Donnerstag, 14 Juni 2018 15:34

Riesenbeutelmarder

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Raubbeutlerartige (DASYUROMORPHIA)
Familie: Raubbeutler (Dasyuridae)
Unterfamilie: Beutelmarder (Dasyurinae)

D NT 650

Riesen- oder Fleckenschwanzbeutelmarder

Dasyurus maculatus • The Tiger Quoll • Le chat marsupial à queue tachetée

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Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus) im Phillip Island Wildlife Park, Cowes VIC, Australien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Riesenbeutelmarders (Dasyurus maculatus)

 

 

 

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Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus) im Phillip Island Wildlife Park, Cowes VIC, Australien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus) im Featherdale Wildlife Park, Doonside NSW © Johannes Pfleiderer, Zoo Duisburg

 

 

 

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Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus). Illustration aus GOULD, J. (1863). The Mammals of Australia, Vol 2. Public Domain.

 

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Wie sein Name sagt, ist der Riesenbeutelmarder die größte Art seiner Gattung. Er war in europäischen Zoos stets ein seltener Gast und wird jetzt seit über 40 Jahren nicht mehr gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Riesenbeutelmarder zeigt einen ausgeprägten Sexualdimorphismus. Rüden der Nominatform erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 38-76 cm, eine Schwanzlänge von 37-55 cm und ein Gewicht von 1.5-5 kg, Fähen eine Kopf-Rumpflänge von 35-45 cm, eine Schwanzlänge von 34-42 cm und ein Gewicht von 0.9-12.5 kg. Tiere der nördlichen Unterart D. gracilis bleiben etwas kleiner. Die erste Zehe ist vorhanden. Die Sohlenballen sind stark gerippt. Das Gebiss ist mehr an Fleischnahrung angepasst als bei den anderen Arten der Gattung. Das Fell ist braun mit weißen Flecken. Auch der Schwanz ist gefleckt [2; 6].

Verbreitung

Australien: Queensland, New South Wales, Süd-Australien, Tasmanien [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Riesenbeutelmarder besiedelt unterschiedliche Waldtypen vorzugsweise oberhalb einer Höhe von 900 m, Küstenbusch und auf Tasmanien Heiden. Die Tiere sind auch tagsüber aktiv, allerdings häufiger während der Nacht. Sie sind Einzelgänger, die große Streifgebiete nutzen, wobei die Weibchen einen Teil davon mit einer Fläche von 180-1'000 ha als Territorium verteidigen, auf dem sie nur ihre eigenen Nachkommen tolerieren. Die Riesenbeutelmarder bewegen sich mehr am Boden als auf Bäumen. Sie nutzen vorzugsweise Baumhöhlen als Unterkünfte. Sie überwältigen gelegentlich kleinere Wallabies oder große Vögel, ihre Hauptbeute sind aber Reptilien, Kleinvögel, Kleinsäuger und Vogeleier [1; 6].

Die Angaben zum Sexualzyklus der Weibchen variiert je nach Quelle von 28 bis 36-58 Tagen. Der Östrus dauert 3-5 Tage, Paarungen können sich über 17 Stunden hinziehen. Nach einer Trächtigkeit von 21 Tagen werden pro Wurf 4-6 Junge geboren. Diese lassen mit 35-49 Tagen die Zitzen los und bleiben im Bau, bis die Mutter von der Jagd zurückkommt. Mit 96 Tagen verlassen sie den Beutel definitiv, werden mit 125-150 Tagen entwöhnt und mit 12 Monaten geschlechtsreif. Fähen können sich bis zu einem Alter von 3, Rüden von 5 Jahren fortpflanzen [3; 6].

Gefährdung und Schutz

Mit rund 20'000 erwachsenen Individuen sind die Bestände noch relativ groß, aber sie nehmen ab. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 wird die Art deshalb als potenziell gefährdet eingestuft [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Es gelten Ausfuhrbeschränkungen Australiens.

Bedeutung für den Menschen

Wie echte Marder fühlen sich die Riesenbeutelmarder zu Hühnerhöfen hingezogen und werden daher oft von den Geflügelhaltern getötet [1; 2].

Haltung im Zoo

Riesenbeutelmarder werden in der Regel in Nachttierhäusern gehalten. Männchen und Weibchen können nur während der Paarungszeit zusammen gehalten werden [4]. Der älteste bekannte Riesenbeutelmarder in Menschenobhut verstarb im Londoner Zoo im Alter von 6 Jahren und 10 Monaten [5].

Haltung in europäischen Zoos: Riesenbeutelmarder waren in europäischen Zoos stets außerordentlich selten. 1860 erhielt der Londoner Zoo erstmals einen Wildfang aus Tasmanien. Die letzte Haltung, im Zoo von Rotterdam,  endete um 1977. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL enthält keine Angaben für Beutelmarder. Im Gutachten von 1996 werden Innengehege von 2-8 m² „je nach Art“ vorgegeben, was bedeutet, dass für Fleckenbeutelmarder 8 m² erforderlich sind. Die Tierschutzverordnung der Schweiz regelt das Halten von Beutelmardern nicht. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs schreibt eine Grundfläche von 10 m²/Paar sowie eine Raumhöhe von 2 m vor.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1792 vom schottischen Arzt und Wissenschaftsjournalisten Robert KERR im Rahmen einer Übersetzung ins Englische von LINNÉs Systema Naturae unter ihrem heute noch geltenden Namen beschrieben. Es werden zwei Unterarten anerkannt: D. gracilis im Norden Queenslands und die Nominatform im übrigen Verbreitungsgebiet. Es wurde auch vorgeschlagen, die tasmanische Population als eigene Unterart zu betrachten [1; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. BURNETT, S. & DICKMAN, C. (2008). Dasyurus maculatus. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T6300A12601070. http://www.iucnredlist.org/details/6300/0. Downloaded on 15 January 2018.
  2. GRZIMEK, B. (1966)
  3. JACKSON, S. M. (2003)
  4. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Montag, 27 März 2017 10:01

Kleiner Soldatenara

Ordnung: Papageienvögel (PSITTACIFORMES)
Familie: Echte Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Eigentliche Papageien (Psittacinae)
Tribus: Neuweltpapageien (Arini)

D VU 650

EEPKleiner Soldatenara

Amazona militaris • The Yellow-naped Amazon • L'amazone à nuque d'or

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Kleine Soldatenaras (Ara militaris) im Xcaret-Park, Playa del Carmen, Mexiko

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Kleinen Soldatenaras (Ara militaris). Dunkelblau: aktuelle autichthone Verbreitung; dunkelgrün: eingeführte Populaion; rot: ausgestorben oder gegenwärtiges Vorkommen fraglich. Nicht eingezeichnet ist das Areal der Unterart A. militaris boliviana.

 

 

 

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Kleiner Soldatenara im Zoo Linz © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Kleiner Soldatenara im Marineland Mallorca, Costa d'en Blanes, Mallorca © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Kleiner Soldatenara im Vogelpark Herborn © Vogelpark Herborn

 

 

 

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Der Kleine Soldatenara ist eine gefährdete Art, um deren ex situ-Erhaltung sich die Zoos mittels eines europäischen Zuchtbuchs bemühen. In europäischen Tiergärten wird er häufig gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Kleine Soldatenara erreicht eine Gesamtlänge von 70 cm und ein Gewicht von ca. 970-1'130 g. Er ist also deutlich kleiner als Ara ambiguus.  Die Grundfarbe des Gefieders ist grün mit olivem Anflug auf Rücken und Flügeln. Der Kopf ist heller mit bläulichem Schimmer am Hinterkopf. Die Stirn ist rot, die nackte Wangenhaut hell fleischfarben mit Fluren von schwärzlich grünen Federchen. Der Schnabel ist grau-schwarz, die Iris hellgelb und die Füße sind schwarzbraun. Der Kehlfleck ist bräunlich. Die großen Flügeldecken, der Hinterrücken und die Oberschwanzdecken sowie die Außenfahnen der Handschwingen sind blau. Die Schwanzfedern sind oberseits rötlich-braun mit blauen Enden, die Unterseite von Schwanz- und Schwungfedern ist gelb-oliv. Bei Jungvögeln ist die Iris braun [2; 4; 5; 6; 8].

Verbreitung

Südamerika und Mexiko: Argentinien, Bolivien, Ekuador, Kolumbien, Mexiko, Peru, Venezuela [1].

Lebensraum und Lebensweise

In Südamerika besiedelt der Kleine Soldatenara feuchte Tieflandwälder und anschließende offene Gebiete, in Mexiko trockene und halbtrockene offene Wälder, Kiefern-Eichenwälder, feuchte Tieflandwälder und Galeriewälder. Saisonal geht er auch in Dornbusch. Ferner nutzt er Agrarland, Kaffeepflanzungen und Obstgärten. Die Höhenverbreitung reicht vom Meeresspiegel bis auf 3'600 m. Er ernährt sich von verschiedenen Famen, Früchten - vorzugsweise Feigen - und Beeren. Geschlafen und genistet wird in Felswänden oder großen Bäumen. Die Gelege bestehen aus 2-3 Eiern, die während 25-27 Tagen bebrütet werden, die Nestlingszeit dauert 77-98 Tage [1; 7; 8].

Gefährdung und Schutz

Wegen Lebensraumverlust und Fang für den Tierhandel nehmen die Bestände des Kleinen Soldatenaras seit Jahren ab und werden mittlerweile auf nur noch 2'000-7'000 erwachsene Individuen geschätzt. Er ist deshalb seit 1994 als gefährdet eingestuft [1].

Der internationale Handel ist seit 1987 nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Von 2001-2016 erfasste Mexiko die Ausfuhr von nur zwei Wildfängen. Im selben Zeitraum wurden weltweit 799 Nachzuchtvögel international verschoben. Die meisten davon (350) wurden in Südafrika gezüchtet [3].

Haltung

1963 glückte dem Wellington Zoo in Neuseeland die Welterstzucht. Bei der Vergesellschaftung mit anderen Ara-Arten kann es leicht zu Mischlingszuchten kommen [7; 8]. Das  Höchstalter in Menschenobhut wird mit 54 Jahren und 5 Monaten angegeben [10].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa 130 Zoos gezeigt, von denen sich rund ein Dutzend im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Für die Unterart Ara militaris mexicana gibt es ein Europäisches Zuchtbuch (ESB), das am Antwerpener Zoo geführt wird.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Fläche von 4 x 2 m und einer Höhe von 2 m erforderlich, ferner ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 2 m². Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 2019) sind Aras mindestens paarweise zu halten. Für ein Paar ist eine bei Bedarf unterteilbare Innenvoliere mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 10 m² und einem Volumen von 30 m³ vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 1 m² zu erweitern. Ein Aussengehege ist fakultativ. Ist dieses vorhanden und permanent zugänglich, so können dessen Maße ans Innengehege angerechnet werden, wobei maximal ein Drittel des Innengeheges durch das Außengehege ersetzt werden kann. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 4 x 2 m Fläche und einer Höhe von 3 m sowie einen Schutzraum von 2 m² / 2 m Höhe mit einer Mindesttemperatur von 10°C vor. Je weiteres Paar sind die Flächen um 50% zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Kleine Soldatenara wurde 1766 von Carl von LINNÉ als "Psittacus militaris" erstmals wissenschaftlich beschrieben und wurde später in die 1799 vom französischen Naturforscher Graf Bernard-Germain-Étienne de LACÉPÈDE eingeführte Gattung Ara gestellt. Es sind drei Unterarten anerkannt: A. m. bolivianus, A. m. mexicanus, A. m. militaris [5].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2017). Ara militaris. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22685548A93079238. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22685548A93079238.en . Downloaded on 04 August 2019.
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DE GRAHL, W. (1979/82)
  5. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  6. FORSHAW, J. M. & COOPER, W. T. (1981)
  7. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  8. LANTERMANN, W. (1984)
  9. LEPPERHOFF, R. (2004)
  10. YOUNG, A. M., HOBSON, E. A., BINGAMAN LACKEY, L. & WRIGHT, T. F. (2012)

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Donnerstag, 14 Juni 2018 17:15

Gelbbrustara

Ordnung: Papageienvögel (PSITTACIFORMES)
Familie: Echte Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Eigentliche Papageien (Psittacinae)
Tribus: Neuweltpapageien (Arini)

D LC 650

Gelbbrustara

Ara ararauna • The Blue-and-yellow Macaw • L'ara bleu et jaune

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Gelbbrustara (Ara ararauna) in der Safari World Bangkok © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des Gelbbrustaras (Ara ararauna)

 

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Gelbbrustara (Ara ararauna) im Vogelparadies Birka, Mauren FL © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Gelbbrustaras (Ara ararauna) im Touroparc Romanêche-Thorins © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Junge Gelbbrustaras (Ara ararauna) im Tierpark Berlin © M. Kaiser, Tierpark Berlin

 

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Gelbbrustara (Ara ararauna) im Tiergarten Straubing © Wolfgang Peter, TG Straubing

 

218 003 008 003 ara ararauna salzbg PD
Gelbbrustaras (Ara ararauna) im Zoo Salzburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

218 003 008 003 ara ararauna schmiding PD5
Gelbbrustaras (Ara ararauna) im Zoo Schmiding © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

218 003 008 003 DDR stamp ararauna magdeburg
DDR-Briefmarke mit Gelbbrustara (Ara ararauna) im Zoo Magdeburg als Motiv, 5 Pf.

 

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Der selbst nicht gefährdete Gelbbrustara ist ein plakativ gefärbter Großpapagei, der beim Zoopublikum große Beachtung findet. Er eignet sich daher bestens als Botschafter für Natur- und Artenschutz in seinen südamerikanischen Heimatländern. Er wird aus diesem Grund und weil Zoos öfter in die Lage kommen, aus Tierschutzgründen Vögel aus Privathaltungen zu übernehmen, außerordentlich häufig in europäischen Zoos gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Gelbbrustara wird 86 cm lang und erreicht ein Gewicht von 1'040-1'286 Gramm. Das Gefieder der Körperoberseite ist hellblau, die Unterseite ist gelb, die Stirn grün und die Kehle schwarz. Der unbefiederte Wangenbereich ist weiß mit schwarzen Federfluren, der Schnabel ist schwarz-grau, die Iris hellgelb und die Füße sind dunkelgrau mit schwarzen Krallen. Bei Jungvögeln ist die Iris dunkel und der Schnabel während der ersten zwei Wochen hell [2; 4; 5; 6; 9; 10]. 

Verbreitung

Südamerika: Bolivien, Brasilien, Ekuador, Französisch Guiana, Guyana, Panama, Paraguay, Peru, Surinam, Venezuela [1].

Lebensraum und Lebensweise

Gelbbrustaras bewohnen Galeriewälder und sumpfige Palmenhaine. Zwischen ihren Schlaf- und Futterplätzen können Distanzen von bis zu 25 km liegen. Bevorzugtes Futter sind die Früchte verschiedener Palmen (Mauritia, Oreodoxa, Astrocaryum, Bactris und Maximilianea). Sie sind stets paarweise anzutreffen. Auch wenn sie sich außerhalb der Brutzeit zu größeren Trupps zusammenfinden, ist der Zusammenhalt der Paare deutlich zu erkennen. Die Brutzeit beginnt zwischen Februar und April. Das Nest befindet sich in natürlichen Baumhöhlen abgestorbener Palmen. Es werden 2-4 Eier gelegt, die 25-28 Tage bebrütet werden. Die Nestlingszeit beträgt rund 90-95 Tage und mit 6-9 Monaten werden die Jungvögel selbständig [5; 9; 10].

Gefährdung und Schutz

Der Gelbbrustara hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet und die Gesamtpopulation ist, trotz rückläufigem Trend, immer noch sehr groß. Er wurde deshalb letztmals 2018 als nicht-gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Araraunas werden zur Gewinnung von Fleisch gejagt und für den nationalen und internationalen Heimtierhandel gefangen. Die Ursprungsländer registrierten von 2001-2018 Ausfuhren von 24'848 lebenden Wildfängen, wovon 13'997 aus Guyana, 9'424 aus Surinam kamen. Im selben Zeitraum wurden weltweit Exporte von 64'792 Nachzuchtvögeln erfasst, von denen 55'790 aus Südafrika stammten [1; 3].

Haltung

Der Gelbbrustara ist wohl die weltweit am häufigsten gezüchtete Ara-Art. Aus Frankreich sind erfolgreiche Nachzuchten bereits aus den Jahren 1833 und 1892 dokumentiert. In Deutschland wurden Gelbbrustaras 1934 im Grugapark, Essen, gezüchtet. Das Höchstalter in menschlicher Obhut wird mit 48 Jahren und 6 Monaten angegeben [7; 9; 11].  
        
Werden mehrere Ara-Arten auf einer Anlage gehalten, kann es zu Mischlingszuchten kommen. Bekannt sind Hybriden mit Hyazinth- und Hellrotem Ara. Am bekanntesten dürfte die auf die Verpaarung mit einem Grünflügelara zurückgehende Mischlingspopulation im Zoo Wuppertal sein [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 450 Zoos gezeigt, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Forschung im Zoo: Über das Lernverhalten des Gelbbrustaras wurde am Zoo Hannover eine Bachelorarbeit durchgeführt [8].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Fläche von 4 x 2 m und einer Höhe von 2 m erforderlich, ferner ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 2 m². Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 2019) sind Aras mindestens paarweise zu halten. Für ein Paar ist eine bei Bedarf unterteilbare Innenvoliere mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 10 m² und einem Volumen von 30 m³ vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 1 m² zu erweitern. Ein Aussengehege ist fakultativ. Ist dieses vorhanden und permanent zugänglich, so können dessen Maße ans Innengehege angerechnet werden, wobei maximal ein Drittel des Innengeheges durch das Außengehege ersetzt werden kann. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 4 x 2 m Fläche und einer Höhe von 3 m sowie einen Schutzraum von 2 m² / 2 m Höhe mit einer Mindesttemperatur von 10°C vor. Je weiteres Paar sind die Flächen um 50% zu erweitern. 

Taxonomie und Nomenklatur

Der Gelbbrustara wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Psittacus Ararauna" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Ara wurde 1799 vom französischen Naturforscher Graf Bernard-Germain-Étienne de LACÉPÈDE eingeführt. Es gibt keine Unterarten [5].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2018). Ara ararauna. The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T22685539A131917270. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2018-2.RLTS.T22685539A131917270.en . Downloaded on 04 August 2019.
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DE GRAHL, W. (1979/82)
  5. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  6. FORSHAW, J. M. & COOPER, W. T. (1981)
  7. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  8. HEISE, L. (2015)
  9. LANTERMANN, W. (1984)
  10. LEPPERHOFF, R. (2004)
  11. YOUNG, A. M., HOBSON, E. A., BINGAMAN LACKEY, L. & WRIGHT, T. F. (2012)

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Donnerstag, 14 Juni 2018 17:15

Grünflügelara

Ordnung: Papageienvögel (Psittaciformes)
Familie: Echte Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Eigentliche Papageien (Psittacinae)
Tribus: Neuweltpapageien (Arini)

D LC 650

Grünflügelara, Dunkelroter Ara

Ara chloropterus (A. chloroptera) • The Red-and-green Macaw • L'ara à ailes vertes

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Grünflügelara (Ara chloropterus) im Parc animalier de Branféré, Le Guerno © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Grünflügelaras (Ara chloropterus)

 

 

 

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Grünflügelara (Ara chloropterus) im Vogelparadies Birka in Mauren FL © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Grünflügelara (Ara chloropterus) im Zoo Zürich © Enzo Franchini, Zoo Zürich

 

 

 

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Grünflügelara (Ara chloropterus) im Noorder Zoo Emmen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Grünflügelara-Paar (Ara chloropterus) im CERZA-Zoo, Lisieux © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Der selbst nicht gefährdete Grünflügelara ist ein plakativ gefärbter Großpapagei, der beim Zoopublikum große Beachtung findet. Er eignet sich daher bestens als Botschafter für Natur- und Artenschutz in seinen südamerikanischen Heimatländern. Er wird aus diesem Grund und weil Zoos öfter in die Lage kommen, aus Tierschutzgründen Vögel aus Privathaltungen zu übernehmen, sehr häufig in europäischen Zoos gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Grünflügelara ist mit 90 und mehr cm Gesamtlänge und einem Gewicht von etwa 1'050-1'700 g etwas größer als der Hellrote Ara. Die Grundfarbe seines Gefieders ist ein dunkleres Rot als bei jenem und die mittleren Flügeldecken sind grün anstatt gelb. Schnabel, Iris und Füße sind bei beiden Arten ähnlich gefärbt: der Oberschnabel zum größeren Teil hornfarben, der Unterschnabel grauschwarz, die Iris hellgelb und die Füße dunkelgrau. Der nackte Wangenbereich ist weiß mit roten Federfluren. Die großen Flügeldecken, die äußeren Armschwingen, die Außenfahnen der Handschwingen und die Schwanzspitzen sind blau [2; 4; 7; 8].

Verbreitung

Südamerika: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Ekuador, Französisch Guiana, Guyana, Kolumbien, Panama, Paraguay, Peru, Surinam, Venezuela [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Grünflügelara bewohnt hauptsächlich tropische Wälder unterschiedlichen Typs des Tieflandes, sowie Savannen einschließlich des Cerrado. Im Gebirge findet man ihn kaum noch in Höhenlagen über 1'500 m. Er nistet in Baum- oder Felshöhlen, nur selten in Palmenstämmen. Es werden 1-4 Eier gelegt, die 25-28 (24-29) Tage bebrütet werden. Die Nestlingszeit beträgt rund 90-103 Tage und mit 6-9 Monaten werden die Jungvögel selbständig [4; 6; 7; 8]. 

Gefährdung und Schutz

Die Bestände des Grünflügelaras nehmen zwar etwas ab, das Verbreitungsgebiet ist aber so groß, dass die Art letztmals 2016 nicht als gefährdet taxiert wurde (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Grünflügelaras werden zur Gewinnung von Fleisch gejagt und für den nationalen und internationalen Heimtierhandel gefangen. Die Ursprungsländer registrierten von 2001-2018 Ausfuhren von 21'817 lebenden Wildfängen, wovon 17'711 aus Guyana, 4'091 aus Surinam kamen. Im selben Zeitraum wurden weltweit Exporte von 25'994 Nachzuchtvögeln erfasst, von denen 21'039 aus Südafrika stammten [1; 3].

Haltung

Vermutlich wurden die ersten Grünflügelaras bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach Europa gebracht. Die Welterstzucht gelang 1926 im San Diego Zoo, in Privathand glückte sie 1962 in England. Bei der Gemeinschaftshaltung mit anderen Ara-Arten kann es zu Bastardierungen kommen. Im Zoo Wuppertal z.B. haben ein Ararauna x Grünflügelara-Paar während 18 Jahren an die 40 Jungvögel produziert. Das Höchstalter in menschlicher Obhut wird mit gut 63 Jahren angegeben [6; 7; 9].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 280 Zoos gezeigt, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Fläche von 4 x 2 m und einer Höhe von 2 m erforderlich, ferner ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 2 m². Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 2019) sind Aras mindestens paarweise zu halten. Für ein Paar ist eine bei Bedarf unterteilbare Innenvoliere mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 10 m² und einem Volumen von 30 m³ vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 1 m² zu erweitern. Ein Aussengehege ist fakultativ. Ist dieses vorhanden und permanent zugänglich, so können dessen Maße ans Innengehege angerechnet werden, wobei maximal ein Drittel des Innengeheges durch das Außengehege ersetzt werden kann. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 4 x 2 m Fläche und einer Höhe von 3 m sowie einen Schutzraum von 2 m² / 2 m Höhe mit einer Mindesttemperatur von 10°C vor. Je weiteres Paar sind die Flächen um 50% zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Grünflügelara wurde 1859 von dem britischen Zoologen George Robert GRAY als Ara chloroptera. erstmals wissenschaftlich beschrieben und hieß bis vor wenigen Jahren auch so. Nachdem in einer 2013 veröffentlichten Checkliste festgestellt wurde, dass das grammatikalische Geschlecht von Ara männlich sei, wurde der Artname auf chloropterus geändert. In der Literatur und auf Zoo-Namensschildern finden sich beide Bezeichnungen. Es gibt keine Unterarten [4; 5].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Ara chloropterus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22685566A93080287. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22685566A93080287.en . Downloaded on 04 August 2019.
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  5. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
  6. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  7. LANTERMANN, W. (1984)
  8. LEPPERHOFF, R. (2004)
  9. YOUNG, A. M., HOBSON, E. A., BINGAMAN LACKEY, L. & WRIGHT, T. F. (2012)

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Montag, 06 März 2017 15:42

Seekühe - Allgemeines

Klasse: Säugetiere (MAMMALIA)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (EUTHERIA)
Überordnung: AFROTHERIA
Taxon ohne Rang: PAENUNGULATA
Ordnung:

Seekühe

Sirenia • The Sea Cows • Les siréniens

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Karibische Seekuh (Trichechus manatus) im Crystal River National Wildlife Refuge. Bild: Tracy Colson, US Fish and Wildlife Service

 

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Karibische Seekuh (Trichechus manatus) im ZooParc de Beauval © ZooParc de Beauval

 

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Dugong (Dugong dugon) im Toba New Aquarium, Japan © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Dugong (Dugong dugon) im Toba New Aquarium, Japan © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Karibische Seekühe (Trichechus manatus) im ZooParc de Beauval © ZooParc de Beauval

 

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Anlage für Karibische Seekühe im ZooParc de Beauval © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

Die Seekühe oder Sirenen sind stark ans Wasserleben angepasste, große Säugetiere, die sich nicht freiwillig ans Trockene begeben und sich ausschließlich von Wasserpflanzen ernähren.

Artenspektrum und innere Systematik

Die Ordnung der Seekühe umfasst zwei neuzeitliche Familien mit insgesamt fünf Arten, von denen eine 1768 ausgerottet wurde[2; 3; 6]:

Rundschwanzseekühe oder Manatis  (Trichechidae)
•    Gattung Trichechus mit 3 Arten

Gabelschwanzseekühe oder Dugongs (Dugongidae)
•    Dugong (Dugong dugon)
•    Stellersche Seekuh (Hydrodamalis  (= Rhytina) gigas) †

Die vier noch lebenden Arten gelten alle als gefährdet (VULNERABLE) [1].

Körperbau und Körperfunktionen

Seekühe sind massige, walzenförmig gebaute Wassertiere, mit (beim Erwachsenen) nackter, runzeliger Haut und dicker subkutaner Fettschicht. Tiere der heute noch lebenden Arten erreichen eine Gesamtlänge von bis zu vier Metern und ein Gewicht bis zu 680 kg. Ihre Vordergliedmaßen und ihr Schwanz sind zu Flossen umgebaut, ihre Hintergliedmaßen sind zurückgebildet. Die Schnauze ist mit dicken Borsten versehen. Gebiss und Zahnwechsel sind ähnlich wie bei den Rüsseltieren, ferner ist der Kiefer stellenweise mit hornigen Reibeplatten besetzt. Die Nasenlöcher sind verschließbar, Ohrmuscheln fehlen. Die Kreuzwirbel sind nicht zu einem Kreuzbein verwachsen und, abweichend von den meisten anderen Säugetieren, sind bei einzelnen Arten nur sechs Halswirbel vorhanden. Der Magen ist vielkammrig, der Darm lang. Die Weibchen haben zwei brustständige Zitzen und eine zweihörnige Gebärmutter, bei den Männchen sind die Hoden bauchständig und der Penis ist rückziehbar.

Seekühe sind sozial lebende Tiere, die in seichten Küstengewässern und Flussmündungen ihre Nahrung, ausschliesslich Wasserpflanzen, suchen [2; 3; 7].

Verbreitung

Subtropisches Nodamerika, Mittel- und tropisches Südamerika, Westafrika, Subtropische und tropische Teile des Indischen und Westpazifischen Ozeans, die ausgerottete Stellersche Seekuh lebte in den kalten Gewässern der Beringsee.

Haltung im Zoo

In europäischen Zoos wird gegenwärtig nur die Karibische Seekuh gehalten. Bis in die 1970er Jahre gab es auch einzelne Vertreter der beiden andern Manati-Arten [8]. Einige wenige Dugongs sind in Zoos bzw. Aquarien Australiens, Südost- und Ostasiens zu sehen.

Taxonomie und Nomenklatur

1945 fasste der amerikanische Zoologe und Palaeontologe G.G. SIMPSON auf der Grundlage morphologischer Merkmale die Seekühe mit den Rüsseltieren und Schliefern zur Überordnung Paenungulata („Fast-Huftiere“) zusammen. 1997 wurde aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen die neue, morphologisch sehr heterogene Überordnung Afrotheria geschaffen, die neben den Paenungulaten auch die Röhrenzähner (Tubulidentata), die Tenrekartigen (Afrosoricida) und die Rüsselspringer (Macroscelidea) umfasst. Da die enge phylogenetische Verwandtschaft der Seekühe, Elefanten und Schliefer durch genetische Untersuchungen weitgehend bestätigt worden ist, wird "Paenungulata" heute als "Taxon ohne Rang" innerhalb der Afrotheria angesehen. Zu den Paenungulata gehören auch  die den Seekühen ähnlichen Desmostylia, die im Oligozän und Miozän, also vor etwa 5-30 Millionen Jahren, an der Nordpazifiküste lebten [4; 5].

D EX 650

 

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Stellersche Seekuh (Hydrodamalis gigas). Bild aus ELLIOTT, H. W. (1886): Our Arctic Province : Alaska and the Seal Islands; New York, Verlag C. Scribner's Sons.

 

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Steller 1742 bei der Untersuchung eines Borkentiers - Bild aus GOLDER / MOHR

 

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Skelette von Steller-Seekuh und Manati im Zoologischen Museum von St. Petersburg - Bild E. P. Tratz

 

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Letzte Vorkommen des Borkentiers (Hydrodamalis (=Rhytina) gigas) im 18. Jahrhundert: Bering- und Medny-Insel

 

 

 

 

Weitere Bilder auf BioLib

Entdeckung und Ausrottung der Steller-Seekuh

Die auch Borkentier genannte Stellersche Seekuh (Hydrodamalis (= Rhytina) gigas) wurde schon kurz nach ihrer Entdeckung im Jahr 1741 ausgerottet. Im Gegensatz zu den anderen rezenten Seekuharten war das Borkentier an die Kälte angepasst. Es lebte auf den Kamtschatka vorgelagerten Komondorski-Inseln, auf denen die schiffbrüchige, skorbutkranke Mannschaft des Kapitäns Vitus BERING überwintern musste, als ihr Schiff dort 1741 strandete. Zur Besatzung gehörte als Schiffsarzt der Deutsche Georg Wilhelm STELLER aus (Bad) Windsheim in Mittelfranken, dem wir die erste Beschreibung des Borkentiers verdanken.

Der von den Kamtschadalen für das Borkentier benutzte Name war "Kapustnik", was Steller mit "Krautemser", d.h. Kohlfresser übersetzte, wobei sich "Kohl" auf eine "Meerkohl" genannte breitblättrige Meeralge bezog. STELLER vermaß ein erlegtes weibliches Tier, das ein Gewicht von etwa 4000 kg hatte. Die Gesamtlänge von der Nasen- bis zur Schwanzflossenspitze betrug 752 cm, der grösste Umfang 620 cm. Der Darm war 154 Meter lang, also etwa 20x so lang wie das Tier. Aus zeitgenössischen Darstellungen weiß man, wie das Tier ausgesehen hat. Museumsexemplare sind nur wenige erhalten. So besitzen die Museen von Moskau und St. Petersburg Skelette und andere Körperteile, das Zoologische Museum in Hamburg einen Schädel und Hautstücke. Diese Hautstücke gelangten ursprünglich ins Museum, weil sie voll von Cyamus rhytinae einem parasitischen Hautkrebs waren. Dieser Krebs modellierte die Haut der Seekühe derart, dass sie der rauen Borke eines Baumes ähnelte. Daher der Name "Borkentier".

Über das Liebesleben der Borkentiere schrieb STELLER: "Im Frühjahr begatten sie sich wie Menschen; und besonders gegen Abend wenn das Meer stille ist. Ehe sie zusammenkommen, gehen viele Liebesspiele vorher. Das Weibchen schwimmt sachte hin und her, das Männchen aber folget. Dasselbe betrügt das Weibchen durch so viele Wendungen und krumme Wege, bis es endlich selbst überdrüßig wird und sich gleichsam ermüdet und gezwungen auf den Rücken leget: worauf das Männchen wüthend auf dasselbe zukömmt, seiner Geilheit genüge thut, und beyde einander umfassen."

STELLER beschrieb auch, wie Borkentiere gejagt wurden: "Diese gefräßigen Thiere fressen ohne Unterlaß, und haben für großer Gierigkeit den Kopf beständig unter Wasser, ohne sich um ihr Leben oder ihre Sicherheit zu bekümmern. Daher kann einer auf dem Kahne, so gar nacket, mitten unter sie hineinfahren und sicher eines aus der Herde auslesen und mit dem Haken werfen." Um die harpunierte Seekuh an Land zu bekommen, war eine Seilmannschaft von 30 nötig, die "das Thier hielten, und unter einem ängstlichen Widerstand desselben mit großer Mühe an das Ufer zogen. Diejenigen aber, welche in dem Boote waren, befestigten sich an ein ander Seil, und matteten das Thier mit beständigen Hieben und Stößen dergestalt ab, dass es endlich, da es stille und müde wurde, mit Dolchen, Messern und anderem Gewehre todtgemacht und an Land gezogen wurde. Einige schnitten aus dem noch lebenden Thiere ganz große Stücke heraus." Die Beschreibung der Grausamkeiten geht noch weiter, aber wir wollen es dabei bewenden lassen.

1741 gab es wohl einen Bestand von 1'500-2'000 Borkentieren, die sich auf etwa 15 Weidegründe rings um Bering- und Kupferinsel verteilten. Bereits um 1754 waren die Borkentiere um die Kupferinsel ausgerottet, und das wahrscheinlich letzte Tier wurde 1768 bei der Beringinsel getötet [3].

Literatur und Internetquellen

[1] IUCN Red List of Threatened Species. Version 2016-3. Downloaded on 12 January 2017.
[2] KURT, F. & WENDT, H. (1970). In GRZIMEKs TIERLEBEN.
[3]
MOHR, E. (1957)
[4] SIMPSON, G. G. (1945)
[5] SPRINGER, M. S., CLEVEN, G. C. et al. (1997)
[6] WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
[7] ZISWILER, V. (1976)
[8] Zootierliste

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Donnerstag, 14 Juni 2018 23:34

Beuteltiere - Allgemeines

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
oder:

Beuteltiere

Marsupialia • The Marsupials • Les marsupiaux

102 011 000 000 geripp wombat
„Geripp des Wombat“ aus BREHMs Thierleben (1882-1887)

102 012 011 000 macropus joey PD1
Neugeborenes Riesenkänguru (Macropus sp.) @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern
 

102 002 008 001 myrmecobius fasciatus clelandWP PD1
er Ameisenbeutler (Myrmecobius fasciatus) übernimmt in Australien die ökologische Funktion der altweltlichen Schuppentiere. Cleland Conservation Park, Südaustralien @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

102 012 011 000 macropus joey Quora
Noch wenig entwickeltes Känguru-Jungtier im Beutel seiner Mutter. Bild: Kaiyi Liu, Singapur auf https://www.quora.com

102 012 011 006 macropus fuliginosus urimbirra PD4
Suchen weit entwickelte junge Riesenkängurus Zuflucht, steigen sie Kopf voran in den Beutel ihrer Mutter; Urimbirra Wildlife Park, Südaustralien @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

102 011 002 001 vombatus ursinus Wonderland PD1
In vielen australischen Tierparks wird ein sehr enger Kontakt mit Kängurus aller Art, Wombats und Koalas ermöglicht, einschließlich Streicheln, Herumtragen und Füttern der Tiere. In Europa gibt es bestenfalls mit Wallabies besetzte „Walk-thru“-Gehege mit Fütterungsverboten @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

102 010 001 001 phascolarctos cinereus beutel taronga PD2
Auch bei der Handaufzucht werden junge Beuteltiere in einem Beutel versorgt, hier ein Koala (Phascolarctos cinereus) im Taronga Zoo, Sydney © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

102 012 011 007 macropus giganteus f krefeld PD2
Östliches Graues Riesenkänguru (Macropus giganteus) im Krefelder Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

102 012 003 001 caloprymnus campestris Gould
Das Nacktbrust-Rattenkänguru (Caloprymnus campestris) wurde 1843 beschrieben und 1935 letztmals mit Sicherheit nachgewiesen. Unbestätigte Sichtungen gab es noch in den 1950er- und 70er-Jahren. Die Rote Liste der IUCN führt die Art als ausgestorben, in CITES ist sie mit der Anmerkung „probably extinct“ in Anhang I aufgeführt. Bild aus John GOULD (1863) The Mammals of Australia (Public domain)

Die Beuteltiere gebären Junge, die sich noch in einem embryonalen Zustand befinden und nach der Geburt in einem Bauchbeutel fertig ausgetragen werden. Ihre Wege und die der Höheren Säugetiere haben sich zu Ende der Jurazeit – vor rund 150 Millionen Jahren - getrennt. In der nachfolgenden Evolution kam es zu zahlreichen konvergenten Entwicklungen bei den beiden Tiergruppen, z.B: Mäuse / Beutelmäuse, Goldmulle / Beutelmulle, Marder / Beutelmarder, Dachse / Beuteldachse, Wölfe / Beutelwölfe, Gleithörnchen / Gleitbeutler.

Artenspektrum und innere Systematik

Heute werden die 349 gegenwärtig anerkannten rezenten Arten wie folgt auf sieben Ordnungen verteilt [4]:

  • Ordnung Beutelratten (Didelphimorphia): 1 Familie mit 18 Gattungen mit 103 Arten
  • Ordnung Mausopossums (Paucituberculata) 1 Familie mit 3 Gattungen mit 7 Arten
  • Ordnung Chiloé-Beutelratten (Microbiotheria) 1 Art
  • Ordnung Beutelmulle (Notoryctemorphia) 1 Familie mit 1 Gattung mit 2 Arten
  • Ordnung Raubbeutlerartige (Dasyuromorphia) 2 Familien mit 18 Gattungen mit 75 Arten
  • Ordnung Nasenbeutler (Peramelemorphia) 2 Familien mit 7 Gattungen mit 19 Arten
  • Ordnung Känguru-Verwandte (Diprotodontia) 11 Familien mit 40 Gattungen mit 142 Arten

13 Arten sind im Lauf des 20. Jahrhunderts ausgestorben, wobei eine davon, der Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus), eine eigene Familie repräsentierte.

Nach Roter Liste der IUCN gelten 17 der noch lebenden Arten als vom Aussterben bedroht, 22 als stark gefährdet, 43 als gefährdet und 41 als potenziell gefährdet. Die übrigen sind nicht gefährdet oder können mangels Daten nicht eingestuft werden [2].

Körperbau und Körperfunktionen

Das Skelett der Beuteltiere ist säugetiertypisch. Das Rabenbein (Coracoid) ist zwar embryonal angelegt, verschmilzt dann aber mit dem Schulterblatt. In der Regel sind Schlüsselbeine vorhanden. Als Besonderheit ist bei beiden Geschlechtern in der Gegend des Schambeins ein Paar Beutelknochen (Ossa marsupialia) ausgebildet. Die Körpertemperatur ist mit 34-36°C höher als die der Kloakentiere, aber liegt unter jener der Höheren Säugetiere. Ihr Gehirn ist klein und einfach gebaut, die Großhirnhemisphären sind praktisch ungefurcht und überlappen das Kleinhirn nicht. Gut ausgebildet ist das Riechhirn. Das Gebiss kann eine sehr hohe Zahnzahl enthalten (bis 56). Außer beim 4. Prämolaren bricht nur eine Zahngeneration durch. Enddarm und Vaginalöffnungen münden in eine von einem Ringmuskel umgebene Kloakentasche, ebenso die Harnröhre, sofern sie nicht bei männlichen Tieren an der Basis des Penis mündet. Der ausschließlich samenführende Penis liegt in einer Penistasche und zwar, anders als bei den Höheren Säugetieren, nicht vor, sondern hinter dem Scrotum. Der weibliche Geschlechtsapparat ist mit unterschiedlichem Verwachsungsgrad paarig ausgebildet. Außer bei den Beuteldachsen wird keine Plazenta ausgebildet, die bis zu 11 Embryos werden von Ausscheidungen der Gebärmutterschleimhaut ernährt. Die Brutbeutel der Weibchen sind je nach Art sehr unterschiedlich. Die Zitzen sind sehr lang, damit sich die Neubegorenen an ihnen festsaugen können, vielfach kommt es zu einer sekundären Verwachsung von Jungem und Zitze. Die Jungen verlassen nach einer kurzen Tragzeit von 8-42 Tagen die Gebärmutter und werden danach im Brutbeutel untergebracht, den sie erst nach einer längeren Beuteltragzeit von bis zu 250 Tagen verlassen [1; 5].

Verbreitung

Südamerika und von dort Ausbreitung einiger Arten nach Mittel- und Nordamerika; Australien, Neuguinea, Indonesien östlich der Wallace-Linie, Salomonen.

Haltung im Zoo

In europäischen Zoos sind die Beuteltiere mit rund 30 Arten – davon etwa die Hälfte Kängurus - schwach vertreten. Das hängt damit zusammen, dass einerseits die Ausfuhr aus Australien sehr restriktiv geregelt ist, andererseits viele Arten klein und nachtaktiv sind und somit dem Publikum in Zoos nur präsentiert werden können, wenn diese über ein Nachttierhaus verfügen.

Die in Europa mit Abstand häufigste Art ist das Bennettkänguru (Macropus rufogriseus), das in rund 460 Zoos gezeigt wird, mit Abstand gefolgt vom Roten Riesenkänguru (Macropus rufus) mit rund 80 und dem Parmakänguru (Macropus parma) mit rund 70 Haltungen [6].

Taxonomie und Nomenklatur

Die Beutelsäuger werden als Unterklasse den Ursäugern und Höheren Säugetieren gegenüber gestellt. Früher wurden alle Beuteltiere in einer einzigen Ordnung zusammengefasst [1; 3]. HALTENORTH unterteilte 1969 die Unterklasse in mehrere Ordnungen, was in Analogie zu den Verhältnissen bei den Höheren Säugetieren durchaus gerechtfertigt ist und bis heute Bestand hat [4; 5].

Literatur und Internetquellen

  1. GRZIMEK, B. (1970). In GRZIMEKs TIERLEBEN
  2. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2016-2. Downloaded on 29 October 2016.
  3. SIMPSON, G. G. (1945)
  4. WILSON, D. E. et al. eds. (2009)
  5. ZISWILER, V. (1976)
  6. Zootierliste

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Freitag, 24 Februar 2017 11:10

KING, J. E. (1983)

Seals of the World. 

2. Auflage. 240 Seiten mit zahlreichen s/w-Fotos, Strichzeichnungen, Karten und Tabellen.
Oxford University Press & British Museum (Natural History). ISBN 0-19858513-6.

Inhalt: 

Updated and enhanced edition of that published twenty years ago. Includes maps, excellent illustrations, species accounts, a long section on pinniped anatomy and pathology, excellent appendices, indexes and bibliography.

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Donnerstag, 14 Juni 2018 07:32

NÖLLERT, A. & KWET, A. (2007)

Der Froschlurch des Jahres 2007: Die Knoblauchkröte.

amphibia 6 (1): 4-8.

Die Biologie der Knoblauchkröte birgt zahlreiche Rätsel und Besonderheiten, so z.B. die beeindruckend großen, in Ausnahmefällen bis zu 22 (!) cm langen „Riesenkaulquappen“,  die ihrer Größe und ihres eigenartigen Geruchs wegen früher sogar als Fische angesehen und verspeist wurden. Die etwas „plump“ gebauten Knoblauchkröten, die trotz ihres Namens und Aussehens nicht näher mit den Echten Kröten verwandt sind, bewohnen Lebensräume, die in Deutschland heute unter großem landwirtschaftlichen Druck stehen. Die Art lebt in offenen Landschaften mit sandigen Böden, z. B. in Sand- und Kiesgruben, aber auch auf Ackerbrachen und Militärübungsplätzen. Knoblauchkröten sind als Bewohner solcher Lebensräume „aus zweiter Hand“ fast schon als Kulturfolger zu bezeichnen, aber dennoch gehen ihre Bestände zurück, und die Zukunft dieser Art ist zumindest in unseren westlichen Landesteilen ungewiss. Es gibt also gute Gründe dafür, warum die DGHT 2007 die Knoblauchkröte zum Froschlurch des Jahres kürte.

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Donnerstag, 14 Juni 2018 11:20

SACHSSE, W. (1980)

Zur Biologie und Fortpflanzung von Kinixys belliana nogueyi  (Reptilia: Testudines: Testudinidae).

Salamandra 16 (4): 251-260. ISSN 0036-3375.

Zusammenfassung:

Es sollte hier ein Versuch unternommen werden, von ökologischen und Fortpflanzungs-Charakteristika ausgehend, bei der Landschildkrötengattung Kinixys die Möglichkeiten einer Gefangenschafts-Nachzucht zu erwägen. Bisher ist über Kinixys belliana nogueyi wenig bekannt, außerdem ist damit zu rechnen, daß die Form bald bedroht sein wird. Einige ursprüngliche Züge stimulieren das wissenschaftliche Interesse. Besonders berücksichtigt wurden hier die Auswahl der Fortpflanzungspartner, die Ausschaltung schädlicher Umwelteinflüsse und physiologische Lebensbedingungen - abweichend
von dem für Landschildkröten üblichen Vorgehen. Aspekte des Sozialverhaltens, besonders der Paarung, werden beschrieben, weiterhin Eier, Schlupf und Biologie der Jungen.

Freigegeben in S
Donnerstag, 14 Juni 2018 06:28

KAPPELER, M. (1975)

Frei im Zolli lebende Tasmanische Wasserhühner.

Zolli - Bulletin des Vereins der Freinde des Zoologischen Gartens Basel Nr. 34 (Mai 1975): 12-14

Text (gekürzt):

Seit 1954 hält der Basler Zoo Tasmanische Wasserhühner (Tribonyx mortierii). Die Vögel haben sich in Basel prächtig vermehrt, so dass von den über 350 hier geschlüpften Jungtieren rund 150 Exemplare an Zoos der ganzen Welt abgegeben werden konnten, wo sich teilweise wieder gesunde Kolonien gebildet haben.

Die Haltung dieser Rallenart stellt keine grossen Probleme. Sie ist sogar ohne Gitter und eigentliche Betreuung möglich, wie ja auch die Haltung der Pfauen. Dies beruht einerseits darauf, dass die Tiere winterhart sind und dass das als Parklandschaft gestaltete Zoogelände ihrem natürlichen Biotop sehr gut entspricht. Kurze, junge Sprösslinge von Gräsern bilden die Hauptnahrung Tasmanischer Wasserhühner, weshalb sie in ihrer Heimat in Gegenden leben, wo es grosse Grasflächen gibt, die von deckungsbietender Vegetation umsäumt sind und in der Nähe von Wasser liegen. Situationen also, die sich hier vielfach wieder finden. Anderseits wird der für einen Zoologischen Garten günstige Umstand verständlich, wenn man sich etwas mit der Biologie der Vögel befasst, insbesondere mit einigen Aspekten ihres Sozialverhaltens:

Jedes erwachsene Tasmanische Wasserhuhn schliesst sich mit einem Artgenossen zu einem Brutpaar zusammen, das normalerweise ein Leben lang zusammenbleibt (in Basel erreichte ein Tier das Alter von neun Jahren). Mit diesen Brutpaaren leben die Nachkommen, die weniger als ein Jahr alt sind; man spricht also besser von «Brutgruppen», da diese kleinsten sozialen Einheiten meist aus mehr als zwei Tieren bestehen. Alle Mitglieder dieser Gruppe (auch die Jungtiere aus den bis zu drei Bruten pro Jahr) haben dieselben Pflichten und erfüllen diese gemeinsam und gleich.

Die Bildung neuer Gruppen erfolgt im Frühling, kurz vor der neuen Brutsaison. In dieser Jahreszeit lösen sich die Jungtiere des Vorjahres von den Eltern und begeben sich auf die Suche nach eigenen Partnern.

Jede Gruppe verteidigt ganzjährig energisch ein bestimmtes Wohngebiet mit klar definierten Grenzlinien, und die Vögel besitzen ein gut entwickeltes Verhalten, um ihr Territorium gegen Artgenossen - bei denen es sich entweder um benachbarte Gruppen oder um im Vorfrühling umherziehende Einjährige handelt - zu verteidigen. Die Häufigkeit solcher territorialer Konflikte steigt im Januar an und erreicht im März ihren Höhepunkt. Dafür sind erstens die in dieser Zeit herumziehenden Einjährigen verantwortlich, die zum Teil bereits versuchen, ein eigenes Territorium zu gründen, und zweitens die verstärkte, gegenseitige Intoleranz benachbarter Gruppen im Hinblick auf die beginnende Brutsaison. Die Konfliktfrequenz nimmt mit dem Auftreten pflegebedürftiger Jungtiere sofort ab. Interessanterweise werden immer nur Zweikämpfe ausgefochten, und es sind immer nur Gleichgeschlechliche, die gegeneinander kämpfen.

Im Basler Zoo leben gegenwärtig drei freilaufende Brutgruppen, eine im Gebiet des Vivariumweihers und Flamingogeheges, eine beim Weiher vor dem Zoorestaurant und eine um das Antilopenhaus herum. Drei weitere Gruppen werden in Freilandgehegen gehalten (auf der Festwiese und bei den beiden Entenweihern). Jeder der im Durchschnitt 7100 Quadratmeter grossen Lebensräume der freien Tiere besitzt ein Zentrum, wo sich die Vögel die meiste Zeit auflhalten. Es ist dies ein teilweise von Gebüsch umgebenes, nach einer Seite exponiertes Rasenstück in der Nähe von Wasser. Dieser relativ freiliegende Ort garantiert optimale Feindvermeidung aufgrund der Möglichkeit frühzeitiger Feinderkennung sowie einer Flucht in mehreren Richtungen und des Deckungssuchens im Gebüsch. Dieses Zentrum bildet den Ausgangspunkt eines Systems funktioneller Plätze (Ruhe-, Nist-, Fress-, Badestellen usw.), die teilweise untereinander durch Wechsel verbunden sind und zur Ausübung der diversen Tätigkeiten aufgesucht werden.

Die von den Tieren selbstgezogenen Grenzlinien, die ihr Lebensgebiet scharf umranden, werden in der Regel nie überschritten, obwohl dies die relativ gleichmässige Strukturierung des Zoogeländes und dessen umvollständige Aufteilung an Artgenossen durchaus erlauben würden. Es handelt sich somit um Lebensräume, deren Grösse die Brutpaare selbst bestimmen und die sie nie verlassen. Auch die Jungvögel bleiben den Gebieten ihrer Eltern treu, bis sie sich (im Alter von etwa einem Jahr) von diesen lösen, um sich an geeigneten Orten in der Nachbarschaft mit entsprechenden Partnern niederzulassen.

Obwohl ihm also der Mensch keine räumlichen Grenzen setzt, ist das Tasmanische Wasserhuhn sehr ortstreu. Es bewohnt in einer Brutgruppe ein durchschnittlich 7100 Quadratmeter grosses Gebiet mit selbstgewählten, gegen Artgenossen verteidigten Grenzen, welches grundsätzlich gesehen drei ökologische Güter beinhaltet, die für das Tasmanische Wasserhuhn von Bedeutung sind: Nahrung, Sicherheit (Deckung und Fluchtmöglichkeiten), Nistplatz.

 

kappeler-biblio

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx