Donnerstag, 14 Juni 2018 08:45

SCHMID, J. (2006)

Verhalten Asiatischer Elefanten (Elephas maximus) im Zoo und Zirkus.

Dissertation

199 S. : Ill., graph. Darst.

Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, Universität Greifswald
Leitung:
Verschiedene Zoos

Zusammenfassung:

Die Haltung von Elefanten in Zoos und Zirkussen wird sehr kontrovers diskutiert. Zuchtprobleme, Unfälle mit Pflegern, Bullenhaltung, Kettenhaltung oder der Mensch-Tierkontakt sind häufige Streitpunkte. Wie sieht eine tiergerechte Elefantenhaltung aus? Tiergerecht ist ein Haltungssystem dann, wenn die darin lebenden Tiere in der Lage sind ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Dies führt zu Wohlbefinden oder zu positiven Befindlichkeiten bei den Tieren. In der vorliegenden Arbeit wurde versucht, aus dem Verhalten von Zoo- und Zirkuselefanten Indikatoren für deren Befindlichkeit zu finden. Zu Betonen ist dabei die, für Untersuchungen an Großsäugern in menschlicher Obhut, außergewöhnlich große Stichprobe von 49 Elefanten in vier Zoos und drei Zirkussen. Die Dissertation beinhaltet einen umfangreichen theoretischen Abriss zum Verhalten von Elefanten in der freien Wildbahn und zu den Haltungsbedingungen in Zoos und Zirkussen. In einem ausführlichen Ethogramm wird das Verhalten der beobachteten Elefanten exakt beschrieben. Darunter finden sich auch einige bisher noch nicht beschriebene Verhaltensweisen zum Werkzeuggebrauch und zur Objektmanipulation der Tiere. Beim quantitativen Vergleich des Verhaltens zwischen den einzelner Zoo- und Zirkusherden wurden deutliche Unterschiede gefunden, die mit unterschiedlichen Haltungsbedingungen in Verbindung gebracht werden konnten. In einem umfangreichen Kapitel wird das Auftreten von Stereotypien, deren Aussehen und mögliche Ursachen sowie der theoretischen Hindergrund dieser Verhaltensstörung dargestellt. Als weiterer Indikator für das Befinden der Tiere wird das Ausdrucksverhalten herangezogen. Die einzelnen Elemente werden beschrieben und einzelnen Befindlichkeiten zugeordnet. Schließlich wird die Stressbelastung von Elefanten bei der Integration einzelner Tiere in eine fremde Zooherde an Hand von Cortisolmessungen im Urin und Verhaltensbeobachtungen untersucht. In der Gesamtdiskussion werden einige strittige Punkte in der Elefantenhaltung aufgegriffen, unter anderem die Problematik der Elefantenhaltung im Zirkus. Die Einzelergebnisse werden stets auf deren Aussagekraft für das Wohlbefinden der Tiere analysiert, so dass die Arbeit mit klaren Managementempfehlungen, die zur Verbesserung des Wohlbefindens von Elefanten in Zoos und Zirkussen beitragen können, schließt.

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Donnerstag, 14 Juni 2018 08:02

LODERSTEDT, S. (2009)

Makroskopische, lichtmikroskopische und ukltrastrukturelle Charakterisierung der Placenta fetalis des Asiatischen Elefanten (Elephas maximus).

Macroscopic, light microscopic and ultra structural characterization of the Placenta fetalis of the Asian Elephant (Elephas maximus).

Dr. med. vet. Dissertation

126 Seiten, 98 Abbildungen, 7 Tabellen, Literaturangaben, Anhang

Veterinär-Anatomisches Institut, Veterinärmedizinische Fakultät, Universität Leipzig
Betreuer: Prof. Dr. Johannes Seeger
Tierpark Hagenbeck Hamburg, Zoo Leipzig

Ganze Arbeit

Zusammenfassung:

Erkenntnisse über die Morphologie und Physiologie der Plazenta des Asiatischen Elefanten sind nur im begrenzten Umfang vorhanden (Owen, 1857; Mossman (1937), Cooper et al., 1964, Davis et al., 1991). Ziel dieser Untersuchung ist die erstmalige systematische Untersuchung und Charakterisierung der unter physiologischen Bedingungen ausgetragenen Placenta fetalis von gesunden, vitalen Asiatischen Elefantenkälbern. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die morphologisch - strukturelle Charakterisierung des Gewebes, sowie die immunhistolchemische Untersuchung der unterschiedlichen Plazentaanteile. Für die Untersuchung standen vier Nachgeburten von in zoologischen Einrichtungen gehaltenen Asiatischen Elefanten zur Verfügung. Die Plazenten wurden vollständig, oder in Form repräsentativer Proben dem Veterinär-Anatomisches Institut überstellt. Aus morphologisch unterschiedlichen Bereichen der einzelnen Fruchthüllen wurden Proben zur weiteren lichtmikroskopischen und elektronenmikroskopischen Untersuchung entnommen. Weiterhin wurde das Ansprechverhalten des Gewebes auf Antikörper von humanen Choriongonadotropin (hCG) und plazentarer alkalischer Phosphatase (PLAP) analysiert. Amnion und Allatois werden von einem einschichtigen, iso- bis hochprismatischen Epithel mit kopfsteinpflasterartiger Oberfläche bekleidet. Die Epithelzellen tragen auf ihrer Zellmembranoberfläche Mikrovilli und Mikroplicae. Es können Zytoplasmaprotrusionen unterschiedlichen Ausprägungsgrades ausgebildet werden. Die chorionseitige Oberfläche des extraplazentaren Allantochorions erscheint makroskopisch heterogen und bildet auf der gesamten Oberfläche mikroskopisch differenzierbare Chorionzotten unterschiedlicher Größe aus. Die Zytotrophoblastzellen tragen Oberflächenmodifikationen. Der Gürtel kann mikroskopisch anhand der Gefäßbasalmembranmorphologie und der Plasmainsudationen in zwei Schichten eingeteilt werden. Das Trophoblastepithel wird von intraepithelialen Kapillaren durchbrochen, und die Plazentarschranke ist bis auf ca. 2μ m reduziert. Im Zytoplasma der Trophoblastzellen der Extravasatzone finden sich chromaffine, granuläre Ablagerungen unterschiedlicher Größe. Die Trophoblastzellen reagieren positiv auf den immunhistochemischen Nachweis von hCG und PLAP. Am vorliegenden Material wurden erstmals systematische morphologische Untersuchungen auf makroskopischer, lichtmikroskopischer und ultrastruktureller Ebene durchgeführt. Der Asiatische Elefant bildet eine vollständige Gürtelplazenta mit braun grün gefärbtem Randsaum aus. Das Allantois- und Amnionepithel ist einheitlich einschichtig. Die Epithelzellen beider Membranen zeigen zytplasmatische Zellausstülpungen. Für die Hundplazenta werden rasterelektronenmikroskopisch vergleichbare Strukturen als apokrine Sekretionsvesikel beschrieben (Grether et al., 1998). Das extraplazentare Allantochorion weist auf seiner gesamten Oberfläche Zotten unterschiedlicher Morphologie auf. Intraepitheliale Kapillaren kommen vor. Der Trophoblast ist in seiner Gesamtheit als Zytotrophoblast ausgebildet. Im Bereich des proximalen Plazentarlabyrinthes finden sich unregelmäßig verdickte Basalmembranen maternaler Gefäße. Das Zytoplasma der Trophoblastzellen in der Extravasatzone erscheint vakuolär und schließt chromaffine Granula ein. In den Trophoblastzellen werden positive Reaktionspräzipitate mit PLAP-Ak, sowie hCG-Ak gebildet.
Schlussfolgernd wird festgestellt:

1. Der Asiatische Elefant bildet eine Placenta zonaria, endothelio-chorialen Charakters aus.

2. Allantois- und Amnionepithel sind im Aufbau ähnlich und sekretorisch aktiv.

3. Es ist von einer Beteiligung des paraplazentaren Allantochorion am Stoffwechsel der Plazenta auszugehen (Stoffel et al., 1998, Olivera et al., 2003).

4. Der Plazentargürtel kann in drei Zonen eingeteilt werden.

5. Der Trophoblast ist als Zytotrophoblast ausgebildet und in seiner Gesamtheit funktionell resorptiv. Es kommen intraepitheliale Kapillaren vor, wobei die Plazentarschranke entsprechend des endothelio-chorialen Plazentatyps erhalten bleibt.

6. Die endokrinologische Aktivität der Elefantenplazenta muss Schwerpunkt fortführender Forschungsarbeit sein.

Summary:

There is very little detailed knowledge regarding the structure and physiology of the placenta of the Asian Elephant (OWEN 1857, MOSSMAN 1937, COOPER et al. 1964, MOSSMANN 1987, DAVIS u. BENIRSCHKE 1991). The aim of this thesis is the systematic analysis and characterization of the term placenta fetalis of the Asian Elephant from healthy, vital Elephant calves born under physiological circumstances. The study focuses on the morphological characterization of the placental tissue, and on the immunohistochemical investigation of different placental locations. Four Placentae fetalis were collected from Asian Elephants kept in zoos. The complete placentas or representative parts were sent to the Institute of Veterinary-Anatomy of the University of Leipzig. Samples were collected from different anatomical regions of the fetal placenta for further light- and electron microscopic Investigation. The immunohistochemical responses of the tissue to human gonadotropin (hCG) antibody and to placental alkaline phosphatase (PLAP) antibody were tested. Amnion and Allantois are covered by a single layer of iso- or columnar epithelium with a cobblestone like surface. The epithelial cells show microvilli, microplicae and cytoplasmic protrusions in different stages on their cell membrane surface. The extraplacental chorionic membrane appears macroscopically heterogenic. Villi can be seen throughout the whole chorion. The epithelial cells show modifications of the cell membranes. The girdle can be divided in two zones microscopically, because of the basal membrane morphology of maternal blood vessels and plasma insudation into the tissue. The trophoblast epithelium is invaded  by  intraepithelial  capillaries  and  the  blood-placental  barrier  is  reduced  to approximately 2μ m. Trophoblast cells in the haemophagus zone display chromaffin granules of different size in the cytoplasm. The trophoblast cells show a positive immunhistochemic reaction to hCG and PLAP. For  the  first  time,  a  systematic  macroscopic,  light  microscopic  and  ultra  structural morphologic investigation was carried out on the term Placenta fetalis of the Asian Elephant. The Asian Elephant has a placental belt with a green brown haemophagus zone on each side. The Allantois- and Amnionepithelium are single layered and show protrusions of the cytoplasm. Scanning electron microscopic investigations revealed comparable structures to the dog (GRETHER et al. 1998). The whole extra placental Chorion has a villous membrane surface. Intraepithelial capillaries can be shown. The trophoblast is shaped completely as cytotrophoblast. In the proximal part of the labyrinth, thickened basal membranes can be seen on maternal capillaries. The cytoplasm of the epithelial cells in the haemophagus zone appears vacuolar and encloses chromaffin granules. Positive immunohistochemistry reactions can be seen in the cytotrophoblast with PLAP-Antibody and hCG-Antibody.
Conclusively, it can be stated:

1. The Asian Elephant has a Placenta zonaria, endotheliochorialis.

2. Allantois- and Amnionepithelium have a similar morphology and are secretically active.

3. An involvement of the paraplacental Chorion in the metabolism of the placenta can be postulated (STOFFEL et al. 1998, OLIVERA et al. 2003a).

4. The placental labyrinth can be divided in two zones.

5. The  trophoblast  is  shaped  completely  as  cytotrophoblast  and  has  resorptive functional. In spite of the intraepithelial capillaries, the blood-placenta barrier stays entirely intact.

6. The  endocrinology  of  the  placenta  of  the  Asian  elephant  requires  further investigations

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 12:34

HERZOG, S. M. (1989)

Daten zur Fortpflanzungsphysiologie des asiatischen Elefanten (Elephas maximus) im Zoologischen Garten Zürich.

Dr. med. vet. Disseration

Klinik für Andrologie und Gynäkologie, Veterinär-medizinische Fakultät der Universität Zürich
Referent: Prof. Dr. K. Zerobin, Korreferent: PD Dr. E. Isenbügel
Zoo Zürich

Zusammenfassung: siehe hier

Summary: see here

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 14:28

ARNDT, J. (2014)

Sozialverhalten und soziales Spiel in einer Gruppe junger asiatischer Elefantenbullen (Elephas maximus L.) im Zoo.

Social behaviour and social play in a group of young Asian elephant bulls (Elephas maximus L.) in a zoo.

Masterarbeit

139 Seiten

Fakultät für Chemie und Biowissenschaften, Institut für Zoologie, Karlsruher Institut für Technologie
Guteachter: Prof. Dr. Eberhard Frey, Prof. Dr. Horst Taraschewski
Zoo Heidelberg

Ganze Arbeit

Zusammenfassung:

Bei langlebigen Spezies mit komplexen Sozialstrukturen, wie Primaten und Elefanten, ist die Juvenilphase eine Zeit des intensiven sozialen Lernens. Bei heranwachsenden Elefantenbullen ist dieser Lebensabschnitt durch soziale Interaktionen und spielerische Auseinandersetzungen mit anderen Bullen geprägt. Beides ist unerlässlich für eine natürliche geschlechts- und alterstypische Entwicklung und bestimmt maßgeblich die sozialen Kompetenzen und Fertigkeiten im Erwachsenenalter. Im Rahmen dieser Studie wurden das Sozialverhalten und das soziale Spiel in einer Gruppe von vier juvenilen asiatischen Elefantenbullen (8 bis 12 Jahre alt) in Menschenobhut über einen Zeitraum von 16 Wochen untersucht. Innerhalb der Gruppe existierte eine lineare Dominanzhierarchie. Die Etablierung und Festigung des eigenen Status innerhalb der hierarchischen Bullengesellschaft gehört zu den grundlegenden Erfahrungen juveniler Elefantenbullen. Während der Erhebungen kam es zwischen zwei Individuen zu einer Rangordnungsauseinandersetzung mit zweimaligem Positionswechsel, in deren Rahmen zwei verschiedene Bewältigungsstrategien beobachtet werden konnten. Kompetenzen im Umgang mit Konflikten werden vermutlich zum einen durch die bisherigen Erfahrungen in der Geburtsherde bestimmt (1. Sozialisierungsstufe) und zum anderen im Rahmen des sozialen Lernens durch spielerische Auseinandersetzungen mit Gleichaltrigen erworben (2. Sozialisierungsstufe). Neben hierarchischen existierten jedoch auch freundschaftliche Beziehungen innerhalb der Gruppe: Jedes Individuum bevorzugte signifikant einen bestimmten Partner für Assoziationen. Es konnte gezeigt werden, dass bei Elefantenbullen - bereits im Juvenilalter - Persönlichkeitsmerkmale wie Führungsstärke sowie komplexe Verhaltensmuster wie Schlichtungs- , Trost und kooperatives Verhalten vorhanden sein können. Derartige Beobachtungen sind in der Literatur bislang nur für weibliche Tiere innerhalb der eng verbundenen Familiengruppen beschrieben. Im Rahmen von Futterdiebstahl konnte zudem zweimal ein Verhalten beobachtet werden, dass sich als Täuschungsversuch klassifizieren lässt und erneut die kognitiven Fähigkeiten von Elefanten unterstreicht. Das soziale Spiel erwies sich als wesentlich vielschichtiger, wie bislang angenommen. Es konnten sieben verschiedene, frei kombinierbare Spielarten verschiedenen Charakters identifiziert werden. Kompetitive Spiele enthielten Elemente des adulten Kampfverhaltens und fördern Kraft, Geschicklichkeit, Durchsetzungsvermögen und Selbstvertrauen, aber auch die Rücksichtnahme auf körperlich unterlegene Spielpartner. Nicht-kompetitive Spiele stärken vermutlich die Beziehungen zwischen den Individuen. Der Kommunikation von Spielabsichten diente vor allem das Ausdrucksverhalten, seltener unterstützt durch spezielle Vokalisationen. Jedes Individuum hatte einen Hauptspielpartner, der nicht zwingenderweise auch der häufigste Assoziationspartner außerhalb des Spiels sein musste. Die Wahl des Hauptspielpartners hängt wahrscheinlich von dessen Konstitution, sozialen Status und der gemeinsamen Präferenz bestimmter Spielarten ab. Schlussendlich konnten hieraus fünf Hauptkriterien zur Langzeit-Beurteilung der Entwicklung der Individuen und der Sozialstruktur einer Jungbullengruppe identifiziert werden. 

Summary:

In long-living species with complex social structures such as primates and elephants, the juvenile period is a time of intense social learning. In juvenile and adolescent male elephants, this stage of life is characterized by social contacts and playful contests with other males. Both types of interactions are essential for a proper gender- and age-typical development and largely determine social competencies and skills in adulthood. In this survey, the social behavior and social play were studied in a group of four juvenile Asian elephant bulls (8-12 years) in captivity over a period of 16 weeks. A linear dominance hierarchy existed within the group. The establishment and defense of their own status is one of the fundamental experiences of juvenile elephant males within the hierarchical organized bull society. During the study, a hierarchy conflict arose between two individuals and they switched their position twice. In this context, different coping strategies could be observed. Coping competencies are probably determined by an individual’s previous experiences within its natal family (first stage of socialization) and can otherwise be improved through social learning and playful interactions with peers (second stage of socialization). However, there were also friendly relationships within the group: Each individual preferred significantly one specific partner for associations. It could be shown that male elephants - even as juveniles - show personality traits (e. g. leadership skills) and complex behavioural patterns such as reconciliation, consolation and cooperation. This has previously been described only for females within their close-knit family groups. At two occations, also deceptive behaviour in context of food theft could be observed, which again emphasizes elephant cognitive skills of elephants. In this study it could be shown, that social play in male elephants is much more complex than previously assumed. There were seven different, freely combinable types of play with different charac-ter: Competitive types of play contained elements of adult fighting behaviour and probably promote strength, assertiveness and self-confidence, but also considerations for physically inferior playing partners. On the other hand, non-competitive types of play may strengthen the relation-ships between individuals. The elephants communicated their intention to play primarily by their expressive behaviour, rarely supported by specific vocalizations. Each individual had one main playing partner who did not necessarily had to be the most common partner for associations out-side the context of play. The choice of this main playing partner is probably determined by its constitution and the common preference for certain types of play. Overall, a total of five main criteria could be identified for long-term assessment of the development of an individual’s ontogeny and the social structure within groups of young male elephants.

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Donnerstag, 14 Juni 2018 08:32

FISCHER, N. (2009)

Die Beziehungen der Jungtiere in der Elefantengruppe des Kölner Zoos.

Examensarbeit

71 Seiten.

Zoologisches Institut Universität zu Köln.
Betreuung: T. Ziegler, E. Schierenberg
Kölner Zoo

Zusammenfassung:

Das Ziel der vorliegenden Arbeit war, ein umfangreiches Bild von den sozialen Beziehungen der Jungtiere in der Elefantenherde des Kölner Zoos zu gewinnen. Dies geschah im Hinblick auf drei Aspekte: die Mutter-Jungtier-Beziehungen, die Beziehungen zu anderen erwachsenen Kühen und die Beziehungen zu den anderen Jungtieren. Besonderen Anlass dazu gab nicht nur die Tatsache, dass die Jungtiere bei bisherigen Studien kaum in die Analysen einbezogen wurden, sondern auch die Geburt eines neuen Jungtiers im Beobachtungszeitraum. Die Elefantengruppe wurde über einen Zeitraum von insgesamt acht Wochen mithilfe zweier verschiedener Methoden beobachtet. Das „focal animal sampling“ diente zum Erfassen der Verhaltensweisen, das „scan sampling“ [Martin & Bateson 1993] zum Erfassen der jeweils nahestehenden Individuen. Zur Charakterisierung der Beziehungen wurde der von Steinig (2009) eingeführte Parameter X2 übernommen und leicht modifiziert zur Bestimmung von Beziehungsintensitäten genutzt. In dem komplexen Beziehungsgefüge konnten sowohl individuelle Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten aufgezeigt werden. Die Mutter-Jungtier-Beziehungen waren entgegen den Erwartungen nur in zwei der vier Fälle die engsten, während die anderen beiden Jungtiere engere Beziehungen zu nicht-verwandten Kühen aufwiesen. Dies war vor allem hinsichtlich des Neugeborenen ungewöhnlich, kann aber auch mit der sozialen Stellung seiner Mutter innerhalb der Herde zusammenhängen. Gemeinsam war allen Mutter-Jungtier-Beziehungen das Fehlen jeglicher agonistischer Verhaltensweisen, sowie eine deutliche Diskrepanz zwischen aktiven und passiven Verhaltensweisen. Durch einen Vergleich zwischen vor und nach der Geburt konnte ein Trend aufgezeigt werden, demzufolge die Beziehungen zwischen Jungtieren und ihren Müttern an Intensität abgenommen haben, was zum einen durch die veränderte Gruppenkonstellation und zum anderen durch die starke Konzentration der gesamten Herde auf das Neugeborene zu erklären ist. Geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich des Saugverhaltens oder schnellerer Unabhängigkeit des jungen Bullen konnten nicht bestätigt werden.

Im Hinblick auf „allomothering“ konnte gezeigt werden, dass das Neugeborene im Zentrum der Aufmerksamkeit der Herde steht und unter den Jungtieren die ausgeprägtesten Beziehungen zu den erwachsenen Kühen hat. Besonders die beiden nicht-verwandten Kühe Maejaruad und Kreeblamduan, sowie die Halbschwester Maha Kumari behandelten das Neugeborene mit großer Fürsorge. Für die beiden noch nachwuchslosen Kühe können als Gründe für ihr Verhalten sowohl das Einüben der Mutterrolle als auch die Erwartung von Reziprozität angenommen werden. Für die Halbschwester Maha Kumari kann vermutet werden, dass sie die Verwandtschaft zum Neugeborenen anhand der Witterung wahrnimmt und so eine besondere Beziehung zu ihm ausbildet. Das Alter der Kühe hatte keinen signifikanten Einfluss auf deren Fürsorgeverhalten gegenüber dem Neugeborenen. Eine weitere wesentliche Beobachtung war die Tatsache, dass das Neugeborene auch noch von einer anderen Kuh (Tong Koon) gesäugt wurde. Dieser Umstand ist unter natürlichen Bedingungen eher selten, da das Säugen mit enormen Kosten für die Kühe verbunden ist, kann aber in diesem Fall wohl auf die besonderen Umweltbedingungen des Zoos zurückgeführt werden. Bezüglich des Spielverhaltens innerhalb der Jungtiergruppe konnten geschlechtsspezifische Unterschiede aufgezeigt werden, die zum einen auf den Sexualdimorphismus der Elefanten und zum anderen auf deren unterschiedliche Lebensweise im Erwachsenenalter hinweisen. Weiterhin wurde gezeigt, dass die Beziehungen zwischen den Jungtieren eine sehr große Bedeutung in deren Sozialisationsprozess haben und in der Regel deutlich ausgeprägter sind als die Beziehungen zu den erwachsenen Kühen. Als Fazit lässt sich somit folgendes festhalten: Im Hinblick auf die gesamte Untersuchung konnte ein komplexes Bild von den Beziehungen der Jungtiere in ihrer Herde gewonnen werden. Es konnten Spezifika in den Beziehungen zu den Müttern, zu den anderen erwachsenen Kühen und zu den Jungtieren aufgezeigt werden. Die Beziehungen der Jungtiere sind in erheblichem Maße als positiv zu werten, denn wie gezeigt wurde, funktioniert das „Patchwork“ trotz fehlender verwandtschaftlicher Verhältnisse. Dies äußert sich besonders im Verhalten der Weibchen, die das Neugeborene mit besonderer Hingabe umsorgen, obwohl oder gerade weil sich die Mutter weniger um das Neugeborene kümmert als erwartet.

Weiterhin konnte der Effekt der Geburt auf die jeweiligen Beziehungen zumindest annäherungsweise erarbeitet werden. Mängel in den Vergleichen entstanden zum einen durch die ungleiche Menge an Daten in den beiden Zeiträumen vor und nach der Geburt,so dass im Rückblick ein längerer Beobachtungszeitraum vor der Geburt wünschenswert gewesen wäre. Weiterhin wurden durch die ungleiche Gruppenkonstellation vor und nach der Geburt einige der Vergleiche unmöglich gemacht. Dieser Umstand verweist darauf, dass bei Fallstudien mit lebenden Tieren im Gegensatz zu mancher Laborarbeit, nicht alle Faktoren planbar sind bzw. die Bedingungen nicht immer konstant gehalten werden können. Weiterführende Fragen, die sich aus der vorliegenden Arbeit ergeben, könnten in nachfolgenden Studien beantwortet werden. So wäre es beispielsweise interessant, die Integration des Neugeborenen in die Jungtiergruppe über einen längeren Zeitraum zu beobachten oder den Effekt dieser Geburt mit dem einer weiteren Geburt zu vergleichen. Insgesamt bleibt die Forschung an der Elefantengruppe des Kölner Zoos also eine interessante und aufschlussreiche Arbeit, die mit weiteren Studien sicherlich noch vertieft werden kann.

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 07:41

DANIEL, I. (2010)

Effekte einer Geburt auf die räumlichen und sozialen Beziehungen der weiblichen Asiatischen Elefanten (Elephas maximus) im Kölner Zoo.

Staatsexamensarbeit

76 Seiten

Zoologisches Institut Universität zu Köln.
Betreuung: T.Ziegler; E. Schierenberg, L. Kolter
Kölner Zoo

Zusammenfassung:

Die vorliegende Arbeit untersuchte die soziale Struktur der Herde Asiatischer Elefanten im Kölner Zoo, die 14 Tiere, darunter acht Kühe umfasst.
Hierbei handelt es sich um eine Gruppe nicht mit einander verwandter Tiere, eine sogenannte „Patchwork-Herde“. Zudem stimmt die Altersstruktur nicht mit der einer natürlich herangewachsenen Herde im Freiland, deren Tiere im Alter meist weiter auseinander liegen.
Fragestellung war, ob die erwartete Geburt eines Jungtieres Effekte auf die räumlichen und sozialen Beziehungen der Elefantenkühe dieser Herde hat. Dabei ist auch die Aufnahme des Jungtieres in die Herde von Bedeutung. Von besonderem Interesse war jedoch die Veränderung der Stellung der rangniederen, jungen und recht leichten Mutterkuh, die vor der Geburt von mehreren anderen Kühen angegriffen wurde und fast nur mit einer anderen Kuh sozio-positive Interaktionen hatte. Hierzu wurden Beobachtungen vor und nach der Geburt des Jungtieres angestellt. Für die Untersuchung wurde die taktile Kommunikation zwischen den Elefanten über die Methode des „focal animal sampling“ aufgenommen. Daneben wurden visuelle und akustische Kommunikationsformen am Rande in die Betrachtungen mit einbezogen. Des Weiteren wurden die Abstände zwischen den Tieren über das sogenannte „scan sampling“ erfasst. Es wurde gezeigt, dass die Geburt Effekte auf die räumlichen und sozialen Beziehungen der Herde hervorrief. So wurde herausgestellt, dass sich die Beziehung der Mutterkuh zur Herde verbesserte. Sie wurde nach der Geburt ihres Jungtieres nicht mehr von anderen Kühen angegriffen und stand zudem seltener allein. Nicht nachgewiesen wurde hingegen, dass die Mutterkuh ihren Rang innerhalb der Herdenhierarchie verbessern konnte. Das Jungtier selbst wurde gut in die Herde integriert und zumindest indirekt von allen Kühen umsorgt, was durch das engere Zusammenstehen der Herde belegt werden konnte. Besonders für drei Kühe konnte eine besondere Beziehung zu dem Neugeborenen herausgestellt werden. So wurde es außer von seiner eigenen Mutter von einer anderen Kuh gesäugt und von zwei weiteren Kühen intensiv umsorgt, die somit trotz fehlender Verwandtschaft mit der Mutterkuh die Tantenrolle übernahmen. Wie erwartet, waren diese beiden Kühe Kühe ohne eigenes Jungtier, jedoch nicht, wie ebenfalls erwartet worden war, die jüngeren Kühe der Herde.  Das Phänomen des „allomothering“, wonach sich nicht nur die eigenen Eltern um die Aufzucht eines Jungtieres bemühen, sondern auch weitere Individuen daran beteiligt sind, wurde in der Untersuchung somit erneut für die Patchwork-Herde nachgewiesen und als Indiz für das Funktionieren derselben gewertet. Dies ist umso erstaunlicher als aufgrund des niederen Ranges der Mutter kein Vorteil für die beteiligten „Tanten“ im Sinne von inklusiver Fitness erkennbar ist. Die Ursache des „allomothering“ in der Herde konnte nicht abschließend geklärt werden.

 

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Freitag, 15 Juni 2018 08:39

WEISSENBÖCK, N. (2010)

Thermoregulation of African (Loxodonta africana) and Asian (Elephas maximus) Elephants: Heterothermy as an Adaptation of Living in Hot Climates.

Dissertation

73 Seiten

Ganzer Text

Institut für Zoologie, Universität Wien
Leitung: Univ.-Prof. Dr. Walter Arnold
Tiergarten Schönbrunn

Zusammenfassung:

Elefanten haben als größte landlebende Säugetiere die kleinste Körperoberfläche im Verhältnis zum Volumen. Dadurch ist der Wärmeaustausch mit der Umgebung so eingeschränkt wie bei keinem anderen Säugetier. In der Kälte kann dies vorteilhaft sein, bei Hitzeexposition jedoch enorme Probleme bereiten. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum Elefanten das Fell verloren und ihre Körperwärme maßgeblich über Veränderungen der Hautdurchblutung regulieren. Während einer Studie zum temperaturregulierenden Verhalten von Afrikanischen Zooelefanten mittels Infrarot-Thermographie konnte ich eine Abnahme der Hauttemperatur, vor allem an den sensiblen Ohren, als Reaktion auf Kälteexposition beobachten. Die effektive
Vasokonstriktion der Hautgefäße scheint es dem Elefanten zu ermöglichen in kühlen Klimaten zu leben, so zum Beispiel in der Subhimalajaregion, wo Asiatische Elefanten bis zur Schneegrenze vordringen, oder in Westafrika, wo nachts Temperaturen unter dem Gefrierpunkt herrschen können. Unter gemäßigten klimatischen Bedingungen konnte an den untersuchten Zooelefanten zahlreich auftretende, unabhängige thermische Fenster an ihrer gesamten Körperoberfläche beobachtet werden. Die Häufigkeit dieser stark vaskularisierten Regionen nahm mit zunehmender Lufttemperatur und Körpergewicht der Tiere zu. Die fein abgestimmte und lokal beschränkbare Veränderung der Hautdurchblutung scheint es dem Tier zu ermöglichen über einen weiten Bereich von Umgebungstemperaturen seine Körperwärme ohne zusätzlichen Energieverbrauch zu regulieren. Ob dies ausreicht auch mit heißen Klimaten zurecht zu kommen, war die zentrale Fragestellung dieser Arbeit. Einige Wüstensäugetiere, so etwa die Kamele, sind in der Lage eine erhöhte Körperkerntemperatur während des Tages zu tolerieren, um dann die überschüssige Wärme während der kühleren Nachtstunden abzugeben. Diese so genannte „adaptive Heterothermie“ reduziert beides, den Wasser- und den Energiebedarf für die evaporative Kühlung. In der vorliegenden Arbeit wurde untersucht, ob diese Anpassung auch bei Elefanten existiert, deren Wärmeabgabe vorrangig durch die enorme Körpergröße eingeschränkt wird. Aufgrund der Schwierigkeiten physiologische Parameter bei Elefanten kontinuierlich über längere Zeiträume zu erfassen, habe ich zuerst an der Entwicklung einer präzisen und zuverlässigen
Methode zur Messung der Körpertemperatur bei Großsäugetieren gearbeitet. Das
entwickelte telemetrische Verfahren konnte erfolgreich an Afrikanischen (Loxodonta africana) und Asiatischen (Elephas maximus) Zooelefanten angewandt werden.
Zur Beantwortung der Kernhypothese dieser Dissertation, habe ich schlussendlich die Körpertemperatur von elf adulten Asiatischen Elefanten in ihrem natürlichen Lebensraum in Thailand über längere Zeiträume erfasst. Dabei zeigte sich, dass Asiatische Elefanten, die einem feuchten und warmen Klima ausgesetzt sind, tatsächlich eine ausgeprägte Heterothermie zeigen, selbst wenn sie mit ausreichend Wasser und Futter versorgt werden. Die gemessene Körpertemperatur erreichte ihr tägliches Maximum kurz vor Sonnenuntergang und zeigte eine tägliche Schwankung, die etwa 2.6 mal so groß war als vom generellen allometrischen Zusammenhang zwischen Körpergröße und der täglichen Variationsbreite bei Säugetieren zu erwarten war. Ich berechnete, dass Elefanten 26.5 MJ Wärme in ihren massigen
Körpern speichern können, was in etwa 10% ihres täglichen Energieverbrauches entspricht. Diese überschüssige Wäre wurde nachts durch eine Erhöhung der thermischen Konduktanz wieder abgegeben. Die Wärmeabgabe nahm während der ersten Nachtstunden umso mehr zu, je höher die maximale Lufttemperatur war. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Heterothermie in Elefanten eine adaptive und reguläre Reaktion auf hohe Lufttemperatur ist. Heterothermie ist also keine spezielle Wüstenanpassung, sondern scheint eine grundsätzliche thermophysiologische Reaktion bei Säugetieren zu sein, die an ihre physiologischen
Leistungsgrenzen stoßen.

Abstract:

Being the largest terrestrial animal on earth today, elephants have the smallest surface to volume ratio. Therefore, heat exchange with the environment is greatly restricted, as in no other terrestrial mammal. This may be of considerable advantage in the cold, but disadvantageous during exposure to heat. While studying the thermoregulatory behaviour of African zoo elephants via infrared thermography I observed, as a consequence of cold exposure, a reduction in skin temperature, particularly of the ears. The effective cutaneous vasoconstriction may enable the elephant to cope with low temperatures, e.g. in the sub-Himalayan region,
where Asian elephants travel up to the snow-line, or during the night in West Africa
where temperatures can drop below freezing. Under moderate temperate conditions, however, the studied zoo elephants abundantly showed small, independent thermal windows over their whole body surface. The frequency of these highly vascularised skin areas increased with increasing ambient temperature and body weight. The fine-tuned and locally restricted cutaneous blood flow may enable an animal to regulate its body heat without additional expenditure of energy over a wide area of ambient temperatures. Whether this is sufficient to cope with hot climate conditions was the central question of this thesis. Some desert mammals, such as camels, tolerate elevated core body temperature during the
day and dissipate the excess heat during the cooler night hours. This so-called “adaptive heterothermy” reduces both water and energy requirements for evaporative cooling. In this thesis I investigated whether this response also exists in elephants when primarily large body size constrains heat dissipation.
Owing to the difficulty obtaining physiological parameters continuously from large megaherbivores like elephants, I first had to develop a precise and reliable non-invasive method for determining the body temperature of large-bodied mammals. The telemetric procedure was employed successfully on African (Loxodonta africana) and Asian (Elephas maximus) zoo elephants. Finally, to answer the core hypothesis I measured body temperature over longer periods in eleven adult Asian elephants living in their natural habitat in Thailand. It became clear that Asian elephants exposed to the humid and hot climate, indeed showed pronounced heterothermia, even when supplied with plenty of water and food. Body temperature reached its daily peak before sunset and fluctuated with a daily range 2.6 times larger than expected from allometric relations between body size and daily range of body temperature in mammals. I estimate that elephants can store up to 26.5 MJ heat per day in their huge bodies, equivalent to about 10% of their daily energy expenditure. This heat load was dissipated during the night through an elevated thermal conductance. Heat dissipation increased during the first part of the night with a greater increase on days with higher maximum ambient temperature.
Heterothermy, therefore, is not a special desert adaptation, but rather seems to be a basic thermophysiological reaction of mammals pushed to their physiological limits.

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 19:38

HAMBRECHT, S. (2012)

Gruppendynamik bei jungen Asiatischen Elefantenbullen (Elephas maximus L.) im Zoo Heidelberg – Integration eines Neulings in eine bestehende Herde.

Diplomarbeit

138 Seiten

Julius-Maximilians Universität Würzburg, Fakultät für Biologie, Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie
Erstgutachten: AD Dr. Dieter Mahsberg
Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie, Universität Würzburg
Zweitgutachten: Prof. Dr. Jürgen Tautz
Lehrstuhl für Verhaltensphysiologie und Soziobiologie, Universität Würzburg
Zoo Heidelberg

Voller Text

Zusammenfassung:

Die soziale Organisation von Elefanten beruht auf weiblicher Philopatrie und männlicher Emigration. Das Loslösen junger Elefantenbullen von der Geburtsherde ist eine natürliche Strategie zur Inzucht-vermeidung. Nach der Trennung von der Familiengruppe schließen sich junge Bullen mit Gleichaltri-gen zu lockeren Jungbullengruppen zusammen. Dieser natürliche Prozess in der Entwicklung männli-cher Elefanten stellt die Elefantenhaltung in Zoologischen Gärten jedoch vor das Problem der zuneh-menden Unverträglichkeit mit der Kuhherde in Kombination mit dem Mangel an adäquaten Haltungs-einrichtungen für die Bullen. Bisher werden Jungbullen in den meisten Fällen separat ohne direkten Kontakt zu Artgenossen gehalten, was jedoch, wie oben erwähnt, nicht den natürlichen Verhältnissen entspricht. Der Heidelberger Zoo ist die erste Einrichtung Deutschlands, die diese aktuellen Erkennt-nisse aus dem Freiland umsetzt und eine Gruppe junger Elefantenbullen hält. Heidelberg hat zudem als erster Zoo überhaupt das Experiment gewagt, einen weiteren Jungbullen in eine bestehende Gruppe zu integrieren.
Anhand der Fokustiermethode (ALTMAN, 1974) wurde das Sozialverhalten der vier Jungbullen aufge-nommen. Dies hatte das Ziel, Aufschluss über die Gruppendynamik einer Jungbullenherde in Gefan-genschaft während der Integration eines neuen Jungbullen hinsichtlich individueller Persönlichkeiten und sozialer Bindungen zu erlangen. Als Kriterium für einen sozialen Kontext diente das Zustande-kommen einer Assoziation durch Unterschreiten eines definierten Abstandes zu einem Elefanten (Empfänger der Assoziation) durch einen anderen (Sender der Assoziation). Darauf basierend wurde die individuelle Dauer der sozialen Isolation und der Assoziation, die Häufigkeit der möglichen aus zwei bis vier assoziierten Individuen bestehenden Gruppierungen, sowie die Häufigkeit der Sender- und Empfängeraktivität jedes Individuums inklusive des Sozialpartners bezüglich definierter Abstands- (Stärke der Assoziation) und Verhaltenskategorien (Motivation der Assoziation) ermittelt. Anschlie-ßend erfolgte die Standardisierung aller Zeiten (als Anteil an der individuellen Beobachtungsdauer) und Häufigkeiten (als Anzahl Beobachtungen pro Stunde), um einen Vergleich zwischen den Individu-en zu ermöglichen.
Es zeigte sich, dass die vier Jungbullen unterschiedliche Persönlichkeiten aufweisen, was sich auf den Charakter ihrer Beziehungen zueinander auswirkte. Zwischen den Individuen der anfänglichen Gruppe wurde generell ein höheres Maß an Sozialverhalten und speziell eine größere Anzahl an Kör-perkontakten und freundlichen Verhaltensweisen beobachtet als zwischen ihnen und dem neuen Jungbullen. Sowohl innerhalb der ursprünglichen Gruppe als auch bei dem neuen Jungbullen bestan-den jedoch Unterschiede in der Häufigkeit und Motivation der Assoziationen in Abhängigkeit vom So-zialpartner. Weiterhin zeigten sich beim neuen Elefanten Anzeichen für soziale Isolation und für ein erhöhtes Stressempfinden. Neben einem ausgeprägten Sozialverhalten wurden auch die Existenz einer festen Dominanzhierarchie, sowie ein positiver Verlauf hinsichtlich der Eingliederung des neuen Bullen in die Gruppe deutlich. Diese Ergebnisse sprechen für eine stabile Gruppenstruktur und unter-stützen das Konzept der Gruppenhaltung von Jungbullen.

 Abstract:

The social organisation of elephants is based on female philopatry and male natal dispersal. The separation of males from their family group is a behavioural strategy of inbreeding avoidance. After leaving the natal herd young bulls join same-age peers and form loose all-male groups. This natural process during the development of male elephants, however, raises a problem for the elephant keep-ing in zoological gardens because of the increasing intolerance by the herd in combination with the lack of adequate keeping facilities for bulls. To date, mostly young bulls are kept separately with no direct contact to conspecifics which is an unnatural way of handling them, as described above. The zoo of Heidelberg is the first German facility, which uses these new insights and keeps a group of young elephant bulls. Moreover it is the first zoo which undertakes the experiment to integrate another young bull in an established group.
By means of the focal animal sampling (ALTMAN, 1974) the social behaviour of the four young bulls was recorded in order to assess the group dynamics of a herd of young bulls in captivity during the integration of a new bull in terms of individual personalities and social bonds. A social context was defined as the occurrence of an association on falling below a specified distance to an elephant (re-ceiver of an association) by another elephant (sender of an association). Based thereupon the individ-ual duration of social isolation and association, the frequency of the different groupings consisting of two to four associated individuals and the frequency of the individual activity as sender and receiver including social partner in terms of defined categories of distances (strength of the association) und behaviours (motivation of the association) was determined. The durations and the frequencies were standardised as the percentage of the individual observation period and the number of occurrences per hour, respectively, in order to allow the comparison of the individuals.
The four young bulls showed distinct personalities, which affected the strength and kind of social bonds between them. In general the members of the initial group interacted more frequently among themselves than they do with the new one. Particularly the initial three elephants exhibited physical contact and friendly behaviours to a greater extent than the new bull did. But the frequency and the motivation of the associations depended on the social partner both in the case of the initial group members and the new one. Furthermore the behaviour of the new elephant indicated social isolation and an elevated stress level. Beside a high frequency of social interactions, the existence of a domi-nance hierarchy and the progressive integration of the new bull suggest a stable social structure and therefore support the concept of keeping young bulls in same-sex groups.

 

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Gruppendynamik bei jungen Asiatischen Elefantenbullen (Elephas maximus L.) im Zoo Heidelberg – Integration eines Neulings in eine bestehende Herde
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Donnerstag, 14 Juni 2018 08:31

HOHNEDER, N. (2014)

Verhaltensbeobachtungen an zwei Asiatischen Elefanten-Jungbullengruppen (Elephas maximus) unter Zoohaltung und Vergleich der Cortisolwerte in Speichel und Kot.

Behavioral observations on two Asian elephant bachelor groups in zoological gardens and comparison of their cortisol concentrations in saliva and feces.

Dr. med. vet. Dissertation

138 Seiten

Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie, Tierärztliche Hochschule Hannover
Wissenschaftliche Betreuung: Prf. Dr. Dr. h. c. Jörg Hartung
Tiergarten Heidelberg

Voller Text

Zusammenfassung:

Es wurde das Sozialverhalten und die Stressantwort (anhand von Cortisol) von Asiatischen Elefanten in zwei Jungbullengruppen unter Zoohaltung mit dem Ziel untersucht, ob die Gruppenhaltung geeignet und in der Praxis durchführbar ist, die aus dem derzeit laufenden EEP Programm für Asiatische Elefanten hervorgehenden überzähligen männlichen Tiere zumindest bis zur Geschlechtsreife artgerecht unterzubringen. Dazu wurden sieben Elefantenbullen, im Alter von 6 bis 10 Jahren in der Haltungsform des „Geschützten Kontakts“ in einer Dreiergruppe im „Dierenrijk“ in den Niederlanden und eine Vierergruppe im Tiergarten Heidelberg gehalten.

Die Heidelberger Elefantengruppe wurde mit Hilfe des Focus-Animal-Samplings über einen Zeitraum von acht Wochen beobachtet und zusätzlich einer Nearest-Neighbor-Studie unterzogen. Von den Elefantenbullen in den Niederlanden wurden Verhaltensprofile durch die dortigen Pfleger erstellt. Bei allen sieben Elefantenbullen wurden acht Wochen lang pro Woche jeweils zwei Speichel- und zwei Kotproben entnommen und auf ihren Cortisolgehalt untersucht. Zu Beginn, nach vier Wochen und am Ende des Probenzeitraumes nach acht Wochen wurden bei den Elefanten im Zoo Heidelberg zusätzlich Cortisolkonzentrationen im Blutserum bestimmt. Die Nearest-Neighbor-Analyse liefert reproduzierbare Daten zum Beziehungsgefüge innerhalb der Heidelberger Jungbullengruppe und zeigt, wie viel Zeit die Elefantenbullen alleine oder in Gesellschaft anderer Elefanten der Gruppe verbringen. Das Focus-Animal-Sampling ergibt, dass die Elefanten jungbullentypische Verhaltensweisen zeigen und sowohl Unterordnung, als auch Dominanz innerhalb der Gruppenstruktur erfahren. Im Beobachtungszeitraum gab es keine ernsthaften oder violenten Auseinandersetzungen zwischen den Tieren einer Gruppe. Irritationen von rangniederen Gruppenmitgliedern bei Verhaltensänderungen des ranghöchsten Tieres, z.B. bei Einsetzen der Musth, führten zu Änderungen im Verhalten und im Cortisolspiegel der rangniederen Tiere.

Die gefundenen höheren Cortisolkonzentrationen des ranghöchsten Tieres der Heidelberger Elefantengruppe bestätigen frühere Literaturangaben. Diese traten besonders prominent während der Musth auf, verbunden mit Unruhe und Erregung, kehrten aber nach der Musth rasch auf Ursprungswerte zurück. Negative Auswirkungen auf die anderen Mitglieder der gut funktionierenden Gruppe wurden nicht beobachtet. Die Höhe der gemessenen Cortisolkonzentrationen in Kot- und Speichelproben zeigten einen signifikanten Zusammenhang. Die Korrelation der Cortisolwerte aus dem Speichel und Kot und dem Alter der Elefanten war gering bis mäßig. Die individuellen Schwankungen waren erheblich und bewegten sich in der Elefantenjungbullengruppe im Tiergarten Heidelberg zwischen 0,3 – 1,43 ng/ml Cortisol im Speichel und 89,7 – 649,8 ng/g Cortisol im Kot. Die Dreiergruppe in den Niederlanden wies Cortisolkonzentrationen im Speichel von 0,3 – 2,34 ng/ml und im Kot von 147,3 – 427,3 ng/g auf. Die Mittelwerte aller Elefanten betrugen im Speichel 0,63 ± 0,3 ng/ml, im Kot 266 ± 95 ng/g. Aufgrund der Cortisolkonzentrationen im Kot, ist davon auszugehen, dass Elefanten viel höhere Basalwerte aufweisen, als in der Literatur angenommen wurde.

Verhaltensbeobachtungen und Cortisolmessungen in dieser Studie deuten darauf hin, dass das Wohlbefinden der hier untersuchten Elefantenjungbullen in Gruppenhaltung zu keinem Zeitpunkt im Untersuchungszeitraum negativ beeinträchtigt war. Es wird deutlich, dass in einer solchen Jungbullengruppe die Gruppengröße, die Gehegestruktur und eine klare Altersstaffelung sowie die körperliche und geistige Verfassung des Einzeltieres einen erheblichen Einfluss auf das Zusammenwirken der Tiere, die Harmonie und das Stressgeschehen haben.

Die vorgestellten Untersuchungen zeigen, dass die Haltung von Elefantenbullen in Gruppen erfolgreich möglich ist und dass Gruppenhaltung in Jungbullengehegen eine vielversprechende Lösungsmöglichkeit darstellen kann, um die wachsende Zahl an männlichen Elefanten in europäischen Zoos – zumindest für den Altersabschnitt zwischen 6 und 10 Jahren – künftig artgerecht unterzubringen. Dies kann für das EEP Programm von großer Bedeutung sein. Es sollte, basierend auf den hier gemachten Erfahrungen, weiter geprüft werden, ob ähnliche Haltungsformen auch für ältere Bullen bei genügender sozialer Gewöhnung geeignet sind.

 Abstract:

We focused on social behavior and stress response (on the basis of cortisol) of Asian Elephants in two bachelor groups in zoological gardens and investigated if the keeping system in such bachelor groups is suitable for the supernumerous elephant bulls of the EEP Program to house them until their musth. Seven elephant bulls at the age of 6 to 10 are held in “Protected Contact” maintenance: One group with three elephants at Dierenrijk, NL and one group with four elephants at Heidelberg, Germany.

At Heidelberg zoo, a bachelor group has been observed for eight weeks using Focus-Animal- Sampling and also a nearest neighbor study. Behavioral observations of the Dutch elephants are replaced with behavior profiles from their keepers. Two samples of feces and two samples of saliva per week were collected from each elephant for about eight weeks to analyze the amount of cortisol. We additionally analyzed cortisol values in the blood of the elephants at Heidelberg zoo at baseline, after four and eight weeks.

The results of the nearest neighbor analysis at Heidelberg provide a first feature of young males´ relations and shows how much time they spend alone or in companionship with other elephants of the group. The elephants demonstrate behavioral attitudes typical for young elephant bulls and they learn about dominance and subordination within the group structure. Within the observation period, no serious or violent hostilities appeared between group members. An attitude change in the high-ranking elephants, for example caused by onset of musth, maintained that the low-ranking elephants showed changes in behavior and also in their cortisol concentrations. That did not conduct physical hostilities.

Cortisol values of high-ranking elephants were higher than in low-ranking elephants, which was also described in prior studies. High cortisol concentrations occurred especially within - 98 - musth, associated with disturbance and agitation. After the musth, cortisol values dropped down to baseline. There were no negative consequences for the rest of the group members. The amount of cortisol concentrations from saliva and fecal samples revealed a significant correlation. The correlation between the amount of cortisol in saliva and feces and the age of the elephants was minor to moderate. However, the individual values deviated significantly and ranged at the bulls at Heidelberg zoo from 0,3 – 1,43 ng/ml in saliva and 89,7 – 649,8 ng/g in feces. The three elephants of the other group in the Netherlands had cortisol values ranging from 0,3 – 2,34 ng/ml in saliva and 147,3 – 427,3 ng/g in feces. Mean cortisol concentration of all elephants was 0,63 ± 0,3 ng/ml in saliva and 266 ± 95 ng/g in feces. These cortisol concentrations at baseline are higher than those reported within prior studies about the Asian elephant.

Behavioral observations in combination with appointment of cortisol is a suitable method to evaluate elephant welfare of the examined elephant bulls in bachelor groups. There is no evidence that welfare was negatively affected within the observation period. Of note, group size, enclosure structure and age grading and also body and mental condition of the individual influence the coaction of the animals, harmony and stressful events substantially.

The present investigations show that keeping elephant bulls in bachelor groups is feasible and may be a promising option for the future to house the growing number of male elephants in European zoological gardens henceforth – at least for the age period from 6 to 10. That can be of great importance for the EEP Program. It should be under examination, based on the experience of this study, if similar keeping systems are also feasible for older bulls after enough social familiarization.

 

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Donnerstag, 14 Juni 2018 08:30

Asiatischer Elefant

Überordnung: AFROTHERIA
Taxon ohne Rang: PAENUNGULATA
Ordnung: Rüsseltiere (PROBOSCIDEA)
Familie: Elefanten (Elephantidae)

Red list status endangered

EEPAsiatischer Elefant

Elephas maximus • The Asian Elephant • L'éléphant d'Asie

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Adulter Asiatischer Elefantenbulle (Elephas maximus indicus) "Siam" im Alter von 50 Jahren im Zoo de Vincennes, Paris @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des Asiatischen Elefanten (Elephas maximus)

 

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Noch junge Asiatische Elefantenkuh (Elephas maximus indicus) im Zoo von Melbourne @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Ältere Asiatische Elefantenkuh (Elephas maximus indicus) im Zoo von Melaka, Malaysia @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Asiatischer Elefantenbulle (Elephas maximus indicus) mit nur einem Stoßzahn im Dusit Zoo, Bangkok @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Schlafendes Asiatisches Elefantenkalb (Elephas maximus indicus) im Mae Sa Elephant Camp, Thailand @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Asiatischer Elefantenbulle (Elephas maximus indicus) im Mae Sa Elepehant Camp, Thailand @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Ceylonesischer Elefantenbulle (Elephas maximus maximus) im Pinnawela Elephant Orphanage, Sri Lanka @ Jürg Völlm, Basel

 

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Sumatranischer Elefantenbulle (Elephas maximus sumatranus) im Taman Safari Indonesia, Bogor @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Sumatranisches Elefantenpaar (Elephas maximus sumatranus) im Taman Safari Indonesia, Bogor @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Asiatische Elefantenkühe (Elephas maximus) mit Kalb auf der alten Elefantenanlage des Zoo Zürich @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Asiatische Elefantenkuh (Elephas maximus) mit Kalb badend in Knie's Kinder Zoo, Rapperswil @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Asiatisches Elefanten-Bullkalb (Elephas maximus) im Zoo Hannover © Zoo Hannover (Pressefoto)

 

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Asiatische Elefantenkuh (Elephas maximus) mit Kalb in Hagenbecks Tierpark © Hagenbecks Tierpark (Pressefoto)

 

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Asiatischer Elefantenbulle (Elephas maximus) "Maxi" im Alter von 49 oder 50 Jahren mit Enkelin "Ruwani" im Zoo Zürich @ Enzo Franchini / Zoo Zürich (Pressefoto)

 

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Sandbaden bzw. sich Einsanden ist ein wesentlicher Bestandteil des Komfortverhaltens Asiatischer Elefanten (Elephas maximus), hier im Zoo Leipzig @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Asiatische Elefantenkuh (Elephas maximus) mit Kalb im Zoo von Taiping, Malaysia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Asiatische Elefantenkuh (Elephas maximus) mit Kalb in Knie's Kinderzoo, Rapperswil © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Asiatische Elefantenkuh (Elephas maximus)beim Einsanden in Knie's Kinderzoo, Rapperswil © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Elefantengeburten
Elefantengeburten in Menschenobhut (Vierjahresintervalle), Datenquelle www.elephant.se

 

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Asiatische Elefantenkuh (Elephas maximus) im Zoo Hannover © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Asiatischer Eelefantenbulle (Eelephas maximus) im Khao Kheow Open Zoo, Thailandm, in unmittelbarem Kontakt mit Zoopublikum @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Als das Füttern der Elefanten durch das Publikum im Tierpark Hellabrunn noch erlaubt war @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Ceylonesischer Elefant (Elephas maximusmaximus) bei der Arbeit im Pinnawela Elephant Orphanage, Sri Lanka @ Jürg Völlm, Basel

 

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Briefmarke, 5 Pf., mit Asiatischen Elefanten aus dem Tierpark Berlin als Motiv. DDR

 

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Elefantengott Ganesha - Quelle: powerlisting.wikia.com

 

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Geschnitzte Holzelefanten in der Elefantenausstellung des Melbourne Zoos ©Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Weitere Bilder auf BioLib

Elefanten sind die größten Landsäugetiere und beim Publikum außerordentlich beliebt. Das Verhalten und die kulturelle Bedeutung der Asiatischen Elefanten sind zoopädagogisch interessante Themen. Auch bieten sie sich für Forschungsarbeiten und forschendes Lernen sowie als Botschafter für Natur und Artenschutz in Süd- und Südostasien an. Asiatische Elefanten werden daher in ziemlich vielen Zoos, ferner auch immer noch in Zirkussen, gehalten und sind in Europa häufiger zu sehen als ihre afrikanischen Vettern.

Körperbau und Körperfunktionen

Asiatische Elefanten haben eine Kopf-Rumpflänge von 550-640 cm, eine Schwanzlänge von 120--150 cm, eine Schulterhöhe von 320-350(-400) cm und ein mittleres Gewicht von 3'600 kg und ein Maximalgewicht von 6'000 kg. Die Kühe haben eine Schulterhöhe von 240-260 cm, ein mittleres Gewicht von 2'720 kg und ein Höchstgewicht von 4'160 kg. Sumatra-Elefanten sind deutlich kleiner. Im Gegensatz zum Afrikanischen Elefanten hat Elephas keine fliehende Stirn, sondern ein Paar Stirnhöcker, der höchste Punkt des Körpers ist nicht der Rücken, sondern der Kopf, der Rüssel hat keine tiefen Querrunzeln, sondern ist recht glatt, das Rüsselende hat nur einen "Finger" und die Ohren sind klein mit einer nach unten gerichteten Spitze. Große Stoßzähne sind nur bei den Bullen vorhanden (und dort nicht immer), die Kühe haben rudimentäre oder gar keine Stoßzähne. Die Vorderfüße haben meist 5, die Hinterfüße 4 Zehen. Die graue Haut ist glatter als beim Afrikanischen Elefanten und weist oft unpigmentierte Stellen auf. Der Schwanz hat eine Endquaste. Der Dünndarm ausgewachsener Tiere misst 25 m, der Blinddarm 1.5 m, der Dickdarm 6.5 m und der Enddarm 4 m [28; 35].

Verbreitung

Süd- und Südostasien: Bangladesch, Bhutan, Südchina, Indien, Indonesien (Kalimantan und Sumatra), Kambodscha, Laos, Malaysia (Halbinsel und Sabah), Myanmar, Nepal, Sri Lanka, Thailand, und Viet Nam, verwilderte Populationen auf den zu Indien gehörenden Andamanen. Die Unterart Elephas maximus asurus von Südwestasien ist schon in der Antike ausgestorben [25].

Lebensraum und Lebensweise

Asiatische Elefanten besiedeln die unterschiedlichsten Lebensräume vom tropischen Regenwald bis zu Grasland und vom Meeresspiegel bis auf eine Höhe von 3'000 m. Je nach Nahrungsangebot haben sie sehr unterschiedlich große Streifgebiete. Sie fressen Äste, Blätter, Rinde Gräser und Kräuter, wobei die Futterzusammensetzung je nach Lebensraum und Jahreszeit variiert. Täglich fressen sie etwa 150 kg Pflanzenmaterial, wozu sie etwa 14-17 Stunden aufwenden, und setzen, verteilt auf 16-18 Portionen etwa 100 kg Dung ab. Pro Tag benötigen sie etwa 70-90 l Flüssigkeit. Asiatische Elefanten werden maximal 60 bis etwa 70 Jahre alt. Bullen werden mit 10 -15 Jahren geschlechtsreif, Kühe bekommen im Freiland ihr erstes Kalb mit 15-16 Jahren. Die Tragzeit dauert 22 Monate, das Geburtsgewicht liegt bei 80-110 kg und die Geburtsintervalle betragen 4-5 Jahre. Die Kühe bilden Mutterherden, die Bullen leben solitär oder, jüngere Tiere, in Junggesellenverbänden [25; 28; 35].

Gefährdung und Schutz

Die Bestände des Asiatischen Elefanten nehmen seit Jahrhunderten ab. Aktuell dürfte es noch etwa 48-52'000 Tiere geben, die sich auf zahlreiche, fragmentierte Populationen verteilen. Diese Zahl ist aber reltiv unsicher, weil sich Elefanten im Wald nur schlecht zählen lassen. Die Art gilt seit 1986, letztmals überprüft 2019, als bedroht (Rote Liste: ENDANGERED). Am meisten Elefanten (ca. 30'000) gibt es noch in Indien, gefolgt von Sri Lanka mit gegen 5'900. Seit 2020 wird der Sumatra-Elefant als unmittelbar vom Aussterben bedroht (CRITICALLY ENDANGERED) geführt, weil sein Bestand dramatisch abnimmt und viele lokale Populationen verschwunden sind [25].

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt. Für Deutschland werden Einfuhrgenehmigungen für Wildfänge nur erteilt, wenn die Voraussetzungen der Haltungsrichtlinien für Elefanten des Bundesamtes für Naturschutz aus dem Jahr 2000 erfüllt sind.

Zoogestützte Artenschutzprojekte (Beispiele):

  • Die Auffang- und Wiederauswilderungsstation Udawalawe im Süden Sri Lankas kümmert sich seit 1995 um junge Elefanten, die bei Konfliktsituationen verletzt wurden oder ihre Muttertiere verloren haben. In der Station werden die Tiere zunächst wieder aufgepäppelt und medizinisch versorgt. Danach wird versucht, sie in kleinen sozialen Gruppen wieder im angrenzenden Nationalpark auszusiedeln. Die Mitarbeiter der Station kümmern sich außerdem um Mensch-Tier-Konflikte in der Region. Sie siedeln zum Beispiel „Problemelefanten“ um oder verhandeln mit den Bauern Ausgleichszahlungen. Der Kölner Zoo unterstützt das Programm, indem er Halsbänder für die telemetrische Überwachung finanziert, die Auswilderung wissenschaftlich betreut und das Knowhow aus der Elefantenhaltung in Zoos weitergibt. Seit 2012 wendet er dafür jährlich 5'000 € auf.

  • Die Artenschutz-Stiftung des Karlsruher Zoos unterstützt ebenfalls die Wiederauswilderung von verwaisten Jungelefanten auf Sri Lanka durch das Bereitstellen von Halsbändern mit Satellitensendern. mehr...
  • Schutz des Asiatischen Elefanten in Thailand: Der Zoo Zürich unterstützt den Kaeng Krachan Nationalpark in Thailand zum Schutz der dort lebenden Elefanten. mehr ... 

  • Der Zoo Augsburg fördert seit der Eröffnung des neuen Elefantenhauses „The Endau-Rompin Landscape“ ein Projekt der Wildlife Conserbation Society Malaysia, das einen vielschichtigen Ansatz verfolgt (Forschung, Monitoring, Schutz und Bildung), um die Elefanten des Endau-Rompin-Nationalparks, die größte Population der der malaiischen Halbinsel zu schützen.

  • Zwischen dem WWF Deutschland und der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) besteht eine verstärkte Zusammenrbeit bezüglich Elefanten. Diese soll einerseits die Nutzung von Zoo-Elefanten als Botschafter für den Schutz ihrer wilden Verwandten optimieren und, wo nötig, bestehende Haltungen verbessern und andererseits zum Erhalt einer Population von ca. 240 Elefanten im thailändischen Kui Buri-Nationalpark beitragen. Bislang wurden vier "Team Elefant" gefgründte, nämlich in  Köln, Leipzig, Heidelberg und Stuttgart. mehr ...

Bedeutung für den Menschen

Kulturelle Bedeutung: Über die kulturelle Bedeutung der Elefanten, namentlich des Asiatischen, sind ganze Bücher geschrieben worden (z.B. 27; 32; 33)

Der Asiatische Elefant wird seit rund 5'500 Jahren gefangen und gezähmt, um als Reit-, Last-, und Zugtier, als Kriegsmaschine oder für kultische Zwecke eingesetzt zu werden. Er wurde allerdings in der Regel nicht in Menschenobhut gezüchtet. Insbesondere wurde er keiner vom Menschen bestimmten Zuchtwahl unterworfen, womit es nicht zur Ausbildung einer domestizierten Form kam.

Die ältesten bildlichen Darstellungen zahmer Elefanten sind kleine, meist aus weichem Speckstein geschnitzte Siegel aus dem 2./3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung, die in der 1922 wieder entdeckten Ruinenstadt Mohenjo-Daro (besiedelt von 2600 bis 1800 v. Chr.) im Stromgebiet des Indus, im heutigen Pakistan gefunden wurden. Nach dem Zerfall der Induskultur lernten die einwandernden indogermanischen Hirtenkrieger mit dem Elefanten umzugehen. Sie setzten ihn für Kriegszwecke ein und lehrten andere Völker Südostasiens die Kunst des Fangens, Zähmens und Abrichtens.

Auch die Sumerer, Babylonier und Assyrer kannten den, damals in Mesopotamien noch wild vorkommenden, Elefanten. Sie bejagten ihn und hielten gelegentlich lebende Exemplare in ihren Tiergärten, aber erst durch die von Alexander dem Großen erbeuteten Elefanten und deren Mahouts wurden Elefanten auch im Nahen Osten für andere, namentlich Kriegszwecke genutzt.

In keinem anderen Land ist der Elefant so in den Alltag, in die Arbeitswelt, die Festlichkeit und die Mythen integriert worden wie in Indien. Er ist Reittier des Liebesgottes Kama, wird selbst im Hinduismus als Ganesha, Sohn von Shiva und Parvati, verehrt und Buddha soll in einem früheren Leben der Elefant Chaddanta gewesen sein, der sechs Stoßzähne hatte, fliegen konnte und eine Herde von 8000 Elefanten anführte. Die moslemischen Mogule, die im 16./17. Jahrhundert in Indien ihr gewaltiges Reich errichteten. Mohammed Akbar, der dritte Mogulkaiser besaß Tausende von Elefanten, 100 für seinen persönlichen Bedarf, von denen jeder über einen Personalbestand von zehn Mann verfügte.

In Thailand entwickelte sich ein besonderer Kult um die sogenannten "weißen" Elefanten, wobei es sich allerdings in aller Regel weder um Albinos noch wirklich leuzistische Tiere handelt [27].

Der Elefant kommt in zahlreichen Fabeln und Gedichten vor:

Wirtschaftliche Bedeutung: Bis vor einigen Jahrzehnten war der Asiatische Elefant wichtig für die Forstwirtschaft. Dies ist zunehmend weniger der Fall. Dafür spielt er eine wichtiger werdende Rolle für den Tourismus. Nach wie vor wird er gebietsweise zur Gewinnung von Elfenbein, Leder und anderen Produkten illegal bejagt. Die Elefanten können erhebliche Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen anrichten, die aber durch geeignete Schutzmassnahmen verringet werden können [25].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 70 ortsfesten Einrichtungen gehalten, von denen sich gegen ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. Ferner gibt es nicht-ortsfeste Haltungen in Zirkussen. Das Europäische Zuchtbuch weist für 2018 322 Tiere in 85 Institutionen aus [39].

Seit 1991 gibt es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das vom Zoo Rotterdam koordiniert wird. Ein Globales Programm (GSMP) wurde 2007 initiiert, aber 2012 wieder aufgegeben. 2020 wurden von der EAZA neue Leitlinien für eine optimale Haltung (Best Practice Guidelines) herausgegeben.

Die älteste zur Zeit (2022) in Europa lebenden Asiatischen Elefantenkuh ist "Targa" in Augsburg, geboren 1954, der älteste Bullen "Bindu" in Köln (1968) [37].
Die Elefantenhaltung in Zoos hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Von den 107 (Stand Mai 2018) in deutschen und schweizerischen Zoos lebenden Asiatischen Elefanten wurden 54 seit dem Jahr 1996 in einem europäischen Zoo geboren [37]. Die Grafik "Elefantengeburten in Menschenobhut" zeigt die Zunahme der Geburten (für beide Arten) von 1988-2007. Im nicht dargestellten Vierjahresintervall 2008-2011 wurden 251 Junge geboren [24]. Als im Februar 2020 der 50- oder 51-jährige Zuchtbulle "Maxi" des Zürcher Zoos aufgrund fortschreitender Altersbeschwerden eingeschläfert werden musste, hinterließ er zwölf direkte Nachkommen, gezeugt mit 4 verschiedenen Kühen, 21 Enkel, sowie 2 Urenkel [38].

Bei der Elefantenhaltung unterscheidet man heute drei verschiedene Haltungsformen: Der "Direkte Kontakt "hat viele Vorteile, ist aber für die Pfleger nicht ganz ungefährlich, und im Laufe der Zeit sind etliche Elefantenpfleger schwer verletzt oder gar getötet worden. Mehrere Zoos sind deshalb zum "Geschützten Kontakt" übergegangen, bei dem die Pfleger die Gehege nicht mehr zeitgleich mit den Elefanten betreten und die Tiere so trainiert werden, dass sie sich durch ein Gitter manipulieren lassen, etwa zum Zwecke der Fusspflege. Beim "Offhand Management" kommen die Tiere gar nicht mehr in Kontakt mit den Pflegern. Diese Haltungsform ist aber unter den Bedingungen eines normalen Zoos kaum durchführbar.

Dann noch eine hübsche Reminiszenz von Carl HAGENBECK [29]: Dieser hatte im Jahr 1866 sieben zwei- bis dreijährige Elefanten nach Wien zu bringen. In der Gegend von Nürnberg bemerkte er, dass die Tiere an Kolik litten: "Es gibt nun ein sehr einfaches Mittel, Elefanten von der Kolik zu befreien: da der Mangel an Bewegung die Krankheit häufig verursacht, so muss Bewegung sie auch wieder beseitigen. Ich führte also meine sieben Elefanten auf dem Bahnhof spazieren, und nach zwei Stunden hatte die Promenade ihre Wirkung soweit getan, dass ich die Tiere wieder in den Wagen zurückbringen konnte. Das dicke Ende folgte indes noch nach. Alsbald kam der Stationschef angerannt und machte einen heillosen Spektakel, und nicht mit Unrecht, denn ich muss gestehen, dass der Bahnhof nach dieser zweistündigen Promenade nicht gerade einen sauberen Eindruck machte. Mir blieb nichts anderes übrig, als zu erklären, der Stationschef möge den Platz nur durch seine Leute säubern lassen, ich würde alles bezahlen.
    
Es kam aber noch ein dickeres Ende nach. Ehe der Zug weiterging, begab ich mich in die Stadt und kaufte dort einige Flaschen guten Rum und einige Pfund Zucker. Davon braute ich einen kräftigen Grog, den ich meinen Elefanten als bewährte Nachkur gegen die Kolik zu saufen gab. Dieses Mittel tat den Tieren sehr gut, alle gerieten in eine heitere Stimmung. Einer der Elefanten schien aber des Guten etwas zuviel bekommen zu haben, denn er begann, allen möglichen Unsinn zu machen, boxte seine Gefährten und traktierte sie mit Fusstritten. Für diesen Süffel braute ich noch einen Extragrog, sodass er nunmehr total betrunken wurde. Es dauerte auch gar nicht lange, da legte er sich hin und brauchte sechs volle Stunden, bis er seinen Rausch ausgeschlafen hatte."

Wie Asiatische Elefanten gehalten werden:
Die meisten Zoos im deutschsprachigen Raum haben ihre Haltungen in den letzten Jahren neu- oder umgebaut. Weitere Neuanlagen (Stuttgart, Augsburg) sind im Bau oder in Planung. Die Hälfte der Zoos hält jetzt potenzielle oder effektive Zuchtgruppen. Der Zoo Heidelberg hat es übernommen, im Rahmen des EEP eine Junggesellengruppe zu halten und diesen Versuch wissenschaftlich zu begleiten (9; 30). Der Zoo Karlsruhe funktioniert als Seniorenresidenz für alte Elefantenkühe.

Forschung im Zoo: Asiatische Elefanten sind beliebte Studienobjekte für Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten. Dabei kann es um Grundlagenforschung gehen, etwa zur Anatomie [5; 16], Ontogenese [8], Physiologie [12; 23] oder Ethologie [13], aber auch um die Prüfung und gegebenenfalls Optimierung der Haltungsbedingungen und somit zur Erhöhung des Tierwohls, z.B. durch den Vergleich unterschiedlicher Haltungssysteme [19; 22], Untersuchungen zur Fütterung [15], Gruppenzusammensetzung und Gruppenverhalten [2; 5; 7; 9, 11, 14], Umweltanreicherung [3], Neugestaltung von Anlagen [21], Reproduktionsmanagement [1; 4; 10; 17] oder Krankheitsgeschehen und tierärztliche Maßnahmen [20]. Manche Arbeiten fokussieren auch darauf, die Tiere besser für die Zoopädagogik nutzbar zu machen [18].

Mindestanforderungen an Gehege: Wie die Zooverbände  feststellten, waren die Anforderungen des Säugetiergutachtens des BML von 1996 anpassungsbedürftig, allerdings schießt das Säugetiergutachten 2014 teilweise über das Ziel hinaus. Für Gruppen von bis zu vier Elefantenkühen sollten nicht die Anforderungen des neuen Säugetiergutachtens gelten, sondern nach einer angemessenen Übergangsfrist die jene der Haltungsrichtlinie des BfN, d.h. Einzelboxen und mindestens 200 m² nutzbare Lauffläche. Dies  für Kühe und für Kälber ab zwei Jahren, jüngere werden nicht mitgerechnet. Diese Fläche kann auch durch die Verbindung von Einzelboxen erreicht werden, die mindestens 33 m² groß sein sollen. Für größere Zuchtgruppen und für die Bullenhaltung erachtet der VdZ die Vorgaben des Gutachtens akzeptabel, auch wenn sie eher „Best practice“ darstellen als eigentliche Mindestanforderungen.

Die Position der Tierschutz-Sachverständigen der Zoos wurde gestützt durch eine umfangreiche epidemiologische Studie in 68 akkreditierten nordamerikanischen Zoos, die ergab, dass die Gehegefläche für das Wohlergehen der Elefanten wenig bedeutsam ist. Wesentlich sind die Gehegestruktur, Gehegeböden, ein stabiles soziales Umfeld und gute Programme für Fütterung und Verhaltensanreicherung [31].

Als Mindestgröße für Außengehege für bis zu 4 Kühen oder selbständigen Jungtieren sieht das Gutachten 2'000 m², für eine Zuchtkuh mit eigener Nachzucht bis zu 8 Jahren 1'000 m² und für 1-2 Bullen ebenfalls 1'000 m² vor.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2021) schreibt für die Haltung von 3 Elefantenkühen ein Außengehege von 500 m² und eine Stallfläche von 15 m² vor. Für die Haltung eines Bullen ist ein weiteres Außengehege von 150 m² und eine Doppelbox von 2 x 30 m² erforderlich. Für jedes zusätzliche Tier ist das Außengehege um 100 m² zu erweitern. Die Anforderungen der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2021) entsprechen faktisch "Best practice"-Bedingungen, nicht Mindestanforderungen: Für 3 Kühe ist ein Außengehege von 3'000 und ein Innenlaufbereich von 300 m² vorgeschrieben. Für jede weitere Kuh sind die Flächen um 10% zu erhöhen. Einzelboxen müssen 40 m² messen. Für die Haltung eines Bullen sind ein Außengehege von 700 m² und ein Innenlaufbereich von 100 m² erforderlich. Einzelboxen müssen 50 m² messen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Asiatische Elefant wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter seinem heute noch gültigen Namen beschrieben. Es werden heute drei noch lebende Unteraren anerkannt: E. m. maximus von Sri Lanka, E. m. indcus vom asiatischen Festland und E. m. sumatranus von Sumatra. Letzterer ist etwas kleiner, hat relativ größere Ohren und ein Rippenpaar mehr als die beiden anderen. Der Status der Elefanten auf Borneo ist umstritten, manche Autoren gehen davon aus, dass es sich um die verwilderten Nachkommen von Arbeitselefanten handelt, die um 1750 eingeführt worden waren, andere halten dafür, dass es sich um eine eigenständige Unterart E. m. borneensis handle, die im Pleistozän auf die Insel gelangt sei [36].

Literatur und Internetquellen

  1. ABDEL-GAWAD, E. (2007)
  2. ARNDT, J. (2014)  
  3. BECK, J. (2015)  
  4. BEHR, B.V. (2009)
  5. BENZ, A. (2005)
  6. BRANDES, A. (2015)
  7. DANIEL, I. (2010)
  8. DREWS, B. (2007)
  9. HAMBRECHT, S. (2012)  
  10. HERZOG, S. M. (1989)
  11. HOHNEDER, N. (2014)
  12. KLEMT, A. (2001)  
  13. KONZ, A. (2009)
  14. LINN, S. (2011)
  15. LÖHLEIN, W. (1999)  
  16. LODERSTEDT, S. (2009)
  17. PRAHL, S. (2009)  
  18. RAASCH, J. (2009)   
  19. SCHMID, J. (2006)
  20. SCHMIDT-BURBACH, J. (2008)  
  21. SCHMUDE, I. von, 2011  
  22. SEIBOLD, P. (2000)
  23. WEISSENBÖCK, N. (2010)
  24. ABSOLUT ELEPHANT
  25. WILLIAMS, C. et al. (2020). Elephas maximus. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T7140A45818198. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-3.RLTS.T7140A45818198.en sowie GOPALA, A. et al. (2011). Elephas maximus ssp. sumatranus. The IUCN Red List of Threatened Species 2011: e.T199856A9129626. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2011-2.RLTS.T199856A9129626.en . Downloaded on 16 December 2020.
  26. EAZA Elephant TAG (2005)
  27. GRÖNING, K.. & SALLER, M. (1998)
  28. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  29. HAGENBECK, C. (1908)
  30. HAMBRECHT, S. & REICHLER, S. (2013)  
  31. MEEHAN, C.L., MENCH, J.A., CARLSTEAD, K. & HOGAN, J.N. (2016)
  32. OETTERMANN, S. (1982)
  33. PETRI AB HARTENSTEIN, G. C. (1715)
  34. RÜBEL, A. & ZINGG, R. (2015)
  35. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  36. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  37. ZOOELEFANT.DE
  38. ZOO ZÜRICH - PRESSEMITTEILUNG VOM 10.02.2020
  39. SCHMIDT, H. (2018). Asian Elephant Studbook - Data current as of 10 June 2018. Zoo Rotterdam.

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Elefantenbulle (Elephas maximus) im Kaziranga NP, Indien © Jürg Völlm, Basel

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