Montag, 03 April 2017 14:49

Moschusspitzmaus

Überordnung: Insektenfresser (INSECTIVORA / EULIPOTYPHLA)
Ordnung: Spitzmausverwandte (SORICOMORPHA)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Weißzahnspitzmäuse (Crocidurinae)

D LC 650

Moschusspitzmaus

Suncus murinus • The Asian House Shrew • La musaraigne des maisons

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Moschusspitzmaus (Suncus murinus) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung der Moschusspitzmaus (Suncus murinus). Dunkelblau: autochthone Verbreitung; rot: eingeführte Populationen

 

 

 

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Moschusspitzmaus (Suncus murinus) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Die Moschusspitzmaus war in europäischen Zoos nie häufig und wurde bisweilen zwar gehalten, aber nicht ausgestellt. Gegenwärtig (2018) gibt es keine mehr.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Moschusspitzmaus ist eine sehr große Art. Die Kopf-Rumpflängen liegen zwischen 98 und 155 mm, die Schwanzlängen zwischen 50 und 85 mm und die Gewichte zwischen 30 und 147(-170) g. Es besteht ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus, indem die Männchen sehr viel größer sind  als die Weibchen. Augen und Ohren sind sehr klein. Der relativ kurze Schwanz ist an der Basis sehr dick. An den Flanken sind stark nach Moschus duftende Drüsen vorhanden. Die Fellfarbe ist recht variabel [1].

Verbreitung

Asien: Afghanistan, Bangladesh, Bhutan, Brunei Darussalam, China, Indien, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Nepal, Pakistan, Singapur, Sri Lanka, Taiwan, Thailand, Vietnam. Eingeführte oder eingeschleppte Populationen in Ägypten, Bahrain, Dschibuti, Eritrea, Guam, Irak, Japan, Jemen, Kenia, den Komoren, Kuwait, Madagaskar, Mauritius, Oman, den Philippinen, Réunion, Ruanda, Saudi-Arabien, Sudan, Tansania [2]

Lebensraum und Lebensweise

Die Moschusspitzmaus ist ein anpassungsfähiger Kulturfolger, der nebst Wäldern, Busch- und Grasland im menschlichen Umfeld,  sowohl in Gebäuden als auch in Gärten oder auf Feldern, anzutreffen ist. Sie ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in ihrem Nest, das sie  in Spalten und Höhlungen baut. Sie ernährt sich von Insekten, Fröschen, Echsen, Jungmäusen, Früchten und anderem Pflanzenmaterial, Lebensmitteln und Abfällen. Nach einer Tragzeit von etwa 30 Tagen bringen die Weibchen 1-2 mal jährlich einen Wurf von 3-4(-8) Jungen zur Welt, die mit 15-20 Tagen entwöhnt werden [1].

Gefährdung und Schutz

Die Art hat eine weite Verbreitung und eine mutmaßlich große Population. Sie kommt mit vom Menschen modifizierten Habitaten zurecht und kommt in einer Reihe von Schutzgebieten vor. Sie wurde deshalb aufhrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 als nicht-gefährdet eingestuft [2].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Moschusspitzmaus ist ein ausgesprochener Kulturfolger, der iauch in Gebäuden auf Nahrungssuche geht. Die Art wird häufig als Labortier für genetische, neuroanatomische und andere Forschungsarbeiten eingesetzt [1].

Haltung

Eine im National-Zoo Washington DC geborene Moschusspitzmaus erreichte ein Alter von 3 Jahren und 3 Monaten [3].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wurde während des ersten Jahzehnts des 2. Jahrtausends in ein paar Zoos gehalten, ist aber seitdem verschwunden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein Gehege für ein Paar und dessen Nachwuchs mindestens 100x50x50 cm (LxBxH) messen. In Österreich und der Schweiz gibt es keine spezifischen Anforderungen.

 Taxonomie und Nomenklatur

Die Moschusspitzmaus wurde 1766 von Carl von LINNÉ als "Sorex murinus" beschrieben. Später wurde sie der 1832 vom Theologen und Naturwissenschafter Christian Gottfried EHRENBERG aus Deltzsch geschaffenen Gattung Suncus zugeteilt. Es gibt über 50 Synonyme, bei denen es sich zum Teil um Unterarten handelt [4].

Literatur und Internetquellen

  1. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  2. HUTTERER, R., MOLUR, S. & HEANEY, L. (2016). Suncus murinus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T41440A22287830. http://www.iucnredlist.org/details/41440/0. Downloaded on 15 April 2018.
  3. WEIGL, R. (2005)
  4. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Montag, 03 April 2017 14:48

Langohrigel

Überordnung: Insektenfresser (INSECTIVORA / EULIPOTYPHLA)
Ordnung: Igelverwandte (ERINACEOMORPHA)
Familie: Igel (Erinaceidae)
Unterfamilie: Stacheligel (Erinaceinae)

D LC 650

Langohrigel

Hemiechinus auritus • The Long-eared Hedgehog • Le hérisson à grandes oreilles

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Langohrigel (Hemiechinus auritus aegyptius) im Zoo Dresden © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Langohrigels (Hemiechinus auritus aegyptius)

 

 

 

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Langohrigel (Hemiechinus auritus aegyptius) im Zoo Dresden © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Langohrigel (Hemiechinus auritus ssp.) aus Astrachan im Forschungszentrum Cernoglovka © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Langohrigel (Hemiechinus auritus ssp.) aus Astrachan im Forschungszentrum Cernoglovka © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Der Langohrigel ist ein hübscher, kleiner Stacheligel, der gern in Privathand gehalten wird, in Mitteleuropa aber nur ausnahmsweise in einem Zoo zusehen ist.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Langohrigel ist mit einer Kopf-Rumpflange von 14-20 cm, einer Schwanzlänge von 11-37 mm und einem Gewicht von 110-275 g einer der kleineren Vertreter der Stacheligel. Auffällig sind seine großen, 30-43 mm langen Ohren, welche die Stacheln deutlich überragen. Die Tiere sind relativ langbeinig und haben ein kurzes Gesicht mit spitzer Schnauze. Das Gesicht ist hell gelblichbraun gefärbt, Bauch und Beine sind weiß [1; 2].

Verbreitung

Paläarktis: Afghanistan, Ägypten, China, Irak, Iran, Israel, Kirgistan, Libanon, Libyen, Mongolei, Pakistan, Syrien, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan, Zypern [2].

Lebensraum und Lebensweise

Der Langohrigel besiedelt Trockensteppen, Halbwüsten und Wüsten, wo er in Trockentälern aufgegebenen Bewässerungskanäle, Waldstücke oder Gebüsche nutzt. Wie andere Igel ist er ein Kulturfolger, der sich gerne in der Nähe menschlicher Siedlungen aufhält. Langohrigel sind im Wesentlichen nachtaktive Einzelgänger. Zum Schlafen ziehen sie sich in selbstgegrabene oder von anderen Tieren verlassene Baue zurück. Sie sind Winterschläfer und können auch einen Sommerschlaf machen. Die Nahrung besteht aus Wirbellosen aller Art und kleinen Wirbeltieren, vermutlich v. a. Echsen und Schlangen, in geringem Umfang aus Pflnzenmaterial [1; 2; 3].

Ab Mai, meist im Juni/Juli werden nach einer 35-42 Tage dauernden Tragzeit 1-6 Junge geboren. Diese öffnen am Ende der 3. Lebenswoche die Augen und werden mit 6 Wochen selbständig [1].

Gefährdung und Schutz

Die Art hat eine weite Verbreitung und einen großen Bestand, und es gibt keine Anhaltspunkte für eine Bestandsabnahme. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 wurde sie deshalb als nicht-gefährdet eingestuft [2].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Langohrigel werden rasch zahm und werden deshalb gerne als Heimtiere gehalten - in den Ländern des Nahen Ostens auch zur Schabenvertilgung [2].

Haltung

Ein im Zoo Tallinn geborener Langohrigel erreichte dort ein Alter von 7 Jahren und 7 Monaten [4].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa 15 Zoos gehalten, die meisten davon in Russland. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 gibt für 1-2 Tiere eine Mindestfläche von 2 m², für für jedes weitere Tier 1.5 m² zusätzlich an. Die Tierschutzverordnung der Schweiz schreibt für ein Tier ein Gehege von 2 m² und für jedes weitere Tier zusätzlich 1 m² vor. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs verlangt für ein Tier 6 m². Für jedes weitere Tier ist die Fläche  um 0.6 m² zu erhöhen. Die österreichische Vorschrift ist insofern unlogisch, als der etwas größere Afrikanische Weißbauchigel mit nur 2 m² auskommen muss.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Langohrigel wurde 1770 von dem aus Tübingen stammenden deutschen Naturforscher Samuel Gottlieb GMELIN als "Erinaceus auritus" beschrieben. Eine zweite Beschreibung als "Erinaceus platyotis" erfolgte 1842 durch den schwedischen Zoologen Carl Jakob SUNDEVALL. Der Wiener Zoologe Leopold Joseph Franz Johann FITZINGER stellte die Art 1866 in die neue Gattung Hemiechinus. Es werden 4-5 Unterarten differenziert [5].

Literatur und Internetquellen

  1. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  2. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  3. STUBBE, M. et al. (2016). Hemiechinus auritus (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T40607A115174672. http://www.iucnredlist.org/details/40607/0. Downloaded on 15 April 2018.
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Montag, 03 April 2017 14:48

Gescheckte Wüstenspitzmaus

Überordnung: Insektenfresser (INSECTIVORA / EULIPOTYPHLA)
Ordnung: Spitzmausverwandte (SORICOMORPHA)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Weißzahnspitzmäuse (Crocidurinae)

D LC 650

Gescheckte Wüstenspitzmaus

Diplomesodon pulchellum • The Piebald Shrew • La musaraigne tachetée

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Gescheckte Wüstenspitzmaus (Diplomesodon pulchellum) im Zoo Moskau vertilgt eine Heuschrecke © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Aproximative Verbreitung der Gescheckten Wüstenspitzmaus (Diplomesodon pulchellum)

 

 

 

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Gescheckte Wüstenspitzmaus (Diplomesodon pulchellum) im Zoo Moskau © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Gescheckte Wüstenspitzmaus (Diplomesodon -pulchellum) mit Jungen im Zoo Moskau © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Die Gescheckte Wüstenspitzmaus ist eine attraktive Spitzmaus, für die sich qualifizierte Privathalter interessieren, die aber bei uns nur ganz ausnahmsweise in Zoos gezeigt wird. Tierhaltungen zum Thema eurasische Grasländer fokussieren in der Regel auf Huftiere und haben keine für die Besucher zugänglichen Gebäude, sodass die Präsentation dieses Kleinstsäugers in einem zoogeografisch / ökologischen Rahmen schwierig ist.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Gescheckte Wüstenspitzmaus ist eine mittelgroße Spitzmaus, die eine Kopf-Rumpflänge von 60-72 mm, eine Schwanzlänge von 26-33 mm und ein Gewicht von 7-13 g erreicht. Ihre Füße sind als Anpassung an das Leben auf Sandboden durch einen seitlichen Saum aus steifen Haaren verbreitert. Ihre Färbung weicht von der aller anderen Spitzmäuse ab, indem das feine, graue Rückenfell etwa ab Körpermitte einen längsovalen weißen Fleck von rund 5x20 mm aufweist. Körperunterseite und Füße sind weiß, der fleischfarbene Schwanz ist nur spärlich behaart [1].

Verbreitung

Zentralasien: Kasachstan, Russland, Turkmenistan, Usbekistan [3].

Lebensraum und Lebensweise

Die Gescheckte Wüstenspitzmaus ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sie besiedelt aride Steppen und Wüsten mit festem oder halbfestem Boden, die z.B. mit dem Fuchsschwanzgewächs Saxaul (Haloxylon) bestanden sind. Als Wohnung benutzt sie meist Nagetierbaue. Sie ernährt sich hauptsächlich von Insekten und deren Larven, gelegentlich fängt sie eine kleine Echse, die sie durch Nackenbiss tötet. Die Fortpflanzung fällt in den Zeitraum Mai bis Oktober. Pro Jahr fallen 1-2 Würfe an, die zumeist aus 4-5 Jungen bestehen. Wenn die Jungen mit ihrer Mutter das Nest verlassen, bilden durch durch Festbeißen an der Schwanzwurzel des Vordertieres eine Karawane. [1; 2; 3].

Gefährdung und Schutz

Die Gescheckte Wüstenspitzmaus ist eine natürlicherweise seltene Art. Es gibt aber keine Anhaltspunkte für eine Bestandsabnahme. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 wurde sie deshalb als nicht-gefährdet eingestuft [3].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Abgesehen davon, dass sich manche Kleinsäugerhalter für sie interessieren, hat die Gescheckte Wüstenspitzmaus kaum eine unmittelbare Bedeutung für den Menschen.

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird nur ganz ausnahmsweise in europäischen Zoos gezeigt. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein Gehege für ein Paar und dessen Nachwuchs mindestens 100x50x50 cm (LxBxH) messen. In Österreich und der Schweiz gibt es keine spezifischen Anforderungen.

Taxonomie und Nomenklatur

Diplomesodon ist eine monotypische Gattung. Die Art wurde 1823 von Martin Hinrich Carl LICHTENSTEIN, dem ersten Direktor des Berliner Zoologischen Gartens als "Sorex pulchellus" beschrieben. Die Gattung Diplomesodon wurde 1852 von dem aus Jüterborg stammenden und in Russland tätigen Zoologen Johann Friedrich von BRANDT aufgestellt.

Literatur und Internetquellen

  1. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  2. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  3. TSYTSULINA, K., FORMOZOV, N. & SHEFTEL, B. (2016). Diplomesodon pulchellum (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T41448A115186837. http://www.iucnredlist.org/details/41448/0. Downloaded on 15 April 2018.
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Montag, 03 April 2017 14:41

Nord-Weissbrustigel

Überordnung: Insektenfresser (INSECTIVORA / EULIPOTYPHLA)
Ordnung: Igelverwandte (ERINACEOMORPHA)
Familie: Igel (Erinaceidae)
Unterfamilie: Stacheligel (Erinaceinae)

D LC 650

Nord-Weißbrustigel

Erinaceus roumanicus • The Northern White-breasted Hedgehog • Le hérisson de Roumanie

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Nord-Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus) in der Forschungsstation Cernogolovka © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Nord-Weißbrustigels (Erinaceus roumanicus)

 

 

 

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Nord-Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus) in der Forschungsstation Cernogolovka © Klaus Rudloff, Berlin

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Der Nord-Weißbrustigel vertritt in Osteuropa bis Zentralasien den bei uns heimischen Braunbrustigel. Da er diesem sehr stark gleicht, besteht in Mitteleuropa keinerlei Interesse an seiner Haltung.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Nord-Weißbrustigel unterscheidet sich vom westlichen Braunbrustigel durch einen leuchtend weißen Fleck auf der Brustmitte, der sich deutlich von seiner braungrauen ode braunen Umgebung abhebt. Bisweilen ist die Weißfärbung ausgedehnter und kann fast die ganze Unterseite und die Flanken umfassen. Auch kann er helle Flecken am Kopf haben. Ansonsten gibt es relevante Unterschiede zum Braunbrustigel nur im Schädelskelett [2; 3].

Verbreitung

Westliche Paläarktis: Von Ost-Mitteleuropa bis ins westliche Sibirien. Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Estland, Georgien, Griechenland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrussland [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Nord-Weißbrustigel ist ein Kulturfolger, der auf Landwirtschaftsland, in Parks und Gärten häufiger ist, als an Waldrändern oder anderen Lebensräumen, die vom Menschen weniger beeinflusst sind. Er ist ein echter Winterschläfer [1]. Mehr zu diesem Thema unter Braunbrustigel.

Gefährdung und Schutz

Der Nord-Weißbrustigel hat eine weite Verbreitung, ist gebietsweise häufig und es gibt keine Anhaltspunkte für eine Bestandsabnahme. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 wurde er deshalb als nicht-gefährdet eingestuft [1].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Igel wurden früher in Europa gegessen und es kursieren im Internet allerlei Rezeptvorschäge, wie "Igel im Lehmmantel", die zumeist Sinti, Roma oder anderen im Verbreitungsgebiet des Nord-Weißbrustigels lebenden Völkern zugeschrieben werden, aber nicht allzu ernst genommen werden sollten. Ansonsten sei auf den Braunbrustigel verwiesen.

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird selten und ausschließlich in osteuropäischen Ländern gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für 1-2 Tiere eine Mindestfläche von 2 m², für für jedes weitere Tier 1.5 m² zusätzlich an. Die Tierschutzverordnung der Schweiz schreibt für ein Tier ein Gehege von 2 m² und für jedes weitere Tier zusätzlich 1 m² vor. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs verlangt für ein Tier 6 m². Für jedes weitere Tier ist die Fläche  um 0.6 m² zu erhöhen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Nord-Weissbrustigel wurde bis vor einigen Jahren als Unterart von Erinaceus europaeus angesehen, dann aber aufgrund molekulargenetischer und morphologischer Unterschiede als eigene Art abgetrennt. Es werden 5 Unterarten differenziert [1; 5].

Literatur und Internetquellen

  1. AMORI, G., et al. (2016). Erinaceus roumanicus (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T136344A115206348. http://www.iucnredlist.org/details/136344/0. Downloaded on 15 April 2018.
  2. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970) 
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Samstag, 01 April 2017 16:08

Antilopenkänguru

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Känguruverwandtschaft (DIPROTODONTIA)
Unterordnung: Känguruartige (Macropodiformes)
Familie: Kängurus (Macropodidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kängurus (Macropodinae)

D LC 650

Antilopenkänguru

Macropus (Osphranter) antilopinus • The Antilopine Kangaroo • Le kangourou antilope

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Antilopenkänguru (Macropus antilopinus) im Yarrawonga Wildlife Park, NT © Ulrich Schürer, Solingen

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Antilopenkänguru (Macropus antilopinus)

 

 

 

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Antilopenkänguru (Macropus antilopinus) im Yarrawonga Wildlife Park, NT © Ulrich Schürer, Solingen

 

 

 

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Antilopenkänguru (Macropus antilopinus) im Yarrawonga Wildlife Park, NT © Ulrich Schürer, Solingen

 

 

 

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Antilopenkänguru (Osphranter antilopinus) aus GOULD, J. (1863) The mammals of Australia, Vol. 2.

 

 

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Das auch als Antilopenwallaru bezeichnete, nicht gefährdete Antilopenkänguru wird seit über 100 Jahren in Europa nicht mehr gehalten. Es war auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur in wenigen Institutionen zu sehen. Auch in Australien wird die Art nicht häufig gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Antilopenkänguru gehört zu den großen Vertretern der Familie. Böcke können von 18 bis 51 kg schwer werden und liegen damit im Mittel etwas unter den Roten und Grauen Riesenkängurus. Ihre Kopf-Rumpflänge beträgt 83-120 cm, die Schwanzlänge 74-96 cm. Die Weibchen bleiben mit 73-94 cm Kopf-Rumpf- und 66-81 cm Schwanzlänge deutlich kleiner und mit 14-25 kg entsprechend leichter. Ein weiterer Sexualdimorphismus besteht hinsichtlich der Färbung: Die Böcke haben oberseits ein rötlichbraunes Fell, bei den Weibchen ist es blasser und oft gräulich. Ferner haben die Männchen eine Schwellung auf der Nase, die bei den Weibchen fehlt. Die Pfoten und Fußenden der Antilopenkängurus sind schwarz [1; 3; 6].

Verbreitung

Australien: Nördliches West-Australien, Northern Territory, nördliches Queensland. Die Art ist in zwei geografisch getrennten Gebieten beheimatet, hat aber keine verschiedenen Unterarten gebildet [1; 7].

Lebensraum und Lebensweise

Das Antilopenkänguru besiedelt offene, mit Eukalypten bestandene tropische Monsunwälder mit einer Grasdecke, Aufwüchse von Jungwald und Grasland im Norden Australiens, wo es die ökologische Stellung des Roten Riesenkängurus einnimmt. Es ist sozial und wird in Gruppen bis zu 30 Tieren beobachtet. Die Tiere sind hauptsächlich nachts aktiv und ruhen tagsüber in Sassen unter Bäumen oder Büschen. Sie fressen hauptsächlich Gräser, nehmen aber auch Kräuter. Die Fortpflanzung kann zu jeder Jahreszeit erfolgen, hauptsächlich aber zu Ende der Regenzeit im März April. Nach einer Trächtigkeit von (33-)34 Tagen wird in der Regel ein einzelnes Junges geboren. Dieses verlässt den Beutel definitiv nach 9 Monaten und wird mit etwa 15 Monaten entwöhnt. [3; 6]

Gefährdung und Schutz

Das Antilopenkänguru hat eine weite Verbreitung, einen mutmaßlich großen Bestand und kommt in mehreren Schutzgebieten vor. Es wurde deshalb aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 als nicht-gefährdet eingestuft, obwohl die Bestände etwas abnehmen [7].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. Es gelten die restriktiven Ausfuhrbestimmungen Australiens.

Bedeutung für den Menschen

Traditionell wurde die Art von den Aborigines bejagt [7]. Es wurden keine Quoten für eine kommerzielle Bejagung festgelegt.

Haltung

Lebenserwartung und Zucht: Das älteste bekannte Antilopenkänguru wurde 1999 im Zoo Perth geboren, an den Zoo Singapur angegeben und war im September 2004 immer noch am Leben, wurde also über 19 Jahre und 9 Monate alt [4].

Haltung in europäischen Zoos: Antilopenkängurus wurden in Europa nur in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg gehalten und auch damals nur in sehr wenigen Zoos. Im Frankfufrter und im Kölner Zoo kam es zur Zucht. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für das Außengehege eine Mindestfläche von 300 m² für bis 5 Tiere und 30 m² für jedes weitere Tier an. Das Innengehege soll 30 m² groß sein und für jedes weitere Tier ist die Fläche um 4 m² zu erhöhen. Es soll zudem in mehrere miteinander verbundene Abteile unterteilt sein. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos hielten zu diesen Vorgaben im Differenzprotokoll fest, dass die Praxiserfahrung mehrerer Riesenkängurus haltender Zoos zeigt, dass eine Stallfläche von 4 m² pro Tier, wie sie z.B. die schweizerische Tierschutzverordnung vorschreibt, ausreichend ist. Eine Unterteilung des Innengeheges in mehrere miteinander verbundene Abteile ist nach langjähriger Haltungserfahrung für Großkängurus nicht erforderlich.

Die Tierschutzverordnung der Schweiz schreibt für bis 5 Tiere ein Außengehege von ebenfalls 300 m² und für jedes weitere Tier zusätzlich 30 m² vor. Das Innengehege muss 20 m² groß sein und für jedes weitere Tier ist die Fläche um 4 m² zu erhöhen. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs verlangt für bis 5 Tiere ein Außengehege von 500 und ein Innengehege von 25 m². Für jedes weitere Tier ist die Fläche außen wie innen um 10% zu erhöhen.

Nach JACKSON soll für 5 Tiere eine Gehegefläche von 340 m² nicht unterschritten werden [3].

 Taxonomie und Nomenklatur

Das Antilopenkänguru wurde 1842 vom britischen Ornithologen und Tiermaler John GOULD als Osphranter antilopinus beschrieben. DAWSON und FLANNERY stellten Osphranter als Untergattung in Macropus, aber neuerdings wird Osphranter von manchen Autoren wieder als eigene Gattung angesehen [2; 5; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. CURTIS, L. K. (2006)
  2. DAWSON, L. & FLANNERY, T. (1985)
  3. JACKSON, S. M. (2003)
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  6. WILSON, D.E. & REEDER, D. M.  (2005)
  7. WOINARSKI, J., RITCHIE, E. & WINTER, J. (2016). Macropus antilopinus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T40561A21953729. http://www.iucnredlist.org/details/40561/0. Downloaded on 15 April 2018.

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Freigegeben in Kloaken- und Beuteltiere
Samstag, 01 April 2017 16:07

Hübschgesichtswallaby

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Känguruverwandtschaft (DIPROTODONTIA)
Unterordnung: Känguruartige (Macropodiformes)
Familie: Kängurus (Macropodidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kängurus (Macropodinae)

D LC 650

Hübschgesichtswallaby

Macropus (Notamacropus) parryi • The Whiptail Wallaby • Le wallaby de Parry

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Hübschgesichtswallabies (Macropus parryi) ehemals im Kölner Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Hübschgesichtswallabys (Macropus parryi)

 

 

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HHübschgesichtswallaby (Macropus (N) parryi) im Lone Pine Koala Sanctuary, Brisbane © Quartl, Veröffentlicht unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

 

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Hübschgesichtswallaby (Macropus (N) parryi) aus GOULD, J. (1863) The Mammals of Asutralia, Vol. 2. Public Domain.

 

 

102 012 011 011 macropus parryi gould2
Hübschgesichtswallaby (Macropus (N) parryi) aus GOULD, J. (1863) The Mammals of Asutralia, Vol. 2. Public Domain.

 

 

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Das Hübschgesichtskänguru oder -wallaby ist ein ausgesprochen attraktives, mittelgroßes Känguru, das in Australien nicht gefährdet ist und in Europa seit 1994 nicht mehr gezeigt wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Hübschgesichtskänguru, wegen seines langen, dünnen, spitz zulaufenden Schwanzes auf Englisch auch als "Whiptail Wallaby" bezeichnet, ist ein mittelgroßes Känguru und gehört innerhalb der Gruppe der Wallabies zu den größeren Arten. Die Böcke haben eine Kopf-Rumpflänge von etwa 74-100 und eine Schwanzlänge von 86-105 cm, die Weibchen von 61-88 cm und 73-86 cm, die Körpergewichte liegen bei rund 14-26 kg bzw. 7-15 kg. Der Name Hübschgesichtskänguru bzw. "Pretty-face Wallaby" bezieht sich auf die auffällige Gesichtszeichnung. Das dunkle Gesicht wird von weißen Wangenstreifen, die sich von der Schnauze bis unter die Augen erstrecken, eingerahmt. Die langen Ohren haben schwarze Spitzen. Ansonsten ist das Fell der Oberseite blassgrau bis hellbraun, Brust und Bauch sind weißlich und auf dem Oberschenkel verläuft ein heller Streifen Richtung Schwanz [1; 5].

Verbreitung

Australien: Von Nordost-Queensland bis ins nördliche New South Wales [6].

Lebensraum und Lebensweise

Das Hübschgesichtswallaby lebt in offenen Wäldern mit grasbedecktem Boden vom Tiefland bis auf eine Höhe von 1'400 m und gelegentlich auf Agrarland. Es kann sich sehr rasch fortbewegen und sehr hoch springen. Die Tiere sind tagsüber und nachts unterwegs. Sie sind sozial und bilden Gruppen bis zu 50 Individuen. Ihre Nahrung besteht aus Gräsern, Kräutern und Farnen. Weibchen werden mit 17 Monaten geschlechtsreif. Junge Männchen werden von älteren unterdrückt und werden erst im Alter von 2-3 Jahren sexuell aktiv. Die Trächtigkeit dauert 38 (36-41) Tage. Das Junge bleibt 8.5-9 Monate im Beutel und wird mit 15 Monaten entwöhnt. Die Weibchen werden erst 118-215 Tage nach der Geburt wieder brünstig [6].

Gefährdung und Schutz

Die Art hat eine weite Verbreitung, mutmaßlich einen großen Bestand und kommt in mehreren Schutzgebieten vor. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 wurde sie deshalb als nicht-gefährdet eingestuft [6].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Das Hübschgesichtswallaby soll in Queensland kommerziell bejagt werden [6].

Haltung

In Australien halten einige Zoos "Pretty-faces" in begehbaren Anlagen, wo sie sich den Besuchern gegenüber teils vertraut zeigen, teils scheu sind [3].

WEIGL nennt als ältestes bekanntes Hübschgesichtswallaby ein Tier, das im Zoo von Philadelphia ein Alter von 9 Jahren und 8 Monaten erreichte [4].

Haltung in europäischen Zoos: Das Hübschgesichtswallaby war in Zoos außerhalb Australiens stets ein seltener Gast. In Europa wurde es bis in die 1990er-Jahre gehalten, seitdem gibt es keine mehr. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für das Außengehege eine Mindestfläche von 200 m² für bis 5 Tiere und 20 m² für jedes weitere Tier an. Das Innengehege soll 15 m² groß sein und für jedes weitere Tier ist die Fläche um 3 m² zu erhöhen.

Die Tierschutzverordnung der Schweiz schreibt für bis 5 Tiere ein Außengehege von 250 m² und für jedes weitere Tier zusätzlich 15 m² vor. Das Innengehege muss 15 m² groß sein und für jedes weitere Tier ist die Fläche um 3 m² zu erhöhen. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs verlangt für bis 5 Tiere ein Außengehege von 300 und ein Innengehege von 20 m². Für jedes weitere Tier ist die Fläche außen wie innen um 10% zu erhöhen.

Nach JACKSON soll für 5 Tiere eine Gehegefläche von 120 m² nicht unterschritten werden [4].

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1835 von dem englischen Arzt und Zoologen Edward Turner BENNETT als Macropus parryi beschrieben [5].

Zur Gattung Macropus, die sowohl die kleinsten, wie die größten Vertreter der Familie umfasst, gehören 16 Arten. Acht kleinere bis mittelgroße Arten, darunter parryi, werden in der Untergattung Notamacropus DAWSON & FLANNERY, 1985, zusammengefasst. Bei WILSON & MITTERMEIER (2015) wird diese Untergattung zu einer Gattung erhoben. Die Rote Liste, ITIS etc. haben diesen Schritt jedoch nicht mitgemacht [2; 5].

Literatur und Internetquellen

  1. CURTIS, L. K. (2006)
  2. DAWSON, L. & FLANNERY, T. (1985)
  3. JACKSON, S. M. (2003)
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  6. WINTER, J., BURNETT, S. & MARTIN, R. (2016). Macropus parryi. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T40564A21953894. http://www.iucnredlist.org/details/40564/0. Downloaded on 15 April 2018.

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Samstag, 01 April 2017 16:02

Tammarwallaby

smiley happy   Neue Tierart

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Känguruverwandtschaft (DIPROTODONTIA)
Unterordnung: Känguruartige (Macropodiformes)
Familie: Kängurus (Macropodidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kängurus (Macropodinae)

D LC 650

EEPTammar-, Derby oder Damawallaby

Macropus (Notamacropus) eugenii • The Tammar or Dama Wallaby  • Le wallaby de l'île Eugène

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Tammarwallaby (Macropus eugenii) im Zoo Adelaide © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Aproximative Verbreitung des Tammarwallabys (Macropus eugenii)

 

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Tammarkänguru (Macropus (N.) eugenii) im Zoo Budapest © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Sich paarende Tammarkänguru (Macropus (N.) eugenii) im Zoo Budapest © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Tammarkängurus (Macropus (N.) eugenii) im Zoo Budapest © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Tammarwallaby beim Kangaroo Island Wilderness Retreat, Südaustralien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Tammarwallaby (Macropus eugenii) beim Kangaroo Island Wilderness Retreat © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Wo man sie nicht verfolgt, werden wild lebende Kängurus sehr zahm, hier ein Tammarwallaby (Macropus eugenii) beim Kangaroo Island Wilderness Retreat © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Hinterfuß eines Tammarwallabys (Macropus eugenii), Kangaroo Island Wilderness Retreat © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Tammarwallabies (Macropus eugenii) Illustration von H.C. RICHTER für John GOULD (1849-1861): The Mammals of Australia, vol.2, pl.29

 

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Das Tammar ist ein kleines Wallaby, das in seiner Heimat dank guten Beständen auf verschiedenen Inseln nicht gefährdet ist.  Als durch den Rotfuchs auf dem Kontinent weitgehend ausgerottete Art ist es interessant für die Zoopädagogik. In europäischen Zoos ist es aber deutlich seltener anzutreffen als das noch etwas kleinere Parmawallaby.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Tammarwallaby gehört zu den Kleinkängurus. Männchen erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 59-68 cm, eine Schwanzlänge von 38-45 cm und ein Gewicht von 6-10 kg. Bei den Weibchen liegt die Kopf-Rumpflänge bei 52-63 cm, die Schwanzlänge bei 32-44 cm cm und das Gewicht bei 4-6 kg. Das Fell ist dick mit viel Unterwolle. Auf dem Rücken ist es dunkel graubraun, am Bauch grau und auf den Seiten hell- oder rotbraun. Es ist ein heller Wangenstreifen vorhanden [7].

Verbreitung

Australien: Früher weit verbreitet in West- und Südaustralien. Heute noch auf Kangaroo Island, einigen weiteren Inseln und lokalisierten Gebieten in Westaustralien. Außerhalb des natürlichen Areals auf einer Insel vor Neuseeland [1].

Lebensraum und Lebensweise

Um sich zu verstecken und zu weiden benötigen Tammarwallabies einen Mix aus Dickicht und Grasflächen. Jedes Tier hat ein definiertes Streifgebiet, das sich mit jenen benachbarter Tiere überlappt. Die Nahrung besteht überwiegend aus Gräsern, es werden aber auch die Blätter von Büschen abgeweidet. Gelegentliche Buschfeuer helfen, Dickichte als Rückzugsgebiete zu erhalten [1]. Nach einer Tragzeit von 29 (28-31) Tagen wird in der Regel ein einzelnes Junges geboren. Die Beuteltragzeit beträgt etwa 250 Tage. Etwa drei Monate später wird das Junge entwöhnt [5; 7].

Gefährdung und Schutz

Das Tammatwallaby ist zwar in weiten Teilen seines ursprünglichen Areals ausgestorben, kommt aber in guten Beständen auf Kangooroo Island und weiteren Inseln vor und wurde stellenweise auf dem Festland wiederangesiedelt. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2014 gilt es daher nicht als gefährdet [1].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Bei Lodges angefütterte Tammarwallabies werden sehr zahm und haben sich stellenweise haben sich z.B. auf Kangaroo Island zu einer Touristenattraktion entwickelt.

Haltung

Im Adelaide Zoo werden Tammarwallabies in einem begehbaren Gehege gehalten [4]. Das älteste bekannte Tammarwallaby erreichte im Zoo Johannesburg ein Alter von über 15 Jahren [6]. Die Zucht ist unproblematisch.

Haltung in europäischen Zoos: Der Kölner Zoo erhielt 1860 sein erstes Paar. Bereits im Folgejahr gab es zum ersten Mal Nachwuchs. Aktuell werden Tammarwallabies in rund 20 eruropäischen Zoos gehalten, von denen sich ein paar wenige im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. Seit 2020 gibt es ein Europäisches Zuchtbuch (ESB), das am Zoo Berlin geführt wird.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für das Außengehege eine Mindestfläche von 150 m² / 1-5 Tiere und zusätzlich 15m² für jedes weitere Tier an. Das Innengehege soll für 1-5 Tiere 10 m² groß sein und für jedes weitere Tier soll die Fläche um 2 m² erhöht werden. Die Stalltemperatur soll mindestens 15°C betragen. Hierzu bemerkten die Tierschutz-Sachverständigen der Zoos: „Im natürlichen Verbreitungsgebiet liegen die mittleren Nachttemperaturen von Mai bis Oktober unter 10°C. Die Anforderung an die Innentemperatur ist daher zu relativieren.“ (Auf der Île Eugène beträgt die mittlere Tiefsttemperatur im Juli und August 5°C (NASA Earth Observations)).

Die Tierschutzverordnung der Schweiz schreibt für 5 Tiere ein Außengehege von 40 m² und für jedes weitere Tier zusätzlich 4 m² vor. Das Innengehege muss für 5 Tiere 10 m² groß sein und für jedes weitere Tier ist die Fläche um 2 m² zu erhöhen.

Die Anforderungen der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs sind etwas abstrus. Verlangt werden für fünf Tiere ein Außengehege von 200 m² und ein Innengehege von 4 m². Für jedes weitere Tier ist die Fläche außen wie innen um 10% zu erhöhen.

Nach JACKSON soll für 5 Tiere eine Gehegefläche von 60 m² nicht unterschritten werden [4].

Taxonomie und Nomenklatur

Das Tammar war das erste Känguru, das ein Europäer zu Gesicht bekam: Der aus Antwerpem stammende Kaufmann François PELSAERT erlitt 1629 mit seinem Handelsschiff "Batavia" an in einem Riff vor der westaustralischen Küste Schiffbruch und konnte sich mit einem Großteil seiner Mannschaft auf eine von Menschen unbewohnte, aber von Tammar-Wallabies besiedelte Insel retten. Die Inselgruppe wird heute als "Wallabi-Inseln" bezeichnet

1817 wurde das Tammarwallaby vom französischen Zoologen Anselme Gaëtan DESMAREST als "Kangurus eugenii" beschrieben. Später wurde es der von George SHAW vom Britischen Museum bereits 1790 aufgestellte Gattung Macropus zugeteilt. Die Artbezeichnung eugenii bezieht sich auf die Île Eugène, eine kleine Insel vor der Küste Südaustraliens westlich der Eyre-Halbinsel. Es wurden drei Unterarten differenziert, nach neueren Untersuchungen wird jedoch vorgeschlagen, zwei davon zusammenzulegen. Demnach gibt es noch die Nominatform in Südaustralien, auf Kangaroo Island und einigen weiteren Inseln und M. e. derbianus in West-Australien [1; 7].

Zur Gattung Macropus, die sowohl die kleinsten, wie die größten Vertreter der Familie umfasst, gehören 16 Arten. Acht kleinere bis mittelgroße Arten, darunter eugenii, werden in der Untergattung Notamacropus DAWSON & FLANNERY, 1985, zusammengefasst. Bei WILSON & MITTERMEIER (2015) wird diese Untergattung zu einer Gattung erhoben. Die Rote Liste, ITIS etc. haben diesen Schritt jedoch nicht mitgemacht [3; 7].

Literatur und Internetquellen

  1. BURBIDGE, A.A. & WOINARSKI, J. (2016). Macropus eugenii. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T41512A21953803. http://www.iucnredlist.org/details/41512/0. Downloaded on 15 April 2018.
  2. CURTIS, L. K. (2006)
  3. DAWSON, L. & FLANNERY, T. (1985)
  4. JACKSON, S. M. (2003)
  5. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2015)

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Samstag, 01 April 2017 15:59

Weißstreifen-Buschkänguru

smiley unhappy2 Dieses Datenblatt muss überarbeitet werden !

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Känguruverwandtschaft (DIPROTODONTIA)
Unterordnung: Känguruartige (Macropodiformes)
Familie: Kängurus (Macropodidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kängurus (Macropodinae)

D LC 650

Weißstreifen-Buschkänguru

Dorcopsis sp. (?) • The White-striped Dorcopsis • Le wallaby à raie blanche

Wahrscheinlich wurde die Artzugehörigkeit der in Europa gehaltenen Buschkängurus nicht richtig bestimmt, anstatt um D. hageni, wie von den Zoos angegeben, dürfte es sich um D. muelleri handeln. Abklärungen sind im Gang (Publikation Schürer vermutlich 2020).

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Weißstreifen-Buschkänguru (Dorcopsis muelleri) im Zoo Prag © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung des Weißstreifen-Buschkängurus (Dorcopsis hageni)

 

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Buschkängurus vertschiedener Arten wurden früher in einigen Zoos gehalten und gezüchtet. Gegenwärtig (2018) sind nur noch ein paar wenige Weißstreifenbuschkängurus vorhanden.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Weißstreifenbuschkänguru ist ein kleines, kurzhaariges Wallaby mit schlanker Schnauze, das eine Kopf-Rumpflänge von 42-60 cm, eine Schwanzlänge von 31-38 cm und ein Gewicht von 5-6 kg erreicht. Seine Färbung ist variabel. Charakteristisch  sind der schmale, helle Längsstreifen auf dem Rücken und die hellen Haarwirbel hinter den Schulterblättern. Das Schwanzende ist nur spärlich behaart und oft weißlich [2].

Verbreitung

Neuguinea: Indonesien (West-Papua) und Papua-Neuguinea, jeweils im nördlichen Tiefland [2; 3].

Lebensraum und Lebensweise

Das Weißstreifen Buschkänguru lebt in primären Regenwäldern und Sekundärwäldern des Tieflands bis auf eine Höhe von etwa 400 m. Über seine Lebensweise ist nur wenig bekannt [2; 3].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist weit verbreitet und kommt auch mit vom Menschen modifizierten Lebensräumen zurecht. Sie wurde deshalb aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 als nicht-gefährdet eingestuft [2].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Das Weißstreifen-Buschkänguru wird gebietsweise als Fleischlieferant gejagt [2].

Haltung

Für die verwandte Art Dorcopsis luctuosa wird ein Höchstalter von 13 Jahren und 11 Monaten angegeben [1].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in nur ganz wenigen Zoos gehalten. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen an Gehege: Die behördlichen bzw. gesetzlichen Vorgaben für die Haltung werden dieser Art des tropischen Tieflandes nicht unbedingt gerecht. Es wäre wohl zweckdienlicher, ein kleineres Außen- und dafür ein größeres Innengehege vorzuschreiben.

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt ein Außengehege vor, das für 5 Tiere eine Fläche von 150 m² und für jedes weitere zusätzlich 15 m² aufweisen soll. Das Innengehege soll eine Fläche von 10 m² und für jedes weitere Tier zusätzlich 2 m² haben.

Die Tierschutzverordnung der Schweiz schreibt für 5 Tiere ein Außengehege von 40 m² und für jedes weitere Tier zusätzlich 4 m² vor. Das Innengehege muss für 5 Tiere 10 m² groß sein und für jedes weitere Tier ist die Fläche um 2 m² zu erhöhen.

Die Anforderungen der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs sind etwas abstrus. Verlangt werden für fünf Tiere ein Außengehege von 200 m² und ein Innengehege von 4 m². Für jedes weitere Tier ist die Fläche außen wie innen um 10% zu erhöhen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1897 von dem amerikanischen Zoologen Edmund HELLER beschrieben und zu Ehren des Landeshauptmanns der deutschen Kolonie Kaiser-Wilhelms-Land, Curt von HAGEN, benannt [2].

Literatur und Internetquellen

  1. WEIGL, R. (2005)
  2. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  3. WRIGHT, D. et al. (2016). Dorcopsis hageni. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T6795A21952491. http://www.iucnredlist.org/details/6795/0. Downloaded on 15 April 2018.

Siehe Publikation U. Schürer im ZooGart, Email von KR vom 04.08.2020

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Samstag, 01 April 2017 15:52

Graues Baumkänguru

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Känguruverwandtschaft (DIPROTODONTIA)
Unterordnung: Känguruartige (Macropodiformes)
Familie: Kängurus (Macropodidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kängurus (Macropodinae)

D VU 650

Graues Baumkänguru

Dendrolagus inustus • The Grizzled Tree Kangaroo • Le dendrolague gris

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Graues Baumkänguru (Dendrolagus inustus) im Taman Safari Indonesia, Bogor © Johannes Pfleiderer, Zoo Duisburg

 

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Approximative Verbreitung des Grauen Baumkängurus (Dendrolagus inustus)

 

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Graues Baumkänguru (Dendrolagus inustus) im Taman Safari Indonesia, Bogor © Johannes Pfleiderer, Zoo Duisburg

 

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Graues Baumkänguru (Dendrolagus inustus) im Port Moresby Adventure Park © Wolfgang Dreßen, Zoo Krefeld

 

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Graue Baumkängurus (Dendrolagus inustus) im Port Moresby Adventure Park © Wolfgang Dreßen, Zoo Krefeld

 

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Graues Baumkänguru (Dendrolagus inustus) im Taman Safari Indonesia, Bogor © Johannes Pfleiderer, Zoo Duisburg

 

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Graues Baumkänguru (Dendrolagus inustus). Illustration aus GOULD, J. (1863). The Mammals of Australia, Vol 2. Public Domain

 

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Da relativ wenige Zoos Baumkängurus halten, wurde im Sinne einer Konzentration der Kräfte in Europa die Haltung des Grauen Baumkängurus zugunsten des Goodfellow-Baumkängurus aufgegeben. Auch in Nordamerika, wo die Haltung des Matschie-Baumkängurus gefördert wird, ist das Graue Baumkänguru mittlerweile verschwunden.

Körperbau und Körperfunktionen

Dendrolagus inustus ist eine größere Baumkänguru-Art mit langem Schwanz, relativ langen Extremitäten und großen Füßen. Es besteht win deutlicher Dimorphismus zwischen den Geschlechtern. Die Kopf-Rumpflänge beträgt etwa 55-89 cm und die Schwanzlänge 84-97 cm, das Gewicht liegt bei den Männchen zwischen 11 und 23 kg, bei den Weibchen zwischen 7 und 14 kg. Die Färbung des Fells ist auf der Kopfoberseite und dem Rücken dunkel graubraun, auf Wangen, Kehle, Bauch und Extremitäten heller [5].

Verbreitung

Neuguinea: Indonesien (West-Papua) und und Papua-Neuguinea in den nördlichen Tiefländern und auf der Vogelkop-Halbinsel [2].

Lebensraum und Lebensweise

Das Graue Baumkänguru besiedelt tropische Primär- und Sekundärwälder des Tieflands und der Hügelzone in Höhenlagen von 100-1'400 m. Es ernährt sich von Blättern von Bäumen und Büschen, Schlingpflanzen und Früchten. Die Weibchen werden mit 17 Monaten geschlechtsreif. Es wird in der Regel ein Jungtier geboren, das etwa 6 Monate im Beutel bleibt und die Mutter während mindestens 6 weiteren Monaten begleitet [2; 5].

Gefährdung und Schutz

Als Folge nicht-nachhaltiger Bejagung und Lebensraumverlust nehmen die Bestände laufend ab. Die Art wurde deshalb aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 als gefährdet eingestuft [2].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Zoogestützte Artenschutzprojekte: Zum Schutz der bedrohten Baumkängurus tragen unter anderem die Gründung von Nationalparks mit Rangern und die umfassende Information der heimischen Bevölkerung über die Zusammenhänge des Naturschutzes bei. Für die lokale Bevölkerung im Regenwald Neuguineas sind Baumkängurus ein wichtiger Fleischlieferant. Die Einrichtung von Farmen, die andere Tiere, namentlich Hauskaninchen und Hühner, als alternative Fleischquellen züchten, schafft direkte Abhilfe für dieses Problem. Jedes Jahr fließen Spendengelder des Krefelder und anderer Zoos an dieses Schutzprojekt vor Ort, das von der Tenkile Conservation Alliance in den Toricelli Mountains betrieben wird und sich u.a. auf Dendrolagus inustus bezieht [6].

Bedeutung für den Menschen

Das Graue Baumkänguru wird von der einheimischen Bevölkerung stark zur Fleischgewinnung bejagt [2].

Haltung

Die Art wird weltweit nur noch in wenigen Zoos in Papua-Neuguinea, Indonesien und China gehalten. Das älteste bekannte Graue Baumkänguru starb im Gladys Porter Zoo, Brownsville (Texas), im Alter von 23 Jahren und 9 Monaten [4].

Haltung in europäischen Zoos: Der Londoner Zoo erhielt sein erstes Graues Baumkänguru bereits 1848. Es lebte dort vier Jahre. Auf dem europäischen Festland gab es die erste Haltung ab 1856 im Amsterdamer Zoo [3]. In den 1970-80er Jahren war die Art in Europa relativ gut vertreten. Im Krefelder Zoo wurde sie regelmäßig gezüchtet. 1992 wurden die beiden letzten Tiere an den Zoo von Jacksonville in Florida abgegeben, wo der Bestand jedoch mittlerweile auch erloschen ist. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach dem Säugetiergutachten 2014 des BMEL muss für 1-2 Baumkängurus ein Innengehege von mindestens 16 m² Fläche und 3 m Höhe vorhanden sein. Für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 8 m² zu erhöhen. Wird fakultativ ein Außengehege angeboten, so soll dieses mindestens 40 m² groß sein.

Die Tierschutzverordnung der Schweiz schreibt für zwei Baumkängurus sowohl ein Innen- wie ein Außengehege von 16 m² und für jedes weitere Adulttier zusätzliche 4 m² vor, wobei die Gehegehöhe mindestens 2.5 m betragen muss.

Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs verlangt für ein Paar eine Mindestfläche von 20 m² bei einer Höhe von 3 m.

Nach JACKSON soll für 5 Tiere eine Gehegefläche von 40 m² nicht unterschritten werden [1].

 Taxonomie und Nomenklatur

Es gibt zwei Unterarten. Die Nominatform lebt auf der Vogelkop- und Fakfak-Halbinsel sowie den vorgelagerten Inseln Waigeo, Misool, Salawati und möglicherweise Batanta. Die Unterat D. i. finschi kommt auf der Insel Japen und entlang der Nordküste Neuguineas vor [2; 5].

Literatur und Internetquellen

  1. JACKSON, S. M. (2003)
  2. LEARY, T. et al. 2016. Dendrolagus inustus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T6431A21957669. http://www.iucnredlist.org/details/6431/0. Downloaded on 15 April 2018.
  3. SCHÜRER, U. (2019)
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  6. ZOO KREFELD - PRESSEMITTEILUNG (29.05.2008)

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Samstag, 01 April 2017 15:44

Beutelwolf

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Raubbeutlerartige (DASYUROMORPHIA)

Familie: Beutelwölfe (Thylacinidae)

D EX 650

Beutelwolf

Thylacinus cynocephalus † • The Thylacine or Tasmanian Tiger • Le loup marsupial

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Beutelwolf im Zoo von Hobart, 1928. Foto von: B Sheppard im Tasmanian Museum and Art Gallery, Hobart

 

 

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Ehemaliges Vorkommen des Beutelwolfs (Thylacinus cynocephalus)

 

 

 102 002 015 001 Thylacinus cynocephalus Muetzel BrehmsTL
Beutelwölfe (Thylacinus cynocephalus) nach dem Leben gezeichnet von Gustav Mützel. Aus Brehms Tierleben, Band 3, 2. Auflage 1883.

 

 

102 002 015 001 Thylacinus cynocephalus JGritzkaStaatMusNaturkundeStuttgart
Dermoplastik eines Beutelwolfs (Thylacinus cynocephalus). Staatliches Museum für Naturkunde, Stuttgart

 

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Der Beutelwolf war der größte Raubbeutler, der in geschichtlicher Zeit in Australien lebte. Etwa 30 Tiere wurden in europäischen Zoos gehalten, es kam aber zu keiner Zucht. Das letzte bekannte Tier, ein Weibchen, starb 1936 im Zoo von Hobart auf Tasmanien.

Körperbau und Körperfunktionen

Der in seinem Habitus einem Hund ähnliche Beutelwolf wies eine Kopf-Rumpflänge von 85-118 cm, eine Schwanzlänge von 33-61 cm und ein Gewicht von 15-35(-45) kg auf. Einzelne Individuen sollen noch viel größer gewesen sein. Das kurzhaarige Fell war graubraun, stellenweise ins Gelbliche gehend, und auf dem Rücken und der Schwanzwurzel befanden sich auffällige schwarzbraune Querstreifen, denen das Tier seinen englichen Namen "Tasmanian Tiger" verdankt. Die Weibchen hatten einen nach hinten geöffneten Beutel und vier Zitzen [4].

Verbreitung

Australien: Ehemals Tasmanien. Auf dem australischen Festland vor 2'000 Jahren, auf Neuguinea noch früher ausgestorben [1].

Lebensraum und Lebensweise

Mit Ausnahme der kühlen Feuchtwälder besiedelten Beutelwölfe alle Lebensräume Tasmaniens. Sie waren hauptsächlich nachtaktiv. Ihre Hauptbeute waren Kängurus und Wallabies, die sie einzeln oder zu zweit jagten [1].

Gefährdung und Schutz

Auf der Roten Liste der IUCN ist die Art seit 1982 als ausgestorben aufgeführt [1].

Die Art unterlag Handelsbeschränkungen nach CITES-Anhang I, wurde aber mit Wirkung auf den 12. Juni 2013 aus dem Anhang gestrichen.

Bedeutung für den Menschen

Der Beutelwolf stand im Ruf, ein Schafräuber zu sein, und wurde deshalb intensiv verfolgt. Als er schon sehr selten war, kam die Sammeltätigkeit für Museen als weiterer, das Aussterben beschleunigender Faktor dazu. Es bestehen hier also Parallelen zum Aussterben des "Lämmergeiers" im Alpenraum [1].

Haltung im Zoo

In europäischen Zoos wurden insgesamt etwa 30 Beutelwölfe gehalten, die meisten davon im Londoner Zoo, der erstmals 1850 ein Paar eingeführte. Der nächste traf 1856 aus dem damals „Van Diemen’s Land“ genannten Tasmanien ein [2]. Der letzte starb am 9. August 1931. Im deutschsprachigen Raum wurden zwischen 1864 und 1910 insgesamt 6 Beutelwölfe in den Zoos von Berlin und Leipzig gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Lebenserwartung und Zucht: Der älteste bekannte Beutelwolf starb im Alter von 12 Jahren und 6 Monaten im Zoo von Hobart (Tasmanien) [3].

Mindestanforderungen an Gehege: Auch wenn die Art wider Erwarten nicht ausgestorben sein sollte, ist nicht davon auszugehen, dass sie je wieder in Europa gehalten wird. Daher gibt es keine Mindestanforderungen.

 Taxonomie und Nomenklatur

1808 beschrieb der britische Kolonialbeamte George Prideaux Robert HARRIS den Beutelwolf als "Didelphys cynocephalus". Die Gattung Thylacinus wurde 1824 vom ersten Direktor des Leidener Naturkundemuseums, Coenraad Jacob TEMMINCK, aufgestellt. Es sind keine Unterarten anerkannt [1].

Literatur und Internetquellen

  1. BURBIDGE, A.A. & WOINARSKI, J. (2016). Thylacinus cynocephalus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T21866A21949291. http://www.iucnredlist.org/details/21866/0. Downloaded on 05 April 2018.
  2. SCLATER, P. L. (1862 ff). List(s) of the vertebrated animals now or lately living in the gardens of the Zoological Society of London. Printed for the Society; England.
  3. WEIGL, R. (2005)
  4. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx