (Teil 3.1) zeigen sich deutlich die bevorzugten Bereiche der einzelnen Arten auf der neuen Anlage.
Der SPI- Wert von 0,39 für die gesamte Gruppe der auf der Fläche beheimateten Arten belegt, dass nahezu die gesamte Fläche von den Tieren genutzt wird. Die graphischen Darstellungen verdeutlichen, dass jede der sechs beobachteten Arten einen ihren Bedürfnissen entsprechenden Bereich gefunden hat und sich dort bevorzugt aufhält. An einigen Stellen zeigen sich auch geringfügige Überschneidungen der Gebiete.
Eine artgerechte Haltung lässt sich unter anderem durch die Dokumentation des täglichen Aktivitätsbudgets der gehaltenen Populationen einschätzen. Zeigen die Tiere ähnliche Verhaltensweisen wie in der Natur und ähnelt ihr Tagesablauf dem in freier Wildbahn, lässt das den Rückschluss zu, dass die Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden. Dazu wurden acht Verhaltenskategorien ausgewählt und während der zweiten Hälfte der Beobachtungsphase zusätzlich erfasst.
Die gesammelten Daten boten einen Einblick in die täglich gezeigten
Verhaltensphasen. Es ist damit z.B. festzustellen, wie viel Zeit die verschiedenen Arten mit der Futtersuche oder mit Ruhephasen verbringen. Bei genauerer Betrachtung der erhobenen Daten konnten Rückschlüsse auf die von Bell/Jarman postulierten Prinzipen des Nahrungserwerbs bei afrikanischen Großsäugern gezogen werden. Es zeigte sich, dass sich die verschiedenen Arten auf dem der afrikanischen Savanne nachempfundenen Gehege so verhalten, wie bereits von Bell und Jarman Ende der 60er Jahre und in den 70er Jahren für frei lebende Arten veröffentlicht wurde.
Die Tiere der Afrikasavanne in Gelsenkirchen ziehen den Tag über wiederholt in längeren Phasen über das Gelände oder äsen. Besonders deutlich wird dies bei A. marsupialis, der in bis zu 80 % der Zeit auf der Anlage Nahrung aufnimmt (‚äsen‘).
Das Gehege soll ein möglichst naturgetreues Abbild der afrikanischen Savanne darstellen. Es wechseln sich große Grasflächen mit sandigen Flächen und Geröllbereichen ab.
Eine weitere Fragestellung galt diesen Gestaltungsmerkmalen: Nehmen die Tiere die gewählten Untergrundarten an und nutzen sie diese auch ihren natürlichen Ansprüchen entsprechend?
Die Auswertung der Häufigkeit und der Art der Nutzung der verschiedenen Untergrundarten sollte darüber Auskunft geben, wie die einzelnen Arten die angebotene Struktur annehmen.
Den Erwartungen entsprechend verbringen die Tiere den Großteil ihrer Aktivitätsphasen auf den Grasflächen der Anlage. Ruhende Tätigkeiten finden vorwiegend auf den Sandflächen statt. Die Untergrundart Geröll wird von allen Arten gemieden.
Besonders auffällig zeigten sich die erhöhten Nutzungsphasen der Untergrundart Pflasterstein. Der häufige und andauernde Aufenthalt der Tiere am späten Nachmittag auf diesen Flächen sowie die Notwendigkeit dieses Untergrunds aus hygienischen Gründen müssen diskutiert werden. Es stellt sich die Frage, ob nach Abhilfe zur Verlagerung des Aktivitätsschwerpunktes gesucht werden muss.
Die Ergebnisse lassen allerdings die Aussage zu, dass die Tiere den unnatürlichen Untergrund akzeptieren und die entsprechenden Bereiche in ihr Territorium integrieren, was aber für die Besucher sehr unattraktiv ist.
Vergesellschaftungen verschiedener Arten dieser Größenordnung gibt es erst seit Kurzem in Zoologischen Gärten. Aus der Feldbeobachtung ist bekannt, dass verschiedene Arten gemeinsame Herden bilden, wenn sie in der Trockenzeit auf der Suche nach Nahrungsquellen umherwandern.
Ermöglicht die Größe der Anlage der ZOOM Erlebniswelt, dass sich verschiedene Arten zusammen schließen oder führt jede Art weiterhin eine opportunistische Lebensweise? Zur Beantwortung dieser Frage wurde untersucht, ob verschiedene Arten gemeinsam bestimmte Bereiche der neuen Anlage nutzen. Über die Raumnutzungsanalyse konnte ermittelt werden, wie häufig sich zwei Arten gemeinsam in einem Quadranten (Grundfläche 100 m2) und zusätzlich mit einem Maximalabstand von 20 m (in zwei aneinander angrenzenden Quadranten) aufhalten.
Diese Ergebnisse ließen ebenfalls Rückschlüsse auf die von den verschiedenen Arten eingehaltenen oder bevorzugten Individualabstände zu. Es stellte sich heraus, dass die meisten Arten einen interartspezifischen Individualabstand von mehr als 20 Metern bevorzugen, aber bei starken Umweltfaktoren (Regen, Wind, Futter) auch bereit sind, sich bis auf wenige Meter Abstand zu nähern.
Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass bei der Auswahl der Tiergruppen die natürliche Artzusammensetzung eines Ökosystems Berücksichtigung fand. Gestaltung und Größe des Geländes ermöglichen sowohl artspezifische Entfaltung wie Kontakte mit anderen Arten und reduzieren Konfliktsituationen durch räumliche Weite und ein vielfältiges natürliches Nahrungsangebot. Sowohl planerisch als auch architektonisch konnte hier ein zukunftsweisendes Konzept verwirklicht werden.

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 12:47

YEREMENKO, O. (2008)

Gemeinschaftshaltung von Flusspferden (Hippopotamus amphibius), Sitatunga (Tragelaphus spekei) und Sattelstörchen (Ephippiorhynchus senegalensis) - Interaktionen und Raumnutzung.

Diplomarbeit

84 Seiten

Ganzer Text

Fakultät für Biologie und Biotechnologie, Ruhr-Universität Bochum
Betreuer: Prof. Dr. Wolfgang H. Kirchner
Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen

Zusammenfassung:

Die Idee der gemeinschaftlichen Haltung mehrere Säugetierarten wird im Zoomanagment immer beliebter. Die Untersuchungen bereits existierender Tiergemeinschaften liefern wichtige Informationen über die intraspezifische Eignung sowie die wichtigen für die vergesellschafteten Tierarten Besonderheiten in der Gestaltung der Anlage.

Die Tiergemeinschaft Flusspferd (Hippopotamus amphibius), Sitatunga (Tragelaphus spekii) und Sattelstorch (Ephippiorhynchus senegalensis) wurde untersucht. Die inter- sowie intraspezifische Interaktionen, das Verhalten und die Raumnutzung der vergesellschafteten Tiere wurden analysiert. Für die Beobachtungen wurden Scan- und Fokusmethode angewendet.

Die durchgeführte Analyse hat gezeigt, dass die Tiergemeinschaft trotz der agonistischen Interaktionen zwischen den Sattelstörchen und Antilopen ohne Stress für die vergesellschafteten Tiere funktionierte. Die Beweise dafür sind: die gestiegene Fressdauer bei den Sitatunga, die gesunkene Häufigkeit des Sicherns bei den Antilopen, der Effekt des Auseinanderwanderns in der Antilopengruppe, die Nutzung der mit den Flusspferden gemeinsamen Flächen, das ruhige Ausweichen oder das Ignorieren der Angriffe des Sattelstörche von den Sitatunga und die gestiegene Dauer des Ruheverhaltens bei den Sattelstörchen. Der hohe Grad der Nutzung der für die Flusspferde unzugänglichen Flächen von den Sitatunga und den Sattelstörchen spricht für die Notwendigkeit solcher Flächen auf der Anlage.

Es wurden einige Besonderheiten bei der Gestaltung der Anlage festgestellt, die für das Wohlbefinden der vergesellschafteten Tierarten wichtig sind. Diese sind die Sandflächen für die Flusspferde, die Rückzugsbereiche für die Sitatunga. Die Vergesellschaftung der Sattelstörche mit Flusspferden erfolgte nur beschränkt, da die Sattelstörche die gemeinsamen Flächen mit Flusspferden kaum nutzten.

Einige Besonderheiten des Verhaltens der Tiere in Wildbahn wurden auch während der Beobachtungszeit in Gefangenschaft beobachtet. Die Antilopen zeigten den Effekt des Auseinanderwanderns, was mit der solitären Verhaltensweise dieser Antilopenart in der Wildbahn übereinstimmt. Der Sattelstorch zeigte territoriales Verhalten (was typisch für die Art in freier Wildbahn ist), das angesichts der Abwesenheit anderer Artgenossen auf der Anlage auf die Antilopen projeziert wurde. Die oft in Wildbahn vorkommende Vokalisation der Sitatunga wurde nicht in Gefangenschaft registriert.

Die Gemeinschaftshaltung der untersuchten Tierarten kann aufgrund der positiven interspezifischen Eignung der Arten, der geeigneten Gestaltung der Anlage und der richtigen Managementmaßnahmen gut funktionieren und ist für weitere Zoo unter den gegebenen Bedingungen zu empfehlen.

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 08:20

ENGELS, S. (2008)

Raumnutzung und interspezifische Interaktionen zwischen Giraffa camelopardalis rothschildi, Aepyceros melampus, Tragelaphus angasi und Damaliscus pygargus phillipsi in der Gemeinschaftshaltung.

Diplomarbeit

81 Seiten

Ganzer Text

Fakultät für Biologie und Biotechnologie, Ruhr-Universität Bochum
Betreuer: Prof. Dr. Wolfgang H. Kirchner
Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen

Zusammenfassung:

In dieser Studie wurde eine Gemeinschaftshaltung von Rothschildgiraffen, Blessböcken, Impalas und Nyalas in den ersten fünf Monaten seit Beginn der Vergesellschaftung auf einer neuen Außenanlage beobachtet. Die Schwerpunkte lagen dabei auf der Nutzung der Anlagenfläche durch die Tiere sowie auf den interspezifischen Interaktionen und der damit verbundenen Bildung einer interspezifischen Hierarchie.

Eine Eingewöhnungsphase und Erkundung der neuen Umgebung war bei allen Arten deutlich anhand der Verlagerung der bevorzugt genutzten Bereiche der Anlage auszumachen. Bauliche Merkmale der Anlage hatten einen eindeutigen Einfluss auf die Aufenthaltspräferenzen der Arten. Impalas und Nyalas zeigten eine signifikante Bevorzugung von bepflanzten Anlagenteilen und mieden dafür die besuchernahen Bereiche. Die Nyalas bevorzugten zudem bei hohen Temperaturen Schattenplätze. Bei den Giraffen und Blessböcken ergab sich dagegen kein Einfluss der Anlagengestaltung auf die Aufenthaltspräferenzen. Zur Steigerung der Attraktivität der vorderen Bereiche für die Impalas und Nyalas könnten hier möglicherweise weitere Anpflanzungen dienen, welche Deckung, Schatten sowie Nahrung böten.

Interspezifische Interaktionen fanden zwischen allen Arten statt und waren meist von neutralem und ausweichendem Charakter. Soziopositives Verhalten zeigte sich vermehrt zwischen den Impalas und Nyalas, die eine gemischte Herde bildeten. Dabei war im zeitlichen Verlauf eine signifikante Zunahme der Herdenzeit zu verzeichnen. Agonistische Interaktionen fanden dagegen vornehmlich zwischen dem Impalabock und den Blessböcken statt. Zu Kämpfen kam es dabei vermutlich, da sich Droh- und Imponierverhalten und somit die spezifischen Schlüsselreize beider Arten ähneln. Paarungsaktivitäten und begrenzte Ressourcen wie Nahrung lösten im Gegensatz zu den Ergebnissen anderer Studien keine interspezifischen Konflikte aus. Die Art der Entwicklung der interspezifischen Rangordnung lässt darauf schließen, dass hierbei die Körpergrößen der Arten von Bedeutung sind. Zumindest bei der Unterordnung unter deutlich größere Arten scheint es sich um ein angeborenes Verhalten zu handeln. Da es zwischen dem Blessbock- und Impalabock im Laufe der Zeit zu einem signifikanten Wechsel der Dominanzverhältnisse kam, ist anzunehmen, dass bei ähnlichen Größenverhältnissen die Rangfolge durch agonistische Interaktionen festgelegt wird.

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 08:15

BRÜCKNER, J. (2014)

Lassen sich zwei so unterschiedliche Charaktere sozialisieren? - Die Gemeinschaftshaltung der Gibbons (Nomascus leucogenys; Hylobatidae) und der Orang-Utans (Pongo pygmaeus; Hominidae) im Zoo Osnabrück.

Bachelorarbeit

133 Seiten

Ganzer Text

Universität Osnabrück, Fachbereich Biologie/Chemie
Betreuung: Prof. Dr. Schröpfer
Zoo Osnabrück

Zusammenfassung:

Gemeinschaftshaltungen werden in Zoos heutzutage immer populärer und bieten nicht nur viele Vorteile für die Tiere, sondern auch einen besonderen Anreiz für Zoobesucher.

Der Zoo Osnabrück hat seit 2012 Nördliche Weißwangen-Schopfgibbons (Nomascus leucogenys) mit Borneo-Orang-Utans (Pongo pygmaeus) vergesellschaftet. Mit dieser Arbeit wurde untersucht, ob sich beide Arten in einem Gemeinschaftsgehege sozialisieren lassen und dies auch für die neue Anlage im Jahr 2016 empfehlenswert ist. Anhand von Video- und Protokolldaten wurden die interspezifischen Beziehungen während der Nachmittagsfütterungen und der Tagesaktivitäten über einen Zeitraum von 31 Tagen untersucht.

Es zeigte sich während der Nachmittagsfütterungen zwar erhöhte Aggressivität und Fluchtverhalten seitens der Gibbons gegenüber den Orang-Utans, jedoch waren diese Auseinandersetzungen sehr kurz und liefen ohne Verletzungen ab. Die Orang-Utans zeigten während der Tagesaktivitäten nur selbstbezogenes Verhalten und erwiderten Spielverhalten seitens der Gibbons nicht, was möglicherweise an dem hohen Alter der Orang-Utans liegt. Allerdings ließ sich seitens des Orang-Utan-Weibchens Neugierverhalten den Gibbons gegenüber feststellen, die bei den meisten interspezifischen Aktionen als Donatoren fungierten. Das Orang-Utan-Männchen interagierte hauptsächlich während der Nachmittagsfütterungen mit den Gibbons, schien sich von ihnen während der Tagesaktivitäten jedoch auch nicht gestört zu fühlen. Aggressives Verhalten trat während der Tagesaktivitäten überhaupt nicht auf.

Die Gemeinschaftshaltung im Zoo Osnabrück lässt sich, ebenso für die neue Anlage, die 2016 fertig gestellt werden soll, empfehlen. Dennoch sollten wie bereits im jetzigen Außengehege Rückzugsmöglichkeiten für beide Arten, jedoch auch intraspezifisch für die Orang-Utans, geschaffen werden. Eine kontinuierliche Beobachtung ist dennoch zu empfehlen sowie eine Pausierung der Vergesellschaftung bei potentiellen, zukünftigen Jungtieren seitens der Gibbons.

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 12:25

MALEK, G. (2009)

Inter- und intraspezifische Interaktionen sowie Raumnutzung von Breitmaulnashörnern (Ceratotherium simum) in Gemeinschaftshaltung mit anderen afrikanischen Makroherbivoren.

Diplomarbeit

81 Seiten

Ganzer Text

Fakultät für Biologie und Biotechnologie, Ruhr-Universität Bochum
(Betreuung: Prof. Dr. Wolfgang H. Kirchner) und
ZOOM Erlebniswelt, Gelsenkirchen

Zusammenfassung:

Gemeinschaftshaltungen verschiedener Spezies mit ähnlichen Habitatansprüchen sind in vielen zoologischen Einrichtungen zu finden, erweisen sich aber nicht immer als erfolgreich. In der vorliegenden Arbeit wurde ermittelt, wie sich die Raumnutzung und die interspezifischen Interaktionen von Breitmaulnashörnern, Böhm-Zebras, Elen-Antilopen, Großen Kudus, Rappen-Antilopen und Springböcken gestalteten. Zudem wurden das Aktivitätsbudget und die intraspezifischen Interaktionen der Nashörner genauer untersucht.
Für die vorliegende Arbeit fanden die Beobachtungen von Anfang Juli bis Ende Oktober 2008 in der ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen statt. Von der 23 000m² großen Gemeinschaftsanlage Grassavanne ist der 5 000 m² große Bereich der Nashörner durch eine Mauer abgetrennt, welche von den kleineren Tierarten an Durchlässen passiert werden kann. In 291 Stunden wurden mittels scan-, focal-animal- und behavioural-sampling die Daten für die Untersuchung gewonnen.

Die Auswertung der Raumnutzung ergab, dass die Anlagenfläche von den Tieren vollständig genutzt wird. Der Nashornbereich und die nördliche Fläche wurden von den meisten Arten seltener aufgesucht und sie mieden die unmittelbare Nähe zu den Besuchern. Morgens hielten sich fast alle Tiere an den Futterflächen auf, bei schlechtem Wetter standen bis auf die Springböcke und Nashörner alle Arten vor den Schutz bietenden Stalleingängen.

Das Aktivitätsbudget der subadulten Tiere gleicht in der Verteilung dem anderer in Gefangenschaft gehaltener Nashörner. Sie fraßen am Vormittag, darauf folgte eine Ruhepause und den Rest des Tages verbrachten sie mit verschiedenen Aktivitäten, die immer wieder von Ruhepausen unterbrochen wurden. Insgesamt ruhten sie die Hälfte der Zeit, die sie auf der Anlage verbrachten.

Intraspezifische Interaktionen der Nashörner bestanden hauptsächlich aus Hornkämpfen des Bullen mit den Kühen, was für subadulte Tiere typisch ist. Es gab eine klare Rangordnung mit einem Weibchen an der Spitze und dem Bullen als deutlich untergeordnetem Tier. Interspezifische Interaktionen nahmen nur einen sehr geringen Teil ein und fanden hauptsächlich an der Futterstelle der Nashörner zwischen dem Bullen der Elen-Antilopen und den Nashorn-Kühen statt. Zudem zeigten die Zebras den Jungtieren der Antilopen gegenüber spontan aggressives Verhalten, ansonsten gab es kaum agonistische Interaktionen. Es herrschte eine relativ klare Rangordnung, die über die Zeit konstant blieb. Gemischte Herden wurden lediglich an Futterstellen sowie im Schutz des Vorstallbereichs beobachtet, ansonsten blieben die Arten weitestgehend unter sich.

Die Anlage ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Gemeinschaftshaltung von Makroherbivoren, die ohne größere agonistische Interaktionen zusammen leben und die Anlagenfläche nach ihren spezifischen Ansprüchen nutzen.

 

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx